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凭心而动 (píng xīn ér dòng)

von Ye Baiyi
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Freundschaft / P18 / MaleSlash
17.05.2022
05.08.2022
13
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05.08.2022 3.752
 
Eine Woche später, und er hatte noch gar nichts, mit niemanden, in ihrer Beziehung erreicht.

Der Wechsel in die Regenzeit machte ihm immer zu schaffen, dass er sich über seine steigende Arbeitslast, meist nur müde und abgespannt fühlte. Weswegen er auch ohne Zeremonie in sein Bett fiel, als er merkte, dass seine Leistungsfähigkeit für den heutigen Tag ihr Ende gefunden hatte. Er war froh, dass er allein zu Hause war und es keinen Grund gab seine Erschöpfung überspielen zu müssen, wollte er nicht, dass man sich unnötige Sorgen machte.

Er brauchte schlicht nur etwas Ruhe und Schlaf.

Was ihn jedoch erwartete, als er endlich abdriftete, war einer dieser quälenden Träume.

Seit er damals diesen Unfall gehabt hatte, suchten sie ihn immer wieder einmal heim. Doch besonders, wenn er sich eh schon angeschlagen fühlte. Etwas, das er wissen sollte, über die Tendenzen, wegen seiner Arbeit, sein Wohl ab und an aus den Augen zu verlieren.

Er sah sich zurück auf der regennassen Straße, das aggressive Grollen von Donner, das wie ein Biest durch die Dunkelheit jagte und seine Fänge und Krallen in grellen Blitzen zeigte.

Der Wagen, der den seinen von der Straße abgedrängt hatte, längst im Nebel der Nacht verschwunden.

Alles was blieb waren Schmerzen, die ihn sich vom Leben wegdriften fühlen ließen. Lautlos und mit offenen, in Verzweiflung geweiteten Augen.

Mit einem erstickten Japsen zwang er sich zur Besinnung zurück, doch waren seine Augenlider schwer und sein Geist weiterhin gefangen, hörte er das Toben des Unwetters noch immer, wenn nicht gar lauter.

Ein weiterer Blitz zuckte durch seine schwammige Wahrnehmung und ließ ihn ein leises Wimmern von sich geben.

Verbissen versuchte er zu sich zu kommen, seine Atmung unstet und sein Körper träge.

Und der Donner hörte nicht auf zu dröhnen.

Er gab ein bitteres Raunen von sich, als er verstand, dass tatsächlich ein Unwetter draußen hauste, welches seinen Alptraum genährt haben musste. Es war zudem schon vollständig dunkel, das er fahrig nach seinem Smartphone tastete.

Kurz nach 21 Uhr.

Etwas wackelig raffte er sich auf und setzte sich an die Bettkante.

Er fühlte sich noch immer elend und mitgenommen.

Sein Hals war so trocken, das ihm das Schlucken schwer fiel.

Für ein Glas Wasser müsste er jedoch in die Küche, das es ihn müde seufzen ließ über diese Tatsache.

Er müsste zudem noch immer allein zu Hause sein, käme Tang Lian erst Morgen wieder zurück. Bei Wu Xin lag ein Treffen mit dessen Onkeln an und Lei Wujie hatte sich für einen speziellen, abendlichen Trainingskurs eingetragen, dass er jetzt erst auf dem Heimweg wäre.

Xiao Se streckte eine Hand nach der Nachttischlampe aus, um diese anzuschalten, musste allerdings feststellen, das sich nichts tat.

Ein Stromausfall womöglich?

Er rieb sich seinen schmerzenden Kopf, das anhaltende Gewitter etwas, dass das flaue Gefühl in seinem Magen nur noch weiter aufwogen ließ.

Er nahm sich sein Smartphone und nutzte die Taschenlampe, um sich seinen Weg in die Küche zu suchen.

Ihm schwindelte sobald er den Türstock seines Schlafzimmers erreicht hatte, dass er sich erst einmal daran festhalten musste.

Dann schlich er weiter.

Ein besonders lauter Donnerschlag, der ihn vor Schreck zum Straucheln brachte, das er seine Arme blind nach etwas ausstreckte, das seinen Fall bremsen würde.

Was er erreichte war eine der großen Topfpflanzen von ihrem Ständer zu stoßen, deren schwerer Keramiktopf auf dem Parkett zerschellte und er ebenso zu Boden ging.

Ein gleisender Schmerz zog darauf durch seinen Unterarm, der ihn hilflos keuchen ließ. Der folgende Geruch von Blut ließ ihn trocken würgen, dass es ihm Tränen in die Augen trieb

Und dieses verfluchte Unwetter wollte einfach nicht nachlassen, das es immer mehr einem seiner Alpträume gleich kam.

Er spürte wie sein Herzschlag unerträglich schnell wurde. Wie auch ein brennendes Pulsieren von seinem Unterarm ausging. Jeder Atemzug schien mit einem Male so viel anstrengender, dass er nutzlos am Kragen seines Shirts zerrte.

Er glaubte den beißenden Regen ebenso auf seinem Körper wahrzunehmen, über die schlagenden Tropfen an die großen Fensterfronten und zwischen grellen Blitzen und Schattenillusionen.

Ein weiteres Donnern, das ihn seine Hände über beide Ohren pressen ließ und er ein ersticktes Schluchzen nicht zurückhalten konnte.

Jemand

Irgendjemand



„Xiao gē!“



Lei Wujie schimpfte für sich, als sich der Verkehr auch nach weiteren zehn Minuten nicht weiterbewegt hatte und er von seinem Platz im Bus aufsprang und dem Fahrer mitteilte, dass er hier aussteigen würde.

Das Unwetter hatte zu Stromausfällen geführt und überschwemmte Straßenabschnitte legten den Verkehr nach und nach lahm.

Von hier aus wäre es noch ein Stück bis nach Hause, aber er war gut in Form, das er rasch aus dem Bus stieg und lossprintete. Das Licht der Scheinwerfer der wartenden Wagen erhellte den Gehweg ausreichend für ihn.

Gerade heute wollte er rechtzeitig wieder zurück sein, war ihm nicht entgangen, das sich Xiao gē am Morgen nicht so recht oben auf zu fühlen schien.

In dieser Hinsicht hatte er ein recht gutes Auge dafür entwickelt.

Sein Xiao gē konnte zeitweilen ein ziemlicher Workaholic sein.

Die Nachricht, dass ein Unwetter zum Abend hin aufziehen würde, war ebenso ein Grund, warum er sich den Tag über merklich unruhig gefühlt hatte.

Er wusste von Beobachtungen her, das Xiao gē damit seine Probleme zu haben schien, zeigte er sich stets angespannt und nicht recht er selbst, wenn in der Vergangenheit eines aufgezogen war.

Doch war bis jetzt, keines davon derart stark und andauernd gewesen.

Brachte es seinen Xiao gē wirklich so viel Unbehagen, wollte er ihn ungern zu lange allein zu Hause sein lassen.

Er schnaufte innig, als er nach seinem 30 minütigen Sprint, das Haus erreichte und auch hier alles Dunkel in der Nachbarschaft war.

Er wischte sich die nassen Haare aus dem Gesicht und fummelte etwas ungeschickt mit dem Schlüssel zur Haustür herum, sah er eben nicht viel.

Schließlich klickte das Schloss und er schob sich eilig in den Flur.

Er verharrte einen Moment, wusste er, dass es Xiao gē nicht begrüßen würde, würde er nun so durchgeweicht wie er war, durch das halbe Haus laufen.

Somit zog er seine Jacke und Schuhe, plus die nassen Socken gleich an Ort und Stelle aus und nahm alles als ein Bündel unter den Arm. Dann zog er sein Telefon aus dem Rucksack, der glücklicherweise dem Regen standgehalten hatte und es somit trocken geblieben war.

Mit der Lichtfunktion stapfte er darauf weiter zum Wohnbereich.

Bis auf das Unwetter hörte er nichts, dass er davon ausging, das Xiao gē sich wohl in seinem Schlafzimmer oder Büro befinden musste, als etwas unter seinen Füßen knirschte. Er leuchtete auf den Boden, der übersät war mit diesen kleinen Tonkügelchen in den ihre Zimmerpflanzen steckten. Irritiert zog er seine Augenbrauen zusammen und leuchtete die Spur des Granulates entlang.

Ihm blieb geradewegs der Atem stehen, als er die zusammengekauerte Figur seines Xiao gē´s erfasste, um ihn herum die groben Scherben eines zerbrochenen Pflanztopfes und Blut.

„Xiao gē!“ Er war sofort bei ihm und ging auf die Knie, doch zeigte dieser keinerlei Reaktion auf sein Erscheinen, das er ihn abermals ansprach.

Nichts.

Er bemerkte die Wunde an dessen Unterarm, aus welcher weiterhin Blut lief und auf den Boden tropfte, das er sich rasch sein klammes Shirt auszog und es darauf presste, dem ein ersticktes Wimmern von Xiao gē folgte.

Dieser hatte den Kopf gesenkt und zwischen seinen Händen gehalten. Presste diese nur noch fester dagegen, als es abermals einen Donnerknall gab.

„Xiao gē.“ Etwas musste passieren, doch fühlte er sich gerade selbst überwältigt mit der Situation.

Er wollte es nicht noch schlimmer für ihn machen, aber er konnte ihn auch nicht hier sitzen lassen.

Das plötzliche Läuten eines Smartphones war zu hören, worauf Lei Wujie das Telefon von Xiao gē am Boden liegen sah, welches einen Anruf von Tang Lian anzeigte.

Ohne zu zögern griff er es auf und nahm den Anruf entgegen.

„Tang gē!“, erwiderte er sofort, was den anderen ein verwundertes „Lei dì?“, hervorbringen ließ und ihm seine Intuition wohl schon sagte, das etwas nicht stimmen mochte.

„Lei dì, was ist los? Wo ist Xiao Se?“

„Tang gē, Xiao gē ist verletzt und er…er reagiert nicht wenn ich ihn anspreche. Ich weiß nicht was ich tun soll.“, rasselte er aufgeregt herunter, dem eine resolute Anweisung von Tang Lian folgte. „Lei dì, beruhige dich. Tief durchatmen und dann sage mir, was passiert ist. Kannst du das tun?“ Lei Wujie nickte, auch wenn es ungesehen blieb und nahm einen tiefen Atemzug. Dann erklärte er, was er vorgefunden hatte.

„In Ordnung.“, hörte er diesen gefasst sagen. „In der Küche im Schrank unter der Kücheninsel ist ein Erste Hilfe Set. Hol es.“ Lei Wujie nickte erneut und raffte sich auf.

Mit Tang gē’s Anweisungen fühlte er sich schon wesentlich ruhiger und tat wie ihm geheißen.

Nun wo er wieder einen klareren Kopf hatte, waren seine Hände auch nicht mehr unstet, als er sich folglich daran machte die Wunde zu verarzten.

Auf den ersten Blick sah sie zwar unschön aber nicht zu tief aus, was er Tang Lian auch mitteilte, stand die Frage im Raum, ob Xiao gē in ein Krankenhaus gebracht werden sollte.

Lei Wujie legte eine Kompresse auf die Wunde, kannte er sich mit dem Prozess recht gut aus, hatte es ihn selbst schon oft genug erwischt, das er mit der Zeit das ein oder andere darüber gelernt hatte.

Und er war in jenem Moment wirklich dankbar dafür.

Wenn es bedeutete, dass all seine Blessuren dazu beitrugen, das er nun für seinen Xiao gē da sein konnte, dann würde er auch Hunderte mehr ertragen.

Was ihn allerdings weiterhin beunruhigte, war die Reaktionslosigkeit seines Xiao gē’s.

Er wusste ebenso aus Erfahrung, das es schmerzen musste solch eine Verletzung verarzten zu lassen, doch war dieser wie abgedriftet.

„Rede mit ihm. Egal was. Damit er weiß, dass jemand bei ihm ist.“, trug ihm Tang Lian, auf seine Sorge hin, auf.

Wenn er etwas konnte, dann reden.

Er war gerade bei einer Story, die ihm in der Mittelschule passiert war, während er den Verband sicherte, als er jemanden an der Haustür vernahm.

„Warum ist es hier so dunkel, gibt es keine Kerzen in diesem Haus?“ Wu Xin gab ein müdes Seufzen von sich als er in den Wohnbereich trat, wechselte aber sofort zu besorgt, sobald er ihn und Xiao gē erfasste.

„Was…?“

„Ist das Wu dì?“, hakte Tang Lian nach, was Wu Xin selbst bestätigte.

„Gut, ihr beiden kümmert euch um ihn. Ich werde versuchen, so schnell wie möglich zurückzukommen. Lei dì, du hast dich gut geschlagen. Wu dì, ich zähle auf dich.“ Damit legte Tang Lian auf und Wu Xin erkundigte sich ebenso nach dem Vorfall.

„Bringen wir ihn ins Musikzimmer. Es ist schalldicht, dass wir nur noch die Rollläden herablassen müssen.“, schlug dieser vor und strich Xiao gē vorsichtig über den Rücken.

„Lǎo Xiao, wir bringen dich woanders hin, in Ordnung?“ Es passierte nichts weiter als ein Raunen, doch zeigte es, dass dieser zumindest etwas zu verstehen schien.

Lei Wujie verschwendete keine Zeit und nahm seinen Xiao gē behutsam auf die Arme.

„Xiao gē, bist du nicht etwas zu leicht, hm?“, wisperte er diesen in den Haarschopf, während er Wu Xin folgte, der mit dem Smartphone den Weg leuchtete.

Er setzte Xiao gē mit Bedacht auf dem gediegenen Schlafsofa ab, nachdem Wu Xin dieses ausgezogen hatte, war das Musikzimmer, seit alle anderen Zimmer vergeben waren, ebenso das Gästezimmer geworden.

Xiao gē sank haltlos zur Seite, das er sich sofort neben ihn setzte, worauf dieser gegen ihn kippte und er ihm einen haltgebenden Arm über die Schultern legte.

Xiao gē raunte abermals schwach.

„Lǎo Xiao, kannst du uns sagen wie es dir geht?“, versuchte es Wu Xin nun seinerseits, indem er eine Hand behutsam unter dessen Kinn legte, damit er diesem ins Gesicht sehen konnte.

Dieser blieb für einen Moment weiter still, während Wu Xin ihm mit dem Daumen über eine Wange strich.

Dann blinzelte Xiao gē träge, dem ein kratziges „Wu dì?“, folgte.

Es ließ Lei Wujie und auch Wu Xin etwas erleichtert lächeln.

„Wie fühlst du dich?“, stellte er diese Frage abermals. Xiao gē schien zunächst etwas überfordert, konnte er wohl momentan selbst nicht recht nachvollziehen, was mit ihm passiert war.

„Nicht besonders.“ Er schloss seine Augen wieder und schluckte angestrengt. „Wasser?“ Wu Xin nickte verstehend und kam dieser Bitte umgehend nach.

Erst jetzt schien Xiao gē ihn zu bemerken und gab ein irritiertes, leises Auflachen von sich, das in einem Hustenreiz endete. Wu Xin war wieder zur Stelle und reichte diesen das gewünschte Wasser.

Auch hier bemerkte er erst jetzt, dass er mitgenommener war als für sich erklärbar, zischte er gepeinigt im Versuch seinen verletzten Arm danach ausstrecken zu wollen.

„Vorsichtig!“, wies man ihn unisono an, auf das ihm Wu Xin das Wasser schlicht an die Lippen setzte, Xiao gē’s trotzigen Blick mit einem mahnenden erwiderte, bis dieser schließlich nachgab.

„In Ordnung.“, meinte dieser dann, als sein Durst gestillt war.

„Was ist passiert? Und warum trägst du kein Shirt?“ Auf die letzte Frage schob er seine Schulter schwach gegen die von Lei Wujie.

„Möchtest du in ein Krankenhaus?“, erkundigte sich Lei Wujie auf ihre Aufklärung, doch schüttelte Xiao gē nachdrücklich mit dem Kopf. „Nicht, wenn es sich vermeiden lässt. Ein Schmerzmittel sollte vorerst zureichen.“

Er und Wu Xin schauten sich nicht recht überzeugt an, dass es Xiao gē müde seufzen ließ.

„Wenigstens nicht jetzt. Ich bin zu erschöpft für diese Prozedur. Lassen wir das Unwetter erst einmal abklingen. Ich kann mir vorstellen, dass es derzeit wichtigere Fälle als den meinen gibt.“ Es war zu erkennen, das Xiao gē die Option eines Krankenhausbesuches widerstrebte.

„Sobald es dir irgendwie schlechter gehen sollte, gibt es darüber keine Diskussion mehr, verstanden?“ Es war ungewohnt Wu Xin derart streng zu sehen, aber man konnte es ihm auch nicht verdenken.

Lei Wujie sah es nicht anders.

„Xiao gē?“, bat er ihn etwas sanfter.

Dieser nickte ergeben.


Nachdem Xiao gē sich noch etwas sauberes zum Anziehen bringen ließ und sich unter dem beständigen Murren, das seine Sachen ruiniert wären, etwas umständlich umzog, wollte er sich partout nicht dabei helfen lassen, schlief er recht schnell ein, was Lei Wujie und Wu Xin für sich ließ.

„Ich werde das Chaos im Wohnzimmer beseitigen.“, meinte Wu Xin und klopfte Lei Wujie auf eine bloße Schulter.

„Hab ein Auge auf ihn.“ Etwas, das man ihm nicht extra sagen musste.

Lei Wujie kletterte somit zu Xiao gē ins Bett und legte sich neben diesen, schaute ihm, im spärlichen Licht, nachdenklich, in das viel zu blasse Gesicht.

Er war so froh, dass nichts Schlimmeres passiert war und ärgerte sich, dass er nicht eher nach Hause hatte kommen können.

Er rückte näher an seinen Xiao gē heran und legte ihm behutsam eine Hand auf die Brust, unter welcher dessen Herz schlug und atmete tief und erleichtert durch.

„Ich liebe dich, Xiao gē.“, wisperte er und fühlte, dass es nie mehr Gewicht für ihn hatte.

Es war ungemein beruhigend, dessen Wärme zu spüren, dass er selbst seine Augen schloss und schließlich einschlief.

*

Tang Lian öffnete das Musikzimmer umsichtig.

Wu Xin hatte ihn durch einen Anruf über den letztendlichen Stand der Dinge informiert und es erleichterte ihm die beschwerliche Rückfahrt, die dem Unwetter zu verdanken gewesen war, doch etwas.

Er würde ein paar Dinge zu erklären haben, warum er so Hals über Kopf und mit einem nur für ihren Auftrag zugedachten, gemieteten Wagen, und unter solchen Bedingungen, gut hundert Kilometer zurückgefahren war.

Aber ihm würde schon etwas einfallen und wenn er schlicht die Wahrheit vorbrachte.

Vorerst lag Xiao Se auf dem Schlafsofa, links von ihm Wu Xin und auf der anderen Seite Lei Wujie.

Jemand hatte sämtliche LED Lichtquellen im Zimmer platziert, wäre es sonst stock dunkel hier gewesen.

Es war ein Moment der Tang Lian dazu brachte sein Smartphone hervorzuholen und ein Foto davon zu machen.

Es zeigte so deutlich, was ihnen Xiao Se bedeutete.

Allerdings war er noch immer nicht ganz beruhigt, solange er nicht selbst sichergehen konnte, dass dieser soweit in Ordnung war.

Etwas regte sich auf dem Sofa, worauf sich Xiao Se wach blinzelte. Sein Kopf wendete sich zu Lei Wujie, worauf er ein „Trägst du noch immer kein Shirt.“, von diesem gemurmelt hörte.

Dann schaute er zu Wu Xin, dessen Haare ein ungewohntes Durcheinander auf einem der Couchkissen, das es Xiao Se kurzum an einer der rebellischen strähnen zupfen ließ.

„Lian.“, flüsterte er darauf, hob seinen unverletzten Arm ein Stück und winkte ihn damit heran.

Tang Lian zeigte sich kurz überrascht, dass man ihn mitbekommen hatte, doch fühlte er sich ebenso beschwingt, Xiao Se seinen Namen in dieser Form sagen zu hören.

„Hilf mir mich aufzurichten, ohne die zwei zu stören.“, wies dieser ihn in seiner üblichen Manier an und es ließ die bestehende Sorge in Tang Lian weiter sinken.

Er hatte ihm schließlich vom Bett helfen können, wo dieser sich einen Moment gegen ihn lehnte und etwas mitgenommen seufzte.

Tang Lian legte ihm einen Arm um die Taille, worauf Xiao Se dasselbe bei ihm tat und sich aus dem Zimmer führen ließ.

„Wie geht es dir?“, erkundigte er sich, sobald sie die Tür des Zimmers wieder hinter sich geschlossen hatten.

Xiao Se ließ sich auf einen der Sessel sinken.

„Es ging mir schon besser. Aber nicht so schlecht, wie es sein könnte.“ Tang Lian schaute auf den Verband.

„Lass mich sehn.“ Er deutete auf die Bandagen.

Xiao Se sagte nichts dazu, machte nur einen Kopfzeig, das es für ihn in Ordnung sei.

Lei Wujie hatte in der Tat gute Arbeit geleistet.

Dennoch fand er, dass jemand vom Fach es sich ansehen sollte, da man nie wissen konnte.

Xiao Se winselte unwillig. Etwas das er so noch nicht von ihm erleben durfte. Es auf der anderen Seite aber etwas extrem liebenswertes hatte, ihn so zu sehen.

Dann versuchte er ihn an seiner eitlen Seite zu packen.

„Es könnte sonst eine unschöne Narbe geben. Nie mehr kurzärmlige Designer-Stücke tragen, wäre das nicht ein erheblicher Verlust?“ Xiao Se schnaufte missgestimmt über diese Möglichkeit, senkte dann jedoch den Kopf in einer ergebenen Weise.

„Um ehrlich zu sein, bin ich nicht gut mit Krankenhäusern, oder Ärzten allgemein. Ich hatte über längere Zeit zu viel mit beiden zu tun.“, gestand er mit merklich gedrückter Stimme und es war ersichtlich, das ihn dieses Thema wirklich zu schaffen machte.

„Endschuldige, ich wollte dich nicht zu etwas drängen. Ich weiß nur aus eigener Erfahrung, das solche Verletzungen ihre Tücken haben können, wenn man zu fahrlässig damit umgeht.“ Es blieb einen Moment still zwischen ihnen und Tang Lian nahm an, das Xiao Se nicht weiter darüber sprechen mochte.

„Könntest du an meiner Seite bleiben?“, hörte er ihn jedoch noch in einem zögerlichen Ton fragen, ohne dass er seinen Kopf wieder angehoben hätte.

Ein sanftes Lächeln legte sich auf Tang Lian´s Lippen, über diese Bitte.

„Natürlich. Was immer du brauchst.“



Es verlief letztendlich so.

Tang Lian hatte ihn zum Krankenhaus gefahren und er war auch derjenige, der sich um all die nötigen Abläufe kümmerte, bis man ihn in ein Behandlungszimmer bat.

Tang Lian hielt sein Versprechen, indem er ihn auch dorthinein begleitete.

Zum Glück hinterfragte es niemand, ließen in seine Nervosität und die Verlegenheit eine haltende Hand zu benötigen, sich nur noch aufgewühlter fühlen.

Denn die haltende Hand meinte er wortwörtlich.

Die ihn behandelnde Ärztin schaute sich seine Verletzung eingehend an, während sie nach der Ursache dafür fragte, was ebenso Tang Lian für ihn beantwortete.

Er hatte eh nicht mehr im Gedächtnis, was genau passiert war, nachdem er versucht hatte sich ein Glas Wasser holen zu wollen.

Man hatte sichergestellt, dass sich keine Splitterreste mehr in der Verletzung befanden und ihn darüber informiert, dass der Schnitt schneller abheilte, wenn sie die Wunde nähen würden.

Bei diesem Vorschlag hatte er Tang Lian´s Hand unbewusst fester gedrückt, dass es womöglich unangenehm für diesen wurde.

Sagen tat Tang Lian jedoch nichts dazu, strich ihm aber, als Zeichen da zu sein, beruhigend mit dem Daumen über seine verkrampfte Hand.

„Ich…“ Am liebsten wäre er einfach nur aufgestanden und gegangen, doch nahm er seinen Mut zusammen und nickte schließlich zustimmend.

„Sie können sich gern dafür hinlegen, wenn es ihnen lieber wäre.“, bot man ihm an und auch hier nickte er.

Sein Kreislauf war bei solchen Dingen nicht der Taffeste und bevor er noch vom Stuhl kippte und sich eine weitere Blessur zuzog, legte er sich folglich auf die zugewiesene Liege.

Tang Lian immer an seiner Seite.

„Ich bin stolz auf dich.“, wisperte dieser ihm gegen den Haarschopf, bevor er sich gänzlich hinlegte und seine Augen fest schloss.

Er wollte nichts von alle dem sehen, was jetzt kommen würde.

Dennoch spürte er die Injektion der Betäubung in seinem Unterarm, als ein unangenehmes Brennen, das ihn leidlich zischen ließ.

Er war wirklich ein Weichei in dieser Hinsicht, hatte sich das Schämen darüber aber schon lange abgewöhnt.

Zu oft hatte er in der ersten Zeit, nach dem Unfall, versucht sein Unwohlsein zu überspielen, das es ihn an seine mentalen Grenzen brachte.

Es war wirklich ein elendiges Kapitel in seinem Leben gewesen.

Er spürte die Hand, die ihm sanft über eine Wange strich und er erst jetzt für sich wahrnahm, wie eisern er seine Zähne zusammenbiss und darauf seine Kiefer wieder etwas entspannte.

„Gut so.“ Tang Lian´s Stimme war warm und fürsorglich, das er seinen Kopf in dessen Richtung drehte und sogar seine Augen öffnete um ihn ansehen zu können.

Dessen Ausdruck darauf war ebenso liebevoll und er fragte sich nicht zum ersten Mal, womit er sich solch eine Zuneigung verdient hatte.

Tang Lian, Wu Xin und Lei Wujie, waren alle samt solche starken Charaktere, das er sich sogar etwas in den Schatten gestellt fühlen konnte.

Keiner der drei hätte es nötig, gerade um ihn zu werben und doch…

„Ich kann dir nahezu ansehen was du denkst.“ Xiao Se blinzelte etwas träge über dessen Feststellung, merkte er wie ihn der ganze Stress müde machte.

„Ich…wir sind für dich da. Das haben wir selbst für uns endschieden, in Ordnung? Mach dir also keine unnötigen Gedanken darüber.“ Das war leichter gesagt als getan, war er einfach der Typ Mensch, der sich immer seine Gedanken machte. In diesem Moment jedoch, geschah es wie von selbst, das er Tang Lian´s Hand, welche er noch immer umklammert hielt an seine Lippen führte und einen Kuss darauf setzte.

„Danke.“, murmelte er und schloss die Augen wieder.

Das nächste Mal als er sie öffnete, war er bereits wieder zu Hause in seinem Bett und raunte etwas peinlich berührt über den Gedanken, wie Tang Lian ihn hier her gebracht haben mochte.

Aber er fühlte sich ebenso glücklich.

Es tat gut zu wissen, dass er nicht mehr allein war und er es auch nicht mehr sein wollte.
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