Geschichte: Freie Arbeiten / Prosa / Liebe / Dark / wertlos

 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

wertlos

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Het
07.06.2022
12.08.2022
13
38.738
3
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
10.06.2022 5.169
 
Welcome to the game
~ Breaking Benjamin



Die nächsten Tage verbrachte Cara damit sich von Anna alles Mögliche erklären
und jeden Raum des Hauses zeigen zu lassen. Sie begann eine erste Tagesroutine zu
bekommen. Natürlich würde diese harmlose Routine aus Lehrstunden und
Besichtigungen nicht mehr lange anhalten, das war ihr auch klar, aber im Moment
tat ein geregelter Ablauf einfach gut. Sie erfuhr auch, dass nicht alle Mädchen hier
unfreiwillig waren. Für einige war das hier bloß ihre Arbeit und sie gingen nach ihrer
Schicht wieder nach Hause. Langsam gewöhnte sie sich auch an die neue Art von
Kleidung. Für Spitzenunterwäsche hatte es in ihrem früheren Leben keine
Verwendung gegeben. Und noch immer verursachte ihr der Gedanke an Berlin und
die Öztürks ein schmerzhaftes Ziehen in der Brust, das erst nach reichlich Ablenkung
wieder verging. Sie wusste, dass Heimweh normal war, aber leider nicht das
Geringste an ihrer Situation zu ändern vermochte. Nein, das hatte keinen Sinn, sie
musste sich erst mal fügen, lernen und auf ihre Chance warten. Sie war sich sicher,
dass sie nicht ihr gesamtes Leben hier verbringen würde. Besser gesagt, war das alles was ihr blieb. Die Aussicht auf eine erfolgreiche Flucht, sobald sich ihr eine Lösung aufgetan hatte, wo sie dann hin sollte… Aber zumindest war sie hier nicht allein. Anna war ihr in der kurzen Zeit schon eine gute Freundin geworden. Die Kölnerin
war weiß Gott nicht auf den Mund gefallen und manchmal sehr derb, aber Cara
mochte sie und war froh eine Verbündete hier zu haben.
Im Moment lag sie allein in ihrem gemeinsamen Zimmer auf dem Bett und versuchte einige Ratschläge zu verinnerlichen. Anna arbeitete nebenan. Was das hieß konnte Cara nur allzu deutlich hören, aber genauer vorstellen wollte sie sich Anna dabei
nicht. Es klopfte und die schüchterne Dreizehnjährige kam unaufgefordert in das
Zimmer. Sie brachte ihr den gewaschenen Mantel wieder. Caras Miene hellte sich
schlagagartig auf.
„Ich danke dir vielmals! Wie heißt du?“ Schweigen antwortete ihr und Cara war sich
nicht sicher, ob das Mädchen nicht mit ihr sprechen wollte, konnte oder die Frage
gar nicht verstanden hatte. Sie drehte sich um und verstaute den Mantel säuberlich
in ihrem Schrank, der gegenüber ihres Bettes in die Wand eingelassen war.
Das Mädchen sah sie unergründlich an, drehte sich auf dem Absatz um und
verschwand. Irritiert sah Cara ihr nach.
Die Geräusche aus dem Nachbarraum wurden immer lauter und abgehackter, was
Cara verriet, dass Anna bald wieder bei ihr sein würde. Auch wenn sie an sich
keinerlei Ahnung davon hatte, so besaß sie doch ein gutes Gehör und hatte in den
letzten Tagen durchaus die verschiedenen Stadien von Annas Arbeit, die auch sie in kürze erwartete, zu unterscheiden gelernt. Und tatsächlich tauchte Anna ein paar
Minuten später wieder in ihrem Zimmer auf und ging zielstrebig zu dem neben der
Tür eingelassenen Waschbecken, um sich die Hände zu waschen und eine
Verschlusskappe Mundspülung zu gurgeln. Cara musste schmunzeln als Anna sich
fast verschluckte und alles wieder ins Waschbecken spuckte. Sie trocknete ihren
Mund ab und richtete sich wieder auf.
„Bah, sowas ekliges habe ich lange nicht mehr geschmeckt!“ Cara traute sich gar
nicht erst nachzufragen. Glücklicherweise nahm Anna ihr das ab.
„Der Kerl war ganz eindeutig besoffen. Schon mal Sperma probiert, wenn sie vorher
Bier in sich hinein geschüttet haben? Ekelig!“
Cara erbleichte bei der rhetorischen Frage, das wollte sie nun doch nicht wissen.
Obwohl das Wissen wahrscheinlich sogar förderlich war.
„Ach komm schon, guck nicht wie ein Hirsch im Scheinwerferlicht eines Ufos! So
schlimm ist es nun auch wieder nicht.“ Anna lachte. Cara war sich dessen nicht so
sicher und sparte sich eine Antwort, als es erneut an der Tür klopfte. Eines der
Mädchen steckte den Kopf herein.
„Cara soll zu Madame Lucia kommen“, sprach sie mit breitem Akzent und
verschwand sogleich wieder. Die beiden verbleibenden Mädchen sahen sich an. Sie
wussten, oder ahnten zumindest, was jetzt kommen würde.
Schweren Herzens und mit noch schwereren Beinen trat Cara ihren sprichwörtlichen
Weg zur Schlachtbank an.
Als sie an Lucias Büro ankam, klopfte sie scheu. Von drinnen erscholl ihre Stimme,
sie solle eintreten. Cara gehorchte und schloss hinter sich wieder die Tür, dann sah
sie Lucia in das alternde Gesicht.
„Cara, du bist jetzt schon fast eine Woche hier und hast noch keinen Freier bedient.
Ein paar Tage habe ich dir hiermit zur Eingewöhnung erlaubt, aber die Zeit ist
abgelaufen. Morgen wirst du den Ersten nehmen, der sich bei uns einfindet und kein
bestimmtes Mädchen verlangt. Ich rate dir, ihn nicht zu verärgern. Ich weiß, das ist
am Anfang schwer, Mädchen, aber irgendwann musst du anfangen. Herr Boika
füttert dich nicht für nichts durch. Also?“

Cara hatte damit gerechnet und hoffte nun, dass zumindest ihre Ehrlichkeit ihr einen
Aufschub gewähren würde.
„Es ist mir ehrlich gesagt etwas peinlich, aber…“ Cara stockte.
„Was? Sprich schon!“
„Ich… ich habe keine Kenntnisse über Männer im Allgemeinen und… Sex im
Besonderen…“ Lucias Augen weiteten sich vor Erstaunen.
„Sagtest du nicht, du seist einundzwanzig Jahre alt? Wo bist du aufgewachsen, in
drei Teufels Namen? Bei den Beduinen? Hinterm Mond? Da präferiert Herr Boika
schon deutsche Mädchen, damit sie nicht so viel lernen müssen und dann so was! Und warum rückst du damit erst jetzt raus? Erhoffst du dir eine Verschonung? Ohh
nein, das kannst du vergessen. Anna soll dir noch etwas beibringen und in drei Tagen
bist du soweit. Und jetzt geh mir aus den Augen!“ Kopfschüttelnd wies Lucia
Bednarikova auf die Tür. Cara nickte, bedankte sich kurz und beeilte sich davon zu
kommen.

Im langen Flur angekommen lehnte sie sich mit dem Rücken an eine Wand und
atmete tief durch. Ihr Brustkorb zitterte und Panik begann sich ihrer zu ermächtigen.
Ihre Lungen sogen immer schneller die Luft ein, bis Cara die ersten Tränen über die
Wangen liefen. Sie hatte so sehr versucht hier stark zu sein, alles weitestgehend
heruntergespielt und ausgeblendet, dass sie sich selbst geglaubt hatte, das hier
durchstehen zu können. Doch es widersprach allem, was man ihr beigebracht hatte,
allem was sie selbst wollte. Sie war nicht so stark wie Anna dachte und nicht so
clever wie sie es sich selbst eingeredet hatte. Fliehen, wohin denn? Das war wieder
so eine Schnapsidee gewesen, als sie sich sicher gefühlt hatte. Jetzt, wo alles in ihr
hochkochte blieb nur pure Verzweiflung und Desillusionierung von ihren guten
Vorsätzen und mutigen Plänen übrig, die sie in guten Phasen geschmiedet hatte. Cara
rutschte weinend an der Mauer herunter und blieb wie ein Häufchen Elend sitzen.
Das sollte nicht so sein. Das durfte nicht so sein!

Als Cara eine halbe Stunde lang nicht zurückkehrte, begann Anna sich Sorgen zu
machen. Sie lief im Zimmer auf und ab und spielte wie besessen mit dem Stecker in
ihrer Unterlippe. Schließlich hielt sie es nicht mehr aus und raste die Treppe hinunter,
immer zwei Stufen auf einmal nehmend. Schnell fand sie Cara. Ihre Tränen waren
mittlerweile getrocknet, doch sie starrte nur noch apathisch vor sich hin.
„Cara?“ Anna kniff sie leicht in die Wange, doch es kam keine Reaktion.
“Verdammt, Cara! Kamm sofort zurück, du elendes Biest! Hallo?! Willst du mich
verarschen! Cara! Wenn dich jemand anders als ich hier findet bist du am Arsch!
Jetzt steh schon auf, Madame Lucia ist nicht sonderlich nachgiebig bei Flennerei!
Jetzt komm!“ Mit diesen Worten verpasste sie Cara einen argen Knuff in die Rippen,
der sie wieder zurückholte. „Na also“, sagte sie sanfter, „komm, wir müssen
weg.“ Anna half ihr zurück in ihr gemeinsames Zimmer. Kaum darin angekommen,
bugsierte Anna Cara auf deren Bett und fragte sie über das Gespräch aus.
Dass Cara keine Erfahrungen gesammelt hatte in ihrem Leben, wusste Anna, umso
mehr überraschte es sie, dass sie es öffentlich zugegeben hatte. Damit steigerte man
hier nicht unbedingt sein Ansehen. Als Cara geendet hatte sah sie sie unsicher an.
„Was mache ich denn jetzt, Anna?“
„Wir machen das, was sie dir gesagt hat. Ich gebe dir Nachhilfe. Natürlich nur
theoretisch, aber vielleicht lässt dich einer der Freier am dritten Tag ja mal bei mir
zusehen.“
Cara fielen fast die Augen aus dem Kopf. „Ich soll was?!“
„War ja nur eine Idee. Aber deine prüde Art wird dir auch nicht viel bringen, sag‘ ich
dir ehrlich. Wenn du was lernen willst, musst du es ja auch irgendwie sehen, oder
nicht?“
„Danke, ich hoffe, dass die Theorie ausreicht!“, fauchte sie.
Anna zuckte nur unbeeindruckt mit den Schultern. „Ok, bitte. Wie du meinst. Das
Angebot steht.“
Cara nahm es nicht an. Zu sehr fürchtete sie sich davor, was sie erwarten würde.
Doch Anna gab ihr tatkräftig Theorieunterricht und hielt sich nicht mit
Beschönigungen auf. Mehr als einmal stieg Cara die Röte ins Gesicht, bei den
beschriebenen Praktiken und mehr als einmal fragte sie sich, wie sie das überstehen
sollte.



*



Am zweiten Tag ihres Ultimatums war sie um die Mittagszeit herum wieder alleine
auf dem Zimmer. Der Regen klopfte an die blinde Fensterscheibe und Cara wusste
nichts mit sich anzufangen. Anna arbeitete lautstark, wahrscheinlich, um ihr die
Lektion ‘Richtig stöhnen‘ nochmal zu verdeutlichen. Cara verdrehte die Augen.
Auch die Anderen waren größtenteils beschäftigt und so wunderte es sie, dass sie
über den allgemeinen Lärmpegel hinweg überhaupt noch die anderen Laute
wahrnahm. Cara spitzte die Ohren.
Es klang, als würde jemand lautstark diskutieren. Ihre Neugier erwachte und sie
schlich aus dem Zimmer und die Treppe hinab. Am letzten Treppenabsatz vor dem
Erdgeschoss angekommen, hörte sie wie tatsächlich auf dem Flur vor Madame
Lucias Büro heftig gestritten wurde. Wer mochte da so ins Kreuzfeuer geraten sein?
Sie wollte die Plätze jedenfalls nicht tauschen.
Dann erst merkte sie, dass es gar nicht vorrangig Lucia war, die diskutierte, sondern
zwei männliche Stimmen. Lucia warf nur ab und an etwas in die hitzige Diskussion
ein. Cara duckte sich auf die Treppe und spitzte erneut die Ohren. Das brachte
allerdings nicht den gewünschten Effekt, denn sie sprachen alle Tschechisch. Anna
hatte ihr in den letzten Tagen ein paar Brocken beigebracht, damit sie sich
wenigstens gebrochen mit den Freiern verständigen konnte. Allerdings war das
Einzige was sie verstand, dass es den Sprecher nicht interessierte. Was ihn nicht
interessierte, konnte sie nicht sagen. Dann vernahm sie die Stimme ihres
Kerkermeisters, Alexej Boika. Er sprach viel zu schnell, als dass sie den Sinn der
Worte ergründen konnte. Auch glaubte sie ein paar russische Worte dazwischen zu
hören. Alexejs Gesprächspartner schnaubte und sie hörte seine Schritte, als er
scheinbar wütend ein paar Meter von ihm weg trat.
Ein großer junger Mann erschien jetzt in Caras Sichtfeld und kurze Zeit später auch Madame Lucia und Boika, die recht hitzig auf den Fremden einredeten. Dieser
drehte sich jetzt in einer fließenden Bewegung wieder zu ihnen um und wedelte mit
einem Brief, den er mit ausgestrecktem Arm vor ihre Gesichter hielt, hin und her,
während er mit bedrohlich leiser Stimme auf die scheinbaren Anschuldigungen
Boikas und Lucias reagierte.
Cara rutschte noch etwas näher ans Geländer heran, um besser sehen zu können. Ihr
Blick wanderte von dem Brief an seinem ausgestreckten Arm die muskulösen
Schulter hinauf, an die sich ein fein definierter, aber schlanker Oberkörper anschloss,
der in einer schwarzen Kapuzensweatjacke steckte, bis zu dem Gesicht des Fremden.
Seine kurzen Haare waren dunkelblond und ein wenig nass, vom Regen. Seine
Gesichtszüge waren markant und im Moment leider wutverzerrt, sonst schienen sie
sehr ebenmäßig und ansehnlich zu sein. Was am meisten auffiel waren jedoch die
zu schmalen Schlitzen verengten Augen, die trotzdem von innen heraus zu glühen
schienen. Ohhje, der Mann war wirklich sauer. Einen Moment lang war Cara froh,
dass sie nicht die war, die vor ihm stand. In ebendiesem Moment, drehte er den Kopf
und sein kalter, raubtierartiger Blick richtete sich auf Cara.

Seine Augen waren stahlgrau, registrierte sie.
Der Blick wurde für einen Moment etwas weniger kalt und sie meinte so etwas wie
Erstaunen darin gelesen zu haben.
Dann war der Moment vorbei, sein Gesicht verschloss sich und er wandte sich
wieder Lucia und Boika zu. Cara spürte erst jetzt, dass sie die Luft angehalten hatte.
Leise atmete sie aus und trat den Rückzug an. Was hatte sie sich nur dabei gedacht?
Wenn er sie verraten hätte, wäre sie nicht so glimpflich davongekommen. Doch
warum hatte er es nicht getan? Was war hier los? Wer war er? Sie spurtete die
Treppen hoch und warf sich wieder in ihrem Zimmer auf das Bett.
Keine Sekunde zu früh, denn Anna kehrte zurück.
„Ich hoffe, du hast wenigstens gut zugehört, wenn du mein Angebot schon
ausschlägst. Viele nehmen das als Bestätigung. Je lauter du bist, umso besser fühlen
sie sich und umso großzügiger ist auch das Trinkgeld.“ Sie wedelte grinsend mit ein
paar Scheinen in der Luft und steckte sie dann in einen Hohlraum unter der Matratze.
Cara sah sie nachdenklich an. „Wir müssen doch alles abtreten, oder nicht? Hast du
keine Angst, dass sie dich erwischen und bestrafen?“
Anna lachte nur. „Nein, nicht wirklich. Ich bin seit vier Jahren hier. Seit Dreien
behalte ich das Trinkgeld und es ist noch niemandem aufgefallen.“ Annas Augen
blitzten.
„Und was hast du vor, wenn du genug zusammen hast?“
„Na, ich haue ab, ist doch klar!“, erklärte Anna, als sei es das Leichteste überhaupt
von hier zu verschwinden.
„Wie willst du das anstellen und wo willst du hin?“ Cara erkundigte sich deswegen nicht ganz uneigennützig.
„Dafür habe ich schon einen Plan. Das Bad im zweiten Stock hat ein Fenster, das
sich ganz öffnen lässt. Ich weiß nicht, ob das Nachlässigkeit war oder ob es dafür
kein Schließsystem gibt, Fakt ist, es geht. Dann muss ich einen günstigen Moment
abpassen und hoffen, dass ein Landwirt mit Frucht oder ein LKW mit Kies oder so
vorbeikommt. Die einzige Möglichkeit ist springen, aber das wird schon
gehen.“ Zuversichtlich grinste Anna. „Tja, wohin...“, ihr Ausdruck wurde
nachdenklich, „vielleicht zur Botschaft, damit ich sicher zurück nach Deutschland
komme… oder ich schlage mich alleine nach Hause durch. Egal was, hauptsache
schnell, denn Boika hat eine ganze Riege an hirnlosen Handlangern, die mich sicher
dann jagen...“
Damit war Caras Frage schon geklärt. Anna würde versuchen nach Hause zu
kommen. Diese Möglichkeit hatte sie nicht. Zumal ihr Fluchtplan wirklich
aberwitzig war. Es fuhren zwar genug LKWs auf der großen Straße, die an der
kurzen Seite des Herrenhauses verlief, aber genau dann einen abzupassen...
unwahrscheinlich. Caras Blick wanderte in die Ferne.
„Anna?“
„Hmh“, kam es zurück.
„Wie war dein Zuhause so? Warst du glücklich?“
Anna sah sie mit forschendem Blick von der Seite an. „Ja, ich war glücklich Zuhause.
Ich war gerade Zuhause ausgezogen, aber nicht weit weg von meinen Eltern, die ich
wirklich liebe. War mit Michael, meinem Freund, zusammengekommen. Hatte
gerade meine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten erfolgreich beendet... Ja, eigentlich sollte mein Leben gerade erst anfangen und dann entschied ich mich zu dem Spaziergang abends.“
Ihr Gesicht hatte einen merkwürdigen, verklärten Ausdruck angenommen, den Cara
an ihr noch nie bemerkt hatte. Ihre Freundin hatte nie ein Gefühl wie Heimweh oder
Bedauern gezeigt, doch jetzt, wo sie es angesprochen hatte... Sie hatte Mitleid mit
Anna, obwohl sie selbst in keiner besseren Situation steckte. So hatte sie wenigstens
nicht das Gefühl, dass ihr Leben gerade angefangen hatte. Zuhause hatte sie das
Gefühl gehabt, ihr Leben zu verpassen und auch jetzt ging es ihr damit nicht besser.
Doch Anna hatte scheinbar alles gehabt, was sie sich gewünscht hatte. Das tat Cara
unendlich leid, doch sie wusste nicht so ganz, was sie dazu sagen sollte. Und schon
gar nicht, wie sie ihr einen Teil dieses Schmerzes nehmen konnte, wenn sie doch mit ihrem eigenen schon nicht umzugehen wusste. Also entschied sie sich nur zu einem vagen „Hmmmh“.

Noch eine ganze Zeit lagen beide Frauen auf ihren Betten und hingen ihren
Gedanken nach.

Irgendwann richtete Anna sich wieder auf, strich sich durch die schwarzen Haare und lächelte Cara an, die sie nur müde aus den Augenwinkeln betrachtete.
„Heute ist dein letzter Tag als unbescholtene Bürgerin, den solltest du
nutzen!“ Feierlich breitete sie die Arme aus.
‘Unbescholten‘, dachte Cara bei sich, ‘du hast ja keine Ahnung, was damals passiert
ist!‘ Damals. Es war gerade eineinhalb Wochen her und doch kam es ihr wie eine
Ewigkeit vor. Aus irgendeinem Grund hatte sie Anna nichts von ihrer
Vergewaltigung durch die Fahrer erzählt und das wollte sie auch nicht nachholen.
Cara sah sie jetzt nur fragend an. Anna war währenddessen aufgesprungen und hatte
sich an ihrem Schrank zu schaffen gemacht. Sie holte eine Flasche mit klarem Inhalt
heraus. Cara schwante Böses.
„Wir sollen uns betrinken?“
„Klar, warum nicht? Ist die einzige Abwechslung, die man hier bekommen kann,
also los!“ Energisch nahm Anna den ersten Schuck aus der Flasche. Sie verzog nicht
einmal das Gesicht und reichte sie an Cara weiter.
Cara zögerte. „Werden sie uns nicht zum Abendessen vermissen?“
Anna schüttelte den Kopf. „Nein. Du vergisst, das hier ist kein richtiges Gefängnis.
Man beobachtet nicht jeden unserer Schritte, wenn wir unsere Arbeit gut machen.
Man wird von dir denken, dass deine morgen früh abgelaufene Schonfrist dir auf den
Magen geschlagen ist und nach mir fragt nie jemand. Ich bin schon so lange hier und
als Eigenbrötlerin verschrien, da macht das auch nichts mehr.“ Sie grinste und ihre
dunklen Augenbrauen schoben sich nach oben, während sie Cara erwartungsvoll
ansah. Sollte sie? Sie hatte ja keine andere Wahl als Anna zu vertrauen. Mit einem
Seufzen setzte sie die Flasche an und trank.
Bereits nach dem ersten Schluck bemerkte sie den Fehler. Cara musste husten. Das
Zeug brannte ziemlich. Es war nicht das erste Mal, dass sie Alkohol trank. Doch viel
war sie nicht gewohnt gewesen und das hier war stark. Anna schüttelte sich vor
Lachen.
„Was hast du erwartet? Cool up? Hier wird härteres getrunken!“ Ja, das war Cara
dann auch gerade aufgefallen. ‘Aber was soll's?‘, dachte sie sich, ‘Schlimmer kann
es ja kaum kommen! Selbst wenn wir erwischt werden sollten.‘ Die jungen Frauen
setzten sich auf den Boden und teilten sich die Flasche.
„Jap!“, lallte Anna nur noch, „Sowas habe ich auch mal gemacht!“ Cara grinste und
kippte bei dem Versuch, nach der Flasche zu Angeln zur Seite weg. Ach, wen störte
das schon? Sie drehte sich auf den Rücken und blieb liegen. Vom Boden aus
versuchte sie Anna zu fokussieren, was mehr als schwierig war. Sie waren irgendwie
beim Thema Schule schwänzen angekommen. Auch wenn keiner der Beiden mehr zur Schule ging. Nicht, dass man sie das in dem Zustand hätte fragen dürfen.
Anna erzählte weiter. „Ich bin aneinandergeraten, weil er ständig gegen meine Tasche getreten hat, das Arschloch!
Körperlich konnte ich dem leider gar nichts, aber irgendwann habe ich seine Tasche
genommen und in hohem Bogen auf die Überdachung des Gangs geworfen.“ Sie
lachte unkoordiniert. „Natürlich klingelte genau dann die dämliche Pausenglocke
wieder und der Idiot wurde sauer, weil er jetzt Ärger bekommen würde, da er keine
Unterlagen mehr hatte. War mir aber egal. Solange, bis der Pisser mich von hinten
angesprungen und niedergerungen hatte. Dann hat er mir gedroht, dass er mir die
Haare anzünden würde, bekäme er die Tasche nicht in der nächsten Pause wieder.
Dumm, wie ich war, habe ich das für bare Münze genommen.“
Anna schüttelte über sich selbst fassungslos den Kopf und musste sich abstützen, um
nicht umzufallen. Sie griff nach der Flasche und nahm noch einen Schluck.
„Also bin ich dumme Pute ernsthaft an den Tragsäulen des Dachs nach oben
geklettert und habe die Tasche gepackt. Alle Anderen waren natürlich schon längst
in den Klassenräumen. Unser Mathelehrer war so ein dummer, alter Soldat, der dich
seine Missbilligung hat spüren lassen, wenn man zu spät war. Also habe ich mich
nicht mehr in die Klasse getraut und saß neunzig Minuten auf dem Dach, damit mich
auch keiner vorbeigehen sehen konnte.“

Wieder setzte sie die Flasche an. „Naja, am Ende der Stunde kam ich wieder vom
Dach und alle meine Freundinnen fragten, warum ich so dumm gewesen sei. Ich
wusste nicht was sie meinten. Man konnte vom Klassenraum ganz genau auf die
Ecke des Daches sehen, wo ich die ganze Zeit saß. Schön Blöd.“ Sie grinste.
„Der Lehrer hat dafür natürlich meine Freundinnen leiden lassen, in der Annahme,
sie steckten da mit drin. Also habe ich geschwänzt, ohne überhaupt die Schule
verlassen zu haben. Das kann auch nicht jeder, nicht wahr?! Und du? Wie hast du
geschwänzt?“ Anna feixte und betrachtete zum ersten Mal seit ihrer Erzählung Cara,
die noch immer am Boden lag. Sie schlief.

Am nächsten Morgen beim Frühstück war Cara tatsächlich nicht nach Essen. Ihr war
beim Aufstehen übel gewesen und das helle Licht tat ihr weh. Doch die Ereignisse
hatten sie schnell eingeholt und sie schlagartig nüchtern werden lassen. Sie wusste, was für ein Tag heute war. Schon seit dem Aufstehen zitterten ihre Hände und sie
schwitzte, obwohl ihre Finger kalt wie Eis waren. Anna tat ihr Bestes um die
Freundin zu beruhigen, doch bei Cara kam wenig an. In ihr wiederholten sich ständig
die Szenen ihrer Entführung.
Kurz nach dem Frühstück rief Lucia sie zu sich und ermahnte sie, sich
zusammenzureißen und vor allem keine Dummheiten zu machen. Der Gast, der sich
angekündigt hatte, sei ein hochrangiger Lokalpolitiker. Cara fühlte sich wie ein
Opferlamm, das sein Verderben sieht und trotzdem keine andere Wahl hat, als
weiterzugehen. Lucia entließ sie mit den Worten: „Bitte Anna dir beim zurechtmachen zu helfen, du sollst ja nicht aussehen wie ein braves Schulmädchen! Wenn der Herr gegangen ist,
kommst du umgehend zu mir, klar!?“ Cara nickte und wurde vor der Tür von Anna empfangen, die dreist einfach daran gelauscht hatte. Etwas, was die anderen
Mädchen nie wagen würden, aber Anna war auch nicht wie die anderen Mädchen.
„Ist schon gut, ich helfe dir“, sagte sie beruhigend und legte einen Arm um Caras
schmale Schultern, als diese mit leerem Gesichtsausdruck aus dem Büro trat. Die
Beiden schlichen langsam die Treppen hoch, denn zu mehr war Cara nicht in der
Lage. Sie hatte furchtbare Angst.

Im Zimmer half Anna der zitternden Cara in die besonders hübsche
Spitzenunterwäsche und in ein aus durchscheinendem Gazestoff bestehendes Kleid mit ein paar rüschigen Applikationen und Spaghettiträgern, das ihr kaum über den
Po reichte. Sie betonte dezent Caras Augen mit einem dunklen Kajal und
Wimperntusche. Den zweifarbig gesträhnten Bob ließ sie glatt wie er war. Das ganze
Prozedere wurde wortlos ausgeführt, Cara war in Gedanken zu weit weg. Dann nahm
Anna sie bei der Hand und führte sie ebenso still die Treppen wieder hinab.
Cara erinnerte sich dunkel, dass ihr diese Räume in den ersten Tagen kurz gezeigt
worden waren und dass sich hier die Räume für die besonderen Vorlieben, wie für
die besser gestellte Gesellschaft befanden. Die normalen Kunden wurden in den
Zimmern neben den Schlafräumen empfangen. Aber Caras erster Freier war
ausgerechnet kein normaler Mann.

Vor einer großen Kirschholztür blieb Anna stehen, warf ihr kurz über die Schulter
einen Blick zu und öffnete sie dann. Zum ersten Mal hatte Cara nun Zeit das Zimmer
im Ganzen zu betrachten. Als sie es damals kurz gesehen hatte, hatte sie nur einen
flüchtigen Blick hineingeworfen. Damals. Vor wenigen Tagen. Das war es ihr so
weit weg erschienen, jetzt kam ihr das alles eindeutig zu nah.
Sie sah ein großes altmodisches Bett aus dunklem, polierten Holz. Anna erwähnte,
dass das hochwertiges Teakholz sei, wie alle hölzernen Elemente des Raumes,
deshalb wurden hier auch nur die vermögenden Kunden empfangen. Über dem Bett
spannte sich ein königsblauer Baldachin, der wunderschön mit der goldenen
Bettwäsche harmoniert hätte, wüsste Cara nicht für welchen Zweck dieses
wunderschöne Zimmer gedacht war. Gegenüber dem Bett befand sich eine teuer
wirkende Couch und ein gläserner Tisch auf goldenen Füßen. Das, was den Raum
aber einnahm, war die große Fensterfront mit der Glastür nach draußen.
Direkt daneben befand sich eine Kommode, deren Inhalt Cara sich lebhaft vorstellen
konnte. Furchtsam glitt ihr Blick zurück zu der Fensterfront, und erleichtert stellte
sie fest, dass es keine direkte möglich gab sie zu beobachten. Sie trat an das große
Fenster heran und besah sich die Terrasse. Da dieser Raum im Kellergeschoss war,
lag die Terrasse in einer Art ‘Loch‘, dessen Wände mit steinernen Pflanzkästen treppenartig abgestürzt waren. Es sah sehr schön aus, und man war vor neugierigen
Blicken geschützt. Auf der Terrasse stand eine einladend wirkende Lounge aus
Rattanmöbeln. Plötzlich weiteten sich Caras Augen und einem Impuls folgend
sprang sie zur Seite an die Glastür und riss an dem Griff.
Die Tür bewegte sich nicht.
Erst jetzt bemerkte Cara das unauffällige Schloss. Neben ihr schüttelte Anna
mitleidig den Kopf.
„Glaub mir, auf die Idee bin ich auch schon gekommen, aber unsere Sklavenhalter
sind nicht dumm, den Schlüssel bekommt nur der Gast ausgehändigt, niemals wir.
Ihnen wird auch eingeschärft uns niemals mit dem steckenden Schlüssel alleine zu
lassen. Das wird ohnehin nur den vertrauenswürdigsten, zahlungskräftigsten Kunden
erlaubt. Es hat keinen Sinn. Selbst wenn man ihn stehlen könnte, käme man nicht
weit, die Männer sind viel zu stark für uns und lassen erfahrungsgemäß den
Schlüssel wirklich nie aus den Augen. Es tut mir Leid.“ Ihre Freundin wirkte zu
ersten Mal, seit Cara sie kannte zerknirscht. Anna war stets laut und aufmüpfig. Es
musste auch sie schmerzen zu wissen, dass die Freiheit so nah war und doch nicht
greifbar. In Cara zerbrach etwas, als sie akzeptierte, dass es keinen Sinn hatte an ein
Wunder zu glauben.
Anna wandte sich ihr noch einmal zu. „Denk an das was ich dir gesagt habe und halt
dich tapfer! Kopf hoch!“ Sie wandte sich zum Gehen, doch drehte sich in der Tür
noch einmal um. „Und egal was du tust, weine niemals...“ In ihren Augen flackerte
kurz Angst auf, dann schloss sie die Tür hinter sich und Cara starrte einfach weiter
auf die Stelle, an der Anna verschwunden war.

Anna hatte Angst gehabt und ihr geraten nicht zu weinen… das hieß, dass sie den
Mann schon kannte. Nicht gut, befand Cara, wenn sie schon so eine Warnung bekam.
Eine Weile starrte sie noch vor sich hin, dann erinnerte sie sich, dass man sie so am
besten nicht vorfinden sollte. Anna hatte ihr beigebracht, dass sie so den Freier
verärgern konnte und das nicht gut für sie endete. Also krabbelte sie auf das schöne
Bett und setzte sich seitlich, mit unter den Po gezogenen Beinen mitten in die Polster.
Das durchsichtige Kleid bedeckte so fast ihren ganzen Körper, auch wenn das
sinnlos war, man sah ja durch die Gaze. Zum Schluss bemühte sie sich sogar um ein
Lächeln, auch wenn schon ein Kloß in ihrem Hals saß, die Panik in ihrem Inneren
rumorte und die Tränen sich schon hinter den Augenlidern stauten. Nichts davon
ließ sie im Moment raus, aber alles war bereit auszubrechen. Während sie darüber
nachdachte, öffnete sich die Tür und aus Caras aufgesetztem Lächeln wurde ein
erschreckter Blick.


Der Mann der eintrat, war um die fünfzig Jahre alt, trug einen Anzug, hatte dunkles
welliges Haar, das schon von ein paar grauen Strähnen durchzogen wurde und eine
Brille auf der langen gebogenen Nase. Er war ordentlich rasiert und sein Anzug war faltenfrei. Er wirkte wie eine respektable Person, wäre er nicht hier gewesenen und
wäre da nicht der enorme Bierbauch und der lüsterne Blick in den viel zu kleinen
runden Augen gewesen.
„Hallo, Kleine“, sagte er auf Tschechisch und Cara war froh, dass sie wenigstens ein
paar Worte verstand. Verhalten lächelte sie ihn an.
„Du bist neu bei Alexej, richtig?“ Sie nickte schüchtern, während er seine
Aktentasche neben der Couch auf dem Boden abstellte. Sie sah ihm zu, wie er sich
aus seinem Jackett schälte und es säuberlich auf der Couch ablegte. Irritiert bemerkte
sie, dass er direkt mit der Hose und den Schuhen weitermachte. Er verlor also keine
Zeit und in Caras Eingeweiden wühlte ein kleines Tier, das immer wieder
schmerzhaft zubiss. Jedenfalls fühlte es sich so an. Nur noch mit Unterhose und
Socken bekleidet kam er auf das Bett zu. Sein riesiger Bauch schwebte ihm wie eine
Trommel voraus.

In Cara machte sich ekel über diesen ansonsten recht schmächtigen Mann mit dem
extremen Bauch breit, der jetzt neben sie auf das Bett kletterte und sich auf den
Rücken legte. Cara bemerkte ein Armband, an dem ein kleiner silberner Schlüssel
baumelte. Der Terrassentürschlüssel. Doch der Mann griff nach ihrer Hand und zog
sie zu sich.

Cara bekam Schnappatmung und musste sich zwingen sich zu bewegen und Annas
Rat nicht zu weinen zu beherzigen. Mühsah schluckte sie ihre Panik herunter.
Jetzt kniete sie neben ihm. Er nahm ihre Hand und legte sie demonstrativ in seinen
Schritt. Cara wollte zurückzucken, doch er lachte tief und hielt ihre Hand fest. Sie
spürte wie unter dem dünnen Stoff sein hartes Glied pulsierte. Der Ekel vor dieser
Person wurde immer größer, doch sie konnte sich nicht helfen und machte erste
vorsichtige Bewegungen ihrer Finger über den Stoff. Der Mann verdrehte die Augen.
Offensichtlich war ihm ihre Unerfahrenheit lästig.

Er packte mit der einen Hand ihren Kopf und mit der Anderen entblößte er sich
völlig, während er ihren Kopf unnachgiebig auf sein Geschlecht zudrückte. Cara
versteifte sich und wollte sich wehren, hatte dem Griff aber nichts entgegenzusetzen.
Also kniff sie die Augen zusammen und öffnete den Mund gequält als ihre Lippen
ihn berührten. Ihre Atmung war immer noch viel zu schnell und der Kloß im Hals
erleichterte ihre Aufgabe auch nicht weiter, doch ein Gedanke schlich sich in ihren
Kopf. Was wäre, wenn das alles war, was er von ihr verlangte? Wenn er gar keinen
Geschlechtsverkehr mit ihr wollte, sondern ihm ihr Mund reichte?
Dieser Gedanke beflügelte sie, denn es kam ihr nicht so abstoßend vor ihn zu
befriedigen, denn von ihm besessen zu werden. Sie ignorierte das komische Gefühl
in ihrer Magengegend, zwang sich, den Ekel beiseitezuschieben und legte all ihre
Inbrunst in ihre Aufgabe, in der Hoffnung er wäre dann zufriedenen und möge den
Rest ihres Körpers verschonen.
Vor ihrem inneren Auge blitzten wieder die Bilder ihrer Vergewaltigung auf, doch
sie schob sie mit größter Mühe beiseite, während sie ihre Zunge kreisen ließ, wie
Anna es ihr erklärt hatte. Das brachte auch den gewünschten Effekt. Sie spürte eher,
als dass sie wegen dem Bauch sah, dass er den Kopf in den Nacken legte und hörte
sein Seufzen. Das gab den nötigen Impuls ihre Hoffnungen zu nähren und Cara
steigerte ihre Bemühungen. Doch da kam ihr schon das nächste Problem in den Sinn.
Wohin mit dem Sperma, wenn er soweit war? Sie schüttelte innerlich den Kopf und
schalt sich selbst. ‘Lieber schlucken oder gewaltsam genommen werden, was willst
du, dummes Huhn?‘ Und ihr kam es fast so vor als wäre dieser Satz der alten Cara
entsprungen, der selbstbewussten, jungen Berlinerin, die zu diesem weinerlichen
Mädchen geworden war.
Sie schöpfte neuen Mut und intensivierte die Bewegungen ihrer Zunge. Sie traute
sich sogar die Hände dazuzunehmen und wurde für ihre Forschheit belohnt. Wenige
Minuten später hatte sie es geschafft.
Cara schluckte und versuchte den Geschmack zu ignorieren. Es gelang ihr besser als
sie gedacht hatte. Sie lockerte ihre Lippen um ihn und richtete sich wieder auf.
Instinktiv fuhr sie sich mit der Hand über den Mund. Der Mann lächelte glückselig
und auch auf Caras Zügen breitete sich ein Schmunzeln aus. Wenn es so einfach war,
einer Schändung zu entgehen, dann würde sie das sicher durchstehen, denn das hier
konnte nicht ihr ganzes restliches Leben sein, dessen war sie sich sicher.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast