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I can't take no more

von Marina92
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Hikari "Kari" Yagami und Gatomon Takeru "T.K." Takaishi und Patamon
06.06.2022
01.11.2022
17
31.631
5
Alle Kapitel
28 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
06.06.2022 1.036
 
Hallo zusammen,

willkommen zu meinem neuen Projekt! Dieses Mal habe ich mir ein ganz anderes Thema als meine sonst üblichen ausgesucht - ich hoffe daher, dass mir die Umsetzung gelingt...
Viel Spaß beim Lesen!

*********

„Du siehst heute aber gar nicht gut aus, Takeru…“ Als die warme Stimme an Takerus Ohr drang, die ihm so unglaublich vertraut war, hob er mit einer zögerlichen Geste seinen Kopf - gerade soweit, dass er ihn jederzeit wieder auf seinen Händen abstützen konnte. Doch bereits in der darauffolgenden Sekunde sollte Takeru diese kurze Geste bitter bereuen. Ein stechender Schmerz durchzuckte seinen Kopf, der ihn auch für Bruchteile von Sekunden seine Umgebung vor seinen Augen nur noch verschwommen wahrnehmen ließ.
Gleich… Es würde gleich wieder vorbei sein. Vielleicht nicht die hämmernden Kopfschmerzen, die ihn in den letzten Wochen - vielleicht sogar schon Monaten, denn er hatte irgendwann zu zählen aufgehört - sein fragwürdiger Begleiter geworden waren. Aber zumindest dieser stechende Schmerz würde wahrscheinlich gleich wieder aufhören. Zumindest hoffte er das jedes Mal wieder aufs Neue…

Durch den Schmerzanfall konnte er nicht sehen, dass sein Gegenüber den Kopf in eine Schräglage gebracht hatte, um ihn anschließend mit einer von Sorge gezeichneten Geste anzublicken. Doch er konnte es erahnen - glaubte in diesem Augenblick, die zu schmalen Schlitzen zusammengezogenen Augenlider vor sich zu sehen, die von kleinen Sorgenfältchen umrahmt sein würden. Er glaubte, die ebenfalls in Falten gelegte Stirn erkennen zu können. Und nicht zuletzt glaubte er glaubte auch, dass sein Gegenüber nun wahrscheinlich ihre Unterlippe zwischen ihre Zähne gezogen hatte, auf der sie nun mit einem nachdenklichen Gesichtsausdruck zu kauen begann.
Niemals… Niemals würde Kaori, die ihm inzwischen eine Hand auf seine Schulter gelegt hatte, ihn nun alleine nachhause fahren lassen. Nicht in dem Zustand, in dem sie ihn gerade vorfand. Wieder einmal, wie so oft in den letzten Wochen…

„Takeru, so geht das nicht weiter. Ich verstehe nicht, warum du nicht mit dem Chef sprechen möchtest. Wahrscheinlich wird sich an deinem grundlegenden Arbeitspensum nicht viel tun können, aber wenigstens… vielleicht kann man wenigstens am Dienstplan oder an den Präsenzen irgendetwas umstrukturieren, sodass du nicht immer derjenige bist, der im Dauereinsatz ist. Du arbeitest dich irgendwann noch auf. So geht das nicht weiter…“ So geht das nicht weiter… Diesen Satz hatte der junge Mann nun schon oft aus dem Mund der Einundsechzigjährigen gehört, die ihm in all den Jahren, in denen er als Redakteur für die Tokyo News, einer der größten Tageszeitungen der japanischen Hauptstadt, arbeitete, zu einer ganz lieben Kollegin geworden war.
Ab und an… Ja, ab und an kam es ihm so vor als ob sie vom ersten Tag an eine beinahe schon mütterliche Rolle ihm gegenüber angenommen hatte. Damals, als er der Neue war hatte sie ihn ohne zu Zögern an die Hand genommen, um ihn alles zu zeigen, was er für seine zukünftige Arbeit in der Redaktion wissen musste. Und erneut war sie es, die ihm auch nun wieder mit strengem, aber auch von tiefer Sorge gezeichneten Blick ansah, während alle anderen nur das aufgesetzte Lächeln sahen, das Takeru jeden Tag in der Arbeit zeigte, um unbequemen Fragen auszuweichen. Fragen, warum er sich jeden Tag in der kleinen Teeküche ein Glas Wasser einlaufen ließ - nur, um eine Schmerztablette einnehmen zu können, die inzwischen nicht einmal mehr halfen. Fragen, warum sein Gesicht einen immer blasser werdenden Farbton annahm. Inzwischen konnte er die Zahl der immer absurder werdenden Ausreden schon nicht mehr zählen, die er sich in solchen Augenblicken ganz schnell in seinem Kopf zurechtlegte. Vollmond und deswegen die ganze Nacht über keinen Schlaf gefunden… Als ob… Eine Erkältung, die er sich eingefangen hatte… Natürlich…

Mit einem langgezogenen Seufzen wühlte Takeru in seiner großen Tasche, um darin nach seinem Autoschlüssel zu suchen. Die Geräusche, die er dabei verursachte, hallten auf unangenehme Art und Weise durch den großen Konferenzraum, in dem sie gerade erst eine Besprechung beendet hatten. Der Chef der Redaktion hatte ihnen dabei eröffnet, dass die Redaktion ein groß angelegtes Projekt einer Sonderausgabe plante, die in einer für alle Beteiligten noch nicht vorstellbaren Menge im gesamten Land verlegt werden sollte. Er hatte es ihnen als „einmalige Chance“ verkauft, die sie selbstverständlich gemeinsam als Redaktion wahrnehmen wollten. Doch bei diesen Worten des Redaktionsleiters ging ein leises Raunen durch alle Mitarbeiter der Tokyo News. Nicht, weil sie sich von diesem Projekt sonderlich geehrt fühlten - sondern eher, weil sich in dieser Sekunde alle fragten, wie das alles noch neben der alltäglichen Arbeit in der Redaktion zu stemmen war…
„Kaori…“, begann Takeru daher nochmal, als er an seinen Fingern, die immer noch in der Tasche herumwühlten, plötzlich an das kalte Metall stießen, was ihn verriet, dass er genau in diesem Augenblick seinen Autoschlüssel gefunden hatte. Nun konnte er sich auf den Heimweg machen. Endlich… Nachdem sie wieder einmal geschlagene zwei Stunden länger in der Konferenz gesessen hatten, als ursprünglich angesetzt war. „Du weißt ganz genau, dass der Chef da nicht mit sich reden lässt. Das hab ich in den letzten Wochen schon so oft versucht, aber er schiebt alle möglichen angeblichen Gründe vor… Seine Lieblingsausrede ist der Personalmangel - aber wenn man sich auf dem Stellenmarkt umsieht, dann gibt es Redakteure wie Sand am Meer, die alle eine neue Wirkungsstätte suchen…“ Takeru hatte bei diesen Worten seine Stimme zu einem gedämpften Tonfall gesenkt. Man konnte sich immerhin nie sicher sein, wer hinter der Konferenztür stand…

Als der junge Mann schließlich unter einem leisen Klappern seine Autoschlüssel aus der großen Tasche zog, konnte er aus den Augenwinkeln heraus Kaoris Gesichtsausdruck erkennen, der inzwischen zwischen einer Mischung aus Ungläubigkeit und Tadel hin und her schwankte.
„Du… Du willst jetzt nicht wirklich nachhause fahren… So wie du gerade aussiehst, kommst du nicht einmal bis in unsere Nachbarstadt. Und dabei hast du nun auch noch eine gute Stunde Fahrt vor dir. Ich muss ehrlich zugeben, dass mir wohler wäre, wenn du dich nochmal kurz hinlegen würdest, bis die Kopfschmerzen…“ Doch Takeru ließ erneut ein langgezogenes Seufzen hören, mit dem er Kaori mitten im Satz unterbrach…

„Ich habe keine andere Wahl, Kaori… Ich bin sowieso schon viel zu spät dran und weiß gar nicht, wie ich meiner Frau erklären soll, warum ich schon wieder so spät am Abend nachhause komme… Weißt du, Kari ist deswegen im Augenblick gar nicht gut auf mich zu sprechen…“
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