Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Close to Home

von Naomijo
Kurzbeschreibung
OneshotAngst, Familie / P12 / Gen
09.05.2022
09.05.2022
1
1.689
1
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
09.05.2022 1.689
 
Warning: Erwähnung von Tod & Nahtod Erfahrung
Endwalker 6.1 Spoilers (mehr oder weniger idk, spielt aber während der 7. Katastrophe)

______

Die Unruhe war schon seit Tagen zu spüren. Spannung lag in der Luft, und alle schienen nur auf das unaufhaltsame Schicksal zu warten. Es spielte keine Rolle, was die Führer der Stadtstaaten sagten, um die Menschen zu beruhigen. Der Himmel stand in Flammen, und das konnte niemand mit Worten beschönigen. Kaum jemand war aus Carteneau zurückgekehrt, und der Kampf mit den Garlear zog sich immer noch hin.

In Ost Thalanan zog es die Menschen nach Camp Drybone. Die meisten in der Gegend lebten in der Stadt, aber diejenigen, die aus den Dörfern kamen, suchten Schutz in der Kirche. Das Gefühl war schwer zu beschreiben. Die Unsterblichen Flammen stationierten nur sporadisch Soldaten um das Lager, um die Menge ruhig zu halten. Die meisten von ihnen befanden sich immer noch im Krieg mit Garlemald und viele Messingklingen wollten nichts mit den Flüchtlingen aus Gyr Abania zu tun haben.

Feli saß auf einem Chocobo Wagen. Das Miqo'te-Mädchen blickte in den blutroten Himmel. Ihre Eltern flüsterten leise miteinander, damit sie nicht mitbekam, worüber sie sprachen. Auch sie waren, in Ermangelung einer besseren Lösung, auf dem Weg zum Camp. Das Fahrzeug holperte über den staubigen Wüstenboden. Es hatte seit Tagen nicht mehr geregnet, und es war sehr, sehr heiß.

Ein paar hundert Meter entfernt ragten ein paar Bäume aus dem Boden, tief in einen Abgrund hinein. Die brennende Wand. Sie verdankte ihren Namen dem tiefroten Licht, das sie jeden Abend bei Sonnenuntergang ausstrahlte, und was normalerweise ein schöner Anblick war, wurde heute Abend durch den bedrohlichen Himmel verdunkelt.

Man konnte den Mond sehen. Größer und klarer als je zuvor bahnte er sich seinen Weg zum Planeten. Feli fragte sich, ob Dalamud einen eigenen Willen hatte. Sie verstand nicht, was vor sich ging und warum der Mond beschloss, weiter zu fallen. Menphinas treuer Jagdhund. Hat die Göttin uns im Stich gelassen? Haben die Zwölf uns im Stich gelassen?

Obwohl sie nicht viel über die Religion ihres Stammes wusste, wusste sie, welche Bedeutung der Mond für sie hatte. Aber sie waren jetzt in Thanalan. Es ist das Reich der Zwilingsgötter und Azeymas, der Aufseherin. Was, wenn sie jetzt über uns wachen?

Diese Frage wurde mit einem tiefen Grollen beantwortet. Felicitas zwang sich, den Blick vom roten Mond abzuwenden und drehte sich zu ihrer Mutter um. "Feli!" Die Miqo'te zog ihre Tochter an sich. Der Planet selbst schien zu zittern. Sie konnte Hufschläge hören, als eine Herde Myotragus auf die Straße sprang. Im selben Moment wurde ein Vogelschwarm aufgeschreckt und ein zweites Grollen vibrierte durch die Erde.

"Wir müssen zum Camp kommen!" hörte sie ihren Vater sagen, während sie beobachtete, wie der Mond zerfiel. Langsam zuerst. Ein Riss nach dem anderen, aber so klar wie der Tag. Dalamud war weit weg, und doch ließ die Scherbe, die zuerst auf dem Boden aufschlug, die Erde erneut beben, und zwar um ein Vielfaches heftiger als zuvor. Dennoch - das Schlimmste stand noch bevor.

"Sieben Höllen!" Feli weiß nicht mehr, wer geflucht hatte, sie kann sich nur noch an ein wildes, wütendes Brüllen erinnern, das die Luft durchdrang. Sie konnte sich daran erinnern, dass sie in diesem Moment nichts fühlte. Sie sah einfach nur schockiert zu. Sah zu, wie der Drache aus dem Mond schlüpfte, als wäre ers ein Ei. Sah zu, wie Dalamud auf die Erde stürzte und in tausend Stücke zerbrach. Sie sah zu, wie Kometen über sie hinwegflogen. Das Kind sah nicht mehr den Drachen, sondern das Höllenfeuer, das nun auf sie herabregnete.

Sie wurde erst aus ihrem Schockzustand aufgerüttelt, als der Boden unter ihr wegbrach und sie ihre Mutter schreien hörte. Dann überkam sie eine schreckliche Angst. Feli griff nach der Hand ihrer Mutter, aber sie war nirgends zu spüren, und dann merkte sie, dass sie nichts mehr sehen konnte. Der Boden war aufgewühlt, und der Staub schwebte dicht in der Luft. Das Kind hustete, als es den Sand und den Rauch einatmete.

"Felicitas!" Die Stimmen waren nur gedämpft zu hören. Sie spürte, dass sie auf harten Boden gefallen war, doch bevor sie sich aufraffen konnte, schoss ein Teil der Erde neben ihr in die Höhe. Feli schrie auf. Felsen bröckelten auf sie herab, und dann war es plötzlich furchtbar heiß. Eines von Bahamuts tödlichen Feuern schlug nicht weit entfernt ein und verursachte ein unangenehmes Geräusch.

Feli konnte nichts mehr sehen und kaum noch atmen. Sie hörte die Stimmen ihrer Eltern nicht mehr, und sie schmeckte Blut in ihrem Mund. Sie wich zurück und stieß gegen einen heißen Stein. Ein verdorbener Kristall, frisch aus der Erde geboren. Das Miqo'te-Kind hatte es nicht einmal bemerkt, aber Tränen liefen ihr über das Gesicht und die Hitze war fast unerträglich. Sie würde hier sterben. Da war sie sich ganz sicher.

________


"Thal, bitte...", sagte Nald und sah zu, wie der Mond zerbrach.

"Wir sind nicht hier, um einzugreifen, nur um zu beobachten, Bruder."

Nald kannte die Worte seines Bruders, noch bevor er sie aussprach, sie klangen kalt und distanziert, aber er konnte den Schmerz hinter Thals Worten spüren.

"Also lassen wir unsere Kinder wieder einmal im Stich."

In getrennten Formen flogen sie über das Reich. Weiße Federn schmückten Thals Adlerkörper, so wie schwarze Federn den seines Bruders zierten.

"Du weißt, dass unsere Aufgabe weitaus größer ist als das hier. Diese Katastrophe wird viele Leben kosten, aber unsere Kinder sind stark. Sie werden überleben."

Die Welt unter ihnen war das reinste Chaos. Die Händler konnten die Angst spüren, die, die Kalamität mit sich brachte. Die Seelen schrien auf bei dieser gewaltsamen Wiedervereinigung. Die Zerstörung einer Welt stärkte die Seelen dieser Kinder und schwächte die Seele des Mutterkristalls. Hydaelyns Einfluss schwächte sich erneut ab.

"Du spürst es auch, nicht wahr?" Es war nicht so sehr eine Frage als vielmehr eine Feststellung. Dieses Gefühl, das eine Wiedervereinigung der Welten mit sich brachte, war unbeschreiblich. So viel Tod, so viel Zerstörung.

Aber da war auch noch etwas anderes - eine dunkle Präsenz. Stärker als zuvor und doch auf seine eigene Art rein. Die Zwillingsgötter wussten, dass die Macht von Zodiark von diesem Übel genährt wurde.

"Das ist die Letzte. Es muss so sein. Sie kann einer weiteren Wiedervereinigung nicht standhalten." sagte Nald, und Thal murmelte etwas Zustimmendes. Der Hüter des Reiches des Todes landete auf den Überresten einer zerstörten Karawane. Die Luft flirrte vor Hitze, und er fragte sich, ob es klug war, hier zu bleiben. Der instabile Äther formte sich um seinen tierischen Körper, und er konnte nicht abschätzen, wie lange es dauern würde, bis er den Sterblichen seine wahre Gestalt offenbaren würde. Dennoch beunruhigte ihn etwas.

Nicht weit entfernt konnte er zwei Gestalten im Staub ausmachen. Leblos lagen sie da, in einer Position des gegenseitigen Schutzes. Aber das Feuer des Primae hatte sie lebendig verbrannt.

"Thal?" Sein Bruder landete direkt neben ihm und wachte mit einem Gefühl der Schuld über diese leblosen Gestalten.

"Ein Sterblicher." War Thals Antwort, die seinen Zwillingsbruder in Verwirrung geraten ließ. Und dann konnte er es hören. Ein leises, aber schweres Atmen in der Nähe. Die Händler flogen nebeneinander her, als sie ein Kind fanden, das unter einer Wand aus neu entstandenen Kristallen kauerte. Sie war mit Staub und Asche bedeckt, und ihr Atem wurde von Sekunde zu Sekunde schwächer. Sie lag im Sterben.

Es war eine Sache, die Seelen dieser armen Kinder auf die Waage zu legen. Sie in die Himmel oder in die Höllen zu bringen, aber eine andere, sie sterben zu sehen. Nald schloss seine Augen. Er konnte den Gedanken daran nicht ertragen.

"Bruder, sollen wir wirklich nur zusehen?"

Thals Blick war immer noch auf das Kind gerichtet, während er zögerte. Er spürte etwas, das ihn irritierte, und noch mehr, dass sein Bruder es nicht zu bemerken schien.

Er legte seine Tiergestalt ab und nahm die eines Mannes an. Thals dunkle Haut schimmerte fast golden im Feuer der Apokalypse, sein weißes Haar war locker über die Schulter geflochten und seine Augen stellten die blauen Flammen seiner wahren Gestalt dar. Sein Bruder beobachtete ihn. Er konnte spüren, was ihn ärgerte, aber Nald wollte es hören. Noch nie hatten sie sich in das Leben eines Sterblichen eingemischt.

"Warum sie, warum hier?" fragte Nald.

"Sie wurde nicht geboren, um hier zu sterben." Thal flüsterte. "Ich spüre einfach, dass das falsch ist."

"Noch falscher als der Tod unserer anderen Kinder?" Nald tat dasselbe wie sein Bruder, als er menschliche Gestalt annahm. Er hatte die gleiche dunkle Haut, die vor dem roten Himmel golden schimmerte. Langes dunkles Haar, das ihm über den Rücken fiel, und warme, feurige Augen, die zu dem kalten Blau seines Bruders passten.
Ein kurzer Anflug von Wut durchfuhr Thal, als wären ihm diese Leben nicht teuer genug, aber ein Blick auf seinen Zwilling genügte, um ihn zu beruhigen. Keiner von ihnen nahm diese Last auf die leichte Schulter. Dessen war er sich sicher.

"Wenn ich mich nicht irre, warst du es, der sich einmischen wollte." stichelte Thal.

Sein Bruder seufzte und beugte sich zu dem Mädchen hinunter. Ihr Atem war jetzt flach. Nald nahm sie vorsichtig in seine Arme. Der Rauch in ihren Lungen ließ sich leicht entfernen, ebenso wie der Schmutz auf ihrer Haut. Aber die Narben, die dieser Tag in ihrer Seele hinterlassen hatte, konnte er nicht heilen. Behutsam hob er sie hoch. Es würde eine weitere harte Zeit für sie werden. Die Katastrophe hatte sie zu einer Waise gemacht, und wenn sie aufwachte, musste sie verstehen, was geschehen war. Und vor allem war Nald'Thal niemand, dem ein Sterblicher gerne begegnete, nachdem er fast gestorben war. Aber sein Herz schwoll an, als sich das bewusstlose Kind an ihn klammerte.

"Es ist richtig. Ich weiß, dass es richtig ist."

Thal antwortete nicht, aber er lächelte. "Komm jetzt, Bruder, wir haben unsere Pflichten. Nimm sie vorerst mit uns, wir werden sehen, was kommt, wenn sie erwacht!"
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast