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2022 05 10: Mondkreide und Sternenaugen [by Lifegamer]

Kurzbeschreibung
SongficAllgemein / P12 / Gen
10.05.2022
10.05.2022
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10.05.2022 900
 


Tag der Veröffentlichung: 10.05.2022
Titel der Geschichte: Mondkreide und Sternenaugen
Song: dreifaches x - von TJ_babybrain+wavvyboi
Autor: Lifegamer
Kommentar des Autors: Du gehst richtig in der Annahme, das hier nun eine Art Fortsetzung zu 'Sag mir was fehlt' folgt - veröffentlicht am Kalendertag 23.02.
Für Menschen wie mich muss ich eine kleine Triggerwarnung setzen.
Anstelle eines Kommentars erlaube ich mir, vielleicht ein wenig abweichende Gedanken zu bringen. Der Discord-Schamane empfiehlt Abstinenz. Vor Geräten, die über einen Bildschirm verfügen. Wenigstens vier Wochen lang. Stattdessen einfach raus an die Luft, egal wie das Wetter sein mag. Raus an die Luft kann auch bedeuten, sich irgendwo in die Natur, so weit weg wie möglich von stetigen wie künstlich erzeugten Lärmquellen hinzuhocken. Ein ruhig dahin fließender Bach, eine Wiese mit unterschiedlich hoch wachsenden Grashalmen und anderen Nutzpflanzen, auf die Parkbank legen und in den Himmel schauen. Um wie die alten Phönizier, Vorhersagen aus dem Flug der Vögel zu konstruieren. Wenn Nachts - dieselbe Parkbank. Bei vorzugsweise klarem Himmel. Bei Sternschnuppen sollte nichts gewünscht werden, es reicht, die Spur der fallenden Sterne zu beobachten. Keine schwere Literatur aus echten Büchern lesen. Alles was mit Mord- und Totschlag zu tun hat, fällt aus. Auch die Bibel. Eine Empfehlung wäre das Dschungelbuch von Rudyard Kipling. Jedoch nur in Ausgaben von vor 1990! Obwohl darin natürlich auch gestorben wird. (zu Risiken und Nebenwirkungen, den Schamanen fragen)




Mondkreide und Sternenaugen

Geht's mir gut oder schlecht
Ganz egal, wie's mir geht, Mann
Ich catch' diesen Vibe - Catch' diesen Vibe
Zeichne mit Kreide ein dreifaches X

Vom Himmel herab strahlt der Mond wie ein Scheinwerfer. Beleuchtet auch einen Platz inmitten grau scheinender Wildnis. Das Grün der Büsche, das mittelhoch gewachsene Gras ist nur eine Sammlung von grauen Tönen. Die Blüten können keine Farbe ausstrahlen, die Knospen sind geschlossen und zeigen sich dem Mond nicht. Da mag er noch so groß und rund vom Himmel herab locken. Wie ein Klotz steht ein Fahrzeug im Mondlicht, doch eine vorbei flatternde kleine Fledermaus entscheidet, das dieses Gerät nichts Natürliches an sich hat. Mithin fehl am Platz. Also sucht sie im Tiefflug über die leicht schwankenden Grashalme weiter nach Zutaten für ihr nächtliches Mahl. Das Summen der einen Gestalt, die mitten auf der Wiese hockt, läßt sie jedoch auch gleich weiterfliegen. Außerdem beleidigt sie ihren Geruchssinn, wie jeder Zweibeiner. Mit einer fetten herumschwirrenden Fliege als ersten Snack der Nacht läßt sich die Fledermaus an einem Ast nieder. Mit Blickrichtung auf die eben noch summende Gestalt.

'Mit Kreide … eine Sonne … ', Simon unterbrach den leisen Gesang, der mehr ein vor sich hin summen war. Gedanken, die durch den Kopf gehen, Erinnerungen.

Und mach' Tränen zu Wein - Tränen zu Wein
Streife allein durch die Night und ich schrei', bis die Kehle zerreißt
Prost auf mich selbst, Mann
Ich lach' in mich rein, heb' die Gläser zur Sky

'Nein, das funktioniert nicht!', in seiner Erinnerung schweben singende und hopsende Kinder. Die zuvor die Straße mit bunter Kreide bemalt hatten. Nicht mit einem Stück gewöhnlicher weißer Kreide. Und aus Tränen Wein zu machen, wäre an der Stelle keine gute Idee. Tränen. Er weiß nicht mehr, wann er zuletzt welche vergossen hat. Wann er den letzten Wein getrunken hat, das schon. Die neugierigen Augen, die ihn vor wenigen Stunden angeschaut hatten. Ihn baten mitzusingen. Diese Bilder verwirren ihn. 'Habe ich gesungen?', der eine Teil seines Denkens bestätigt die Tatsache. Die andere fragt eher, was zum großen Alpenvogel er hier mitten in der Nacht sucht. Statt irgendwo nach einer laufenden Party zu suchen. Wein, oder gar ein Glas, mit dem er mit dem Himmel über ihm anstoßen kann, hat er nicht dabei.
Er schaut nach oben. Alle Sterne kann der hell leuchtende Mond nicht überstrahlen. Sterne die wie die Augen der Kinder zu leuchten scheinen. Die gemalt, getanzt und gesungen hatten. Deren Zuhause ein Heim ist, wie sie ihm einfach sagten.

Wie oft hatt' ich keinen Bock mehr auf das alles?
Wie oft war ich tagelang gefesselt an mein Bett?
Wie oft hatt' ich keinen Bock mehr auf das alles?
Wie oft, wie oft? Wie oft, wie oft?
Wie oft hab' ich schon gehofft, dass ich bald falle?

'Weil alle Menschen Sonnenkinder sind?' - Simon senkt den Blick wieder. Senkt den Kopf. Scharfe Schatten erzeugt das Mondlicht. Selbst einzelne Grashalme scheinen einen eigenen Schatten zu besitzen. Die gelegentlich und schnell über die Wiese jagenden kleinen Fledermäuse sieht und hört die hockende Gestalt nicht. In seinen Gedanken ist Simon weit weg. 'Wieviele Kinder sterben jetzt? Wieviele Sterne erlöschen? Europa, in West und Ost. Die in Zentralafrika werden nicht gezählt. Genausowenig wie die Medien es wert fänden, über sterbende Kinder in Nahost zu berichten. Fernost. In beiden Amerikas. Fallende Sterne. Erloschene Sterne.', der andere Teil seines Denkens sinkt immer tiefer in die Dunkelheit. Die selbst der strahlende Mond nicht zu durchdringen vermag.

Sie denken mir fällt alles in den
Schoß, sie denken mir fällt alles in den Schoß
Doch es ist nicht so leicht, wie es aussieht
Yeah, es ist nicht so leicht, wie es aussieht
Zeichne mit Kreide …


***



Komm wir malen eine Sonne ... war das kleine Lied, welches in der Geschichte vom 23.2. von Kindern unterschiedlichen Alters gesungen wurde. Und in dieser kurzen Geschichte habe ich dem Künstler wavyboi seinen Namen zurückgegeben. Simon Vogt.

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