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Ein neuer Anfang

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Albus Dumbledore Newt Scamander
23.05.2022
04.08.2022
16
134.191
12
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19.06.2022 8.063
 
Am Morgen nach ihrer ersten geplanten gemeinsamen Übernachtung in Aberforths überschüssigem Schlafzimmer fühlte Newt sich zu seiner Überraschung wach und ausgeschlafen.
Er war nicht wie sonst üblich mehrfach aufgewacht oder fühlte sich desorientiert, weil er vergessen hatte, wo er sich aufhielt.
Wenn er reiste, schlief er aus gutem Grund meistens im Koffer. Egal, wo er stand, dort drinnen war er immer in einem gewohnten Umfeld und damit in Sicherheit. Wie es schien, konnte er dieses Gefühl ebenfalls in einem klapprigen, magisch vergrößerten Bett im Haus des Bruders seines…Partners…entwickeln.
Mochte das wohl der richtige Ausdruck sein?
Newt war nicht sicher, doch in seinen Ohren klang es nicht schlecht.
Als die ersten Sonnenstrahlen durch die stellenweise lückenhaften Fensterläden schienen und er die Augen öffnete, fiel ihm sofort auf, dass sie sich seit gestern Abend ein wenig bewegt hatten.
Er lag jetzt auf der Seite und spürte, wie Albus sich gegen seinen Rücken schmiegte. Newt wagte es nicht, sich zu ihm herumzudrehen oder sich anderweitig zu bewegen, weil er Sorge hatte, ihn aufzuwecken. Als hätte er seine Gedanken gelesen, drehte Albus sich und gab ihn aus der Umarmung frei, in der er ihn bisher umschlungen gehalten hatte. Ein wenig bedauernd ließ Newt sich auf den Rücken rollen und schaute zu Albus hinüber, der ihm zwar den Rücken zuwandte, aber offensichtlich noch schlief.
Leise schwang er die Beine aus dem Bett und tastete mehr oder weniger blindlings nach seinem Morgenmantel.
Noch immer fühlte es sich wie ein unglaublich surrealer Traum an, dass er wirklich in einem Bett mit Albus Dumbeldore geschlafen und es noch dazu genossen haben sollte.
Je länger er sich den Anblick des schlafenden Mannes neben sich einprägte, desto leichter fiel es ihm, daran zu glauben, dass diese Nacht kein Konstrukt seiner Fantasie gewesen war. Leise tapste er durch den Raum und öffnete mit einem letzten Blick über die Schulter die Tür.
Albus schien einen wirklich tiefen Schlaf zu haben, denn er bekam von alledem nichts mit und regte sich nicht.

Geräuschlos bewegte er sich durch den schmalen Flur zu dem Zimmer, in dem Credence schlief und schlüpfte leise hinein. Er war es gewohnt, sich unauffällig zu bewegen, denn nur so konnte man Tierwesen vollkommen neutral beobachten und valide Erkenntnisse über ihr Verhalten gewinnen.
Als er sich von der Tür wegdrehte, erschrak Newt heftig.
Auf dem wackligen Stuhl neben dem Bett saß Aberforth und starrte ihn gewohnt missmutig an.
Geschlafen hatte er ganz offensichtlich nicht. Seine Augen fielen beinahe zu und wirkten winzig unter den tiefen, grauen Furchen, die sie umgaben.
Insgesamt schien er in den vergangenen paar Tagen mindestens zehn Jahre gealtert zu sein. Newt verstand, dass er nicht einfach gehen konnte.
Es wäre einer Kapitulation gleichgekommen.
Genauso erging es ihm, wenn er versuchte ein Tierwesen zu retten, das nicht zu retten war. So etwas kam leider gelegentlich vor und gehörte unvermeidbar zur Realität seiner Arbeit.
Leichter machte es das selten.
Und hier ging es immerhin um seinen Sohn.
Newt war beinahe beruhigt, dass es ihm nicht gleichgültig war.

„G-Guten Morgen, Aberforth,“ murmelte er Newt und schloss die Tür hinter sich. Unschlüssig blieb er stehen und versuchte, Aberforths Starren auszuweichen.
Eines konnte er jetzt schon mit Sicherheit sagen: Diesen durchdringenden Blick hatte er mit seinem Bruder gemeinsam.
„Morgen,“ erwiderte er leise. Seine Stimme klang rau und belegt. Wie jemand, der rastlos eine lange Reise hinter sich gebracht hatte, ohne sich zwischendurch Ruhe oder wenigstens eine Pause zu gönnen.
„Wie geht’s ihm?“, fragte Newt mit einem knappen Nicken in Credence Richtung, ehe er seine Hände, die rastlos zu zucken begonnen hatten, in den Taschen seines Morgenmantels vergrub.
„Besser,“ murmelte Aberforth und beobachtete seinen schlafenden Sohn ebenfalls einen Augenblick lang. Newt fragte sich, wen er überzeugen wollte.
Sich selbst oder ihn. Credence war nach wie vor schrecklich blass und es gab keinen Grund zu der Annahme, dass plötzlich über Nacht eine signifikante Verbesserung eingetreten war.
„Darf ich?“
Schulterzuckend nickte er Newt zu, der näher kam und zumindest schnell den Eindruck gewann, dass er möglicherweise doch nicht mehr ganz so kalt-schweißig wirkte, wie am Abend. Neben dem Bett ging er in die Hocke und legte seine Hand gegen die Stirn und die Wange des Jungen.
Er glühte nicht mehr so sehr, doch gänzlich verschwunden war das Fieber nicht.
Eine zweite Dosis der Tränke würde ihn gut durch den Tag bringen. Newt war optimistisch, dass er später in der Lage sein würde, eigenständig zu trinken. Allerdings war er nicht sicher, ob er sich das wirklich wünschen sollte. Seine Verfassung war schon lange nicht mehr gut und auch, wenn es stabile Phasen gab, wusste Newt, dass er sich nicht gut fühlte.
Eine Prognose treffen, wie lange es sich noch ziehen würde, konnte und wollte er nicht. Er war nicht vom Fach und hatte im Grunde nur wenige Anhaltspunkte, an denen er sich orientieren konnte. Das war nicht die Verbindlichkeit, die Aberforth brauchte.
„Das Fieber ist ein wenig gesunken. Konnte er trinken?“, fragte er Aberforth daher erst einmal nach den Fakten , der müde den Kopf schüttelte.
„Kaum.“
Newt setzte gerade an, um etwas zu sagen, dass Aberforth nicht hören konnte, denn er unterbrach ihn eilig mit einem wortkargen „Ich weiß.“
Newt schloss den Mund wieder und nickte.
Es ging ihm nicht darum, eine Diskussion zu beginnen, aber er würde alles tun, um auf eine bessere Akzeptanz der unvermeidbaren Fakten hinzuarbeiten.
Es war durch und durch verständlich, dass er damit zu kämpfen hatte, doch er musste im Sinne seines Sohnes versuchen, seine Gefühle zurückzustellen.
„Ich verstehe, dass du auf eine Besserung hoffst, Aberforth...aber…die wird nicht eintreten.“
Im Gegenteil.
Was er erwartete war eine rapide Verschlechterung des sichtbaren Zustandes, dann Multiorganversagen, Panik und schließlich die unvermeidbare Implosion. Er hatte diesem Ereignis schon einmal beigewohnt und würde den Anblick niemals vergessen. Dieses arme schreiende Mädchen war beinahe eine Stunde lang in ihre Einzelteile zerfallen, während ihre Zellen sich auflösten. Weil man nicht zugelassen hatte, dass sie behandelt wurde, war sie bei Bewusstsein gewesen.
Ihre Eltern waren vorher und währenddessen durch die Hölle gegangen, weil man ihnen Machtlosigkeit eingeredet und man sie dadurch schlicht entmündigt hatte.
All das wollte er sowohl Aberforth als auch Credence ersparen.

„Denkst du, das ist mir nicht klar?“, fragte er leise.
Newt schenkte ihm ein verständnisvolles, wenn auch trauriges Lächeln und setzte sich ans Fußende des Bettes, um Aberforth richtig anschauen zu können.
„Ich weiß, dass es dir klar ist. Und ich weiß auch, dass es dadurch nicht leichter für dich wird. Es tut mir leid, dass du eure Schwester so früh verloren hast. Und es tut mir leid, dass du deinen Sohn verlieren wirst. Aber deine Verzweiflung wird nichts daran ändern, Aberforth. Du kannst ihm so viel Leid ersparen, wenn du zulässt, dass er endlich damit beginnt, die richtigen Medikamente zu nehmen. Die werden ihn nicht heilen und auch nicht weiter stabilisieren, aber er wird sich gut fühlen. Das verspreche ich dir. Du bist nicht allein. Wir sind hier. Albus…ist hier.“
Aberforth lachte hohl und stand auf.
„Ist er das?“, fragte er bitter. „Und warum? Aus Überzeugung , weil er sich verpflichtet fühlt oder weil es sich wieder einmal als Tarnung anbot, vor anderen Dingen davonzulaufen?“
Newt schwieg. Die Spannungen zwischen Albus und seinem Bruder hatte er natürlich seit dem Augenblick seiner Anreise bemerkt, doch erst seit Albus ihm ein wenig mehr erzählt hatte, von all den Konflikten, in die sie wegen Gellert miteinander geraten waren und den Fehlern, die sie wohl beide gemacht hatten, verstand er all das ein wenig besser. Auch er hatte seine Differenzen mit Theseus, doch die waren nicht aus solchen Streitigkeiten entstanden, sondern resultierten schlicht aus der Tatsache, dass sie so wenig gemeinsam hatten.
Er fühlte sich ein wenig komisch dabei, in diesen Konflikt hineingezogen zu werden, doch da er sich entschieden hatte, ein Teil von Albus Leben zu sein, war das auf Dauer unvermeidbar.
„Ich sehe, wie sehr du dich damit quälst, hörst du? Und wenn es dir hilft, so über ihn zu denken, wenn das…irgendetwas verbessert….dann nutz seine Anwesenheit eben so. Das rede ich dir nicht aus. Aber das bedeutet nicht, dass du seine Hilfe nicht annehmen kannst. Für deinen Sohn, Aberforth. Du schuldest ihm das.“
Es war nicht seine Art, so hartnäckig auf etwas zu bestehen. Besonders, wenn es ihn so wenig anging, doch er hielt es kaum aus, den Jungen so leiden zu sehen. Aberforth starrte ihn an wie eine lauernde Katze den Vogel, den sie gleich fangen würde. Newt erwartete bereits die scharfen Krallen, die ihm die Kehle aufrissen, wenn auch nur metaphorisch, doch sie kamen nicht.
Stattdessen wandte er sich ab und schaute aus dem Fenster. Newt konnte sich vorstellen, was er vor ihm zu verstecken versuchte und zwang ihn nicht dazu, diese Deckung aufzugeben. Niemand musste ihm seine Verletzlichkeit zeigen. Immerhin schienen seine Worte ihre Wirkung nicht zu verfehlen. Aberforth nickte ergeben.
„Vielleicht kann die Heilerin aus der Schule ihn sich ansehen“, murmelte er leise.
Newt nickte hastig, auch wenn er das natürlich nicht sehen konnte. Eine Heilerin, die im Schloss damit beschäftigt war, Quidditch-Verletzungen zu versorgen, war immer noch um Längen qualifizierter als er.
Wenn es das war, worauf er sich einlassen konnte, war es ihre beste Chance.
„Ja. Ja, das kann sie sicher. Möchtest du, dass ich Albus darum bitte, sie herzuholen?“, bot er an. Warum auch immer Aberforth sich so sträubte, seinen Bruder um Hilfe zu bitten – sein einziges Interesse war, dass Credence am Ende nicht der Leidtragende war.
Aberforth nickte, ohne ihn anzuschauen.  Newt deutete das nicht als Ablehnung.
Er fand es auch immer schwierig, Blicken standzuhalten. Besonders, wenn er ohnehin shcon unter Druck stand.

„Gut. Ja, gut, ich bitte ihn darum, wenn er….später….ich bitte ihn später darum.“
Aberforth regte sich keinen Millimeter, auch wenn er sicher verstanden hatte, was Newt beinahe herausgerutscht war. Vermutlich war er zu müde dafür, noch alles mitzubekommen. Oder es war ihm schlicht und ergreifend vollkommen gleich.
„Wie wäre es, wenn du ein paar Stunden schlafen gehst?“, schlug er vor. „Ich gehe in den Koffer und versorge meine Rasselbande, aber ich kann regelmäßig nach Credence sehen. Du siehst furchtbar aus.“
Das war vermutlich ein Fünkchen zu viel Ehrlichkeit gewesen, doch Aberforth schien es nicht zu kümmern. Er nickte schweigend und verließ das Zimmer, ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen. Newt schaute ihm nachdenklich hinterher. Es musste schlimm sein, täglich eine so schwierige Stimmung auszuhalten. Noch dazu, wenn sie aus einer zutiefst zerrütteten Beziehung mit dem eigenen Bruder heraus entstand. Sie mussten diese Sache, die zwischen ihnen stand, dringend aus der Welt schaffen, doch das würden sie kaum schaffen, wenn so viele andere Belastungsfaktoren hinzukamen.
Im Moment konnte er nichts weiter tun, als sich auf Credence zu konzentrieren und zu sehen, dass Albus diese Heilerin schnell herschaffte.
Albus nahm es positiv überrascht auf, als Newt ihm eine Konsultation der Heilerin, die im Schloss beschäftigt war, vorschlug. Noch positiver bewertete er es, dass Aberforth diesen Vorschlag gemacht hatte. Was auch immer Newt unternommen hatte, um ihn dazu zu bewegen - er hatte mehr geschafft, als er selbst in den letzten Wochen. Er brach umgehend auf, um die junge, frisch ausgelernte Heilerin herzubitten und ihr Credence vorzustellen. Newt stieg in den Koffer und versorgte im Eilverfahren seine Tierwesen. Er wusste, dass er gleich gefragt war, um den Verlauf der vergangenen Tage konkret wiederzugeben. Albus zeigte sich wenig begeistert, als Newt ihn leise bat, Annabelle und Nanny ihre morgendlichen Flaschen zu geben, die er vorbereitet hatte, doch er ahnte, nicht ohne Hintergedanken abgewimmelt zu werden. Aberforth stichelte, wann immer sie einander begegneten und vermutlich war es der richtige Weg, wenn er nicht an diesem Gespräch teilnahm.
Als Newt nach einer guten Stunde zu ihm stieß, wirkte er erschöpft, doch relativ zufrieden.
Annabelle sprang auf ihn zu und schmiegte sich so eng gegen seine Beine, dass er beinahe den Halt verlor. Lachend versuchte er das Schwanken mit beiden Armen auszubalancieren und ging dann vor ihr in die Hocke.

„Du wirst dafür langsam zu groß, Kleines,“ murmelte er und streichelte ihr einige Male über den Kopf, ehe er sich zu Albus setze, der noch mit Nanny kämpfte. Sie konnte offensichtlich nicht nachvollziehen, warum Annabelle eine Flasche mehr brauchte als sie und rebellierte dagegen.
Albus musterte ihn fragend.
„Isla teilt meine Einschätzung. Es wird nicht mehr lang gut gehen,“ murmelte er bedauernd und kniff kurz die Augen zusammen. Aberforth war innerlich zusammengebrochen, als die Heilerin ihm ihre Einschätzungen mitgeteilt hatte. Auch wenn er nach außen hin alles mit Fassung ertrug, wusste Newt sicher, dass es ihm schwergefallen war, das zu hören. Jedenfalls war das die Fantasie, die er zu diesem Thema hatte. So hatte er Aberforth kennengelernt und er wüsste nicht, warum sich das geändert haben sollte.
„Wie hat mein Bruder es aufgenommen?“
Newt legte nachdenklich den Kopf schräg.
„Das ist schwer zu sagen. Er geht nicht gerade freimütig mit seinen Gefühlen um und ich tue mich schwer sie zu deuten,“ murmelte er schulterzuckend. Albus lächelte mild, doch Newt konnte sich vorstellen, dass er frustriert war.
„Das ist keine Neuigkeit. Beides nicht,“ murmelte er und ließ ein mitleidiges Seufzen vernehmen. „Welche Maßnahmen sieht der Behandlungsplan von Isla vor, den Isla für sinnvoll hält?“
Newt schwieg einen langen Moment, denn er wusste nicht genau, wie er auf den Punkt kommen sollte, ohne auszusprechen, worin der Hase im Pfeffer begraben lag. Er überbrachte nicht gern unangenehme Nachrichten, doch in diesem Fall gab es einfach kaum gute. Von einem kurativen Behandlungsplan mit der Aussicht, eine Erkrankung zu heilen, konnte hier keine Rede sein.
Isla hatte Credence im Grunde das Gleiche verordnet, was auch Newt selbst schon in den Sinn gekommen war: Schmerzstillende Tränke, Schlafmittel und aussitzen. Mehr konnten sie nicht mehr für ihn tun. Eine harte Realität, die er ebenso wenig wahrhaben wollte, wie Aberforth. Albus würde sie sicher verkraften, denn immerhin wollte er wirklich wissen, an welchem Punkt sie angelangt waren, doch er brachte es nicht über sich auszusprechen, wie schlecht es wirklich stand und wie wenig Veränderung die Medikamente, die Isla ihnen hierließ, herbeiführen würden.
„Alles, womit er sich besser fühlt,“ fasste er zusammen. „Keine Mittel, die alles weiter in die Länge ziehen oder versuchen, einzelne Symptome zu heilen. Es ist eine rein palliative Behandlung, Albus… Isla war wirklich toll. Sie hat mir genau erklärt, welche Tränke wir geben können und angeboten, jederzeit zu kommen, wenn sie gebraucht wird. Sie ist noch oben und redet mit Aberforth. Er hatte Fragen, die er…nun ja…lieber unter vier Augen besprechen wollte.“
Nun lächelte Albus zufrieden.
Nichts anderes hatte er von der Heilerin erwartet, die er selbst vorgeschlagen hatte, als ihre Vorgängerin sich in ihren wohlverdienten Ruhestand verabschiedet hatte.
Die Abneigung seines Bruders, Newt gegenüber alles preiszugeben, war nach seinen Sticheleien von gestern einfach erklärt. Sicher ahnte er inzwischen, dass sie nicht nur aus freundschaftlichen Gefühlen füreinander so viel Zeit miteinander verbrachten.
Albus war zwar sicher, dass er auf Newts Verschwiegenheit bauen konnte, wenn er sie einforderte, doch er vertraute einfach selten jemandem. Die Hauptsache war, dass er sich weiterhin so gut auf die Zusammenarbeit mit Isla einließ.

„Bedauerlich, dass ihr einander um ein Jahr verpasst habt,“ murmelte Albus schließlich. „Sie hat Hogwarts in dem Jahr verlassen, bevor du eingeschult wurdest. Sie war eure Vertrauensschülerin. Ich bin sicher, ihr hättet euch gut verstanden.“
Newt nickte. Er hatte sich in der Tat gut mit Isla verstanden und sich schnell mit ihr eingespielt. So leicht kam er normalerweise nie ins Gespräch mit jemandem und auch, wenn die Umstände widrig waren, empfand er es als durch und durch positiv, sie getroffen zu haben.
„Ja, das glaube ich auch.“
Albus fühlte die seltsame, bedrückte Stimmung, die zwischen ihnen aufkam, wann immer sie lange über Credence und Aberforth sprachen.
Solche Krisen gemeinsam zu überstehen gehörte in Beziehungen dazu, doch es war bezeichnend, wenn sie nur in einer solchen Alarmbereitschaft lernten, einander nah zu sein.
Vielleicht war es an der Zeit für eine positive Erfahrung und etwas Ablenkung.
Jedenfalls, wenn sie ihren anderen Verpflichtungen nachgekommen waren.
Es war bereits Nachmittag und Newt hatte bisher kaum gearbeitet.
Außerdem war er sicher, der Magiezoologe würde auch ihm die Hölle heiß machen, wenn er nicht noch ein wenig Zeit in die Hausarbeiten investierte, die er bereits gestern so sträflich vernachlässigt hatte. Es wäre ihm lieber gewesen, sich jetzt um seinen Bruder zu kümmern, doch da er das ablehnte, blieb ihm nichts anderes übrig, als sich eine andere Aufgabe zu suchen und in der Nähe zu bleiben, falls er es sich anders überlegen sollte.
Jedenfalls bis Credence einschlief und Aberforth den Pub öffnete.
Das war ihm meistens Ablenkung genug.

„Wie wäre es, wenn wir uns ein wenig an die Arbeit machen und später gemeinsam essen?“, schlug Albus spontan vor. „Ich kenne da ein nettes Restaurant in London. Wäre das etwas, worauf du dich einlassen könntest?“
Newt sah weiterhin nicht auf, doch Albus sah, wie er bei der Erwähnung dieses Vorschlages kurz zuckte. Dennoch schien er nicht abgeneigt und ein wenig neugierig, was er sich überlegt hatte.
„In Ordnung. Aber wir bleiben nicht zu lange fort, ja? Ich habe Aberforth versprochen, ihm später zu helfen.“
„Selbstverständlich. Es ist wundervoll, dass  er dich helfen lässt. Wir werden rechtzeitig wieder hier sein,“ versicherte er. Newts Pflichtbewusstsein hatte erschon immer bewundert und er war in der Tat froh darüber, dass sein Bruder jemanden an sich heranließ.
Natürlich hätte er es begrüßt, wenn er ihm besser zur Seite stehen könnte, doch so lange Aberforth das ablehnte konnte er sich nur über Newts und Islas Einsatz freuen und ihnen sehr dankbar dafür sein, dass sie sich so viel Mühe gaben.
Newt lächelte ihm zufrieden zu und hob kurz die Hand, ehe er sich umwandte und in den Koffer hinabstieg. Weitere Worte darüber zu verlieren, hielt er für überflüssig und wenn sie früh aufbrechen wollten, um pünktlich zurück zu sein, hatte er keine Zeit zu verlieren.
Albus trat schweren Herzens den Rückweg zum Schloss an, um sich ebenfalls an die Arbeit zu begeben und redete sich zur Steigerung seiner Motivation ein, dass er nicht lange bleiben musste.
Es funktionierte kaum.  
Er konnte es kaum erwarten, wieder herzukommen.
Die Aussicht, Newt später nach London zu entführen, stimmte ihn euphorisch und ließ ihn seine Schritte beschleunigen.
Je schneller er fertig war, desto früher konnte er zurückkommen.

Der Nachmittag verging wie im Flug.
Ehe Newt es sich versah, hörte er wieder einmal Schritte auf seiner Holztreppe.
Er war beeindruckt, wie ruhig seine Tierwesen inzwischen auf die regelmäßigen Besuche reagierten. Sie waren Fremde nicht gewohnt und es war nicht immer gut, jemanden herzubringen. Sein Vertrauen in Albus schien sich inzwischen ein wenig auf sie übertragen zu haben.
„Hier drüben!“, hörte er Newt irgendwo in dem Bereich rufen, in dem der Nundu lebte. Albus durchquerte verschiedene Gehege und blickte sich suchend nach ihm um. Da alles um ihn herum wimmelte und der ganze Koffer lebte, gestaltete es nicht immer einfach, ihn zu finden.
Schließlich fand er Newt dort, wo er die Materiereste seines anderen Obscurials aufbewahrte.
Er machte sich mit nachdenklicher Miene Notizen, während der den Materieklumpen beobachtete. Sein Zauberstab fungierte in diesem Moment unter anderem als Bleistift und vergrößerte sich wieder auf seine gewohnte Länge, als er das Notizbuch wegsteckte. Er versuchte gerade herauszufinden, wie sich Temperaturschwankungen auf das Wesen auswirkten. Als er Albus auf sich zukommen sah, lächelte er zufrieden.
Albus hatte, wie so oft, das Gefühl, dass ihn jede Begegnung mit Newt ein wenig verliebter machte.
Einfach so, weil er wundervoll und außergewöhnlich war. Etwas an ihm war immer interessant und ...anders. Hier und heute war es der Anblick des Magiezoologn, der auf Socken im tiefen Schnee stand, als sei es die normalste Sache der Welt.
„Guten Abend, Albus.“
„Hallo Darling,“ grüßte er ihn und nahm seine Hände, ehe er ihn küsste.
Er hatte Sorge,Newt könnte sonst auf der teilweise vereisten Schneedecke ausrutschen, da er ungelenk auf ihn zustolperte. Newt hielt sich an seinen Unterarmen fest und erwiderte den Kuss zufrieden.
„Du hast deine Schuhe vergessen,“ merkte er an und schaute demonstrativ an Newt herunter.
Bei näherer Betrachtung fiel ihm auf, dass seine Haare nass aussahen. Es handelte sich wohl nur bedingt um ein Versehen, dass er sie abgelegt hatte.
„Oh, das....ich war vorhin im Ramora-Becken,“ erklärte er. Vermutlich hatte er seine Stiefel vergessen, als er seine restliche Kleidung wieder trocken gepustet hatte. Leder zu trocknen war aufwändigt und kostete eine Menge Zeit. Darum zog er seine Schuhe immer aus, wenn er die Becken der Wasserlebewesen betrat. Bei der langen Liste der Dinge, die er hatte erledigen wollen, bevor Albus seine Arbeit beendete, hatte er sich ein wenig verkalkuliert, die Zeit vergessen, war in Hektik geraten und hatte vergessen, sie sich wieder anzuziehen.
Immerhin hatte er noch eine vage Idee, wo er seine Schuhe abgestellt hatte.

Albus begleitete ihn kopfschüttelnd zurück zu seiner Hütte und sah davon ab ihn darauf hinzuweisen, dass er sich noch erkälten würde, wenn er nicht besser auf sich achtgab.
Seiner Erfahrung nach war das vergebene Liebesmühe.
"Ich beeile mich...."
Newt nahm einige Schalen in die Hand und hielt Albus zwei Flaschen hin. Er nahm sie kommentarlos entgegen und folgte ihm zu dem Gehege, welches seid etwa einer Woche eine Knarlfamilie beherbergte.
Newt hatte es eingerichtet wie einen kleinen Garten, in dem sich die Kreaturen nach Belieben austoben konnten, was im Klartext hieß: Sie verwüsteten alles um sie herum und Newt räumte gelegentlich auf und reparierten Dinge, damit sie von vorn beginnen konnten. Heute hatten sie sich selbst übertroffen. So gut wie alle Nutzpflanzen waren ausgegraben und lagen kreuz und quer auf dem kiesbedeckten Weg. Die Gartenzwerge, die Newt ihnen hingestellt hatte, waren allesamt enthauptet und unterschiedlich wieder zusammengefügt worden, sodass sie nun selbst wie unheimliche Dämonen aussahen. Zwei der sieben Knarle waren gerade damit beschäftigt, eine umgekippte Schubkarre von ihrem Reifen zu befreien, als Newt ihnen eine Schüssel mit Milch und eine mit Äpfeln hinstellte.
Er klemmte sich die tiefere Schale mit Dougals Futter unter den Arm und zückte seinen Zauberstab.
„Reparo,“ murmelte er und versetzte den Garten in seinen ursprünglichen Zustand, damit seine Gäste morgen erneut ausreichend zu tun hatten. Newt arbeitetete gerade daran einen Beleg zu finden, dass sie als humanoide Kreaturen eingestuft wurden, auch wenn sie nicht wirklich danach aussahen. Ihre Intelligenz, die familienanlogen Strukturen in denen sie zusammenlebten und die Tatsache, dass sie organisiert waren, wiesen eindeutig darauf hin. Wenn es ihm gelang, ihre Kategorisierung ändern zu lassen, standen sie unter besonderem Schutz und durften nicht mehr wie Ungeziefer bekämpft werden.
„Wie war dein Nachmittag?“, erkundigte er sich, während er die zweite Schale, die rohe Fleischbrocken beinhaltete, im im Vorbeigehen in der Behausung seines Jarvey-Paares auskippte.
„Er verlief zufriedenstellend,“ antwortete Albus. "Ich habe allen Ablenkungen zum Trotz die Korrektur der Aufsätze abgeschlossen, damit du keinen Anlass hast, dich gemeinsam mit den Schülern über mein Arbeitstempo zu beklagen."
Newt lachte und winkte ihm zu, ihm zu Annabells Gehege zu folgen.
„Habe ich mich beschwert oder wollte ich dich nur vor einer Revolte bewahren, die dich in Erklärungsnot bringt?“, zog Newt ihn gutmütig auf.
„Möglicherweise,“ räumte Albus ein. „Wobei ich keine Hemmungen habe, mich zu erklären, falls sich jemand traut das von mir zu verlangen. Wie ist dein Tag bisher verlaufen?“
Newt zuckte mit den Schultern und setzte sich auf den umgestürzten Baumstamm. Annabelle war wie so oft schnurstracks zu Albus gelaufen und nahm ohne Schwierigkeiten ihre Flasche an.
„Ganz gut, denke ich. Picket und ich sind heute eine ganze Stunde bei den Bowtruckels unten am See geblieben. Sein Sozialverhalten bessert sich durch die regelmäßigen Konfrontationen.“
„Ein großer Schritt für ihn,“ merkte Albus anerkennend an.
„Ja, das stimmt. Abgesehen davon ist wenig passiert.“ Albus konnte heraushören, dass ihm dieser Umstand missbillige, ohne dass er hinsehen musste. Er konnte sich denken, worum es dabei ging. Die Tatsache, dass der Verfall seines Neffen so schnell fortschritt belastete Newt sehr. Vermutlich, weil niemand Aberforth erklären konnte, was mit ihm geschah und wie es weitergehen würde.
„Wie verläuft deine Forschung mit dem Obscurial?“
Albus streichelte Annabells Stirn.
Das Mädchen ruckelte ungeduldig an der Flasche.
Newt beobachtete sie zufrieden. Wenn sie sich so gut weiterentwickelte, würde sie bald gar keine Flaschen mehr brauchen.

„Ihr Name ist...Isobella, Albus. Sie ist bei niedrigen Temperaturen ruhiger gewesen als bei etwa zehn grad,“ murmelte er. In den nächsten Tagen würde er sehen, ob es dabei blieb oder ob die Materie sich der Außentemperatur anpassen konnte. Auch wenn die wenigsten seine Haltung teilten, war er immer noch der Meinung, dass es sich nach wie vor um ein Lebewesen handelte.
Eine komplexe, humanoide Kreatur.
Er sprach mit dem, was von der kleinen Isobella übrig geblieben war und versuchte herauszufinden, was sie brauchte. Auch wenn sie nicht antwortete, hatte er den Eindruck, dass sie ihn irgendwo dort drinnen hören konnte.  
Er hoffte, so irgendwann anderen Obscurialen helfen zu können. Oder zumindest eine halbwegs würdige Lösung zu finden, wie man ihre Existenz sicher zulassen konnte. Wie man sie verwahren konnte, ohne dass sie eine Gefahr darstellten. Irgendwie schien Isobella zu spüren, dass sie bei ihm in Sicherheit war, denn ihr Zustand war nach wie vor stabil. Zu Implosionen oder Lecks war es nicht gekommen und er war auch nicht angegriffen worden. Vielleicht würde er bei Gelegenheit Albus darum bitten, mit ihr zu interagieren um zu sehen, ob sie nur bei ihm so entspannt blieb oder ob sie generell keine Gefahr mehr darstellte.
„Hast du bereits eine Theorie entwickelt, woran es liegen könnte, dass Isobella sich im Schnee wohler gefühlt hat?“, fragte Albus. Es war angenehm zu erleben, wie Newt keinen seelenlosen Parasit aus dem machte, was mal ein menschliches Kind gewesen war. Immerhin wollte er auch nicht erleben, dass jemand seine Schwester aufgrund ihrer Konstitution abwertete.
Frustriert schüttelte Newt den Kopf.
„Keine richtige. Dafür muss ich ihre Stimmung länger beobachten.“
So sehr Albus es auch schätzte, wie hingebungsvoll Newt sich um all seine Mitbewohner kümmerte, so sehr beunruhigte es ihn manchmal, wie emotional Newt dabei wurde.
Nicht selten machte er sich Sorgen, wenn er etwas nichtbewältigen konnte und ihm das aufs Gemüt drückte. Vielleicht war es ganz gut, dass sie sich auf einen freien Abend für sie beide verständigt hatten. Newt streckte die Hand nach der zweiten Flasche auf und erhob sich. Er war wirklich ein Wirbelwind, wenn er in seiner etablierten Routine der Reihe nach durch die Gehege fegte und alles was eben anfiel, erledigte.
"Ich bringe das schnell zu Dougal, dann können wir aufbrechen."
Ehe er weglaufen konnte, hielt Albus ihn am Ärmel fest.
Newt klemmte sich die Flasche unter den Arm und tastete nach seiner Hand.
Er schätzte es, dass Albus sah, wie sehr es ihn mitnahm, dieser Spezies nicht helfen konnte. Es war sehr schön damit nicht allein zu sein, auch wenn es im Endeffekt nichts änderte.
Unbeholfen lächelte er Albus zu, schluckte die Übelkeit, die seine Hilflosigkeit in ihm auslöste, so gut es ging herunter.
Hoffentlich würde er sie erfolgreich bekämpfen können, ehe er apparieren musste....

Newt spürte, wie ihm der Boden unter den Füßen weggerissen wurde und sich der bekannte Taumel des Apparierens einstellte. Sein Magen schien sich in die entgegengesetzte Richtung zu drehen wie er selbst. Albus sah, wie er mit gequälter Miene die Augen schloss und drückte seine Hand fester. Er selbst hatte sich inzwischen an das Gefühl gewöhnt und wusste damit umzugehen, doch dass Newt es so wenig leiden konnte, war ihm nicht bewusst gewesen.
Hätte er es kommen sehen, dass die realistische Gefahr bestand, Newt auf seine Schuhe brechen zu sehen, wäre er nicht auf die Idee gekommen, mit ihm nach London zu apparieren. Er hätte die Hauselfen mit der Zubereitung des Abendessens bemüht und einfach dafür gesorgt, dass sie ein wenig Ruhe bekamen. Um nichts anderes war es immerhin gegangen. Als er wieder festen Boden unter seinen Füßen spürte, griff er beherzt zu und packte Newt mit beiden Händen an seinem geöffneten Mantel, damit er nicht das Gleichgewicht verlor.
Newt nickte ihm zu und hob beschwichtigend die Hand.
Der Schwindel legte sich immer, sobald er aus dem Wirbelsturm, der ihn erfasste, heraus taumelte. Orientierungslos schaute er sich in der ruhigen Gasse um, in der sie angekommen waren. Sie hatten vereinbart, den Abend in London zu verbringen, doch irgendwie hatte er eher mit der Winkelgasse gerechnet. Nach Albus´Schilderungen bezüglich der Toleranz der Muggel betreffend war er nicht sicher, ob er bereit war, hier zu sein.
Er schob seine Zweifel so weit von sich, wie es ihm möglich war.
Wenn Albus ihn herbrachte, dachte er sich sicher etwas dabei.

„Ist alles in Ordnung, Darling?“, erkundigte Albus sich und versuchte, seinen Blick zu erwiedern. Newt schaute ihm kurz in die Augen und nickte.
„Es geht mir gut,“ murmelte er und schaute sich erneut um. Er konnte keinen prägnanten Punkt ausmachen, der ihm einen aufschlussreichen Hinweis geliefert hätte, wo genau sie sich befanden.
„Belsize Square,“ erklärte Albus, zog seine Handschuhe aus und schmiss sie in seinen Hut. Als Newt ihn nur noch fragender musterte, lächelte er.
„Entschuldige. Der Name dieser winzigen Straße unterstützt sicher nicht deine Orientierung. Wir befinden uns im nördlichen Teil von London. In Camden. Ich hielt es nicht für ratsam, dich gleich bei unserem ersten Ausflug in die Öffentlichkeitnach Soho zu entführen. Mir stand der Sinn nach etwas Ruhigem.“
Newt schaute schweigend die Straße hinunter in die Richtung, in die er deutete und fragte sich, wie er Albus erklären konnte, nicht sicher zu sein, ob er sich in der Lage sah, mit ihm essen zu gehen.
Das war eine Verabredung, bei der sie einander gegenübersitzen würden.
Sie würden sich...unterhalten. Und all das öffentlich, mitten im muggeldominierten London. Als er einer Verabredung am Vormittag zugestimmt hatte, war er sich so sicher gewesen, doch davon war nicht mehr viel übrig. Mit Albus an seiner Seite fühlte er sich generell ein wenig mutiger, doch das bedeutete keineswegs, dass er all seine Unsicherheiten abgelegt hatte. Albus erkannte gleich,wie sei Hang zu Grübeln ihn wieder einmal in den Würgegriff nahm.
„Du musst dir keine Sorgen machen, Darling. Ich kenne Fabrizio schon sehr lange. Er ist ein offener, unkomplizierter Mensch. Wir haben dort nicht mit Problemen zu rechnen.“
Ertappt spürte Newt, wie seine Lippen sich zu einem kleinen Lächeln verzogen.
Wie immer schien Albus genau zu wissen, was er dachte. Er hatte einen sechsten Sinn dafür, was er dachte und brauchte und wenn Albus ihm versicherte, dass es in Ordnung wäre, machte er sich in der Tat weniger Sorgen. Allerdings war es das erste Mal, dass jemand von ihrer Beziehung erfahren würde und das war durchaus etwas, wovor er Respekt hatte.
„Also gut…zeigst du mir den Weg?“, wisperte er.
Albus hielt ihm auffordernd die Hand hin, doch er machte Newt keinen Vorwurf, als er zögerte, sie zu nehmen. Es war wichtig, dass er ihm seine Grenzen aufzeigte. Albus wertete es als gutes Zeichen, dass er nun damit begann.
„Komm. Es ist gleich um die Ecke.“

„Albus! Buano Sera! Piacere di vederti! Come va?“, rief jemand hinter der Theke hervor, kaum dass sie die Eingangstür hinter sich geschlossen hatten. Ein untersetzter Mann, der etwa in Albus Alter sein musste, kam mit freudigem Lächeln und ausgebreiteten Armen auf sie zu. Er schien sich sehr zu freuen, Albus zu sehen, was Newt durchaus dabei half, sich ein wenig zu entspannen.
„Ciao, Fabrizio. Io sto bene, e tu? Ich freue mich ebenfalls sehr, dich zu sehen.“ Albus erwiederte die enthusiastische, herzliche Begrüßung und schloss den anderen Mann mit dem freundlichen Lächeln kurz in die Arme. „Vorrei presentarti una persona.”
Albus trat einen Schritt zurück und deutete mit einer eindeutigen Geste auf Newt, der ratlos zwischen den Männern hin und herschaute und die Hand hob. Ihm war nicht bewusst gewesen, welche Sprachen Albus beherrschte, doch es sollte ihn wohl nicht überraschen, dass er sich nicht auf Englisch und Französisch beschränkte. Letzteres wusste Newt nicht einmal mit Sicherheit, doch aufgrund seiner Familiengeschichte war es....eilig ruderte Newt sich aus dem Gedanken heraus, ehe er zu weit abdriftete.
Als Albus erkannte, wie verunsichert er dreinblickte, besann er sich gleich. Immerhin sprach Fabrizio wirklich gut Englisch. Es gab keinen Grund, Newt länger aus der Unterhaltung auszugrenzen.
“Mein Freund Newt,” stellte Albus ihn vor. Fabrizio sah zum Glück von einer Umarmung ab und reichte ihm die Hand.
“Es freut mich sehr,” sagte er freundlich und strahlte zu ihm hinauf.
“M…mich auch,” stammelte Newt und fühlte eine Hand in seinem Rücken. Diese Geste zerstreute auch die letzten Zweifel, welche Art von Freunden sie waren. Newt war nicht sicher, ob er Albus dafür danken oder ihm kräftig auf den Fuß treten sollte.
Ihren Gastgeber schien all das nicht großartig zu kümmern.
Er langte über seine Theke und griff sich zwei kleine Braune Mappen.
„Un Tavoloo per due?“, erkundigte er sich und wuselte in den hinteren Bereich des wirklich kleinen Restaurants. Es gefiel Newt, dasshier nur wenig los war. Zwei weitere Tische waren besetzt und die Gäste, die dort saßen, unterhielten sich so angeregt, dass sie keinerlei Interesse an ihnen zeigten. Fabrizio fuhr mit der Hand die Kerze entlang, die sich wie von Geisterhand entzündete.
„Prego…“, murmelte er mit einer einladenden Geste und zwinkerte Newt zu, der überrascht über seine magischen Fähigkeiten wirkte. Es war ungewöhnlich, dass ein Zauberer einen Betrieb wie diesen in einem Muggelviertel führte „Cosa volete da Bere ?“
Albus zog seinen Mantel aus und hängte ihn über die Stuhllehne.
„Wonach steht dir der Sinn, Darling? Was trinken wir?“, fragte er beiläufig.
Newt schoss augenblicklich das Blut in die Wangen. Er schluckte schwer und schaute zu Fabrizio hinüber, der ihn definitiv gehört haben musste, aber nicht darauf einging und nun erwartungsvoll in seine Richtung schaute.
„I-Ich weiß nicht…,“ stammelte er ratlos. Gewöhnlich hielt er sich schlicht an Wasser. Oder Tee. Allerdings bezweifelte er doch stark, dass das in diesem Kontext die richtige Wahl gewesen wäre. Albus legte seinen Hut zur Seite und erkannte mit nur einem Blick, dass Newt momentan nicht in der Lage war, eine Entscheidung zu treffen.
„Una bottiglia di vino bianco per favore. Wir nehmen Wasser dazu,“ ergänzte er mit Blick auf seine Begleitung. Es würde ihn zwar freuen nicht allein trinken zu müssen, doch er wollte auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass es notwendig war. Sein oberstes Ziel war es, dass Newt sich wohlfühlte und wenn die Voraussetzungen dafür an einem Ort in London günstig waren, dann hier. Da war es vollkommen war, ob er Wasser oder Wein trank.
„Gerne. Schaut in die Karte. Ich komme gleich zu euch,“ versicherte Fabrizio, verschwand hinter seinen Tresen und stieg eine Treppe hinab. Albus beobachtete Newt dabei, wie er den Gastraum genau in Augenschein nahm.
Das hier war weder das ausgefallenste noch das gehobenste Restaurant, dass ihm bekannt war. Die unvergleichbare familiäre Atmosphäre lockte ihn immer wieder hier her. Bei Fabrizio fühlte er sich gut aufgehoben, und wenn er nur auf einen Kaffee bei ihm hereinschneite.
Er war optimistisch, dass es Newt in ein paar Minuten ganz genauso ergehen würde.
Noch war er nicht sicher, ob Fabrizio nicht später noch beginnen würde, Fragen zu stellen, die er nicht beantworten wollen würde, doch auch damit würden sie sicher irgendwie umgehen können.
Normalerweise verhielt ihr Gastgeber sich sehr zuvorkommend und höflich.

„Ist alles in Ordnung?“, erkundigte er sich als Newt nervös die Hände auf die Tischplatte legte und mehrmals tief durchatmete.
„J-ja. Es ist nur…ungewohnt. Das alles hier…so eine…Verabredung hatte ich noch nie,“ erklärte er. Nicht, dass dieses Geständnis erforderlich gewesen wäre. Albus war sich sehr wohl darüber im Klaren, dass dies eine neue Erfahrung für ihn war. Seine Aufregung war nur verständlich, doch sie war nicht notwendig.
Hier würde ihm nichts passieren.
Albus legte beschwichtigend seine Hand auf die seines Begleiters.
„Versuch bitte, dich zu entspannen. Es ist nur ein Abendessen.“
Wie hypnotisiert starrte Newt auf ihre Hände und blickte sich nervös nach links und rechts um, doch nach wie vor reagierte niemand auf sie oder schenkte ihnen überhaupt Beachtung . Abgesehen von Fabrizio, der sich leise neben ihnen räusperte. Newt riss seine Hände zu sich, als hätte er sich verbrannt.
Fabrizio begann herzlich zu lachen.
„Er ist schreckhaft, dein Freund,“ bemerkte er in Albus´Richtung und füllte ihre Weingläser, ehe Newt die Möglichkeit hatte, etwas dagegen auszurichten. Das hier war kein mit der Tür ins Haus fallen mehr, sondern ein mit samt der Wand ins Wohnzimmer einbrechen.
In dieser Metapher war ihr Gastgeber eine Abrissbirne.
Albus stellte erfreut fest, dass sein Plan aufging. Fabrizio tat, was er immer tat und das mit einer gelassenen Selbstverständlichkeit, der man umgehend und machtlos erliegen musste. Newtwürde schnell spüren, wie unbegründet seine Sorgen waren und die Erfahrung machen, dass kein Anlass bestand, in Panik zu verfallen, nur weil sie miteinander gesehen wurden.
Eine wichtige Lektion.

„Es ist noch sehr frisch, Fabrizio,“ erklärte er.
Newt starrte ihn mit offenem Mund und mit vor Entsetzen aufgerissenen Augen an. Nicht nur, dass er bis gerade eben seine Hand gehalten hatte – nun eröffnete er einfach so jemandem, dass sie wirklich keine Freunde waren? Panisch flackerte sein Blick zu Fabrizio hoch, der nur verständnisvoll nickte.
„Ah, alles neu, alles aufregend, hm?“, stellte er fest und zeigte Albus das Etikett der Flasche. Albus nickte es schulterzuckend ab. Bisher hatte Fabrizio ihn in diesem Punkt noch nie enttäuscht.
Newt biss sich auf die Lippe und nickte knapp, in der Hoffnung, dass er verschwinden würde, doch so einfach machte er es ihnen nicht.
„Che cosa vuoi mangiara?“, erkundigte er sich. Albus überflog die Karte und zuckte dann mit den Schultern.
„Il Solito. Hast du etwas ohne Fleisch im Angebot?“, erkundigte er sich. Newt klammerte sich immer noch an die Karte und starrte ihn an, ohne sich das Angebot anzusehen. Möglicherweise hatte er es doch ein wenig übertrieben.
„Si. Ah, Sie sind Tierfreund Newt,“ stellte er fest und nickte geschäftig. „Ich lasse mir etwas einfallen.“
Newt starrte ihm vollkommen überfahren nach, als er sich in die Küche begab und etwas auf Italienisch rief, dass Newt nicht verstehen konnte. Beinahe schien es, als hätte er sich mental aus dieser Situation herausgezogen und sei gar nicht mehr hier. Albus wusste nicht sicher, ob es das richitige war, einfach abzuwarten oder ihn aus seiner Starre zu retten.
Als eine gute Minute lang nichts geschah, entschied er sich, ihn zu erlösen und tastete er nach seiner Hand.

„Möglicherweise hätte ich dich vorwarnen sollen. Fabrizio ist eine Seele von Mensch, doch zuweilen sehr beherzt.“
Newt blinzelte kurz und schüttelte hastig den Kopf.
Das war es nicht. Er schätzte es, dass Albus sich Gedanken gemacht und ihn hergebracht hatte, doch es geschah gerade sehr viel und er hatte noch nicht einmal die Hälfte davon verarbeitet.
„Das ist es nicht,“ murmelte Newt und griff tatsächlich nach seinem Weinglas. Vielleicht war Alkohol in diesem Fall eine hilfreiche Idee. So etwas sollte ja bekanntlich zur Auflockerung der Stimmung beitragen. „Es ist nur…ungewohnt.“
„Keine Sorge. Du schlägst dich sehr gut.“ Beruhigend strich Albus über seinen Handrücken und stützte das Kinn auf der freien Hand ab. „Es ist wichtig, sich hin und wieder eine Auszeit zu erlauben. Abgesehen davon, dass ich gern Zeit mit dir verbringe, gehört so etwas für mich gelegentlich dazu.“
„In…Beziehungen?", vergewisserte Newt sich. Albus nickte.
„Ja. Und auch auf dem Weg dorthin.“
In Newts Gedanken tauchte eine Frage auf, die ihn einige Atemzüge lang beschäftigte. Eine Antwort würde er selbst nicht geben können, doch er war auch nicht sicher, ob er sie an Albus richten durften. Zum einen, weil er nicht das Gefühl hatte, sie seien wirklich unter sich und zum anderen, weil er nach wie vor nie einzuordnen wusste, ob seine Direktheit in bestimmten Momenten nicht doch zu weit ging. Auf der anderen Seite hatte Albus bisher alles bereitwillig mitgemacht. Er würde es ihm sagen, wenn er zu viel verlangte.
Darauf musste er einfach vertrauen.
„Kann ich dich etwas fragen?“
Albus nippte an seinem Wein und zog interessiert die Augenbrauen nach oben.
„Selbstverständlich. So etwas bereichert Gespräche,“ lud er ihn ein und beobachtete neugierig, wie Newt ein wenig auf seiner Lippe herumbiss, ehe er die richtigen Worte finden konnte.
„Gab es…andere Beziehungen…außer ihm?“ Newt sprach leise, damit das Thema auch wirklich an ihrem Tisch verblieb. Manchmal erregte man unverhofft die Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen, wenn man interessant genug wurde. Diese Situation wollte er ihnen auf jeden Fall ersparen.
„Beziehungen wäre zu viel gesagt. Es gab vereinzelte eher unverbindliche Treffen, die durchaus zu einem nicht unerheblichen Teil mit einem Abendessen oder einem Getränk begonnen haben. Jemanden an der Straßenecke kennenzulernen und mit nach Hause zu nehmen, empfinde ich nicht gerade als stilvoll. Manche dieser Bekanntschaften habe ich mehrfach getroffen, doch das war eher die Ausnahme. Die Bezeichnung Beziehung verdiente bisher nur das, was Gellert und ich hatten. Und meiner Meinung nach auch das, was wir uns miteinander aufbauen," erklärte er.
Hoffentlich schüchterte es Newt nicht ein zu hören, dass er auch jenseits von Gellert nicht gerade enthaltsam gelebt hatte. Ihm das zu verheimlichen würde allerdings auch nicht viel bringen, denn es wäre unehrlich.
Er würde das schon verkraften.
Jedenfalls wenn er damit fertig war, rot anzulaufen.
„Oh….“
Albus lehnte sich in seinem Stuhl zurück.
„Was macht es mit dir zu wissen, dass es andere gab?“, fragte er.
„N-Nichts weiter," beteuerte Newt eilig und griff erneut nach seinem Glas. Hatte seine Frage etwa zu besitzergreifend geklungen? War sie zu neugierig gewesen? Hatte er Albus damit in eine unangenehme Situation gebracht? Oder gar in Erklärungsnot? "N-nicht wenn…ich mich nicht in diese Liste…der kurzfristigen Bekanntschaften einreihen muss…das wäre nicht das…was ich mir wünsche.“
Albus lächelte leise und drückte seine Hand zufrieden  fester. Er wertete es als gutes Zeichen, dass Newt seine Wünsche mitteilte und ihm klar sagte, was er nicht wollte.
„Das hier ist für mich keine unverbindliche Bettgeschichte. Streng betrachtet ist es gar keine Bettgeschichte. Was nicht im Geringsten stört,“ fügte er hinzu als Newt schlagartig erbleichte und eilig sein halbes Weinglas leerte.
„Oh…Gut. An diesem Punkt…sehe ich mich noch nicht…“, stammelte er und schaute sich erneut ängstlich um.
Vielleicht wäre es sicher, allmählich das Thema zu wechseln. Er selbst hatte keine Schwierigkeiten damit und hätte auch weiter darüber gesprochen, wenn das Paar am Nachbartisch sich zu ihnen gesetzt hätte, doch für Newt erreichten sie gerade eine Grenze, die sie nicht überschreiten mussten.
„Hilft es zu hören, dass ich dich nicht aus dem Grund hergebracht habe, diese Dinge zu beschleunigen? Ich hege keinerlei zweifelhafte Absichten, Darling. Ich wollte dich ein wenig von Credence ablenken und dafür sorgen, dass du einen Abend frei hast. Manchmal vernachlässigst du dich zu Gunsten deiner Tierwesen.“
Ertappt verzogen Newts Lippen sich zu seinem kleinen Lächeln. Er bemühte sich, Albus für einen Moment in die Augen zu sehen, ehe sein Blick sich wieder auf die rot weiß karrierte Tischdecke senkte.
„Danke…das ist…nett…Ich bin froh, dass du mich nicht weggeschickt hast als ich...am Morgen...nun ja…“
Albus registrierte erfreut, dass Newt etwas persönliches  über sich selbst preisgab, obwohl sie sich nach wie vor an einem semi-öffentlichen Ort aufhielten. Er akklimatisierte sich schneller als gewöhnlich.  Darauf hatte er so sehr gehofft. Möglicherweise würde er diesen Abend mehr genießen, als sie beide angenommen hatten.
„Das bin ich auch, Darling.“

„Scoozie...“, meldete sich Fabrizio hinter Newt zu Wort, der sichtlich zusammenzuckte.

Warum tauchte dieser Mann immer so plötzlich auf? Oder lag es etwa daran, dass er viel zu abgelenkt und damit beschäftigt war, Albus in die Augen zu schauen und sich in diesem einzigartigen, tiefen blau zu verlieren.  Fabrizio balancierte zwei Teller zwischen sie. Newt hatte keine Ahnung, was er da vor sich hatte, doch es roch in jedem Fall so, als habe sein Koch durchaus Talent.
Sicher war es so.
Albus kam sicherlich nicht nur gern her, weil er einen alten Freund besuchen wollte.
„Grazie. Du bist ein Engel, Fabrizio.“ Albus beobachtete zufrieden, wie Newt ihrem Gastgeber zulächelte.
„Naaa ich bin zu schwer für einen Engel,“ erklärte Fabrizio und klopfte sich mehrfach auf den Bauch. „Ruft mich, wenn ihr etwas braucht."

Freundschaftlich drückte er Albus Schulter und ging zum Nachbartisch weiter, wo er eine Bestellung aufnahm, die er quer durch den Gastraum zur Küche durchbrüllte.
Newt schaute ihm nachdenklich hinterher. Wie gut Albus und er sich wohl kennen mochten?
Sie schienen einander nahzustehen. Wobei es schwer war, das einzuschätzen. Immerhin tat Albus sich generell nicht schwer kit Körperkontakt. Vielleicht tickte Fabrizio ja genauso.
Mechanisch tastete er nach seiner Gabel und begann, in seinem Auberginenauflauf herumzustochern, ohne zu essen.
Albus sah, dass er sein Essen nachdenklich beäugte, doch er ließ es unkommentiert. Es gab Dinge, zu denen er sich kein Urteil erlaubte und das Tempo, in dem jemand zu essen begann. Das kam ihm unangemessen vor. Es vergingen einige Minuten, die Newt sich ließ, ehe er sein Gabel zur Seite legte. Er musste einfach fragen.

"Albus?"
"Ja, Darling?"
"Du scheinst....Fabrizio gut zu kennen....," begann er und schaute sich nach Albus´Freund um. Er stand einige Meter entfernt und selbst, wenn er wieder schlich wie ein Weltmeister, konnte er ihn im moment nicht hören. Mit Albus konnte er diese Dinge sicher besprechen, aber ihren Gastgeber wollte er nicht vor den Kopf stoßen.
Albus füllte das Weinglas seiner Begleitung nach und nickte zustimmend.
"Ja. Wir sind seit beinahe dreißig  Jahren miteinander befreundet," bestätigte er Newts Eindruck. Das schien allerdings keine sonderlich beruhigende Information für ihn zu sein. Vielleicht holte er besser noch etwas weiter aus. "Seine Familie betreibt ein kleines Hotel in Palermo. Ich war auf meiner ersten Reise mit Gellert dort. Manchmal verbringe ich teile der Ferien mit ihm und besuche seine Schwester und seine Mutter. Seine Frau Antonia ist überigens ebenfalls eine enge Freundin," fügte er mit einem kleinen Augenzwinkern hinzu.
Natürlich hatte er antizipiert, mit welchen Hintergedanken Newt ihn über seine Feststellung in Kenntnis gesetzt hatte.
Es war ihm wichtig mitzuteilen, dass Fabrizio keine Konkurrenz bedeutete. Romantisch hatten sie sich nie füreinander interessiert und allein schon, weil sie beide Antonia abgöttisch liebten, hätte er niemals auch nur in diese Richtung gedacht.
Newt verarbeitete die Information schnell und spürte, wie sein Gesicht erneut heiß wurde.
"Du bist zauberhaft, Honey," stellte Albus fest. "Genau deswegen sitze ich mit dir hier. Nur mit dir. Versuch bitte, mir in diesem Punkt zu vertrauen."
Newt nickte wortlos, was Albus nicht zu reichen schien, während er erneut begann in seinem Essen zu stochern.
"Entschuldige. Das sollte ich wirklich," murmelte er irgendwann. Zufrieden griff Albus ebenfalls wieder nach seinem Besteck.
"Schön, dass wir das klären konnten. Du solltest essen. Sonst macht er uns später die Hölle heiß."

Ein wenig bedauerte Newt seine Zusicherung,Aberforth am Abend dabei zu untersützen,Credence für die Nacht zu versorgen. Sein geradezu geriatrisch verfrühtes Abendessen störte ihn weniger, doch er hätte gern länger mit Albus in London gesessen und sich unterhalten. Sie hatten schon immer viel miteinander gesprochen, doch durch ihre Beziehung ergaben sich unglaublich viele neue Themen, die im Alltag kaum Platz fanden. Er hörte Albus gern zu, auch wenn der Inhalt der Gespräche noch so banal gewesen wäre.
Er hatte eine angenehme Art, die Dinge zu beschreiben und zu erklären. Bei seinen Beschreibungen der Reisen mit Gellert, bei denen er alles, was zwischen ihnen geschehen war geflissentlich ausließ und sich stattdessen auf seine kulturellen Erlebnisse konzentrierte, hätte Newt stundenlang zuhören können.
Ihn packte plötzlich und unvermittelt das Fernweh.
Insgeheim hoffte er darauf, dass sie so vielleicht die Sommerferien verbringen konnten.
Miteinander.
Immerhin trieb er sich ebenfalls gern irgendwo in der Weltgeschichte herum und ließ sich von fremden Einflüssen begeistern.
Als Albus schließlich mit Blick auf die Uhr vorschlug, allmählich die Heimreise anzutreten, wusste Newt instinktiv, dass sie häufiger herkommen würden.
So willkommen hatte er sich schon lang nicht mehr an einem fremden Ort gefühlt.
Als er von seinem Stuhl aufstand, drehte der Raum sich ein wenig, obwohl er nicht viel getrunken hatte. Selbst ein harmloses Glas Wein war er nicht gewohnt und auch, wenn er tatsächlich ausreichend gegessen hatte, spürte er den leichten Schwips deutlich.
Der Alkohol steigerte seine Übelkeit beim Apparieren ein wenig, doch irgendwann hörte das Dorf auf, sich um ihn zu drehen.

Seine gute Stimmung fand ein jähes Ende, als sie auf den Eberkopf zu gingen.

Aberforth riss die Tür des Pubs auf, als sie auf den gepflasterten Weg zum Haus einbogen.
Newt stellte gleich zwei Dinge fest, die ihn auf einen Schlag ausnüchterten.
Zum einen war der Schankraum hinter Aberforth dunkel, was für einen Samstagabend mehr als ungewöhnlich war.
Zum anderen zeichnete sein Gesicht blankes Entsetzen.
Ehe Albus es überhaupt registrierte, rannte Newt los.
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