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Jahrestag

Kurzbeschreibung
OneshotRomance, Liebesgeschichte / P16 / FemSlash
Rebecca Jungblut Sabine Kaiser
22.05.2022
22.05.2022
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„Alles Liebe zum Jahrestag“, flüsterte Polizeirätin Sabine Kaiser ihrer Freundin von hinten ins Ohr.
„Hm?“ machte diese und drehte sich um. Die grünen Augen der älteren Frau strahlten sie an. „Ist das echt heute?“ fragte die Blondine.
„Jetzt tu nicht so, als hättest du das vergessen“, schimpfte Sabine spielerisch.
„Hab ich nicht“, erwiderte Rebecca, „ich dachte lediglich, unser Jahrestag wäre der Tag unseres ersten Kusses, oder als wir das erste Mal –“
„Heute vor einem Jahr haben wir beschlossen, dass wir mehr als nur eine Affäre unter Kollegen haben“, warf Sabine ein. „Ergo, heute ist unser Jahrestag.“
„Klingt super“, sagte Rebecca sanft. „Willst du, dass ich dich ausführe?“
„Ich werde uns etwas kochen“, schlug Sabine vor. „Und dann können wir den restlichen Abend im Bett verbringen.“
„Was sonst?“ lachte Rebecca. „Ich freue mich schon darauf.“
Sabine lehnte sich nach unten und presste einen flüchtigen Kuss auf Rebeccas Wange. „Ich liebe dich“, flüsterte sie, bevor sie schnell im Büro verschwand.
Ein Jahr schon führten sie eine Beziehung. Geheim, natürlich. Eine geheime Affäre hatten sie schon lange, schon vor Wolfratshausen.
Und Gefühle waren von Anfang an da gewesen.
Sabine hatte sich sofort in diese junge, hübsche, fröhliche Blondine verliebt und lange nicht gewusst, wie sie damit umgehen sollte. Zu ihrem Glück hatte sich Rebecca auch in sie verliebt und sie hatten immer wieder heftig geflirtet, bis sie sich eines Tages, bei der Geburtstagsfeier eines Kollegen, beide in nicht mehr ganz nüchternem Zustand, geküsst hatten. Sie hatten sich von der Party abgeseilt, um Luft zu schnappen. Draußen hatten sie geredet, gelacht, geflirtet und getanzt. Und plötzlich waren ihre Lippen aufeinander gelegen.
Das war der Anfang gewesen. Danach hatten sie wochenlang nicht darüber gesprochen, bis Sabine sich ein Herz gefasst hatte und den nächsten Schritt gewagt hatte: Sie hatte ihre Koffer gepackt und ihren Ehemann verlassen.
„Ich habe meine Scheidung eingereicht“, hatte sie Rebecca zwei Wochen darauf erzählt, woraufhin die Blondine sie überrascht angesehen hatte.
„Mein Beileid“, hatte sie gemurmelt.
„Nicht doch“, hatte Sabine sanft gesagt und ihre Hand auf die der Jüngeren gelegt. „Wenn du verheiratet bist und dich nach jemand anderem sehnst, dann solltest du die Ehe besser beenden.“
Dann hatte sie auf Rebeccas Reaktion gewartet, und als diese sie einfach nur glücklich gelächelt hatte, hatte sie ihr zugezwinkert.
Lange war nichts geschehen, bis Sabine offiziell geschieden war.
An dem Tag, an dem sie die Scheidungspapiere unterschrieben hatte, hatte sie Rebecca in ihre neue Wohnung eingeladen. Dort hatten sie auf ihre Scheidung angestoßen. Sabine hatte Rebecca geküsst, lange und innig, hatte sie zum Bett gezogen.
„Willst du das wirklich?“ hatte Rebecca schüchtern gefragt, während Sabine schon dabei gewesen war, ihre Bluse zu öffnen.
„Ich will dich. Willst du mich auch?“
„Immer schon“, hatte Rebecca bloß geantwortet.
Und dann hatten sie für zwei wundervolle Jahre eine sehr diskrete Affäre gehabt.
Sie hatten beschlossen, ihre Affäre eine Beziehung zu nennen, kurz bevor sie nach Wolfratshausen gezogen waren. Offiziell waren sie also schon drei Jahre zusammen – und immer noch so glücklich, wie am ersten Tag. Sabine hatte nie geglaubt, dass es so etwas gab. Doch mit Rebecca war einfach alles … perfekt.
Zugegeben, es war schon sehr verwirrend für sie gewesen, da sie sich nie als nicht hetero bezeichnet hatte – über fünfzig Jahre lang. Beziehungsweise hatte sie einfach nie darüber nachgedacht. Doch dann war diese wundervolle Frau in ihr Leben getreten und sie hatte sofort gemerkt, dass Rebecca mehr für sie war als nur eine Kollegin. Sie hatte sich ewig den Kopf darüber zerbrochen, auch darüber, ob sie vielleicht doch nicht so hetero war …
Sie hatte keine Lösung für dieses Rätsel gefunden, doch mittlerweile war es ihr egal. Sie liebten sich und nur das zählte.
Jedoch hatte sie erst realisiert, dass sie sich tatsächlich in Rebecca verliebt hatte, als ihr Ex sie gefragt hatte, wieso sie nicht mehr mit ihm schlief. Damals hatte sie noch verschiedene Gründe erfunden, angefangen von Wechselbeschwerden (zu ihrem Glück gehörte der Verlust der Libido da dazu), bis hin zu Müdigkeit, verursacht durch ihren Aufstieg zur Polizeirätin.
Dann war es wieder Migräne, dann allgemeines Unwohlsein. Ihr Mann war immer lieb mit ihr gewesen und hätte auf sie gewartet, ganz egal, mit welchen Beschwerden sie angekommen war.
Doch dann hatte Sabine Rebecca geküsst. Oder anders herum. Sie hatten sich beide irgendwie geküsst. Und somit hatte Sabine einen richtigen Grund gehabt, nicht mehr mit ihrem Mann zu schlafen. Von ihrem Kuss mit ihrer jüngeren Kollegin hatte sie ihm nie erzählt … lediglich, dass sie ihn nicht mehr liebte, hatte sie ihm gesagt. Und dass sie sich scheiden lassen wollte. Er war am Boden zerstört gewesen, doch hatte es akzeptiert.
„Ist es wegen einem anderen Mann?“ hatte er dann doch gefragt und Sabine hatte gelächelt.
„Sei unbesorgt – ich verspreche dir, es ist nicht wegen einem anderen Mann“, hatte sie gesagt. Sie hatte nicht gelogen und ihr Ex war erleichtert gewesen.
Und dann hatten sie und ihre jüngere Kollegin eine lockere aber auch intensive Affäre genossen – bis Sabine ihr gesagt hatte, dass sie weggehen würde.
Die Polizeirätin hatte aufgrund diverser Drogengeschichten ihres ehemaligen Partners darum gebeten, versetzt zu werden. Und es war schneller gegangen, als gedacht – das Revier in Wolfratshausen hatte gerade einen Polizeirat verloren. Mehr oder weniger.
„Ich werde weg ziehen“, hatte Sabine ihr also eines Tages gesagt und Rebecca war aus allen Wolken gefallen.
Mit nassen Augen hatte sie gefragt, was aus ihnen werden würde.
„Aus uns?“ hatte Sabine sanft gesagt und die junge Frau sanft angelächelt.
„Ja. Aus unserer Affäre.“
„Zum Beispiel könnte eine Beziehung daraus werden“, hatte Sabine vorgeschlagen und Rebeccas Hände genommen. „Und natürlich will ich, dass du mitkommst nach Wolfratshausen. Würdest du mitkommen?“
Rebecca hatte sie angestrahlt. „Ich würde dich auch nach Australien begleiten.“
Und so war aus der Affäre eine Beziehung geworden.
Natürlich plagten sie des Öfteren Zweifel – Rebecca war nicht zehn und nicht zwanzig, sondern ganze dreißig Jahre jünger als sie. Sabine war schon Polizeiobermeisterin gewesen, als Rebecca zur Welt gekommen war.
Sie war so viel jünger … und sie hatte etwas Besseres verdient. Oft lag Sabine nachts wach und dachte daran, dass sie Rebecca verlassen sollte, weil sie viel zu alt für die Polizeimeisterin war. Doch die Jüngere liebte sie. Sie war glücklich. Und Sabine war auch glücklich, überglücklich. Wieso sollte sie dieses Glück zerstören?
Sie lächelte vor sich hin und dachte voller Vorfreude an den Abend, der ihnen bevorstand. Sabine liebte es, für Rebecca zu kochen und sie zu verwöhnen und Rebecca liebte es, sie anschließend im Bett zu verwöhnen. Grinsend dachte sie an ihre erste Nacht, das erste Mal, dass Rebecca sie so richtig verwöhnt hatte. Heute fragte sie sich, wie sie es mit ihrem Ex so lange ausgehalten hatte.
Vollkommen fertig und ausgelaugt hatte sie danach dagelegen, während die Jüngere sie angelächelt hatte.
„Das hätte ich nie gedacht“, hatte sie geflüstert, „dass du, Sabine Kaiser, autoritär und geborene Anführerin, bei intimen Angelegenheiten plötzlich unterwürfig wirst …“
„Was soll ich sagen?“ hatte Sabine, immer noch komplett erledigt, geflüstert, „Ich hatte davor noch nie Sex mit einer Frau …“
„Echt nicht?“ Rebeccas Augen waren geweitet gewesen. „Was? Ich war die erste??“
„Mhh“, hatte Sabine gemurmelt und sie an sich gezogen. „Wieso so überrascht?“
„Weil ich dachte … sei mir nicht böse, aber ich habe seit der Sekunde, in der ich dich das erste Mal gesehen habe, Schwingungen gespürt. Ich dachte … ich war mir sicher, du wärst wie ich. Zumindest bisexuell, nachdem ich erfahren habe, dass du verheiratet warst.“
So hatte sie auf Rebecca gewirkt. Und seither hatte sie sich den Kopf darüber zerbrochen, was sie war.
Doch im Grunde war es egal. Sie musste kein Wort dafür haben, solange sie wusste, dass sie Rebecca liebte.
Keiner außer ihrer Familie wusste von ihrer Beziehung, wobei ihre Schwester im Übrigen gar nicht begeistert davon war.
„Soll das heißen, dass du jetzt lesbisch bist?“ hatte sie damals gefragt, als Sabine ihr gesagt hatte, dass sie mit ihrer Lebensgefährtin aufs Land ziehen würde.
„Das heißt, dass ich mich in eine wundervolle Frau verliebt habe, und mit ihr ein Leben führen will“, hatte Sabine erklärt und ihre Schwester hatte es als Midlifecrisis abgetan.
Sabine wusste jedoch, wie Simone wirklich darüber dachte und hatte außerdem den Verdacht, dass dies der Grund war, warum sie nicht wollte, dass sie sich noch mit ihrer Nichte Vanessa traf.
Schnell verwarf sie diesen Gedanken wieder. Es tat weh. Simone war ihre Schwester und immer ihre beste Freundin gewesen, Vanessa war ihr Patenkind und sie hatte früher beinahe jeden Sonntag bei der Familie ihrer Schwester verbracht. Und nur weil sich ihre Lebensumstände so drastisch geändert hatten, hatte Simone plötzlich aufgehört, sie einzuladen.
„Sag das bloß nicht Mama und Papa“, hatte sie damals noch gewarnt. „Die würde der Schlag treffen.“
Trotz Allem hatte sie es ihren Eltern erzählt. Bevor sie nach Wolfratshausen gezogen war, hatte sie den beiden anvertraut, was der eigentliche Grund für ihre Scheidung gewesen war – und es hatte keinen von beiden der Schlag getroffen.
Ihre Mutter war ohnehin nicht mehr allzu klar im Kopf, andauernd vergaß sie, dass Sabine nun eine Beziehung mit einer Frau führte. Ihr Vater vergaß es nicht und erinnerte seine Frau ständig daran. Er fand es aber weder schlimm noch sonst dramatisch.
„Gewöhnungsbedürftig“, hatte er anfangs gemeint, doch es nicht allzu ernst gemeint. Immer wieder nervte er sie damit, dass sie ihre Freundin mitbringen sollte. Dass er sie kennenlernen wollte.
Doch Sabine hatte Angst. Ihre Eltern waren offen genug, um zu akzeptieren, dass ihre Tochter sich nach zwanzig Jahren Ehe für eine Frau entschieden hatte, doch wie würden sie reagieren, wenn sie realisierten, dass diese Frau gerade erst vierundzwanzig war?
Aber jetzt waren sie ein Jahr zusammen. Drei Jahre, inoffiziell. Vielleicht war es an der Zeit …
Ihre Gedanken wurden durch Stimmen unterbrochen. Rebeccas Stimme und die, einer Fremden.
Sofort stand sie auf und ging zur Tür. Sie lauschte öfter sie an der Tür, weil sie einfach nur Rebeccas Stimme hören wollte, doch dieses Mal war etwas anders. Sie telefonierte nicht mit den Kollegen, sie unterhielt sich mit jemandem. Was in Ordnung war … doch was ihre Gesprächspartnerin von sich gab – das fand Sabine nicht in Ordnung.
„Du bist viel zu hübsch, um eine Polizistin zu sein.“
Sabine hielt die Luft an. WAS??
Rebecca lachte. „Soll das ein Kompliment sein?“
„Eigentlich ja. Es tut mir leid, sollte ich dich damit verletzt haben. Ich hatte nur nicht erwartet, dass mein gestohlenes Rad eine so wundervolle Begegnung ermöglichen würde.“
Sabine ballte ihre Fäuste. Da flirtete jemand mit Rebecca …!
Das passierte dauernd und Sabine hatte sich schon daran gewöhnt, doch normalerweise waren es Männer, die meinten, sie müssten ihrer Freundin schöne Augen machen. Noch nie hatte sie mitbekommen, dass eine Frau versuchte, mit ihr zu flirten.
Es nervte sie. Es machte sie wütend. Männer waren ihr egal, sie wusste, dass Männer keine Chance bei ihr hatten, da die Polizeimeisterin nicht an Männern interessiert war. Überhaupt nicht. Aber Frauen hatten eine Chance bei ihr.
„Du bist aber flirty“, hörte sie Rebecca sagen. Es schien sie kein bisschen zu stören.
„Wie denn auch nicht, bei einer so schönen Frau wie dir …“
Sabine reichte es. Sie riss die Tür auf und stürmte nach draußen. „Rebecca, haben Sie – oh, guten Tag.“
Sofort wollte sie sterben vor Scham.
Die Frau war unglaublich hübsch. Nein, wunderschön. Eine Schönheit, das war sie.
Sie war groß und schlank und hatte perfekte Kurven. Lange, schwarze Haare, volle Lippen. Ein kurzes, dunkles Kleid. Lange, schwarze Wimpern, obwohl sie ungeschminkt war. Sie war der Inbegriff einer Märchenprinzessin. Wie Pocahontas sah sie aus. Und das Schlimmste war: Sie war in Rebeccas Alter.
„Frau Kaiser, das ist Frau –“, begann Rebecca, doch Pocahontas unterbrach sie.
„Cosima Lanna.“
„Schöner Name“, sagte Sabine mit einer neutralen Stimme, doch sie wusste, dass ihr Gesicht dunkelrot war. Es glühte.
„Ja, nicht?“ antwortete Rebecca und Sabines Blick huschte zu ihrer Freundin, die verträumt aussah. „Italienisch.“
„Dachte ich mir. Frau Lanna, wie können wir Ihnen helfen?“ Sabine versuchte, ihre Unzufriedenheit zu verbergen, doch vergeblich. Sie klang so zickig, dass es ihr sogar selbst auffiel. Der schönen Italienerin schien es egal zu sein.
„Mein Fahrrad wurde gestohlen“, erwiderte sie. „Aber Rebecca kümmert sich schon darum.“
„Rebecca“, erwiderte Sabine leise und sah zwischen ihrer Freundin und Cosima hin und her. „Alles klar, wenn Rebecca sich darum kümmert … dann werde ich wieder meiner Arbeit nachgehen. Hat mich gefreut … Frau Lanna.“ Es klang sarkastisch. Cosima schien es immer noch nicht zu kümmern.
„Mich auch, Frau Kaiser“, erwiderte sie, doch Sabine hatte die Tür bereits geschlossen, bevor sie „Kaiser“ gesagt hatte.
Und sofort presste sie ihr Ohr wieder gegen die Tür. Was war nur los mit ihr. War sie … eifersüchtig?? Sie hatte doch überhaupt keinen Grund. Als ob Rebecca sie betrügen würde …
„Was ist mit der los?“ fragte Cosima und Sabine verspürte akuten, abgrundtiefen Hass auf diese wunderschöne Frau, die es wagte, mit der Liebe ihres Lebens zu flirten.
„Stress“, erwiderte Rebecca mit einem Seufzen. „Sie ist normal nicht so. Also, Frau Lanna –“
„Cosima.“
Sabine konnte das Interesse in Cosimas Stimme hören. Sie versuchte gar nicht erst, es zu verstecken. Wie sie es nur wagen konnte, eine fremde Polizistin während ihres Dienstes so anzuflirten!
„Cosima“, wiederholte Rebecca. „Ich werde mich höchstpersönlich um dein Fahrrad kümmern.“
„Das freut mich“, erwiderte Cosima. „Und wenn du es gefunden hast, darf ich dich zum Essen einladen?“
Sabines Mund klappte auf.
Das war wohl die Höhe …!
Sie hielt den Atem an und wartete ungeduldig auf Rebeccas Antwort, die nicht sofort kam.
Doch als es soweit war, atmete sie auf.
„Cosima, es tut mir leid. Ich bin in einer Beziehung.“
„Ach, wie schade. Aber ist irgendwo logisch, eine heiße Polizistin wie du kann fast nicht single sein.“
„Du stehst einfach auf Polizisten, hm?“ fragte Rebecca lachend.
„Polizistinnen, ja“, antwortete Cosima.
„Ja … ich auch“, sagte Rebecca.
„Polizistinnen?“
„Genau.“
Kurz war es leise. Dann hörte sie Cosima „Verstehe“ sagen. Und, „Ich glaube, das beruht auf Gegenseitigkeit.“
„Ja, ich weiß“, erwiderte Rebecca.
Cosima lachte. „Na dann, einen schönen Tag noch. Dir und deiner … Chefin.“
Sabines Herz raste. Sie hatte ihr tatsächlich gesagt, dass sie zusammen waren? Na ja, gesagt hatte sie es nicht, doch sie hatte es ihr zu verstehen gegeben …
Sabine wartete noch länger an der Tür. Falls Cosima zurück kam.
Doch stattdessen fiel sie fast um, als Rebecca die Tür aufriss.
„Wieso lauschst du eigentlich?“ fragte die Polizeimeisterin. Sie klang nicht sauer, eher belustigt.
„Hab ich nicht“, sagte Sabine mit Nachdruck.
„Komm, erzähl doch keinen Blödsinn“, lachte Rebecca.
„Wieso flirtest du?“ stellte Sabine die Gegenfrage.
„Wie bitte?“
„Du bist bei der Arbeit. Flirten ist unangebracht.“
„Sagt die Frau, die ständig mit ihrer Arbeitskollegin flirtet“, konterte Rebecca. „Bist du eifersüchtig?“
„Was? Ich? Humbug“, schnaubte Sabine.
„Du bist eifersüchtig.“ Rebecca lächelte. „Das ist total unnötig.“
„Weiß ich doch. Was – nein! Ich bin nicht eifersüchtig!“ Sabine verschränkte ihre Arme. „Ich finde es nur nicht gut, dass dir jemand so offensichtlich zeigt, dass er an dir interessiert ist.“
„Er, ja?“ fragte Rebecca grinsend. „Männer flirten ständig mit mir und dich stört es nie.“
Sabine antwortete nicht. Natürlich hatte Rebecca sie durchschaut.
Die junge Polizistin seufzte. „Sabine … Schatz. Du hast bestimmt gehört, dass ich ihr Angebot, mich zum Essen einzuladen, ausgeschlagen habe?“
„Ja“, flüsterte Sabine.
„Ja. Weil ich dich liebe. Weil ich mit dir zusammen bin.“
„Ich weiß, aber …“ Sabine holte tief Luft. „Wäre es nicht besser für dich, mit jemandem in deinem Alter zusammen zu sein?“
„Ach, das hat dich gestört?“ fragte Rebecca und zog die Polizeirätin an sich. „Ja … vielleicht wäre es besser für mich.“ Sabines Augen füllten sich mit Tränen, doch Rebecca umarmte sie fest. „Doch das ist nicht das, was ich will. Ich will dich. Wir sind seit drei Jahren zusammen, für mich sind es drei Jahre, und ich will noch viele weitere Jahre mit dir zusammen sein. Mir ist egal, wie alt du bist und wie alt ich bin und wie alt die Frauen sind, die mit mir flirten. Ich habe mich ich dich, nur in dich verliebt und ich bin noch genauso verrückt nach dir, wie am Anfang. Glaubst du echt, dass ich dich austauschen würde?“
„Selbst nicht für eine schöne Frau wie Cosima?“
„Jetzt bin ich eifersüchtig“, sagte Rebecca und schmollte scherzhaft. „Findest du sie schöner als mich?“
„Sei doch nicht verrückt.“
„Das sage ich auch zu dir. Sabine Kaiser, du bist für mich die schönste Frau auf dieser Welt.“
„Das sagst du nur so.“
„Die schönste, heißeste und tollste Frau, der ich je begegnen durfte. Ich bin so glücklich mit dir.“ Sie seufzte. „Und ich bin etwas traurig, dass du glaubst, ich würde dich so einfach austauschen.“
„Nein, das habe ich doch überhaupt nicht geglaubt“, murmelte Sabine und nahm Rebeccas Gesicht zwischen ihre Hände. „Es tut mir leid, Schatz. Ich war so dumm.“
„Du liebst mich eben, hm?“
„Und wie. Ich bin auch komplett verrückt nach dir …“
Sie sahen sich eine Weile an. Dann flüsterte Sabine:
„Sobald Hubert und Girwidz zurück kommen, verschwinden wir für eine Weile …“
„Du bist tatsächlich verrückt“, kicherte Rebecca.
„Nach dir, ja. Ich brauche dich. Am Liebsten jetzt sofort.“
„Solange nichts los ist …“, begann Rebecca leise, doch Sabine schüttelte den Kopf.
„Stell dir vor, die Kollegen kämen zurück und erwischten uns!“
„Das wäre fatal“, erwiderte Rebecca, klang jedoch nicht gerade ernst. Dann zog sie Sabine an sich und ließ ihre Lippen miteinander verschmelzen.
Nach einem langen, innigen Kuss hielten sie sich noch für ein paar Minuten.
„Alles Liebe zum Jahrestag“, murmelte Rebecca in Sabines Ohr. „Du bist mein Ein und Alles.“
Sabine lächelte. „Ich will dich meinen Eltern vorstellen.“
„Ja? Echt?“
„Ja, echt.“ Sabine seufzte. „Und meiner Schwester, ihrem Mann und deren Tochter. Es ist an der Zeit. Wir sind immerhin schon drei Jahre zusammen.“
Rebecca grinste. „Drei?“
„Ein Jahr oder drei, ist doch egal“, sagte Sabine. „Oder fünf oder zwanzig. Wir lieben uns und nur das zählt.“
„Kitschig, aber wahr“, sagte Rebecca sanft.
Sabine küsste sie erneut, überglücklich darüber, so eine wundervolle Freundin zu haben. Glücklich darüber, so eine tolle Beziehung mit ihr zu führen.
Der Kuss schien nicht enden zu wollen, erst als sie das Knallen der Autotür von Wagen 3 vorm Revier hörten, stoben sie auseinander.
Rebecca warf Sabine noch schnell einen Kuss zu, bevor sie aus dem Büro huschte und ihre Rolle als Polizeimeisterin, die keine Beziehung mit ihrer Chefin führte, wieder antrat.
Und Sabine bereitete sich darauf vor, wieder die strenge Chefin, die nicht Hals über Kopf in ihre jüngere Angestellte verliebt war, zu spielen.
Drei Jahre taten sie das schon … Und würden es hoffentlich noch länger fortführen.
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