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RED Spark (Timo und Sebastian)

von -Jaelle-
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
03.05.2022
23.06.2022
3
4.883
14
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23 Reviews
Dieses Kapitel
7 Reviews
 
 
23.06.2022 1.511
 
Mehrere Wochen sind seit meinem persönlichen Pizzagate vergangen und dieser kurze Moment, in dem Sebastians Lippen voll und weich und warm und fest auf meinen lagen, dieser winzige Kuss den wir geteilt haben, hat einen ganz besonderen Platz in meiner morgendlichen Duschroutine eingenommen. Was auch nötig ist, damit ich meine Tage in Sebastians Nähe überstehen kann, ohne mich völlig zum Narren zu machen.

Ich schiebe die letzten Unterlagen zusammen, während ich auf die Lieferung von Giovanni's warte. Eigentlich liefert er nicht, aber aus irgendeinem Grund hat der alte Mann einen Narren an mir gefressen und schickt mir hin und wieder seinen Enkel vorbei, wenn die Zeit es erlaubt. An anderen Tagen schwinge ich mich in eins der Autos und fahre ins Restaurant, wenn es spät wird. So wie heute.

Mein Blick wandert immer wieder zu Sebastian hinüber, der sich müde die Augenbrauen massiert. Seit einem halben Jahr arbeiten sie an den Entwürfen der Schönheitsklinik. Immer wieder verändert der Bauherr wichtige Elemente und stellt somit Sebastian, Florian und den Rest des Teams vor immer neue Aufgaben.

Während Jochen, der darauf besteht, dass ich ihn Jochen nenne, weil wir hier ja alle eine große Familie sind, mich immer wieder versucht in ein Gespräch zu verwickeln.

Prinzipiell hat er aber Recht: WIR bei Obermayr & Partner sind eine eingeschworene Gemeinschaft, fast schon wie eine Familie. ER hingegen ist der gruselige Onkel, vor dem man auf Familienfesten das Weinglas und die jüngeren Cousinen gleichermaßen versteckt.

Oder in seinem Fall, alles unter fünfundzwanzig, Geschlecht egal. Und somit falle ich wohl voll in sein Beuteschema. Zum Glück kommt er relativ selten persönlich nach München und die letzten beiden Male habe ich ihn auch noch verpasst, weil ich da Berufsschule hatte.

Als Eduardo, der Pizzabote, kurz nach halb elf klingelt, habe ich den Gedanken an Jochen endgültig abgeschüttelt. Ich belohne den jungen Mann mit einem großzügigen Trinkgeld und einem noch großzügigeren Lächeln, bei dem er tiefrot anläuft. „Besten Dank und liebe Grüße an den Großvater,“ bedanke ich mich bei ihm für die Lieferung. Nervös lächelnd stapelt er die Pizzakartons auf dem großen Glastisch im kleinen Besprechungsraum.

„Schönen Abend noch“, wünscht er mir mit einem hoffnungsvollen Unterton und bleibt auf der Stelle stehen. „Da haben Sie ja ganz schön viel zu tun, oder? Ich mein, mit so viel Pizza. Die essen Sie ja nicht alleine. Oder?“ Und dann der Welpenblick aus hübschen braunen Augen.

„Nein, natürlich nicht.“

Noch immer rotwangig und mit hoffnungsvollem Blick verabschiedet er sich schließlich.

Leider ist der niedliche Lieferbote nämlich so gar nicht mein Fall, dazu erinnert er mich viel zu sehr an Linus. Außerdem schlägt mein Herz, der dämliche Verräter, völlig hoffnungslos für meinen attraktiven Chef.

Meinen, in einer völlig anderen Liga spielenden, sexy wie die Hölle, hot as fuck silver fox-Typ Chef. Ich schwöre, wenn Sebastian Obermayr den Raum betritt, sinkt mein IQ um einige dramatische Punkte und ich kriege kaum einen vernünftigen Satz zustande. Ganz in etwa wie der Jüngling da vor mir.

Cem, die andere Bürokraft, lacht sich jedes Mal halb schlapp, wenn ich völlig aufgelöst aus dem Büro unseres Chefs wieder auftauche. Bisher ist das Ganze vor den Augen von Sebastian zum Glück sicher. Ich schwöre, der Mann ist absolut ahnungslos, was das betrifft.

Eine Zeitlang hat Cem mich mit wirklich JEDEM Scheiß zu Sebastian ins Büro geschickt. Nur, damit er hinterher lachend überm Schreibtisch gehangen hat. So ein Arsch!

Und mehr als einmal habe ich bei dieser Gelegenheit Florian Bauer in Sebastians Büro angetroffen. Groß, mit der Figur eines Schwimmers, die durch seine wie aufgemalt sitzenden Anzüge natürlich unglaublich in Szene gesetzt wird. Die blonden Haare dazu noch künstlerisch verwuschelt, hätte er jederzeit eine gute Figur am Strand abgegeben. Grüne Augen, die immer etwas wissend funkeln und eine Milliarde Sommersprossen, die aus ihm eher einen Koboldkönig machen, als dass sie das Bild eines erfolgreichen Architekten widerspiegeln.

Blöderweise sieht der Mann aber nicht nur großartig aus. Nein! Natürlich nicht! Der hat auch noch Talent, dass es für drei Architekten reichen würde! Und fickt alles, was bei drei nicht auf den Bäumen ist, wenn man dem Flurfunk Glauben schenken darf.

Gott, geht mir der Kerl auf die Eier!

Kurz überlege ich, ob ich seine Nudeln im Gemeinschaftskühlschrank eine Weile abkühlen lassen soll, einfach, weil ich es kann.

Stefan, welcher neugierig den Kopf durch die Türöffnung steckt, macht meinen Plan allerdings zunichte. Außerdem wäre das kindisch und echt schade um das gute Essen.

„Ah, Stefan. Holst du schonmal die anderen? Ich schnapp mir fix das Besteck und ein paar Teller aus der Küche.“

Schwungvoll biege ich um die nächste Ecke, wo ich auf ein Hindernis stoße, welches da überhaupt nicht stehen sollte und mich aus dem Tritt bringt. Ein Arm schlingt sich instinktiv um meine Hüfte und zieht mich fest an einen harten Körper.

„Hoppla! Wohin des Weges?“ Sebastians Stimme rumpelt leise in seiner Brust, an die er mich noch immer gedrückt hält. Oh du meine Güte, riecht der Mann gut!

Obwohl ich kein kleiner Mann bin, befindet sich meine Nase in etwa auf Höhe seiner Halsbeuge, wodurch ich in den unverhofften Genuss komme, an ihm schnüffeln zu können. Irgendwas zitroniges, vielleicht noch Sandelholz und etwas, was mich an das Frankreich meiner Kindheit erinnert. Lavender? Unter allem liegt der leichte Moschusgeruch nach frischem Schweiß und Mann, welcher mir das Wasser im Mund und das Blut im Schritt zusammenlaufen lässt.

„Küche… ich… mmmmmh,“ ein unglaublich peinlicher Seufzer entrinnt sich meiner Kehle und trifft mit einem Atemhauch auf seinen Hals, wo er eine kleine Gänsehaut bei Sebastian auslöst. Fasziniert starre ich auf dieses Stückchen Haut.

Sebastians Griff um meine Mitte festigt sich kurzweilig, seine Fingerspitzen graben sich so fest in meine Haut, dass ich mir sicher bin, dass ich dort morgen früh Spuren davon finden werde. Dann schiebt er mich mit einem schiefen Grinsen sanft von sich.

Nun, da ich etwas Abstand von ihm habe, kriege ich meine beginnende Erektion auch besser in den Griff. So wie wir da Körper an Körper aneinandergepresst standen, hätte es nur noch Atemzüge gedauert, bis er die Auswirkungen, die seine Nähe auf mich macht, zu spüren bekommen hätte.

„Die… ah… die Pizza ist im kleinen Besprechungszimmer. Besteck.“ Ich wedle mit der Hand in Richtung Küche. „Wir… ohm.. Besteck. Genau. Und Teller.“ Fuck. Boden tu dich auf! Oder halt wenigstens die Klappe, Moor!

Lächelnd hält Sebastian unser Besteckkörbchen hoch, in dem bereits einige Servietten stecken. „Allzeit bereit!“ Das Zwinkern, welches er mir schenkt ist sowohl fröhlich, als auch unglaublich anzüglich. Oh. Mein. Gott! Er weiß es!

Sanft schiebt Sebastian mich zurück in Richtung Besprechungszimmer. Seine Hand ruht sanft in der kleinen Kuhle knapp oberhalb meines Poansatzes. Groß und warm sendet sie stetig Schockwellen durch meinen Körper. Sebastians Nähe raubt mir den Atem, so dass ich mit tiefrotem Gesicht den Besprechungsraum betrete.

Bilde ich mir das nur ein oder ist seine eine Fingerspitze gerade tatsächlich über meine Poritze gegeistert? Als ich mich von dem Gedanken erholt habe, sind die Plätze rund um den Tisch bereits fast alle belegt, so dass mir nichts anderes übrig bleibt, als mich gegenüber von Florian und Sebastian niederzulassen.

Florian hat bereits den dünnen Deckel mit spitzen Fingern von der Schale gepellt, weil das Zeug wirklich brüllend heiß ist. Was ihn aber nicht daran hindert, sich die dampfenden Nudeln glücklich in den Mund zu stopfen, wo er dann hektisch versucht alles abzukühlen. Ein wenig Mitleid habe ich mit dem ungeduldigen Vielfraß ja schon.

Jedenfalls, bis er wohlig in Nudelekstase aufstöhnt. Ganz ehrlich? Die Geräusche, die Florian beim Essen von sich gibt, gehören verboten!

Vielleicht hätte ich seine Rigatoni mit Spinat, Pilzen und Sahnesauce doch für eine Weile in den Kühlschrank stellen sollen.

Das kleine grüne Monster in meinem Hirn besteht da jedenfalls sehr drauf, dass wir uns eine wunderbare Chance durch die Lappen haben gehen lassen.

Schließlich öffne ich den Karton mit meinem Namen drauf und breche in lautes, hilfloses Gackern aus. Ich lache so heftig, dass ich drohe, einen Schluckauf zu bekommen. Seitenstechen habe ich bereits leichtes.

Neugierig legt Sebastian seinen Kopf schief. „Na, was ist es diesmal?“

Giovanni nimmt meine Bestellwünsche für mich nie komplett entgegen, sondern nur ob Pizza oder Pasta. Wir haben uns irgendwann darauf geeinigt ( sprich: er hat bestimmt), dass er besser weiß als ich, was mir schmeckt und seitdem schickt er mir immer irgendwas.

„Sieh selbst. Ich kann den Karton nicht anheben, sonst geht es noch kaputt.“

Elegant umrundet Sebastian den Tisch, bis ich seinen Körper hinter mir spüre. Er wirft einen Blick auf meine Pizza und fängt ebenfalls schallend an zu lachen. Seine Hand kommt dabei auf meiner Schulter zu liegen, wo sie sich förmlich durch den dünnen Stoff meines Hemdes zu brennen scheint.

Ich kann an nichts anderes mehr denken, als an diesen Körperkontakt. Meine ganze Welt zieht sich auf diesen Punkt zusammen. Als auch die anderen aufstehen um sich meine Pizza anzusehen, drückt er kurz meine Schulter und setzt sich wieder auf seinen Platz.

Das warme Gefühl in meinem Magen breitet sich auch auf meinen Wangen aus, was aber im allgemeinen Gelächter über das Ananas-Pizzageschicht mit Olivenaugen und Peperoninase hoffentlich unbemerkt bleibt.
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