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Frozen Feelings

von Arionell
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P12 / Het
Hanamiya Makoto OC (Own Character)
03.06.2022
06.08.2022
7
13.032
3
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
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06.08.2022 1.757
 
Wassertropfen perlten an Makotos Haaren herab, während er sich mit beiden Händen am Waschbecken abstützte. Er war noch geistesgegenwärtig genug gewesen, sich ins Badezimmer zu begeben, um sich ein wenig frisch zu machen.

Ein Blick in den Spiegel verdeutlichte ihm, wie abgeschlagen er wirkte. Das war kein Wunder in Anbetracht der Tatsache, dass er sich zuvor noch geprügelt hatte.
Das Badezimmer war ihm vertraut, war er doch vor Jahren fast täglich in diesem Haus gewesen, das Natsukis Familie in der Zeit ihrer Abwesenheit von einem Familienmitglied hatte beaufsichtigen lassen.

Lieber hätte er geduscht und sich etwas Frisches angezogen, als so wieder an den Tisch zurückzukehren. In diesem Haus war alles so verdammt sauber, dass er sich wie der reinste Schmutzfleck vorkam. Aber Natsuki und ihre Mutter hatten so darauf beharrt, dass er mit reinkam, dass er die Situation abgepasst hatte, sich zurückzuziehen.

Und wenn er ehrlich war, wäre er wohl nicht wieder hier aufgetaucht, hätte er die Möglichkeit dazu gehabt.

Als Makoto das Badezimmer verließ, hielt er kurz inne, als er hörte, wie Natsukis Mutter eine kurze Passage eines Liedes sang und Natsuki an einer Stelle mit einstimmte.
Es war ungewohnt, jemanden so ausgelassen singen zu hören. Damals hatten sie das auch immer gemacht, was er früher schon befremdlich fand. Befremdlich, aber nicht unangenehm.

Auch wenn er krank war, wie es öfter Mal in der Grundschule vorkam, war Natsuki da und hatte für ihn gesungen, damit er schnell wieder gesund wurde.

Als er die Küche betrat und die beiden lachen sah, wurde er nur erneut daran erinnert, wie sehr sich diese Familie von der seinen unterschied.

„Setz dich auf deinen Platz, Makoto-kun“, sagte Natsukis Mutter Ruka und ließ ihren Blick erneut prüfend über ihn schweifen. „Du bist immer noch so dünn, isst du auch anständig?“, servierte sie das Essen und setzte sich dann neben ihre Tochter. „Na komm, probiere mal“, sagte sie gespannt.

„Mama, jetzt bring ihn doch nicht so in Verlegenheit“, sagte Natsuki ein wenig verlegen und probierte den Auflauf. „Wahnsinn, wie lecker. Da entgeht Papa was, du machst wirklich den besten Auflauf“, strahlte sie.

„Da hast du recht, ich sollte ihm noch ein Foto machen, damit er sich ärgert“, lachte Ruka.

Und während die beiden sich darüber unterhielten, wie genau Natsuki umgeknickt war, brachte Makoto die Gabel wie in Zeitlupe zu seinem Mund. Er wusste nicht mehr, wann er das letzte Mal etwas Selbstgekochtes gegessen hatte. Eine Kleinigkeit für andere Jugendliche, doch für ihn war es etwas Besonderes. Es rührte ihn auf einer Ebene, die in seinem tiefsten Inneren vergraben war.

„Und, wie ist es?“, fragte Ruka gespannt.

Makoto, der den Kopf gesenkt hatte, sah auf in Rukas strahlendes Gesicht.

„Es ist gut“, sagte er ein wenig abgeschlagen. „Wirklich sehr gut.“

Natsuki sah ihn interessiert von der Seite an. Da waren kein arrogantes Grinsen, kein ironischer Unterton und auch zumindest für diesen Moment keine Mauer, die ihn bisher immer zu umgeben schien. Er wirkte eher müde, so als hätte er keine Kraft mehr, irgendeine Fassade nach außen zu präsentieren.

„Das freut mich“, klatschte Ruka vergnügt in ihre Hände. „Aber sag mal, Makoto-kun, warum siehst du so mitgenommen aus?“, legte sie den Kopf schief.

Während Makoto noch überlegte, was er erwidern sollte, platzte Natsuki mit einer Erklärung raus.

„Basketball…er hat Basketball gespielt und…Sho-chan war auch dabei“, sagte sie so, als würde es alles erklären.

Ruka blinzelte ein paar Mal, bevor sie lachen musste.

„Shoichi, also. Ja, ihr habt auch damals immer wild miteinander gespielt. Am Ende musste ich euch beide verarzten“, musste sie daran denken, wie sie eine Mutprobe gestartet hatten, wer als höchstes auf einen Baum klettern konnte. Am Ende waren beide runtergeplumpst. Solche Wettstreite kamen ab und an vor. „Ist das lange her…“

Makoto wollte etwas erwidern, doch er hatte keine Kraft mehr, also aß er still weiter.

„Wie ist es dir denn ergangen, Makoto?“, fragte die Mutter, nachdem er den halben Teller aufgegessen hatte. „Natsuki hat erzählt, dass du ein Stipendium bekommen hast“, sprach sie weiter, da die Kosten für die Kirisaki enorm waren und normalerweise nur Schüler mit wohlhabenden Eltern die Schule besuchen konnten. Solche oder eben besonders intelligente Kinder, die mit außerordentlichen Noten den Eignungstest bestanden und ein Stipendium erhalten hatten. „Kein Wunder, du warst auch in der Grund- und Mittelschule Jahrgangsbester.“

„Und in der Oberschule wieder. Er hat Bestnoten“, sagte Natsuki stolz.

„Du kannst dir ruhig eine Scheibe abschneiden“, sagte Ruka, während Natsuki sich verlegen über den Hinterkopf strich.

„Das ist schwer, mit Makoto mitzuhalten, das war damals schon unmöglich“, lachte sie.
„Das kann vielleicht höchstens jemand wie Sho-chan.“

Makoto war es unangenehm, dass sie ihn hier so lobten.

„Es ist nichts Besonderes“, murmelte er deswegen.

Natsuki fand es niedlich, wie defensiv und befangen er plötzlich war, wenn er mit ihrer Mutter sprach.

„Die Kirisaki Daiichi hat doch auch bald ein Freundschaftsspiel gegen die Ohso High oder?“, fragte Natsuki vergnügt. „In der Schule hängen Plakate aus“, sagte sie in Makotos Richtung. „Ich freue mich schon drauf, es ist doch schon nächstes Wochenende?“

„Was? Das muss ich mir in den Terminkalender schreiben“, sagte Ruka sofort. „Ich werde natürlich auch kommen, dann können wir ihn anfeuern“, sagte sie zu Natsuki, die enthusiastisch nickte.

Makoto musste innerlich darüber seufzen, wie begeistert die beiden waren.

Es war das erste große Spiel seit dem Wintercup, das am riesigen Sportplatz draußen vor ihrer Schule ausgetragen werden würde. Dennoch fand er, dass Natsuki und ihre Mutter zu enthusiastisch darauf reagierten. Viel zu enthusiastisch. Und auch wenn es ihm bisher immer egal gewesen war, wer ihm zusah, hatte er das Gefühl, dass es dieses Mal anders sein würde. Und das gefiel ihm nicht.

„Und wie geht es eigentlich deinen Eltern?“, fragte Ruka im nächsten Moment. „Ich habe versucht anzurufen, aber niemanden erreicht.“

Kaum hatte sie es ausgesprochen, spannten sich sowohl Natsuki als auch Makoto innerlich an.

Natsuki hatte von Shoichi erfahren, dass sein Vater gestorben war, aber noch keine Gelegenheit dazu bekommen, es ihrer Mutter zu sagen.

„Mein Vater ist vor ein paar Monaten gestorben“, hörte sie Makoto betont normal antworten.

„Oh nein, wie unsensibel von mir, das tut mir leid, Makoto“, hielt sich Ruka die Hand vor den Mund. „Ich wusste ja nicht…deine Mutter hat nicht gesagt, dass…“

„Schon gut“, versuchte Makoto ein leichtes Lächeln, um sie zu beschwichtigen. „Es war sein Herz“, sagte er so, als ob Ruka es verstehen würde, diese nickte wissend. „Und meine Mutter hatte bestimmt zu viel um die Ohren, um Bescheid zu sagen.“

„Natürlich, das verstehe ich“, sagte Ruka hastig. „Wie geht es ihr denn? Sie kann sich ruhig mal melden, wenn ich anrufe, geht sie ja leider nicht dran.“

Seine Mutter war ein Thema, das Makoto viel mehr an die Nieren ging als sein Vater.

„Sie ist…nicht zuhause“, erwiderte er, darauf bedacht, dass kein Zittern in seiner Stimme zu hören war. „Sie ist in einer Klinik. Der Tod meines Vaters hat sie sehr mitgenommen…“

Ruka und Natuski zogen scharf die Luft ein, während Makoto einfach weiter aß, als wäre nichts gewesen.

„Es war sehr gut, danke Ruka-san, aber ich muss jetzt auch los“, erhob sich Makoto schließlich.

„Natürlich. Keine Ursache und…Makoto, du kannst jederzeit gerne zum Essen vorbeikommen. So wie früher immer. Ach, und wenn etwas ist, dann kannst du auch immer anrufen“, sagte Ruka hastig, schnappte sich eine Dose und tat noch etwas Auflauf rein. „Hier, das kannst du dir morgen warmmachen“, hielt sie ihm die Dose hin.

Makoto sah einen kurzen Moment darauf, nahm sie dann aber an sich und legte sie sich in seinen Rucksack. „Danke, Ruka-san“, sagte er knapp und ging hinaus.

„W-warte, ich wollte dich noch hinausbegleiten“, humpelte Natsuki ihm nach, als er bereits die Tür geöffnet hatte und sich die Schuhe anzog.

„Vorsichtig oder willst du dir das andere Bein auch noch brechen?“, schnaubte er. Natsuki spürte, als sie so seinen Rücken ansah, dass er im Inbegriff war, seine Schutzschilde wieder hochzufahren.

Deswegen rechnete sie nicht damit, als er das Folgende sagte.

„Sei morgen um Punkt 07:00 Uhr fertig, ich werde dich fürs erste eine Weile zur Schule und wieder zurückbringen.“

Sie konnte sein Gesicht nicht sehen und aus seiner Stimme auch nicht heraushören, ob er es lästig fand oder nicht.

„Dann bis morgen“, sagte sie nur und sah ihm nach, bis er aus ihrem Blickfeld verschwand.

***

Als Hanamiya, der sich geschlauchter denn je fühlte, die Sporthalle betrat, sah er seine Teamkameraden, wie sie gegeneinander spielten und dabei Faxen machten.

Kazuyas Kaugummiblase platzte, als er Hanamiya bemerkte.

„Sieh an, unser Captain Coach ist ja auch endlich da“, grinste er.

Seto hob skeptisch die Augenbraue als er Hanamiyas Gesichtsausdruck sah.
„Was ist los? Du siehst echt scheiße aus.“

„Halt die Schnauze und geh mir nicht auf den Sack“, brummte Hanamiya und ließ sich auf die Bank nieder. „Ich habe Imayoshi getroffen“, sagte er nur so, als würde das alles erklären. Natsuki hatte es gesagt, um die Fragerei ihrer Mutter zu beenden und offenbar funktionierte es auch bei seinen Teamkameraden.

„Bald steht das Spiel gegen die Ohso an“, sagte Furuhashi, der einen Korb warf.

„Ich frag mich, was sich unser Captain Coach dieses Mal ausgedacht hat“, schmunzelte Seto in Hanamiyas Richtung. „Es ist das erste größere Spiel seit dem Winter Cup.“

„Wenn der Schiri von letztens das Spiel begleitet, müssen wir uns nicht mal anstrengen, irgendetwas zu vertuschen. Der hat so einen Schiss vor uns, der würde nicht mal was sagen, selbst wenn ihm etwas auffallen würde“, grinste Yamazaki.

Makoto ließ seinen Blick langsam über seine Teammitglieder schweifen.

„Wir machen nichts dergleichen“, sagte Makoto schließlich, was erneut dazu führte, dass Kazuyas Kaugimmiblase platzte.

Irritiert sahen sie ihn an.

„Was glotzt ihr so?“, grummelte Hanamiya, erhob sich und ging zum Trainingsfeld.

„Es ist nur ein kleines verkacktes Freundschaftsspiel. Und das Team ist so schwach, dass wir auch so locker gewinnen werden“, sprach er weiter, während sich seine Teamkameraden gegenseitig fragend ansahen.

Dies nervte Hanamiya, sodass er den Basketball hochhob und mit voller Wucht gegen Setos Arm knallen ließ.

„Jetzt schlagt da keine Wurzeln, sondern bewegt euren Arsch. Oder muss ich euch ein paar extra Trainingsstunden aufbrummen?“, grummelte er.

Seto fand Makotos Sinneswandel interessant, aber auch so amüsant, dass er nichts dagegen sagte. Genau so ging es auch den anderen Teamkollegen, sodass sie sich ebenfalls zurück aufs Trainingsfeld begaben.

Hanamiya war das Zentrum des Teams. Sein Wort war Gesetz und daher wagte es auch niemand, seine Entscheidungen zu hinterfragen.

Aber selbst, wenn die meisten seiner Teamkameraden es nicht bemerkten, schien Seto es zu spüren.

Er spürte, dass sich in Hanamiya etwas zu ändern begann.
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