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2022 05 13: Firewalker [by Sira-la]

Kurzbeschreibung
OneshotAngst, Übernatürlich / P12 / Gen
Emilia Covaci Matei Covaci
13.05.2022
13.05.2022
1
1.807
6
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
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13.05.2022 1.807
 
Tag der Veröffentlichung: 13.05.2022
Titel der Geschichte: Firewalker
Song: „Zeit bleibt stehen“ von darkviktory
Autor: Sira-la
Kommentar des Autors: „Wolfblood“ ist eine Serie aus meiner Kindheit, die mich irgendwie nie richtig losgelassen hat. Leider kamen im Fernsehen immer nur die ersten drei Staffeln. Auf YouTube hab ich kürzlich die komplette Serie gefunden und konnte sie endlich zu Ende sehen. Die Geschichte von Matei und Emilia hat mich sehr fasziniert und so habe ich mir die Informationen genommen, die wir über den Hausbrand erfahren, bei dem die Eltern der beiden starben, und Mateis Heldentat aufgeschrieben: Das Wolfsblut, das durchs Feuer geht, um seine Schwester zu retten.
„Viel Spaß“ zu wünschen wäre an dieser Stelle wohl zynisch … *stellt lieber ein Glas Wasser für jeden bereit*



Firewalker


Matei hustete heftig, als der Rauch in seine Lungen dran. Seine Finger hatten sich bereits zu Klauen gebildet und es fiel ihm schwer, den Riegel zu fassen. Den Wolf zu unterdrücken, war kaum noch möglich. Das Knistern der Flammen schien in seinen Ohren zu dröhnen. Das laute, hilflose Heulen seiner Eltern tat ihm in der Seele weh, aber er hatte es nicht einmal geschafft, sich der Treppe überhaupt zu nähern. Das Feuer fraß sich die Stufen hinauf und allein der Schein der Flammen an den Wänden hatte ihn in Panik versetzt. Es hatte eine Unendlichkeit gedauert, bis er es überhaupt geschafft hatte, zu dem rettenden Fenster zu stolpern. Nur dass er es nicht aufbekam, nicht mit seinen Krallen.
Matei schloss die Augen, als eine erneute Welle der Panik ihn zu übermannen drohte. Er zog den Stoff seines Shirts über seinen Mund und seine Nase. Der Stoff war feucht von seinem eigenen Schweiß, hervorgerufen durch die Hitze, die im Treppenhaus stand, doch er half Matei, leichter zu atmen. Langsam drängte er seinen Wolf zurück. Seine Hände wurden wieder normal und endlich gelang es ihm, den Riegel zur Seite zu schieben und das Fenster aufzustoßen.
Für einen Menschen war es kaum als Fluchtweg geeignet, im zweiten Stock und darunter nichts als Asphalt, aber Matei war kein Mensch. Der Sprung aus fast acht Metern Höhe war für ihn nur eine Kleinigkeit. Er saß bereits auf dem Fensterrahmen, als er das Jaulen hörte.
Für einen Moment schien die Zeit stehenzubleiben. Das Knistern der Flammen verstummte ebenso wie Mateis eigener Herzschlag. Das Heulen seiner Eltern verschwand im Hintergrund. Nur das Jaulen hallte in ihm nach.
Emilia!
Matei zuckte zusammen, fiel zurück in sein Zimmer und rollte sich herum.
Emilia!
Seine Schwester war noch im Haus. Matei hatte geglaubt, sie würde ebenso wie er den Weg durch ihr Zimmerfenster wählen. Er hatte geglaubt, dass sie schon längst draußen war.
Erneut jaulte sie, schmerzerfüllt und nach Hilfe rufend.
Matei kämpfte sich auf seine Füße. Sämtliche seiner Instinkte wollten raus hier, aus dem Fenster springen und so weit weg von dem Feuer, wie es nur irgendwie möglich war. Aber Emilia war noch im Haus!
Matei griff nach seinem Schal und seiner Wasserflasche. Seine Finger zitterten und die schwarzen Venen waren deutlich zu sehen, als er die Flasche öffnete und das Wasser über den Schal schüttete. Er band sich den nassen Stoff vor das Gesicht, während er seine Zimmertür aufstieß. Das Feuer hatte sein Stockwerk bereits erreicht. Matei keuchte. Die Stufen nach unten waren beinahe vollständig verschwunden und die Tür direkt neben der obersten Stufe, die zu Emilias Zimmer seinem gegenüber führte, brannte ebenfalls bereits.
„Emilia!“
Er krallte die Finger in seinen Türrahmen, um zu verhindern, dass seine Instinkte doch noch übernahmen. Das rettende Fenster befand sich genau hinter ihm. Das Feuer kam ihm näher.
„Matei!“ In Emilias Stimme lag so viel Schmerz, dass neue Instinkte geweckt wurden. Er musste sein Rudel beschützen! Die Angst vor dem Feuer war stark, doch der Drang, seine Schwester zu retten, war stärker. Er schaffte es, den Ausläufern der Flammen auszuweichen, indem er sich dicht an die Wand drückte, die der Treppe gegenüberlag.
„Geh von der Tür weg!“, befahl er.
„Hilf mir!“
Er konnte hören, dass sie jetzt tatsächlich weiter von der Tür weg war. Matei holte tief Luft, dann trat er die Tür auf. Mit zwei großen Schritten überquerte er den bereits brennenden Teppich.
Emilia kauerte unter ihrem Schreibtisch. Ihre Augen glühten gelb aus dem Schatten hervor.
Matei konnte Kratzspuren in ihrem Fensterrahmen erkennen, als er nach dem Riegel suchte. Er fluchte, als er erkannte, dass dieser abgebrochen war. Das Fenster ließ sich nicht öffnen!
„Wir müssen zurück in mein Zimmer“, sagte er hastig und streckte eine Hand in Emilias Richtung.
„Ich kann nicht!“ Ihre Stimme war tränenerstickt.
„Emilia, wir müssen hier raus!“ Matei spürte das vertraute Kribbeln in seinen Fingern, als Emilias Bett Flammen fing und der Wolf sich wieder an die Oberfläche drängte. „Sofort!“
Sie weinte und wich noch weiter zurück. Matei wusste, dass der Schreibtisch nur eine trügerische Sicherheit versprach. Sobald die Flammen übersprangen, war Emilia verloren.
Erneut drängte er seinen Wolf samt dem Fluchtinstinkt zurück und kniete sich vor Emilias Versteck. Den Stuhl schubste er achtlos zur Seite, bevor er erneut eine Hand nach seiner Schwester ausstreckte. „Komm“, sagte er mit bemüht ruhiger Stimme.
Ihre Augen flackerten, als sie den Kopf schüttelte. „Es tut so weh“, wimmerte sie.
Matei stockte. Erneut schien sich die Zeit zu verlangsamen, als ihm klar wurde, was ihre Worte bedeuteten. Er griff nach ihrem Arm, zog sie zu sich und erstarrte. Emilias rechte Wange glühte in einem gefährlichen Rot, ebenso ein Teil ihres Halses. Das Feuer hatte seine Schwester verletzt!
Matei knurrte, rappelte sich auf die Füße und hob Emilia hoch. „Mach die Augen zu“, befahl er und drückte sie fest an sich. „Ich bring uns hier raus!“
Sie nickte schwach und schlang ihre Arme um seinen Hals.
Als Matei sich der Tür zuwandte, spürte er wieder den Wolf, der nichts anderes wollte, als vor den Flammen zurückzuweichen. Aber Matei wusste, dass sein einziger Fluchtweg das Fenster in seinem Zimmer war, auf der anderen Seite des Treppenhauses. Er spürte Emilia zittern, hörte ihr leises Schluchzen, das von dem Fauchen und Knistern des Feuers beinahe überlagert wurde. Erneut drängte er seine Instinkte zurück.
„Halt die Luft an“, flüsterte er. Dann rannte er los. Die Flammen griffen nach seinen Schuhen und seiner Hose, doch weder das Leder noch die Jeans fingen Feuer. Unbeschadet schaffte Matei es zurück in sein Zimmer. Er trat die Tür hinter sich zu, eine letzte Barriere, die nicht mehr sehr lange halten würde. Der Rauch brannte in seinen Augen, als er Emilia vor seinem Fenster runterließ, und er blinzelte heftig, als ihm bewusst wurde, dass er seine Eltern nicht mehr hören konnte.
„Du musst springen“, sagte er.
„Ich kann nicht.“ Emilia sah ihn aus weit aufgerissenen, gelben Augen an, eine Hand an ihrer verletzten Wange.
Matei kniete sich vor sie. „Du musst. Ich weiß, dass du das kannst.“
Emilia schüttelte den Kopf, als sie aus dem Fenster sah. „Ich bin noch nie so tief gesprungen.“ Sie zuckte zusammen, als es im Zimmer plötzlich heller wurde.
Entsetzt drehte Matei sich um. Seine Tür brannte. Er sah auf die Zeichnungen und die Plakate, die an seinen Wänden hingen, gefundenes Fressen für das Feuer. Sie hatten keine Zeit mehr.
Er wandte sich wieder zu Emilia und dem Fenster um und sah nach draußen. Er konnte Sirenen hören. Die Feuerwehr wäre bald hier und dann würden sie nicht mehr springen können. Sie durften das Geheimnis nicht verraten. Aber darauf zu warten, dass die Rettungskräfte ein Sprungtuch aufspannten, würde zu lange dauern.
Matei traf eine Entscheidung. „Wir springen zusammen“, sagte er und kniete sich auf den Boden.
Emilia kletterte auf seinen Rücken. Sie klammerte sich an ihm fest und schnürte ihm beinahe die Luft ab, als er aufstand und mithilfe seines Schreibtischstuhls auf das Fensterbrett stieg. Im letzten Moment griff Matei noch nach dem Familienfoto, das er über seinem Computer an die Wand geklebt hatte, und steckte es in seine Hosentasche.
„Bereit?“
Er spürte ihr schwaches Nicken, dann stieß er sich ab. Der Boden raste ihnen entgegen und noch bevor sie aufkamen, wusste Matei, dass er diesen Sprung nicht unbeschadet überstehen würde. Alleine hätte er sich problemlos abrollen können, mit Emilia auf dem Rücken dagegen …
Das Brechen seines Knochens übertönte für einen Moment alle anderen Geräusche, als er unsanft auf dem Asphalt aufkam. Matei schrie auf, als sein Bein unter ihm nachgab. Er fing sich halbwegs mit den Armen auf und kippte dann einfach zur Seite.
Emilia löste ihren Klammergriff. Er konnte ihr vor Entsetzen und Schmerzen verzogenes Gesicht sehen, als sie sich neben ihn kniete. „Matei?“, wimmerte sie.
Er zwang sich zu einem Lächeln. „Ich glaub, ich hab mir das Bein gebrochen“, stieß er hervor und starrte an ihr vorbei zu seinem Zimmer hinauf. Er konnte den Feuerschein sehen, nicht nur dort, sondern hinter allen Fenstern.
Emilia kuschelte sich an ihn. Matei wusste nicht, wie lange sie zu zweit dort vor dem Haus lagen. Plötzlich waren Menschen um sie, laute Rufe, schwere Schritte, gebrüllte Befehle. Matei ignorierte sie alle. Er hielt einfach nur seine Schwester fest, bis ihm der Geruch eines weiteren Wolfsbluts in die Nase stieg.
Matei blinzelte und starrte den Mann an, der jetzt neben ihnen kniete. Er hatte die Jacke eines Arztes an, neben seinem Namensschild befand sich allerdings zusätzlich das Symbol von Segolia. Matei entspannte sich. „Meine Schwester braucht Hilfe“, sagte er mit rauer Stimme. „Sie ist verletzt.“
Emilia begann wieder zu zittern und er streichelte sanft über ihren Rücken.
„Du auch, Welpe“, sagte der Mann. „Aber bevor die anderen herkommen können, müsst ihr eure Augen unter Kontrolle bringen.“
Matei sah Emilia an. Gelbe Augen erwiderten seinen Blick und jetzt spürte Matei auch, dass sein eigener Wolf noch immer gefährlich dicht an der Oberfläche lauerte. Er zwang sich, seinen Herzschlag zu beruhigen. „Es wird alles wieder gut“, flüsterte er Emilia zu, immer wieder, bis ihre Augen endlich wieder braun wurden.
Der Mann nickte zufrieden, bevor er einen Arm hob und zwei weitere Männer herbeiwinkte. Auch sie hatten Segolia-Anstecker, rochen aber nach Menschen.
„Wir kümmern uns um euch“, sagte der Wolfsblut-Mann und nahm Emilia auf den Arm, während Matei selbst von den beiden Menschen auf eine Trage gehoben wurde. Emilia streckte eine Hand nach ihm aus und Matei griff nach ihr. Kaum befanden sie sich in dem Krankenwagen, erlaubte der Mann Emilia, sich wieder zu Matei zu kuscheln.
„Doctor Whitewood wird sich um euch kümmern“, erklärte er. „Sie kennt sich aus mit … Fällen wie euch.“
Matei nickte schwach. Er legte eine Hand auf Emilias Rücken und ließ zu, dass einer der Menschen ihm eine Nadel in den anderen Handrücken steckte.
„Gegen die Schmerzen“, erklärte der Mensch, während er eine zweite Nadel für Emilia herrichtete.
Matei nickte erneut. Er drückte seine Schwester an sich. Er würde sie nie wieder im Stich lassen, das schwor er sich. Er war für sie durchs Feuer gelaufen und er würde es wieder tun.
Emilia war seine Schwester, seine Familie, sein Rudel. Für immer.
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