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Die Schlacht des Vatikans 3

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Parodie / P16 / Mix
11.05.2022
07.07.2022
6
24.448
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11.05.2022 2.867
 
Luciya vibte auf ihrem klapprigen Second-Hand „vidaXL Kiefernholz Massiv Palettenbett Massivholzbett Palettenmöbel Bett Holzbett Futonbett Bettgestell Bettrahmen Einzelbett 100x200cm“, dass sie vor 2 Wochen auf dem Sperrmüll gefunden hatte. (Davor hatte sie auf einem rechteckigen Holzbrett geschlafen.)
Die Sonne war untergegangen, unmerklich im bewölkten Himmel niedergegangen, um diesem dunklen, grauen Tag nun schlussendlich ihr Streulicht zu verwehren.
Es war ein sehr unbefriedigender Sonnenuntergang gewesen, man hatte ihn kaum bemerkt, denn dem Himmel war schon zur Tageszeit nächtlich zumute gewesen.

Es war etwa 8 Uhr und Luciya bereitete gerade ihr Abendessen vor. Ihr „Abendessen“ bestand aus 2 Salzstangen und einer 3 Jahre abgelaufenen Chilli-Sauce, in die sie die Salzstangen dippte und genüsslich verspeiste.
Sie war alleine heute Abend, so wie jeden Abend, eigentlich, in den letzten 3 Jahren.
Ihr holzwurmdurchfressenes Bett knirschte ungesund, wenn sie sich auch nur ein wenig bewegte, durch den schlecht abgedichteten Fensterrahmen wehte eine Brise der kalten Nachtluft hinein und ihre Nachttischlampe, in Form einer Erdbeere, flackerte unruhig.

Es hatte alles seine Zeit gebraucht, doch sie hatte sich daran gewöhnt.
Das war schließlich nicht der erste Fall in schlechtere Umstände, den sie erlebt hatte. Beim letzten Mal war ihr Absturz wortwörtlich gewesen. Das war vor langer Zeit.
So lange her, dass man sich es nicht einmal vorstellen könnte, als Mensch.

Aber das war sie ja jetzt immerhin auch, ein Mensch.

Sie aß so langsam es ging ihre letzte Salzstange und wollte sich dann zu Bette legen, nach einer kurzen Lektüre natürlich, doch sie hörte dann etwas.
Sie bemerkte etwas wohl eher, was davor schon da gewesen war.
Ein schleimiges, schmatzendes Geräusch. Erschreckt, aber doch vorbereitet, beugte sie sich mühsam hinunter und warf einen Blick unter ihr Bettgestell, in der Erwartung in viele kleine, hungrige Holzwurmgesichter zu blicken, doch es war nichts da.
Sie schliefen gerade.

„Hm.“, machte sie, schwang ihre Decke zurück und stieg aus ihrem warmen Bett aus, um das Mysterium zu untersuchen.

Ihre Beine zitterten vor Kälte in der unbeheizten Wohnung, die aus ihrem Schlafraum, der wohl eher den Ausmaßen einer Abstellkammer entsprach und einem weiteren Raum mit winziger Küche und einem beklemmendem Badezimmer, bestand.

Sie verschränkte die Arme und strich mit einer Hand beruhigend über ihre Pentagramm-Halskette, das einzige Ding von Wert, was sie wohl noch besaß.

Bereit jeden Eindringling zu erschlagen oder zumindest Widerstand zu leisten gegen das schreckliche Resident-Evil-Monster, was sich wohl in ihrer Küche befinden musste, ballte sie ihre Fäuste.
Sie konnte zu einer hohen Wahrscheinlichkeit sagen, dass die Geräusche aus der Küche kamen, die jetzt nur noch eine Abzweigung von ihr entfernt war. Vorsichtig tastete sie sich mit ihrem Rücken gegen den Türrahmen voran und linste am ausgeblichenen Holz vorbei.
Es war nun deutlich zu hören.
Jemand machte sich an ihren Nahrungsvorräten zu schaffen.

„Ich habe eine Waffe und ich werde nicht zögern zu schießen!“, rief sie komplett unbewaffnet in den Raum hinein und ihre Stimme hallte im fast leeren Zimmer.

Ein abruptes Klappern, metallische Geräusche, als wäre etwas heruntergefallen. Schnell sprang Luciya hinein, um den Täter auf frischer Tat zu ertappen.
Gerade noch sah sie ein felliges Etwas davonhuschen, durch das kleine halb offen stehende Badezimmerfenster.
Erleichtert atmete sie aus und begann die Unordnung aufzuräumen, die der Besucher verursacht hatte.
Immer wieder kamen verschiedene Tiere zu ihr in die Wohnung, durch diverse unentdeckte Löcher, die sich in ihrer Wand befanden.
Mittlerweile war sie gewohnt, dass hauptsächlich Katzen, Hunde und Würgeschlangen (?), die von ihren Besitzern weggelaufen oder ausgesetzt worden waren, immer wieder ihren Weg in die Wohnung fanden, um nach Nahrung zu suchen.

Es machte ihr viel Freude die Tiere zu sehen und zudem ließen sie sie weniger alleine fühlen, also hatte sie inzwischen ihr kleines Fenster im Bad immer leicht angelehnt, sodass die Kreaturen ihren Weg einfach hinein finden konnten.

Vom Boden hob sie eine halb angeknabberte Wurst auf, zusammen mit den verrosteten Pfannen, die die Katze hinuntergestoßen hatte. Zur Beruhigung für diese Stresssituation, entschloss sie sich noch einen ganzen Würfel Räuchertofu mit ins Bett zu nehmen, zum knabbern.
Sie fühlte sich zufrieden, was für die meisten Menschen vielleicht unnatürlich wirkten mochten, doch sie war ja noch nicht seit Langem ein Mensch.
Die dunkle Seite war schließlich ein Pfad zu vielen Fähigkeiten, die manche als unnatürlich bezeichnen würden.

In der Eile wieder ins Bett zu kommen, bemerkte sie nicht, dass die Katze noch dasaß, am geöffneten Fenster und die Wohnung von draußen betrachtete.
Doch irgendwie sah sie merkwürdig aus. Unbewegt und steif saß sie da, man konnte nicht mal erkennen, dass sie atmete.
Ihr Fell wirkte trocken und künstlich und ihre Augen ließen keinen Anschein von Leben ausmachen.

Ein elektrisches Zischen, kaum hörbar, vor allem nicht für Luciya, die gerade dabei war ihren Tofu lautstark zu Kauen, ertönte aus dem Innern des flauschigen Wesens.

Merkwürdig mechanisch bewegte sie ihre Pfoten und lief abgehackt in die Dunkelheit.

+

Ein überarbeiteter, traurig aussehender Mann saß in seinem Büro und sortierte seine Akten.
Der Privatdetektiv hatte jetzt schon seit über einem Jahr keinen neuen Job mehr bekommen und so langsam reichten seine Ersparnisse nicht mehr aus, um den kleinen Büroraum zu finanzieren, den er sich gemietet hatte.
Und wenn er ehrlich war, war sein letzter richtiger Job auch nicht nur über ein, sondern eher zwei Jahre her.
Es war natürlich ein sehr prägnanter Job gewesen, das war klar.
„Prägnant...“, er lachte und blätterte mit Handschuhen durch seine Unterlagen, da er eine Phobie davor entwickelt hatte, sich an Papier zu schneiden, „Lebenszerstörend, wohl eher.“

Er bereute sofort was er gerade zu sich selbst gemurmelt hatte. Denn das dachte er ja eigentlich nicht wirklich, wenn er ehrlich war. Nein, lebenszerstörend war es nicht gewesen.
Der Job, der Fall, die Bekanntschaft, die er gemacht hatte.
Es war alles so gekommen, weil er es gewollt hatte.
Richtig. Es war gut so.
Kontrolle über sein Leben zu haben, das war alles was er jemals wollte. Und er hatte genau das erreicht, egal was die Folgen waren.
Es waren ja nur die Anderen, die wollten, dass er es bereute. Er selbst bereute überhaupt nichts.

Gedankenlos öffnete er die unterste Schublade, die Schublade, in die er einfach regelmäßig Sachen hineinschmiss, die sonst nirgendwo einen Platz fanden und die er zu faul war anderweitig zu entsorgen. Man konnte ja mal einen kurzen Blick hineinwerfen.
Wer weiß, vielleicht fand sich ja dort ein Fall, ein Mysterium, dass er lösen könnte.

Der Schwarzhaarige, in dessen schulterlangen Haarschnitt sich schon einige graue Haare fanden, wühlte durch die Schublade und fühlte durch den feinen Stoff seiner Handschuhe verschiedene Zettel, Briefe...einen 20 Euro-Schein?
Er lachte.
„Nice.“
Und legte den wertvollen Fund auf seinem Schreibtisch ab.

Weiter ging die Suche. Ganz hinten in der Schublade war es so düster, dass er nicht mal erkennen konnte, was dort war, also blieb ihm nichts anderes übrig, als die hinterste Ecke bloß zu ertasten.
Er stellte sich in dem unbelichtetem Bereich Schreckliches vor, eine Vogelspinne vielleicht oder eine Rasierklinge, die auch durch seine Handschuhe schneiden würde.

Doch das Objekt, was er fand, war nicht scharf, es war auch nicht gefährlich. Es war ohne es zu sehen eigentlich im ersten Moment undefinierbar, doch er wusste trotzdem sofort, was es war.

Er stieß ein schmerzhaftes Stöhnen aus, wie als wäre gerade etwas wiedergekommen, was er gerne vergessen hätte, vergraben in den tiefsten Tiefen seiner Müllschublade.

Zuerst wollte er ihn liegen lassen, doch er konnte es nicht. Es wäre zu schmerzhaft gewesen, denn jetzt wo es wieder zurückgekommen war, konnte er es so schnell nicht wieder begraben.

Also zog er seinen Arm mitsamt des Objekts aus der Schublade.

Der Ring war noch glänzend, wie neu, er hatte ihn nur wenig getragen.
Seine weiß behandschuhte Hand sah im strahlenden Licht seiner Schreibtischlampe mit dem Handschmuck aus wie die eines Schmieds, der kurz vorm Verkauf sein fertiges Objekt betrachtete.

Er rückte näher an den Tisch, nahm unbewusst eine sehr ungesunde Haltung ein und schaute den Ring vom Nahen an.

Silber glänzend, mit einer wunderschönen Gravur.
Ein elegant geschwungenes „G“ war in die Oberseite eingraviert.
Der 35 Jahre junge Mann fühlte sich abgestoßen und angewidert.
Zumindest wollte er das sein.
Er wollte den Ring zertrümmern mit einem Hammer und die Einzelteile auf jeder Müllhalde der Welt verteilen.

Und doch saß er jetzt da, wiegte den Ring in seiner Hand hin und her, wollte wütend und hasserfüllt sein, doch konnte schließlich nur weinen.

Er spürte die nassen Tränen an seinem Gesicht und er hasste es.
Am liebsten hätte er sich selbst geschlagen, um endlich aufzuhören.

Wie konnte er nur weinen? Er durfte nicht weinen.
Er bereute ja schließlich nichts.
Er durfte es nicht bereuen. Sonst wäre alles dahin.

Nur ein wenig erschreckte er sich, als das Telefon klingelte, aber hauptsächlich war er überrascht.
Eilig wischte er sich die Tränen aus den Augen, räusperte sich und nahm das Telefon auf.

„Guten Abend, Salomon Rivers, wir übernehmen jeden Fall, was kann ich für Sie tun?“, stellte er sich freundlich vor, wobei er bemerkte, dass sich seine Stimme noch etwas verschnupft anhörte.

„Hallo. Ich habe hier ein mysteriöses Ereignis und zwar direkt bei mir zu Hause. Könnten Sie mir weiterhelfen?“

Sals Herz begann schneller zu klopfen und er musste sich einen Moment zusammenreißen, um sich nicht anmerken zu lassen, dass dies sein erster Job seit Jahren war.

„Sehr...interessant. Könnte ich Ihren Namen erfahren, Ihre Pronomen und Ihren...äh...Standort?“

„Sicher. Können Sie denn noch heute Abend vorbeikommen?“

Stirnrunzelnd schaute er auf seine Uhr. 22:12 Uhr.
„Selbstverständlich.“

„Super. Ich heiße Luciya…“, es hörte sich so an als würde sie in Unterlagen blättern, „Müller,“, sie hörte sich nicht sehr glaubwürdig an, „Sie/Ihr und das wäre die Himmelsgasse 49.“

„Ahja…“, Salomon notierte sich die Infos skeptisch auf einem Zettel, „Na dann bis gleich.“

+

Als es an der Tür klopfte, etwa 20 Minuten später, war Luciya wieder einmal kurz davor im Stand einzuschlafen.
Salomon hatte sich zur Feier des Tages wahrscheinlich heute Abend schon zum insgesamt 3. Mal, seit er alleine lebte, seine Haare gekämmt und war relativ zufrieden damit, wie er aussah.

Erleichtert hob er freundlich lächelnd seinen Kopf, als sich die Tür endlich öffnete.

Die Tür öffnete sich, ein Kopf erschien im Türspalt, Salomon starrte sie an.

„Was zum Fick.“, murmelte er. Sie sah ihr einfach nur ähnlich, mit Sicherheit. Sie hatte immerhin ganz andere Haare als die Luciya, richtig? Ihre Haare waren etwas kürzer und nicht rotbraun, sondern eher dunkelbraun.
Das konnte einfach nicht sein.

„Aaaaaach, Salomon, erkennst du mich noch?“, stieß sie aufdringlich strahlend aus und öffnete die Tür vollständig.

„Nope.“, meinte er dazu und wand sich sofort wieder zum gehen. Und zwar nicht in Satans Höhle hinein, sondern zurück auf den Gehweg, genau dahin, woher er gekommen war.

„Sal, mein Freund, warte doch!“, hörte er ein grauenvolles Kreischen hinter sich. Wenn er sich nicht zu dumm vorgekommen wäre, hätte er angefangen zu rennen.

„Warte doch einen Moment!“, sie hatte ihn eingeholt und ging nun in seinem Tempo genau neben ihm.

„Wollen wir nicht reingehen, meine Tür weht zu, wenn ich nicht aufpasse.“, fügte sie nervös hinzu.

„Nicht mein Problem.“, entgegnete Salomon.

„Ach koooomm…“, sie lächelte ihn in ihrem typischen wissenden Lächeln an, „Du brauchst diesen Job. Wird so langsam auch etwas einsam bei dir zu Hause und auch etwas knapp mit dem Geld am Ende des Monats, hab ich nicht Recht?“

Sal knurrte frustriert. Ja, da hatte sie Recht.
„Ich schaue mir die Sache nur kurz an!“

+

„Sag mal, Salomon…“, begann Luciya kaum als sie zu zweit in der Wohnung standen, „Woher hast du mich eigentlich erkannt? Wir haben uns doch in Die Schlacht des Vatikans 2 nie persönlich getroffen?“

„Ja…“, Salomon schüttelte den Kopf, „Das ist ein Plothole, dass die Autorin bemerkt hat, was sie aber sofort auf eine komplett sinnfreie Weise erklären wird.“

„Achso.“, Luciya verstand.

„Erinnerst du dich denn nicht? Du warst in der Zeitung.“, er hatte den Artikel von vor etwas mehr als einem Jahr noch bildlich vor sich. Die Schlagzeile „Frau ohne Führerschein mit gestohlenem Wagen auf Landstraße unterwegs“, darunter eines der seltenen Überwachungskamerafotos mit tatsächlich guter Qualität und einer Anmerkung, dass man diese Person sofort melden soll, sobald man sie sieht.

„Oh...ja.“, sie blickte zu Boden, „Nicht einer meiner stolzesten Manöver.“

„Naja. Wenn es denn sein muss, was ist das Mysterium, was du hier entdeckt hast? Oder ist das alles nur eine intelligente Strategie, um mich an meine Vergangenheit zu erinnern?“

„Ausnahmsweise nicht.“, sie beugte sich hinunter, nahm etwas vom Boden auf und streckte es Salomon hin.

„Ja, eine Schraube, ja und?“

„Salomon.“, sprach sie tadelnd, „Das hier ist eine ernste Sache. Ich habe kein Geld für Schrauben. Irgendwo muss sie hergekommen sein. Ein Mysterium, verstehst du?“

Sal legte sich eine Handfläche auf den Kopf. Er konnte nicht glauben, dass er gerade hier war.

„Hast du sie nicht einfach aus Versehen von draußen mitgebracht oder so?“

Luciya schaute ihn enttäuscht an.
„Ich dachte du wärst ein Detektiv. Sehr enttäuschend.“, sie legte die Schraube vorsichtig auf die Ablage der Spüle, „Wie geht es denn Gizmo? Unsere letzte Begegnung war ja durchaus sehr...intim. Ich hoffe er hat es verkraftet, mich danach nie wieder sehen zu können...“

Und da war es. Das war der Grund, warum er eben vor Luciya weggelaufen war, das war der Grund warum er seit 2 Jahren keinen Job mehr bekommen hatte und wahrscheinlich war das auch der Grund, wieso er sich Handschuhe anzog, jedes Mal wenn er in seiner untersten Schublade wühlte.

„Ich weiß es nicht.“

„Wie du weißt es nicht? Lebt ihr nicht zusammen?“

„Ich weiß es nicht, Luciya und es ist mir auch egal.“
Genau. Es war ihm egal, ganz Recht.

Verwirrt schaute sie ihn an und ihr Unverständnis tat ihm nur so weh, weil sie nicht die erste war. Viel mehr wusste er nicht mal, ob überhaupt jemals jemand seinen Standpunkt verstanden hatte.
Es machte ihn wütend.

„Woher soll ich wissen, wie es ihm geht? Ich bin weder sein Vater, noch sein Psychologe...Interessiert überhaupt auch wen, wie es mir geht?!“
So viel hatte er gar nicht sagen wollen. Vor allem nicht zu ihr.

Luciya schaute ihn unsicher an. Das mit der Empathie, bekam sie immer noch nicht so Recht auf die Reihe.
„Ähm...also…“, versuchte sie es, doch Sal winkte ab.

„Lass es einfach…“, plötzlich schaute er stirnrunzelnd zum Boden, „Hast du einen Keller?“

„Äh...was? Nein.“

Salomon schaute zu ihr auf, nun mit ängstlichem, alarmiertem Blick.

Auf dem Boden waren viele tiefe Risse, die sich immer weiter ausbreiteten, begleitet von dem Geräusch sandiger Reibung und dem Geruch zerbröseltem Betons.

In diesem Moment brachen Luciya und Salomon durch den Boden.

+

Die beiden lagen schwer atmend ungefähr 2 Minuten auf den Trümmern des durchgebrochenen Bodens, bis sie sich dazu entschieden Kontakt miteinander aufzunehmen.

„Ich dachte du hast keinen Keller?“, fragte Sal vorwurfsvoll und versuchte sich aufzusetzen, was ihm große Leiden verursachte.

„Naja.“, Luciya setzte sich mit schmerzverzerrten Gesicht auf und betrachtete kurz ihren deformierten rechten Arm, „Als du „Keller“ gesagt hast, dachte ich natürlich nicht, dass du meinen Folterkeller meinst…“

„Deinen…? Wieso hast du einen Folterkeller?“, fragte er und schaute entrüstet zu ihr, obwohl sie ihn in der Dunkelheit gar nicht sehen konnte.

„Salomon…“, sie schüttelte erneut den Kopf über seinen Mangel an Erfahrung, „Ein Folterkeller ist ein absolutes Must-Have. Warst du nicht mal Hausbesitzer?“

„Mein Haus ist abgebrannt.“

Sie zuckte mit den Schultern.
„Ja, okay. Macht Sinn.“

Die beiden schirmten sich mit den Händen ihre Augen ab, als sich plötzlich die grellen LED-Leuchten an der Decke selbst anschalteten.

Blinzelnd blickte sich Salomon in dem weiß gefliesten Raum um.
„Sieht ein bisschen so aus wie das Badezimmer aus Saw. Nur...sauber.“

„Oh nein.“, sagte Luciya und Salomon drehte sich verwirrt dahin, wo sie hinblickte, um das zu erkennen, was so schlimm war, dass es wohl sogar den Teufel beunruhigen konnte.

Eine blutige Schrift war auf die weiße Wand gemalt.
Es war nicht viel, was Salomon in seinem absolvierten Detektivworkshop gelernt hatte, doch er konnte mit fast vollkommener Sicherheit sagen, dass das wirklich Blut war.

„Adler an Engel:
Deine Zeit ist abgelaufen.
Ein gefallener Vogel,
Darf niemals wieder fliegen.“
, lautete die Malerei.

„Hast du irgendeine Ahnung, was das bedeutet?“, fragte Salomon und offenbarte seine eigene komplette Ahnungslosigkeit.

„Mmhmh.“, machte Luciya nur mit zusammengepressten Lippen und aufgerissenen Augen, „Ich habe so eine Ahnung…Das nenne ich mal einen Fall für Salomon Rivers. Wenn du nicht schon hier wärest, würde ich dich gleich nochmal anrufen...Dann lass uns mal sehen, ob du so ein guter Detektiv bist, wie deine Visitenkarte verspricht, Sal.“

-

Der Adler spähte seine Beute.
Sie saß auf einem Betonklotz in einer verlassenen Baustelle am Rande der Stadt, die der Engel bewohnte.
Abwartend putzte sie ihr Schwert mit einem weißen Lappen, der sich langsam rot färbte.
Es war silbern glänzend und wurde niemals stumpf.
Sie müsste sich nur noch um das Menschenopfer hinter sich kümmern, dessen Blut sie für ihr schickes Kunstwerk benötigt hatte.
Aber sie hatte Zeit, denn jetzt musste sie erstmal keinen Finger mehr regen.
Sie würde schon selbst kommen, das wusste sie.
Niemand kannte Luciya so gut, wie sie.

Mikaela stand auf und wand sich der Leiche des Zivilisten zu.
Sie war ein Erzengel, Bezwinger des Satans.
Klar und deutlich konnte sie sich an den Sturz erinnern.
Luciya war tief gefallen, aus ihren Armen.
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