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Frösche

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAbenteuer, Drama / P12 / Gen
OC (Own Character)
14.05.2022
18.06.2022
6
17.240
3
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
14.05.2022 3.317
 
Moin zusammen,
ich tauche hier auch mal wieder aus der Versenkung auf und zwar mit einer Idee, die ich schon ewig habe und die ich jetzt endlich mal umgesetzt habe, weil ich auch mal ein paar Sachen ausprobieren wollte, auch wenn ich fürchte, dass ich letzten Endes doch wieder zu sehr in meinen üblichen Stil gefallen bin :D
Ursprünglich war sie als OS geplant, letztlich fand ich dann eine Kurzgeschichte mit sechs Kapiteln besser. Die liegen tatsächlich auch schon alle fertig auf meinem Laptop, also kann ich zu 100% versichern, dass diese Geschichte nicht abgebrochen wird.
Das zweite Kapitel wird kommen, sobald ich 100 Favos, 50 Reviews und 20 Sterne habe. Kappa.
Ne, im Ernst, ich hab noch nicht so wirklich ne Idee, wann und wie die Updates kommen. Bin da auch offen für Wünsche, sollten sich überhaupt Leser:innen finden. Ansonsten viel Spaß mit der Geschichte!




„Also“, verkündete Amethyst frohlockend, „schauen wir doch mal, wen von den Opfern wir erwischt haben.“

Sie trat beiläufig gegen den Leichnam des Mädchens aus Distrikt Drei.

„Ich habe mir auf jeden Fall die Pisserin geholt.“ Sie lachte hämisch.

Wäre Beryll nicht so angespannt gewesen, hätte er sicherlich schmunzeln müssen. Amethyst war zwar eine verdammt nervige und herrische Schlampe, aber es war dennoch ziemlich witzig gewesen, wie sie am zweiten Trainingstag diese Distrikt-Drei-Doroteya dazu gebracht hatte, sich einzunässen. Seitdem war die Göre in ihrer Gruppe nur noch als die Pisserin bekannt gewesen. Das war nun aber wohl auch vorbei.

„Ich hab den Elfer“, erklang die Stimme von Neptunus. Natürlich. Der musste sich auch wieder in den Vordergrund drängen.

„Ein Zwölfjähriger“, Amethyst winkte abfällig ab, „keine große Kunst.“

„Dreizehn“, murmelte Beryll unwillkürlich, aber laut genug, dass es die Umstehenden hörten. Amethyst fuhr irritiert auf, offensichtlich hatte sie nicht mit Widerworten aus dieser Richtung gerechnet.

„Macht das nen Unterschied?“, maulte sie, „überhaupt lächerlich, dass du dir die ganzen Details von diesen Untermenschen merkst, Berry. Habe dir doch gesagt, dass die Hälfte jetzt schon tot ist.“

Beryll biss die Zähne zusammen als er den Spitznamen hörte, den Neptunus sich ausgedacht und den seine eigene Distriktpartnerin dann nur zu gerne übernommen hatte, aber versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. Sicherlich war dieser Name dennoch besser als Pickelfresse. Seine Verbündeten nahmen ihn trotzdem einfach nicht für voll und das nur, weil die Spielmacher anscheinend entschieden hatten, diesem nach Fisch stinkenden Fastranddistriktler den Sieg zu schenken. Zehn Punkte hatten er und seine Mittributin jeweils bekommen, während man Beryll mit sieben abgespeist hatte. Immerhin hatte Amethyst auch nur acht bekommen, aber die schaffte es dennoch irgendwie, sich durch ihre keifige Art zu Anführerin des Bündnisses aufzudrängen. Und bei Oceanne, der Partnerin von Neptunus, war die Zehn Berylls wegen auch gerechtfertigt, dieses monströse Untier von einem Weib war wirklich stark, aber der Typ konnte nix anderes als reden und sich gut verkaufen. Beim Interview waren diese lächerlichen Kapitolsidioten komplett auf ihn abgefahren, während Beryll sich mehrfach verhaspelt hatte und am Ende am liebsten im Erdboden versunken wäre. Sicherlich auch der unverdient hohen Trainingsanzahl geschuldet.

Jetzt jedoch lächelte Neptunus Beryll so überheblich-gönnerhaft zu, was ihn fast noch mehr ärgerte als wenn er sich gemeinsam mit Amethyst darüber lustig gemacht hatte. Die anderen würden schon sehen, was sie davon hatten. Beryll würde nicht den Fehler machen, die Außendistriktler zu unterschätzen, auch wenn es nur dreckige Bauern waren, die keine Kampfausbildung erhalten hatten. Was die Kampfausbildung angeht, solltest du gerade ruhig sein, warnte eine Stimme in seinem Kopf, doch Beryll wischte sie ärgerlich beiseite. Er war gut, er hatte das Talent, ein hervorragender Kämpfer zu sein, er müsste das Potenzial nur abrufen können. Ja, technisch war er verbesserungswürdig, aber es hatte noch niemand die Hungerspiele mit bloßer Technik gewonnen. Und wenn ihn jemand wütend machte, dann würden sie schon sehen, was in ihm steckte. Er würde diese Spiele gewinnen. Und dann konnten all diese arroganten Drecksäcke, sowohl in der Arena als auch daheim in Distrikt Eins, sich ihr dummes Gelache sonst wohin stecken.

„Übrigens solltest du gerade leise sein.“ erregte der Streit seiner Verbündeten wieder Berylls Aufmerksamkeit, „Deine Pisserin war jetzt auch nicht der allermächtigste Tribut.“ Neptunus lachte dümmlich.

Amethyst warf sich in die Brust.
„Nein, wirklich nicht“, stimmte sie boshaft lächelnd zu, „die Pisserin war die lästige Pflicht, die Kür war dein kleiner Freund hier.“

Auch diesem Leichnam verpasste sie einen leichten Tritt, worauf noch etwas Blut aus der Halswunde des Jungen sickerte, welche sie mit ihrem seltsam gekrümmten Dolch geschlagen hatte. Beryll wusste, wen sie meinte. Valdemar aus Distrikt Zehn war in diesem Jahr wohl einer der gefährlicheren Außendistriktler. Oder viel eher gewesen, hier lag ja schließlich sein Kadaver. Das war einerseits naheliegend, andererseits auch wiederum nicht. Sehr starke Außendistriktler waren schließlich häufig das Ziel von den Karrieros, erst recht, wenn sie sich ins Blutbad wagten, um am Füllhorn etwas zu ergattern. Und Valdemar hatte ganz klar irgendeine Störung gehabt, die ihn dazu brachte, hin und wieder komplett auszurasten. Das war zweimal passiert im Training und beim zweiten Mal war er so mit Neptunus aneinandergeraten, dass die beiden von den Friedenswächtern getrennt werden mussten. Laut Berylls Mentor Gloss hatte sogar ein Trainingsausschluss zur Debatte gestanden. Allerdings hatte man davon abgesehen, da sie ohnehin bereits am dritten Trainingstag angelangt waren.

Dass es Valdemar erwischt hatte, war auf jeden Fall gut. In den letzten Jahren hatte sich die Unsitte gebildet, dass die Außendistriktler sich zu riesigen Bündnissen zusammenschlossen, welche die Karrieros an der Zahl oftmals übertrafen. In der Regel führte das zu nichts, weil es immer noch unfähige Bauern blieben, aber in einer größeren Schlacht war die Wahrscheinlichkeit höher, dass einen ein verirrter Pfeil oder irgendetwas in der Art treffen konnte.

Wie auch immer, jedenfalls war das auch in diesem Jahr nicht ausgeblieben und so waren neben jeweils beiden Tributen aus Sechs und Sieben sowie besagtem toten Jungen aus Zehn auch Dolores, diese Verräterin, in jenem Bündnis untergekommen. Dolores, das war das Mädchen aus Distrikt Zwei und ihr Name war einigermaßen absurd gewählt, bedeutete er doch Schmerz und Dolores hatte mehr etwas von einem Storch als von einer Karriera. Wie Beryll hatte sie bloß eine Sieben im Einzeltraining bekommen und in ihrem Fall vermutlich auch noch verdient. Und augenscheinlich hatte sie gefürchtet, im Karrierobündnis unter die Räder zu kommen, sodass sie sich ein anderes gesucht hatte. Gut, dass Beryll und seine Verbündeten bereits damit angefangen hatten, dieses Bündnis auszudünnen.

„Du solltest mir danken. Schließlich habe ich deine Arbeit übernommen“, provozierte Amethyst Neptunus derweil weiter, was diesem sichtlich nicht gefiel.

„Ich hätte ihn wirklich gerne selbst erledigt“, musste dieser zugeben, doch wirkte dabei recht gelassen. Elender Heuchler. Schon im Kapitol war Beryll aufgefallen, wie sehr Neptunus sich veränderte, wenn Kameras in der Nähe waren, sowohl bei der Parade als auch bei den Interviews. Na, wenigstens musste er seine Rolle jetzt konstant für zwei bis drei Wochen aufrecht erhalten. Wobei Beryll auch nichts dagegen gehabt hätte, wenn er Vierer zufällig von einer Schlange gebissen wurde oder ein ähnlich tragischer Unfall ihn frühzeitig aus dem Spiel nahm.

Schlangen sollte es hier zumindest zuhauf geben, wenn Beryll sich richtig an den Biologieunterricht erinnerte. Zumindest in seinem Sichtfeld bestand die Arena aus einer Moorlandschaft mit weichem, schlammigem Boden und überall im hohen Gras versteckten Tümpeln. Er hatte beobachten können, wie irgendein Tribut auf der Flucht vor dem Blutbad der Länge nach hingeklatscht war und das Wasser nur so aufgespritzt hatte. Leider war Beryll nicht schnell genug an Ort und Stelle gewesen, um ihm den Rest zugeben, sodass der Feigling sich wieder hatte aufrappeln können. Beryll seufzte. Auf diesem Untergrund würden Verfolgungsjagden keine reine Freude werden. Blieb also nur zu hoffen, dass es zwischen und hinter den dichter werdenden Bäumen besser wurde mit dem Untergrund und das Moor sich lediglich auf den Bereich unmittelbar um das Füllhorn herum beschränkte.

„Aber du warst ja damit beschäftigt, den kleinen Jungen – den Dreizehnjährigen“, Amethyst warf Beryll einen spöttischen Seitenblick zu, „zu jagen. Gerne habe ich also deine Rechnung beglichen.

„Jaja“, erwiderte Neptunus nun leicht genervt, „lass uns die anderen anschauen. Wer hat die hier umgebracht?“

Er deutete auf den Leichnam eines kleinen Mädchens, die Zehnerin, wenn Beryll sich richtig identifizierte. Die brutalen Wunden, hübsch in Dreierreihen aufgereiht, konnten eigentlich nur von einer stammen und so meldete sich Neptunus‘ Distriktpartnerin Oceanne. Trotz ihres grobschlächtigen Aussehens hatte sie eine erstaunlich helle und klare Stimme.

„Das war ich. Außerdem noch die Elferin.“

Nicht weit entfernt lag auch der Leichnam des dunkelhäutigen Mädchens.

„Nicht schlecht“, zollte Amethyst ihr Respekt, „so schnell ist es also um eine selbsternannte Favoritin geschehen.“

Beryll erinnerte sich an Cella. Sie hatte so eine Art gehabt, welche die Kapitoler anscheinend liebten und war besonders beim Interview gut angekommen. So eine Mischung aus drollig, unterhaltsam und nicht zu unterschätzen. Bei Amethyst hingegen war das gar nicht gut angekommen, allerdings hatte Beryll den Eindruck, dass seine Mittributin insbesondere die anderen Mädchen überhaupt nicht leiden konnte – Neptunus bildete da eine Ausnahme, der reihte sich hinter den Mädchen nahtlos ein. Jedenfalls hatte Amethyst nach den Interviews, gegeifert, was diese Spinnerin sich überhaupt erlaubte.

Damit waren zwei Drittel des Mädchenbündnisses ausgelöscht und Beryll hätte es nicht gewundert, wenn auch noch die Dritte, die Achterin, als Füllhornopfer identifiziert werden sollte.

„Und du, mein lieber Kirby?“ wandte sich Amethyst nun an ihre Neuaufnahme, den bulligen Fünfer, der der Ersatz für Dolores sein sollte, „hast du auch wen erwischt?“

Ihre Augen verengten sich gefährlich und Beryll wusste genau, dass Amethyst nicht ganz glücklich mit der Aufnahme gewesen war, aber dafür gestimmt hatte, weil Beryll sich im Training mit dem Dicken angefreundet hatte und sie fürchtete, gegen die Allianz aus den beiden Vierern und vermutlich Andreios, dem Zweier, ins Hintertreffen zu gelangen.

Beryll hatte eigentlich nur jemanden im Bündnis haben wollen, der ihn nicht wie den schwächsten Part wirken ließ, doch das hatte Kirbys Acht im Einzeltraining zunichte gemacht. Nichtsdestotrotz war der Hüne zwar sehr stark, aber auch langsam, behäbig und dümmlich, sodass er den perfekten Handlanger darstellte, weil er sich leicht unterordnete. Aber das war ja auch nur angemessen für einen stinkenden Außendistriktler.

„Ich habe ihn getötet“, erklärte er mit seiner ruhigen Stimme und deutete auf Catbert alias Cat, den für einen Zwölfer doch recht wohlgenährten und kräftigen jungen Mann.

„Gott seis gedankt“, Neptunus trat vor und legte Kirby eine Hand auf die Schulter, was ob des Größenunterschiedes einigermaßen grotesk anmutete. Der Vierer versuchte immer mal wieder, sich bei Kirby einzuschleimen, wie auch gelegentlich bei Beryll, vermutlich mit dem Plan, Amethyst, seine Konkurrentin um die Anführerrolle, zu isolieren.

Diesmal stimmte Beryll dem Jungen aber vollumfänglich zu. Catbert war sicherlich der nervigste Tribut in diesen Spielen gewesen, ständig einen Flachwitz nach dem anderen gemacht und mit seiner nicht minder dümmlichen Distriktpartnerin herumgetanzt. Selbst während seines Interviews hatte er zu tanzen begonnen, allerdings war er wie Gloss gesagt hatte wohl nur mäßig gut damit beim Publikum angekommen.

Die Zwölfer in diesem Jahr hatten jedenfalls beide komplett einen an der Klatsche, fraglich war nur, wer von beiden schlimmer war. Cats Distriktpartnerin Vane hatte einen Tick, dass sie ständig alles und jeden mit ihren widerlichen Griffeln antatschen musste. Noch nie war Beryll ein größeres Gefühl des Ekels überkommen als diese Person das bei ihm gemacht hatte. Leider war er zu perplex gewesen, deshalb hatte er es nicht geschafft, ihr eine reinzuhauen, worüber Amethyst sich noch Tage lustig gemacht hatte und dann war auch schon Catbert zur Stelle gewesen, der sie weggezogen hatte. Überhaupt hatte er sich sehr viel um das Mädchen gekümmert und sie insbesondere von den Karrieros ferngehalten. Nun war er tot. Beryll hatte die leise Ahnung, dass es auch Vanelle ohne seine Unterstützung nicht allzu lange machen würde. Denn die letzte verbleibende Tote war die Neunerin, ein dickes, kurzatmiges Mädchen, was den Fehler gemacht hatte, Andreios direkt ins Schwert zu laufen. Oder vielleicht hatte sie auch nur einfach dümmlich in der Gegend herumgestanden.

Das jedenfalls wurde ohne großes Gewese zur Kenntnis genommen. Mit Andreios hatte niemand ein Problem, der muskelbepackte Zweier war ruhig und hielt sich aus den Streitereien heraus und Amethyst ließ ihn mit ihren Sticheleien in Ruhe, weil sie hoffte, ihn der anderen Allianz im Bündnis doch noch abspenstig zu machen.

„Und du, Beryll?“, fragte Amethyst nun gefährlich leise, „wen hast du getötet?“

Beryll wusste, warum sie so sauer war und er konnte es ihr nicht einmal verdenken auch wenn er gute Gründe gehabt hatte. Er fuhr sich nervös durch die blonden, verschwitzten Haare.

„Niemanden“, entgegnete er mit trockener Kehle, „ich habe mich eher darauf konzentriert, dass Füllhorn und die Vorräte zu bewachen.“

Das war eine billige Ausrede. Von einem Karriero erwartete man, dass er tötete und das Blutbad war die beste Gelegenheit dazu.

„Und warum hab ich dann gesehen, wie die Leute von Brett mit nem Haufen Waffen und anderen Sachen abgehauen sind?“ Neptunus lachte dümmlich und klopfte Beryll jovial auf den Rücken. „Mach dir nix draus, Berry. Das wird ihnen nichts nützen.“

„Außerdem hab ich Hrista mit einem Pfeil getroffen. Vielleicht hat sie sich nur ein bisschen weitergeschleppt und ist dann verendet“, beeilte er sich hinzuzufügen und vermied es, Kirby anzublicken. Es waren zwar die Spiele, aber er wusste nicht, was der Fünfer davon halten würde, wenn es gegen seine Distriktpartnerin ging. Doch Kirby sagte kein Wort.

„Es gab sieben Kanonenschüsse, Dummkopf“, schnaubte Amethyst, „sie ist am Leben. Du hättest das Training wohl besser damit verbringen sollen zu zielen, als dir die Namen von diesem ganzen Abschaum zu merken.“

„Wie auch immer“, Neptunus‘ Augen funkelten triumphierend, „damit steht es vier zu drei für meine Gruppe. Das bedeutet, wir haben das Vorrecht der ersten Jagd. Oceanne, Andreios, auf geht’s!“

Das war so abgemacht gewesen. Für den Anfang sollten drei Tribute immer auf die Jagd gehen und die drei anderen das Füllhorn bewachen. Und da Amethyst und Neptunus sich nicht einigen konnten, wer mit jagen beginnen durfte, hatten sie diese Teams erstellt und jenes, welche die meisten Opfer am Füllhorn zu verzeichnen hatte, sollte beginnen dürfen.

Frustriert trat Amethyst gegen den goldenen Rumpf des Füllhorns, während die drei Jäger sich entfernten.

„Das kommt davon, wenn man einen unfähigen Distriktpartner hat, der sich mit einem Randdistriktler einlässt. Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen, auf deinen Platz zu bestehen?“, schimpfte sie.

Beryll zog es vor, darauf nicht zu antworten. Amethyst interessierte das sowieso nicht, sie war bloß darauf aus, ihrem Unmut Luft zu machen. Sie würde aber schon sehen, was in ihm steckte.

„Ich hab gehört, du bist in deiner Akademie maximal Durchschnitt gewesen, eher schlechter. Du hättest deinen Platz abgeben müssen. Jetzt machst du unserem Distrikt Schande. Und ich muss mich mit dir abgeben“, nörgelte sie weiter.

Es stimmte leider, was Amethyst da sagte. In der Akademie war Beryll nie besonders gut gewesen. Er hatte zwar immer von den Hungerspielen geträumt, davon ein Held zu sein, ein Sieger, der von allen verehrt und geachtet wird, aber er hätte sich nie getraut, sich freiwillig zu melden. Er wusste zwar, dass er eigentlich Potenzial hatte, es nur irgendwie nicht abrufen konnte, aber die anderen sahen das nicht. Doch dann war er in seinem vorletzten Jahr gezogen worden. Er hätte den Platz abgeben können. Vor allem jüngere Kinder taten das oder solche, die schon einen sicheren Arbeitsplatz in der Schmuckproduktion hatten. Beryll war drauf und dran gewesen, doch dann hatte er das Gesicht von Necklace gesehen, dem Star seines Jahrgangs in der Akademie. Lachend stieß er seinen Nebenmann an und in diesem Moment wusste Beryll genau, dass die anderen sich nur noch über ihn lustig machen würden, wenn er jetzt kniff. Also nahm er den Platz an.

Frustriert ließ Beryll sich auf den Hintern fallen und setzte sich dann an das Füllhorn gelehnt auf. Jetzt konnten sie sich darüber lustig machen, wie er ihrem Distrikt Schande machte und schmählich verreckte. Oder aber er könnte es ihnen allen beweisen. Er wusste ja wie die Spiele funktionierten und konnte kämpfen. Bisher war es unglücklich gelaufen, sowohl das Training als auch das Interview und nicht zuletzt das Füllhorn. Aber abgerechnet wurde immer noch zum Schluss. Und es liefen noch ein paar Tribute draußen herum, die man leicht töten konnte, um seine eigene Quote zu erhöhen. Wobei ein Karriero noch besser für die Quote war. Am besten natürlich Neptunus oder Amethyst.

Dieser kam ein paar Stunden – Beryll glaubte zumindest, dass es einige Stunden gewesen sein könnte – und einen Kanonenschuss später überheblich grinsend zurück.

„Berry“, verkündete er feierlich, „du hast die Fünferin wirklich erwischt. Sie lag heulend in einem Tümpel mit einem deiner Pfeile im Bauch. Ich habe ihr den Rest gegeben.“

Beryll warf einen kurzen Seitenblick auf Kirby, doch der schien die Neuigkeit relativ emotionslos aufzunehmen. Gleiche Herkunft hin oder her, hier war sich doch jeder selbst der Nächste.

„Verletzte töten sieht dir ähnlich“, spöttelte Amethyst, „irgendwas über die Arena herausgefunden?“

„Nur Sümpfe und Tümpel. Selbst zwischen den Bäumen. Abfuck“, Neptunus zuckte die Achseln.

„Na, dann werden wir wohl mal in die andere Richtung gehen. Berry, Fünf, kommt!“, befahl Amethyst.

Doch auch in dieser Richtung waren keine Veränderungen an der Arena zu verzeichnen, sodass Amethyst sich genötigt fühlte, die ganze Zeit vor sich hin zu schimpfen, was das denn für ein Dreck sei. Beryll fand die Arena an sich nicht so schlecht. Immerhin würde man nicht verdursten, wenn die Wasservorräte vom Füllhorn aufgebraucht waren. Plötzlich nahm er eine Bewegung wahr.

„Da!“, zischte er und bereute es noch im selben Moment, denn während er den Pfeil auflegte, sprang Amethyst geschmeidig wie eine Katze vor, riss das kreischende Mädchen an ihren blonden Locken aus dem Schilf und schlitzte ihr binnen Sekunden die Kehle auf, während ihr Kanonenschuss erklang. Beryll fluchte innerlich. Die irre Zwölferin wäre ihm gerade recht gekommen, um seinen Killcount hochzuschrauben. So ein Pech musste man auch erstmal haben. Erst traf er die Fünferin nicht richtig und jetzt traute er sich nicht mehr auf Vanelle zu schießen, weil seine Distriktpartnerin in die Schussbahn sprang. Er sollte sich am Füllhorn ein Schwert besorgen für den Nahkampf, schließlich konnte er das auch. Die Trainer in den Akademien predigten zwar, dass man sich unbedingt auf nur eine Waffe spezialisieren und damit richtig gut werden sollte, aber Beryll fand das dumm. Flexibilität war doch besser. Und natürlich war er dann mit beiden Sachen nicht so gut wie andere, die die ganze Zeit nur eine Sache trainierten. Unfair, dass das nicht berücksichtigt wurde bei der Einstufung der Trainees.

„Damit steht es nun drei zu zwei gegen diesen nach Fisch stinkenden Hurensohn“, erklärte Amethyst derweil hochzufrieden, „und mein schwächster Tribut war immer noch stärker als sein bester.“

Beryll ging nicht darauf ein. Die Alte ging ihm schon seit der Zugfahrt furchtbar auf die Nerven, aber er wusste nicht so recht, was er gegen sie machen sollte. Amethyst war einfach so unglaublich dominant.

„Trotzdem war sie natürlich dumm“, beschloss diese nun, „warum ist sie nicht abgehauen? Das können Außendistriktler doch sonst immer so gut.“

„Sie hat uns nicht gehört“, sagte Kirby plötzlich, „die Frösche sind so laut. Ist euch das nicht aufgefallen?“

„Natürlich ist mir das aufgefallen“, erwiderte Amethyst ärgerlich in einem Tonfall, der vermuten ließ, dass ihr das nicht aufgefallen war, „das war eine rhetorische Frage, Dummkopf.“

Beryll indes hatte natürlich die zahlreichen Frösche von außergewöhnlicher Größe gesehen, die hier überall herumsprangen und jetzt als Kirby es sagte, hörte er auch deren Gequake. Allerdings hatte er dem bisher keine große Beachtung geschenkt.

„Wir haben sicherlich noch ein bisschen Zeit, bis es dunkel wird. Wir suchen noch weiter“, bestimmte Amethyst.

Doch das sollte sich als erfolglos erweisen. Kein Tribut war heute mehr aufzuspüren und je dunkler es wurde, desto übellauniger wurde Amethyst und als schließlich die Hymne erklang, entschied sie, dass es nun angebracht sei, zum Füllhorn zurückzukehren. Es war anstrengend, im Dunkeln durch die Moorlandschaft zu wandeln und Beryll knickte einmal übel um als er in ein Schlammloch trat, während er die Bilder der Verstorbenen am Himmel betrachtete. Neben den Mädchen aus Drei, Fünf und Neun waren bereits jeweils beide Tribute aus Zehn, Elf und Zwölf ausgeschieden. Wirklich kein gutes Jahr für die äußersten Randdistrikte.
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