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1000 Ways to Die in the West - Die Memoiren eines Flohgeistes

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
Myouga
19.05.2022
24.11.2022
19
45.678
3
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24.11.2022 1.379
 
Zweifle nicht an dem, der dir sagt, er hat Angst
Aber hab Angst vor dem, der dir sagt, er kenne keine Zweifel.
Erich Fried

Tja, wie hatte ich den Taishō kennen gelernt und was alles durfte ich der Dame erzählen? Eine Lüge würde sie definitiv wittern – mit unschönen Folgen für mich, auch, wenn ich wohl am Leben bleiben würde. Zumindest, bis der Herr von einem Patzer meinerseits erfuhr. Zum ersten Mal bemerkte ich, in was für eine mächtige, aber auch schwierige, Familie ich da reingeraten war.
„Äh, es war vor einigen Jahren, edle Dame. Ich war auf dem Weg zu meinem neuen Lehrer. Nekohiko. Er lebt im Wald Hekashin. In den Einöden des Hoyama verlor ich meinen Weg und war dem Hungertod nahe, als ich Yōki spürte, sehr mächtiges Yōki. Irgendwann, ich weiß nicht mehr genau wie lange es dauerte, ich war wirklich sehr schwach geworden, erreichte ich einen unverkennbaren Kampfplatz und folgte der Fährte des Siegers. Nicht gerade in der Hoffnung er ließe mich trinken, aber in der vagen Hoffnung er kenne den Ausweg aus diesen Einöden. Ich war sehr schwach, ja, dem Tode nah. Noch kaum mehr bei Bewusstsein kroch ich in sein Fell. Natürlich fand er mich.“ Ich sah vorsichtig auf, aber sie hörte nur zu, sah schweigend geradeaus, ohne in ihrem Spaziergang inne zu halten. „Ich wusste, dass mein Leben zu Ende war und bat ihn um einen schnellen Tod. Stattdessen erlaubte er mir sein Blut zu trinken und rettete mir damit das Leben. Danach unterhielten wir uns. Ich erzählte von meinem Plan in den Hekashin zu gehen und er erwähnte, dass er zu dem Fürsten des Westens gehen wolle um dessen Taishō zu werden. Danach trennten wir uns.“ Jetzt sollte ich noch besser aufpassen. „Ich lernte vieles bei Meister Nekohiko. Eines Tages kam jemand vorbei, der dem Meister erzählte, dass der Westen den Heerbann aufrief und der Taishō verschwunden sei, wohl von Drachen entführt. Ich musste sowieso den Hekashin zu diesem Zeitpunkt verlassen, aber das war nicht der alleinige Grund. Vielleicht glaubt Ihr es nicht, edle Dame, aber auch ein Flohgeist hat Ehre. Der Taishō hatte mir das Leben gerettet. Da das Heer nicht durch den Bannkreis der Drachen käme, blieb nur die Hoffnung, dass die Magier, die ihn gelegt hatten, nicht an ein so kleines, schwaches Wesen wie mich gedacht hatten. Meister Nekohiko gab mir etwas mit, damit ich einmal durch den Bannkreis käme. Eine Person einmal.“
„Der Taishō hinaus.“
„Ja. Wenn der Bannkreis auch mich abweisen würde, wäre es das. Nun ja. Ich entkam den Drachenwachen und spürte nicht einmal, dass ich durch den Bannkreis gelangte. Plötzlich erkannte ich vor mir die Drachenfestung. Ich suchte einen unauffälligen Weg hinein, was sich als recht schwer entpuppte. Ich habe es nicht mit Magie und der Eingang liegt ebenfalls hinter einem Bannkreis verborgen. Ich fand jedoch ein Rohr, mit dem wohl ab und an Wasser aus der Burg in den Graben geleitet wurde. Natürlich war es auch gesichert  und der Zauber schmerzte, aber … Nun ja. Ich schaffte es ungesehen bis zum Thronsaal der Drachen.“
Jetzt blieb die Regentin nicht mehr ganz so ungerührt und wandte mir den Kopf zu, ohne jedoch stehen zu bleiben.
„Gerade zu recht, werte Dame, denn der König hatte sich eben entschlossen den Heiler zu dem Taishō zu schicken, damit dieser sich weit genug erholen könne um am nächsten Tag hingerichtet zu werden. Ich … ich klammerte mich an den Mantel des Heilers und gelangte so in den Kerker, zu dem Taishō. Dort verbarg ich mich, während der Heiler seine Aufgabe erledigte und verschwand. Dann gab ich mich dem Herrn zu erkennen. Es gelang mir die Fesseln aufzumachen, so dass er …“ Fliehen war ein ziemlich heikles Wort und da war auch noch das Abflussrohr. „Nun ja. Er tötete den Wachposten vor der Tür und ich wies ihm den Weg, wie ich hineingekommen war.“ Nur nicht erwähnen, dass es durch eine Badewanne gegangen war, wie eng es gewesen war. „Der Herr erholte sich rasch und wir kamen zu dem Bannkreis, den ich mit Hilfe des Zaubers meines Meisters auch für den Taishō öffnen konnte. Durch einen Umweg über den Norden des Hoyama entging der Herr den Drachenposten, die vornehmlich südlich aufgestellt sind und kam her, um sein Schwert wieder aufzunehmen.“
„Warum hatte er es verborgen?“
„Es steht mir nicht zu ihn danach zu fragen, werte Dame.“ Das sollte sie selbst wissen und klang sicher besser, als dass er es einem vorlauten, vertrottelten Schmied in die Pfoten gedrückt hatte. Oder dass ich ihm den Tipp gegeben hatte wo die Drachenposten standen.
Sie schloss auch nur kurz die Augen, ehe ein Lächeln um einen Mundwinkel spielte, das mir einen eisigen Schauder über den Rücken jagte. „Floh, gleich, was du dem Taishō getan hast – versuche einmal von meinem Welpen zu trinken und du stirbst. Gleich.“
Schade, aber das war ja zu erwarten gewesen. Dennoch meinte ich: „Bitte, traut mir etwas Überlebensinstinkt zu, Herrin. Ich werde niemals das Blut eines Daiyōkai ohne dessen Einladung trinken.“
„Du hast es bereits versucht.“
Sie hatte aufgepasst und war intelligent. „Das stimmt, aber ich war da bereits mehr tot als lebendig.“ Das mit der Blutlinie könnte ich vielleicht später einmal versuchen, wenn der Welpe älter wäre und nicht mehr so von seiner Mutter bewacht wurde. Dachte ich zumindest. Ich konnte ja nicht ahnen, dass der Sohn, der älteste Sohn des Taishō ein dermaßen, äh, reizendes Temperament besitzt. Damals war er nur gut einen Meter groß, ohne den Schwanz mitzurechnen, und konnte sich noch nicht einmal in seine Menschenform verwandeln. Dennoch war sein Yōki bereits deutlich und beachtenswert. Nun ja, bei den Eltern?

Der alte Flohgeist atmet tief durch. „So, Miroku, hier kannst du aufhören zu schreiben, denn der zweite Band soll beinhalten, wie ich als Berater fungierte und dergleichen.“
Der Mönch legt erleichtert die Feder aus der schmerzenden Hand und betrachtet nachdenklich die Papiere. „Das willst du wirklich veröffentlichen?“
„Ja, warum nicht? Ich bin doch der Einzige noch, der das alles weiß.“
„Lebt diese Dame noch?“
„Äh, sie. Ja, sicher. Ich gehe auch davon aus, dass der Herr ihr das Meiste damals unter vier Augen dann erzählte.“
„Und du willst wirklich veröffentlichen, dass der Taishō so geschwächt war, durch ein Abflussrohr kriechen musste …“ Miroku seufzt. „Du weißt doch vermutlich, was Sesshōmaru von seinem Vater hält? Und du glaubst, der würde dir eine solche Blamage seines Erzeugers durchgehen lassen?“
„Das sollen ja nur Menschen lesen, soll nur für Menschen veröffentlicht werden,“ erklärt Myōga unverzüglich, ohne verhindern zu können, dass plötzlich eine große Schweißperle auf der Stirn steht. „Ich glaube kaum, dass er je Bücher für Menschen in die Hand nimmt, wo er selbige doch so gar nicht schätzt.“
„Ich will deinen Optimismus nicht trüben, aber … Kagome? Wenn sie Inu Yasha erzählt, dass ein Buch über seinen Vater existiert und der das beim nächsten Duell, äh, Trainingskampf der Zwei erwähnt? Überdies ….“ Er nickt nach außerhalb des Hauses, wo der freudige Aufschrei eines jungen Mädchens zu vernehmen ist.
„Sesshōmaru-sama!“
Der Mönch zuckt ein wenig die Schultern. „Es ist natürlich dein Buch, es sind deine Memoiren. Und es ist dein Leben.“
„Dann hätten wir uns doch ganz umsonst die Arbeit gemacht.“ Myōga verschränkt zwei Hände und kratzt sich mit der dritten an der mittlerweile schweißgebadeten Stirn. „Ich sehe ja durchaus die Bedenken und die Zweifel und… Aber, weißt du was? Du nimmst alle Blätter und wirfst sie in den Knochenfressenden Brunnen. Mit ein bisschen Glück verschwinden sie in der Zeit, in die Zeit, aus der Kagome stammt. Dann werden es doch nur Menschen lesen.“

Miroku ist sich da nicht ganz so sicher.
Kagome hatte einmal Shippō erzählt, dass der Gedanke an Kitsune nicht ausgestorben sei, obwohl sie in ihrer Zeit keine Dämonen mehr, nun, so gut wie, gesehen habe. Es gäbe noch immer die Erinnerung an einen Feuerfuchs in diesem Netz oder wie sie es genannt hatte.
Aber gut. Da draußen schlendert irgendwo ein sehr mächtiger Hundedämon durch das Dorf, den eine Beleidigung seines Vaters zu sehr finalen Aktionen treiben könnte. Sein eigenes Schwarzes Loch existiert auch nicht mehr. Nun gut. Der Knochenfressende Brunnen hatte einst sogar das Höllenschwert abbekommen und es in Kagomes Zeit transportiert. Warum also nicht ein paar Blätter. Er steht auf.
„Also schön, Myōga. Dann gehen wir mal hinüber. Myōga? Flohopa?“
Aber der ist bereits über alle Berge.
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