Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

In deinen Armen

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Blaise Zabini Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger Ronald "Ron" Weasley Severus Snape
12.05.2022
18.05.2022
2
6.254
21
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
12.05.2022 3.179
 
Hallo Ihr alle :-),
sorry, dass ich noch mal schnell mit einer neuen Geschichte um die Ecke komme. Diese ist ein Geburtstagsgeschenk für einen Freund, der sich eine Drarry (Puhh...), gewünscht hat. Anfangsidee stammt von ihm. Sie wird eher sehr kurz (diesmal wirklich) und ist zum ersten Mal in POV geschrieben. Habe mich immer etwas gewehrt gegen den Ich-Erzähler, aber mal sehen, wo es hingeht. Bisher gefällt es mir ganz gut, obwohl der allwissende Erzähler mehr Tiefe reinbringt, aber macht Euch selbst ein Bild. Ich nehme Kritik gerne an.
Ansonsten keine Sorge. Ich stecke in den letzten Zügen zu einem neuen Kapitel für »An deiner Seite« und »Der Vater«

Liebe Grüße
Anne/fingerfertig

----------------------------------------------------

Draco
Ich sah mich auf dem Bahnsteig um. Es war noch früh, aber bereits sehr voll. Das Stimmengewirr der vielen Schüler, die aus den Sommerferien zurückkehrten, wehte über mich hinweg. Ihn konnte ich aber nirgends entdecken und das machte mich nervös.
»Draco Schatz ist alles in Ordnung?«, meine Mutter sah mich mit Sorge an. Ich strich mir abwesend über meinen Unterarm und nickte. Ich wollte nicht, dass sie sich sorgte. Dieser Sommer war schlimm genug gewesen. Sie hatte viel für mich aufgegeben und ich viel für sie und für ihn.
»Du kannst wirklich gehen, Ma. Ich komme zurecht«, sagte ich und umarmte sie kurz. Ich wollte ihr zeigen, dass ich klarkommen würde, auch wenn das wahrscheinlich eine Lüge war.
»Ist gut, aber schreib bitte und du weißt Severus er ...«
»Ja Ma, ich weiß. Mach dir keine Sorgen«, sagte ich noch einmal, gab meiner Mutter einen Kuss auf die Wange und stieg in den Zug. Die meisten Abteile waren noch leer, aber ich wusste genau, wo ich nach Blaise suchen musste. Das letzte Abteil im letzten Waggon war schon immer unseres gewesen. Als ich die Tür aufzog, saß mein bester Freund bereits darin und grinste mich an.
»Du bist früh Malfoy«, sagte er, stand auf und umarmte mich.
»Ja, schön auch dich zu sehen Blaise«, sagte ich, ging zum Zugfenster und sah hinaus. Die Menge wurde langsam weniger. Die meisten Schüler waren wohl bereits im Zug, aber ihn konnte ich noch immer nicht sehen.
»Suchst du deine heimliche Freundin?«, Blaise‘ Stimme ließ mich herumfahren.
»Was?«
»Komm schon Dray. Ich weiß doch, dass du heimlich mit jemandem gehst, also wo ist sie?«, fragte Blaise und sah über meine Schulter hinweg nach draußen.
»Nicht da«, sagte ich schnell und setzte mich dann. Meine Sorge konnte ich vor meinem besten Freund nur schwer verbergen. Ja, Blaise wusste, dass ich in einer Beziehung war. Das hatte ich ihm erzählt, auch weil mir im letzten Jahr keine Ausreden mehr eingefallen waren, wenn ich mal wieder abends aus dem Zimmer schlich. Ich hatte ihm aber nicht gesagt, mit wem ich zusammen war. Er wusste auch nicht, dass ich schwul war. Ihn anzulügen, fühlte sich nicht gut an, aber es ging einfach nicht anders. Ich fuhr mir durch die Haare und lehnte den Kopf an, als sich der Zug auch schon in Bewegung setzte. Ich schloss die Augen und spürte, wie sich Blaise neben mich setzte.
»Dray, du weißt, dass du mir vertrauen kannst, oder?«, hörte ich seine Stimme. Seufzend öffnete ich die Augen und sah ihn an.
»Ja, Blaise ich weiß. Aber es geht einfach nicht, okay?«
»Aber warum denn nicht?«
»Es geht einfach nicht. Bitte versteh das doch«, flehte ich. Blaise seufzte und nickte dann.
»Ist gut«, sagte er und nahm ein Buch heraus. Ich wusste, dass ich ihm wehtat und doch musste es sein. Natürlich vertraute ich Blaise, aber je mehr Menschen von mir und Harry Potter wussten, desto gefährlicher war es für uns beide. Ich lehnte meinen Kopf an die Scheibe und starrte nach draußen. Die Landschaft zog in einem verwaschenen Grau an uns vorbei. Er fehlte mir, er fehlte mir so sehr. Seit acht Wochen hatten wir uns nicht gesehen und es zerriss mich schier, auch weil ich nicht wusste, ob es ihm gut ging. Die Sache mit seinem Paten war schlimm und ich ahnte, wie sehr er litt, aber helfen konnte ich nicht, nicht aus der Ferne. Ich schrieb Briefe, jede Woche einen, aber nie kam Antwort und das machte mir furchtbare Angst. Ich wusste, dass es risikoreich war, jede Woche eine Eule zu ihm zu schicken. Seine Verwandten waren der Zauberwelt wohl nicht gerade zugetan, aber ich musste einfach wissen, wie es ihm ging. In meinem letzten Brief hatte ich ihn gebeten am heutigen Abend zum Raum der Wünsche zu kommen und ich hoffte inständig, dass dieser Brief angekommen war.

Harry

Ich starrte aus dem Zugfenster. Das Wetter war grau und regnerisch. Heute hierher zu kommen hatte viel Kraft gekostet. Es waren die schlimmsten Sommerferien, seit ich in Hogwarts war. Abwesend strich ich mir über die schmerzenden Rippen und fühlte gleichzeitig den Brief, der in meiner Umhangtasche steckte. Ich vermisste Draco. Hatten ihn jeden Tag vermisst, mich jeden Tag in den Schlaf geweint und mir nichts sehnlicher gewünscht, als bei ihm sein zu können. Keinen seiner Briefe konnte ich beantworten. Ich hatte Hedwig bei Hermine gelassen, denn ich ahnte, dass jetzt wo Sirius nicht mehr am Leben war, meine Verwandten zu alter Härte zurückkehren würden. Und so war es auch. Mein Onkel hatte alle Eulen verscheucht, ehe ich eine Antwort schreiben konnte. Das ich die Briefe überhaupt bekam, war schon ein Wunder. Dumbledore hatte mich erst vor zwei Tagen zu Ron und seiner Familie gebracht und hier hatte ich keine ruhige Minute, um einen Brief zu schreiben. Jetzt saß ich hier und hoffte einfach, dass ich noch einen Freund hatte, wenn wir zurück in Hogwarts waren. Auf dem Bahnsteig hatte ich Draco nicht entdeckt, wir waren auch sehr spät gekommen und wurden sofort in den Zug verfrachtet. Voldemort war zurück und alle wussten es nun. Nun stand ich permanent unter der Bewachung durch den Orden und hoffte, dass dies wenigstens in Hogwarts nachlassen würde. Von Dracos und meiner Beziehung wusste niemand. Nicht Ron, nicht Hermine oder irgendwer sonst. Ich vertraute meinen Freunden, aber hier ging es nicht nur um mich. Draco stand unter enormen Druck. Sein Vater würde nie akzeptieren, dass sein Sohn schwul war und schon gar nicht, dass er mit Harry Potter ging. Ich fragte mich noch immer, wie das alles so schnell geschehen konnte, aber Draco und ich waren nun bald ein Jahr zusammen und niemand ahnte es.
»Harry?«, Hermines Stimme riss mich aus meinen Gedanken.
»Mhm ...«
»Träumst du?«, fragte sie und ich nickte abwesend.
»Wolltest du was?«, fragte ich dann und sie reichte mir einen Apfel.
»Du solltest etwas essen. Molly sagt das auch«, sagte Hermine und Ron, der den Mund voll hatte, nickte zustimmend. Ich seufzte und nahm den Apfel.
»Mir geht es gut«, sagte ich und biss in das Obst.
»Denke ich nicht. Harry, so dünn warst du noch nie und du schläfst schlecht, das kann man deutlich sehen«, sagte Hermine besorgt.
»Es ist alles okay. Wirklich«, sagte ich und glaubte mir selbst dabei nicht. Hermine und Ron warfen sich besorgte Blicke zu, sagten aber nichts weiter. Ich lehnte den Kopf an die Scheibe des Zuges und starrte wieder nach draußen.

Draco

Als der Zug stoppte, griff ich nach meiner Robe, warf sie über und rannte förmlich aus dem Zug.
»Sag mal, was ist denn los? So groß kann doch dein Hunger nicht sein«, keuchte Blaise, als er mich auf dem Bahnsteig eingeholt hatte.
»Was denn? Ich wollte eben nicht wieder der Letzte sein«, versuchte ich eine halbherzige Erklärung, die meinen besten Freund natürlich nicht zufriedenstellte.
»Ja sicher, also wo ist sie?«, fragte Blaise wieder und reckte den Hals über die vielen Schüler hinweg, die nun auf den Bahnsteig strömten.
»Blaise lass das. Ich suche nicht nach ... nach ihr und jetzt komm, dann bekommen wir eine der ersten Kutschen«, sagte ich schnell und zog meinen besten Freund mit mir. Ich warf einen letzten Blick über meine Schulter und entdeckte Harry, der gerade aus dem Zug stieg. Er war da und alles andere war jetzt nicht wichtig. Ich riss mich von seinem Anblick los und hoffte, dass er am Abend kommen würde.
In der großen Halle, nach der Auswahl und während des Essens, konnte ich mich auf nichts wirklich konzentrieren. Ich versuchte immer wieder, einen Blick auf Harry zu erhaschen, der neben Granger und Weasley am Tisch saß, aber es gelang mir nicht wirklich. Er selbst drehte sich nicht um, doch auch so sah ich, dass es ihm nicht gerade gutging. Seine Schultern ließ er hängen, genau wie den Kopf. Seine Schuluniform schlackerte an ihm und alles in mir schrie danach ihn in den Arm zu nehmen. Ich spürte Blaise‘ Blicke auf mir und versuchte mich wieder auf das Essen zu konzentrieren, aber es schien aussichtslos.
»Liebeskummer ist schon scheiße«, raunte Pansy, welche neben mir saß. Woher wusste sie das? Ich war mir sicher, dass Blaise nichts gesagt hatte, also woher konnte sie das schon wieder wissen.
»W-Was?«, fragte ich wenig souverän und fuhr mir durch die Haare.
»Ach Dracolein, das sieht doch jeder. Seit letztem Jahr bist du schwer verliebt und denkst du, ich merke nicht, wenn du dich mal wieder raus schleichst. Und jetzt siehst du aus, als würdest du gleich in Tränen ausbrechen. Glaub mir, ich erkenne Liebeskummer, wenn ich ihn sehe«, erklärte Pansy sehr leise, so dass niemand anderes außer mir und Blaise es hören konnte. Ich sah sie an, seufzte und leerte mein Glas, ehe ich aufstand.
»Ich geh schon mal vor«, sagte ich an Blaise gewandt und verließ die Große Halle. Ich wollte weder Pansy noch Blaise vor den Kopf stoßen, aber ich wollte auch nicht jetzt vor den beiden anfangen zu heulen. Im Moment war einfach alles scheiße und ja, Pansy hatte doch recht, ich hatte Liebeskummer und mein Magen zog sich zusammen, wann immer ich an Harry dachte. Ich konnte nicht mal sagen warum. Ich war mir sicher, dass er nicht Schluss machen wollte, aber trotzdem war alles einfach verfahren. Niemand durfte von uns wissen, niemand würde es verstehen und auch wenn sich für mich seitdem Sommer vieles geändert hatte, würde jeder Mitwisser eine Gefahr für mich und vor allem für Harry bedeuten. Ich seufzte und eilte zum Slytherin-Gemeinschaftsraum. In meinem und Blaise‘ Zimmer warf ich mich aufs Bett und weinte die Tränen, die ich schon den ganzen Tag zurückgehalten hatte.

Harry

Ich hatte Draco gesehen, wenn auch nur kurz. Jetzt in der großen Halle saß ich mit dem Rücken zu ihm und das war auch besser so. Ich konnte ihn nicht ansehen, ohne daran zu denken, dass er mich vielleicht verlassen würde. Ich wusste nicht, woher diese Angst kam, aber immerhin hatte ich nicht einen seiner Briefe beantwortet und auch wenn es nicht meine Schuld war, so wusste ich doch nicht, wie er reagieren würde.
»Malfoy ist gerade aus der Halle gestürmt, was dem wohl quersitzt«, Seamus sah zum Ausgang und sofort folgte ich seinem Blick, konnte aber Draco nicht entdecken.
»Ärger mit einer Flamme vielleicht. Pansy Parkinson soll ja mit ihm zusammen sein«, sagte Dean und nahm sich ein Brötchen von Seamus‘ Teller, was dieser mit einem empörten Schnauben kommentierte. Nachdem Dean ihm aber einen schnellen Kuss auf den Mund drückte, schien er besänftigt. Wie sehr ich die beiden beneidete. Sie konnten zueinanderstehen. Mussten sich nicht verstecken, während Draco und ich jedem etwas vorspielen mussten.
»Nehmt euch ein Zimmer«, sagte Ron grinsend und griff nach einem weiteren Hühnerschenkel.
»Würden wir, aber unser Zimmer ist auch deins, also ...«, feixte Dean dann.
»Möchte gar nicht wissen, was ihr da immer treibt, wenn Deans Vorhänge vom Bett mal wieder geschlossen sind«, sagte Ron augenrollend.
»Ach Ron, ich kann das gerne erklären, also wenn zwei Menschen sich sehr ...«
»Schon gut, danke keine Details!«, rief Ron, um Deans Redeschwall zu stoppen.
»Was denkst du Harry?«, riss mich nun Hermine aus meinen Gedanken.
»Was?«
»Zu der Sache mit Draco?«
»Keine Ahnung, er wird schon seine Gründe haben. Glaub aber nicht, dass es was mit Pansy zu tun hat«, sagte ich schnell.
»Warum nicht?«, wollte Seamus wissen.
»Die ist mit Theodore Nott zusammen. Hab sie am Bahnhof knutschen sehen«, sagte ich schnell. Das war eine Notlüge. Ich wusste von Draco, dass Theo und Pansy ein Paar waren, aber gesehen hatte ich sie nicht zusammen.
»Ach so, na wer weiß, vielleicht ein kleines Todesser-Meeting«, sagte Ron nun sehr leise.
»Ron!«, zischte Hermine.
»Draco ist viel zu jung und überhaupt, glaubst du wirklich, er würde diesen ... diesen Menschen beitreten?«, fragte sie weiter, während mein Herz bis zum Hals schlug.
»Hä na klar. Sein Vater ...«
»Ist sein Vater«, entkam es mir wütend, ohne dass ich es gewollt hatte. Die anderen starten mich an.
»Niemand kann etwas für seinen Vater«, sagte ich, stand auf und rannte aus der Halle. Als ich bereits auf dem Weg zum Gryffindor-Gemeinschaftsraum war, lief ich ausgerechnet Snape in die Arme. Seit der Sache mit dessen Denkarium konnte ich ihm kaum in die Augen sehen und nun stand er vor mir.
»Potter! Sie habe ich gesucht«, knurrte er mehr, als das er sprach. Ich schluckte schwer und wich leicht zurück.
»Guten Abend Sir«, sagte ich, weil mir einfach nichts Besseres einfiel.
»Der Direktor will, dass ich Sie weiter in Okklumentik unterrichte und auch wenn es mir absolut zuwider ist und Sie keinerlei Anstand oder Talent haben, werde ich es tun. Am Freitag um acht und seien Sie pünktlich«, sagte er und ließ mich dann einfach stehen. Ich hatte das Gefühl, als würde mir kaltes Wasser den Nacken hinablaufen. Ich wollte nicht wieder in diesen Unterricht, denn er hatte recht, ich konnte es einfach nicht und es stand zu viel auf dem Spiel. Was wäre, wenn Snape eine Erinnerung an Draco sehen würde? Im letzten Jahr war Draco noch nicht so präsent, aber jetzt. Ich schluckte die aufsteigenden Tränen herunter und rannte die Treppen hinauf.
Ron, Neville, Seamus und Dean kamen eine Stunde später in unseren Schlafsaal. Ich saß auf dem Bett und las, als ich spürte, dass sich jemand zu mir setzte. Ich blickte auf und sah in Rons besorgtes Gesicht.
»Alles klar?«, wollte er wissen und ich nickte.
»Sicher.«
»Was war das vorhin?«, fragte er leise und sah sich um. Seamus und Dean waren mit sich beschäftigt, während Neville offenbar mit seinem Pyjama kämpfte.
»Nichts«, sagte ich schnell und blickte wieder ins Buch.
»Alter, du hast Malfoy verteidigt«, raunte Ron.
»Ja und? Hör zu Ron, es geht nicht um Malfoy, es geht darum, dass man nicht vom Vater auf den Sohn schließen kann«, sagte ich und klappte das Buch zu.
»Geht es um das, was dein Vater mit Snape gemacht hat?«, fragte Ron nun und ich sah schnell zu den anderen, die aber scheinbar nicht zuhörten.
»Vielleicht«, sagte ich und seufzte.
»Okay, verstehe. Aber Malfoy, das ist was anderes«, sagte Ron.
»Wenn du meinst«, sagte ich und schlüpfte unter meine Decke.
»Meine ich«, sagte Ron, stand auf und ging zu seinem Bett. Ich sah ihm kurz nach, seufzte und drehte mich auf die Seite.

Draco

So leise ich konnte, schlug ich die Decke zurück und stieg aus dem Bett. Blaise schlief und so schlüpfte ich schnell in meine Schuhe und griff nach meinem Zauberstab.
»Schleichst du dich wieder raus?«, Blaise‘ Stimme ließ mich herumfahren, im selben Moment ging das Licht seiner Nachttischlampe an.
»Blaise ...«
»Hey, mach was du nicht lassen kannst aber ... aber vertraust du mir wirklich, oder war das nur so gesagt?«, wollte mein bester Freund jetzt wissen. Ich stockte und sah ihn eine Weile an, nicht wissend, was ich sagen sollte.
»Blaise ich ... natürlich vertraue ich dir, du bist wie mein Bruder«, sagte ich dann.
»Warum sagst du mir dann nicht, mit wem du gehst? Ich würde euch nie verraten«, sagte Blaise und sein Blick tat mehr weh, als ich zugeben konnte. Ich trat näher und setzte mich auf sein Bett.
»Ich weiß Blaise, aber es ist nicht so einfach. Nein, es ist mehr als nur nicht einfach, es ist alles total beschissen«, sagte ich und spürte die tiefe Verzweiflung deutlicher als je zuvor. Ich merkte gar nicht, dass ich weinte, erst als die ersten Tränen auf meinen Arm fielen, wurde ich mir dessen bewusst. Ich spürte, wie Blaise mich in die Arme zog.
»Hey, alles gut. Es tut mir leid, ich nerve dich nicht mehr«, sagte er und ich klammerte mich einfach an ihn und ließ meinen Gefühlen freien Lauf. Irgendwann beruhigte ich mich, wischte die Tränen weg und sah verlegen zu Blaise.
»Tut mir leid.«
»Schon gut. So schlimm?«
»Mhm ...«, machte ich und richtete meine Sachen.
»Blaise es ist ... es ist keine Sie, aber mehr kann ich dir nicht sagen«, entkam es mir. Ich wusste, dass ich Blaise vertrauen konnte und auch Harry würde es verstehen, so hoffte ich.
»Okay, also ... na ja, das ist doch nicht schlimm«, sagte Blaise und lächelte matt.
»Nein für dich nicht, aber wenn du ein Malfoy bist, dann schon«, sagte ich.
»Verstehe. Okay, ich verrate dich ... euch nicht. Also wer ist es?«, entkam es Blaise. Ich stand auf und seufzte.
»Ich kann es dir nicht sagen. Es geht einfach nicht. Es wäre für ihn und mich zu gefährlich. Verstehst du?«, sagte ich. Dieses Mal widersprach Blaise nicht, sondern nickte lediglich.
»Gut, dann geh. Er wird warten«, sagte er. Ich nickte und wollte schon gehen, da besann ich mich, ging noch mal zu Blaise und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
»Danke«, sagte ich und eilte dann aus unserem Zimmer.
Die Gänge der Schule waren verwaist, aber ich wusste, dass wenigstens Filch bereits auf Patrouille war. Ich drückte mich eng an der Wand entlang. Von den Kerkern bis zum Raum der Wünsche war es weit und hinter jeder Ecke hätte ich erwischt werden können. Nach endlosscheinenden Minuten gelangte ich endlich in den Gang mit dem Raum. Ich lief dreimal auf und ab und schon erschien die Tür. Ohne lange nachzudenken, schlüpfte ich hindurch. So wie schon im letzten Schuljahr empfing mich ein gemütliches Kaminzimmer. Mit einem großen Bett, einer Sitzecke und natürliche einem großen Kamin. Es war derselbe Raum, den Harry und ich uns immer wünschten. Es war der Ort, an dem wir so sein konnten, wie wir waren, an dem wir zusammen sein konnten, ohne Angst vor Entdeckung. Ich sah zu der Uhr, die auf dem Kaminsims stand. Es war nach elf. Harry müsste längst da sein. Nervös lief ich im Zimmer hin und her. Wo konnte er stecken? Hatte er den Brief nicht bekommen? Aber selbst, wenn nicht, am letzten Schultag hatten wir ausgemacht, dass wir uns hier am ersten Tag nach den Ferien sehen würden. Wollte er vielleicht nicht mehr mit mir zusammen sein? Wurde es ihm zu gefährlich oder war das einfach wieder der edle Harry Potter, der niemand in seinem Umfeld in Gefahr bringen wollte. Ich spürte Wut in mir aufsteigen und als ich gerade gegen einen der Sessel treten wollte, hörte ich es. Es war ein Weinen oder Schluchzen ganz nah. Es kam vom Eingang. Ich durchschritt den Raum und öffnete die Tür aus dunklem Holz. Davor kniete Harry, vollkommen aufgelöst. Ich war einen Moment wie erstarrte, dann beugte ich mich zu ihm, zog ihn in meine Arme und in den Raum, der nur uns gehörte.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast