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If they ever meet

Kurzbeschreibung
GeschichteMystery, Action / P16 / Gen
Black Widow / Natasha Romanoff Doctor Strange / Stephen Vincent Strange Iron Man / Anthony Edward "Tony" Stark Loki OC (Own Character) Spider-Man / Peter Parker
19.05.2022
23.06.2022
5
28.932
7
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Dieses Kapitel
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23.06.2022 8.312
 
Ich Entschuldige mich gleich vorab, dieses Kapitel ist wieder unverschämt lang geworden, weil mir immer wieder zu verschiedenen Stellen noch weitere Ergänzungen eingefallen sind...

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Die Sonne schien auf sie runter. Genau wie Gin blinzelte Loki gegen das grelle Sonnenlicht. Nachdem sie mehr als zwei Monate keins gesehen hatten, mussten sich die Augen erstmal wieder an die strahlkräftig, natürliche Helligkeit gewöhnen. Der frische Geruch der Natur, welcher nicht nur angenehm war, lag in der Luft und signalisierte ihm, dass sie tatsächlich in einer ländlichen Gegend Midgards gelandet waren. Allerdings wohl nicht unbedingt in der Nähe New York Citys, denn da gab es solch saubere Luft nicht.
Von leichter Neugier getrieben schaute er sich um, allerdings weit weniger verwirrt als sein Rotschopf. Ihr Kopf huschte so schnell von links nach rechts und wieder zurück, dass er sich ernsthaft fragte, ob sie bei der Geschwindigkeit überhaupt etwas erkennen konnte.
Sie schienen auf halber Höhe eines Berges gelandet zu sein. Unter ihren Füßen ein zwei Meter breiter Naturweg, der hauptsächlich aus kleineren Steinen und getrockneter Erde bestand. Zu ihrer linken säumten sich am Wegrand verschiedenste Laubbäume, welche dem Anstieg des Berges nach oben folgten. Zu ihrer rechten konnte man durch die Blätter weiterer Baumkronen einen Blick auf ein atemberaubendes Bergpanorama auf der gegenüberliegenden Seite erhaschen. Er schätze stark, dass die nächste Ortschaft irgendwo unter ihnen im Tal lag.
„Ganz schön viele Berge, oder?“ merkte seine Begleitung gleich an.
„Offensichtlich.“
„Weißt du, wo wir sind?“
Entgeistert begegnete er ihrem Blick. War das ihr Ernst? Woher sollte er das wissen? Midgard war ihre Heimat, nicht seine. Noch dazu war es nicht so, als ob er ein eingebautes Navigationsgerät besaß, dass ihm immer automatisch signalisierte, wo er sich gerade befand. Unglaublich, was sie manchmal von ihm erwartete!
„Woher soll ich das wissen? Ich bin keiner von Starks allwissenden Robotern.“, entgegnete er sachlich.
„Du hättest auch einfach ‚nein‘ sagen können.“ Erwiderte sie darauf gelassen. Vermutlich sollte er froh sein, dass sie so ruhig reagierte, nachdem sie ihm doch vor wenigen Minuten am liebsten noch an die Gurgel gesprungen wäre.
„Nein…“, sagte er also, als just ein älteres Ehepaar, wie aus dem Nichts um die nächste Ecke Bog, an ihnen vorbeimarschierte und mit „Grüß Gott!“ grüßte. Das 'R' dabei wunderbar gerollt.
Gins Augen hatten die Größe von den goldenen Servierplatten, die zu besonderen Anlässen und Feierlichkeiten immer in Asgard aufgetischt worden waren.
Kein Wunder, denn sie verstand bestimmt kein Wort. Nicht das er, bei dem eigenwilligen Dialekt, viel mehr verstanden hatte.
„Was war das denn für eine Sprache?“ Wollte sie auch gleich neugierig, wie immer, wissen.
„So etwas Ähnliches wie deutsch… nehme ich an.“ Um ihr die zukünftige Kommunikation leichter zu machen, wandte er mit einer Handbewegung mal wieder seinen ‚Allsprachigkeitszauber‘ auf sie an, während sie wieder das Wort ergriff.
„Oh… Also müssen wir über den Atlantischen Ozean, um nachhause zu kommen?“
Ihre Geografischen Kenntnisse waren noch nie die besten, aber wenigstens das schien sie tatsächlich zu wissen.
„Scheint so.“
„Wie viele Meilen sind das?“
Schon wieder so eine Roboterfrage, die er nur schätzen konnte.
„Ich schätze um die viertausend…“
„Oh…“ Kam es erneut äußerst ernüchternd, während sie sogleich damit beschäftigt war, in ihrem eilig gepackten Rucksack nach etwas zu suchen.
„Was suchst du?“
„Mein Handy, damit wir jemanden anrufen können, der uns abholt.“
„Wir brauchen keinen, der uns abholt!“ Entgegnete er beinahe entrüstet.
Als sie den Blick vom Inhalt des Rucksacks löste und ihn ansah, breitete er die Arme in einer Geste aus, die besagen sollte: Ich bin hier und kann uns nach New York bringen!
Doch sogleich sah er nach langer Zeit mal wieder die leichten Zweifel in ihrem Blick.
„Es… Ist ziemlich weit…“ gab sie vorsichtig zu bedenken.
„Ja, und?“, fragte er herausfordernd zurück.
„Na ja… Ich bezweifle nicht, dass du diesen Weg allein zurücklegen könntest, aber zu zweit…?“ Es war wirklich Jahre her, seit sie das letzte Mal an seinen Fähigkeiten gezweifelt hatte! Warum also jetzt plötzlich wieder?
„Sei mir bitte nicht böse, aber …ich… möchte nur äußerst ungern wieder mitten im Atlantik landen.“ Endete sie schließlich vorsichtig.
Doch bei ihrer Vergangenheit verstand er sofort. Sie war nicht die Einzige, die dieses Erlebnis stark mitgenommen hatte. Niemals würde er das Gefühl vergessen, als er sie leblos in dem voll Wasser gelaufenen Container treiben gesehen hatte.
Zudem hatte es beinahe drei Monate oder gar noch etwas länger gedauert bis sie nach ihrem Ertrinken, ihre Angst gegenüber Wasser endlich gänzlich überwunden hatte.
Und obwohl er sich sicher war, dass er Magie-technisch dazu in der Lage war, sie beide sicher nach Amerika zu befördern, so gab er angesichts ihrer ausgesprochenen Ängste dieses eine Mal nach, ohne zu diskutieren. Wenn sie sich auf diese Entfernung in einem Fluggerät sicherer fühlte, würde er sich ausnahmsweise kommentarlos ihrem Wunsch beugen…
Außerdem wollte er nicht schon wieder mit ihr in Streit geraten, wo der jüngste doch noch keine vier Minuten her war und sie sicherlich noch immer ‚restsauer‘ auf ihn war, auch wenn sie es gerade gut verbarg.
„Okay. Dann rufen wir jemanden an.“ Antwortete er versöhnlich.
Sie lächelte tatsächlich dankbar, bevor sie die Suche in ihrem Rucksack fortsetzte.

„So ein Mist, es will sich nicht mal mehr einschalten lassen vor lauter Akku schwach…“ stellte sie wenige Augenblicke später fest und packte das Mobiltelefon in den Rucksack zurück. Anschließend zögerte sie lediglich noch einen kurzen Moment, in dem sie sich anscheinend einen Plan zurechtgelegt hatte, bevor sie sich zielsicher, was bei ihrer Orientierung nie ein gutes Zeichen war, nach rechts drehte und losmarschierte.
Wie schön, dass sie mich mal wieder so detailliert in ihre Pläne einweiht! Dachte er ironisch. Okay, vielleicht gehörte das auch zu ihrer Rache wegen des Tesserakts. Allerdings blieb sie nach nur drei Schritte stehen, als wäre ihr etwas eingefallen. Im nächsten Moment wandte sie sich erneut an ihn.
Vielleicht ist ihr ja endlich aufgefallen, dass sie wenigstens nach meiner Meinung fragen könnte!
„Kannst du uns vielleicht in etwas alltagstauglichere Kleidung stecken?“ Formulierte sie ihre Frage vorsichtig.
Zu früh gefreut, offenbar interessierte seine Meinung nicht im Geringsten.
Er schaute erst an ihr, dann an sich selbst hinunter. Sie waren in feinstes und gleichzeitig robustes asisches Leder gekleidet. Was hatte sie denn dagegen einzuwenden? Und genau diese Frage schien sein Blick auch nonverbal zu stellen. Denn sie antwortete:
„Wir müssen irgendwo jemanden finden, der uns hoffentlich ins Ausland telefonieren lässt, da mein Handy keinen Saft mehr hat. Und ich denke nicht, dass wir sehr vertrauenerweckend wirken, wenn wir wie zwei Freaks aus einem ‚Gamer-Real-Life- Rollenspiel‘ oder gar aus einem Cosplay oder ähnlichem Firlefanz aussehen.“
Er hatte keine Ahnung wovon sie da gerade mal wieder redete, aber da sie wie schon erwähnt die Einheimische war und nicht immer falsch lag, verließ er sich besser mal auf ihre Einschätzung. Mit einer weiteren Handbewegung kam er ihrer Bitte nach.
Da er nicht wusste, welche Kleidung sie als passend erachtet, beschloss er, dass man mit Jeans und T-Shirt sicher nicht viel falsch machen konnte, wenn man sich Anfang Juli, an einem sonnigen Tag bei gefühlten dreiundzwanzig Grad, auf halber Höhe eines Berges befand. Auch wenn er persönlich kein großer Fan solch legerer Bekleidung an sich selbst war.
Bei Odins Bart, wie viele äußerst unterhaltsame Diskussionen hatten sie deswegen schon gehabt, weil sie ihn beispielsweise für einen einfachen Grillabend in adrettem Anzug zu herausgeputzt fand. Bei diesen Erinnerungen musste er noch heute schmunzeln.
„Danke“ kam es wohlerzogen von ihr, bevor sie entschlossen ihren Weg fortsetzte. Weiterhin ohne ihn einzuweihen wohlgemerkt!! Und doch folgte er ihr.
„Bist du sicher, dass diese Richtung uns auf kürzesten Weg in die Zivilisation führt? Ich meine, wenn man bedenkt, wie es um deine Wegentscheidungen sonst immer bestellt ist…“ äußerte er seine Bedenken sowohl mit Bedacht als auch mit einer kleinen unüberhörbaren Spitze gegen sie.
Völlig unberührt von seiner leisen Kritik zuckte sie kurz mit den Schultern, bevor sie antwortete.
„Na ja, es ging nur in die eine oder in die andere Richtung, also liegen die Chancen bei fünfzig Prozent, dass wir richtig sind. Und groß falsch können wir eigentlich nicht gehen. Früher oder später führen wahrscheinlich beide Wege nach unten ins Tal.“
Nun, das war nicht unlogisch gedacht. Irgendwo mussten sie schließlich anfangen und einfach aufs Geratewohl irgendwohin teleportieren barg immer ein gewisses Risiko. Und wenn er ganz ehrlich war, dann war etwas Bewegung an der frischen Luft, nachdem sie knapp über zwei Monate in einem Raumschiff festgesteckt hatten, gerade einfach himmlisch. Zumal die angenehm sommerlichen Temperaturen ebenfalls geradezu einladend waren.
Der Rotschopf schien die Meinung zu teilen, denn ein zufriedener Gesichtsausdruck, mit der Spur eines leichten Lächelns schmückte ihr Gesicht. Vielleicht sollte er sich dennoch darauf einstellen, dass die von ihr gewählte Richtung vermutlich zuerst auf den Berg führte, bevor es ins Tal ging. Sie würde wieder wie ein Rohrspatz vor sich hin schimpfen und konnte letztlich doch keinem anderen als sich selbst die Schuld geben. Das würde ein Spaß werden!!

Doch augenscheinlich hatte Gin zum ersten Mal in ihrem Leben den richtigen Weg gewählt. Denn nach nicht mal einer Stunde erreichten sie eine äußerst belebte Bergwirtschaft. Hier würde sich sicher mit Leichtigkeit ein Telefon finden lassen.
Gemeinsam betraten sie die gut besuchte Sonnenterrasse und schauten sich kurz um. Einmal mehr war er verblüfft, als die Rothaarige sich, nach kurzem Umschauen, wieder zielstrebig in Bewegung setze. Doch zu seiner Verwunderung peilte sie weder den ersten, noch den zweiten, noch den dritten oder vierten Tisch an, um sich von diesen Herrschaften kurz ein Mobiltelefon zu borgen, nein. Aus ihm unbegreiflichen Gründen musste es wohl unbedingt der fünfte Tisch sein. Dass sie die drei jungen Leute, welche dort saßen, kannte, schloss er aus.
Es war ihm absolut unbegreiflich, dass sie ausgerechnet den Tisch mit den drei Personen anpeilte, obwohl die anderen mit mindestens fünf bis sechs Personen besetzt waren, und die Wahrscheinlichkeit nach einem Telefonat dort viel höher war.
Weiber! Dachte er augenverdrehend und kopfschüttelnd. Doch er ließ sie einfach mal machen. Sie würde auf seine Ratschläge sowieso, wie immer, nicht hören und diese gekonnt ignorieren.

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Ich kann nicht vernünftig erklären, warum ich zielstrebig auf das junge Trio,- ich vermute alle noch keine zwanzig Jahre jung-, am fünften Tisch zuhalte, als wären die anderen Tische davor nicht besetzt. Es ist wie ein innerer Sog, der mich dorthin zieht.
Loki runzelt deswegen bestimmt schon wieder unverständlich die Stirn und schüttelt den Kopf über mich. Aber was solls. Er läuft ja hinter mir, da sehe ich es ja nicht.
„Hallo, schönen guten Tag. Ich weiß, die Frage ist doof, aber dürften wir uns kurz ein Handy von euch ausborgen? Meins hat keinen Akku mehr.“ Komme ich nach einer kurzen Begrüßung direkt zur Sache und könnte Loki heimlich dafür anbeten, dass er diesen Verständigungszauber draufhat.
Erwartungsvoll studiere ich die Gesichter vor mir. Die beiden Mädels sind sich, auf den ersten Blick, vom Aussehen her verblüffend ähnlich. Beide absolut hübsch, schlank, mit hellbrauen Augen und aschblonden Haaren und selbst im Sitzen ziemlich groß. Doch hat die am Geländer sitzende eine trendige Bobfrisur in Kinnlänge, während die andere daneben ihre Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden hat, und an ihrer linken Seite unverkennbar eine violette Strähne leuchtet. Der anwesend, blondlockige, Brille tragende Junge war entweder ein Bruder oder ein Freund und im Sitzen ebenso groß, wie die Mädchen.
Während ich von der jungen Frau mit Pferdeschwanz eher nur angestarrt werde, erwidert die andere mit der Bobfrisur mein Lächeln beinahe sofort herzlich und antwortet mit unverkennbar verschobenem Akzent, den ich noch nicht zuordnen kann:
„Kloar, kein Problem.“
Kurz greift sie suchend in ihren Rucksack, fordert das gute Stück zutage und reicht es mir rüber.
„Ähm… Ich müsste aber ins Ausland telefonieren…“ merke ich wegen der Kosten an, bevor ich mit meinem Daumen auf den Asenprinzen weise und ergänze. „Mein Freund wird euch den Anruf bezahlen!“
Schließlich ist er derjenige, der mit einer einzigen Handbewegung nicht nur den Zaster, sondern auch noch in entsprechender Währung erscheinen lassen kann.
„Passt scho.“ Kommt es locker von ihr, was ich mal als ‚Okay‘ interpretiere.
„Vielen Dank.“ Sage ich aufrichtig, bevor ich mich mit dem entsperrten Telefon in der Hand zu meinem Begleiter umdrehe und überlege, welche Nummer ich auswendig kenne. Sofort fällt mir Sandra ein, aber die wird mir leider nicht helfen können. Außer über drei Ecken vielleicht, aber das wäre ganz schön kompliziert.
Eventuell bekomme ich ja Natashas Nummer aus dem Kopf zusammen. Und ich fange, zu meinem eigenen erstaunen, gleich zielsicher an zu wählen. Es klingelt fünfmal, bevor ich weggedrückt werde. Hey! Beleidigt wähle ich gleich noch mal von vorn für den Fall, dass ich mich vielleicht doch verdrückt oder verwählt habe. Doch wieder werde ich am anderen Ende kommentarlos weggedrückt. Vielleicht, weil sie die Nummer nicht kennt?
Na schön, mal sehen, wer von uns hartnäckiger ist!
Doch schon beim dritten Versuch wird endlich abgehoben.
„Wer ist da?“ Möchte sie misstrauisch, und nicht besonders freundlich wissen. Doch ich erkenne ihre unverwechselbare Stimme sofort.
„Nat? Ich bins, Gin…“ weiter komme ich nicht…
„Gin!! Na endlich! Wo bist du gewesen? Geht es dir gut? Becks und ich sind seit Wochen auf der Suche nach dir. Was denkst du dir dabei, einfach ohne Ankündigung und ohne eine Spur zu verschwinden? Und dann auch noch für so lange Zeit? Kannst du dir vorstellen, was sich alle für Sorgen gemacht haben? Wir haben uns mittlerweile das Schlimmste ausgemalt! Vor allem nach dem Traum von deiner Tante vor fast drei Monaten! Ich hoffe, du hast eine gute Erklärung für alles!“
Ui…das nenne ich mal eine Ansage. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie erst gar nicht mit mir sprechen wollte.
„Das war so nicht geplant. Es gab einen Notfall in Asgard. Genaueres erzähle ich euch später. Könnt ihr Loki und mich vielleicht abholen kommen? Wir sind… ganz schön weit weg von zuhause.“
„Klar, wo genau seid ihr denn?“
Tja… Das ist die Frage, auf die ich immer noch keine genaue Antwort habe. Auf die Idee, einfach das nette Trio zu fragen, komme ich nicht. Viel zu einfach. Stattdessen sage ich:
„Äh… Irgendwo in den Bergen, wo man laut Loki, so etwas ähnliches wie Deutsch spricht…“
Schweigen am anderen Ende der Leitung.
„Geht es vielleicht etwas genauer? Was siehst du noch als Anhaltspunkt?“ fragt die Black Widow zurück.
„Was gibt es hier noch?“ Gebe ich die Frage an Loki weiter.
Genau wie ich schaut er sich um, bevor er mit „Riesenschnitzel“ antwortet.
Na super! Das hatte ich auf der zur Schau gestellten Speisetafel auch schon gelesen, aber als nicht sehr hilfreich empfunden.
„Ja, das wird Natasha sicher helfen uns zu finden…“, sage ich trocken, bevor ich diese bescheuerte Information trotzdem weitergebe - man weiß ja nie- und prompt des Rätsels Lösung weiß, als mein Blick auf die Speisekarten, welche auf den Tischen verteilt liegen, fällt.
„Warte kurz.“ Hänge ich auffordernd an, bevor ich mir eine der Menükarten vom Tisch der jungen Leute schnappe und diese umdrehe, um Name und Adresse ablesen zu können, die dort ja immer abgedruckt sind. „Wir sind auf der ‚Sonna Alp‘…“, und rattere die Adresse für sie runter. „Kleinwalsertal in Österreich. Wo auch immer das liegt…“
In dem Moment überkommt es mich.
Warte! Ich bin in Österreich?!?!?!?
„Ist dort gleich ein Sessellift?“, fragt die Spionin wenige Augenblicke später nach, was ich nach nochmaligem umschauen bestätige. Tatsächlich sehe ich den von hieraus, wenn man weiß, wo man hingucken muss.
„Gut, dann begebt euch später runter ins Tal und haltet euch an der Hauptstraße linnks. Dort kommt laut Google Maps nach zirka dreihundert Metern rechts ein Hotel mit einer großen Wiese, die man vermutlich als Hubschrauberlandeplatz nehmen kann. Dort holen wir euch ab. Wir sind in etwa drei Stunden da.“
„Vielen Dank, Nat.“
Damit beende ich das Gespräch, reiche das Smartphone mit einer weiteren Danksagung an die blutjunge Besitzerin zurück und schenke allen nochmal ein herzliches Lächeln, bevor ich mich zu meinem Freund drehe.  
„Was machen wir jetzt so lange?“, werde ich auch sofort vom nordischen Halbgott gefragt.
„Riesenschnitzel essen?“ Schlage ich vor. Denn nach der wenig abwechslungsreichen Kost an Bord des Raumschiffes hätte ich gerade so richtig Appetit darauf.
Loki lächelt mich amüsiert an und schaut sich vergeblich nach einem freien Sitzplatz um.
„Wenns ihr mögt könntser euch zu üs setzen.“ Meldet sich der anwesende Typ zu Wort.
„Sehr gerne, danke.“ Antworte ich mit strahlendem Lächeln und lasse mich direkt neben dem zweiten Mädchen, auf der Frauenseite nieder, während Loki auf der Bank neben dem jungen Kerl mit der Brille Platz nimmt.
„Ich bin Gin, das ist mein Freund Loki.“ Stelle ich uns kurz vor.
„Servus, i bin die Rosamunde, aber ihr könnts Rosi sega. Des isch die Sophie, und ihr Bruder Lutz.“ Stellt auch sie alle kurz vor und ich kann nur denken, dass ‚Lutz‘ wahrscheinlich der coolste Name ist, den ich je gehört habe!
„Gin isch aber ach an ungewöhnlicher Name…“ Merkt Sophie an und sagt damit zum ersten Mal auch etwas zu uns.
Ich erröte dezent als ich gestehe: „Naja eigentlich heiße ich Geraldine, aber das würde keiner freiwillig zugeben, deswegen stelle ich mich immer nur als Gin vor.“
Rosi, die mit der Bobfrisur, lacht laut über meine Aussage und entblößt dabei perfekte weiße Zähne, bevor sie meint:
„Ah, also bischt au so ne arme Sau wie i mit so am furchtbaren Namen.“ Zwinkert mir die Aschblonde zu, und ergänzt: „Sinds die schlimmen Namen bei dir in der Familie au Tradition?“
„Puh… gute Frage. Das ist vermutlich Auslegungssache. Meine Tante hieß ursprünglich Imogene, was auch mein zweiter Vorname ist, doch jetzt heißt sie Rebecca… Es ist eine lange Geschichte. Doch das sind eigentlich die einzigen schlimmen Namen bei uns, würde ich behaupten. Was meine Mutter sich damals genau dabei gedacht hat, mich Geraldine Imogene zu nennen, erschließt sich mir allerdings bis heute nicht. Aber wieso sind üble Namen bei dir in der Familie so Sitte?“
„Des woiß i net, aber in meiner Familie fangen die Mädchennamen scho seit voll vielen Generationen immer mit R-O-S an, so wie Rosalie, Rosemarie, Roswita, Rosalinde, Rosa, Roseline, Rosamund, Rosamunde und so weiter. Da musst scho zugeben, dass die wenigsten Namen ordentlich klingen.“
Ich lächle die bildhübsche junge Frau warm an, denn da hat sie recht. Doch bevor ich ihr mein tiefstes Mitgefühl ausdrücken kann, ergänzt sie noch:
„Da hats die Sophie noch a wenig besser. Ihre Seite der Familie hats mit dem Schmarrn scho vor Generationen aufgehört.“
Ich schenke auch ihr ein Lächeln, als die Kellnerin im feschen Dirndl an unseren Tisch kommt und nach unseren Wünschen fragt. Nach einem kurzen Blick in die Speisekarte bestelle ich ein Walserbier- wenn man schon im Kleinwalsertal ist, sollte man das mal probieren, oder?-, dazu einen Almdudler,- weil sogar die weniger gesprächige Sophie meint, dass der nur in Österreich so richtig lecker schmeckt, und natürlich das Riesenschnitzel. Loki begnügt sich mit einer großen hausgemachten Limonade und schließt sich mir bei der Essenswahl an.

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Etwas ungläubig über den überraschenden Anruf ließ Natasha das Handy sinken, bevor sie in die neugierigen Gesichter vor ihrer Nase schaute.
„Das war Gin. Ihr scheint es tatsächlich gutzugehen.“
Aufatmend meldete sich die erste, der drei weiteren anwesenden Personen zu Wort.
„Na endlich. Gott sein Dank! Hat sie gesagt, wo sie war?“ wollte ihre beste Freundin Sandra sofort sichtbar erleichtert wissen.
„Und warum sie vor ihrer Abreise nicht Bescheid gesagt hat?“ Schoss Clint die nächste Frage hinterher.
„Genaueres wollte sie uns später erklären. Das Einzige, was ich bisher weiß ist, dass es in Asgard wohl irgendeinen Notfall gab.“ Wiederholte sie das eben gehörte mit einem Blick auf Becks.
„Vielleicht wollte mir der Traum das sagen? Aber nach den Bildern, die er mir gezeigt hat, habe ich mir weit schlimmere Sachen ausgemalt.“ Merkte diese betroffen an. „Es tut mir leid, dass ich so einen Wirbel gemacht, und euch mit meiner Angst und Paranoia um ihre Sicherheit ebenfalls verrückt gemacht habe.“ Entschuldigte sich die Brünette gleich anschließend.
„So ein Quatsch. Sie liegt uns allen am Herzen. Wir wissen noch nicht, was genau passiert ist und wie schlimm es war. Aber ganz ohne wird es wohl nicht gewesen sein, sonst wäre sie nicht fast drei Monate lang verschwunden gewesen. Außerdem durfte ich schon am eigenen Leib erfahren, was deine Träume so draufhaben!“ winkte der treffsichere Bogenschütze ab, während die Black Widow bereits aufstand und anfing das wichtigste zusammenzusuchen.
„Schon verrückt, dass sie just in dem Moment anruft, in dem wir alle in ihrer Wohnung versammelt sind, um zu überlegen, wie es hier weitergehen soll.“ Merkt diese währenddessen an.
„Ja, zum Glück waren Becks und ich uns einig, die Miete vorerst weiterzubezahlen. Es ist schon fast lächerlich, wie sehr sie an dieser Wohnung hängt.“ Gab Sandra belustigt wieder. Man sah und merkte direkt, wie erleichtert diese über das Lebenszeichen ihrer langjährigen Freundin war.
„Wo genau ist sie jetzt eigentlich?“ Wollte die einzig anwesende Blutsverwandte wissen.
Geschlossen wanderten alle Blicke wieder zu Natasha.
„Sie sind laut Google Maps, warum auch immer, in irgendeinem kleinen abgelegenen Zipfel in Österreich. Auf die Geschichte, wie sie dort hingekommen sind, bin ich jetzt schon gespannt! Darf ich mir den Jet borgen, um sie abzuholen, Becks? Unseren hat Steve gerade in Gebrauch.“

Kurzes Schweigen breitete sich im Raum aus. Es war nicht so leicht, seit sich die Avengers vor Pi mal Daumen einem Jahr wegen des Sokovia Abkommens getrennt hatten. Seitdem gab es die eine Seite- mit Tony, Rhodey, Spider-Man, Black Panther und Vision-, die legal arbeitete, und die andere Seite,- mit Natasha, Steve, Sam, Pietro und Wanda-, die zwar nicht gesucht oder gefahndet worden, aber offiziell als ausgeschieden oder im Ruhestand galten. Und eher mit viel Mühe darauf achteten, unter dem Radar zu agieren.
Nur auf die wenigstens traf das Wort ‚Ruhestand‘ wirklich zu. Dazu zählte Clint, Scott- besser bekannt als Ant-Man- den der Großteil bisher nur einmal kurz getroffen hatte, Bucky,- der sich in Wakanda aufhielt, wo ihm, bezüglich seiner Anfälligkeit für den Winter Soldier, besser geholfen werden konnte und dieses Problem ein für alle Mal behoben werden sollte. Und im Großen und Ganzen auch Innestress.
Wie Tony von Gin versprochen worden war, hatte die Schutzgöttin sich nach Gins ‚Auslandjahr‘ den Avengers angeschlossen und das Team ein Jahr lang unterstützt. Doch bevor man darüber verhandeln konnte, wieder zu einer freiwilligen Tätigkeit überzugehen und nur bei Notfällen die nötige Schutzgöttinnen-Hilfe anzufordern, kam die Regierung mit diesem Vertrag um die Ecke. Da dieser aber vorsieht, die Identität des jeweiligen Helden offenzulegen und wie ein trainierter Hund nur auf Kommando zu bellen oder zu handeln, waren sowohl Gin als auch Innestress dagegen, dieses Dokument zu unterschreiben. Viel lieber würden sich beide, aber wirklich nur im absoluten Notfall, wieder anonym unter die Helden mischen. Und mal ehrlich, wenn jemand das ungesehen konnte, dann Innestress. Immerhin war es ihr zu Beginn schon ein halbes Jahr lang gelungen, all möglichen Kameras zu entgehen, und als Shadow ungesehen aufzutauchen oder zu verschwinden.
Jedenfalls war es seitdem etwas schwieriger für die verschiedenen Pärchen. Wanda zog mit dem ‚illegalem Team‘ viel herum, während Vision weiterhin im Hauptquartier wohnte und von dort aus regelmäßig zu glorreichen oder weniger glorreichen Missionen aufbrechen musste. Zurzeit befanden sich diese beiden gerade auf einem ihrer geheimen Treffen und hielten sich ziemlich versteckt.
Auch bei Becks und Bucky war es nicht viel besser. Dass dieser in Wakanda am besten aufgehoben war, war verständlich, zumindest bis man sicher war, dass er hoffentlich restlos vom skrupellosen Winter Soldier befreit worden war. Doch Rebecca hatte umfangreiche Verantwortung, die sie nicht für unbegrenzte Zeit einfach sich selbst überlassen konnte. Den Teilzeitjob im ‚Blueberry-Crumble‘, wo sie eine Zeitlang halbtags als Konditorin tätig war, hatte sie schon vor beinahe zwei Jahren wieder aufgeben müssen.
Für die Leitung der geerbten Pharmaindustrie hatte sie mit Gins gutem Kumpel Dylan den besten und vertrauensvollsten CEO überhaupt an Land ziehen können, dennoch wollte sie sich regelmäßig darüber auf dem Laufenden halten. Weshalb sie derzeit zwischen Wakanda, Portland und New York regelmäßig hin und her jettete.
Aber so etwas konnte man halt auch nur regelmäßig machen, wenn man reich genug war, sich seinen eigenen Quinjet leisten zu können, um die Flugzeit wenigstens so gering wie möglich zu halten. Mit einem normalen Privatflugzeug würden diese Flüge immer eine halbe Ewigkeit dauern.
Doch auch gegenwärtig konnte man von Glück sagen, dass Becks über ein solches Flugobjekt verfügte, denn das würde ihnen auch in diesem Moment eine Menge an Flugzeit sparen.

„Das hast du jetzt nicht ernsthaft als Frage formuliert, oder?“ Antwortete die reiche Brünette, und dadurch Besitzerin ihres eigenen Quinjets, sofort auf Natashas Frage, während sie unisono mit den anderen anwesenden Personen aufstand und alle geschlossen die Haustür anpeilten.
„Ihr kommt alle mit? Findet ihr das Aufgebot nicht etwas übertrieben?“ gab die ausgebildete Agentin zu bedenken.
„Auf keinen Fall, ich habe definitiv ein Hühnchen mit ihr zu rupfen! Dieses Weib bringt mich noch ins Grab, wenn die so weiter macht.“ gab Sandra, entschlossen an Nat vorbei stiefelnd, von sich. „Ich rufe nur schnell Mario an, damit er weiß, dass er die nächsten Stunden noch nicht mit mir rechnen darf.“
„Nach diesen furchtbaren Träumen möchte ich mich schnellstmöglich selbst von ihrer Unversehrtheit überzeugen.“ Kam es dagegen ruhig und kontrolliert, wie immer, von Rebecca als diese der Blondine zur Tür folgte.
Im Gegensatz zur temperamentvollen Gin, war Rebecca More in Krisenzeit stets eher ruhig, überlegt und ausgeglichen. Nur selten hatte die ehemals rothaarige, und neuerdings erblondete Spionin sie mal emotional aufgelöst oder angsterfüllt gesehen. Manchmal wirkte es beinahe als hätte die mittlere Nolan ihren innersten Meditationsbrunnen gefunden und würde dort in unerschöpflichen Mengen die Ruhe und den Frieden abschöpfen können. Nicht einmal Bruce war immer so ausgeglichen. Und der stellte schon einen hohen Maßstab dar.
Wo dieser wohl war? Ging es ihm gut? Schoss es der Russin kurz fragend durch den Kopf. Seit einem Jahr war dieser nun, nach dem letzten gemeinsamen Einsatz der Avengers, einfach verschwunden. Nicht ein einziges Lebenszeichen gab es seither von ihm.
Aber darum geht es gerade nicht. Sie zwang ihre Gedanken zurück zur anstehenden Mission.
Clint war der letzte in der Reihe.
„Naja, es ist jetzt nicht so als gäbe es für mich in New York viel zu tun, seit ich im Ruhestand bin. Ich wüsste vor Langeweile eh nichts mit mir anzufangen. Außerdem ist es schön, mal wieder vom Alltagstrott herauszukommen. Natürlich könnte ich Sam und Steve anrufen und über die Neuigkeiten bezüglich Gin informieren. Aber das kann ich genauso gut von unterwegs machen, also…“
Und damit war es entschieden.

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Rosamunde? Lutz? Ernsthaft?
Die Midgarder und ihre grausamen Namen. Und dabei dachte er wirklich, dass er mit ‚Geraldine Imogene‘ schon das Schlimmste gehört hatte, aber die Namen der neuen Bekannten waren kein Deut besser! Es war ihm noch immer unbegreiflich, wie Mütter ihren Kindern nur solche Namen geben konnten. Wussten sie nicht, was sie ihren Sprösslingen damit antaten? Oder war dies pure Absicht?
Offensichtlich konnte man in Sachen Grausamkeit doch noch erstaunlich viel von den Sterblichen lernen. Wer hätte das gedacht?
Denn wie sonst, lies es sich erklären, dass zwei von drei Namen furchtbar waren?
Seine Freundin schien sich prächtig zu amüsieren. Äußerst angeregt tauschte sein Rotschopf sich mit ihren zwei Sitznachbarinnen aus. Offenbar war ihr der anfangs überraschte und nun scheinbar dauerhaft auf ihr liegende Blick, von einer der beiden, vermutlich frisch der jungend entschlüpften, Österreicherinnen, auf ihre Person noch nicht aufgefallen. Was er davon halten sollte wusste er noch nicht. War sie einfach nur neugierig? Sollten sie beide lieber besser auf der Hut sein? Oder hatte das Mädchen möglicherweise schlicht und einfach mehr gefallen an Gin gefunden als es üblich war? Oder interpretierte er da schlicht zu viel rein…
Täuschte er sich oder vernahm er hier eine ihm irgendwie vertraute und doch gleichzeitig fremde Schwingung? Doch da er selbst anhaltend von seinem Banknachbarn unterhalten und dadurch zum Zuhören aufgefordert wurde, konnte er die Art der wahrgenommenen Schwingungen nicht richtig greifen oder genauer analysieren. Aber wer weiß, vielleicht reagierte er gerade auch nur viel zu sensibel darauf. Möglicherweise machte die frische Bergluft ihn empfänglicher für diese Schwingungen und ließ ihn diese dadurch intensiver wahrnehmen als sie eigentlich waren.
Eins musste er den Österreichern allerdings lassen. Mit ‚Riesenschnitzel‘ war hier wirklich ein Riesenschnitzel gemeint!!! Noch dazu war es geschmacklich äußert delikat. Oder schmeckte es ihm nur so gut, weil die Essensabwechslung in den letzten Monaten eher einseitig war und man von frischem Fleisch oder gar Fisch nicht mal zu träumen gewagt hatte?
Möglich war alles.
Was Loki ebenfalls mit einigem Erstaunen registrieren musste war, dass die Tischgespräche nicht unbedingt uninteressant oder langweilig waren. Dass es durchaus den einen oder anderen interessante Menschen gab, wusste er spätestens, seit er Geraldine Nolan getroffen hatte. Doch musste er auch zugeben, dass diese weit in der Unterzahl waren! Dennoch war die Gesellschaft der drei Fremden durchaus akzeptabel.
Aber möglicherweise hatte er seine Ansprüche an seine Gesellschafter auch einfach nur schon sehr stark heruntergeschraubt, seit er vor drei Jahren gezwungen gewesen war, bei den Avengers zu wohnen und sich ausschließlich mit diesen umgeben zu müssen. Oder war seine geänderte Einstellung, gegenüber der viel schwächeren Rasse, verstärkt auf die rothaarige Frau ihm gegenüber zurückzuführen? Hatten vielleicht seine tiefen Gefühle für Gin seine komplette Wahrnehmung auf die Menschen verändert, sodass er ihre Unzulänglichkeiten mittlerweile um einiges großzügiger tolerierte?
Hm …Er konnte nicht mit Gewissheit sagen, woran es lag.
Was allerdings die hiesigen Einheimischen anging, so schienen diese durchaus ein eher spezielles Volk zu sein. Ausnahmslos jeder, dem sie unterwegs hierher begegnet waren, hatte sie mit einem ‚Servus‘ oder ‚Grüß Gott‘ begrüßt. Befremdlich! Oder einfach nur aufdringlich freundlich? Gin schien diese Macke im Gegensatz zu ihm äußerst liebenswert zu finden, da sie bei diesem Blödsinn direkt mitgemacht hatte und jedem mit einem freudestrahlendem ‚Hallo‘ geantwortet hatte. Was ihn, aufgrund ihrer Begeisterung für diesen Humbug, bisweilen sogar zum Schmunzeln gebracht hatte.
Also fragte er nun schließlich aus einer Laune heraus bei Lutz nach: „Ist es hier eigentlich Sitte, dass man jeden Fremden, dem man unterwegs begegnet, grüßt?“
„Wohl. Über tausend Meter grüßt man sich hier, und da wird au koin Wert mehr auf Formalitäten gelegt, sondern wird von jedem geduzt.“ Erläuterte dieser gutgelaunt.
Ah, das erklärte einiges. Unter anderem auch das Verhalten der vollbusigen Kellnerin, deren Umgangston ziemlich vertraulich war mit ihrem: ‚Was kann i euch bringen?‘ oder ‚Willscht noch ne Limonade?‘ Gewöhnungsbedürftig für einen Prinzen!
Äußerst gewöhnungsbedürftig!

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Es entwickelt sich ein sehr anregendes Tischgespräch bei uns. Selbst Loki, der sonst teilweise gerne mal etwas reserviert ist, plaudert nun munter mit Lutz. Und ich muss mich jedes Mal von neuem zusammennehmen, um nicht über diesen putzigen österreichischen Dialekt zu lachen. Es ist beinahe schon schade, dass mein zaubernder Halbgott uns lediglich ‚hochdeutsch‘ sprechen lässt. Zu gerne hätte ich auch mal in dieser wilden Mundart reden wollen. Andererseits könnte ich mich ohne den Hokuspokus des nordischen Gottes nicht mal annähernd so einfach unterhalten, weil ich eigentlich kein Wort Deutsch kann. Und wie gut das Englisch der anwesenden Jugend ist, weiß ich auch nicht. Also freue ich mich einfach über das, was ich habe und stelle nicht noch weitere Ansprüche.
„Kommt ihr von hier?“, frage ich die etwas gesprächigere Rosi, die ganz am anderen Ende der Bank am Holzgeländer sitzt.
Sophie hat mit ihrem hübschen Namen wirklich Glück gehabt, aber Rosamunde? Das arme Mädchen. Ihr Name ist für so einen jungen Menschen genauso übel wie meiner. Denn ich weiß genau, wie sie sich damit fühlt. Verspüre ich deswegen sofort eine Art Verbundenheit und diese Sympathie irgendwo ganz tief in meinem Inneren? Oder bilde ich mir diese nur ein, weil Menschen direkt um mich herum zuletzt arge Mangelware waren, da ich zwei Monate so ziemlich nur von Asen umgeben war. Bruce zählt leider nicht als Mensch, da dieser ausschließlich hulkig unterwegs war…
„Naa, wir sinds hier a nur auf am Wochenendtrip. Eigentlich simer von der Deutsch-Österreichischen Grenze vom Bodensee drübe, aber der Lutz hats an Vorstellungsgespräch morgen hier. Also simer alle zemme gefahre um an netts Wochenende zu verlebe. Aber es könnt sei, dess er dann bald her ziehts.“ Antwortet sie mir.
„Und wo kommts ihr her?“ möchte das Glückskind mit dem hübschen Namen, direkt neben mir, wissen.
„Aus New York City.“ Antworte ich stolz.
Die großen, hellbraunen Augen der beiden Mädels werden noch riesiger.
„Aus der Millionenstadt New York. Wow, da muss diesa Ruhe und die fehlenden Menschenmassen für euch ja der reinste Kulturschock sei. Wie kommts, dass ihr als Amerikaner so akzentfreies Deutsch sprecht?“ möchte Rosi nicht zu Unrecht wissen.
Ich schalte schnell und sage:
„Meine Familie kommt ursprünglich aus dem Norden…“ Dass dies schon viele Generationen her ist, und ich mit Norden weit oberhalb Deutschlands meine, verschweige ich. Dann folgt die Lüge beziehungsweise die zurechtgebogene und ausgeschmückte Wahrheit: „…deshalb bin ich zweisprachig aufgewachsen. Und Loki hatte reiche Eltern, die ihn auf die besten Schulen geschickt haben, wo viel Wert auf Fremdsprachen gelegt wurde. Daher spricht er fließend Englisch, deutsch, spanisch, italienisch und französisch.“ Improvisiere ich ein wenig.
„Wow, net schlecht. Aber wie seitser denn ausgerechnet aufs Kleinwalsertal gestoße?“ Beteiligt sich Sophie weiter an der Unterhaltung.
Äh… Prima Frage und jetzt? Ich kann ihr doch nicht sagen, dass uns ein Zauberwürfel aus dem Weltall hergebracht hat. Sie würden uns bestenfalls direkt in die Geschlossene einweisen lassen.
Zeit, wieder etwas kreativ zu werden.
„Naja, wir waren uns unschlüssig, wo es dieses Jahr in den Urlaub hingehen sollte, also haben wir völlig Oldschool das Atlas-Verzeichnis auf einer beliebigen Seite aufgeschlagen und blind drauf getippt. Und schon war es entschieden.“
„Ihr habts tatsächlich noch an Atlas zuhause?“ Fragt Lutz mit aufgerissenen Augen absolut ungläubig.
„Ähm… Der ist aus meiner Schulzeit noch übriggeblieben.“ Entgegne ich das erste, was mir einfällt.
„Cool. Die Anreise isch aber sicher a net so einfach, oder? Wie oft seitser umgestiege?“ interessiert es ihn weiterhin brennend.
Uff… Gar nicht? Wenn ich doch nur etwas besser in Geografie wäre... Denn schon wieder fällt mir meine Unwissenheit auf diesem Gebiet auf die Füße. Andererseits können sich nur Männer über so etwas Gedanken machen und möchten solchen Blödsinn wissen… Naja, außer mein Mann, zum Glück.
Aber ganz offensichtlich ist der Deutsch-Österreicher genauso wissbegierig, wie seine Brille vermuten lässt.
„W-Wir…“, stottere ich los.
Der Blick von Sophie, den ich seitlich auf mir spüre, lässt mich gleich noch viel unsicherer werden.
Doch Loki, der die Frage auch mitbekommen hat, springt rettend ein. Glücklicherweise reicht bei ihm ein Blick auf den Globus, um sich das wesentliche einzuprägen! Und jetzt, wo er ungefähr weiß, wo wir sind, kann er dadurch sicherlich schneller etwas relativ Glaubwürdiges zusammenspinnen. Ganz davon abgesehen, dass ohnehin niemand im Lügen besser ist als er.
„Wir sind in München gelandet. Tatsächlich hatten wir Glück und haben dort am Bahnhof einen Zug ergattert.“
Gott, ich liebe ihn dafür!!!
„Ah… und vom Bahnhof in Oberstdorf habtser dann den Walserbus genomme. Klingts gar net so schlimm. Wie lang wartser unterwegs?“ Klinkt sich Rosi ein.
Da der Trickster die Situation meisterhaft im Griff hat, halte ich mich raus und schenke ihm lediglich ein komplizenhaftes Lächeln.
„14 Stunden… Mit Wartezeiten.“ Improvisiert er spontan und überzeugt mich sofort.

Da auch das junge Trio ins Tal runter möchten, laufen wir gemeinsam den Schlängelweg hinab.
Also ich muss wirklich sagen, diese Gegend ist, trotz der vielen Berge, einfach nur wunderschön.
„Irgendwann müssen wir hier wirklich mal Urlaub machen…“, äußere ich unbewusst zu Loki, während ich in den träumerischen Anblick von grünen Wiesen, schneebedeckten Gipfeln und braun/grünen Bergen vertieft bin.
„Du meinst, nochmals Urlaub machen.“ Verbessert er mich geistesgegenwärtig, bevor einer unserer österreichischen Begleiter, die glücklicherweise ein paar Schritte vor uns laufen, näher auf meinen Fauxpas eingehen kann. Und ergänzt gleich im Anschluss:
„Vielleicht solltest du lieber auf den Weg gucken, anstatt dich in der Weltgeschichte umzuschauen.“
„Ja, ja…“, entgegne ich locker und ignoriert seinen naseweisen Rat.
Die Gegend ist viel zu schön, um nur vor die eigenen Füße zu gucken. Außerdem, was soll hier schon groß passieren?
Und just drei Schritte später erfahre ich es. Ich spüre das Steinchen unter der Sohle meiner Ferse, als ich diese aufsetze und wie es bergab rollt und meinen Fuß mitnimmt.
Ich fühle, wie ich falle. Es sind nur wenige Sekunden, doch wie in Zeitlupe, gehen mir währenddessen eine ganze Menge Details durch den Kopf. Bestenfalls lande ich nur auf dem Hintern. Aber so viel Glück habe ich nicht, denn ich merke, wie mein anderes Bein noch immer an Ort und Stelle verharrt. Also werde ich mir vermutlich auch noch das Knie bei meiner unglücklichen Landung verdrehen.
Doch glücklicherweise spüre ich augenblicklich den rettenden Arm, um meiner Körpermitte.
Halb im Sturz eingefroren, werde ich von Loki aufgefangen. Doch macht er keine Anstalten, mich wieder normal auf die Füße zu stellen. Nein, wir verbleiben wirklich in dieser mehr als unbequemen und peinlichen, Tanzähnlichen Pose.
Herausfordernd schaut er mich an. Also vermute ich, er möchte etwas hören, bevor er mich wieder frei lässt.
„Danke schön.“ Antworte ich brav, obwohl ich weiß, dass das nicht das ist, was er hören will.
Seine Augenbraue wandert nach oben, sonst bewegt er noch immer keinen Muskel.
Ein Glück, dass das jugendliche Dreiergrüppchen von der ganzen Sache nichts mitzubekommen scheint, da diese in ihr ganz eigenes Gespräch vertieft sind.
„Es wird langsam peinlich, kannst du mich bitte einfach wieder hinstellen?“ Frage ich bittend nach, obwohl ich weiß, dass ich mir das vermutlich schenken kann.
„Sag mir, was ich hören will und dein Wunsch wird gewährt.“ Entgegnet er locker.
„Bist du jetzt ein Flaschengeist, oder was?“ versuche ich aufgrund seiner Formulierung abzulenken.
Er lächelt nur selbstgefällig.
„Ich höre…“, reibt er mir auffordernd unter die Nase.
Wenn ich nicht genau wüsste, dass mir das soviel Pech angeboren ist, würde ich glatt vermuten, dass Loki seine Zaubergriffel im Spiel hatte, um mal wieder recht zu behalten. Doch leider weiß ich genau, dass er das in diesem Punkt nicht nötig hat, weil das Schicksal ohnehin auf seiner Seite ist…
„Ja, ist ja gut. Du hast wieder recht, und ich muss gucken, wo ich hinlaufe…“ gestehe ich schließlich kleinlaut und ziehe eine Schnute. Ich hasse es, wenn er richtig liegt. Und dass er mich so gut kennt, dass er dieses Malheur längst hat kommen sehen.
Ein zufriedenes Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus, und ich merke, wie ich endlich wieder aufgerichtet werde.
„Geht doch.“ Drückt er mir noch selbstgefällig rein, bevor wir unseren Weg fortsetzen.

Als wir schließlich ohne weitere Zwischenfälle im Tal ankommen, ist mein erster Gedanke: Idyllisch. Gut, zugegeben, andere könnten es auch einödig oder verschlafen nennen. Aber mir gefällt es hier. Gibt es wirklich nur eine Hauptstraße? Das kann ich ja gar nicht fassen. Kenne ich doch meistens nur den Verkehr in New York, wo jede Straße und jede Kreuzung zu jeder Tageszeit völlig verstopft ist und man nur im Schneckentempo von Ampel zu Ampel kriechen kann.
Unglaublich.
„Ich denke, hier ist es.“ Sage ich nach wenigen Metern, als wir eine große Rasenfläche passieren.
Wir verabschieden uns von unserer ‚Urlaubsbekanntschaft‘. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir der Abschied von der erfrischenden Rosi und ihrer schüchternen Freundin irgendwie ungewöhnlich schwerfällt. Warum, kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Schließlich bin ich kein hochemotionaler Mensch und wir kennen uns weder gut noch lange. Warum also fühle ich mich dann so, als würde ich mich gerade von mir wirklich wichtigen Vertrauten verabschieden??
> Ich weiß genau, was du meinst. Ich registriere das Gleiche. Wirklich äußerst interessant. < macht sich auch die Schutzgöttin in mir überlegend bemerkbar. Schließlich kennt sie uns beide gut und lange genug, um zu wissen, dass eine solche Reaktion absolut untypisch für jeden einzelnen von uns beiden ist.
Weißt du, worauf das zurückzuführen ist?
> Nein. Da fehlen mir die Erfahrungswerte. Diese mysteriöse Verbundenheit erlebe ich zum ersten Mal. Aber vielleicht sind sie uns auch einfach nur sehr sympathisch.<
Hm… Nicht sehr hilfreich.
Vielleicht haben wir die Gesellschaft weiblicher Menschen nur viel, viel mehr vermisst, als uns bewusst war! Und deswegen reagieren wir total übertrieben! Kommt mir plötzlich die Erkenntnis.
> Möglich, aber vielleicht empfiehlt es sich auch, nach unserer Heimkehr mal wieder Doktor Strange aufzusuchen. Als oberster Zauberer und Mystiker hat er vielleicht Antworten oder Kenntnisse, die uns fehlen. Ich meine, wenn sogar ich etwas emotionsähnliches verspüre, weiß ich nicht, ob die Erklärung wahrlich so leicht ist…<
Na der wird sich freuen, wenn wir wieder bei ihm auf der Matte stehen und schon wieder seine Hilfe wollen.
>Wieso? Das letzte Mal ist schon ewig her. Außerdem ist es seine Aufgabe als oberster Zauberer uns behilflich zu sein! <
Ewig ist anscheinend ein relativer Begriff. Aber gut, Fragen kostet ja nichts. Beschließe ich, und widme mich vorerst wieder der Szene vor mir.
„Meldet euch, wenn ihr mal in New York seid. Meine E-Mail-Adresse habt ihr ja.“ Sage ich, denn die hatte ich der sympathischen Rosi bereits auf der Almhütte gegeben, als diese zu ihren Freunden meinte, dass sie New York auch mal sehen will.
Während wir den jungen Erwachsenen beim Davongehen nachschauen, dreht sie sich nochmal um und sagt in amüsierten Tonfall: „Und falls mer üs ein nächstes Mal sehen, dann seitser bitte ehrlicher zu üs, gell!“
Verdutzt und ertappt reise ich die Augen auf und fühle mich entsetzlich schuldig wegen unserer sporadischen Unaufrichtigkeit, auch wenn sie nur in bester Absicht erfolgt war.
„Wie konnten sie wissen, dass wir nicht ganz ehrlich waren?“ Ich meine, mal ernsthaft, ich hatte Loki dabei. Wenn er eine Lüge nicht überzeugend rüberbringen kann, wer dann?
„Keine Ahnung! Du musst uns durch irgendetwas verraten haben.“ Meint auch er äußerst verdutzt und nachdenklich.
„Wie bitte? Wieso denn ich? Du weißt, wie gut ich Lügen kann!“ protestiere ich.
„Ja, aber wir beide wissen, dass ich es noch besser kann. Also musst du es gewesen sein, die uns verraten hat. Vielleicht haben sie ja doch deine Äußerung auf den Urlaub gehört und dadurch eigene Schlüsse gezogen.“
„Das glaube ich kaum. Aber wir können das natürlich sehr gerne ausdiskutieren, bis auch du begriffen hast, dass mich keine Schuld trifft.“ Diskutiere ich hartnäckig, aber nicht streitlustig, dagegen.
Er lächelt kurz.
„Ich diskutiere die Sache sehr gerne mit dir aus. Aber später, denn jetzt werden wir abgeholt.“ Informiert er mich und legt bereits sachte seinen Arm um mich.
Und dann höre auch ich sie, die Schubdüsen des Quinjet. Als dieser direkt über uns ist, erspart Loki der Pilotin die Landung und zieht mich fester in seine Arme. Noch während ich dabei bin mich richtig rein zu schmiegen, finde ich mich im nächsten Moment bereits im Inneren des Jets wieder.

Kaum sind wir oben angekommen, werde ich schon überschwänglich von Sandra aus den göttlichen Armen gerissen und von ihrer anhaltenden Umarmung halb erwürgt. Als sie schließlich Gnade walten lässt und mich lebend aus ihren Armen befreit, bleiben ihre Hände auf meinen Schultern liegen. Sie mustert mich einen Moment auf Armeslänge, bevor ihre Hände neugierig zu meinen runtergleiten und diese genaustens unter die Lupe nehmen. Ihrem Blick folgend möchte ich freiwillig und sofort beichten, denn meine erste Verwunderung darüber verschwindet schnell, und ich glaube direkt zu wissen was sie sucht!
„Ja, ich weiß, ich habe schon wieder drei neue Narben an den Fingern. Aber davon abgesehen geht es mir wirklich gut und ich habe alles, wie immer, ohne große Verletzungen überstanden!“ Da ich anfangs selbst den Blick auf meine Hände geheftet hatte, sehe ich den fragenden Blick nicht, den meine beste Freundin mit meinem Freund über meine Schulter hinweg tauscht.
„Darüber reden wir noch, wenn du uns alles erzählt hast!“ kommt es entschieden von ihr, bevor sie mich an Becks abschiebt und sich Loki zuwendet.
Damit wir uns alle nicht so auf der Pelle hocken, schiebe ich meine Tante noch ein paar Schritte weiter hinter, um sie ungestört begrüßen zu können. Auch von ihr werde ich in eine feste Umarmung gezogen. Und noch während diese andauert, höre ich sie in meine Haare murmeln:
„Nachdem was ich geträumt habe, bin ich froh, dass ihr beide wohl auf seid.“
Oh waia, ich will lieber nicht wissen, was sie von unserem Erlebten in ihren Träumen alles gesehen hat. Unbewusst umarme ich sie noch ein wenig fester, während ich die schlimmen Bilder der letzten Monate schnell wieder aus meinen Gedanken zu drängen versuche.
„Wie schlimm war es?“, fragt sie weiter.
„Furchtbar.“ Gestehe ich leise, bevor wir uns wieder voneinander lösen und uns gemeinsam ins Cockpit zu Natasha und Clint begeben, damit ich die beiden auch begrüßen kann.
Was genau bei uns alles vorgefallen ist, erzählen wir später genauer, wenn wir alle in Ruhe unsere Plätze eingenommen haben, damit wir damit nicht dreimal anfangen müssen.

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Großartig, gleich geht’s los, dachte er als die Blondine vom Rotschopf abließ und ihn schon grimmig mit den Augen fixierte. Kaum vor ihm angekommen zischte sie sogleich:
„Du elender Feigling hast gekniffen!“
Keine Frage, eine Feststellung! Auch wenn diese völlig falsch war. Ihn als elenden Feigling zu bezeichnen, ohne zu wissen, was vorgefallen war, war schon sehr gewagt von ihr. Schließlich war sie ihm und seinen Kräften nicht im mindesten gewachsen. Beinahe jeder andere, der ihn so herabwürdigend behandeln würde, hätte diesen Frevel teuer bezahlt. Doch ließ er diese Beleidigung lediglich wegen des Standes, den sie in Gins Leben innehatte, und weil er sie ebenfalls recht gut leiden konnte, ungestraft über sich ergehen.
Ausnahmsweise!
Und auch nur, weil sie ihn sonst stets unterstütze und ihm für gewöhnlich seit Anbeginn immer hilfsbereit zur Seite stand. Denn noch immer war es vermutlich zum größten Teil ihr Zutun bei der eigenen Hochzeit, das Gin und ihn letztlich vereint hatte.
„Pass auf was du sagst. Du hast keine Ahnung!“ warnte er sie dennoch leise, bevor er fortfuhr. „Absolut nichts ist gelaufen wie geplant. Und es gab weder den richtigen Zeitpunkt noch den richtigen Ort dafür! Glaub mir, wenn ich dir sage, dass ich ihr lieber zehnmal diese Frage gestellt hätte, als auch nur einen Tag der vergangenen knapp drei Monaten erleben zu müssen.“ Seine Augen waren schmal ob ihres ungerechtfertigten Angriffes auf seine Person.
Wäre es nach ihm gegangen, hätte er mit dem Rotschopf wie geplant den Urlaub in New Orleans gemacht und ihr dort diese gewisse Frage gestellt, anstatt von Odins Ableben überrascht zu werden und mit den daraus resultierenden Konsequenzen klarkommen zu müssen.
Und das Raumschiff hatte er, als endlich etwas Ruhe eingekehrt war, als ungeeignet empfunden. Sie hatte es dort vielleicht nicht direkt gehasst, aber besonders glücklich schien sie auch nicht immer. Und er war eben wählerisch!
Nur Asgard als Abweichung der ursprünglichen Pläne, wäre allerdings nicht das Problem gewesen. Da er trotz seiner Ansprüche recht flexibel war, hätte sich auch dort spielend leicht der richtige Platz für eine solche Frage finden lassen. Bei dem Strichmännchen an Odins Thron zum Beispiel wäre der perfekte Ort gewesen, weil es ihm just dort klargeworden war. Doch wann hätte er es mit ihr bei Helas Kriegstreiberei jemals dorthin schaffen sollen, wenn sie doch die ganze Zeit nach seiner Rückkehr mit Kämpfen beschäftigt waren? Unmöglich.
Und nun war von Asgard nichts mehr übrig. Für einen Moment überkam ihn das Ausmaß dieser Verluste. Der Ort, wo er hatte aufwachsen dürfen, weg! Nach Frigga inzwischen auch noch Odin, seine Eltern, jetzt beide weg! Seine geliebte Bibliothek mit den seltenen Werken, in welcher er als Knabe so viele Stunden verbracht hatte, weg! Sein zu Hause, auf ewig weg!
Alles, was ihm jetzt noch blieb und am Herzen lag, waren lediglich seine Erinnerungen an all diese Dinge, sein Bruder, der noch für eine lange Zeit durch das Weltall dümpeln würde, und Geraldine- direkt vor seiner Nase. Hatte er ihr eigentlich jemals gedankt, dass sie jüngst an seiner Seite war, als er gezwungen gewesen war, Ragnarök auszulösen? Hatte sie überhaupt eine Ahnung, wie viel ihm ihre Anwesenheit in diesem schweren Moment bedeutet hatte?
Irgendetwas an seinem Gesichtsausdruck musste seine Gedanken verraten haben, denn plötzlich war die Stimme der blonden Freundin, noch immer schräg vor ihm, nicht mehr streitlustig, sondern mitfühlend und verständnisvoll.
„Es tut mir leid, okay? Ich hätte dich nicht anmachen dürfen, ohne zu wissen, was ihr in den letzten Monaten durchgemacht habt.“
Er nickte die Entschuldigung knapp ab, bevor er sich in einem der Sitze niederließ und die Augen schloss. Es dauerte nicht lange als er, trotz der geschlossenen Augen, die Bewegung neben sich wahrnahm. Er spürte den leichten Luftzug, der ihren herrlichen Geruch in seine Nase trug, als sich sein Lieblingspechvogel auf dem Nachbarstuhl niederließ und kurz darauf seine Hand ergriff.
„Ich traue mich gar nicht zu fragen, aber was ist eigentlich aus meiner Wohnung geworden?“ durchbrach ihre Stimme das Geräusch des Flugapparates und zauberte sogleich ein Schmunzeln auf seine Lippen, die Augen weiterhin geschlossen. Sie hatte für ihre Verhältnisse wirklich lange durchgehalten, bevor sie die Frage nach ihren heiligen vier Wänden geäußert hatte.
Doch auch er spitze jetzt die Ohren, um die Antwort nicht zu verpassen. Hoffentlich war noch alles wie gehabt. Vorerst war es mehr als genug, wenn einer von ihnen beiden sein Zuhause verloren hatte.
„Sie wartet beinahe unangetastet auf dich.“ Offenbarte die Tante.
„Tatsächlich waren wir bei deinem Anruf gerade dort versammelt gewesen, um zu beraten, was wir jetzt mit ihr und deinen Sachen machen sollen.“ Ergänzte die Black Widow vom Pilotensitz. „Und jetzt möchten wir alles wissen, vor allem wie ihr ausgerechnet hier, mitten im Nichts landen konntet?“


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Hallihallo,

WOW! Wo soll ich anfangen?
Ein ganz herzliches Dankschön an euch!!

Ich freue mich wahnsinnig über die vielen neuen Favos, unglaubliche vier neue Empfehlungen und natürlich über die lieben Reviews von Sir Moon D Uzumaki, banoffi, Demon Queen Darka und Kupferfisch, die sich tatsächlich die Mühe gemacht hat alle bisherigen Kapitel noch nachträglich zu kommentieren. Und mich zusätzlich in ihrem aktuellen Kapitel, überrascht hat, indem sie dort kräftig die Werbetrommel für diese Fortsetzung gerührt hat :). Vielen lieben Dank also nochmal gesondert an dich für deine unglaubliche Unterstützung!

Und abschließend auch noch ein ganz liebes Dankeschön an DieBunny, die dieser Geschichte und dem ersten Teil in ihrem Bücherregal neuen Unterschlupf gewährt hat :).

Ich hoffe ihr hattet viel Spaß beim Lesen.
Ein schönes Wochenende schon mal und bis bald


PS: Wer die tollen Avengers- Geschichten von Kupferfisch (Teil 1- Der Beginn, Teil 2 - der Aufstieg) übrigens noch nicht kennen sollte, dem kann ich nur wärmstens an Herz legen, mal auf ihrem Profil vorbei zuschauen ;)!
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