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Wendungen

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P18 / MaleSlash
Draco Malfoy Harry Potter
03.06.2022
23.09.2022
17
36.966
34
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Dieses Kapitel
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23.09.2022 2.024
 
Kapitel 17

Harry traute sich nicht aufzustehen. Der Abend mit Draco gestern war so unglaublich aufregend und kribbelig gewesen, und doch hatten sie noch immer nicht geklärt, wie es mit ihnen weiterlaufen sollte. Andererseits … er wollte auf jeden Fall wieder so etwas mit Draco machen, egal, ob es für ihn nur ein Flirt war oder ob er eine wirkliche Beziehung haben wollte. Wollte Harry eine Beziehung mit Draco? War das nicht viel zu kompliziert? Es war schon kompliziert, mit ihm einfach nur in die Bibliothek zu gehen, ohne sich zu bekriegen … und was würde sich noch in diesem Kampf gegen Voldemort entwickeln? Dracos Vater hatte versucht, Draco umzubringen … es war gefährlich für Draco, sich an Harrys Seite zu zeigen – aber war es umgekehrt nicht ebenso? Aber bedeutete das, dass sie nichts miteinander haben konnte? Dass sie deshalb verzichten mussten, wenn sie sich doch eigentlich so gerne haben wollten? Zumindest Harry ging es so. Und wenn er an Dracos körperliche Reaktionen dachte, die so wunderbar unter seiner Kleidung zu erkennen gewesen war, spürte er, wie er selber bereits bei dem Gedanken daran wieder reagierte.

Draco war einfach so unglaublich heiß, Harry hatte jedes Mal, wenn er ihm nahe kam das Gefühl, sein Hirn setze aus, alles prickelte und kribbelte, und er konnte nur noch daran denken, wie Draco sich unter seinen Fingern anfühlte, wollte ihn schmecken und anfassen und küssen und ihm so unglaublich nah sein … Das hatte er noch nie erlebt. Wenn er Cho geküsst hatte, war es … nett gewesen, aber er hatte nie sofort das Gefühl gehabt, mehr zu wollen, und ihr am liebsten die Kleider vom Körper zu reißen. Doch mit Draco war es so.

Hinter dem Vorhang seines Bettes hörte er seine Mitschüler aufstehen, hörte die Tür zum Bad klappen und die typischen Gespräche. Plötzlich war da jedoch eine Stimme, die Harrys Herz schneller schlagen ließ. Es war Draco, der anscheinend einen der Mitschüler mit „Guten Morgen“ begrüßte … Harry schloss die Augen und versuchte, sich zu beruhigen. Daran, gleich morgens nach dem Aufstehen Draco zu treffen, musste er sich erst gewöhnen. Dabei hätte er eigentlich auch nichts dagegen, ihn direkt nach dem Aufwachen und vor den anderen zu sehen. Doch würde es irgendwann so sein, dass sie wirklich in einem Bett schlafen würden? Dürften sie das? Würden die anderen das akzeptieren?

In diesem Moment kam Harry der Gedanke, er könnte Draco vielleicht verpassen, alle hätten ihn schon gesehen, und er würde dann einfach zum Frühstück gehen … allein. Eilig setzte er sich auf und riss den Vorhang beiseite, blieb in der Hektik mit dem Fuß in der Decke hängen und zerrte sie so komplett hinter sich her und wäre zu allem Überfluss auch beinahe noch gestolpert. Verlegen sah er sich um und sah sich Ron gegenüber, der ihn stirnrunzelnd ansah. „Alles gut, Alter? Wirst du verfolgt?“

„Nein! Ich … alles gut.“ Harry zerrte sich die Decke vom Fuß und schmiss sie in sein Bett zurück. Dann sah er sich im Schlafraum um und stellte fest, dass außer ihm und Ron niemand hier war. Nevilles Bettvorhänge waren noch geschlossen. Ron grinste. „Suchst du jemanden?“

„Ähm …“ Harry leckte sich über die Lippen. „Wo ist Draco?“

„Im Bad.“ Ron begann, sein Bett zu machen und drehte sich dann zu Harry um. „Dachtest du, wir tun ihm was an, wenn du nicht dabei bist?“

„Quatsch“, Harry hörte nun die Dusche rauschen und sofort drängte sich der Gedanke daran, wie Draco nackt unter der Dusche stand und sich wusch in seinen Kopf. Er spürte sein Herz schneller schlagen und schluckte hart. „Ähm … nein, ich wollte nur nicht, dass er alleine zum Essen gehen muss.“

„Er würde den Weg schon finden“, meinte Ron achselzuckend. „Seamus und Dean haben ihn jedenfalls nicht gefressen, als sie ihn gesehen haben.“

„Nicht mal Seamus? Da bin ich beruhigt.“ Harry grinste, und in diesem Moment kam Neville aus seinem Bett gekrochen und gähnte herzhaft. „Wer hat wen gefressen?“

„Keiner niemanden. Schon gut.“ Harry begann, seine Kleider zusammen zu suchen und setzte sich dann mit dem Stapel auf seine Bettkante. Er konnte nicht einfach ins Bad gehen, wenn Draco dort duschte. Wäre das einer seiner anderen Zimmerkameraden gewesen, wäre es kein Problem gewesen, schon einmal hinein zu gehen und sich die Zähne zu putzen, aber bei Draco? Nein. Dafür waren sie zu wenig … platonisch.



Irgendwie hatte er es geschafft zu warten, bis Draco herausgekommen war, die Haare noch feucht und duftend, dass es Harry beinahe umhaute. Da Neville auch im Schlafraum war, hatten sie es bei einem freundlichen Guten Morgen belassen, und Draco hatte sich auf den Weg zum Frühstück gemacht, auch wenn Harry am liebsten gesagt hätte, er solle auf ihn warten. Doch er hatte es nicht getan. Er wusste nicht, ob es komisch war, das zu Draco zu sagen, wenn er doch nicht mal wusste, wie sie wirklich zueinander standen. Gestern Abend war es so normal und wunderbar gewesen, Draco zu küssen und zu berühren, und heute wirkte alles wieder so, als sei das gar nicht passiert.

Seufzend öffnete Harry die Tür zur Großen Halle und sah zum Slytherintisch. Er wusste nicht, was er erwartet hatte, Draco, wie er plötzlich doch wieder mit diesen Idioten aß? Er tat es nicht. Draco saß neben Hermine am Gryffindortisch und sah beim Essen auf seinen Teller. Beim Näherkommen sah Harry, wie Hermine etwas zu ihm sagte, und Draco mit einem kleinen bezaubernden Lächeln in den Mundwinkeln antwortete. Harry beschleunigte seine Schritte und trat an seinen Platz, wünschte gut gelaunt einen guten Morgen und setzte sich auf Dracos freie Seite.

„Morgen können wir vielleicht zusammen zum Frühstück gehen?“, schlug Harry wie nebenbei vor und biss von seinem Toast ab. Draco leckte sich über die Lippen, grinste leicht und nickte. „Gerne. Wenn du was gesagt hättest, hätte ich natürlich auch auf dich gewartet.“

„Wirklich?“ Harry räusperte sich. „War ja nicht nötig. Aber morgen können wir es ja so machen.“ Hoffentlich klang das jetzt für die anderen nicht wie eine Verabredung. Wobei, wieso nicht? Sie verabredeten sich ja auch, um gemeinsam zum Frühstück zu gehen, da war doch nichts dabei. Das tat er mit seinen Freunden andauernd.

„Mister Malfoy? Ich gehe davon aus, dass Sie kurz einige Momente Ihrer wertvollen Zeit erübrigen können, um mit dem Schulleiter zu sprechen?“, hörten sie Snapes Stimme in ihrem Rücken, und Harry fuhr erschrocken herum, während Draco sich mit einer Serviette den Mund abtupfte und sich dann von der Bank erhob und sich vor seinen Lehrer stellte, sodass sie auf Augenhöhe waren. „Selbstverständlich, Sir. Jetzt gleich?“

„Jetzt gleich.“ Und noch während er sprach, legte er Harry eine Hand auf die Schulter, als hätte er geahnt, dass Harry aufstehen und Draco begleiten wollte. Verärgert blickte Harry zu Snape auf, doch dieser sah noch immer Draco an und erklärte: „Mister Malfoy wird es alleine zum Büro des Schulleiters schaffen, Potter. Keine Sorge. Ich … begleite ihn.“ Er ließ Harrys Schulter los und wies Draco den Weg zum Portal.

„Was Dumbledore wohl von ihm will?“, fragte Ron kauend und sprach damit exakt das aus, was auch Harry sich fragte.

„Das erzählt er Harry bestimmt, wenn er wieder zu uns kommt. Vielleicht … geht es uns auch gar nichts an.“ Hermine warf Harry einen wissenden Blick zu. „Er wird es dir doch erzählen, oder?“

„Ja … ich denke schon.“ Harry nickte. Ja, das würde Draco. Trotzdem wäre er lieber direkt bei Draco gewesen, wenn es etwas Wichtiges zu besprechen gab. Draco kam nicht mehr vor dem Unterricht zurück. Auch nicht nach dem Zaubertrankunterricht … und nicht nach Verwandlung. Erst vor dem Mittagessen stieß er wieder zu Harry und seinen Freunden. Schweigend ging er plötzlich einfach neben ihnen her, und Harry sah ihn von der Seite an. „Sehr theatralisch. Wirklich. Also? Was war denn los?“

Draco musterte kurz Hermine und Ron, und einen kurzen Moment befürchtete Harry, er würde sagen, er könne es nicht vor den anderen sagen, doch dem war nicht so. Er presste kurz die Lippen aufeinander und nickte dann. „Wir haben über dies und das geplaudert, wie ich mich in Gryffindor fühle, ob es das richtige Haus sei oder ob ich doch lieber woanders einziehen würde.“

„Aber das willst du nicht, oder?“, Harry hörte selber, dass er beinahe panisch klang, und Ron sah ihn ein wenig irritiert von der Seite an. Harry räusperte sich, und Draco hob eine Augenbraue. „Doch. Ich habe schon immer heimlich davon geträumt, ein Hufflepuff zu sein. Ich verliere sowieso gerne beim Quidditch, und gelb steht mir absolut wundervoll!“

Harry wagte ein Lächeln. Inzwischen glaubte er, Dracos ironische Bemerkungen zu erkennen. Manchmal zumindest.

„Vermutlich würdest du besser nach Ravenclaw passen“, mutmaßte Hermine und lächelte. „Aber es ist natürlich auch nett, dich in Gryffindor zu haben. Ich mag es, wenn beim Hausaufgabenmachen mal jemand dabei ist, den ich nicht alle fünf Minuten daran erinnern muss, nicht nur aus dem Fenster zu sehen.“

„Ich bin erfreut, dir auf diese Weise zu Diensten zu sein.“ Draco schmunzelte leicht. „Und ich würde sogar so weit gehen, anzubieten, dass ich die Ermahnungen für Harry übernehmen würde, nicht aus dem Fenster zu sehen. Vielleicht … findet er ja ein lohnenderes Ziel für seine Aufmerksamkeit.“ Er sah zu Harry, und dieser wurde rot, denn er starrte Draco einfach die ganze Zeit an. Halb um vom Thema abzulenken und halb um seine Neugier zu befriedigen, fragte er nun: „Also … was ist denn eigentlich noch geschehen? Das Gespräch über die Hauszuteilung hat doch nicht den gesamten Vormittag gedauert.“

„Nein, hat es nicht.“ Draco seufzte. „Er hatte eine Nachricht von meiner Mutter an mich. Snape hat das ermöglicht. Aber hauptsächlich ging es wieder um IHN, um meine Rolle im bevorstehenden Kampf, um Schutzmaßnahmen … eigentlich darf ich mich gar nicht mehr außerhalb des Gryffindor-Turms zeigen, wenn es nach dem alten Dumbledore geht.“

„Was hast du denn für eine Rolle im Kampf?“, wollte Harry wissen und ging nicht darauf ein, dass er es eigentlich ganz gut fand, wenn Draco sich nicht in Gefahr brachte. Es würde irgendwie zu einer Konfrontation mit IHM kommen, das war unausweichlich, wie sie alle wussten, doch wie sie genau aussehen würde … das konnte wohl keiner vorhersehen. Nur, dass Harry offensichtlich eine wichtige, wenn nicht gar entscheidende Rolle dabei zukommen würde – wie auch immer die dann aussehen sollte.

„Keine. Ich bin nicht dabei. Die Lehrer meinen, es sei viel zu gefährlich für mich, wenn die Todesser da sind und alle mich töten wollen, weil sie mich für einen Verräter halten.“ Er klang relativ neutral, was Harry freute. Vielleicht würde Draco sich dann an die Anweisungen der Lehrer halten. Ron jedoch zuckte mit den Schultern und winkte ab. „Wenn es zu so einem Kampf kommt, ist es für uns alle gefährlich. Die wollen doch uns alle töten, oder? Wir alle sind ihre Feinde.“

Hermine nickte. „Aber komm schon, Ron, wenn es wirklich zu so einer Schlacht kommen sollte, dann wird diese sicher nicht in Hogwarts stattfinden. Die lassen doch nicht uns Kinder kämpfen … du weißt, dass wir schon nicht in den Orden sollen, weil uns alle noch für zu jung halten. Sie werden uns kaum den Todessern gegenüber stellen.“

„Ach … so wie damals im Ministerium?“, fragte Harry. „Als Sirius gestorben ist?“

„Da sind wir ohne Erlaubnis losgezogen, das war keine offizielle Sache“, meinte Hermine leise, und Harry musste ihr innerlich recht geben. Es war sicher nicht die Entscheidung der Lehrer gewesen, sie dort mit den Todessern kämpfen zu lassen. Das wäre doch irrsinnig. Sie konnten sicherlich helfen, aber die meisten Schüler wären doch in viel zu großer Gefahr.

„Es steht zur Debatte, dass ich vielleicht zu meiner Mutter soll. An diesen geheimen Ort. Allerdings müssen sie vorher sicherstellen, dass mein Vater nicht weiß, wo der Ort ist, und dass sie wirklich auf meiner Seite ist … nicht, dass ich dann dort bin und sie …“, Draco brach ab und schluckte sichtlich. Der Gedanke, seine Mutter könnte vielleicht auch zu einer Gefahr für ihn werden, wie es bei seinem Vater gewesen war, schien ihm zuzusetzen. Ohne nachzudenken streckte Harry den Arm aus, ergriff Dracos Hand und drückte sie leicht. Draco blickte auf, sah Harry einen Moment in die Augen und lächelte dann vorsichtig.

„Ähm … habt ihr uns irgendwas zu sagen?“, fragte Ron in diesem Moment, und Harry ließ Dracos Hand los, als hätte er sich verbrannt.
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