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Ein Herz aus Tinte

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Het
05.05.2022
29.06.2022
17
20.171
4
Alle Kapitel
30 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
23.06.2022 1.847
 
Für Svea. Danke, für die schönen Momente mit dir, dass du mit mir das gleiche Schicksal teilst und Danke, dass man mit dir einfach Spaß haben muss. <3
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„Schlecht geträumt?”, fragte Matt sie, als beide den Bus verlassen hatten. Die anderen waren viel zu aufgeregt, sodass sich kleine Grüppchen gebildet hatten, die miteinander redeten. Liv schüttelte noch immer verwirrt den Kopf. „Es war nur ein bisschen merkwürdig”, antwortete sie und blinzelte noch etwas verschlafen in das helle Licht. Matt klatschte in die Hände, wie Liz es manchmal tat. „Erzähl! Ich liebe merkwürdige Träume!”, meinte er grinsend und sah Liv neugierig an. „Da war so ein Wald und ich war Waschbärenjägerin. Als ich grade auf einen Waschbären schießen wollte, ist ein Mädchen vor sie gesprungen und meinte, dass ich das nicht machen muss. Dann ist sie aber irgendwie weggelaufen. Ich wollte ihr noch nachlaufen, aber bin dann über eine Wurzel gestolpert”, versuchte sie ihren Traum so gut es ging zusammenzufassen. „Ein ganz schön kurzer Traum, dafür, dass du bestimmt einige Stunden geschlafen hast”, meinte Matt lachend. Liv war sich nicht sicher, ob er über ihren Traum oder über die Tatsache, dass sie so einen kurzen Traum hatte, lachte. Sie zuckte mit den Schultern und gähnte. „Kann auch sein, dass ich den Teil davor vergessen hab. Ist vielleicht auch besser so. Das hätte mich wahrscheinlich noch mehr verwirrt”, antwortete Liv und zuckte die Schultern. Sie hatte schon seitdem sie aufgewacht war das Gefühl, dass dieser Traum noch etwas zu bedeuten hatte. „So schlimm?”, fragte Matt und sah Liv mitfühlend an. Diese seufzte. „Es ist im Moment alles so kompliziert. Ich weiß gar nicht, was ich denken soll. So viel auf einmal”, meinte sie ehrlich und griff sich an den Kopf. Ihr war plötzlich schwindelig geworden. „Liv? Liv!”, hörte sie Matt’s Stimme wieder von weit weg. Sie spürte nicht, wie er nach ihrem Arm griff und sie auffing. Sie hörte nur noch ihr Herz und sah nur noch die Dunkelheit.

****

Liv’s Kopf wummerte als sie die Augen aufschlug. Sie befand sich in einem Krankenbett und hatte einen Verband um ihren Kopf - das spürte sie. Neben dem Bett befand sich ein kleines Tischchen, auf dem eine Genesungskarte und ein Blumenstrauß in einer Vase standen. Langsam streckte Liv ihre Hand nach der Karte aus. Sie war aus dunkelgrüner Pappe und kleine Sticker zierten die Vorderseite. Als Liv die Karte aufschlug, sprang ihr ein löchriger Text entgegen. Der Text war mit Tinte geschrieben und offenbar waren einige Buchstaben mit einem Tintenkiller entfernt worden. Warum nur? Liv versuchte, den Text trotzdem zu entziffern.

Nicht            schei     sin   im   Re      tel. Erk   ren  do    all

Vielleicht ‘Nicht scheitern, Unsinn im Reich Viertel. Erkenne ihren dornigen Ball’? Oder ‘Nicht scheiden, Hasin im Regenmantel. Erkerfenster wärend donnerstags Fall’? Aber so wirklich machten ihre Sätze keinen Sinn. Liv seufzte und legte die Karte weg. Es machte sowieso keinen Sinn. Als sie ein Geräusch neben sich hörte, drehte sie sich ruckartig um. Allerdings stand dort niemand. Sie hatte das ungute Gefühl, dass sie in Gefahr schwebte. Doch dann verschwamm schon alles um sie herum.  ‘Das war alles nur ein Traum’, dachte Liv noch, dann wurde sie unsanft in die Wirklichkeit katapultiert. Die Wirklichkeit war nicht so still, wie der Traum von Liv, welcher eine seltsame Atmosphäre hatte. Als sie die Augen öffnete, pochte ihr Kopf nicht mehr so. Liv hatte nur das Gefühl, drei Tage lang geschlafen zu haben. Liv rappelte sich auf, um sich umzusehen, doch da war schon Matt bei ihr und drückte sie sanft, aber bestimmt nach unten. „Pssst, ist schon gut. Du solltest noch ein wenig liegen”, sagte er und lächelte sie an. Liv griff sich an den Kopf. Sie hatte das Gefühl, dass sie viel zu lange bewusstlos war und ihr Gedächtnis einige Lücken hatte. „Wo…bin ich?”, fragte sie mit schwacher Stimme. „Wir sind in Claire’s Geschichte. Zum Glück gibt es in der Geschichte ein verlassenes Viertel, in dem kein Mensch vorbei kommt. So hattest du Ruhe”, erklärte Matt und zeigte mit einer Geste um sich herum. Allerdings konnte Liv aus dem Liegen nicht viel erkennen. Offenbar lag sie auf einem großen Fell - hoffentlich nur Kunstfell - und war mit einer gestrickten Decke zugedeckt. Ihr Kopf ruhte auf einem flauschigen Kissen. „Was ist passiert?”, war Liv’s nächste Frage und sie versuchte sich fieberhaft daran zu erinnern, wie sie hier hergekommen war. Matt lächelte ein mitleidiges Lächeln. „Du bist plötzlich umgekippt, als wir uns unterhalten haben. Keine Ahnung warum. Wir haben dich dann hier hergebracht, wo du einen halben Tag bewusstlos warst. Die anderen sind gerade einkaufen. Emily war so schlau und hat uns Geld herbeigezaubert.” Matt legte eine Hand auf Liv’s Arm und die andere unter ihren Rücken, sodass sie sich endlich aufrichten konnte. Die Stellen, an denen seine Hände ruhten, kribbelten leicht. Als sie zum Sitzen kam, konnte sie den Park genauer mustern. Er war recht groß, weshalb sie den Ein- und Ausgang des Parks nicht sehen konnte. Liv lag auf einer kleinen Picknickwiese, während Matt neben ihr im feuchten Gras kniete. „Wieso bist du hier geblieben?”, fragte sie nun mit noch ein wenig rauer Stimme. Matt zuckte die Schultern. „Man kann dich hier nicht alleine lassen. Wenn du aufwachen würdest, wärst du ja völlig allein”, meinte er, als wäre es das klarste der Welt. Liv nickte.

****

„Früüüühstüüüück!”, rief Josh gedehnt, als die Truppe in Sicht kam und winkte mit einigen Brötchentüten. Matt grinste und winkte. „Sie ist wach!”, rief er über den ganzen Park, woraufhin die anderen zu rennen anfingen. „Geht’s dir wieder besser?”, fragte Liz, die als erstes bei Matt und Liv ankam. Liv nickte. „Fast wie sonst immer. Ich weiß gar nicht, wie das passieren konnte. Vielleicht hab ich zu wenig getrunken”, erwiderte sie und zuckte die Schultern. Der Grund war ihr nun auch herzlich egal, schließlich konnte es jetzt endlich weitergehen. Sie hatte die Gruppe schon viel zu lange aufgehalten. Claire runzelte besorgt die Stirn. „Vielleicht. Aber das sollten wir nicht auf die leichte Schulter nehmen. Es könnte sein, dass das nochmal passiert”, teilte sie ihre Sorgen mit und musterte Liv von Kopf bis Fuß. Matt nickte. Er fand die plötzliche Ohnmacht ebenfalls nicht normal. „Passiert dir das in der richtigen Welt auch?”, wollte er wissen und man konnte förmlich sehen, wie es in seinem Kopf ratterte. Liv schüttelte allerdings den Kopf. „Das war das erste Mal. Und hoffentlich auch das letzte Mal. Diese Ohnmachtsträume machen mich noch verrückt”, seufzte sie. Die anderen sahen sie fragend an, woraufhin Liv den anderen ihren Traum erklärte. An die Buchstaben konnte sie sich trotz lückenhaften Traum erinnern. Claire runzelte die Stirn. „Was will dir ein Unterbewusstsein denn bitte damit sagen?”, überlegte sie laut. Emily meldete sich schüchtern zu Wort. „Vielleicht war es einfach nur ein komischer Traum”, sagte sie und biss sich nachdenklich auf die Lippe. „Ja, vielleicht”, nickte Liv, doch eigentlich dachte sie genau das Gegenteil.

***


„Ähm, ja, also das ist meine Geschichte”, sagte Claire ein wenig überfordert und zeigte um sich. Liv ging es mittlerweile besser, sodass sie die anderen hatte überreden können, dass sie weitermachten. Sie befanden sich nun auf dem Bürgersteig einer riesigen Kreuzung. Um sie herum waren Menschen damit beschäftigt, zu telefonieren, über die Straße zu gehen oder zu reden. Die Geschichtenschreiber hatten sich in einen Kreis gestellt. Offenbar befanden sie sich in einer kleinen Stadt. Nichts Besonderes. „Vielleicht sollten wir so schnell wie möglich los, um was herauszufinden”, schlug Liz vor, der die Stimmung hier ziemlich unangenehm war. Liv nickte, aber schüttelte danach den Kopf. „Claire, es tut mir leid, aber du müsstest uns ein bisschen von deiner Geschichte erzählen, damit wir wissen, welche ungewöhnlichen Sachen zur Geschichte gehören und welche das Werk der Rebellen sind”, sagte sie und blickte Claire entschuldigend an. Die presste die Lippen aufeinander und nickte. „Also es geht um ein Mädchen, das einen Geist sehen kann. Aber nur bei Nacht”, versuchte sie die Geschichte so grob wie möglich zusammenzufassen, sodass ihre Idee ziemlich kindergartenmäßig klang. Liv nickte. „Das ist doch schonmal was. Lass uns anfangen, die Umgebung anzusehen”, meinte sie mit einem Lächeln und sah in die Runde. Alle waren bereit. Mittlerweile waren sie ein eingespieltes Team. „Treffen hier, wenn die Sonne untergegangen ist”, sagte Liz entschlossen und grinste dann. „Gleiche Teams wie beim letzten Mal! Tschüss ihr alle!” Sie zog ihren ‘Teampartner’ Josh am Arm weg, verschwand mit ihm hinter einer Ecke und ließ vier verdutzte Jugendliche stehen. „Ähm, dann sollten wir uns wohl auch auf dem Weg machen.” Claire räusperte sich und sah dann in Emily’s Richtung. Emily lächelte Liv noch einmal zu, dann folgte sie Claire in Richtung Norden. Matt ließ eine Augenbraue hoch wandern und grinste. „Willst du hier Wurzeln schlagen?”, neckte er sie und lief nach links.

Das ließ sich Liv allerdings nicht bieten. Sie nahm sofort die Verfolgung auf und der Abstand zwischen ihr und Matt wurde immer kleiner. Als der Abstand nur noch einige Meter groß war, blieb Matt plötzlich stehen. „Was zur..”, konnte Liv nur noch hervorbringen; dann rannte sie in seinen Rücken hinein. Der Aufprall ließ beide auf den Boden fallen, sodass Matt auf der Seite lag und Liv halb auf seinem Bauch. Insgesamt sahen sie also aus, wie ein menschliches Kreuz. Liv schnappte nach Luft. „Was ist denn los? Wieso bist du einfach stehengeblieben?”, fragte sie und rappelte sich auf. Matt lächelte schief. „Sorry. Ich hatte nur irgendwie das Gefühl, dass hier irgendwas falsch ist.” Er richtete sich ebenfalls auf und sah Liv besorgt an. „Geht es dir soweit gut?”, fragte er und musterte sie. Liv nickte mit einem Lächeln. „Alles noch dran.” Dann legte sie den Kopf schief. „Was genau ist falsch?” Matt zuckte mit den Schultern und runzelte die Stirn. „Ich weiß es nicht. Es kommt mir nicht vor wie eine normale Stadt. Irgendetwas fehlt”, sagte er nachdenklich und blickte sich um. Liv sah sich ebenfalls um. Sie musterte den Bürgersteig, die Straßen, die Bäume und Autos. An ihnen war nichts anders. Doch der Gesamteindruck stimmte irgendwie nicht, das fiel nun auch ihr auf. Es beunruhigte sie. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken - ein Zeichen, dass gleich etwas ganz und gar nicht Schönes passieren würde. Instinktiv griff sie nach Matt’s Hand und blickte panisch den Boden an. Keine Sekunde zu spät, denn er begann zu vibrieren. Erst nur leicht, doch dann immer lauter. „Was ist das?!”, schrie sie panisch und starrte Matt mit erschrocken geweiteten Augen an. In seinem Gesicht spiegelte sich ebenfalls Panik, als sein Mund die Worte „Das ist ein Erdbeben!” formte.
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Sooo, das war jetzt eine etwas längere Pause. Ich hatte ein paar wundervolle Tage in Berlin und bin dann mit neuer Motivation an dieses Kapitel gegangen. Und dann hatte ich irgendwie Lust auf ein bisschen Drama, wie man vielleicht merken kann. :D
Naja, ich hoffe aber trotzdem, dass euch das Kapitel trotz seeehr viel Drama gefällt. ^^

Lasst gerne ein Review da und ein großes Danke fürs (Weiter-)Lesen <3 - Man liest sich! :)

~ BrookeLynn ~
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