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Ein dreifaltiger Dialog

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteParodie / P12 / Gen
12.05.2022
12.05.2022
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Involvierte Artisten: Ein Ökologe, ein Gläubiger, ein Arzt, ein Patient

ARZT
Meine Herren. Sie sind heute hier, um alternative Behandlungsmöglichkeiten an einem Patienten zu erproben. Die Einwilligungserklärung liegt nicht vor, aber wir haben beschlossen diesen kleinen Schönheitsfehler, aufgrund Ihrer finanziellen Unterstützung, zu ignorieren. Wenn die Herren so weit sind, wenden wir uns jetzt also dem Patienten zu: Ein mittelalter Gentleman, rotes Haar, eher unschöne Hakennase, blaue Schuhe, vorstellig wegen akuter Atemnot. Die Verdachtsdiagnose ist akute Exerzabation bronchialen Asthmas, kurz AEBA, Diagnoseschlüssel J45.901. Mein Herr, wie fühlen Sie sich?

PATIENT
Ich bekomme kaum Luft!

ÖKOLOGE
Aha! Das erklärt die blauen Schuhe! Sie leiden sicherlich an einer Zyanose! Augenblick, das haben wir gleich bestätigt, ich habe ein Messgerät für die Sauerstoffsättigung im Raum dabei – ah ja, da haben wir es! Nur 21%! Da fehlen ihnen 79% Sauerstoff, damit sie die gewünschte Blutsättigung zurückbekommen!

ARZT
Wie also wollen sie den Sauerstoffmangel behandeln? Es stehen uns mehrere konservativen Möglichkeiten zur Verfügung…

ÖKOLOGE
Wir öffnen das Fenster! Frische Luft tut immer gut! Und frische Luft sollte eine vollere Sauerstoffsättigung bringen, nicht wahr? Verehrter Kollege Gläubiger, was schlagen sie vor?

DER GLÄUBIGE
Nun ja, ich nehme an ein offenes Fenster hat noch niemandem geschadet. Immerhin sollte man auch mit einem offenen Herzen durch die Welt gehen. Und offenen Augen, wenn man das Glück hat, mit solchen gesegnet zu sein. Außerdem würde ich ein Vaterunser empfehlen.

ARZT
Nachdem wir nun Ihre Vorschläge befolgt haben, sollten wir uns einmal mehr an den Patienten selbst wenden. Mein Herr, wie fühlen Sie sich?

PATIENT
Ich ersticke!

ARZT
Gentlemen, der Patient teilte uns soeben mit, dass er erstickt. Ich fürchte daraus schlussfolgern zu müssen, dass ihre bisherigen Methoden wenig bis keine Wirkung zeigen. Vielleicht ist es an der Zeit zu aggressiveren Mitteln zu greifen. Was haben sie zu bieten?

ÖKOLOGE
Nun, ich hätte da zwei Vorschläge! Wir sollten mit Globuli beginnen! Sehr wirkungsvoll, gegen und für alles! Drei Globuli in einem halben Glas Wasser bitte.

ARZT
Ich fürchte der Patient ist nicht mehr in der Lage zu trinken.

ÖKOLOGE
Dann zu meiner zweiten Idee. Das offene Fenster hat nicht genug Sauerstoff gebracht. Wir steigen auf Pflanzen um. Ich habe gerade nur einen Kaktus dabei, aber ich werde ihn direkt neben dem Kopfkissen platzieren. Anschließend werden wir den nächsten Floristen benachrichtigen und alle verfügbaren Grünpflanzen herkommen lassen. Verehrter Herr Gläubiger, was denken Sie dazu?

DER GLÄUBIGE
Nun ja, auch die Natur hat noch niemandem geschadet, schätze ich.

ARZT
Ich merke an, dass es sich in unserem Fall um ein allergisches Asthma handeln könnte, hervorgerufen von pflanzlichen Sporen oder ähnlichem.

DER GLÄUBIGE
Zur Kenntnis genommen. Ich empfehle drei Rosenkränze. Sollte der Patient nicht in Besitz eines solchen sein, kann er sich gegen Unterschrift gerne den meinen Ausleihen. Bei Rückgabe würde ich es allerdings begrüßen, dass der Rosenkranz gründlich desinfiziert wird. Um nosokomialen Infekten vorzubeugen.

ARZT
Meine Herren, ich bedaure Ihnen mitteilen zu müssen, dass der Patient soeben verstorben ist. Seine Vorgeschichte lässt darauf schließen, dass er wegen der Asthmaattacke erstickt ist, Ihre innovativen Methoden können also nicht die Ursache gewesen sein. Zeitpunkt des Todes, 11:24 Uhr.

DER GLÄUBIGE
Vermutlich hat der die Gebete nicht gut artikuliert. Was geschieht jetzt mit dem Leichnam?

ARZT
Wir werden unseren Bestatter anpiepsen. Der Florist ist dank Ihnen bereits unterwegs. Und verehrter Herr Gläubiger, ich bin sicher die Familie wird es zu schätzen wissen, dass Sie bereits in Trauerkleidung erschienen sind.

GLÄUBIGE
Selbstverständlich. Ich werde mich jetzt empfehlen und für den Verstorbenen beten gehen.
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