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Schmerzhafte Vergangenheit

von qNicole
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P16 / Het
Bokuto Koutarou Kageyama Tobio Kuroo Tetsurou OC (Own Character) Ukai Keishin Ushijima Wakatoshi
30.05.2022
23.06.2022
11
18.621
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23.06.2022 1.289
 

Zwei Wochen zuvor

„Chiko“, seine Mutter ließ ihn gar nicht wieder aus der Umarmung heraus.
„Mama, das reicht“, sagte er und löste die Umarmung langsam.
„Ich freue mich nur so, dass sie endlich erkannt haben, dass du kein schlechter Junge bist“, sagte sie voller Erleichterung.
Chiko grinste. Sie alle hatten es ihm abgekauft. Es hatte gedauert, bis ihm klar wurde, dass die einzige Möglichkeit, wieder das alltägliche Leben genießen zu können, ein Wandel seiner selbst sein würde.
Er hatte allen etwas vorgemacht.
Langsam hatte er sich in den Therapiesitzungen vorgewagt.
Letztlich sogar Reue eingestanden, die er zwar nicht empfand, aber sie glaubwürdig genug rübergebracht hatte.

„Ich bin froh, dass du über dieses Mädchen hinweg bist. Da wird dich auch ihre Rückkehr nicht sonderlich interessieren, aber ich wollte trotzdem, dass du es weißt.“
Für einen Moment wurde sein Blick kalt.
Sie war zurück.
Zurück in Japan.
Erreichbar für ihn.
Schnell legte er jedoch ein Lächeln auf und seinen Arm um seine Mutter.
„Das ist Vergangenheit. Ich werde ein Mädchen finden, dass wirklich zu mir passt. Mach dir keine Sorgen.“
„Dein Vater hat dir eine Wohnung in Tokio gekauft. Dort kannst du erst einmal ankommen und dann sehen wir weiter“, seine Mutter hielt ihm die Wagentür auf und er stieg ein.

                              
„Jungs, hört mal, am Wochenende haben wir ein Trainingsspiel gegen Shiratorizawa“, eröffnete Trainer Nekomata den Jungen am späten Montagnachmittag.
„Shiratorizawa“, wiederholte Kuroo immer wieder in seinem Kopf.
Konnte gar einer aus der Volleyballmannschaft der Bruder des Jungen sein, der Kyjara so verletzt hatte? Er kam nicht weiter dazu seinem Gedanken nachzugehen, da der Trainer in die Hände klatschte und das Training begann.


Das Läuten der Ladenklingel ließ Ukai aufblicken. Er drückte seine Zigarette in dem Aschenbecher aus und begrüßte den Eintretenden.
„Trainer Irihata.“
„Ukai, ich bin eigentlich hier um mit deiner Mutter zu sprechen. Ist sie da?“
„Bedaure, sie kommt erst am Wochenende wieder. Sie ist auf einer Fortbildung.“
„Eine Woche. Das ist lange. Wir sollten eigentlich keine Zeit verlieren.“
„Keine Zeit verlieren? Wovon bitte sprechen Sie?“
„Von deiner Schwester. Ich wollte mit deiner Mutter sprechen, sie sollte schnellstmöglich auf die Shiratorizawa wechseln.“
Keishin lachte laut auf.
„Und wie stellen sie sich das vor? Und warum überhaupt?“
„Warum überhaupt? Hast du sie mal spielen sehen? Das Talent wäre vergeudet. Sie muss in einer Profimannschaft spielen.“
„So gut spielt sie nun auch nicht“, sagte Keishin jedoch ein wenig zögerlich.
„Wie mir scheint hast du noch einen weiten Weg vor dir, wenn du das nicht erkennst. Deinem Großvater wäre es sofort“, Keishin fiel ihm ins Wort.
„Er weilt aber leider nicht mehr unter uns und kann es daher nicht beurteilen. Ich werde mir den Spielstil meiner Schwester ansehen. Sollte Sie wirklich so gut sein, wie Sie sagen, stimme ich Ihnen zu, wenn Sie dann eine Möglichkeit sehen, meine Schwester auf die Shiratorizawa zu bekommen, wird sie dort auch spielen.“
„Sag mir bis Mittwochnachmittag Bescheid. Ich habe abends ein Treffen mit dem Vater von Ushijima Wakatoshi.“
„Das werde ich.“
„Hier, ich notiere dir noch meine Nummer“, schnell schrieb Trainer Irihata seine Nummer auf den Zettel, ehe er den Laden wieder verließ. Gekauft hatte er nichts.
Ukai hasste Irihatas Arroganz.
Aber es war nicht von der Hand zu weisen, dass Shiratorizawa nun mal die beste Mädchenmannschaft besaßen. Er würde heute Abend mit Kyjara sprechen.
Seine Schwester war zurück, und dennoch fühlte es sich nicht so an. Sie hatte sich verändert und er konnte nicht umher, dass er verletzt war. Verletzt darüber, dass sie Kuroo bereitwillig erzählt hatte, was damals vorgefallen war, dass sich ein Junge an ihr vergangen hatte.
Keishin spürte eine Wut in sich aufkommen, die ihn beinahe übermannte, was wohl sein Großvater getan hätte? Er konnte auch noch immer nicht glauben, dass seine Mutter dem Ganzen gar keine Beachtung geschenkt zu haben schien. Und er würde nicht dafür garantieren, dass er dem Jungen nicht eine reinhauen würde, wenn er wüsste, wer das getan hätte.

As Keishin am Abend seine Wohnungstür aufschloss, hörte er lautes Singen aus der Dusche. Er musste schmunzeln. Seine Schwester sang mindestens genauso schief und laut wie er selbst, aber was soll’s, so lange es ihr Spaß machte.
Keishin setzte sich erschöpft aufs Sofa und wartete auf Kyjara. Schon wenig später ging die Tür auf und er sprang erschrocken vom Sofa empor.
Seine Schwester stand splitterfasernackt vor ihm.
„Aihh! Kei! Was machst du hier schon?“, eilig machte sie kehrt und verschwand wieder im Bad, um kurze Zeit später mit einem Handtuch umwickelt wieder herauszutreten.
Keishin war das immer noch äußerst unangenehm. Seine Schwester war kein kleines Mädchen mehr und er hatte eindeutig mehr gesehen, als er sollte.
„Wieso läufst du nackt in meiner Wohnung herum?“, ging er seine Schwester an, als sie sich im Handtuch an ihm vorbei in ihr Zimmer begab.
Als Antwort bekam er nur das Laute zuschlagen jener Tür.
Na, dass hatte ja prima geklappt. Die Chance auf ein ernsthaftes Gespräch hatte sich somit für heute Abend wohl erledigt.
Doch Keishin sollte sich irren. Nach 10 Minuten öffnete sich die Tür wieder und seine Schwester kam zu ihm ins Wohnzimmer.

„Kei, was habe ich falsch gemacht?“, begann sie.
„Du vertraust mir nicht.“
„Du behandelst mich vor allen immer wie ein kleines Mädchen, dass Zurechtweisung braucht. Ich dachte du würdest dich mehr darüber freuen, dass ich wieder hier bin. Ich wollte wieder anknüpfen, an die Zeit vor meinem Weggang.“
„Dann sei doch ehrlich zu mir. Ich will jetzt für dich da sein. Ich mache mir Vorwürfe, dass ich dich nicht vor diesem Jungen beschützen konnte, dass es passiert ist, dass er sich an dir vergangen hat.“
„Moment“, hielt sie ihren Bruder auf, „du denkst er hat mich vergewaltigt?“
Keishin blickte sie verwundert an.
„Ja, was hat er sonst getan?“
Kyjara holte einmal tief Luft und hob ihr Shirt empor.
„Das ist, was er getan hat“, sagte sie.
Keishin betrachtete die Brandmale.
„Kyjara. Sag mir auf der Stelle wer das war?“, forderte er seine Schwester auf.
„Kei, das ändert nichts.“
„Doch, ich will wissen, wer dir wehgetan hat. Es könnte jeder sein. Er könnte in meinem Laden stehen, unwissend würde ich freundlich zu ihm sein und ihm verkaufen was er begehrt.“
„Er begehrt keine Waren, er begehrt mich, darin liegt das Problem. Keishin. Du kannst die Vergangenheit nicht ändern. Es ist alles in Ordnung. Er ist in einer geschlossenen Einrichtung. Mir wird nichts geschehen und er wird somit auch nicht in deinem Laden stehen.“
„Trainer Irihata stand dafür heute bei mir im Laden.“
„Meine Antwort lautet Nein“, sagte Kyjara erbost.
„Aber du weißt doch gar nicht“, begann Keishin.
„Ich werde nicht auf die Shiratorizawa gehen. Niemals!“, bekräftigte sie vehement.
„Aber“, setzte Keishin an.
„NIEMALS!“, schrie sie nun schon und spürte Tränen in ihren Augen.
Trotz der Tränen, hielt Keishin nicht inne.
„Trainer Irihata hat einen Blick für herausragende Spieler. Und die Chance die dir dadurch offenbart wird ist einmalig. Du solltest sie nicht leichtgläubig wegwerfen.“
„Hör auf! Keishin!“, bat sie ihn flehend.
„Bis Mittwoch sollen wir eine Entscheidung getroffen haben. Da trifft Trainer Irihata einen einflussreichen Mann.“
„Wakatoshi“, sagte Kyjara leise.
„Ja genau, aber woher weißt du das?“, fragte Keishin.
„Nein“, Kyjara zwang sich ihrem Bruder in die Augen zu sehen.
„Wakatoshi.“
Ihr Bruder blickte sie zweifelnd an.
„Du wolltest den Namen doch wissen“, damit drehte sie sich um. Sie hatte keinen anderen Ausweg gesehen, als ihren Bruder mit der Nennung des Namens Einhalt zu gebieten.
Nun kroch sie unter ihre Decke. Sie hoffte inständig, dass er ihr nicht in ihr Zimmer folgen würde, ebenso inständig wie sie hoffte, dass Keishin keinen Unsinn anstellen würde.
 
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