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Undercover

von Ann98
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Action / P16 / Het
Hailey Upton Jay Halstead
03.05.2022
18.08.2022
37
46.130
2
Alle Kapitel
51 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
06.08.2022 1.302
 
Und es geht weiter
Vielen Dank für das Review.

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Hailey wird wach, als sich die Tür von Jays Zimmer öffnet. Verschlafen rappelt sie sich aus ihrer unbequemen Schlafposition hoch. Scheinbar sind ihr einfach die Augen zugefallen, während sie weiter neben Jays Bett saß. Dieser war irgendwann wieder eingeschlafen, kurz nachdem Lilian entschieden hatte, dass es sich auf Papas Oberkörper sehr bequem schläft. Haileys Schlafposition war bei weitem nicht so bequem, halb auf dem Stuhl sitzend, halb auf der Kante des Bettes liegend. So muss sie sich erst einmal strecken, während sie versucht sich im Raum zu orientieren.
Will steht in der Tür. „Ich wollte eigentlich nur nach meinem Bruder sehen. Es hieß, er sei wach?“ Hailey nickt, „War er auch, aber irgendwie sind wir alle wieder eingeschlafen.“ „War ja auch für euch alle ein ziemlich ereignisreicher Tag. Aber sag mir jetzt nicht, dass du die ganze Zeit hier sitzen geblieben bist.“ Leicht schuldbewusst nickt sie. Sie merkt gerade selber, dass es vielleicht nicht die beste Idee gewesen ist. Sie ist erschöpft, wie schon lange nicht mehr und ihr Rücken tut ziemlich weh. „Ich konnte ihn doch nicht allein lassen. Ich wollte einfach nur, dass wir als Familie Zeit zusammen verbringen können. Jay hat doch schon so viel verpasst.“

Auch wenn es ziemlich unvernünftig von Hailey ist, Will kann sie verstehen. Er hat gesehen, wie sehr sie Jay in den letzten Wochen vermisst hat, wie sehr sie ihn in manchen Situationen gebraucht hatte. „Aber du solltest gleich wieder auf deine Station gehen, sonst geben sie nachher noch eine Suchmeldung nach dir raus.“ Er sieht, dass Hailey wenig begeistert ist und ihm schon widersprechen will, „Nein Hailey, da diskutiere ich mit dir nicht drüber. Du gehst jetzt mit der Kleinen rüber. Das gibt sonst nur Ärger, wenn ihr zur Visite gleich nicht da seid. Ich bleibe in der Zeit bei Jay.“ Schließlich nickt Hailey. Sie hat gerade nicht mehr die Kraft für Grundsatzdiskussionen mit Will.
Sie ist schon auf dem Weg nach draußen, als Will sie noch fragt: „Wie ging es Jay überhaupt, als er wach war?“ „Er schien noch etwas durcheinander gewesen zu sein, aber dafür, dass er kurz vorher scheinbar noch Fieberträume hatte, war er erstaunlich klar.“ Will nickt und wirft einen Blick auf den Überwachungsmonitor. Das Fieber ist inzwischen beinahe komplett verschwunden und Jay hat nur noch leicht erhöhte Temperatur. Hailey verlässt mit ihrer Tochter den Raum in Richtung Wöchnerinnenstation und Will nimmt den Platz an Jays Bett ein.

Kurze Zeit später beginnt Jay wachzuwerden. Er scheint zu bemerken, dass etwas anders ist zu der Situation, in der er eingeschlafen ist und wird unruhig. Sofort reagiert Will. „Jay, ganz ruhig bleiben. Alles ist gut. Hailey musste mit eurer Tochter zurück auf ihre Station.“ Als Jay die Stimme seines Bruders hört, reißt er die Augen auf. Er braucht einen Moment bis er Wills Worte realisiert hat und die Situation erfasst hat. „Ich habe es also nicht geträumt?“, fragt er dennoch unsicher.
„Ich kann dir zwar nicht sagen, was du alles geträumt hast. Aber Hailey saß bis eben noch neben dir und deine Tochter hat bis eben noch friedlich auf deinem Oberkörper geschlafen.“ Diese Worte beruhigen Jay und er atmet tief durch. „Dann ist alles gut. Ich weiß irgendwie immer noch nicht ganz, was wirklich passiert ist und was ich geträumt habe, Irgendwie vermischt sich das alles.“ „Das ist normal, Jay“, beruhigt ihn Will, „Das kommt vom Fieber und gibt sich relativ schnell wieder. Du wurdest schließlich erst vor wenigen Stunden operiert und die Reste der Narkose tun dabei ihr übriges.“ Jay nickt. „Wann kann ich entlassen werden?“
Diese Worte lassen Will schmunzeln und ihn gleichzeitig die Augen verdrehen. Sein Bruder und Krankenhaus. Aber immerhin scheint es ihm ganz gut zu gehen, wenn er schon wieder an seine Entlassung denken kann. „Das ist nicht meine Entscheidung. Diskutier das mit Crockett aus, der ist dein behandelnder Arzt.“ „Wie du lässt mich damit im Stich?“ „Sei froh, dass ich mich daraus halte. Die anderen bekommst du tendenziell leichter überredet.“

Bevor die beiden Brüder weiter diskutieren können, klopft es an der Tür und Dr. Marcel kommt herein. „Hallo Jay, schön dass du wieder wach bist. Ich bin überrascht, wie schnell das gegangen ist. Du hattest ziemlich viel Blut verloren.“ „Was ist überhaupt passiert? Ich kann mich nicht mehr wirklich erinnern.“ „Das ist normal. Du bist in den Oberschenkel geschossen worden. Das du von der Schusswunde bisher noch nicht viel bemerkt hast liegt an den Schmerzmitteln, die sind noch recht hoch dosiert. Das werden wir jetzt aber wieder reduzieren. Es war nur wichtig, dass du nach der OP nicht von den Schmerzen geweckt wirst. Ich möchte mit dir noch einige Tests machen, um zu sehen wie viel durch die Kugel verletzt wurde.“
Jay nickt. „Okay, ich werde jetzt mit dem Wattestäbchen über verschiedene Stellen an deinem Bein und Fuß streichen und du sagst mir, wo du etwas spürst.“ Jay nickt erneut. Will ist inzwischen aufgestanden und hat sich zu Dr Marcel gestellt. „Okay, es geht los.“ „Fußrücken… Schienenbein… … Machst du noch weiter?“ „Ja, geht noch weiter.“ „Okay, Fußunterseite…, Knie Außenseite, … … Geht es noch weiter?“ „Mit dem Test bis ich soweit durch, ich will noch eine letzte Sache überprüfen.“ Dr Marcel holt den Reflexhammer heraus und prüft den Patellarsehnenreflex. Doch keine Reaktion. Die beiden Ärzte wissen was das bedeutet.
Crockett atmet einmal tief durch und Will setzt sich zurück zu Jay ans Bett. „Also Jay, es ist wie ich es befürchtet habe. Die Kugel hat nicht nur die Arterie verletzt, sondern auch einen ziemlich großen Teil vom Nervus femoralis. Dieser ist in seiner Funktion unterhalb der Hüfte beinahe vollständig ausgefallen.“ Jay wird blass. Was auch immer das heißt, es klingt nicht gut. Er will auf gar keinen Fall im Rollstuhl enden. „Das heißt?“, fragt er vorsichtig. „Das heißt, dass du für relativ lange Zeit ziemlich eingeschränkt sein wirst und dich auf eine anstrengende Reha gefasst machen solltest. Momentan ist der Nerv so sehr geschädigt, dass du vermutlich nicht ohne Krücken laufen kannst, auch wenn die Schusswunde so weit verheilt ist. Das gute an peripheren Nerven ist jedoch, dass sie nachwachsen. Allerdings sehr langsam und meist auch nicht ganz so wie zuvor. Allerdings gehe ich sehr stark davon aus, dass du nach der Reha keine motorischen Einschränkungen mehr haben wirst.“

Jay muss bei diesen Worten schlucken. Durch seinen Kopf schießen gerade sämtliche Bilder von ehemaligen Kameraden und all deren Kriegsverletzungen. Wie sie zum Teil bis heute nicht wieder auf einem normalen Fitnesslevel zurück sind. Das darf ihm nicht passieren. Er muss sich auf deinen Körper verlassen können, er muss fit sein, sonst kann er seinem Beruf nicht nachgehen. Gerade jetzt, wo er auch noch die Verantwortung für ein kleines Kind hat. „Von was für einem Zeitraum reden wir?“, stellt er die Frage, die ihm im Kopf herumgeistert.
„Heilungsprozess und Reha, wobei die schon während der Heilungsphase beginnen muss, da sonst die Muskeln zu sehr abbauen, werden insgesamt bestimmt anderthalb Jahre dauern, möglicherweise auch länger. Hängt ein wenig davon ab, wie schnell deine Nerven nachwachsen. Das lässt sich im Detail nicht so genau vorhersagen.“
Die Antwort lässt Jays Mut schwinden. Anderthalb Jahre, wie soll das funktionieren. Vorallem, wenn er in der ganzen Zeit noch nicht einmal richtig laufen kann. Wie wird Hailey das aufnehmen, dass er die nächsten anderthalb Jahre mehr eine Last für sie sein wird, als alles andere, zusätzlich zu ihrem Job und ihrer Tochter, um die sie sich auch noch kümmern muss.
Jay wird von Crockett aus seinem Gedankenkarussell gerissen. „Falls du noch Fragen hast, ich werde morgen wieder zur Visite reinschauen. Ansonsten verarbeite die Informationen erstmal in Ruhe und Kopf hoch. Es klingt im ersten Moment schlimmer als es ist. Die nächsten Monate werden sicher nicht einfach für dich werden, aber es wird funktionieren.“ Damit verlässt er den Raum und lässt die beiden Brüder zurück.
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