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Butterflies in my mind - Drehbuch des Schicksals

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Familie / P18 / Het
OC (Own Character) Tom Hiddleston
14.05.2022
02.07.2022
50
72.739
6
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24.06.2022 1.415
 
Eliza lag im Bett und sah in die Dunkelheit. Es war schon nach Mitternacht, aber sie konnte einfach keinen Schlaf finden.
Tom neben ihr lag auf dem Bauch, mit dem Gesicht ihr zugewandt, und schlief. Nach dem Zwölf Stunden-Flug zu ihr nach L. A. hatte er das auch mehr als verdient, vor allem nachdem sie den Abend zusammen verbracht hatten. Sie hatten sich zuvor zwei Monate nicht gesehen und täglich miteinander geschrieben und telefoniert, aber es war nicht das gleiche, als wenn sie sich von Angesicht zu Angesicht sahen.
In der Vergangenheit war es nur selten Thema gewesen, wo sie leben würden, aber bald würde sich das ändern. Das ahnte sie. Sie waren schon über zwei Jahre ein Paar und so langsam wurde es ernst mit ihnen. Sie liebte ihn und er liebte sie, doch beide wollten ihren Wohnsitz noch nicht so ganz aufgeben, obwohl beide überall arbeiten konnten.
Und – das würde das Entscheidende sein – eine Familie wollte sie mit ihm nur dann gründen, wenn sie auch an einem Ort lebten.
Leise drehte sie sich zu Tom um, hob die Hand und strich sanft über sein Gesicht und die Haare. Er machte sie so glücklich und zeitgleich fürchtete sie sich vor den Konsequenzen, die in einer Beziehung mit ihm auf sie zukamen, die Schlagzeilen, die lästigen Reporter, die vielen Meinungen.
Dass sie Tränen vergoss, merkte sie erst, als sie durch ihre Nase keine Luft mehr bekam. Sie löste ihre Hand von ihm, setzte sich auf und wischte sich mit den Händen über das Gesicht. Eliza schniefte und schlug die Decke zur Seite.
Weiter im Bett zu liegen und versuchen zu schlafen machte keinen Sinn, also schleppte sie sich leise zur Tür, öffnete sie und schlich in den Flur, den sie flink überquerte und im Bad verschwand. Dort schaltete sie das Licht am Spiegel an, sodass der Raum etwas erhellt war, schnappte sich ein paar Taschentücher für ihre Tränen und setzte sich auf den Wannenrand.
Ein richtiger Heulkrampf überkam sie. Tränen flossen ohne Unterlass und sie schluchzte hemmungslos. Nichtsdestotrotz achtete sie darauf, leise genug zu sein, um Tom nicht zu wecken. Minutenlang weinte sie.
Mit einem Mal klopfte es sacht an die Tür und sie zuckte zusammen. „Eliza, Sweetheart?“, fragte Tom und seine Stimme klang durch die Tür gedämpft. „Alles in Ordnung?“
„Ja“, sagte sie so überzeugend, wie sie nur konnte, aber ihre Stimme krächzte heiser. „Geh wieder ins Bett. Ich komme gleich.“ Es blieb still auf der anderen Seite, sodass sie annahm, dass er ihr glaubte und wieder ins Schlafzimmer ging. Wieder entkamen ihr ein paar Tränen und Schluchzer.
Auf der anderen Seite der Tür seufzte Tom. „Weinst du?“ Dass sie nicht antwortete, nahm er wohl als Bestätigung auf, öffnete die Tür einen Spalt breit und lugte hinein. „Kann ich reinkommen?“ Als sich ihre Blicke kreuzten, konnte sie nicht anders als zu nicken, denn in seinen Augen lag Sorge.
Sorge um sie.
Er betrat das Bad, schloss die Tür hinter sich und setzte sich neben sie auf den Wannenrand. Anschließend nahm er sie in den Arm, sodass ihr Gesicht an seine Brust gedrückt wurde. „Dann wein ruhig. Ich bin für dich da.“
Eliza fühlte sich in seinen Armen geborgen und sie spürte, dass er zwar den Grund für das Weinen wissen, sie aber auch nicht bedrängen wollte. Dieses Wissen und die Liebe, die er ihr zuteilwerden ließ, brachte sie wieder zum Weinen.
So saßen sie nachts im Halbdunkeln auf der Wanne und hielten einander in den Armen, während sie herzerweichend weinte. Worüber genau, konnte sie nicht mehr so genau sagen – ob es ihre Gedanken waren, die ihr im Kopf umhergingen, oder das Glück, einen solchen Mann an ihrer Seite zu wissen, sie wusste es nicht.
Nach einer Weile waren alle Tränen aufgebraucht und sie löste sich von ihm. Mit noch nassen Augen sah sie in ihren Schoß, in dem sie ihre Hände mit einem Taschentuch abgelegt hatte, das sie nun langsam zerriss.
Sie wusste, dass Tom gleich fragen würde, was mit ihr los war. Er war schon immer auf ihre Gefühle bedacht und tat alles in seiner Macht Stehende, dass es ihr gut ging. Das war eine der Eigenschaften, die sie so an ihm liebte. Aber manchmal nervte es sie auch, denn er berücksichtigte zwar sie, aber nie seine eigenen Bedürfnisse. Und bei dem folgenden Thema wusste sie nicht, ob er so rücksichtvoll bleiben würde.
„Ich habe nachgedacht“, fing sie langsam an, denn ihre Stimme war vom Weinen immer noch kratzig und heiser. „Wir sind jetzt schon mehr als zwei Jahre zusammen und mein Gott, ich liebe dich so sehr. Aber mir reicht es nicht, wenn ich dich alle paar Monate sehe.“
Neben ihr versteifte sich Tom. Er ahnte wohl, worauf das hinauslaufen würde. Dies war der Zeitpunkt, an dem sie entscheiden mussten, wohin ihr Weg sie führen würde – nach London oder Los Angeles.
Beides hatte Vor- und Nachteile. Sie hatten alles auch schon diskutiert, sich aber noch nicht einigen können. Und vielleicht verbot es auch ihrer beider Stolz und Egoismus, die eigene Heimat aufzugeben und zu dem jeweils anderen zu ziehen.
Eliza starrte weiterhin auf ihren Schoß, wo mittlerweile nur noch Fetzen des Taschentuchs lagen. Mit einer Hand wischte sie sich über die Augen, weil die letzten Tränen ihre Sicht versperrten, und schniefte. „Kannst du mir noch ein Taschentuch geben? Sie sind im Regal neben dem Spiegel.“
Tom nickte nur, erhob sich und trat an das Regal, um ein Taschentuch aus dem Spender zu zupfen. Doch mitten in der Bewegung hielt er inne.
Er musste den letzten Grund für ihren Gefühlsausbruch gefunden haben. Dieser eine Grund war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte, letzte Woche, als sie es herausgefunden hatte. Es war zwar nicht geplant gewesen, nachts in Tränen auszubrechen, sich im Bad zu verschanzen und es ihm so zu sagen, doch es passte ganz gut zu ihrem Gesprächsthema und würde eine entscheidende Rolle spielen.
Tom griff danach und setzte sich wieder auf den Wannenrand, diesmal aber mit dem Rücken zu ihr. Seine Gedanken konnte sie so nicht erraten, doch sie hoffte, er würde ihr gleich sagen, was er fühlte und ob es für ihn von Bedeutung war.
„Warum hast du nichts gesagt?“, fragte er mit tonloser Stimme. Sie konnte keinerlei Gefühle heraushören und wusste nicht, ob er es gut oder schlecht aufnahm.
„Du sahst so müde aus... Ich wollte mit dir darüber reden, wenn wir beide ausgeruht sind.“ Eliza rutschte näher an ihn heran, jedoch ohne ihn zu berühren. „Als wir uns das letzte Mal gesehen haben, ging es ja schon heiß her. Das Kondom muss gerissen sein, anders kann ich es mir nicht erklären. Ich habe auch schon mit meiner Ärztin darüber gesprochen… Wenn es uns nicht passt, kann ich es auch wegmachen lassen.“
Er drehte sich um und sie sah Entsetzen in seinen Augen. „Es wegmachen lassen?“
Ein Stein fiel ihr vom Herzen. Er war über die Tatsache entsetzt, dass sie offenbar über eine Abtreibung nachdachte, was bedeutete, dass er den Gedanken an ein Kind nicht verteufelte.
Sie hatten noch nicht viel über das Thema Kinder gesprochen. Immerhin waren sie beide schon Mitte dreißig, lebten – noch – auf zwei verschiedenen Kontinenten und hatten keinerlei Erfahrung, wie sie als Paar an einem Ort, in einer Wohnung, zusammen funktionierten. Für Eliza wäre der nächste Schritt gewesen, sich auf einen Wohnort zu einigen und dort eine passende Bleibe für sie zu suchen, zu sehen, wie das Zusammenleben klappte. Und dann hätte sie das Thema Kinder angesprochen.
Aber dieses Kind – ihr Kind, Toms und ihres – beschleunigte all das. Entweder es ging gut und sie fanden eine gemeinsame Lösung, oder aber ihre Wege trennten sich. Denn ja, sie hatte kurz über eine Abtreibung nachgedacht, aber dafür musste sie weit fahren und ehrlich gesagt wollte sie das durchziehen, ob nun Tom dabei war oder nicht.
„Wievielte Woche?“, fragte er leise und drehte den positiven Schwangerschaftstest in seinen Händen hin und her.
„Neunte“, antwortete sie ebenso leise.
„Hm“, machte er und schien nachzudenken.
Eine Weile saßen sie nebeneinander und schwiegen. Jeder von ihnen dachte für sich über die neue Situation nach, die sich soeben eröffnet hatte.
Nach schier endlosen Minuten regte sich Tom als erstes. Er hob seinen Arm, umfasste ihre Hüfte, zog sie näher zu sich heran und legte seinen Kopf auf ihrer Schulter ab. „Ein Baby“, flüsterte er, aber sie konnte nicht sagen, ob er es gut oder schlecht fand.
„Unser Baby“, entgegnete sie und ließ ihren Kopf auf seinen sinken.
Sein Arm umgriff sie ein wenig stärker. „Lass es uns durchziehen.“
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