Geschichte: Freie Arbeiten / Prosa / Western / Revenge

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Revenge

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Historisch / P16 / Gen
23.05.2022
20.07.2022
9
13.697
3
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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23.05.2022 1.869
 
1890

Wyoming, Great Plains, Lagern, Nacht

“Ich bin wirklich das einzige Mädchen, dass mit seinem Vater Viehtreiben muss”. Der mittelalte Mann lachte. Er saß mit einer jungen Frau an einem Lagerfeuer. Die Feuerstelle war mit Steinen befestigt und zwei Baumstämme wurden zum Sitzen herangeschafft. Vom Lager aus konnte man ein Tal überblicken in dem eine ganze Herde Rinder graste. “Tja. Du bist eben nicht jedes Mädchen”. Der Mann stopfte Tabak in seine Pfeife. “Du bist etwas besonderes. Genau wie deine Mutter”. Nun wurde das Mädchen still und schaute ins Feuer. Sie kannte ihre Mutter nicht. Ihr Vater hatte ihr immer erzählt, dass sie bei ihrer Geburt verstorben sei. Immer wieder erzählte ihr Vater ihr von ihr. In ihr steckte ein halber Cowboy. Sie konnte wohl mit einer Hand eine Socke stopfen und mit der anderen ein Kalb auf die Welt bringen.

“Du musst so etwas lernen weißt du? In der Sonntagsschule und bei Witwe Douglas lernst du vielleicht Lesen, Schreiben, Nähen und Stricken. Aber das sind Sachen die du brauchst wenn du als Hausfrau überleben willst. Abhängig vo einem Mann. Ich bring dir bei wie du alleine überlebst. Wenn ich mal nicht mehr bin, dann kannst du die Ranch führen”. Der Mann deutete zur Rinderherde. “Diese Rinder sind ein Symbol was in diesem großartigen Land in das dein Großvater vor Jahrzehnten kam aus jedem werden kann, der nur hart arbeitet”. Langsam nickte das Mädchen. “Denk immer daran Milly. Harte und ehrliche Arbeit ist das einzige was ewig währt”. Gerade als das Mädchen antworten wollte begannen die Pferde scheu zu werden. Irgendwas machte sie unruhig.

“Dad…”. Der Mann deutete seiner Tochter still zu sein. Er griff sich das Henry Repeating Rifle, dass auf dem Baumstamm lehnte. Mit einem Klacken lud er die Waffe durch wodurch eine Patrone in den Lauf geladen wurde. Er deutete seiner Tochter in Deckung zu gehen. Milly beobachtete ihren Vater, während sie sich so klein wie möglich machte. Plötzlich ertönte ein Schuss und ihr Vater ging zu Boden. Bevor sie schreien konnte wurde sie von hinten gepackt. Eine Hand wurde auf ihren Mund gepresst.

Das Lager war von Männer umzingelt, die sich unter dem Schutze der Nacht angeschlichen hatten. Sie waren bewaffnet wie ein Regiment der Kavallerie. Sie trugen Revolver, Gewehre und Flinten. Einer der Männer trat vor. Er trug einen weißen Hut mit schwarzem Band. Ein wahrer Bär von einem Kerl. Eine Narbe zeichnete seine rechte Gesichtshälfte bis übers glatt rasierte Kinn. Sein Gesicht war kantig und maskulin. In seinem Mundwinkel steckte ein glimmender Zigarillo. “Na Johnny-Boy? Deine Sinne sind wohl auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Hättest wohl nicht aufhören sollen zu saufen”.

John lag angeschossen am Boden. Eine Kugel aus einem Winchester hatte seine Schulter getroffen. “Du verdammter Teufel Moses!”. Durch die Schmerzen verlangsamt versuchte John sein Henry Rifle zu heben und auf Moses zu schießen. Als Moses den Lauf zur Seite wegtrat löste sich ein Schuss. “Tss Tss Tss. Begrüßt man so seinen alten Freund?”. Moses trat auf den Lauf des Gewehres und presste ihn auf Johns Brust. “Geh zurück in die Hölle wo du hingehörst!” giftete John ihn an. Moses schüttelte den Kopf, zog dann aber einen Revolver aus seinem Holster. Ein alter Colt 1860 Army. Auf Patronenmunition umgestellt worden. “Du kannst deiner Vergangenheit niemals entkommen Johnny. Ich dachte das hätten wir dir klargemacht als wir deine Maybelle erschossen haben”. Nun entfleuchte Milly ein geschocktes Geräusch. Sofort sah Moses zu ihr.

“Oho. Eure Mildred ist ja wirklich groß geworden John. Man sieht wirklich, dass sie Mays Tochter ist”. Sofort versuchte John sich unter dem Fuß des Outlaws heraus zu winden. “Was sollen wir mit der Kleinen machen?” fragte eine Männerstimme. “Tja John. Ich stehe hier in einem Zwiespalt. Einerseits war ich nie ein Freund davon Frauen und Kinder um zu legen”. Moses blies etwas Rauch aus. “Aber als du uns damals verraten hast, die Beute für dich eingeheimst hast, da hast du leider auch meinen Bruder erschossen. Also wäre es doch nur fair wenn ich deine nächste Blutsverwandte umlege, oder?”. Einer der Outlaws presste nun eine Waffe an den Kopf des 18 Jährigen Mädchens.

“Moses du Arschloch! Du hast Maybelle umgelegt! Wir sind quitt!”. Moses nahm seinen Fuß von Johns Brust herunter. “Tja John. Du hast da einen Punkt. Aber Blut is dicker als Wasser hat mein alter Herr immer gesagt. Mein Bruder war mein Blut. Mildred ist dein Blut. Maybelle war nur eine Hure aus Lubbock die du geehelicht hast”. John versuchte wieder sich heraus zu winden. Mit einem lockeren Tritt schickte Moses seinen ehemaligen Freund auf die Bretter. “Na schön Männer. Lassen wir Gnade vor Recht walten”. Das war das Letzte was Milly hörte, bevor sie einen kräftigen Schlag auf den Kopf bekam. Alles wurde Schwarz.


Morgengrauen

Langsam erwachte Milly aus ihrem Schlaf. Ihr Kopf fühlte sich an, als würde ein Eisenbahnarbeiter mit einem Vorschlaghammer drauf einschlagen. Das Lagerfeuer war erloschen. Die Pferde waren bis auf ihr Pony verschwunden. Das Henry-Rifle lag im Dreck. Doch ihr Vater war verschwunden. Panisch sah sie sich um. Sie fand ihn. Am nächsten Baum hatten sie ihn aufgehängt. Wie einen Verbrecher. Ihre Knie wurden schwach und sie gaben nach. Der Anblick war zu viel für sie.


LaBelle, wenig Tage später

LaBelle war die nächste Stadt von der Henderson Ranch, auf Milly mit ihrem Vater gelebt hatte. Ein typisches Städtchen in der Prärie, dass von der Viehzucht lebte und dank dem Bahnhof mit der restlichen Welt verbunden war. “Danke Misses Douglas. Danke für alles” bedankte sich Milly bei der Frau, die sich seit dem Tod ihrer Mutter als eine Art Großmutter um sie gekümmert hatte. “Bist du dir sicher Kindchen? Du bist alt genug und es gibt viele gute Männer in LaBelle”. Die alte Dame, die in der Stadt wohlbekannt war als Witwe des ehemaligen Bürgermeisters. “Ja bin ich. Ich muss die Angelegenheiten meines Vaters regeln. Das hätte er von mir verlangt”. Die Frau nickte. “Du bist ein gutes Mädchen. Vergiss das nie”. Milly nickte. “Danke für alles Misses Douglas. Sie waren wie eine Großmutter die ich nie hatte”. Die alte Frau lächelte. “Ich hatte vier Söhne. Und diese gaben mir sieben Enkelsöhne. Eine Enkeltochter war eine nette Abwechslung”. Kurz umarmten sie sich.

Smith Cattle Company, Mittagszeit

“Es tut mir sehr leid was mit ihrem Vater passiert ist Miss Henderson”. Mister Smith, dem die größte Viehzucht in der Gegend gehörte saß hinter seinem Schreibtisch. In seinem Mund eine dampfende Pfeife. Die Augen verborgen hinten einer Brille. Der Kopf geziert von einer Halbglatze. “Vielen dank Mister Smith”. Smith nickte. “Also du willst die Herde deines Vater verkaufen? Kann ich gut verstehen”. Er packte ein in Leder gebundenes Buch auf den Tisch. “Also. Unter Berücksichtigung aller Faktoren kann ich ihnen 500 Dollar anbieten”. Matty schüttelte den Kopf. “Das sind wohlgenährte Rinder die kurz vor dem Verkauf standen. 2000 Dollar”. Smith hob eine Augenbraue. “Euch ist bewusst, dass ich die Herde einfangen muss nachdem ich sie gekauft habe?”.

Milly nickte. “Das ist mir klar. Aber ich könnte sie genauso gut an diesen Viehhändler aus Colorado verkaufen. Vielleicht gibt er mir einen besseren Preis”. Als dies hörte verzog der Geschäftsmann das Gesicht. “Na schön. Ich mache euch ein Angebot. 750 Dollar”. Milly wusste, dass sie ihn bei den Eiern hatte. Der Mann aus Colorado hatte mehr Cowboys und konnte deswegen größere Herden unterhalten. “1000 Dollar. Und ein Pferd”. Nun hob Smith eine Augenbraue. “Ich will diese Stadt verlassen. Mich hält nichts mehr hier”. Smith nickte. “Na gut. Ich gehe darauf ein. Unterschreiben sie hier”.


Büro des Sheriffs, früher Nachmittag

“Tja Miss Henderson die Mörder ihres Vaters sind wohlbekannt. Sie sagten der Anführer hieß Moses? Tja. Das kann eigentlich nur die Callander Boys sein. Benannt nach ihrem Anführer Moses Callander”. Der alte Gesetzeshüter legte einen Steckbrief auf den Schreibtisch. Sie erkannte den Mann sofort. Der Zeichner hatte ihn gut getroffen. Die Narbe und die Gesichtszüge passten. “Tja und Mister Callander ist in mehreren Staaten zum Tode verurteilt. Dreimal stand er schon vor der Hinrichtung und dreimal wurde er befreit. Ihm werden Morde, Überfälle und Viehdiebstahl in Texas, Colorado, Kalifornien und Wyoming nachgewiesen. Dieser Mann lebt auf der Flucht seit 25 Jahren”.

“Und warum hat ihn noch keiner Gefangen?”. Nun strich sich der Sheriff über seine grauen Haare. “Er hat viele Gesetzeshüter umgelegt. Sheriffs, Marshalls und Deputies gleichermaßen. Noch mehr Kopfgeldjäger die so dumm waren ihn zu suchen”. Milly nickte. “Danke Sheriff”. Das Mädchen ging zur Tür. “Keine Ursache Miss Henderson”.


Henderson Ranch, Nachmittag

Alles was sie hatte packte sie auf eine Kutsche. Das Zuhause, was ihr Vater gebaut hatte war kein Zuhause mehr für sie. Ohne ihn war es leer. Als sie Hufgetrappel vernahm schreckte sie auf. Ein fremder Reiter kam auf das Grundstück. Sofort ging sie hinter dem Wagen in Deckung. Das Henry im Anschlag. “Kein Schritt weiter!” warnte Milly ihn. “Ganz ruhig Miss. Legen sie das Gewehr weg bevor sie sich noch selbst verletzen”. Das sah die junge Frau als Herausforderung. Ihr Vater hatte sie oft mit zur Jagd genommen. Sie hatte schon alles Geschossen. Vom Eichhörnchen bis zum Gabelbock. Sie zielte und drückte ab. Der Schuss fegte dem Mann den Hut von seinem Kopf. “Ich kann mit diesem Gewehr sehr wohl umgehen! Einen Schritt weiter auf dieses Land und die nächste Kugel geht in ihren Kopf!”.

“Ganz ruhig Miss! Ich will nur mit ihnen reden. Außerdem werden sie für Mord an einem federal Marshall aufgeknüpft”. Milly senkte die Waffe. “Gut kommen sie näher. Aber wenn sie mir auch nur eine bedrohliche Bewegung machen erschieße ich sie in Notwehr!”.


Guns of the Wild West

Name: Henry Repeating Rifle
Typ: Repetiergewehr
Länge: 1,13 m
Gewicht: 4,2 kg
Kaliber: .44 Henry Rimfire
Magazinkapazität: 15 Schuss Röhrenmagazin + 1 im Lauf
Kommentar: Das Henry Repeating Rifle war der Vater der später so erfolgreichen Winchester Repetiergewehre. Es kam 1860 auf den Markt als totale Neuheit. Mit einmal laden konnte man plötzlich sechzehn Schüsse abgeben anstatt nur einen wie mit den vorherrschenden Musketen. Im Bürgerkrieg wurde es bei wenigen Kavallerieeinheiten der Nordstaaten geführt. Nach dem Krieg gegen den Süden wurde es sowohl bei der US-Kavallerie, als auch bei den Indianern eingesetzt während der Indianerkriege im Westen. Dem Henry war jedoch nur eine kurze Karriere vergönnt. 1866 wurde es bereits von der Winchester abgelöst. Die Produktion endete mit knapp 14.000 gebauten Waffen im Jahr 1866. Bei Jägern, Siedlern und anderen Bewohnern des Westens war die Waffe jedoch noch lange Jahre zu finden.


Name: Colt Army Model 1860 Cartridge Conversion
Typ: Single Action Revolver
Länge: 35,5 cm
Gewicht: 1,2 kg
Kaliber: .44 Colt
Magazinkapazität: sechs Schuss Trommel
Kommentar: Der Colt Army Model 1860 kam 1860 als Ersatz für den Colt Dragoon auf den Markt und fand Anklang bei den Streitkräften, sowie bei Gesetzeshütern und Gesetzesbrechern. Im Bürgerkrieg war er eine der Standardwaffen der Unionsarmee und war auch auf südlicher Seite beliebt. Nach dem Bürgerkrieg wurde er weiterverwendet, geriet aber als Patronenrevolver aufkamen immer mehr an Bedeutung. Diesen Nachteil wollte man durch Umbauten auf Patronenmunition ausgleichen. Die Armee führte den neuen Colt 1873 “Peacemaker” ein, wodurch die Model 1860 Revolver auf den zivilen Markt gelangten. Dort waren umgebaute 1860 Army Revolver beliebt, da sie erschwinglich, verlässlich und robust waren. Wichtige Qualitäten für den Westen.
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