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When my kingdom comes

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Familie / P16 / Mix
Arthur Pendragon Merlin
03.06.2022
23.06.2022
4
25.939
3
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
23.06.2022 9.627
 
Hey!
Bin ich stolz auf mich, dass ich es gerade wirklich schaffe, jede Woche ein Kapitel hochzuladen? Ja, irgendwie schon. Nächste Woche gibt es dann auch noch eines, danach könnte es schwerer werden. Ab August gibt es aber wieder (regelmäßige) Updates!
Anyways, das letzte Kapitel war kürzer, dieses ist dafür länger. Und es passiert auch einiges, hoffentlich gefällt es euch also. Have fun!




04

Es geschah langsam, doch im Verlauf der ersten zwei Studienmonate hatte Merlin begonnen, Arthur mehr und mehr zu mögen. Es war jetzt sieben Wochen her, seit er Arthur zum ersten Mal getroffen hatte, und mittlerweile sah er ihn nicht mehr als Prinzen, sondern vielmehr als einen durch und durch guten Menschen, mit dem großen Herz.

Merlin mochte das an Arthur, wirklich sehr, und so war es nicht allzu überraschend, als er vor etwa zwei Wochen bemerkt hatte, dass er Gefühle für ihn entwickelt hatte, die über eine reine Freundschaft hinausgingen. Ihm war klar, dass er diesen niemals nachgehen konnte, das war immer noch unmöglich, denn obwohl Arthur für ihn einfach ein ganz normaler Mensch war, änderte das nichts an der Tatsache, dass Arthur ein Prinz war und Merlin nur ein normaler Bürger, der sich weit unterhalb von Arthurs Status befand.

Momentan schritt Merlin mit Arthur durch die Gänge der Universität, auf dem Weg zur nächsten Lehrveranstaltung. Arthur sprach über eine Hausaufgabe, die in ein paar Tagen fällig war, und Merlin hörte geistesabwesend zu, während er einen Blick auf den Seminarplan von Einführung in die organische Chemie warf, der in dem aufgeschlagenen Ordner lag, den er in seinen Händen hielt. Merlin fand das ein wenig wichtiger als irgendeine Englischarbeit.

Irgendwie war es passiert, dass er und Arthur in jeder ihrer gemeinsamen Lehrveranstaltungen – was zugegebenermaßen nicht viele waren, aber dennoch – gemeinsam an einer Projektarbeit oder einer Präsentation arbeiten mussten. Sie hatten das Glück gehabt, dass sie sich in den anderen LVs ihre Partner hatten aussuchen dürfen, und irgendwie hatten sie sich immer gegenseitig gefunden.

Aufgrund der Tatsache, dass Merlin in seinen Chemieordner versunken war, sah er nicht, wohin er ging. Zu seinem Glück achtete Arthur neben ihm jedoch auf den Weg und zog Merlin zur Seite, so dass er nicht in eine Gruppe Studierender lief, die gerade aus einem der Hörsäle quoll.

Als Arthur sah, dass eine besonders große Gruppe ihnen entgegenkam, schob er Merlin zur Seite, stolperte dabei jedoch und fing sich nur, weil Merlin gegen eine Wand gedrückt dastand und Arthur mit seinem Brustkorb an Merlin gepresst nicht weiter fallen konnte. Seine Hände umklammerten Merlins Oberarme und ihre Gesichter waren nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Arthur blickte tief in Merlins geweitete Augen. Diese strahlend blauen Iriden schienen stets eine ganz eigene Geschichte zu erzählen, doch nun starrten sie erschrocken zu Arthur. Arthur hätte sich beinahe in ihnen verloren, es gelang ihm dann jedoch, sich ihrer Lage bewusst zu werden und er trat ein paar Schritte zurück und räusperte sich. Er bemerkte, dass die Studierendengruppe mittlerweile verschwunden war und der Gang bis auf sie beide verlassen. Es musste mehr Zeit vergangen sein, als er bemerkt hatte.

Merlin blieb mit seinem Rücken an die Wand gepresst und hielt den Ordner vor seinen Bauch. Arthur hatte das Ding nicht einmal bemerkt, als er ihm in die Augen geblickt hatte. Als er sich wieder in die Realität zurück zwang sah er, wie Merlin seinen Mund mehrere Male öffnete und wieder schloss, jedoch keinen Laut von sich gab.

Merlin hatte gar nicht damit gerechnet und Arthurs plötzliche Nähe hatte ihn vollkommen unvorbereitet getroffen. Arthurs Atem so warm auf seiner Haut zu spüren, verpasste ihm eine Gänsehaut am ganzen Körper, auf eine gute Art und Weise. Und diesen Effekt spürten auch Merlins Hosen, die mit einem Mal viel enger erschienen als noch vor ein paar Minuten. Er war froh, dass er den Ordner gerade an der richtigen Stelle hielt, so dass Arthur nichts davon mitbekommen konnte.

Arthur hatte sich von seinem Platz in der Mitte des Ganges nicht fortbewegt und hüstelte leicht, bevor er meinte: „Äh … wir sollten … zur Einheit gehen.“ Er deutete vage in Richtung des Seminarraumes.

Merlin schluckte und nickte dann. „Ja, ich komme gleich nach, ich muss nur … ähm, einmal auf die Toilette.“ Schnell floh Merlin ins nächste Männerbad, ohne auf eine Antwort zu warten und hoffte nur, dass Arthur ihm nicht folgen würde.

Er schloss sich in eine der Kabinen ein und legte dann seinen Rucksack und den Ordner auf dem Boden ab. Dann presste er seine Stirn gegen die kühle Kabinenwand. Er wollte nicht darüber nachdenken, was da draußen gerade geschehen war und wie sein Körper darauf reagiert hatte. Ich bin mir sicher, dass es nichts bedeutet hat. Ich war nur überrascht, dass Arthur auf einmal da war, nichts weiter. Es gibt nichts, das darauf hindeutet, dass Arthur der Grund war, dass …

Merlin nahm ein paar tiefe Atemzüge und merkte, wie sein Körper sich wieder beruhigte. Er schnappte sich seine Sachen, verließ die Kabine und blickte sich im Vorraum in den Spiegel. Alles in Ordnung, dachte er und warf einen schnellen Blick auf seine Uhr. Er stöhnte leise. Die Lehrveranstaltung hatte bereits vor acht Minuten begonnen und der Professor war sowieso immer ein sehr mürrischer Mann. Er konnte kaum erwarten, sein Kommentar zu hören, wenn Merlin zu spät in seine Einheit platzte.

Merlin eilte schnellen Schritts den Gang entlang, bis er den richtigen Raum erreicht hatte. Er öffnete die Türe und trat ein. Die anwesenden Studierenden machten sich nicht die Mühe, von ihren Mitschriften aufzublicken, als er eintrat, doch der Professor unterbrach sich mitten in seinem Satz, um genervt zu sagen: „Ah, Mister Browne, schön, dass Sie uns auch mit Ihrer Anwesenheit beehren.“

~oOoOo~


Die Zeit während der Lehrveranstaltung könnte nicht langsamer vergehen. Einerseits war da Professor Alined, der in einer solch monotonen Stimme sprach, dass er selbst das interessanteste Fach langweilig gestalten konnte, andererseits war sich Merlin nur zu sehr Arthurs Körper neben ihm bewusst … und bildete er sich das nur ein, oder saß Arthur tatsächlich etwas näher an ihm als sonst? Er könnte schwören, dass ihre Knie sich irgendwann während der Einheit berührt hatten.

Doch endlich war die Zeit um und in Rekordgeschwindigkeit suchte Merlin seine Sachen zusammen. Doch gerade als er aufstehen wollte, die ersten Studierenden waren bereits aus der Türe, sprach der Professor erneut.

„Mister Browne, wenn Sie noch einmal zu mir kommen würden.“

„Ich warte draußen“, meinte Arthur auf Merlins Seufzen hin.

Merlin nickte ihm zu und ging dann zum Tisch des Professors. „Ja?“

„Ich hoffe, dass Sie nicht planen, meine Lektion ein weiteres Mal durch Ihr Zuspätkommen unterbrechen.“

„Nein, Sir, das wird nicht mehr passieren … Sir.“

„Gut. Dann dürfen Sie gehen.“

Als Merlin die Türe öffnete, sah er Arthur auf der anderen Seite sitzen und auf ihn warten.

„Was wollte Alined dieses Mal? Ich schwöre, der Mann ist nicht glücklich, bis er nicht jeden einzelnen Menschen, den es auf der Welt gibt, runtergemacht hat. Man achte nur einmal auf die Menge an Aufgaben, die er jedes Mal gibt.“

Merlin brummte nur zustimmend, als er sich abwandte um loszugehen, wobei er bewusst etwas mehr Abstand zwischen sich und Arthur schuf. Was Arthur bemerkte.

Er verlangsamte sein Tempo und meinte dann fast flüsternd: „Hör zu, Merlin ... dieser Moment, der vorhin passiert ist, war ... nur ... Ich wollte dich nicht in Unbehagen versetzen oder so. Ich wollte nur vermeiden, dass du umgestoßen wirst. Nun, technisch gesehen wurdest du das trotzdem..." Arthur brach nervös ab.

Merlin hatte seinen Schritt ebenfalls verlangsamt, um mit Arthurs Schritt zu halten, und brummte geistesabwesend, blieb dann aber wie versteinert stehen, als er diese Worte registrierte und er riss erschrocken seinen Kopf hoch. Arthur drehte sich um, um zu sehen, warum Merlin stehen geblieben war und runzelte die Stirn, sagte aber nichts. Er sah, wie Merlin leicht errötete und hörte, wie Merlin zu plappern begann.

„Warte, was? Moment? Es gab keinen Moment. Ich weiß nicht, von was du da sprichst …“ Er lachte peinlich berührt. „Moment. Haha, du bist lustig, Arthur. Das bist du wirklich, weißt du das? Es gab keinerlei Momente zwischen uns.“ Er schwieg eine Sekunde lang. „Okay, nun, ich muss mich beeilen, ansonsten komme ich zu spät für Organische. Ich sehe dich später dann, Arthur.“

Dieses eine Mal war Merlin tatsächlich froh, nicht alle Lehrveranstaltungen mit Arthur gemeinsam zu haben.

Arthur blickte Merlin hinterher, bis er hinter der nächsten Ecke verschwunden war. Merlin benahm sich seltsam, seltsamer noch als sonst. Er hatte das Rot gesehen, dass sich auf Merlins Wangen verteilt hatte und er wusste auch, dass Merlin wusste, dass er das hatte. Es war ein Moment zwischen Merlin und ihm gewesen und sie beide wussten das. Es war nur, dass … Vielleicht hatte er herausfinden wollen, was Merlin von dem Gedanken hielt … nun ja, dem Gedanken von ihnen beiden … zusammen.

Arthur schüttelte den Kopf. Das sollte er nicht denken, Merlin mochte ihn vielleicht gar nicht auf diese Art und er wollte die Freundschaft, die sich zwischen ihnen entwickelt hatte, nicht gefährden. Vielleicht fühlte er etwas mehr für Merlin als nur Freundschaft, aber er sagte sich selbst, dass es besser war, wenn ihre Beziehung so blieb, wie sie es momentan war.

Er seufzte tief und machte sich auf den Weg zur nächsten Lehrveranstaltung. Auf dem Weg dorthin traf er Percival und nach der Einheit liefen sie auch noch Will über den Weg.

~oOoOo~


„Merlin, dieser Mann ist ein verdammter Picasso“, begrüßte Will ihn mit einem Schlag auf den Rücken und ließ sich neben Merlin auf einen Platz in der Mensa fallen. Seine Tasche warf er lässig auf den Tisch, woraufhin dort kaum mehr Platz für irgendetwas anderes war. „Ich meine, du hättest ihn sehen sollen, Merlin. Er war so ganz konzentriert und ernst.“

Arthur nahm Merlin gegenüber Platz und schüttelte seinen Kopf. „Will, übertreib’s nicht. Ich bin ganz okay, aber nicht Picasso.“

Percival setzte sich neben Arthur ohne zur Konversation beizutragen, lächelte jedoch. „Komm schon, Arthur, sei nicht bescheiden, du bist wirklich gut. Ich meine, im Gegensatz zu dem, was Will daraufhin versucht hat … Warte, was war das noch einmal? Ein brauner Kreis?“, meinte Percy neckend und blickte grinsend zu Will, während er dessen Tasche vom Tisch schob, um etwas mehr Platz zu schaffen.

Will fing seine Tasche auf und schnaubte mit hochgezogenen Augenbrauen. Er lehnte sich vorwärts und meinte: „Es war nicht nur ein brauner Kreis. Es war ein braunes M&M, hast du die Buchstaben nicht gesehen?“

Arthur und Percival lachten und Percival erwiderte: „Müssen sehr kleine Buchstaben gewesen sein.“

Will starrte seine beiden Gegenüber mit verengten Augen an. „Was auch immer“, meinte er und begann eines der vielen Sandwiches zu essen, das er an diesem Tag mit sich gebracht hatte.

Merlin war die ganze Konversation lang leise gewesen, hatte nur still seine Cola getrunken. Er hatte die letzte Zeit dafür genutzt, nachzudenken. Oder zu überdenken. Und natürlich war Arthur das Thema, das seinen Kopf beschäftigt hielt.

Er wusste, dass Arthur recht hatte, es hatte einen Moment zwischen ihnen gegeben. Verflucht, er musste das eingestehen, zumindest sich selbst gegenüber. Es hatte einen gegeben! Aber würde es wirklich ein Problem darstellen, wenn er mit Arthur darüber reden würde? Er war schließlich schwul und Arthur war bi, also brauchte er sich darüber schon einmal keine Sorgen zu machen. Doch das war noch nicht alles. Merlin hatte nicht vergessen, dass Arthur ein Prinz war und er wollte sich die Reaktion seiner Mutter gar nicht erst vorstellen, sollte er ihr eröffnen, dass Arthur nun sein fester Freund war. Außerdem war er noch immer wütend auf seine Mutter, dass sie ihm nicht erzählte, was auch immer es war, das sie so bedrückte. Er wusste nur, dass es etwas mit Adeligen zu tun hatte.

Merlin nahm einen weiteren Schluck seiner Cola, den Blick auf Arthur gerichtet, der sich gerade mit Percival unterhielt. Doch plötzlich wandte er seinen Blick in Richtung Merlin und ihre Augen trafen sich. Vielleicht hatte er sein Starren irgendwie gespürt. Arthur lächelte, doch Merlin hielt es nicht länger aus und stand auf, wobei er sich seine Tasche über eine Schulter warf.

„Merlin, wohin gehst du?“, fragte Arthur, doch Merlin war bereits fort.

„Was ist los mit ihm? Jetzt ist er schon seit einigen Tagen so“, meinte Will, immer noch in Merlins Richtung blickend, doch aus den Augenwinkeln beobachtete er Arthurs Reaktion. Dann zuckte er mit den Schultern. „Nun, ich kenne diesen Ausdruck auf seinem Gesicht jedenfalls. Es ist besser, ihn erst einmal alleine zu lassen.“

~oOoOo~


Arthur fand heraus, dass Merlin seine letzte Vorlesung nicht besucht hatte.

Und nun, da auch für ihn der Tag vorbei war, fand Arthur sich auf dem Rücksitz seines Wagens wieder, auf dem Weg zu Merlins Haus. Er war sich nicht sicher, was er sagen oder tun sollte, wenn er erst einmal dort war, doch er hatte beschlossen sich darüber nicht allzu viele Sorgen zu machen. Er würde es schon noch herausfinden. Zumindest wollte er diese Sache zwischen ihnen klären.

Leon bremste und hielt schließlich. Dann drehte er sich um und sagte: „Wir sind hier, Arthur. Nummer 328.“

Arthur atmete einmal tief ein. „Danke, Leon. Würde es Sie stören, hier draußen auf mich zu warten, statt mit hineinzukommen? Mir wird nichts passieren.“

Leon nickte. „Natürlich. Gebt Bescheid, sobald Ihr mich braucht.“

„Das werde ich tun“, meinte Arthur, öffnete die Türe und stieg aus dem Auto. Dann machte er sich langsam auf den Weg zur Eingangstüre. Warum er so langsam ging, das wusste er eigentlich gar nicht, es war nur, dass Merlin ihn dazu brachte, sich anders zu verhalten, auch wenn er nicht wusste, was genau an ihm es war, das ihn so sehr beeinflusste.

Er hob seine Hand, um an der Haustüre zu klingeln und wartete dann. Er musste gar nicht lange warten, denn nach nicht mehr als zehn Sekunden wurde die Türe aufgerissen und Merlin stand da, den Kopf gesenkt, und wühlte durch seine Geldbörse. Als er den Blick schließlich hob, runzelte er die Stirn und legte seinen Kopf schief.

„Du bist nicht Pizza“, meinte er überrascht.

„Nein. Nur Arthur“, antwortete Arthur und vergrub seine Hände in seinen Hosentaschen.

Merlin schüttelte den Kopf und errötete leicht. „Du bist nicht nur Arthur.“ Er hielt inne, als ihm klar wurde, was er da gerade gesagt hatte und hoffte, dass Arthur es als etwas anderes wahrnehmen würde, als es gemeint gewesen war. „Ähm, jedenfalls … Was machst du hier?“

„Ich bin bloß … Ich will mit dir reden, nein … Darf ich mit dir reden?“

„Äh …“ Merlin rieb sich den Nacken und überlegte einen Moment lang. Seine Mutter würde noch einige Stunden lang nicht zurück sein, also würde es keine Konfrontation zwischen ihr und Arthur geben. „Klar, warum nicht. Ich hoffe, du bist in der Stimmung für etwas Pizza. Sie sollte jeden Moment hier sein.“

„Was gibt’s?“

„Peperoni“, antwortete Merlin, trat einen Schritt zurück und hielt Arthur die Türe auf, so dass er eintreten konnte.

Arthur lächelte ihm zu und meinte: „Meine Lieblingspizza.“ Er putzte sich seine Schuhe an der WILLKOMMEN-Türmatte und betrat das Haus. Es hatte einen gemütlich wirkenden kleinen Eingangsbereich mit einem Spiegel an einer Wand, einem Garderobenständer an der anderen und Stufen, die in den ersten Stock führten. Es gab genug Platz, um Schuhe verstauen zu können, für mehr jedoch nicht.

Arthur folgte Merlin durch die Türe, die in die Küche führte, nachdem er sich seine Schuhe ausgezogen und seine Weste aufgehängt hatte. Die Küche war größer, als er erwartet hätte, doch das lag vielleicht daran, dass sie neben den Kochutensilien auch noch Platz für eine Kochinsel und rundherum drei Barhocker hatte. Oben auf stand ein Glas, das mit Orangensaft gefüllt war.

„Willst du etwas trinken?“, fragte Merlin, den Kopf bereits in einem der Kästen versenkt.

Arthur brauchte einen Moment, um zu antworten. „Klar.“

„Was willst du? Es gibt Wasser, Orangensaft, Apfelsaft, ähm … Cola, ah …“

„Orangensaft ist super“, meinte Arthur schnell, als er sah, dass Merlin sich unnötig den Kopf darüber zerbrach, was er im Haus hatte. „Hübsches Haus, übrigens.“

Merlin stellte ein gefülltes Glas neben sein eigenes und setzte sich dann auf einen der Stühle. „Ah, danke. Meine Mutter und ich haben es selbst hergerichtet, als sie es vor etwa vier Jahren gekauft hat. Es ist wahrscheinlich nichts, was du gewohnt bist, aber ich mag’s. Es ist Zuhause, weißt du … nun, eines von vielen.“ Er gluckste leise.

„Was meinst du?“, fragte Arthur mit schiefgelegtem Kopf.

„Meine Mutter und ich … wir reisen sehr viel. Schon seit ich denken kann sind wir von Land zu Land gereist, mit immer nur einer kurzen Zeit, die wir tatsächlich dort verbracht haben. Manchmal blieben wir ein paar Jahre, aber andermal nur ein paar Monate. Ich kann mich noch an einmal erinnern, als es nur sechs Monate waren. Aber da war ich erst sieben oder so, also ist es ein bisschen eine verschwommene Erinnerung. Trotzdem, es ist ein Wunder, dass wir so lange in England geblieben sind. Vier, fast fünf Jahre jetzt schon. Ich wäre also wirklich nicht überrascht, wenn meine Mutter mir nächste Woche sagen würde, dass ich meine Sachen packen soll.“

„Das muss schwer gewesen sein“, meinte Arthur und nahm einen Schluck aus seinem Glas.

Merlin zuckte mit den Schultern. „Ein wenig, vielleicht. Aber dafür habe ich auch so viel von der Welt gesehen, also war es dann doch nicht so schlecht.“

„Okay, das ist wahr“, meinte Arthur.

Einen Moment lang herrschte Stille zwischen ihnen, während sie einfach dasaßen und ihren Orangensaft tranken. Irgendwann wurde Arthur die Pause in ihrem Gespräch zu lange und er fragte: „Gibt es einen Grund, aus dem du und deine Mutter so viel herumreisen?“

Merlin öffnete seinen Mund, schloss ihn dann jedoch wieder. Er runzelte die Stirn und überlegte. „Ich … weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich habe es noch nie hinterfragt, vielleicht weil ich es einfach gewöhnt war.“ Er begann leise zu glucksen. „Hm, es ist seltsam. Nun da ich darüber nachdenke, habe ich nicht die geringste Ahnung. Es ist wahrscheinlich, weil meine Mutter Leuten überall auf der Welt helfen will. Hier in England arbeitet sie zum Beispiel in einem Altenheim, ein paar Blöcke entfernt. Aber wir haben auch in Afrika gelebt, für … hmmm, vielleicht eineinhalb Jahre, und dort haben wir in Dörfern dabei geholfen, Häuser zu bauen. Und bevor wir in England waren, waren wir in Italien, wo wir Obdachlosen geholfen haben, eine Unterkunft zu finden …“ Merlin zuckte mit den Schultern und fügte hinzu: „Und noch ein paar mehr Länder, aber damit will ich dich nicht langweilen.“

Arthur war fasziniert von Merlins Geschichte und er liebte es, ein wenig mehr von ihm zu erfahren. Er bewunderte ihn dafür, dass er so eine hilfsbereite und selbstlose Person war. Beinahe schämte er sich selbst, dass er nicht so viele gute Taten gemacht hatte, wie Merlin. Doch vielleicht konnte er ja mit seinen Eltern über ein paar Projekte sprechen, die er unterstützen könnte. Er war sich sicher, dass sein Vater als der König des Landes nur das Beste für sein Volk wollte.

Und ihn langweilen? Niemals.

„Merlin, wow …. Ich hatte ja keine Ahnung, dass du so hilfsbereit bist. Okay, nein, warte, das kam gerade falsch raus und war nicht so gemeint. Ich meinte nicht, dass du normalerweise nicht hilfsbereit bist … aaah, ich meine …“

Es klingelte.

Merlin sprang von seinem Hocker auf und zwinkerte Arthur zu. „Die Türe hat dich gerettet“, meinte er, als er die Küche verließ und somit nicht mitbekam, wie Arthur seinen Kopf auf die Ablagefläche vor ihm senkte.

~oOoOo~


Kurz darauf kehrte Merlin zurück, eine Pizzaschachtel in seinen Händen, die er vor Arthur niederlegte, bevor er zu einem der Schränke ging und zwei Teller holte.

Er stellte einen davon vor Arthur und blickte ihn einen Moment lang mit schräggeneigtem Kopf an, bevor er fragte: „Es stört dich eh nicht, die mit den Händen zu essen? Ich meine … Pizza.“

Arthur rollte mit den Augen. „Nein, Merlin. Um Himmels Willen, selbst mein Vater ist Pizza mit seinen Händen.“ Arthur schüttelte den Kopf. Dann riss er ein Stück ab und legte es auf Merlins Teller, bevor er sich selbst ebenfalls eines nahm.

Arthur blickte wieder zu Merlin und sein Blick sprach Bände. Arthur schnaubte leise. „Merlin, so absurd, wie es auch klingen mag, mein Vater ist auch nur ein Mensch.“

„Ich habe gar nichts gesagt!“, verteidigte Merlin sich peinlich berührt und nahm schnell einen Bissen aus seinem Pizzastück.

Arthur Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. „Nein, nicht mit deinen Worten. Aber dein Blick hat mehr gesagt als tausend Worte.“

~oOoOo~


Sie aßen eine Weile lang zusammen in Stille. Als Arthur aufgegessen hatte, wischte er sich den Mund und die Hände an einem Geschirrtuch ab, das gerade in Reichweite hing. „So, jetzt bin ich voll“, meinte er.

„Ich auch“, gab Merlin zu und schob seinen Teller von sich fort. „Also …“, meinte er dann und trommelte mit seinen Fingern auf der Arbeitsfläche.

„So …“, wiederholte Arthur.

„Du hast gesagt, dass du mit mir reden wolltest?“, meinte Merlin mit einem unsicheren Ton in seiner Stimme.

Arthur biss sich auf die Unterlippe. „Ähm, ja. Über … was passiert ist … heute Morgen.“ Arthur atmete tief durch. „Schau, ich wollte es nicht, aber …“

Scheiße, jetzt war er nervös, er stotterte. Reiß dich zusammen!, ermahnte Arthur sich selbst.

Merlin schüttelte den Kopf. Er versuchte seine roten Wangen so gut wie möglich zu verstecken. Arthur hatte wahrhaftig diesen Effekt auf ihn. „Arthur, wirklich, ist schon gut. Du hast versucht zu helfen, es gibt keinen Grund, aus dem du dich erklären müsstest.“

„Nein, warte, das ist nicht, was ich gemeint habe –“, versuchte Arthur sich weiter zu erklären, doch er brach ab, als Merlin aufstand und einen weiteren Teller holte, um die übrigen Stück Pizza darauf zu platzieren. Dann stellte er den Teller in den Kühlschrank und versuchte Arthurs erfolglose Versuche zu ignorieren, einen Satz zu formen. Vielleicht wollte er auch gar nicht wissen, was Arthur sagen wollte, vielleicht war er einfach noch nicht bereit, es zu hören. Es war nicht möglich für ihn, mit Arthur etwas anzufangen.

Arthur versuchte noch ein paar Mal mehr, einen verständlichen Satz zu formen, doch sein Kopf befand sich momentan in hellem Chaos.

Merlin fuhr fort durch die Kühe zu wuseln, mal das wegzuräumen, mal jenes abzuwaschen. Als er schließlich nach den leeren Gläsern griff, um sie abzuwaschen, griff Arthur nach seinem Handgelenk und Merlin blickte auf. Seine Augen weiteten sich leicht, als er den Ausdruck auf Arthurs Gesicht sah. Dieser war so unvorstellbar sanft und seine Augen schienen sogar noch mehr zu leuchten, als sie es sonst schon immer taten.

Arthur erhob sich. „Lass mich helfen.“ Er ließ Merlins Handgelenk los, griff nach dem schmutzigen Geschirr und trug es zur Abwasch. Arthur musste ein paar Kastentüren öffnen, bevor er schließlich einen Schwamm und Reinigungsmittel fand. Merlin stand einen Moment lang unbeweglich da, bevor er leise zu Arthur trat. Auf seinem Weg dorthin nahm er ein Geschirrtuch mit. Er lehnte sich mit der Hüfte gegen die Ablage und stopfte die Hände unbeholfen in seine Hosentaschen, wobei das Geschirrtuch zum größten Teil über sein Bein hing.

Er sah zu, wie Arthur die Wassertemperatur kontrollierte, bevor er den Stöpsel ins Abflussrohr steckte, einen Tropfen Geschirrreinigungsmittel ins Wasser tat und zusah, wie die Blasen auftauchten.

Die Spannung zwischen den beiden hing spürbar über ihnen und Arthur warf einen Blick zu Seite, fing Merlins Blick auf. In einem Versuch, die Stimmung zu bessern fragte er scherzhaft: „Was? Hast du noch nie einen Prinzen den Abwasch machen sehen?“

Es schien zu helfen, denn Merlin lachte leise und schüttelte den Kopf. „Nö. Und ich muss sagen, dass ich beeindruckt bin. Ich dachte, du wärst verwöhnt und hast ein Dutzend Diener, die hinter deinem königlichen Arsch aufräumen.“

Arthur schnaubte spöttisch und legte sich eine Hand aufs Herz, so als hätte dieser Satz ihn in seinen Gefühlen verletzt. „Nun, Merlin. Erst einmal, ja, ich bin verwöhnt und zweitens, es gibt Diener – auch wenn wir bevorzugen, sie Butler und Hausangestellte zu nennen. Aber ganz im Ernst, wenn wir einfach ein normales Abendessen haben, dann machen meine Mutter und ich, und manchmal auch mein Vater, einfach den Abwasch danach. Tatsächlich mögen wir das sogar, es gibt uns eine Gelegenheit miteinander zu sprechen. Okay, okay, ich gebe aber zu, dass das Essen von professionellen Köchen gekocht wird.“

Ohne dass Merlin es bemerkte, steckte Arthur seine Hand in die Abwasch, um etwas Wasser und Blasen herauszuholen, und spritzte das in Merlins Richtung. Es landete auf seinem Unterarm und befeuchtete sein T-Shirt ein wenig. Merlin lachte und versuchte Arthur mit dem Geschirrtuch zu schlagen, doch er nutzte nicht genug Kraft dabei und es landete nur harmlos auf seinem Arm. Mit Arthurs schnellen Reflexen packte er das eine Ende des Handtuchs und zog daran, wobei er natürlich Merlin mitzog und auf einmal standen sie wieder ganz nah beieinander, Brust an Brust.

„Oh“, machte Merlin leise. Er blickte direkt in Arthurs azurblaue Augen und vergaß einen Moment lang alles, das um ihn herum geschah. Er spürte, wie sich eine Hand in seinen Nacken legte und bevor er überhaupt wusste, wie ihm geschah, hatte Arthur ihn sogar noch näher gezogen und ihre Lippen berührten sich in einem schlampigen, keuschen Kuss.

Merlin schmolz in den Kuss hinein, doch sein Verstand brauchte nicht mehr lange, um zu den Ereignissen aufzuholen und er realisierte, was er da gerade tat. Seine Hände drückten gegen Arthurs Brustkorb und versuchten mehr Raum zwischen ihnen zu schaffen und er unterbrach den Kuss. „Arthur, warte, nein.“ Er atmete aus, seine Hände noch immer auf Arthurs Brust. Doch er konnte ihm nicht in die Augen schauen, nicht jetzt.

Arthur schien ebenfalls zu realisieren, was da gerade geschehen war, und er trat zurück, schüttelte seinen Kopf. „Oh Gott. Ich … oh Gott.“

Arthur begann aus der Küche zu gehen, oder wohl eher zu stolpern und Merlin folgte ihm ins Vorzimmer, wo er sah, dass Arthur bereits versuchte, seine Füße in seine Schuhe zu quetschen. Er machte sich gar nicht erst die Mühe, sie zu binden.

„Arthur. Warte“, meinte Merlin und ging schnell auf ihn zu. Arthur blieb stehen und wandte sich um, um Merlin anzusehen.

Merlin fuhr fort: „Sorry, es ist nur … Du bist du. Du bist ein Prinz und ich bin nur –“

„Vergiss doch einfach, dass ich ein gottverdammter Prinz bin! Ist das alles, was ich für dich bin?“ Arthur sah totunglücklich aus und wandte sich zur Türe, um sie zu öffnen. Als er nach draußen trat, griff Merlin nach seiner Hand und obwohl Arthur kurz stehen blieb und auf ihre Hände blickte, befreite er sich wieder und sagte: „Schau, Merlin, tut mir leid, aber ich muss jetzt gehen.“

Merlin stand in der Türöffnung und sah, wie ein Bodyguard ausstieg und die hintere Autotür für Arthur offenhielt.

Arthur drehte sich nicht um, um ihn anzusehen und alles, was Merlin tun konnte, war dem Auto dabei zusehen, wie es die Straße entlangfuhr und schließlich bei der nächsten Möglichkeit abbog.

Die Person mit der Kamera bemerkte er nicht.

~oOoOo~


Seit Arthur nach Hause gekommen war, starrte er gedankenversunken vor sich hin und entschuldigte sich bald darauf, um in sein Zimmer zu gehen. Sowohl Uther als auch Ygraine bemerkten es, stellten aber keine Fragen, jedenfalls noch nicht. Sie kannten ihren Sohn gut genug, um ihn nicht zum Reden zu drängen, es würde nicht funktionieren. Wenn überhaupt, würde es Arthur nur dazu bringen, sich noch mehr zurückzuziehen. Deshalb ließen sie ihn alleine in seinem Zimmer, bis es Zeit für das Abendessen war.

Uther begann sein Fleisch zu schneiden und räusperte sich. „Arthur. Du weißt, dass Balinor in zwei Wochen die Universität besuchen wird, nicht wahr?“

Ygraine schüttelte den Kopf und räusperte sich absichtlich, um Uther zu unterbrechen. „Uther, mein Lieber, wir hatten vereinbart, während des Essens nicht über Politik zu sprechen.“

„Liebling, ich würde das hier kaum Politik nennen, er ist unser Freu-“ Uther brach ab, als er den Blick seiner Frau sah und meinte nur: „Ja, Liebling.“ Er nahm einen kurzen Schluck Wasser, um eine Ausrede zu haben, dem Blick seiner Frau auszuweichen. Stattdessen bemerkte er jedoch Arthurs leicht zusammengesunkene Haltung und blickte wieder zu seiner Frau.

Sie sahen, dass Arthur die ganze Zeit auf sein Handy starrte, dass er neben sich auf dem Tisch liegen hatte, doch sie ließen es unkommentiert.

Es erreichte jedoch eine Grenze, als zwanzig Minuten vergangen waren und Arthur immer noch nicht gegessen hatte, sondern nur das Essen mit seiner Gabel auf dem Teller umherschob. Langsam begannen sie sich ernsthafte Sorgen um ihren Sohn zu machen.

„Arthur, Liebling, ist alles in Ordnung? Du scheinst ein wenig … abgelenkt zu sein“, fragte seine Mutter sanft nach.

Arthur legte seinen Kopf schief, als er bemerkte, dass mit ihm gesprochen wurde, und er sah, dass seine Mutter ihren Mund bewegte, doch die Worte kamen nicht in seinem Kopf an. Er brummte nur als Antwort und fuhr damit fort, das Essen auf seinem Teller herumzuschieben. Er hatte seinen Appetit verloren und der Grund dafür war nicht, dass er bereits mit Merlin Pizza gegessen hatte. Das war bereits zwei Stunden her und normalerweise wäre er um diese Uhrzeit wieder hungrig, aber gerade eben war er einfach nicht in der Stimmung dafür.

„Uther, versuch du es. Er scheint nicht zuhören zu wollen“, meinte Ygraine und berührte mit ihrer Hand den Arm ihres Mannes.

Uther streckte seinen Arm aus, um nach der Hand, die Arthur auf dem Tisch liegen hatte, zu greifen. Es schien etwas zu wirken, denn Arthur hörte auf mit seinem Essen zu spielen, blickte auf und nahm tatsächlich Blickkontakt mit seinem Vater auf. Uther lächelte und Arthur versuchte zurückzulächeln, doch es gelang ihm höchstens eine halbherzige Grimasse.

„Arthur, wenn es etwas gibt, das dich beunruhigt, dann kannst du uns davon erzählen. Das weißt du, oder?“ Uther betonte seine Worte, indem er die Hand seines Sohnes drückte. Doch es half nicht, Arthur zum Reden zu bringen, denn er befreite seine Hand aus der seines Vaters und stand auf, sein Handy fest in seiner anderen Hand.

Leise bat er: „Darf ich bitte gehen?“, doch er wartete auf keine Antwort, sondern ging einfach fort, mit hängenden Schultern.

Als sich die Tür hinter ihm schloss, wandte Ygraine sich an ihren Mann. „Glaubst du etwas ist heute in der Uni passiert? Wurde er bedroht? Nein, das kann nicht sein, Leon hätte uns davon erzählt. Ich sollte mit ihm sprechen.“

Ygraine erhob sich von ihrem Stuhl, doch Uther legte ihr eine Hand auf den Unterarm und veranlasste sie dazu, sich wieder hinzusetzen. Ygraine runzelte die Stirn, wartete jedoch bis Uther sprach.

„Warte, Liebling. Denk nur einmal daran, was heute anders ist.“

Ygraines Stirn runzelte sich nur noch mehr. Was meinte Uther damit? „Nun, unser Sohn ist unglücklich, das ist anders. Ich sollte zu ihm gehen.“ Sie wollte erneut aufstehen, doch ein weiteres Mal hielt Uther sie zurück.

„Nur einen Moment noch, Liebling. Ja, er ist unglücklich, aber was ist sonst noch anders?“ Uther lehnte sich in seinem Sessel zurück und gluckste leise, ein Grinsen auf seinem Gesicht. Er sah, wie seine Frau die Augen verengte.

„Uther, ich habe keine Zeit für Rätselraten. Wieso verhältst du dich so kaltherzig? Unser Sohn ist unglücklich und du grinst hier wie ein Trottel!“

„Merlin, Liebling. Merlin.“ Uther gluckste und schüttelte seinen Kopf. „Denk mal daran. Die letzten fünf, sechs Wochen haben wir mindestens einmal am Tag von diesem Merlin-Jungen gehört. Aber heute … nichts. Jetzt füg das zusammen mit dem Wissen, dass er heute das Haus des Jungen besucht hat und dass er, als er zurückgekommen ist, sich so verhalten hat. Also ich bin ja kein Experte, was das betrifft, aber ich glaube die Zeichen deuten alle auf dasselbe hinaus …“

Ygraine beendete leise, erstaunt die unausgesprochene Schlussfolgerung. „… Arthur mag Merlin mehr als nur einen Freund und hat etwas getan, aber Merlin hat ihn zurückgewiesen.“

„Und du weißt, wie Teenager immer denken ihre Welt käme zu einem Ende, wenn sie zurückgewiesen werden“, fügte Uther hinzu und wollte lachen, doch dann sah er, wie seine Frau ihren Kopf drehte und ihn mit einem misstrauischen Blick musterte.

„Und woher genau weißt du, dass er Merlin in seinem Haus besucht hat?“

Uther, der merkte, dass seine Frau ihn ertappt hatte, schluckte und tupfte sich die Mundwinkel mit einer Serviette ab. „Ich ... ähm ... Schatz, du musst sehen –“

„Komm mir nicht mit ‚Schatz‘. Uther, hast du wieder nachgefragt?! Ich dachte, wir waren uns einig, dass wir das nicht mehr tun. Arthur hat sein eigenes Leben und das müssen wir respektieren. Leon ist nur verpflichtet, uns mitzuteilen, wenn etwas passiert ist, und nicht jeden einzelnen Schritt unseres Sohnes oder jeden persönlichen Besuch, den er macht.“ Ygraine erhob sich und deutete mit dem Zeigefinger auf ihren Mann.

„Uther, ich bin noch nicht fertig damit, darüber zu reden. Glaube also nicht, dass du einfach so davonkommst, denn wir werden heute Abend darüber reden. Aber jetzt braucht mich Arthur.“ Sie drehte sich um und ging weg, aber bevor sie das Zimmer verließ, drehte sie sich noch einmal um und meinte: „Viel Spaß beim Abwaschen, und denk nicht einmal daran, es einen der Angestellten machen zu lassen.“ Mit diesen Worten verließ sie den Raum.

Uther seufzte, gab sich aber geschlagen und begann damit, das Geschirr einzusammeln.

~oOoOo~


Arthur seufzte, als er sein Zimmer betrat. Sein Handy hatte während des Abendessens die ganze Zeit über vibriert von all den Nachrichten und Anrufen, die er von anderen Leuten erhalten hatte. Es gab aber nichts von der Person, von der er unbedingt etwas hören wollte; Merlin.

Er hatte zahlreiche Text- und Sprachnachrichten an Merlin geschickt und ihn gebeten, ihn anzurufen. Er hatte ihm sogar eine E-Mail geschrieben, doch keine einzige Antwort erhalten, und das irritierte ihn.

Nachdem nun einige Zeit vergangen war und er alles, was an diesem Tag passiert war, hatte sacken lassen, kam er zu dem Schluss, dass Merlin eine Erklärung verdiente, warum er sich so verhalten hatte. Er musste ihm sagen, dass der Kuss nicht nur eine impulsive Handlung gewesen war und dass er Merlin wirklich sehr mochte. Aber um das zu tun, musste Merlin abheben oder seine Nachrichten beantworten. Offensichtlich ignorierte er ihn.

Er starrte noch etwa eine halbe Minute lang auf sein Telefon, bevor er schließlich aufgab und es aufs Bett warf, wobei es nach dem Aufprall auf die Bettdecke noch einmal leicht in die Luft sprang.

Dann ging Arthur in sein Badezimmer, öffnete den Medizinschrank und holte die Schachtel mit den Schmerzmitteln heraus. Er nahm zwei davon und spülte sie mit einem Glas Wasser hinunter. Er hoffte, dass die Kopfschmerzen, die gerade aufkamen, weg sein würden, sobald er wieder aufwachte.

Er schaltete alle Lichter aus, schloss die Rollläden fast ganz und kroch unter die Decke. Sobald sein Kopf den Polster berührte, war er eingeschlafen.

Als es Minuten später an der Tür klopfte, rührte er sich nicht mehr.

Ygraine öffnete die Tür einen Spalt breit, als ihr Sohn auf ihr Klopfen nicht reagierte, und wurde von der Dunkelheit begrüßt, die nur durch einen Hauch von Sonnenlicht durchbrochen wurde, das durch einen kleinen Spalt in den Fensterläden strömte. Es dauerte ein paar Augenblicke, bis sich ihre Augen an das wenige Licht gewöhnt hatten, aber schließlich sah sie ihren Sohn schlafend auf seinem Bett. Sie lächelte, wenn auch mit einem Hauch von Traurigkeit, bevor sie leise, um den Schlaf ihres Sohnes nicht zu stören, das Zimmer betrat und sich auf die Kante seines Bettes setzte. Sie betrachtete ihn eine Weile und dachte an ihn als Baby, als Kleinkind, als Teenager und wie ihr neunzehnjähriger Sohn jetzt auf bestem Weg dorthin war, ein großartiger Mann zu werden.

Sie wusste nicht, wie lange sie dort saß, aber sie beschloss, dass es jetzt an der Zeit war, ihren Sohn alleine zu lassen. Wenn es stimmte, was ihr Mann sagte, dann musste Arthur nun am Boden zerstört sein. Das machten Abweisungen nun einmal mit einem. Und nach all den Geschichten, die sie von ihrem Sohn über Merlin gehört hatte, war sie sich sicher, dass Arthur Merlin sehr mochte und dass Merlin der perfekte Partner für ihren Sohn gewesen wäre.

Sie würde einfach warten müssen, bis Arthur ihr freiwillig die Geschichte erzählte, um herauszufinden, ob das der tatsächliche Grund für die Traurigkeit ihres Sohnes war.

Ygraine stand auf und beugte sich zu Arthur, um ihrem Sohn einen Kuss auf das Haar zu geben. Auch wenn sie wusste, dass er sie nicht hören konnte, flüsterte sie dennoch ein Versprechen in sein Haar. „Alles wird gut werden. Ich verspreche es.“

~oOoOo~


Merlin saß auf dem Sofa und umarmte einen Polster. Er hatte den Fernseher angedreht, bekam jedoch kaum etwas davon mit, was dort geschah. Stattdessen sah er immer wieder den Moment des Kusses vor seinem inneren Auge und hin und wieder berührte er mehr unterbewusst als bewusst seine Lippen mit seinen Fingerspitzen.

Er befand sich geradezu in einer existentiellen Krise.

Arthur hatte ihn geküsst. Ihn!

Er hatte natürlich bemerkt, wie Arthur ihn angerufen hatte und er hatte auch bemerkt, dass Arthur hartnäckig war und nicht so leicht aufgab. Er hatte auch andere Wege versucht, um mit ihm in Kontakt zu treten, aber Merlin konnte und wollte gerade nicht mit Arthur sprechen. Er war sich nicht einmal sicher, ob er sich selbst genug vertraute, um mit Arthur zu sprechen. Vielleicht würde er einfach rausplappern, wie toll er Arthur fand!

Soweit er wusste, konnte Arthur auch einfach nur von der Freude des Moments überwältigt worden sein und hatte ihn unabsichtlich geküsste. Wenn er also herausplatzte, dass er Arthur wirklich gerne hatte, dann konnte das mit Leichtigkeit in einem Desaster enden. Im schlimmsten Fall würde Arthur ihn hassen und ihn nie wieder sehen wollen. Das war kein Risiko, das er eingehen wollte.

Seine Gedanken wurden unterbrochen, als er hörte, wie die Türe sich öffnete und seine Mutter ihm zurief, ihr mit den Taschen zu helfen.

Als er das Vorzimmer betrat, erstarrte er. Die Taschen standen auf dem Boden, aber seine Mutter stand vor dem Kleiderständer, auf dem noch immer Arthurs rote Ralph-Lauren-Jacke im Fußball-Stil mit den weißen Ärmeln hing. Arthur musste sie in seiner Eile vergessen haben. In seiner Eile, so weit wie nur möglich von mir fortzukommen, erinnerte er sich selbst.

Hunith hob leicht beide Augenbrauen und blickte von der Jacke zu Merlin. „Wem gehört denn die?"

Merlin rieb sich mit einer Hand seinen Nacken. Er konnte seiner Mutter auf keinen Fall sagen, wer da gewesen war, er wusste nicht, wie sie darauf reagieren würde. „Äh … Will?“, antwortete er unsicher klingend.

Huniths Augenbrauen hoben sich noch weiter. „Will?“, wiederholte sie ungläubig. „Seit wann trägt Will Ralph Laufen? Der Junge trägt noch immer dieselbe Jacke, die er schon vor drei Jahren getragen hat. Merlin, sag mir die Wahrheit.“

Merlin schnaubte leise. Die Wahrheit zu sagen, lag ja wohl kaum in der Familie. Doch er beschloss mutig zu sein und seine Mutter damit zu konfrontieren, wer ihn tatsächlich besucht hatte. Sie musste schließlich nicht die Details des Besuches erfahren, denn selbst er wollte es nicht laut aussprechen. Doch wenn er ihr verriet, wer ihn besucht hatte, dann hatte er einen weiteren Druckpunkt gegen seine Mutter, um sie dazu zu bringen, ihm zu sagen, was genau sie vor ihm geheim hielt.

Also lehnte er sich mit einer Schulter gegen die Wand und verschränkte die Arme vor seiner Brust, als er betont lässig antwortete: „Arthur.“

~oOoOo~


Die Konfrontation mit der Wahrheit führte zu einem Streit. Merlin hatte seine Mutter beinahe angeschrien, warum es denn so schlecht sei, dass er Zeit mit Arthur verbrachte, doch seine Mutter hatte nicht geantwortet. Nun, zumindest nicht laut. Er hatte sie etwas murmeln hören, doch er hatte sie kaum verstanden und es hatte ihm keineswegs einen Hinweis darauf geliefert, warum sie in letzter Zeit so geheimnistuerisch war. Es verärgerte ihn so sehr, dass er ein weiteres Mal aus dem Haus stürmte.

Als er die Straße entlang stapfte, vergrub Merlin seine Arme in den Taschen seines Hoodies, um sie vor den kalten Novembertemperaturen zu schützen. Zumindest schneite es nicht.

Während er so ging, dachte er über den Streit nach. Er war sich ziemlich sicher, dass seine Mutter das Wort ‚Vater‘ geflüstert hatte, doch er würde es nicht schwören. Doch selbst wenn das das Wort war, das sie gemurmelt hatte, was hatte das mit allem anderen zu tun? Schon seit er klein war, hatte seine Mutter ihm gesagt, dass sein Vater weg vom Fenster sei und dass er keine Gedanken an den Mann verschwenden solle. Sie wären zu zweit ohnehin besser dran. Und er hatte ihr geglaubt, nicht weiter nachgefragt und all die Jahre lang hatte er nicht einmal überlegt, wer sein Vater sein könnte. Sein Onkel JJ war ihm so eine gute Vaterfigur, dass es ihn nie gestört hatte, seinen echten Vater nicht zu kennen.

Doch was, wenn das Geheimnis, das seine Mutter vor ihm bewahrte, mit seinem Vater zu tun hatte? Vielleicht wollte er seine Mutter wiedersehen. Vielleicht wollte sie ihn sehen. Doch das war kein Grund für Verschwiegenheit, seine Mutter könnte ihm das sagen, warum also die Geheimnistuerei? Und sein Vater hatte die letzten 19 Jahre nichts von sich sehen lassen, also hatte er kein Recht dazu, jetzt einfach aufzutauchen.

Wie seine Mutter es ihm gesagt hatte, sie kamen bestens ohne ihn zurecht.

Von ganz allein führten ihn seine Schritte zu Wills Haus. Er klopfte an die Türe und wartete, hoffte, dass Will um diese Uhrzeit Zuhause war. Als sich im Inneren des Hauses nichts rührte, wartete er noch einen Moment und klopfte dann erneut. Endlich hörte er Schritte die Treppe hinunterkommen und einen Moment später wurde die Türe aufgerissen. Dahinter stand Will, nur in Jogginghose und einem Handtuch, dass er sich um den Nacken gelegt hatte. Merlin konnte Wassertropfen in seinem Haar erkennen.

„Sorry, Mann. Ich bin grad aus der Dusche gekommen und meine Eltern sind nicht Zuhause, weil sie auf einem Geschäftsessen von der Firma meines Vaters sind oder so. Egal, was ist los?“ Er trat zurück und hielt die Tür für Merlin offen.

Als Merlin das Haus seines besten Freundes betrat, bemerkte er nicht, dass er von einem schwarzen Auto verfolgt wurde und dass darin eine in schwarz gekleidete Person saß, die die neuen Informationen durch ein Headset weitergab: „Der Prinz betritt das Haus seines Freundes Will.“

Nicht weit vom schwarzen Auto entfernt stand ein ähnlich aussehender Wagen. Morgause schoss ein paar Fotos und fuhr dann fort. Sie hatte genug Bilder, um dem König ein Update der Situation geben zu können.

~oOoOo~


Will drückte Merlin ein Glas Cola in die Hand und ließ sich dann auf sein Bett fallen. Er war in das erste T-Shirt geschlüpft, das er finden konnte, doch sein Haar war noch immer feucht von der Dusche.

Merlin saß auf Wills Schreibtischstuhl und drehte sich nervös von links nach rechts und wieder zurück.

Will blickte ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue an und klopfe mit seinen Fingernägeln immer wieder gegen sein eigenes Trinkglas. Das Geräusch hallte durch das gesamte Zimmer. Es war eine unterbewusste Bewegung, doch trotzdem musste Merlin jedes Mal wieder zusammenzucken, wenn der Nagel das Glas berührte.

„Spuck’s aus, Browne. Das letzte Mal, als du so nervös in meinem Zimmer gesessen bist, war als du fünfzehn warst und mir gebeichtet hast, dass du meine PlayStation zerstört hast. Was ist es dieses Mal?“

Merlin atmete einmal tief ein und stellte dann sein Glas auf dem Schreibtisch ab. Er sah ein Bild von sich und Will dort stehen, sie hatten es an Wills sechzehntem Geburtstag aufgenommen. Er wandte sich wieder seinem besten Freund zu.

„Will, kann ich darauf vertrauen, dass du absolut niemandem weitererzählst, was ich dir jetzt gleich sagen werde?“

Will spitzte den Mund und dachte einen Moment lang über die Frage nach. „Hmm, das hängt davon ab, was du mir jetzt gleich sagen wirst.“ Er rutschte zurück, um sich gegen die Wand zu lehnen, neben der das Bett stand, und wartete darauf, dass Merlin weitersprach. Sicherlich war es nicht so schrecklich, wie sein bester Freund es gerade ausmachte, ansonsten würde er bekümmerter dreinschauen, als er es gerade tat. Vielleicht hatte es etwas mit seiner Mutter zu tun, er wusste, dass Merlin und seine Mutter gerade etwas in Konflikt miteinander standen, auch wenn Merlin ihm bisher noch keine Details davon erzählt hatte. Merlin hatte nur gemeint, dass er und seine Mutter gerade nicht zu gut aufeinander zu sprechen waren.

Merlin kratzte sich am Kopf, als er versuchte die richtigen Worte zu finden, um Will zu erzählen, dass Arthur, der zukünftige König Englands, Wales‘, von wo auch immer, und er sich geküsst hatten … und dass er es gemocht hatte.

Letzten Endes fielen ihm keine guten Worte ein und er platzte einfach mit der Information geradeheraus. Er blickte auf seine Hände, die nervös in seinem Schoß herumnestelten und wartete auf den Schreck, den Tadel, was auch immer. Vielleicht auch einen Schrei. Stattdessen hörte er nur einen tiefen Seufzer von seinem besten Freund, gefolgt von dem Kommentar: „Na wurde aber auch verdammt einmal Zeit. Es war schon beinahe unerträglich, euch beide zusammen zu sehen. Himmel, die sexuelle Spannung zwischen euch war ja beinahe zu greifen!“

Irgendwo an seinem Hals begann sich Röte zu bilden, die von dort über seine Wagen bis hin zur Spitze von Merlins Ohren kroch. Nachdem sein bester Freund fertig gesprochen hatte, riss Merlin den Kopf hoch. „D-du hast es bemerkt?“

„Ja! Natürlich habe ich das.“ Will schüttelte lächelnd den Kopf. „Ich weiß, Percy weiß es, ich wäre nicht überrascht, wenn es die gesamte Uni wissen würde. O mein …, das ist unglaublich. Warte, ich muss Percy anrufen, er muss das auch hören.“

Bevor Merlin die Gelegenheit hatte, ihn davon abzuhalten, hatte Will bereits sein Telefon gezückt und Percys Nummer gewählt. Merlin sprang von seinem Platz auf dem Stuhl auf, doch Will hielt ihn mit seinen Beinen und einem Arm zurück, während er die Hand mit dem Handy so weit wie möglich in die andere Richtung streckte. Die ganze Zeit über kicherte er dabei wie verrückt.

Will gelang es, alle von Merlins Versuchen ihn zu treten oder zu schlagen abzuwehren, während er darauf wartete, dass Percy endlich abhob.

Es dauerte auch gar nicht lange, da kam das Geräusch durch. „Heyy, was ist los?“, fragte Percy.

„Rate mal. Merlin und Arthur haben’s endlich gemacht.“

„Nun, wurde ja auch langsam einmal Zeit. Ich weiß nicht, wie lange ich es noch ausgehalten hätte, meine Pausen mit den beiden zu verbringen. Es wurde ja schon peinlich. Sind sie da?“

„Na, nur Merlin. Sag hallo.“ Will hielt Merlin sein Handy ins Gesicht.

„William, ich bringe dich um … und du bist als nächstes dran, Percival“, rief Merlin ins Telefon, doch die Reaktion auf seine Drohungen war nur weiteres Gekicher bis hin zu dröhnendem Lachen von den beiden Angesprochenen. Merlin griff nach einem der Polster auf dem Bett und begann, Will damit zu schlagen.

Will versuchte sich zu schützen, indem er sich die Arme vors Gesicht hielt, während er immer noch das Handy mit Percy in der Leitung in der Hand hielt.  „O nein, er hat Percival gesagt. Wir sollten aufpassen, Percy, er verwendet unsere vollen Namen.“

Als Antwort kam nur noch mehr Gelächter, dann ein paar Geräusche und schließlich brach die Leitung ab.

Kurz darauf erhielt Will eine Nachricht.



VON: Percy18:26

LOL hab das Handy fallen lassensag Merlin ich will Trauzeuge sein auf ihrer Hochzeitbis Montag ihr 2



Will zeigte Merlin die Nachricht, sobald er sich wieder soweit beruhigt hatte, dass er nicht mehr alle paar Sekunden vor Lachen keine Luft mehr bekam und Merlin beschlossen hatte, ihn nicht mehr mit dem Polster zu schlagen. Merlin knurrte das Telefon genervt-amüsiert an, bevor er sich wieder auf den Schreibtischsessel fallen ließ und den Kopf in seinen Händen vergrub.

„Aber mal im Ernst, Will, was soll ich denn jetzt tun?“, murmelte er beinahe unverständlich in seine Hände. Will verstand ihn dennoch, so wie es sich für einen besten Freund gehörte.

„Nun … Hast du versucht mit Arthur zu sprechen, nachdem er weggegangen ist?“, fragte Will und hob seine Schultern.

„Äh, na ja, nein. Er hat mich ein Dutzend Mal angerufen und mir E-Mails geschrieben und was weiß ich noch alles, aber ich habe ihn während der letzten drei Stunden ignoriert. Ich weiß ja nicht, was ich ihm sagen soll, wenn ich wieder mit ihm spreche. ‚Oh, hey, rate mal was: Ich mag dich auch, also lass uns zusammen sein und es die ganze Nacht treiben. Ach, mach dir keine Sorgen, du bist nur der Prinz und ich ein gewöhnlicher Bürger, es ist das 21. Jahrhundert, niemand wird sich daran stören.‘ Ernsthaft jetzt, ich bin sowas von unterhalb seiner Klasse.“

Will warf ihm einen düsteren Blick zu und setzte sich in einer gemütlicheren Haltung auf sein Bett. Er kreuzte die Beine und stützte sein Kinn in seine Hand.

„Merlin, warum machst du so ein Problem daraus, dass er ein Prinz ist? Du machst dir deswegen doch sonst auch nie Gedanken. Zur Hölle damit, vor ein paar Monaten hast du ihn deswegen noch gehasst und jetzt siehst du es als Problem? Das ergibt keinen Sinn. Du musst Arthur als Arthur sehen, genauso wie sonst auch immer. Du weißt genauso gut wie ich, dass er nicht begeistert über seinen Titel ist und am liebsten einfach vollkommen normal behandelt werden würde. Was glaubst du denn, würde es mit ihm anstellen, wenn er von dem Typen, auf den er abfährt, aus genau diesem Grund zurückgewiesen wird?“

Merlin drückte sich mit den Handballen gegen die Augen und grunzte leise. „Ah, ich fühl mich doch auch so schon ganz schlecht, du musst es nicht schlimmer machen. Aber ich weiß einfach nicht mehr weiter und es ist wirklich nicht der beste Zeitpunkt dafür. Es passieren gerade so viele Sachen in meinem Leben, ich komme mir vor, als würde ich von einer riesigen Welle einfach überrollt und mitgezogen werden.“

Er blickte nicht auf, doch kurz darauf spürte er, wie zwei Arme sich von hinten um seine Schultern schlagen und ihn in eine Umarmung zogen.

„Denk jetzt nicht, dass ich ganz rührselig werde, denn das werde ich nicht“, meinte Will. „Aber du weißt, dass ich für dich da bin, wenn du jemanden zum Reden brauchst, oder einfach alles andere vergessen willst, richtig?“

„Ich weiß“, meinte Merlin mit leiser Stimme.

„Aber du musst mit Arthur sprechen. Himmel, wenn du darauf bestehst, dann werden Percy und ich dich dabei begleiten, dir den Rücken freihalten.“

„Danke“, murmelte Merlin. „Aber ich glaube, dass ich das alleine machen muss.“

„Wenn du das so willst“, sagte Will und ließ seinen Freund los. Er wandte sich dem Fernseher zu und schaltete sich mit der Fernbedienung durch die Kanäle. Als er den richtigen gefunden hatte, wandte er sich zu Merlin. „Wenn du willst, kannst du heute Nacht hier schlafen. American Horror Story beginnt in fünf Minuten und es spielt das Staffelfinale, auch wenn wir es beide bereits kennen. Was meinst du?“

Merlin nickte. „Ich glaube, das würde ich gerne.“

„Cool. Ich ruf meine Eltern an und lass sie wissen, dass du hier schläfst. Und ich hol Knabberzeug. Bin in einem Moment wieder da.“

Will verließ den Raum und Merlin holte sein Handy aus seiner Tasche. Zuerst schickte er seiner Mutter einen kurzen Text, dass er bei Will bleiben würde. Er war noch immer wütend auf sie, doch sie verdiente es nicht, sich die ganze Nacht lang Sorgen darum zu machen, wo Merlin war.  Als nächstes schrieb er Arthur.



AN: Arthur18:38

Wir müssen reden. Morgen in der Bibliothek?Es ist Samstag, sie wird leer sein. Ich schicke dir dann die genaue Uhrzeit.



Er drückte auf Senden, bevor er es sich anders überlegen konnte und im nächsten Moment betrat Will wieder sein Zimmer, die Hände gefüllt mit Chipspackungen verschiedenster Geschmacksrichtungen und eine Flasche Cola unter den Arm geklemmt. „Okay?“, fragte Will um sicherzugehen.

„Ja“, antwortete Merlin und nahm seinem besten Freund die Flasche ab.

~oOoOo~


Wieder im mercianischen Palast wurde Balinor gerade in seinen privaten Räumlichkeiten von Morgause besucht, die auf schnellstem Weg zu ihm gekommen war. Es war nur eine Stunde nachdem sie das letzte Bild von Merlin beim Betreten von Wills Haus gemacht hatte.

Sie hatte ihm bei früheren Besuchen gezeigt, wer Merlins engste Freunde waren. Dass auch der Kronprinz von Wales dazugehörte, hatte den König positiv überrascht. Tatsächlich war er froh, dass sein Sohn mit dem Prinzen befreundet war, denn Arthur war stets von Bodyguards begleitet, was auch zusätzlichen Schutz für seinen Sohn bedeutete.

Er erfuhr von Will und Percival und davon, dass Will bereits seit vier Jahren Merlins bester Freund war, sowie dass Percival der kleine Bruder eines seiner eigenen Bodyguards war.

Gerade eben verstreute Morgause ein paar Dutzend weitere Bilder auf dem Tisch. Sie zeigten Hunith und Merlin oder Merlin und einige seiner Mitstudierenden an der Uni. Es gab auch einige Bilder von Arthur und Merlin zusammen, und was Balinor schnell an diesen Bildern auffiel, war, dass immer, wenn der eine gerade nicht hinsah, der andere ihn anstarrte. Beinahe wie ein verliebtes Paar.

Balinor dachte zuerst, es könne daran liegen, dass sie sich in den letzten Wochen nähergekommen waren, wie Morgause ihm bei einem früheren Besuch mitgeteilt hatte. Doch dann zeigte Morgause ihm die Bilder, die sie an diesem Tag gemacht hatte. Er sah Merlin, wie er nach Arthurs Hand griff, gerade in dem Moment, in dem Arthur Merlins Haus verließ. Merlins Haar war an seinem Hinterkopf etwas durcheinander.

Morgause musste dem König keine Erklärung geben, was möglicherweise geschehen war. Und der König hatte auch nichts dagegen, dass sich zwischen den beiden möglicherweise eine Beziehung entwickelte.

„Vielen Dank, Frau Gorlois“, sagte Balinor, während er weiterhin auf die Bilder starrte. „Ich weiß Ihre Bemühungen zu schätzen. Ich wünsche mir, dass Sie diese Arbeit so bald wie möglich fortsetzen.“

„Natürlich, Eure Majestät. Ich werde gleich morgen früh wieder nach London aufbrechen.“ Sie neigte den Kopf und verließ den Raum.

Balinor setzte sich in einen der vielen Plüschsessel im Raum und starrte in den Kamin, in dem ein knisterndes Feuer brannte. In nur wenigen Tagen würde er nach England reisen und dann sowohl seinen Sohn als auch die Liebe seines Lebens wiedersehen. Er wusste nur noch nicht genau wie. Nun, natürlich würde er Merlin bei seinem Besuch an der Universität sehen, aber er musste einen Weg finden, um mit Hunith in Kontakt zu treten. Er legte die Fingerspitzen aneinander und stützte sein Kinn darauf, während er versuchte das Gefühl zu ignorieren, das sich jedes Mal in seinem Magen breitmachte, wenn er auch nur daran dachte, dass er zum ersten Mal seit neunzehn Jahren endlich wieder mit Hunith sprechen würde.

Das Einzige, was ihn davon abhielt wirklich glücklich zu sein, war, dass er nicht wusste, wie es laufen würde, wenn Merlin von seinem Erbe erfuhr. Was, wenn er es nicht akzeptieren würde? Balinor wäre dann auf jeden Fall traurig, auch wenn er Merlin natürlich nicht dazu zwingen konnte und es auch gar nicht wollte. Doch gleichzeitig wollte er auch nicht darüber nachdenken, was er tun sollte, wäre das tatsächlich der Fall. Es blieb ihm also nur aufs Beste zu hoffen.



So ... Also das Kapitel ist voller Ereignisse. Ich werde Punkte die mir auffgefallen sind wieder aufzählen, aber es sind nicht alle so negativ besetzt wie in den vorherigen Kapiteln. Teilweise fand ich einiges sogar ganz cool.

1) Es beginnt damit, dass Merlin meint er sehe Arthur als vollkommen normalen Mensch. Gleichzeitig bleibt das aber nicht konsistent durch die Story, es gibt paar Momente, wo er betont, dass Arthur dies
eben nicht sei. Unter anderem beim Kuss und wenn er dann mit Will spricht. Also, ja. Merlin, bleib bitte konsistent in deinem Denken.
2) ... die auf die Seite gehen und fallen-Klischee-Szene? Ja. Sehr klischee. Ich bin kein Fan davon, aber ich weiß nicht, vielleicht geht's auch nur mir so.
3) "Darf ich mit dir reden?" Dieser Satz ist so mega respektvoll, wir sollten uns das alle angewöhnen, sowas zu fragen. Besonders in so heiklen Situationen. Arthur ist ihm hinterhergefahren, ohne dass Merlin ihn eingeladen hat und obwohl Merlin eigentlich ihn gerade eher weggestoßen als zu sich gezogen hatte. Dass er da um Erlaubnis fragt mit ihm zu reden ist also absolut großartig und respektvoll und so, wie in so einer Situation vorgegangen werden sollte.
4) Find's auch mega interessant, wie Hunith sich denkt: "Ich kann Merlin das ganze Reisen nicht antun, nicht schon wieder" und Merlin einfach so ist: "Es war eigentlich schon ganz cool, ich rechne auch eigentlich damit, dass wir gleich wieder umziehen". Mega interessant, wie unterschiedlich die beiden Perspektiven sind und zeigt mal wieder, wie viel missverstanden werden kann, wenn nicht miteinander geredet wird.
5) Geschirr waschen, wirklich? Ich kann mir vorstellen, dass Merlin das macht, weil sie ein kleines Londoner Häuschen haben, in das kein Geschirrspühler passt. Aber dass sie keinen Geschirrspühler im Palast haben, das bezweifle ich schon stark.
6) Noch ein Kritikpunkt, yay, das waren schon wieder so wenige. Der Kuss. Ganz schlimm. Ich weiß, es wird die ganze Zeit über in so vielen Geschichten romantisiert, aber ein Kuss sollte nicht einfach so passieren. Vor allem da Merlin wirklich nicht bereit dafür schien in der vorherigen Szene. Ein Kuss ist immer noch eine sexuelle Handlung und erfordert Konsens. So gut sie sich auch kennen, sie haben nicht über ihre Gefühle füreinander gesprochen. Arthur weiß nicht, was Merlin für ihn fühlt und auch nicht, ob er vielleicht einen guten Grund hat, ihn nicht küssen zu wollen. Also: FRAGT BITTE UM ERLAUBNIS BEVOR IHR JEMANDEN EINFACH SO KÜSST. Die andere Person kann euch gar nicht so gerne haben, kann im schlimmsten Fall sogar Trauma oder Ähnliches haben. Küssen braucht Konsens (wenn man nicht in einer Beziehung ist und darüber schon gesprochen und alle Eventualitäten geklärt hat). Meine Meinung, aber eine, die ich sehr stark vertrete.
7) Okay, scheint als wäre die Überwachung von Leuten in Königsfamilien so gewöhnlich wie Atmen. Uther überwacht seinen Sohn also auch. Macht es aber nicht besser, schließlich haben sie sich anscheinend ausgemacht, dass sie genau das
nicht tun.

Okay, ich hatte noch ein paar kleinere Punkte, aber ich glaube, die lasse ich weg, es ist schon so eine viel zu lange AN (oder ÜN? Übersetzer Note? Nein, müsste englisch sein ... TN? Translator note? Keine Ahnung, ihr wisst schon, was ich meine).
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