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Where we belong

von Kubinashi
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Action / P18 / Het
Eustass 'Captain" Kid Heat Killer OC (Own Character) Trafalgar Law Wire
08.05.2022
03.06.2022
5
12.296
11
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08.05.2022 2.910
 
Es klopfte morgens an ihrer Tür. Grummelig, die Augen nur halb offen maulte sie:
"Ja?!"
Ihre Mutter steckte den Kopf ins Zimmer.
"Guten Morgen, Liebes. Kannst du für mich zum Markt gehen?"
Chain stöhnte genervt auf und rollte sich herum, zog ihr Kopfkissen über den Kopf und grollte dumpf darunter hervor:
"Muss iiich? Es ist Wochenende, Mom!"
Claire schüttelte schmunzelnd den Kopf und legte ihn dann schief. Die schwarzen, vom Schlaf verwuschelten Haare ihrer Tochter lugten in wilden Strähnen unter der weißen Bettwäsche vor, ein Fuß ragte am Fußende hervor. Sie trat an ihr Bett und griff den Fuß am Knöchel, Chain quiekte erschrocken auf und zuckte zusammen.
"Natürlich musst du nicht, aber dann werde ich diesen süßen kleinen Fuß hier kitzeln."
Chain riss den Kopf hoch, des Kissen flog zur Seite, sie funkelte ihre Mutter aus roten Augen warnend an.
"Mom..."
Claire lächelte sie abwartend an, ihre Finger schwebten drohend in der Nähe ihrer Fußsohle. Chain wusste, wann sie geschlagen war und fiel seufzend in ihre Matratze zurück.
"Na gut!"

Eine halbe Stunde später war sie unten in der Küche angekommen. Am Himmel ging gerade die Sonne auf, wie Chain missmutig bemerkte.
"Wenn diese feinen Pinkel am Wochenende Torte essen wollen müssen sie zukünftig drauflegen", meinte sie und setzte sich an den Tisch. Claire lachte leise und stellte ihr eine Schale Pilzsuppe vor die Nase, dazu einige Scheiben selbstgebackenes, frisches Käsebrot. Ihre Mutter war Bäckerin - eine, deren Talent sogar von den Adligen anerkannt wurde. Sie war eine der wenigen, die von sich behaupten konnten, Handel mit der Oberstadt treiben zu können. Deswegen hatten sie das Glück, finanziell stabil dazustehen, ganz im Gegensatz zu den meisten anderen in der Unterstadt.
"Was brauchst du denn vom Markt?", wollte Chain zwischen zwei Bissen von ihrem Brot wissen und löffelte danach die Suppe in sich hinein.
Claire legte einen Zettel auf den Tisch, Chain warf einen Blick darauf. Überwiegend Zeug zum Kochen und Backen, ein paar Haushaltsartikel und ein paar neuer Rührlöffel. Dafür würde ihr großer Rucksack ausreichen. Zufrieden, dass sie wenigstens nicht mit dem Wagen loszuckeln musste, lehnte sie sich vor und verschlang den Rest ihres Frühstucks.
Sie half ihrer Mutter danach noch in der Backstube aus und machte sich am frühen Nachmittag auf den Weg zum Markt. Dass sie dort eine schicksalshafte Begegnung haben würde, hätte ja keiner ahnen können. Sonst wäre sie vielleicht lieber einer Kitzelattacke ihrer Mutter erlegen. Also machte sie sich auf den Weg durch die Ringe runter zum Markt. Man konnte sich Zindoha vorstellen wie einen Suppenteller. Am Boden des Tellers war eine Vertiefung, dort war der Markt. Von dort aus erhoben sich die Ringe stufenartig am Rand, bis zum fünften Ring. Danach kam der Tellerrand, die Oberstadt. Abgeschottet von riesigen Toren und Mauern von der Armut und dem Dreck der Unterschicht lebten dort Adel, Reiche und Schöne.
Wohlstand und Etiquette bestimmten dort den Alltag. Chain hatte einmal gesehen, wie sich die kleineren Tore geöffnet hatten und die Stadt dahinter gesehen. Blendende weiße Fassaden, goldene Ornamente und Menschen in Kleidung die weder bequem noch praktisch sein konnte. Chain sprangt eine Treppe in drei Sätzen hinter und fiel dabei fast hin.
Hopsend rang sie um ihr Gleichgewicht und fand es nach einigem Gewackel wieder. Sie blieb kurz stehen um ihr vor Schreck rasendes Herz zu beruhigen.

Das war knapp gewesen. Sie brachte den Rest des Weges etwas weniger leichtsinnig hinter sich und erledigte ihre Einkäufe mit von Eile getriebener Effizienz. Sie wollte früh genug zurück sein, um noch auf den Rasenstück hinter dem Haus weiter an ihrem Baumhaus arbeiten zu können. Sie versenkte gerade die Kochlöffel in ihrem Rucksack, was der letzte Punkt auf ihrer Einkaufsliste gewesen war, und drehte sich um, um nach Hause zu eilen.
Da bemerkte sie die Menge, die sich am Rande des Marktes, dort wo es zu den Docks ging, versammelt hatte. Von ihrer verdammten Neugier getrieben kam sie näher, schlängelte sich durch die Menge, bis sie nur noch zwei Menschenreihen von dem Geschehen entfernt war.
Sie sah ihn über einem Jungen stehen, der weinend im Staub auf der Straße lag. Sein Körper war überall von Schrammen, Kratzern und blauen Flecken bedeckt, seine Kleidung zerrissen und ausgebeult. In seinem Gesicht vermischten sich Tränen mit Blut und Rotze. Eine Wunde an seinem Kopf blutete heftig und sein Handgelenk sah so aus als hätte er es sich gestaucht. Wieder trat der Rothaarige über ihm zu, wieder versenkte sich sein Fuß in der Magengrube seines Opfers. Der Junge warf gepeinigt den Kopf herum und jetzt konnte sie ihn auch erkennen.
Es war Cliff, ein netter Kerl aus problematischen Verhältnissen, der für seine dreizehn Jahre schon ziemlich groß war. Leider war er nur ein Strich in der Landschaft und hatte mehr Ähnlichkeit mit einer Bohnenstange als mit dem harten Kerl, den er gerne markierte. Sie hätte nur zu gern eingegriffen, aber was konnte sie schon ausrichten? Eustass Kid war dreißig Zentimeter größer, zwei Jahre älter und wog doppelt so viel wie sie. Außerdem arbeitete er an den Docks, schwere körperliche Arbeit und ein tougher Zeitplan drillte die Arbeiter dort. Seine Muskeln, die für einen Sechzehnjährigen fast schon übertrieben wirkten, zeichneten sich deutlich unter seinem dünnen Pullover ab.
Er würde sie zerquetschen, ohne sie auch nur zu bemerken. Sie zuckte zusammen, als sie die Rippen des Jungen brechen hörte. Die Menge jubelte. Es war nicht so, als wäre Cliff unbeliebt oder geächtet, aber wenn es zu Hause wieder sehr schlecht lief, machte er ab und an lange Finger und das kam nicht so gut an. Niemand fummelte an den Vorräten anderer herum. In der Unterstadt, in welcher die Armen, Gesetzlosen und Verstoßenen lebten, gab es keine Gesetze, keine Erhaltung der Menschenrechte. Hier ging es für jeden ums Überleben.

Solche Schauspiele wie diese wurden nur bestraft wenn jemand zu Tode kam, ansonsten war es völlig legal jemanden auf eigene Faust zu bestrafen, wenn derjenige sich an fremden Eigentümern zu schaffen gemacht hatte.
Endlich trat Kid einen Schritt zurück und ließ sich mit einem kleinen, grausamen Grinsen von seinen Kumpanen auf die Schultern klopfen. Die Meute grölte und lachte.
"Nochmal zum Mitschreiben. Ich mag es nicht wenn mir jemand versucht etwas zu stehlen und wenn ich dich nochmal erwische, Würmchen, dann wars das für dich. Dann mach ich dich kalt, klar soweit?"
Kid schien das Wimmern das schwach aus Cliffs Mund kam, als Ja zu deuten und wandte sich ab. Mit einem letzten Blick über die Schulter stapfte er gemütlich davon, als könnte ihn kein Wässerchen trüben. Die ersten Schaulustigen wandten sich bereits ab um wieder ihrer Arbeit nachzugehen, den Jungen ließen sie unbeachtet liegen. Chain kämpfte sich aus der Menge heraus und lief zu Cliff rüber. Sie ließ ihren Rucksack neben ihm auf den Boden sinken und sich gleich daneben.
Er sah furchtbar aus. Sie zog aus der Seitentasche ihren Rucksacks ein kleines Döschen heraus, schraubte es auf und verteilte die grüne Paste sanft auf den Schrammen und Kratzern. Cliff schien der Ohnmacht nahe zu sein, denn er rührte sich kaum noch und sein Atem ging flach. Aber wenigstens atmete er überhaupt noch.  
"Ach Cliff, was bist du auch für ein Dummkopf. Hat deine Mutter dir denn nicht beigebracht, dass man nicht mehr essen soll, als man vertragen kann? Es kann einem niemals so schlecht gehen, sich ausgerechnet an Kids Sachen zu vergreifen."
Sicherlich war ihre freundliche Standpauke nicht hilfreich, aber sie musste es loswerden. Als sie das Gröbste erwischt hatte verband sie noch sein Handgelenk und sah ihn dann sorgenvoll an.
Er musste zu einem richtigen Arzt, aber wie zur Hölle sollte sie ihn da hinschaffen? Cliff hier allein liegenzulassen kam nicht in Frage, sie wagte es nicht bei den Leuten die hier so herumliefen. Und im nächsten Moment zeigte sich auch, dass ihr Misstrauen gerechtfertigt war.

Ein Schatten fiel über sie und als sie sich umdrehte, stand ein fetter, riesiger Kerl hinter ihr, mit ekligen grünen Haaren und kleinen Augen. Sie stand auf. So zwischen diesem Schwein und Cliff eingepfercht fühlte sie sich nicht sonderlich wohl, aber es half ja alles nichts.
"Kennst du den Kerl, Kleine?" Seine Stimme klang gepresst, als würde sein enormes Gewicht ihm die Stimme abschnüren. Ihr wurde von diesem Knoblauchatem fast schlecht. Ging der Typ denn noch klischeehafter?
"Er wohnt in der Nachbarschaft", gab sie atemlos zurück, was der Fette wohl als Angst interpretierte, er grinste überheblich. Doch bevor er auf dumme Ideen kam, fragte sie rasch:
"Was willst du von ihm? Dein Boss hat ihm schon eine Abreibung verpasst wie du sehen kannst."
Der Grünhaarige rieb sich das Kinn.  
"Ja, aber ich glaube, dass er noch ein bisschen zu nett war. Ich bin hier um das nachzuholen, was er vergessen hat."
Zorn stieg ihr auf. Der konnte kaum die Straße langlaufen ohne außer Atem zu geraten und wollte sich dann an Schwachen vergreifen, weil alles andere zu schnell für ihn war? Abartig.
"Das wirst du nicht, verpiss dich."
Die Worte entschlüpften ihr, ehe sie darüber nachdenken konnte. Innerlich wollte sie sich ohrfeigen, doch im Grunde wusste sie, dass sie es immer wieder tun würde. Sie war nicht gerade eine Verfechterin des Rechts, doch Cliff war ihr Nachbar und was der Typ vorhatte ihm anzutun war inakzeptabel.
"Hä?!", brüllte der Fette und versprühte dabei Spucke, um seinem Klischee noch gerechter zu werden. Sie beugte sich zur Seite und somit ging der Spuckeregen leider auf Cliff nieder, doch der war eh längst weggetreten. Sie betrachtete das einfach mal als Einsatz seiner Ritterlichkeit.
"Nicht nur hässlich, sondern auch noch dumm. Aber Leute wie du, die sich eh immer nur an die hängen, die noch ein bisschen fieser und brutaler sind als ihr, sind ja bekanntlich eh nicht die hellsten Lichter im Leuchter."
Seine speckigen Züge verzogen sich vor Wut und er ballte die Fäuste. Würde er ihr mit diesen Mini-Abrissbirnen eine verpassen wäre sie weg vom Fenster.
"Ich mach dich alle!"
Er holte aus, doch sie war kleiner und flinker als er. Sie duckte sich unter seinem Haken weg, er stolperte über Cliff, stürzte und knallte gegen die Mauer hinter ihm. Sie ließ ihn nicht aus den Augen und ging einige Schritte rückwärts.
"Achje, sollte das ein Angriff sein? Das hätte mein blinder, hundertjähriger Großvater besser hinbekommen. Besoffen. Im Morgenmantel", höhnte sie.

Je wütender er auf sie wurde, desto mehr würde er Cliff vergessen. Sie sie machte noch einen Schritt, als der Fette sich wieder aufrappelte, da prallte sie rücklings gegen jemanden.
"Ziemlich mutig für einen abgebrochen Gartenzwerg", erklang da die grollende Stimme Eustass Kid's hinter ihr, sie spürte seinen Brustkorb beim Sprechen vibrieren.  
"Vielleicht will ich ja was kompensieren?", schoss sie zurück und wollte sich hastig von ihm entfernen, doch Kid packte ihre Schulter und hielt sie fest.
"Nicht so eilig", meinte er und sah dann zu dem Fetten, der ihn etwas beunruhigt anstarrte.
"Boss, ich wollte mich nur-"
"Dem Befehl wiedersetzen, den ich dir gegeben habe? Das sehe ich. Dich von einem Mädel provozieren lassen, das dir kaum bis zur Brust reicht? Ist dir gelungen. Zieh ab Nat, ich kümmere mich darum." Eilends machte sich Nat davon, Panik stand in seinen Augen. Sie hätte ja nicht erwartet dass er so ein Tempo vorlegen konnte.
Kids Schraubstockgriff um ihre Schulter löste sich etwas und ebenso eilfertig wie Nat zuvor flutschte sie ihm aus der Hand und brachte etwas Abstand zwischen sich. Ihre Schulter schmerzte von seinem Griff.
Sie wagte es nicht, noch einen giftigen Spruch abzulassen ehe sie nicht wusste, was er vorhatte. Und Fragen kostete bekanntlich ja nichts.
Nur ab und zu mal jemanden das Leben.
"Was willst du?", fragte sie und bemühte sich um einen unfreundlichen, aber nicht allzu aggressiven Tonfall.
Kid wandte sich ab, hielt bei ihrer Frage aber inne.
"Von dir?", Kid besah sie über die Schulter von oben bis unten, seine Mundwinkel hoben sich zu einem verächtlichen Grinsen, "Gar nichts. Aber ich kenne jetzt dein Gesicht, Zwerg, also solltest du dich vorsehen."
Mit diesen Worten verschwand er wieder, woher er gekommen war. Wahrscheinlich würde es Nat jetzt schlecht ergehen, aber das kümmerte sie nicht sonderlich. Sie lief zu Cliff und wischte sein Gesicht mit einem Tuch ab. Dann sah sie sich zweifelnd um. Niemand beachtete sie und den verletzten Jungen neben sich.
Hier unten war sich jeder selbst der Nächste, auf unverhoffte Hilfe konnte sie nicht zählen. Also sprang sie wieder auf und hielt einem Mann an, der ihr kräftig genug erschien.
"Entschuldigung, der Junge da drüben muss dringend zu einem Arzt, aber ich schaffe es nicht allein, ihn dahin zu bringen. Könnten Sie mir helfen?" Der Mann zog seinen Arm unter ihrer Berührung weg, warf einen ungerührten Blick auf Cliff und zuckte die Schultern.  

"Was kümmert mich schon fremdes Elend?", murrte er und lief weiter.
Sie raufte sich die Haare, schwarze Strähnen fielen ihr in die Augen. Ähnlich wie bei dem Mann erging es ihr auch bei drei weiteren, bis sie es aufgab und zu Cliff zurückkehrte.
Wenn ihr keiner helfen wollte, musste sie sich - und Cliff – eben selbst helfen. Kurz entschlossen setzte sie ihren Rucksack auf und mit einer leisen Entschuldigung hängte sie sich Cliffs Arm um den Hals, um den Jungen allein zum Arzt zu bringen. Sie hievte ihn die Stufen in den ersten Ring hoch und schleifte ihn mehr durch die Straßen als dass sie ihn stützte.
Die unebenen Wege machten es ihr nicht gerade leicht, das Kopfsteinpflaster war vom Alter und Wetter geprägt, nicht wenige Steine wackelten oder waren lose. Nicht selten stolperte sie und fiel beinahe auf die Nase. Sie kam nur sehr langsam voran, der Schweiß kam ihr aus allen Poren und ihr Herzschlag trommelte in ihren Ohren. Plötzlich hörte sie über sich ihren Namen.
"Ja sag mal Chain, was machst du denn da?"
Sie blieb schweißgebadet und erschöpft stehen und blickte gegen die Sonne blinzelnd nach oben. Oris Gildeforth, Großschmied des Southblue und ein guter Freund ihr Mutter, schaute sie vom Fenster seiner Wohnung aus skeptisch an.
"Ähm...ich schleppe einen verletzten Jungen durch die Stadt? Mache ich doch jeden Tag, hast du das etwa vergessen?", versuchte sie sich locker zu geben. Aber tatsächlich hatte sie vom Marktplatz, welcher in einer kleinen Senke lag, bis hierher, den äußersten Rand des ersten Rings, fast eine Stunde gebraucht. Sie war mit den Nerven am Ende, sie machte sich Sorgen um Cliff und die Begegnung mit dem berüchtigten Eustass Kid hatte sie erschüttert.
Außerdem war das normalerweise ein Weg von zwanzig Minuten. Schon allein die Senke hoch hatte sie ewig gebraucht. Sich, Cliff und den Rucksack die Anhöhe raufschleppen war zudem noch unglaublich anstrengend gewesen, dann war sie auf einer Stufe auch noch umgeknickt und hatte sich das Knie aufgerissen.
Chain hatte das Gefühl, es heute nicht mehr bis zum Arzt zu schaffen. Der wohnte nämlich im dritten Ring. Und Cliff musste dringend zu einem Arzt.

"Das sieht nicht sonderlich gesund aus, was du da treibst. Ist das Cliff?", fügte er dann erstaunt hinzu, als Chain erschöpft den Jungen zu Boden sinken ließ.
Dieser war zwischendurch immer mal wieder kurz aufgewacht, aber inzwischen lag ein dünner Schweißfilm auf seiner Stirn und er hatte nicht wenig Ähnlichkeit mit einem Hochofen. Die wenig gesunde oder komfortable Reise hatten seinen Verletzungen nicht besonders gut getan.
"Ja, das ist Cliff, für so eine Hungerharke ist er echt schwer, er ist ernsthaft verletzt, hat Fieber und ich komme einfach nicht vorwärts!"
Die letzten Worte presste sie mit zunehmender Verzweiflung hervor. "Also wie wäre es, wenn du aufhörst mich anzustarren wie 'ne Kuh wenn es donnert und mir mal hilfst?" Oris lächelte nachsichtig und hob beruhigend eine Hand.
"Friss mich nicht gleich, ich bin schon auf dem Weg. Claire würde mich töten, würde ich dich den Kleinen allein durch die Gegend schleppen lassen."
Klein?
Chain warf Cliff einen schiefen Blick zu. Gut, Oris maß fast drei Meter und war auch fast genauso breit, wohingegen Cliff erst recht dürr wirkte, aber klein würde sie ihn dennoch nicht nennen. Er war ein Jahr jünger als sie und trotzdem vierzig Zentimeter größer. Und sie lag mit ihren 150 Zentimetern sauber im Durchschnitt ihrer Altersklasse.
Oris trat auf die Straße und warf sich seinen Mantel über, ehe er Cliff nahm und ihn hochhob wie eine Stoffpuppe. Chain stand auf und folgte Oris, welcher vorausging und dabei ein beachtliches Tempo vorlegte. Bald sah Chain sich gezwungen, hinter ihm herzurennen, da sie sonst nicht hätte Schritt halten können.
Sie sprachen die ganze Zeit über kein Wort, bis sie das Haus des Arztes erreicht hatten. Dieser war weder besonders erfreut über einen derartig zugerichteten Patienten, noch davon zu welcher Uhrzeit sie ihn angeschleppt hatten. Seine Praxis hatte nämlich eigentlich schon zu.
Er schlug ihnen die Tür vor der Nase zu, kaum dass sie Cliff auf ein Bett abgelegt hatten und vom Arzt wieder zur Tür geschubst wurden. Chain wandte sich Oris zu.
"Also! Vielen Dank für deine Hilfe, du hast Cliff sehr wahrscheinlich das Leben gerettet. Man sieht sich. Bye!"
Eilends drehte sie sich um und war in einer schmalen Gasse verschwunden, ehe Oris sie aufhalten konnte. Sie hatte sowieso schon zu viel Zeit verschwendet.
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