Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Mit einem Brief fing alles an

von Tullia
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Liebesgeschichte / P18 / Het
Hermine Granger Minerva McGonagall Severus Snape
17.05.2022
28.06.2022
13
28.396
47
Alle Kapitel
82 Reviews
Dieses Kapitel
8 Reviews
 
 
17.05.2022 1.097
 
Ich schrieb es ja, ich habe eine neue Idee. Diesmal wächst sie, während ich veröffentliche. Die Kapitel werden eher kurz ausfallen. Dienstag ist wieder als Update-Termin eingeplant.


London, 23. April 1999


Sehr geehrter Professor Snape,


bitte lesen Sie diesen Brief! Zerreißen Sie ihn nicht schon jetzt, auch wenn er von der 'ewig nervenden, impertinenten Gryffindorgöre' stammt.
Ich kann mir vorstellen, dass Sie diesen Kontaktversuch als maßlos übergriffig empfinden - nun, vermutlich ist er das auch - aber ich kann es nicht lassen. Vermutlich bin ich maßlos impertinent…

Warum schreibe ich Ihnen?

Es gibt keine Dementoren mehr in Askaban, die Fenster sind verglast und Kingsley schwört, die Zellen sind sauber und trocken. Ein Fakt, der mir in der Mehrzahl ziemlich egal ist, es würde mir genügen, wenn die Beschreibung auf Ihre Zelle zutrifft, die anderen Insassen verdienen meiner Meinung nach ein bisschen Moder und Schmutz. Viele sind genau das vermutlich sogar gewohnt.
Sie sehen, dass mit der vielgepriesenen Gryffindormoral ist auch heute eine verdammte Mogelpackung. Ich wünsche so vielen Menschen die schlimmsten Sachen, Skorbut erscheint mir für ein Gefängnis mitten im Meer ganz passend. Wunden, die nicht heilen, denn von den Gefangenen wurden doch genau solche Verletzungen geschlagen.
Auge um Auge erscheint mir dieser Tage als sehr passendes Strafmaß, Merlin möge bitte dafür sorgen, dass die Strafverfolgung objektiv geführt wird.
Aber nein, auch das will ich nicht, denn das Ergebnis der scheinbaren Objektivität missfällt mir.

Sie sollten nicht in Untersuchungshaft sitzen, Professor Snape! Objektiv gesehen mag es richtig sein, aber insgesamt ist es das nicht!
Sie standen auf der richtigen Seite, Sie wären beinahe gestorben und als Dank für Ihren Einsatz verlegt man Sie nach Askaban, sobald Ihr Zustand es zugelassen hat. Es muss eben einen Prozess geben, oder besser zwei, für den 'Mord' an Albus Dumbledore und für die Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation. Für jemanden, der die Wahrheit kennt, ist das schwer zu ertragen. Nun ja, für Sie sicher noch viel mehr…

Das mitgeschickte Buch zerstören Sie bitte auch nicht! Es ist sehr gut und ich hoffe, Sie kennen es bisher noch nicht. Minerva meinte zu mir, Sie hätten ihr gegenüber 'freundlich' darauf hingewiesen, genug von der Literatur zu haben, mit der sie Sie versorgt, deshalb dieser Versuch von mir. Ein bisschen Agatha Christie hat meiner Meinung nach noch keinem geschadet. Minerva meint allerdings auch, nach Mord stünde Ihnen vermutlich nicht der Sinn, aber es geht ja nicht um das Verherrlichen der Tat, sondern um die Aufklärung und damit um Gerechtigkeit.

Ich stelle gerade fest, dass ich noch immer nicht aufgeklärt habe, warum ich diesen Brief an Sie richte. Ja, ich gestehe, ich habe eine nicht zu verleugnende Neigung zum Abschweifen! Dass das gerade für Sie keine Neuigkeit ist, ist mir auch durchaus bewusst.
Ich wollte etwas gegen die potentielle Stille in Ihrer Zelle tun. Jetzt sind Sie mit Sicherheit gerade sehr aufgebracht, wegen des bereits von mir als grenzüberschreitend erkannten Verhaltens. Ruhig sind Sie damit also nicht mehr, oder? Ein bisschen Abwechslung tut Ihnen sicher gut, echauffieren Sie sich nach Herzenslust über mich.

Und noch etwas, ich wünsche mir eine Antwort von Ihnen. Erwarten tue ich sie nicht, aber ich würde mich darüber freuen. Ich wüsste gern, dass es Ihnen gut geht. Also jenseits der Frustration über die Ungerechtigkeit.
Warum das? Das schlechte Gewissen nagt an mir, Sir. Ich habe Sie so oft still verflucht und auch Ihnen furchtbare Dinge gewünscht. Ich habe Sie in der Hütte Ihrem Schicksal überlassen.
Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass ich wirklich dachte, Sie wären tot. Aber ich habe es nicht überprüft. Das klingt ganz furchtbar in meinem Kopf, so furchtbar, wie es das auch war. Grausam…

Bitte schreiben Sie mir, dass Sie sich auf dem Weg der Besserung befinden. Verwünschen und beleidigen Sie mich gern begleitend, es ist mir egal, aber senden Sie ein Lebenszeichen.


Es grüßt Sie


Hermine Granger




Severus Snape sah irritiert auf den Brief in seiner rechten Hand, dann glitt sein Blick zu dem schmalen Bett, auf dem ein abgewetztes, in Leinen gebundenes Buch lag, 'Mord im Orientexpress'.
"Aha", stieß er ausgesprochen hohl aus.

Impertinent war sie, in der Tat. Grenzüberschreitend und die Privatsphäre verletzend. Er hatte weder um ein Buch noch um eine Kontaktaufnahme durch sie gebeten.
Und was war das Ziel des Ganzen? Die Worte der Hexe waren durchsetzt von Gewissensbissen. Absolution wollte die Ausgeburt der Hölle namens Gryffindor also.

"Bedaure, Miss Granger, ich bin kaum der richtige Adressat, um diese zu erbitten", sagte er zu sich selbst, mit einer Stimme, die ihm nach wie vor so fremd war, dass er sich vielleicht tatsächlich der Illusion von boshafter Gesellschaft hingeben könnte. Heiser rasselte sie durch den kahlen, aber tatsächlich warmen und sauberen Raum.

Ja, Granger, Weasley und Potter waren einfach gegangen. Er nahm es ihnen nicht übel. Seine Ambitionen, diesen Krieg zu überleben, waren nicht unglaublich groß gewesen und die Tatsache, dass er verletzt worden war und somit eine Flucht nicht hatte stattfinden können, hatte ihm den Gedanken an ein wirkliches Ende ganz erträglich erscheinen lassen. Wozu ein Überleben ohne rechtzeitiges Verschwinden führte, erlebte er ja gerade.

Gerade… Es bestimmte ihn seit elf gottverdammten Monaten! Neun Monate Haft in einer Zelle, davor zwei Monate im eigenen Körper, bettlägerig und hilflos.
All das hätte er sich gern erspart.

Nein, er war nicht wütend auf die Hexe, die ihn im eigenen Blut liegend zurückgelassen hatte. Wütend war er auf den unbekannten Witzbold, der ihn kurz darauf gefunden und wiederbelebt haben musste. Wirklich wütend.
Die Unterbringung war nämlich das eine. Askaban war tatsächlich nicht mehr das, was es einmal gewesen war. Ratten gehörten genauso der Vergangenheit an wie Zugluft und seelenfressende Gefängniswärter. Die leere Zeit war das einzige Problem, das er wirklich hatte, zumindest im Hinblick auf seinen Aufenthalt.

Der Rest, beziehungsweise der Blick in Richtung Zukunft, wog schwerer. Sein Körper war nie ein Geschenk des Himmels gewesen, jetzt war er allerdings nur noch Schrott. Halbseitig mehr oder weniger gelähmt, würde Severus Snape zukünftig durch das Leben schlurfen, ein Bein nach sich ziehend, der linke Arm wahlweise sinnlos an sich herunterbaumelnd oder, einen unkontrollierbaren Impuls folgend, in alle möglichen Richtungen zuckend oder schlagend. Ein Krüppel war er, unfähig als Tränkemeister zu arbeiten und damit nicht in der Lage, zukünftig für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen. Welch rosige Aussicht bestimmte doch sein Leben, nach dem Ende dieses Krieges. Er hätte ihn gar nicht überleben dürfen.

Mit einem boshaften Grinsen, das vermutlich eher ein Zähnefletschen war, griff er zu Pergament und Feder. Ein Lebenszeichen wollte sie, das sollte sie haben, die widerlich positive Hermine Granger.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast