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Die einzige Zeugin

Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P18 / Het
Hermine Granger Severus Snape
14.05.2022
30.06.2022
17
66.692
52
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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23.06.2022 2.616
 
Tag 12; 19. September 2006

Ginny lief vor dem Wohnzimmerkamin im Grimmaultplatz Nr. 12 auf und ab. James wuselte um ihre Beine, wedelte mit seinem Lieblingsstofftier – einer Fledermaus – und ließ sie mit einem kreischenden „Wuuuusch“ immer wieder in waghalsigen Sturzflügen rund um die Wohnzimmermöbel fliegen.
James war in seinem Spieltrieb wie Harry in seinem Arbeitsmodus, dachte Ginny: beide wollten immer in Bewegung sein.
Ginny konnte das heute nur zu gut verstehen. Sie selbst war zu nervös, um still zu sitzen. Sie war zu nervös, um an irgendetwas anderes zu denken – als an Seamus, der hoffentlich nicht aufgeflogen war bei der Arbeit; an Ron, der hoffentlich Eileen Monroe ausfindig gemacht hatte; und an Harry, der vielleicht schon etwas aus den Tennessee-Hinweisen herausgefunden hatte?
Ginny sah vom stillen Kamin zum Eulen-leeren Fenster.
Bei Merlins schlabbernder Unterhose – wie lange musste sie noch auf Neuigkeiten warten?
Sie selbst hatte seit gestern Abend und bis vor einer Stunde erneut Hermines sämtlichen Kram auf Tennessee hin überprüft. Parallel hatte Ginny sich über den US-Bundesstaat schlau gemacht. Inzwischen kannte sie die Counties der drei Großregionen in Tennessee fast schon auswendig. Sie hatte jedes noch so kleine Ding in Hermines Zimmer auf eine Spur in den Südosten der Vereinigten Staaten hin überprüft – aber nichts gefunden.
…Vielleicht war Tennessee doch die falsche Fährte…?

Aber zum Hippogreif es war die einzige Fährte, die irgendwie in die USA führen könnte! Sie mussten diesem Hinweis nachgehen. Sie mussten! ….Besonders heute. An Hermines Geburtstag.
Und immerhin waren ihre Mitstreiter ebenfalls von dem Hinweis überzeugt. Sogar Seamus. Sogar der.
Ron hatte den gesamten gestrigen Tag auf ihn eingeredet. Ginny hatte sich zum Lunch mit ihm getroffen.
„Ich kann dadurch meinen Job verlieren!“, hatte Seamus Ginny entsetzt zugezischt, als sie ihn um die Zabini-gegen-Granger-Akte bat.
„Wir alle können das, Seamus. Ich würde dich nicht bitten, wenn ich mir nicht absolut sicher wäre“, hatte Ginny gestern noch voll Inbrunst der Überzeugung gesagt.
Nicht, dass Ginnys Sicherheit das schlagende Argument für Seamus gewesen war. Nein. Was den Strafverfolger überzeugte war die Information, dass Kingsley Shaklebold mehr oder weniger Bescheid wusste.

Nachdem Ginny den armen Seamus gestern eine Dreiviertelstunde über ihr Sandwich hinweg bearbeitet hatte, war Seamus wütend zurück ins Ministerium gegangen – wo Ron ihn am Nachmittag mürbe gemacht hatte. So lange, bis Seamus kurz vor Dienstschluss ihnen endlich zustimmt hatte. Um 22 Uhr abends hatte er Ginny eine Kopie der Zabini-gegen-Granger-Akte in die Hand gedrückt. Seamus hatte dabei immer noch wütend ausgesehen.
„Wieso hat Harry den Schrank von Watson aufgesprengt? Er hätte einfach nur die hintere Wand des Schubfachs aufschrauben müssen – auf Muggelart. Dann wäre er nie aufgeflogen“, hatte Seamus gegrummelt. „Mensch, er ist doch auch Halbblut.“
Seamus schüttelte den Kopf. Dann hatte er Ginny streng in die Augen gesehen.
„Wenn jemand die Akte bei dir finden, sind wir alle dran.“
„Ich weiß, Seamus. Darum hat Harry seine Kopie mitgenommen – um uns nicht da mithineinzuziehen. Aber inzwischen wird die Sache heiß. – Wir können Hermine finden!“, hatte Ginny versucht, seine Stimmung zu heben.
Doch Seamus hatte nur gegrummelt: „Wenn ich morgen abgemahnt werde, schicke ich dir umgehend einen Heuler – und du wirst dann umgehend Watson und Shaklebold davon überzeugen, dass ich meinen Job behalten darf.“
Er hatte Ginnys Antwort oder Gruß nicht mehr abgewartet, sondern hatte sich umgedreht und war fortappariert.
Seitdem: keine Meldung von Seamus. Ginny hielt das für ein gutes Zeichen.

Aber was war mit Ron, verflucht?!
Ginny schaute kurz aus dem Fenster, dann lief sie wieder vor dem Kamin auf und ab, während James jetzt über die Sofas kugelte und kletterte. Eigentlich etwas, was ihm nicht erlaubt war… Doch die übliche Schelte blieb heute aus. – Hauptsache, der Junge war beschäftigt.
Ginny seufzte. Wo blieb Ron?
Wie lange konnte es dauern, Eileen Monroe zu finden. Immerhin waren sie gestern Abend in der Zabini-gegen-Granger-Akte nur auf drei verschiedene „Eileens“ in Hermines Vergangenheit gestoßen: Eine Tante und eine Cousine im Stammbaum sowie eine Schulkameradin, die auf einer Klassenliste von Hermines Grundschule gestanden hatte.
Ginny tippte, dass entweder die Cousine oder die Schulkameradin die Kartenschreiberin war – wegen des „Burschen-Kommentars“ war sich Ginny sicher, dass eine Gleichaltrige an Hermine geschrieben hatte.
Nun gut… inzwischen hoffte sie verzweifelt, dass es eine dieser beiden Eileens war. Denn sie hatten keine weiteren Namen oder Namenslisten. Sie hatten keine Liste von Hermines kurzer Zeit in einem Tennisverein und sie wussten nicht, was Hermine sonst als Kind gemacht hatte. Vielleicht war sie in einem Kinder-Bücher-Club gewesen oder…

„Klack-klack“.
Ein Eulenschnabel auf Fensterglas erlöste sie aus ihrem immer düster werdenden Gedankenkarussell.
Ginny stürmte zum Fenster, riss es auf und griff grob nach der Eule.
„Endlich!“, stieß Ginny hervor, als sie Rons Siegel auf dem Pergament erkannte.
Ginny sprach das Passwort, damit die Nachricht sich öffnete, während James in die Küche flitzte, um statt der Eulenkekse den restlichen Streuselkuchen vom Tisch zu holen und die Eule damit zu füttern. Eigentlich etwas, was ihm nicht erlaubt war… Doch die übliche Schelte blieb heute aus.... – Ginny war viel zu sehr mit Rons Brief beschäftigt:

Tennessee ist korrekt. IST KORREKT! Hermine ist dort regelmäßig hingereist, gemeinsam mit ihrer Grandma. Eileen vermutet, dass es ein Ferienhaus ihrer Grandma war. Eileen ist sich sicher: es liegt ländlich, grün, in der Nähe eines Wandergebietes mit Gewässer.
Ginny fielen die Rocky Mountains vom Herzen. Bei allen guten Geistern – sie hatten eine Spur! Eine verflucht heiße Spur – das MUSSTE doch ein Schlupfwinkel für Hermine sein!
Ginny las weiter:
Es ist Eileen Smith, geborene Monroe. Muggel. Wohnhaft in Cornwall. Unternehmensberaterin. Nicht erfreut, wenn man ihr Zeit stielt. Erfreut, von Hermine zu hören. Entsetzt, dass Hermine weiterhin in Schwierigkeiten ist. Snape scheint sie vergangenes Jahr ebenfalls verhört zu haben.
Habe sie nicht obliviiert. NICHT obliviiert! Sie konnte sich nur bruchstückhaft erinnern und wird weiter überlegen, ob ihr weiteres einfällt. Offen ist: Welche Grandma? In den Sommern welcher Jahre, wann genau? Etc.
Mehr heute Abend. Muss zur Heilerin wg. Krankenschein für Gawain.
-Ron-


Ginny hätte ihren Bruder in diesem Moment knutschen können. Das vergangene Jahr, seit Hermines Verschwinden, hatten sie kaum miteinander gesprochen.
Seit Ron Hermine verlassen hatte und zu Lavender gezogen war, hatten sie sich wenig gesehen und wenn, dann hatten sie versucht, Hermine nicht zu erwähnen.
Als Hermine dann verschwunden war, war neben dem Thema „James“ nur noch das Thema „Hermine“ im Hause Potter präsent gewesen. Klar, dass Ron sich ferngehalten hatte. … Oder sie Ron nicht mehr eingeladen hatten?!
Wie auch immer es gewesen war – jetzt war es anders.
Jetzt, so schien es, gab es einen Wendepunkt. Endlich! Endlich!!!
Sie waren auf Hermines Spur. Der Spur, auf die vielleicht auch Snape irgendwie gestoßen war – und Snape hatte Hermine immerhin gefunden!
Ginny ließ den Brief sinken und lächelte breit. Hermine, wir kommen!

Ginny scheuchte die Eule wieder zum Fenster hinaus und ignorierte den zerkrümelten Kuchen auf dem Fußboden.
Während James seine Stoff-Fledermaus versuchte mit dem übrigen Streuselkuchen zu füttern, sah Ginny erst zum Kamin und dann auf die Uhr. Hier in London wurde die Nachmittags-Teezeit eingeläutet. Bei Harry in New York war es Vormittag. Wann flohte ihr Göttergatte sie endlich an?! Ginny brannte darauf, ihm die Neuigkeit mitzuteilen – und sie brannte darauf, ihn sofort ins Zentrale Grundbuchamt von Tennessee zu schicken mit dem Auftrag, eine Liste über alle Ferienhäuser in Tennessee zu erstellen.
Oh, er würde die Augen verdrehen und gequält aufstöhnen. Harry verabscheute Papierrecherche. Aber er würde es tun.
Er würde es tun – und dann würden sie Hermine einen weiteren Schritt näher sein. Wieder einen Schritt näher! Ginny konnte es kaum fassen.

∞∞ ~~ *** ~~ ∞∞

Severus konnte es nicht fassen. Er hatte es irgendwie geschafft, sich in der Nacht trotz des Gipses auf die Seite zu drehen - und in seinen Armen lag Hermine Kendall. Ihr Rücken berührte seinen nackten Oberkörper. Sein Arm lag über ihre Taille. Unter seinen Fingern spürte er ihr blickdichtes, weißes Nachthemd, das sich im Rhythmus ihres Atems leicht auf- und absenkte.
Merlin, sie lag in seinen Armen.
Trotz der gestrigen Enthüllung seiner Affäre und trotz ihres darauf folgenden eisigen Umgangs mit ihm, hatte sie sich in der Nacht in seine Arme geflüchtet.
Severus spürte, wie sein Herzschlag sich beschleunigte.
Es fühlte sich berauschend an, die Vorstellung, dass die Hexe in seinen Armen ihn begehren könnte. Dass sie sich bei ihm sicher fühlte. Dass er sie schützen durfte – vor was auch immer ihr Angst bereitete. Es war berauschend. Und nach wie vor ungewohnt.
Ihr kurz geschorenes, unbändiges Haar kitzelte an seinem Hals.
Severus atmete bewusst tief ein, so dass ihr Duft ihm in die Nase stieg.
Automatisch zog sich sein Arm etwas fester, bestimmter um ihre Taille.
Wenn sie wirklich seine Frau war, wäre er ein großer Glückspilz...
Die Hexe in seinen Armen unterbrach seine Gedanken: sie regte sich, wurde langsam wach. Für Severus das Stichwort, um sich wie jeden Morgen schlafend zu stellen.

~~ ** ~~

Zwei Stunden später, nach einem wie üblich schweigsamem Frühstück, trat die Hexe mit einem Tablett zu ihm an den Esstisch. Misstrauisch beäugte er die Plastikflasche mit Äthylalkohol, die winzige Schere und die Pinzette.
„Ich muss noch etwas erledigen“, sagte sie lapidar.
„Was?“
„Ich werde dir die Fäden ziehen.“
„Das wirst du nicht.“
„Da ist gar nichts dabei.“
Severus schnaubte nur. Er wusste nicht, was irrwitziger sein sollte. Die Muggelheilkunde mit Fäden – oder dass seine vermeintliche Ehefrau jetzt glaubte, Muggel-Heilerin zu sein.  
„Es sind nur oberflächliche Stiche. Die meisten Fäden liegen unter der Haut. Die haben sich inzwischen aufgelöst.“
„Merlin“, brummte Severus. Diese Mittelalter-Methoden. Fäden, die sich unter seiner Haut aufgelöst hatten…!
„Es wird nicht weh tun. Ich verspreche es dir. Die Wunde ist verheilt.“
Das zumindest war richtig. Die Wunde schmerzte nicht mehr; das Dröhnen in seinem Kopf war verschwunden. Er konnte sich wieder die Haare waschen. Die Stiche waren höchstens noch lästig, genau wie die kahlgeschorene Stelle um die Narbe herum.
Das Haar wuchs bereits nach und die Stoppeln juckten.

Hermine stellte sich näher zu ihm und wollte nach seinem Kopf fassen, aber er stoppte ihre Hände.
„Ich bin muggelstämmig, ich kenne mich damit aus“, sagte sie ruhig.
Widerwillig ließ Severus ihre Hände los, die sie auf seine Wangen legte, um seinen Kopf vorzuziehen. Hermine betupfte die Naht mit Alkohol.
„Ruhig bleiben“, mahnte sie, während sie die Watte beiseitelegte und die Nagelschere nahm.
Sie war äußerst behutsam. Wenn er nicht das metallische Schnippen der Schere gehört hätte, hätte er nicht sagen können, wann sie den ersten Faden durchtrennte. Hinzukam, dass ihn andere Reize ablenkten, die viel intensiver waren als das Ziepen an seiner Kopfhaut: ihr Atem in seinem Haar, die Berührung ihrer Schenkel, ihre Brüste, die so verlockend vor seinen Augen schwebten…
„Alles okay?“, fragte sie unvermittelt.
„Ja.“
„Macht dir dein Bein zu schaffen?“
„Nein.“
„Was ist dann los?“
„Nichts.“
„Dann hör auf zu zappeln. Ich schneide daneben, wenn du nicht stillhältst.“
„Tu´s einfach, okay?“, zischte er.
Sie trat zurück und stemmte die Hände in die Hüften, wobei sich ihr T-Shirt über den Brüsten spannte und ihre Figur noch mehr betonte.
„Willst du es selbst machen?“, fragte sie.
Ich will es MIT DIR machen, schoss es ihm wenig hilfreich in den Sinn.
Hermine wertete sein Schweigen scheinbar als Entschuldigung oder Verneinung, jedenfalls trat sie wieder nah an ihn heran und machte weitere Schnitte. Dann griff sie zur Pinzette.
„Jetzt wird es gleich ein bisschen…“
Severus sog scharf und geräuschvoll Luft zwischen die Zähne. Ein ziependes Stechen holte ihn aus seinen Tagträumen zurück.
„…Ziehen.“, beendete die Hexe den Satz.
Er verkniff sich eine Äußerung.

Als sie fertig war, tupfte Hermine die Stelle wieder mit Alkohol ab. Es brannte leicht. Kurz, sanft und eigentlich unnötig, strich Hermine ihm durchs Haar. Severus hob den Blick, doch Hermine schaute schnell beiseite.
„Sobald dein Haar nachgewachsen ist, bist du wieder wie neu“, sagte sie und legte die Schere aus den Händen.
„Wie man´s nimmt“, entgegnete er sarkastisch.
„Du meinst die Amnesie?"
Er schwieg. Und sie schien kein weiteres Wort von ihm zu erwarten… Hermine nahm ihr Tablett und verschwand damit im Badezimmer.

Severus sah ihr hinterher. Ihrem wippenden Haar. Ihrem Hintern… Ihren Beinen…
Wieso hatte er diese Frau hintergangen?
Er konnte sich nicht vorstellen, dass es ihm in ihrer Gegenwart an etwas gemangelt haben könnte…
Selbst jetzt war sie noch hier, bei ihm, organisierte den Alltag, betreute das Kind, ertrug seine seltsamen Marotten – seine schweigsame Art.
Salazar – wie konnte er diese Frau wieder zurückgewinnen?
Wie… -Stopp!
Wie konnte er sich von dieser Frau nur so einwickeln lassen?, mahnte sein Verstand.
Er sollte aufhören, mit seinen Lenden zu denken.
Sein Instinkt sagte ihm deutlich: sie war noch hier bei ihm, weil er ihre Flucht vereitelt hatte.
Er konnte sie nicht zurückgewinnen, weil sie noch nie zu ihm gehört hatte!
- Und doch: Wenn er sie nicht ZURÜCKgewinnen konnte, vielleicht konnte er sie GEWINNEN... Ihr Vertrauen gewinnen, … ihr Zutrauen…, ihre Zärtlichkeit…
Severus seufzte halb erregt, halb frustriert.
Wenn sie auf der Flucht war, vor wem auch immer – wieso ließ sie nicht zu, dass er sie schützte? Denn bei Merlin, er würde es. Allein der Gedanke daran, dass Fremde durch die Haustür hineinstürmten und sie oder das Kind bedrohten, brachte sein Innerstes zum Brodeln. Er würde Hermine und das Baby mit allem verteidigen was er hatte – mit seinen Krücken, mit seinen Zähnen, mit seinem Leben. Mit allem.
Severus betastete vorsichtig seine Schläfe.
Sie blieb ein Rätsel, die Frau namens Hermine Kendall.
Er sollte dringend auf andere Gedanken kommen.
Severus stand auf, nahm seine Krücken und humpelte in den Garten.

∞∞ ~~ *** ~~ ∞∞

Harry stand vom Schreibtisch auf, quetschte Daumen und Zeigefinger unter seine Brillengläser und rieb sich die trockenen Augen.
Er blinzelte und schaute erst auf die Uhr – es war 20 Uhr abends – dann auf die Muggel-Unterlagen vor ihm:
Der kleine Stapel auf seinem Schreibtisch waren Grundbuchauszüge von Menschen, die für diesen Fall einfach nur irrelevant waren…
Die Grundbuchauszüge stammten aus dem nicht-magischen Landesministerium, Abteilung Grundbuch-Archiv, Sektion Tennessee. Die Muggel dort hatten sich für die dringende Anfrage des „FBI“ ordentlich ins Zeug gelegt: Sie hatten schnell herausgefunden, dass weder Hermines Großeltern mütterlicher noch väterlicherseits Eigentum in Tennessee hatten. Namen und Geburtsdaten stimmten nicht überein. Aber vielleicht hatte man beim Eintragen ja Fehler gemacht? Ein Zahlendreher beim Geburtstag konnte schon mal passieren, oder? Darum hatten die Muggel-Archivare Harry trotzdem Grundbucheinträge übermittelt: Von Menschen, die so ähnlich hießen wie Hermines Großeltern und von zwei Namensvettern, die an anderen Tagen Geburtstag hatten.
Harry hatte alle 27 Gebäude mit Hankins überprüft. Aber sie hatten nichts gefunden außer Rentner-Ehepaare und Familien. Keine flüchtige Hermine, kein vermisst-gemeldeter Snape. Nichts.

Der zweite Stapel auf seinem Schreibtisch war erschreckend hoch: es waren 7.374 Seiten – und jede Seite zeigte ein anderes Exposé einer Ferienunterkunft in Tennessee in Grünlage. Es war unmöglich diese alle zu sichten. Es war unmöglich, dies allein zu tun – er wäre in zwei Jahren noch nicht fertig.
Harry war frustriert.
Dabei hatte der Tag so vielversprechend angefangen:  Tennessee schien die richtige Spur zu Hermine zu sein!
Doch jetzt, am Ende des Tages, schien dieser Bundesstaat einfach so verhext groß… Als ob jemand einen Ausdehnungszauber über Tennessee gesprochen hätte.
Und hinzu kam: morgen endete Kingsleys Gnadenfrist.
Harry erinnerte sich noch gut an die Worte des Ministers:
„Geh, Harry. Ich notiere, dass ich dich zwangsbeurlaubt habe. Unbezahlt. Eine Woche. Länger nicht. Dann leite ich die Kommission ein. Während die Kommission läuft, bist du suspendiert.“
Am Ende des morgigen Tages würde Harry also von „zwangsbeurlaubt“ zu „suspendiert“ umetikettiert.
Harry fuhr sich durch sein ohnehin zerstrubeltes Haar.
Er musste mit Kingsley sprechen. Gleich morgen früh nach britischer Zeit…


tbc – to be continued

P.s. In diesem Kapitel findet ihr Zitate aus dem Roman „Die Zeugin“ von Sandra Brown ©1996, Blanvalet Verlag München – den folgenden Seiten entnommen: 196-198
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