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Das Date

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Freundschaft / P16 / FemSlash
Rebecca Jungblut Sabine Kaiser
04.05.2022
04.05.2022
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3.230
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04.05.2022 3.230
 
Eine kurze Anmerkung bevor ihr startet, zu lesen … diese FF ist mir wieder besonders schwer gefallen – aus folgendem Grund. Ich habe etwa zwei Jahre mit einer Frau zusammengearbeitet, in die ich mich relativ schnell verliebt habe. Sie ist „nur“ acht Jahre älter als ich aber trotzdem fühle ich deshalb Sabines und Rebeccas Dilemma nur zu gut. Und deren Schmerz, da sie seit nunmehr sieben Monaten nicht mehr meine Kollegin ist … Wir schreiben immer noch hin und wieder miteinander und reden auch immer davon, uns zu treffen, doch ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich das überhaupt möchte. Sie ist verheiratet, daher schmerzt allein der Gedanke an sie zu sehr. Und sollte ich sie wieder sehen, werde ich vermutlich wieder so weinen, wie an dem Tag, an dem wir uns voneinander verabschiedet haben.
Und weil einfach die ganze Geschichte so sehr nach Sabecca klingt, fühle ich einfach diese Story zu sehr. Daher fiel und fällt es mir schwer, sie zu schreiben.
Ich hoffe, sie gefällt euch. :)
– Ronja




Es war wie ein Traum.
Sabine hatte die Hoffnung bereits aufgegeben, diese wundervolle Frau jemals wieder zu sehen. Doch da stand sie, in Fleisch und Blut stand sie vor ihr, da, am Bahnhof von Wolfratshausen, und lächelte sie an.
Und Sabine lächelte zurück.
Rebecca Jungblut sah einfach noch genauso aus, wie sie sie in Erinnerung gehabt hatte. Genauso gut. Vielleicht noch besser.
Rebeccas Lächeln war schüchtern, als sie auf die Polizeirätin zu ging und Sabine wusste nur zu gut, wieso.
Fast zwei Jahre hatten sie sich nicht gesehen. Nichts voneinander gehört. Nicht einmal miteinander geschrieben hatten sie. Und das hatte seinen Grund gehabt.
Alles hatte damit begonnen, dass die blonde Polizistin nach Berlin gezogen war, weil sich dort angeblich besser Chancen aufgetan hatten. Sabine hatte das damals schon nicht geglaubt, daher hatte sie Rebecca am Abend vor ihrer Abreise zuhause aufgesucht.
Erst hatte sie am Revier mit ihr reden wollen, doch Rebecca war, nachdem Christina Bayer aufgekreuzt war und Sabine ihr eine Führung geboten hatte, einfach weg gewesen. Natürlich hatten sie sich bereits voneinander verabschiedet, sich sogar umarmt, doch Sabine hatte trotz Allem gehofft, dass sich Rebecca noch alleine von ihr verabschieden würde. Sich eventuell bei ihr bedanken würde, sie noch einmal und länger umarmen würde … immerhin hatten sie viele tolle Jahre hinter sich gehabt. Sie hatte eine intimere Verabschiedung verdient.
Nichts dergleichen war jedoch geschehen und als Sabine Riedl gefragt hatte, wo Rebecca hin sei, hatte der bloß gesagt:
„Wer? Ach, Rebecca. Die ist heim gefahren.“
Sabine war am Abend, nachdem sie sich umgezogen hatte, zu Rebeccas Wohnung gefahren, in der Hoffnung, dass sie noch zugegen war. Sie wollte sie nicht anrufen und fragen, es wäre ihr zu peinlich gewesen, wäre Rebecca nicht mehr dort gewesen. Doch Sabine hatte Glück gehabt, denn es war Rebeccas letzte Nacht in der Wohnung gewesen.
Und Himmel, ihre blauen Augen waren groß geworden, als sie die Tür geöffnet hatte und Sabine in zivil erblickt hatte.



Zwei Jahre zuvor …

„Frau Kaiser! Was machen Sie denn hier?“
„Ach bitte, Rebecca, ich bin nicht mehr deine Vorgesetzte. Du kannst mich ruhig Sabine nennen. Und mich duzen.“
Rebecca sah sie zweifelnd an. „Ich werde mein Bestes geben.“
Sabine lächelte sie an. „Kann ich rein kommen?“
„Ja, aber sicher“, erwiderte Rebecca und trat zur Seite. „Also, was … was machst du hier? Uff, klingt das komisch.“ Sie zog eine Grimasse.
„Ich wollte mich von dir verabschieden“, erklärte Sabine und sah sich in der beinahe komplett leergeräumten Wohnung um.
„Haben wir uns nicht schon verabschiedet?“ fragte Rebecca vorsichtig.
„Nicht richtig“, meinte Sabine und drehte sich zu ihr. „Letzte Nacht hier drin, hm?“
„Ja. Alles andere ist schon in der neuen Wohnung in Berlin. Morgen um neun geht mein Zug.“
„Mh“, machte Sabine und sah zu Boden. „Ich habe es ernst gemeint. Ich werde dich vermissen.“
„Ich dich auch“, flüsterte Rebecca und ließ ihre Schultern hängen.
„Wir hatten schon immer eine schöne Zeit zusammen, hm?“ Sabine lächelte sie vorsichtig an.
„Ja, allerdings“, sagte Rebecca leise und trat von einem Fuß auf den anderen. Dann sah sie sich um. „Ich kann dir leider nichts anbieten. Meine Kaffeemaschine ist schon weg.“
„Ich trinke so spät sowieso keinen Kaffee mehr“, merkte Sabine an und Rebecca lachte leise.
„Weiß ich doch. Du kommst auf vier bis sechs Tassen pro Tag, wobei die Menge sehr von deinem Gemütszustand abhängt.“ Rebecca grinste. „Auf sechs Tassen kommst du, wenn Hubert und Girwidz dich wieder auf die Palme bringen. Dann bekommst du Kopfschmerzen und Koffein hilft dir dagegen. Aber nach vier Uhr trinkst du keinen Kaffee mehr, Kopfschmerzen hin oder her.“
„Alle Achtung, du kennst mich ja zu gut.“ Sabine war beeindruckt. Selbst ihr Ex-Mann hatte sie nie so gut durchschaut wie diese junge Frau es innerhalb ein paar Jahren getan hatte.
„Wir haben fünf Jahre zusammen gearbeitet. Man lernt sich kennen.“
Sabine nickte sanft. „Ja … man lernt sich kennen.“ Sie nahm einen Schritt auf Rebecca zu.
Lange hatte sie überlegt, was zwischen ihnen war. Definitiv waren da mehr als nur kollegiale Gefühle im Spiel. Freundschaft? Vielleicht. Manchmal hatte sie sogar das Gefühl, dass da noch mehr war. Sie tauschten vielsagende Blicke aus, flirteten mal sanft, mal heftig, kauften sich gegenseitig Mittagessen oder Kaffee, machten sich kleine Geschenke, wie eine Tafel Schokolade, sie schrieben immer wieder miteinander …
Als Rebecca sie mit dem Moped vom Whisky-Tasting abgeholt hatte, waren richtig Funken geflogen. Sabine war damals allerdings betrunken und offenbar nicht mehr richtig zurechnungsfähig gewesen.
Trotzdem war sie das Gefühl nie losgeworden, dass die beiden sogar noch mehr waren als nur Freunde. „Was weißt du noch so über mich?“ fragte sie vorsichtig und Rebecca musste lachen.
„Ist das ein Test?“
„Nein. Ich bin nur daran interessiert, was du sonst noch so über mich weißt. Oder über mich denkst. Jetzt kannst du es ja sagen, wo ich nicht mehr deine Chefin bin.“
„Puh.“ Rebecca verschränkte ihre Arme. „Also gut, du magst Sushi, du liebst Musik, du fährst gerne Auto und bist früher auch viel Motorrad gefahren, du magst Katzen und hättest gerne eine gehabt aber dein Ex-Mann war allergisch. Du singst gerne und du spielst Gitarre, du bist sportlich und liebst vor Allem das Wandern …“ Rebecca sah Sabine die ganze Zeit an, während sie sprach. Der Polizeirätin selbst stand der Mund offen. „Außerdem magst du Kinder. Ich war überrascht, als ich das herausgefunden habe, da ich das nicht vermutet habe. Du wirkst nicht wie eine Kinderliebhaberin.“ Sie lächelte ihre ehemalige Vorgesetzte an. Diese starrte die blonde Polizistin noch immer an.
„Du bist süchtig nach Koffein und Schokolade und du versuchst immer wieder irgendwelche Diäten, um abzunehmen. Obwohl du das nicht brauchst …“ Rebecca sah die geschockte Polizeirätin an. „Alles gut? War das mit der Diät zu privat?“
„Nein, nein, ich bin nur gerade etwas sprachlos“, meinte sie endlich. „Also erstens … woher weißt du das alles? Das mit dem Motorrad? Und mit der Gitarre … und mit den Katzen?“
„Du hast alles mal irgendwann erwähnt“, erwiderte Rebecca leise. „Ich habe es mir eben gemerkt.“
„Ja … irgendwann habe ich bestimmt erwähnt, dass ich Gitarre spiele“, sagte Sabine entgeistert. „Vor Jahren und das auch bestimmt nur ein Mal. Wieso merkst du dir Dinge wie diese?“
„Ich weiß es nicht“, sagte Rebecca bloß.
„Und wieso meintest du, ich wirke nicht kinderlieb?“
„Keine Ahnung. Das ist einfach so.“ Rebecca hob die Schultern. „Du wirkst einfach nicht danach, ich kann es nicht erklären. Sorry.“
„Hmm“, machte Sabine und seufzte leise. „Weißt du, ich hätte gerne Kinder gehabt.“
Rebecca nickte knapp. „Aber es hat nicht funktioniert.“
„Woher –?“
„Man hört so Einiges“, sagte Rebecca bloß. „Ich habe mich nie in die Gespräche eingemischt, weil es war ja deine Sache. Aber ich konnte nicht weghören.“
„Allerdings, es war und ist meine Sache.“ sagte Sabine aufbrausend. „Gott, ich hatte diese Tratschtanten in München so satt. Gut, dass ich die los bin.“
„Die Männer in Wolfratshausen sind aber auch nicht besser“, meinte Rebecca und musste über Sabines schockierten Gesichtsausdruck lachen.
„Was haben sie über mich gesagt??“
„Das würde ich lieber für mich behalten. Ich will die Kollegen nicht anschwärzen.“
Sabine stöhnte. „So schlimm?“
„Nein, gar nicht. Bei mir haben sie sich wohl nicht getraut, zu lästern.“
„Na, dann kannst du es mir ja sagen.“ Sabine sah die Blondine an und versuchte dabei sowohl streng als auch flehend auszusehen.
„Okay“, seufzte Rebecca und Sabine wurde wieder bewusst, dass die junge Frau ihr einfach keinen Wunsch abschlagen konnte. „Es ist nichts Schlimmes aber zum Beispiel haben sie gesagt, dass du gerne mal ein Gläschen trinkst, um runter zu kommen.“
„Daran ist doch nichts Verwerfliches.“
„Nein, hab ich ihnen auch gesagt. Ich glaube aber, nach deiner Eskapade bei den Whisky-Freunden haben sie sich wohl gedacht, du machst das öfter.“
Jetzt wurde Sabine einiges klar. „Also glauben die werten Herren, ich sei Alkoholikerin?“
Rebecca schnitt eine Grimasse. „Ja … so in etwa.“
„Verstehe. Aber du denkst das nicht, oder?“
„Ich weiß, dass es nicht so ist. Deine Mutter war Alkoholikerin und du achtest sehr darauf, was und wie viel du konsumierst.“
Kurz fiel Sabine nichts darauf ein. Für eine ganze Weile starrte sie Rebecca nur an. Sie hatte keine Ahnung gehabt, dass Rebecca davon wusste … denn diese Geschichte war sehr privat und traurig. Es hatte lange gedauert, bis Sabine sie jemandem anvertraut hatte.
Sie war zwölf gewesen, als ihr Vater sie, ihre Schwester und ihre Mutter für eine andere Frau verlassen hatte. Sie und ihre jüngere Schwester Simone waren bestens damit klar gekommen und sie mochten auch Regina, die neue Freundin ihres Vaters. Ihre Mutter hatte es jedoch nicht verkraftet und hatte begonnen, zu trinken. Sabine hatte vor jedem verheimlicht, dass ihre Mutter alkoholabhängig war. Doch eines Tages, als sie fünfzehn Jahre alt gewesen war, hatte sie ihre Mutter bewusstlos in der Küche vorgefunden und aus Verzweiflung ihren Vater angerufen. Dieser war gerade nicht in der Stadt gewesen und hatte Sabine genau gesagt, was sie zu tun hatte. Der Rettungswagen, den sie gerufen hatte, hatte ihre Mutter direkt ins Krankenhaus gebracht, welches sie dann wochenlang nicht verlassen durfte. Sabine und Simone waren vorübergehend zu ihrem Vater und seiner Freundin gezogen – hatten sie gedacht. Ihr Vater hatte schlussendlich das Sorgerecht für die beiden bekommen, was ihre Mutter nur noch mehr zerstört hatte. Trotz Entzug hatte sie wieder zu trinken begonnen und war mit knappe fünfzig gestorben – damals war Sabine gerade mit ihrer Ausbildung zur Polizistin fertig gewesen. Sie hatte niemandem erzählt, dass ihre Mutter aufgrund von Alkohol gestorben war. Gut, vielleicht hatte sie einmal erwähnt, dass ihre Mutter alkoholabhängig gewesen war, doch was ihren Tod betraf, so war sie immer an Brustkrebs gestorben. Sie hatte sich immer zu sehr dafür geschämt, dass ihre Mutter sich quasi selbst umgebracht hatte – und das nur, weil sie und Simone nicht mehr bei ihr gewesen waren.
Irgendwie hatte sie sich auch immer selbst die Schuld dafür gegeben. Hätte sie sich damals mehr gewehrt und wäre nicht so freiwillig zu ihrem Vater und Regina gezogen, wäre ihre Mutter nicht rückfällig geworden.
Wusste Rebecca auch davon? Nein, das war unmöglich. Sie hatte es noch nie jemandem erzählt. Nur ihre Familie und ihr Ex-Mann wussten davon. Sie sah die Blondine an, welche sie mit einem beinahe mitleidigen Blick bedachte. Und das wollte Sabine auf keinen Fall – Mitleid.
„Woher … woher weißt du das schon wieder?“ flüsterte sie endlich.
„Die Tratschtanten“, erwiderte Rebecca leise.
„Hätte ich mir denken können. Man muss wirklich damit aufpassen, was man sagt.“
„Falls es dich beruhigt, ich habe nie schlecht über dich gedacht“, sagte Rebecca schnell. „Ich dachte immer, dass du eine sehr turbulente Vergangenheit hast.“
„Die hab ich allerdings“, seufzte Sabine. „Zu turbulent für meinen Geschmack.“
Darauf musste Rebecca lachen. „Dafür hätte mein Leben gerne etwas interessanter sein können.“
„Glaub mir, das kommt noch“, sagte Sabine. „Du bist noch jung.“
„Glaubst du echt, dass es noch interessanter für mich wird? Ich bin irgendwie immer schon so ruhig und brav gewesen, fast schon langweilig.“
„Oh, du bist alles Andere als langweilig“, meinte Sabine bloß und grinste die Jüngere sanft an. „Ich finde dich sehr interessant.“
Die blauen Augen der jungen Frau weiteten sich wieder. „Du findest mich interessant?“
„Allerdings. Du bist lustig und immer fröhlich. Ich habe jemanden wie dich wirklich in meinem Leben gebraucht und bin sehr traurig darüber, dass du gehst.“
Rebeccas Wangen wurden rosa. „Weißt du … ich verdanke alles, was ich bin, nur dir.“
„Wirklich? Alles?“ Wider Willen musste Sabine leicht grinsen. In Rebeccas Fall konnte das nur Gutes heißen, denn sie war ein toller Mensch.
„Ja, wirklich.“ Rebecca lächelte. „Alles.“
Und dann waren beide still.
Es war keine unangenehme Stille, sie war eher vielsagend. Sanft sahen sie sich an.
Und dann tat Sabine das, wonach sie sich schon die ganze Zeit über gesehnt hatte: Sie nahm einen weiteren Schritt auf Rebecca zu und zog sie in eine sanfte Umarmung. Rebecca umarmte sie zurück, erst etwas schüchtern, dann fester.
Diese Umarmung dauerte länger, da sie dabei nicht unterbrochen wurden.
„Wieso bist du einfach gegangen, ohne ein letztes Mal tschüss zu sagen?“ seufzte Sabine und spürte beinahe, wie Rebecca leicht erschauderte.
„Wir haben uns doch schon verabschiedet. Und du warst damit beschäftigt, meine Nachfolgerin herumzuführen.“
„Ich hätte mich gerne noch richtig verabschiedet“, murmelte Sabine. „Darum bin ich jetzt hier. Ich wollte dir unbedingt sagen, wie sehr ich dich vermissen werde.“
„Und ich dich“, flüsterte Rebecca und Sabine zog sie noch näher an sich.
„Wirklich?“
„Du glaubst mir nicht?“
„Naja, immerhin verlässt du mich.“
„Ja“, seufzte Rebecca. „Ich weiß.“
„Bessere Chancen, hm?“
„Ja. Genau.“
Sie standen immer noch in ihrer Umarmung da, während sie sprachen.
„München wäre keine Option gewesen?“ fragte Sabine. Es wäre perfekt gewesen, sie hätte bessere Chancen als in Wolfratshausen gehabt und wäre trotzdem noch sehr nahe bei ihr gewesen. Sie hätten sich noch treffen können. Sabine hätte sie sogar nach der Arbeit besuchen können … Aber wieso dachte sie überhaupt daran? Sie und Rebecca hatten sich ja auch vorher nie privat getroffen. Wieso also jetzt?
„Nein. Sorry.“
„Verstehe ich schon“, log Sabine.
Sie verstand es nicht. Sie hatte gerne in München gelebt und auch gearbeitet. Rebecca hatte es dort auch gefallen … und nun ging sie nach Berlin? Es ergab wenig Sinn. „Bleib in meinem Leben, ja?“, hauchte sie.
„Ja“, flüsterte Rebecca. „Natürlich. Ich möchte das auch.“
Nachdem sie das gesagt hatte, zog Sabine sich langsam aus der Umarmung zurück und sah die junge Polizistin an, die Tränen in den Augen hatte. Sie sah nach unten doch Sabine konnte das Glitzern in ihren Augen sehen. „Oh, Rebecca“, flüsterte sie und legte ihre Hand auf die Wange der Blondine. Diese sah nach oben und Sabine konnte ihr Gesicht in den tränennassen, blauen Augen der Jüngeren sehen. Und als ihr eine einsame Träne entkam, die langsam an ihrer Wange nach unten rann, konnte sich Sabine nicht zurückhalten. Sie zog Rebecca erneut an sich und presste ihre Lippen auf die Schläfe der jungen Frau.
„Weine nicht“, sagte sie sanft. „Ich bin mir sicher, dass wir uns wieder sehen werden.“
„Aber … nicht mehr jeden Tag“, entkam es Rebecca, so leise, dass Sabine sie fast nicht hörte.
Entgeistert starrte sie die junge Frau an. Sie konnte das Gesagte zwar beinahe nicht hören, die Gedanken der Blonden dafür umso lauter. Sie riefen, schrien nach Sabine. Und Sabine wusste genau, was zu tun war.
Ihr entgeistertes Starren wich einem sanften Lächeln und dann beugte sie sich zu Rebecca hinab, langsam, sodass sie zurückweichen konnte, sollte sie nicht das Gleiche wollen, wie Sabine. Doch sie wich nicht zurück und Sabines Lippen trafen auf Rebeccas.
Kurz konnte die Polizeirätin ein erschrockenes Aufatmen seitens Rebecca hören, doch sie schmolz schnell in den Kuss, zu schnell, um Sabine zu suggerieren, dass sie es nicht wollte.
Doch keine der Frauen vertiefte den Kuss weiter. Keine traute sich, keine hielt es für angebracht. Daher zog Sabine sich wieder aus der Umarmung. Ihre Wangen brannten und Rebecca schien es gleich zu gehen. Ihr Gesicht war hochrot angelaufen.
„Entschuldigung“, brachte Sabine heraus und räusperte sich. „Ich … ich muss gehen. Machs gut, ja?“
Rebecca nickte, sagte aber nichts.
Sabine sah sie noch ein paar Sekunden an, doch da Rebecca keinen Ton von sich gab und auch keine Anstalten machte, sie erneut zu küssen, drehte sich Sabine um und verließ fluchtartig die Wohnung.



Heute

Seit diesem Zwischenfall hatten sie nichts mehr voneinander gehört. Nicht einmal zu ihrem Geburtstag hatte Rebecca ihr geschrieben, daher hatte Sabine angenommen, dass sie auch nichts mehr von ihr hören wollte. Doch nach zwei Jahren hatte sich Rebecca dann doch gemeldet. Sie war beruflich nach München geschickt worden, zu einem Seminar, und dieses war am Freitag aus. Ganz überraschend hatte sie Sabine angerufen und sie um ein Treffen gebeten – und hier waren sie nun.
Beide überfordert mit der Situation. Beide etwas unangenehm berührt vom Anblick der Anderen.
Doch dann öffnete Sabine ihre Arme und fand Rebecca nur einen Augenblick später darin wieder.
„Ich hab dich so vermisst“, flüsterte sie und presste ihr Gesicht auf Sabines Brust.
„Ich … dich auch“, murmelte Sabine. Sie war überwältigt.
Doch dann ließ Rebecca sie ganz schnell los. „Wenn uns wer sieht –“, begann sie und drehte sich um. „Aber … wo ist das Revier?“ fragte sie schockiert.
„Tja … weg“, erwiderte Sabine.
„Weg??“ keuchte Rebecca. „Sag bloß … oh Gott. Es ist abgebrannt, nicht?“
„Nein, nein“, lachte Sabine. „Wir sind umgezogen. Das neue Revier ist etwas weiter weg aber dafür größer und gemütlicher.“
„Oh … okay, wow. Was ist sonst noch neu?“ Rebecca sah sie an und musste lächeln. „Deine Haare …“
„Ja?“
„Die sind neu. Kürzer und heller.“
„Das ist dir aufgefallen?“ Sabines Wangen brannten aufs Neue.
„Ja, sofort“, meinte Rebecca sanft. „Und was ist mit deinem Auto?“
„Nichts, was soll mit meinem Auto sein?“
„Du hast mich gefragt, ob ich ein Auto habe. Was ist mit deinem Auto?“
„Komm erst mal mit, ich erkläre dir alles während wir fahren“, sagte Sabine lächelnd.


„Nicht dein Ernst. Du wurdest abgeschleppt?“ Rebecca lachte laut auf.
„Mein Auto, ja“, erwiderte Sabine knapp. „Nicht ich.“
„Schon klar, meinte ich ja. Sonst hätte ich doch das „du“ nicht so betont.“
„Ach, nein?“
„Nein. Sollte ich überrascht sein, wenn du abgeschleppt werden würdest?“
„Gegenfrage, wieso solltest du nicht überrascht sein?“
„Jetzt bin ich verwirrt.“
Sabine lachte leise. „Du wärst nicht überrascht, sollte ich abgeschleppt werden? Ich, nicht mein Auto?“
„Nein, natürlich nicht“, erwiderte Rebecca. „Du bist doch …“ Sie verstummte.
„Ja? Ich bin was?“
„Also … wäre ich ein Mann … ich wäre an dir interessiert“, sagte Rebecca leise.
„Hm“, machte Sabine bloß. Es war zu früh, um darüber zu sprechen. Dieses Gespräch sollte nicht in ihrem Auto stattfinden. „Hast du Wanderschuhe dabei?“ wechselte sie das Thema.
„Wanderschuhe? Was, nein, natürlich nicht!“
„Dachte ich mir. Du kannst dir mein Ersatzpaar ausleihen. Sie sind hinten im Kofferraum.“
„Sabine … du willst mit mir wandern gehen? Echt jetzt?“
„Ja. Du weißt doch, dass ich gerne in die Berge gehe.“
„Ja, du vielleicht. Ich bin nicht so der Fan davon.“
„Ich weiß. Ich musste aber dringend wieder mal weg und ich dachte, es sei nett, mit dir in die Berge zu gehen.“
„Du bist verrückt“, seufzte Rebecca.
„Kann sein, ja“, sagte Sabine. „Wie lange kennst du mich jetzt?“
„Sieben Jahre“, erwiderte Rebecca prompt.
„So ist es. Und was weißt du über mich?“
„Nun ja … alles, oder? Fast alles.“
„Fast alles“, wiederholte Sabine. „Du weißt nicht alles über mich. Ich habe zwei Jahre lang über Vieles nachgedacht, Rebecca, und ich muss dir Einiges sagen.“
„Oh“, machte Rebecca leise. „Zum Beispiel?“
„Alles zu seiner Zeit“, sagte Sabine lächelnd. Sie wusste einfach noch nicht, wo sie beginnen sollte.
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