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Morgengrauen

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Historisch / P12 / MaleSlash
23.05.2022
23.05.2022
2
1.091
1
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23.05.2022 403
 
Nachdem ich seit etlichen Jahren den hervorragenden Film von 2004 mit Jeremy Irons und Joseph Fiennes wieder gesehen habe (seht ihn euch an! er ist großartig! im Ernst!) - musste ich einfach ein bisschen Antonio/Bassanio schreiben. Mir ist absolut nicht klar, wie genau Bassanio denkt und fühlt. Ist er nur ein mieser kleiner Gold-Digger? Ehrlich meint er es nicht, oder? Oder liegt ihm eben doch wirklich etwas an Antonio? Hier mein Vorschlag dazu. Was meint ihr?

(Ach so: falls jemand einen besseren Titel weiß, vielleicht sogar ein cooles Shakespeare-Zitat aus dem Stück - immer her damit!)

Die Stimmung dieser kleinen Morgenszene gibt sehr schön dieses Stück aus dem Soundtrack wieder: http://www.youtube.com/watch?v=_QqMqNz_Un4



Morgengrauen


Antonio erwacht.
Stück für Stück, ganz sacht, driftet er allmählich aus dem Schlaf ins Wachsein. Diese  frühen Morgenstunden waren ihm immer die liebsten; jene Zwischenwelt, die noch alle Möglichkeiten des neuen Tages bereitzuhalten scheint. Sein Körper fühlt sich frisch und unternehmungslustig an nach der Ruhe der Nacht – und doch noch voll von der süßen Mattigkeit des Schlafes, Bruchstücken aus Träumen, die in die Vergessenheit sinken und ein wohlbekanntes Gefühl in ihm zurücklassen. Ein Gefühl, das weder ganz Schmerz ist noch ganz Lust, jedenfalls noch nicht. Das Licht des jungen Tages durchdringt seine geschlossenen Lider, die er noch nicht öffnen will; nicht, bevor er nicht den Moment gebührend ausgekostet hat.

Bassanio liegt neben ihm.

Ihre Körper berühren sich nicht (und haben es nie getan) – aber doch liegen sie näher beieinander als es Freunde gewöhnlich tun, die sich aus praktischen Erwägungen ein Bett teilen. Antonio wird es am Sonnabend gewissenhaft in seiner Beichte erwähnen. Es gibt Dinge in seinen Träumen und in ihm selbst, die man zur sicheren Verwahrung besser einem Beichtvater anvertraut, selbst wenn der den wahren Wert der Sache vielleicht nicht erkennen kann. Gewöhnlich besteht die Strafe nur in ein paar Ave Marias, um sein Gewissen reinzuwaschen. Auch wenn Antonio nie ganz verstanden hat, warum Beten eine Strafe sein soll.

Gleichviel, er wird für solche Dinge in absehbarer Zukunft sehr viel weniger Gebühren in Form von Gebeten erstatten müssen, soviel weiß Antonio; denn Morgenstunden wie diese werden sehr viel seltener werden und vielleicht ganz aufhören, wenn Bassanio erst verheiratet sein wird. Aber noch nicht jetzt. Jetzt noch nicht.

Er öffnet endlich seine Lider, um dem neuen Tag ins Auge zu blicken – und sieht sich Bassanio gegenüber, der ihn unverwandt betrachtet.

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