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One Night Stand

von Tasha88
Kurzbeschreibung
OneshotAllgemein / P12 / Gen
08.05.2022
08.05.2022
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3.375
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Bereits beim Aufwachen fühlte sich ihr Mund irgendwie pelzig an und ihr Kopf pochte unangenehm. Hatte sie gestern doch zu viel getrunken? Aber anders hätte sie Gregors Geburtstagsfeier doch auch gar nicht überstanden, immerhin war dort auch dessen bester Freund gewesen, den sie eigentlich nicht hatte sehen wollen. Warum war er überhaupt dort aufgetaucht? Hätte er nicht einfach wegbleiben und sich fernhalten können? Elsa presste ihre Augen zusammen und biss ihre Zähne aufeinander. Er war es gewesen, der sich vor erst einem knappen Monat von ihr getrennt, sie und ihr gemeinsames Leben einfach so zurückgelassen hatte. Und das noch dazu mit so einer dummen, billigen Ausrede, dass er das Gefühl hätte, auf der Stelle zu treten und nicht zu wissen, ob das mit ihnen noch richtig war, ob sie beide noch zusammenpassten. Und dann kam er zu dem Geburtstag ihres Bruders und tat so, als wäre das völlig normal und in Ordnung, mit ihr im gleichen Raum zu sein? Es war ihr Bruder! Er war nur der dumme, beste Freund, er wäre es gewesen, der hätte wegbleiben müssen, nicht sie! Und genau deshalb war sie auch dorthin gegangen, um ihm zu zeigen, dass sie sich seinetwegen nicht klein machen würde … und eigentlich hatte sie einfach nur gehofft, dass er gar nicht erst auftauchen würde. Doch sie hatte Pech gehabt. Kaum dass er zur Türe rein gekommen war, hatte sich alles in ihr zusammengezogen und um sich nicht die Blöße zu geben, vor ihm in Tränen auszubrechen und ihm damit zu zeigen, wie schlimm es für sie war, wie sehr sie immer noch an der Trennung zu knabbern hatte, wie sehr sie darunter litt, hatte sie sich etwas zu trinken geholt, etwas alkoholisches. Aber vielleicht hatte sie etwas übertrieben, sie wusste nicht einmal, wie sie nach Hause gekommen war und … Stopp! War sie wirklich zuhause? Mühsam zwang sie sich, die Augen zu öffnen und kaum dass sie das getan hatte, schoss das helle Licht, das durch die Fenster hereinkam, in ihre Augen. Sie hatte wohl den Rollladen vergessen zu schließen. Aber gut, es war zumindest mal ihr Zimmer, sie war also nach Hause gekommen.

Langsam drehte sie sich zur Seite, um im nächsten Augenblick zu erstarren. Oh Gott, sie lag nicht allein in ihrem Bett! Wer … wer war das? Nach dem ersten Schock hob sie mit zitternden Fingern ihre Bettdecke an und erkannte, dass sie nackt war und das wiederum bedeutete wohl, dass mehr passiert war, sonst hätte sie sich sicherlich nicht ausgezogen. Bitte! Elsa presste ihre Augen wieder fest aufeinander, ebenso ihre Lippen. Ein Gedanke überkam sie, der ihr Herz einen Satz machen ließ. Mario. Vielleicht war es Mario, der hier mit ihr in ihrem, früher gemeinsamen, Bett lag. Hatten sie auf Gregors Geburtstagsfeier miteinander gesprochen? Ein Erinnerungsfetzen durchdrang den Nebel, der über der Nacht lag. Arme, in denen sie lag und die sie fest an einen harten, männlichen Körper drückten. Lippen, die sich auf ihre pressten, eine Zunge, die mit ihrer spielte, schon regelrecht einen Kampf ausfochte. Aber irgendetwas daran fühlte sich nicht richtig an, es fühlte sich nicht nach Mario an … Warum? War es etwa nicht der Mann gewesen, den sie immer noch liebte? Konnte es tatsächlich sein, dass sie sich auf einen anderen Mann eingelassen hatte? Elsas Herz nahm einen weiteren, schnelleren Takt an. Wer war es dann? Sie wollte doch niemand anderen als Mario an ihrer Seite, auch wenn dieser sich von ihr getrennt hatte, sie wollte ihn einfach zurück. Doch sie musste wissen, wer es war, der neben ihr anscheinend den Schlaf der Gerechten schlief, wie sie dem gleichmäßigen Ein- und Ausatmen erkennen konnte, das sie inzwischen wahrnahm. Okay, sie musste ja nur kurz über ihre Schulter sehen, sich einfach davon überzeugen, wer es war. Vielleicht machte sie sich ja ganz umsonst Sorgen und es war doch Mario. Hoffentlich. Oh bitte, bitte, sei Mario! Elsa holte tief Luft, nahm all ihren Mut zusammen, dann lehnte sie sich vorsichtig nach hinten, drehte ihren Kopf um über ihre Schulter zu sehen und … Scheiße! Abrupt setzte sich Elsa auf, ihre Augen weit aufgerissen und auf den neben sich auf dem Bauch Liegenden gerichtet. Das war so etwas von nicht eindeutig Mario! Und es war alles andere als gut, wer hier neben ihr lag, wohl ebenso nackt wie sie.
“Oh verdammt”, flüsterte sie mit unsicherer Stimme, ehe sie sich aus dem Bett schob. Panik machte sich in ihr breit und schnell sammelte sie ihre Kleidung auf, die durch den Raum verteilt herumlag, ebenso die Kleidung des Mannes in ihrem Bett. Oh Gott, schoss es erneut durch ihren Kopf. Wieso hatte sie mit ihm geschlafen? Ausgerechnet mit ihm? Sicher wegen dem Alkohol, von dem sie eindeutig viel zu viel konsumiert hatte! Ein One Night Stand, das war doch nicht sie!

“Elsa?”, erklang eine vom Schlaf noch raue Stimme und als die Angesprochene ihren Blick auf das Bett richtete, erkannte sie, dass er sich auf seinen Unterarmen aufgerichtet hatte, seinen Kopf über seine Schulter drehte und sie anblickte.
“Du weißt, dass das hier dein Schlafzimmer, deine Wohnung ist und du deshalb nicht abhauen musst?”, fragte er amüsiert, als er bemerkte, wie sie ihre Kleidung an sich presste und ihn mit weit aufgerissenen Augen anstarrte.
“Oh mein Gott, Viktor!”, entkam es ihr und die Panik war ihrer Stimme zu entnehmen. Schon drehte er sich herum, stützte seine Arme nun hinter sich auf und grinste sie breit an, während ihr Blick über seinen nackten Oberkörper huschte, ehe sie sich zwang, ihm einfach nur ins Gesicht zu sehen. Bei seiner nächsten Aussage erstarrte sie erneut.
“Das hat sich heute Nacht aber ganz anders angehört, eher so: Oh Gott, Viktor!” Den letzten Teil hatte er mit verstellter Stimme und laut stöhnend von sich gegeben.
Elsas Augen weiteten sich noch mehr. Wollte er sie damit etwa nachmachen? Hatte sie sich wirklich so angehört? Hatte sie das tatsächlich von sich gegeben?
“Ach, übrigens gern geschehen.”
Wie bitte? Auf diese weitere Aussage starrte sie ihn ungläubig an, während er sich wieder ins Kissen fallen ließ.
“Na gut, ich bin müde, ich hau mich nochmal hin. Willst du dich auch nochmal hinlegen, Elsa? Falls du eine Wiederholung haben magst bin ich auch gerne bereit dazu, den Schlaf später nachzuholen. Also, was denkst du?” Süffisant zwinkerte er ihr zu und hob die Bettdecke einladend hoch.
“Ich … ich …” Elsa wich nach hinten, während sie ihren Kopf schüttelte. “Ich denke nicht, dass …”
“Schade.” Viktor ließ die Bettdecke fallen. “Du weißt, wo du mich findest, wenn du nochmal eine Runde willst.” Und damit drehte er sich zurück auf den Bauch, während Elsa ihn mit offenem Mund betrachtete.
Okay, das … das war falsch, oder? Musste ein One Night Stand nicht direkt nach dem Aufstehen gehen? Es war doch mehr als falsch, dass Viktor sich einfach in ihrem Bett herum drehte und weiter schlief. Nein, das … das konnte so nicht richtig sein. Aber was sollte sie auch wissen? Sie hatte in ihrem ganzen Leben nur mit einem einzigen Mann geschlafen, mit Mario. Er war kein One Night Stand gewesen, ganz im Gegenteil, immerhin waren sie neun Jahre zusammen gewesen, er war ihr erster und einziger Mann gewesen und … Nein, das war falsch! Er war nicht mehr der einzige Mann, mit dem sie geschlafen hatte, immerhin schien sie gestern Nacht ja auch mit … Ihr Blick lag auf den langen schwarzen Haaren, die sich auf dem nackten Rücken des wieder Schlafenden und um ihn herum verteilt hatten. Sie schloss ihre Augen und presste den Atem hervor, den sie wohl angehalten hatte. Nein, nein! Sie würde jetzt duschen gehen, etwas frisches anziehen und dann wäre Viktor sicherlich weg, wie es sich für einen One Night Stand, ihres Erachtens nach, gehörte. Ganz sicher!

~~~

Die Dusche hatte gut getan, doch das Durcheinander in ihr hatte das Wasser nicht weggewaschen. Ihre Hoffnung war gewesen, dass Viktor in der Zeit gegangen war, in der sie sich im Bad aufgehalten hatte, doch sie hatte nichts gehört, keine Türe, weder die Schlafzimmer-, noch die Wohnungstüre, zudem hätte sich Viktor sich doch sicher verabschiedet. Das wiederum bedeutete wohl dass der Ältere immer noch in ihrem Bett lag und schlief. Sollte er nicht schon gegangen sein? Lief das mit einem One Night Stand vielleicht anders, weil sie sich kannten? Oder gab es da einen anderen Grund, dass er nicht ging? Okay, nein, darüber wollte sie nicht wirklich nachdenken …
Elsa rubbelte mit einem Handtuch durch ihre nassen Haare, betrachtete sich in dem Spiegel über dem Waschbecken, als es klingelte. Vom Ton her musste es nicht unten an der Haus- sondern hier oben direkt an der Wohnungstüre gewesen sein. Vermutlich ein Nachbar, der irgendetwas wollte. Sie legte sich das Handtuch um die Schultern und verließ das Bad, um in den kleinen Flur zu gehen und die Türe zu öffnen.
“Was kann ich …” Mitten im Satz stockte sie. Ihre Augen weiteten sich und ihr Herz machte einen Satz. Da drängte der im Hausflur Stehende sich bereits an ihr vorbei in die Wohnung herein. Hinter ihr blieb er stehen und drehte sich zu ihr herum.
“Elsa”, brach es aus ihm überfordert heraus, “ich … es tut mir so leid, ich weiß, ich habe viel falsch gemacht und ich …”
“Was machst du hier, Mario?”, unterbrach sie ihn und sah ihn ungläubig an, ihre Hand immer noch auf der Türklinke liegend.
“Ich … ich habe dir, als ich mich von dir getrennt habe, doch gesagt, dass ich gerade einfach nicht mehr weiß, was ich will, wo ich in meinem Leben stehe. Aber als ich dich gestern gesehen habe und du Viktor geküsst hast und ihr beide dann zusammen von Gregors Geburtstagsfest verschwunden seid, da ist es mir klar geworden. Elsa, ich liebe dich, ich liebe dich immer noch! Ich war so schlecht gelaunt, als ihr miteinander getanzt habt, dass er dich so in den Arm genommen hat, von dem Kuss ganz zu schweigen, da ist mir erst klar geworden, dass ich eifersüchtig bin, dass ich nicht will, dass dich jemand anderes außer mir im Arm hält. Du bist die einzige Frau, die ich jemals geliebt oder begehrt habe. Ich will niemand anderen an meiner Seite haben, nein, nicht nur das, ich brauche dich Elsa! Ich brauche dich wieder an meiner Seite, in meinem Leben und in meinen Armen!”

Das … das konnte doch nicht wahr sein! Elsas Herz schlug doppelt so schnell wie zuvor. Langsam schloss sie die Wohnungstüre.
“Was?”, brachte sie leise hervor und spürte, wie Tränen in ihre Augen stiegen. Er wollte sie zurück? Er liebte sie immer noch? Aber … er hatte das erst gemerkt, weil sie Zeit mit Viktor verbracht hatte. Okay, ja, sie hatte den Älteren schon ein wenig dazu genutzt, ihren Ex-Freund eifersüchtig zu machen. Viktor war immer etwas flirty unterwegs und dieses Mal hatte sich sich das erste Mal darauf eingelassen, mit ihm getanzt, auch etwas enger als normal. Und anscheinend hatte sie ihn auch geküsst, irgendetwas musste da ja gewesen sein, weshalb sie überhaupt erst hier mit ihm im Bett gelandet und mit ihm geschlafen hatte und … Hatten sie überhaupt verhütet? Oh bitte, bitte, bitte! Jetzt schwanger zu werden, in dieser Situation, das wäre schrecklich! Ihre Augen weiteten sich und ihr wurde anders.
“Elsa.” Und schon stand Mario wieder vor ihr und griff nach ihren Händen, um diese in seine zu nehmen. “Bitte gib mir noch einmal eine Chance. Ich verspreche es dir, ich werde dir das nicht mehr antun, ich werde immer für dich da sein und dich nie wieder verlassen. Ich liebe dich, du bist die Eine für mich und …”

Genau in diesem Blick öffnete sich die Schlafzimmertüre und Viktor trat heraus. Er gähnte und strich sich übers Gesicht, ehe er zu den zwei im Flur Stehenden blickte.
“Oh, hey Mario.”
Dieser blickte ihn entsetzt an. Viktor? Hier? Aus Elsas Schlafzimmer kommend? Noch dazu halbnackt? Verdammt, der Kerl hatte nur eine Boxershort an. Sein Blick fiel auf Elsas, die ganz blass wirkte und Viktor ebenfalls ungläubig ansah. Dieser kam auf sie beide zu.
“Elsa, ich gehe kurz duschen. Wo finde ich Handtücher?”
“Ähm, im … im Schrank im Bad … hinter der Türe.”
“Gut, dann bis gleich. Und Mario?” Der hatte seinen Blick noch nicht von dem Älteren gewendet, der ihn angrinste und auf Elsa deutete. “Da ich weiß, dass du der Einzige warst der bisher mit ihr geschlafen hat, ihr das quasi beigebracht hat, gut gemacht. Sie ist gut im Bett und weiß, was sie tut.”
Er hob einen Daumen in Marios Richtung, der aussieht, als hätte man ihm in den Magen geboxt, nicht wusste, was er darauf erwidern sollte. Mit so einer Aussage hatte er nicht gerechnet und erst recht nicht, dass Viktor ihm so etwas direkt ins Gesicht sagen würde. Elsa hingegen starrte Viktor mit großen Augen an. Sie wusste ebenfalls nicht, was sie nun tun sollte - ihre Hände vor ihr Gesicht schlagen und vor Scham im Erdboden versinken oder zu Viktor treten und ihm für diese Aussage eines überziehen. Sie wusste wirklich nicht, was nun besser wäre. Doch da bemerkte sie, dass der vor ihr Stehende sich plötzlich anspannte und seine Zähne fletschte, auf Viktor zu treten wollte und dabei seine Hände zu Fäusten ballte. Doch noch ehe er weit kam, umklammerte Elsa seinen Arm.
“Dann bis gleich”, gab Viktor von sich, der entweder nicht bemerkt hatte, dass Mario ihm am liebsten eine reinhauen würde oder es einfach ignorierte, es war ihm beides zuzutrauen.
Kaum war der Ältere im Badezimmer verschwunden und hatte die Türe hinter sich zugezogen, wandte sich Mario Elsa zu.

“Du hast mit ihm geschlafen? Ausgerechnet mit Viktor?”
“Ich weiß es nicht”, erklärte Elsa, ließ ihre Hände sinken und trat von ihrem Ex-Freund weg.
“Wie, was soll das heißen, du weißt es nicht?” Mario wirkte wütend und verwirrt zur gleichen Zeit, ebenso verletzt, denn dass seine große Liebe mit einem anderen Mann geschlafen hatte, traf ihn stark.
“Ich weiß es eben nicht! Ich habe gestern ziemlich viel bei Gregors Geburtstagsfeier getrunken um …” Sie stockte und biss sich auf die Unterlippe. Nein, das würde sie ihm gegenüber nicht zugeben, nicht dass sie sich die Kante gegeben hatte, um mit seiner Anwesenheit klarzukommen. “Ich bin vorher aufgewacht und da lag er neben mir im Bett, wir waren beide nackt und er … er hat so Andeutungen gemacht. Gerade ja auch wieder.” Ihre Augen waren zur Seite gerichtet, sie konnte Mario jetzt nicht ansehen. Irgendwie hatte sie ein schlechtes Gewissen, was überhaupt keinen Sinn ergab. Mario und sie waren kein Paar gewesen, als sie, ziemlich wahrscheinlich, mit Viktor geschlafen hatte.
“Du hast in unserem Bett mit ihm geschlafen?” Marios Augen wirkten sehr dunkel.
Elsa blinzelte, ehe sie sich aufrichtete und ihren Kopf gleich darauf entschieden schüttelte.
“Nein, Mario, habe ich nicht! Das da”, sie deutete auf die Schlafzimmertüre, “das ist mein Bett, hörst du? Mein Bett! Du hast dich von mir getrennt und bist ausgezogen! Du hast mit mir Schluss gemacht, aus irgendwelchen blöden Gründen! Also geht es dich so gesehen gar nichts an, ob und mit wem ich vielleicht geschlafen habe!”
Auf diese Aussage sah er erneut verletzt auf.
“Ich liebe dich, Elsa”, brachte er betroffen hervor.
“Und ich dich, habe ich die ganze Zeit über, die kompletten letzten Wochen, in denen du mich eben nicht mehr geliebt hast. Und weißt du wie weh es getan hat? Wie schlecht es mir ging, deinetwegen? Und nur deinetwegen habe ich gestern was getrunken, ich musste es hinbekommen, mit dem Mann in einem Zimmer zu sein, der mir das Herz gebrochen hat, nach neun Jahren! Und dann war da Viktor, der nett zu mir war, mir Komplimente gemacht hat und mir das Gefühl gegeben hat, dass ich eine begehrenswerte Frau bin. Ich hatte nicht vorgehabt, mit ihm oder irgendeinem anderen Kerl zu schlafen, aber es ist passiert und es geht dich nichts an!”

Nun standen Marios Augen weit und ungläubig offen. Heute geschahen viele Dinge, mit denen er nicht gerechnet hätte, niemals. Zum einen, dass ein anderer Kerl aus seinem ehemaligen, nein, dem Schlafzimmer der Frau kam, die er liebte und zum anderen, dass sie, anstatt ihm in die Arme zu sinken und ihn küssen würde, er sie endlich wieder bei sich haben durfte, ihn wütend anschnauzte.
“Das habe ich wohl verdient, dass du so wütend bist, meine ich.” Mario schob eine Hand in die Haare an seinem Hinterkopf.
“Zumindest fühlt es sich besser an, als weinen zu müssen und vor lauter Trauer nicht wissen, wohin mit sich.” Elsa verschränkte ihre Arme vor ihrem Oberkörper.
“Es tut mir wirklich leid, Elsa.”
“Davon kann ich mir nichts kaufen, Mario. Du hast mir das Herz gebrochen, egal, ob du jetzt kommst und mir sagst”, sie stockte einen kurzen Augenblick und versuchte sich wieder zu sammeln, “dass du mich immer noch oder wieder, was weiß ich, liebst.”
“Elsa.”
“Es ist schön, dass du meinen Namen noch kennst, Mario, aber das was du erhoffst, das bekommst du heute nicht, nicht von mir. Ich werde dir nicht in den Arm sinken und dir meine unendliche Liebe gestehen, dir alles verzeihen und vergeben, denn so viele Tage voller Tränen lassen sich nicht so schnell vergessen.”
“Ich wünschte, ich hätte es dir erspart.”
“Das wünschte ich mir auch.” Elsa seufzte und strich sich über ihr Gesicht. “Wenn du es ernst damit meinst, dass du mich immer noch liebst und es nicht nur irgendeine Laune für dich ist, weil mich gestern ein anderer Kerl geküsst hat, dann lass mir bitte die Zeit, die ich brauche.”
“Ich gebe dir alle Zeit, die du brauchst, Elsa.”
“Zeit? Für was?”
Beide zuckten zusammen, sie hatten nicht bemerkt, dass Viktor wieder ins Zimmer gekommen war.
“Viktor”, Elsa trat zu diesem und ignorierte seine Frage, piekste ihn stattdessen in die Brust, “du machst es jetzt, wie sich ein richtiger One Night Stand verhält - du verschwindest. Ich gestehe, ich erinnere mich nicht daran, mit dir geschlafen zu haben, aber das macht mir nichts aus.”
“Was?” Mit großen Augen sah er ihn an und legte eine Hand an sein Herz. “Das verletzt mich zutiefst Elsa. Wie kannst du diese unglaubliche Nacht vergessen haben?”
“Dann war sie wohl nicht so gut, wie du es dir einbildest”, knurrte Mario leise und war sich sofort den Blicken des Älteren sicher.

“Mario, lass das gefälligst!”, mischte Elsa sich sofort ein, ehe sie sich erneut Viktor zuwandte. “Viktor, ich bin gerne mit dir befreundet, was auch immer angeblich diese Nacht passiert ist, ändert nichts daran, aber ich will dass wir nie wieder darüber reden und miteinander umgehen wie bisher auch! Und wie gesagt, jetzt packe deine Sachen und geh endlich.”
“Schade, aber okay, mach ich. Dann sehen wir uns nachher zu Gregors Geburtstagsessen mit der Familie.”
Oh Gott, das hatte sie ganz vergessen. Konnte sie ihm noch normal unter die Augen treten? Obwohl, sie erinnerte sich ja nicht wirklich daran und sie wusste ja, dass es wenn dann sowieso nur ein One Night Stand gewesen war, das sollte an all dem ja jetzt nichts ändern, immerhin bedeutete es ihr nichts.
“Ja, bis nachher. Und nun zu dir”, Elsa sah ihren Ex-Freund an, der ihr gerade das Liebesgeständnis gemacht hatte, “du gehst jetzt auch.”
“Elsa …”
“Ich habe es dir gerade eben gesagt, ich brauche Zeit. Wir können uns gerne nächste Woche auf einen Kaffee irgendwo treffen und reden, aber jetzt will ich, dass du, ebenso wie Viktor, meine Wohnung verlässt.”
Mario öffnete seinen Mund, sah so aus, als wollte er etwas sagen, doch dann schloss er diesen einfach nur. “Okay”, murmelte er niedergeschlagen.
“Gut, dann sehen wir uns, meine Nummer hat sich nicht geändert.”

Gleich darauf schloss Elsa die Wohnungstüre hinter den beiden Männern, drehte sich herum und lehnte sich dagegen. Sie schloss ihre Augen und holte tief Luft, ehe sie zu lachen begann, ein wenig aus Verzweiflung, ein wenig, weil die Situation so unwirklich schien und daher etwas von einer Komödie hatte. Ernsthaft? Sie hatte einen One Night Stand, ausgerechnet sie? Dazu mit einem Kumpel und dem zukünftigen Schwager ihres Bruders, dem Bruder ihrer Freundin. Nicht zu vergessen, dass dann auch noch der Mann auftauchte, der sich erst vor kurzem von ihr getrennt hatte, um eben wegen besagtem One Night Stand festzustellen, dass er sie immer noch liebte, weil sie einen anderen Mann geküsst hatte - mit dem sie eben diesen One Night Stand gehabt hatte. Aber wer weiß, vielleicht hatte dieser ja doch etwas Gutes, doch das würde sie mit keinem der beiden Männer besprechen, niemals!

~~~Ende~~~
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