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Bittersweet

von Arionell
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Freundschaft / P12 / Het
Fukui Kensuke Himuro Tatsuya Liu Wei Murasakibara Atsushi OC (Own Character) Okamura Kenichi
30.05.2022
06.08.2022
7
13.448
4
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Dieses Kapitel
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06.08.2022 2.085
 
Perplex sah Makoto auf den schlafenden Atsushi herab, den kein Wässerchen trüben konnte.

„Eh…Atsushi“, setzte sie an, doch er reagierte nicht, weshalb sie sich zu ihm an die Bettkannte setzte. „Atsushi, wach auf, du hast Training“, schubste sie ihm erst leicht, dann fester gegen den Arm.

Im nächsten Moment schrie sie auf, da Atsushi sie einfach am Handgelenk packte und zu sich runterzog. Er war zwar immer noch im Halbschlaf doch war er so stark, dass sie sich nicht befreien konnte.

„Mayu-Mayu“, murmelte er gähnend und quetschte sie nur fester an sich.

„Ich krieg keine Luft“, keuchte Makoto und stemmte sich auf. Sie lag auf ihm und gerade, als sich ihre Nasenspitzen berührten, machte Atsushi langsam die Augen auf.

„Du bist nicht Mayu-Mayu“, stellte er verzögert fest.

Makoto, deren Gesicht rot angelaufen war, konnte es immer noch nicht fassen, wie stumpf dieser Kerl sein konnte. Und dass Situationen wie solche ihn nicht so aus dem Konzept zu bringen schienen wie sie selbst.

„Offensichtlich nicht. Wer ist Mayu-Mayu?“, versuchte sie sich aufzusetzen und endlich ließ er sie gewähren.

„Meine Katze“, rieb sich Atsushi die Augen und wirkte dabei wie ein verpenntes Kleinkind. Dann gähnte er lange und ausgiebig, während er sich streckte und schließlich aufsetzte. Dann sah er sich um. „Ah, stimmt ja, seit gestern schlafe ich nicht mehr zuhause.“

Der Kerl schaltete schnell, dachte sich Makoto ironisch.

„Allerdings, du solltest dich an deine neue Umgebung gewöhnen“, sagte sie schließlich.

„Und was machst du hier, Mako-chin?“, sah er sie nun neugierig an.

Erneut lief die rot an und sie hasste es, dass er derlei Reaktionen bei ihr hervorrief.

„A-also die Tür war offen und…also ich bin hier um dich zum Training zu schleifen. Der neue Coach Araki-Sensei hat mich darum gebeten. Aber auch nur, weil meine neue Zimmernachbarin Akemi mich zum Training mitnehmen musste, weil sie unbedingt will, dass ich die zweite Managerin werde“, fing Makoto hektisch an zu erzählen. „Dabei bin ich nur hingegangen, um ihr einen Gefallen zu tun, weil sie so nervös war. Jedenfalls hat sie es so hingestellt, als würden wir zwei uns gut verstehen und es in meiner Macht liegen, dich zum Training zu bringen. Und Araki-Sensei hat mich so angesehen, dass ich sie gar nicht enttäuschen wollte oder konnte und dann“, wollte sie weiterreden, als sie bereits erneut Atsushis Schnarchen vernahm.

„HEY, hier wird nicht geschlafen!“, blaffte sie ihn an, da er sich wieder zur Seite gedreht hatte und eingepennt war.

„Du bist so laut und redest zu viel“, murmelte Atsushi störrisch. „Das nervt.“

Makoto hielt inne. Sie verstand gerade selbst nicht, warum sie sich so ins Zeug legte. Sie war seit jeher die Devise gefahren, sich rauszuhalten. Sich nie allzu stark in etwas einzumischen, immer eine Distanz zu den Dingen zu wahren. Sich nie zu sehr gefühlsmäßig zu stark in etwas zu involvieren. Um am Ende nicht enttäuscht zu werden.

Sie musterte seinen Rücken, da er mit dem Gesicht zur Wand gedreht war.

„Ich dachte, dass dir Basketball wichtig sei. Da du bei der Teiko gespielt hast und nun ebenfalls an einer Schule bist, die für den Basketball bekannt ist.“

Sie rechnete nicht mehr mit einer Antwort, da sie glaubte, dass er wieder eingeschlafen war.

„Ich mag Basketball nicht einmal“, kam es in gelangweiltem Ton als Antwort, was sie stutzen ließ.

„Und warum spielst du es dann?“, fragte sie irritiert. „Ich würde nichts machen, was ich nicht mag.“

Atsushi drehte sich um und sah sie an.

„Du magst Basketball auch nicht und willst Managerin werden“, kam es als Konter, woraufhin sie sich ertappt fühlte.

„Ich spiele es“, nuschelte Atsushi, der unter seinem Kopfkissen en Maiubo rauskramte und daran zu mümmeln begann. „Weil ich gut darin bin. Ich habe Talent. Und ich gewinne gerne.“

Wie kindisch, dachte sich Makoto mit einem schiefen Lächeln.

„Basketball ist grausam“, sagte er noch, was Makoto in diesem Moment nicht verstand.

Atsushi wiederum hatte nicht damit gerechnet, dass hier an dieser Schule von ihm verlangt wurde, dass er trainieren sollte. An der Teiko war es egal, solange sie die Spiele gewannen.

„Also gut, dann werde ich dich mal nicht weiter nerven“, wollte sie sich erheben, da hatte er sie wieder mit seinem Schraubstockartigen-Griff am Handgelenk gepackt. „Was zum…“

„Du willst schon gehen?“, fragte er sie direkt, während er sein Maiubo verputzte.

„Ja, ich dachte, ich nerve“, gab sie irritiert zurück. „Akemi braucht sicher Unterstützung. Ich kann sie nicht die ganzen Getränke alleine hin und herschleppen lassen. Außerdem…hat sie gesagt, dass ich mir unbedingt wenigstens einmal dieses Training ansehen soll, auch wenn ich nicht weiß, warum. Vielleicht braucht sie Hilfe beim Anfeuern oder was man als Managerin halt so macht“, sagte sie nachdenklich. Aber sie hatte Akemi ihr Wort gegeben und sie war jemand, der sich an Abmachungen hielt.

Atsushi hielt inne, während sie erzählte. Sie wollte die anderen Jungs also anfeuern gehen. Irgendetwas an dem Gedanken gefiel ihm nicht, auch wenn er es nicht benennen konnte.

„Gut~“, sagte er langgezogen. „Dann komm ich eben mit“, fügte er widerwillig hinzu.

„HÄ?“, zuckte Makoto zusammen. Was war das für eine abgedrehte Logik?

***

Zurück in der Turnhalle angekommen, hielten alle in ihrem Trainingsspiel inne, als sie Atsushi und Makoto die Halle betraten sahen.

„Sie hat es geschafft, also hat sie wirklich einen besonderen Draht zu ihm“, quiekte Akemi.

„Sehr gut. Danke Makoto“, kam es von Araki-Sensei während Atsushis Teammitglieder den Riesen interessiert beäugten. Himuro hatte schon erzählt, dass er ein wenig eigen war und hatte damit wohl noch untertrieben.

„Eh, ich habe doch gar nichts gemacht“, kam es bedröppelt von Makoto zurück, als Araki bereits an ihr vorbeigegangen war und sich vor Atsushi hinstellte, während sie ihr Bambusschwert drei Mal laut auf den Boden aufkommen ließ. Mit einem Mal wirkte sie nicht mehr nett, sondern ziemlich wütend.

„Atsushi Murasakibara, ich bin Coach Masako Araki“, stellte sie sich ihm erneut vor. „Und hier an der Yosen-High wird nicht geschludert. Es war ein Kraftakt dich hier einzuschreiben bei deinen Noten. Vielleicht war es an der Teiko so, dass ihr das Training schwänzen konntet, hier wird es nicht mehr so sein. Ich verlange vollen Einsatz.“

Atsushi sah sie unbeeindruckt an. „Wie lästig“, sagte er nur und nahm sie überhaupt nicht ernst. Im nächsten Moment kam ein Ball zugeflogen und er fing ihn ab. Gleichzeitig musste er zugeben, dass der Wurf Schmackes hatte.

„Das darf nicht wahr sein, unseren Coach hier so respektlos zu behandeln“, brummte Okamura. „Und einem wie dem da soll ich meinen Posten überlassen?“, fragte er an Araki gewandt. Okamura war schon immer Center gewesen, doch Araki-Sensei hatte so von diesem Wunder geschwärmt und dass Okamura ihm diesen Posten abtreten und dafür die Position des Power Forwards übernehmen müsste. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er mit dieser Einstellung und Trägheit die Körbe der gegnerischen Mannschaften verhindern wird. Der schläft doch schon im Stehen ein.“

Akemi blinzelte verwundert, hatte sie Okamura bisher noch nicht so erlebt. Andererseits war er auch ein ganz anderer Typ als Atsushi. Okamura war schließlich Captain und forderte von sich und dem Team sehr viel ein. Gerade jemand wie Atsushi Murasakibara war wie ein Gegenpart zum Captain.

„Hmh“, machte Atsushi nur und etwas in seinen Augen funkelte auf, als seiner und der Blick von Okamura sich kreuzten. „Ist mir doch egal ob’s dir passt oder nicht. Ich bin der besten Center der Oberschulen“, sagte er mit einer solchen Selbstverständlichkeit, dass nun auch auf Kensuke Fukuis Stirn eine Zornesader erschien und das, obwohl er selbst Okamura gerne auf die Palme brachte.

„Ich glaube, wir müssen unserem Kouhai ein paar Manieren beibringen“, sah er zu Okamura hoch und dieser nickte ihm zu.

„Dann kommt doch her“, sagte Atsushi gelangweilt und ging zum Korb. „Wenn ihr einen Korb schafft, dann darf der Gorilla weiter Center sein“, zeigte er auf Okamura.

„Das reicht“, ballte Okamura die Hand zur Faust. „Komm, Fukui, den machen wir platt.“

„Na toll“, seufzte Araki. Andererseits wollte sie auch, dass das Team verstand, warum gerade Murasakibara eine Bereicherung für das Team wäre. Und sie war auch neugierig, wie der Neuling sich machen würde. „Liu, du unterstützt Okamura und Fukui und Himuro du bist in Atsushis Team, da du auch neu bist.“

„In Ordnung“, lächelte Himuro und ging zu Atushis Spielfeldseite. „Ich werde mein Bestes geben, Körbe zu machen und du hältst sie auf, ja?“

Himuro musste allerdings bei dem genervten Gesichtsausdruck Atsushis stutzen.

„Hää? Ich brauche keine Hilfe“, gab Atsushi langgezogen von sich. „Und du bist so motiviert, das ist ekelhaft. Ich hätte Lust dich zu zerquetschen.“

„Hä?“, machte nun Himuro.

„Hört auf rumzualbern“, sagte Araki bestimmend und bat Atsushi und Okamura an die Mittellinie. „Tip-Off!“, rief sie, pfiff in ihre Pfeife und schmiss den Ball hoch. Dann sah sie prompt hoch, als die beiden Naturgewalten sprangen. Okamura hatte bisher niemand den Tip-Off stehlen können. Aber bekanntlich gab es für alles ein erstes Mal. Atsushi schnappte sich den Ball. Und lief an Okamura vorbei.

Er wirkte auf einmal nicht mehr so träge wie er bisher den Eindruck vermittelt hatte.

Er lief los und Fukui, der sowieso eher ein kleinerer Spieler war, konnte ihn nicht decken. Auch Liu schaffte es nicht, ihn aufzuhalten, als Atsushi den Ball bereits in den Korb beförderte. Der Korb wackelte ein wenig, so als ob er es nicht gewohnt war, dass solch eine Kraft auf ihn einwirkte.

Atsushi stand mit dem Rücken zu den anderen.

„Hm, war das schon alles?“, fragte er arrogant. „Ich dachte, dass das Team hier mehr drauf hat“, nahm er den Ball wieder hoch, Dann sah er zu Himuro. „Ich habe es dir gesagt, Muro-chin, deine Hilfe wird hier nicht benötigt.“

Himuro war ebenfalls noch fassungslos, zu was Atsushi in der Lage war.

„Na warte, das war noch nicht alles“, zischte Okamura. Denn das Spiel hatte gerade erst angefangen.

***

Während des Spiels war Makotos Blick wie gebannt auf Atsushi geheftet. Bereits seit er den ersten Korb versenkt hatte, kam sie nicht umhin, ihn in einem anderen Licht zu sehen. Er hatte mit einem Mal so…wach gewirkt, anders konnte sie das Aufblitzen in seinen violetten Augen nicht beschreiben. Es war eindrucksvoll aber auch eine gewisse Härte lag darin, die sie nicht erwartet hatte.

Basketball ist grausam, gingen ihr Atsushis Worte durch den Kopf.

„Du bist ja…wie gebannt, dabei müssten wir eigentlich neue Getränke holen“, kicherte Akemi vergnügt, woraufhin Makoto sich ertappt fühlte.

„Ich…also…naja“, setzte Makoto an, hielt dann aber tatsächlich die Luft an, als Atsushi erneut am gegnerischen Team vorbeikam und so einem so gewaltigen Sprung ansetzte, dass Liu und Fukui von der geballten Luft zu Boden flogen.
„Wahnsinn“, murmelte Makoto, war Akemi wiederum grinsen ließ.

Atsushi derweil, hatte zwar keinen einzigen Korb des Gegnerteams durchgelassen, musste allerdings zugeben, dass ihm langsam ein wenig die Puste ausging, während die anderen, auch Himuro, der auch bereits ein paar Körbe versenkt hatte, noch über genug Ausdauer verfügten, weswegen Atsushi immer mehr in die Defensive ging und am Korb blieb, während Himuro die Würfe machte. Auch wenn er mehr Talent und die bessere Technik besaß, mit dem die anderen nicht mithalten konnten und auch wenn er es lächerlich fand, wenn sich die Gegner so anstrengten, musste er es sich in dem Moment eingestehen, dass sie wirklich verdammt zäh waren und wenn es um Ausdauer ging, würden sie ihn vielleicht sogar übertrumpfen.

Ihren Kampfeswillen wollten sie sich ebenfalls nicht nehmen lassen, weswegen Atsushi zu einem letzten Angriff ansetzte, der sie endgültig brechen sollte. Doch anstatt dass der Kampfeswille der Gegner brach, tat es tatsächlich nur der gegnerische Korb.

Er blinzelte verwundert, während er den abgerissenen Ring in den Händen hielt, was alle um ihn herum sichtlich beeindruckte.

„Wow, das hatte es bisher noch nie gegeben“, sagte Fukui anerkennend.

„Argh, verdammt!“, brüllte Okamura. Doch im nächsten Moment wirkte er nicht mehr wie ein wütender Gorilla, sondern grinste breit. Er war einfach niemand, der lange sauer sein konnte. Außerdem war er verdammt froh, jemanden wie Atsushi in seinem Team zu haben anstatt im Gegnerischen. „Gut, ich hab’s kapiert. Du bist ein verdammt guter Center, Atsushi“, klatschte er dem lilahaarigen Riesen gegen dem Hinterkopf. „Herzlichen Glückwunsch zum Sieg!“

Atsushi wiederum musste kurz innehalten und tief durchatmen, während er es sich von außen nicht anmerken lassen wollte, dass es anstrengender für ihn war als gedacht. Er hasste es zu trainieren aber noch mehr hasste er es zu verlieren. Und offenbar waren in seinem Team doch gar nicht mal so unbrauchbare Flaschen wie zunächst gedacht und er wollte keinesfalls von ihnen abgehängt werden.
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