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Ein Tod für ein Leben

von Bot
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
25.05.2022
25.05.2022
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789
 
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Tagebuch des Akunin

Ich wünschte dies wäre eine Geschichte des Mutes. Eine Geschichte des Kämpfens und des Erfolges.
Doch die simple Wahrheit ist, dass er so etwas nicht schreiben kann. Trauer… und Leid… darüber kann er schreiben. Und so bin ich, wie auch er, zu einem Leben in Misere verdammt. Geschuldet meiner Geburt. Und so ist folgendes nicht die Geschichte meines Lebens… Sondern die Geschichte meines Todes. Meines Selbstgewählten Todes. Denn letztlich war es die einzige Wahl, die er mir ließ. So erschuf er mich, um mich wieder zu töten. Und letztlich wird er wieder allein sein. Selbstgewähltes Leid oder vorgegeben durch was er ist? Eine schwierige Frage, denn sie betrifft mich gleichermaßen. Aber ich möchte hier nicht über einen möglicherweise freien Willen philosophieren. Ich möchte berichten was er mir angetan hat. Ich möchte berichten was ihm angetan wird. Ich möchte berichten was ich durchleide, dass es für ihn erträglicher wird. Wie ich sterbe, damit er leben kann.

Es begann bei meiner Geburt. Ich wurde nicht im herkömmlichen Sinne geboren, wie ihr es wurdet. Ich wurde erschaffen. Erschaffen aus dem verletztem und bösartigstem Teil seiner Seele. Es gibt viele wie mich. Ich nenne sie meine Brüder. Sie unterscheiden sich durch ihre unterschiedliche Bösartigkeit voneinander. So bin ich einer der Harmlosesten. Ihr Hang zum Selbstmord und zur Selbstaufopferung eint sie jedoch alle. Ich glaube es entspringt seinem Wunsch für etwas zu leben… So ironisch das auch erst einmal wirken mag. Aber ich schweife ab…. So wurde ich als gebranntes Kind geboren. In eine Familie aus Mördern, Gebrochenen und Actionhelden. Wozu ich gehörte, weiß ich bis heute nicht sicher. Da ich aus dem Versagen geboren wurde, besitze ich keinen Hass gegen andere… Nur gegen mich selbst. Denn schließlich hasst man sich für sein Versagen am meisten. Daher wahrscheinlich eher zu den Gebrochenen. Wobei ich eigentlich aus Hoffnung geboren wurde. Sie war hübsch und nett. Sehr schöne Augen und ein sehr süßes Lächeln. Gerade so verrückt und begeistert, dass er sie bewunderte. Und während er sie bei ihrem Essen so ansah, die vielen Anzeichen, von denen er bereits wusste, ignorierend, wollte er Teil ihres Lebens sein. Doch auch wenn in seinem Hinterkopf die Stimmen bereits warnten, sie hatten erkannt was kommen wird, machte er weiter. Immer weiter voran. Rückzug zur Hölle! Wie ein guter Soldat einmal in Bewegung beinah unaufhaltsam. Und, ignorierte man die Stimmen, so lief es sehr gut. Der Abend war mit Gesprächen und Lachen gefüllt. So zumindest sein Eindruck. Nun… rennt man blind voran, holt man sich an einer Mauer eine blutige Nase.
Und nun liege ich in dem schwarzen Loch, das sie erschuf. Fernab jeder Sonne sehne ich mich nach Wärme. Und von oben kippt er die emotionale Scheiße in das Loch. Doch meine Gliedmaßen sind zu schwer zum Kämpfen. Und so liege ich hier und spüre, wie es an meinem Gesicht nach oben steigt. Ich spüre, wie sie langsam über mein Gesicht läuft. Langsam in meinen Augen brennt. Langsam in meinen Mund läuft. Aber ich kann ihr nicht entkommen und so schließe ich die Augen. Jeder Atemzug wird schwerer als der nächste. Ein bösartiges Brennen füllt meine Brust und meine Lunge schmerzt. Ich ertrinke nicht… Ich brauche keine Luft wie ihr… Und dennoch muss ich Atmen. Dennoch zwingt er mich dazu es mit jedem Atemzug tiefer in meine Lunge zu ziehen und mehr zu leiden. Langsam verschwindet das Rot hinter meinen geschlossenen Augen als es immer weiter ansteigt und das Loch immer weiter füllt. Und immer mehr und mehr atme ich davon ein. Jedoch atme ich es nicht mehr aus. Vielmehr wird es ein Teil von mir und das Brennen mein stetiger Begleiter. Die Geräusche Verstummen. Nicht, weil er aufhört, sondern weil bereits so viel über mir liegt, dass ich es nicht mehr höre. Der Druck auf meine Lunge ist unfassbar und dennoch zwingt er mir jenen nächsten Atemzug auf. Ich bete es möge bald vorbei sein und kalt schiebt sich der Stahl in meine linke Hand. Selbst hier kann ich das Gewicht des Stahls spüren. Und während ich immer und immer mehr einatme, bewege ich gegen die zähflüssige Trägheit das Messer an meine Kehle. Mit dem Druck in der Brust wage ich den letzten Schritt und öffne sie. Ich hatte schmerzen erwartet. Doch wenigstens diese Gnade erweis er mir. Ich tue was er wollte. Ich sterbe und nehme mit, was ich aufgenommen habe. Daher vermutlich diese letzte Gnade. Ich frage mich wie viel es ihn kosten mag mich zu töten. Und mit dem Wissen, dass mit jedem von uns ein bisschen von Ihm stirbt, den Wissen, dass ich noch lange nicht der letzte in der Grube war, ergebe ich mich der Dunkelheit. Heise sie wie einen alten Freund willkommen, da sie mich vor ihm schützt.
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