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Die Stille des Augenblicks

von Tonmond
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
30.04.2022
22.09.2022
14
58.955
16
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22.09.2022 3.900
 
Draven

Die Reaktion seines einzigen Zuhörers fiel anders aus, als er erwartet hatte, obwohl er es mittlerweile gewohnt war, dass Tyler seine Musik auf ganzer Linie unkritisch bewertete, schließlich hatte er ihm schon einige Male eine Kostprobe gezeigt und verschiedene Lieder für ihn gespielt, meistens interpretierte Coversongs, nie hatte es für den Mann die geringste Rolle gespielt, wie gut das Lied wirklich geklungen, ob Draven beim Singen die richtigen Tonhöhen getroffen oder sich auf der Gitarre verspielt hatte, sein bisher einziger Fan war immer hellauf begeistert gewesen und des überschwänglichen Lobes voll für ihn, ausnahmslos. Seine niedliche Bewunderung streichelte Dravens Künstlerseele, Hymnen der kritiklosen Anerkennung fühlten sich nun mal einnehmend gut an, das konnte er nicht abstreiten, stellten ihn aber gleichzeitig als Musiker auf ein entschieden zu hohes Podest, auf das er bei realistischer Betrachtung nicht hingehörte, noch nicht, das war Draven sofort klar, als Tyler nach nur einem Song sein allzu wirklichkeitsfremdes Urteil abgab: 'Du hast so eine wunderschöne Stimme, dein Gitarrenspiel ist phänomenal und der Text hat mich richtig tief getroffen', hatte Tyler zu ihm gesagt, eine recht sonderbare Begründung für seinen zuvor in aufgelöster Verfassung geleisteten Schwur, ihn niemals zu enttäuschen oder gar im Stich zu lassen, als hätte Draven ihn mit dem Konzert dazu angestiftet, derlei zu schwören, dabei hatte er das Stück ganz willkürlich gewählt, ohne jeden Hintergedanken, und stammte doch das Lied bekanntermaßen von Dead By Sunrise und nicht aus Dravens eigener Feder.

Obwohl Tylers naive Kritiklosigkeit ihn in seinen ständig engagierten Bemühungen sich zu verbessern nicht weiterbrachte, spielte er dennoch gerne für den Hausbesitzer, war dessen verliebte Hingerissenheit bei jedem vernommenen Akkord doch allzu schmeichelhaft anzusehen, zumal der Musiker ansonsten eigentlich nie gelobt wurde, schon gar nicht für seine Musik, und konnte er ohnehin keine Möglichkeit, auf diesen fantastischen, für ihn leider unerschwinglichen Gitarren zu spielen, ungenutzt lassen. Aber diesmal steckte noch etwas anderes hinter Tylers sonderbarer Resonanz, dieses innig hervorgebrachte Versprechen war nicht zufällig aus dem Geschäftsführer herausgeplatzt, in heller, flehender Aufregung, sondern in langer Überlegung entstanden, während er für ihn Let down gespielt hatte, mutmaßte Draven, und es ärgerte ihn, dass der hartnäckige Mann nicht aufhören wollte ihn zu analysieren, anscheinend war Tyler total versessen darauf, Dravens Innerstes zu entschlüsseln und am besten auch gleich zu reparieren. Draven wollte aber nicht auf Schritt und Tritt von dem Kerl bewertet werden und es frustrierte ihn, dass Tyler dies überhaupt für nötig hielt, zu gerne hätte er gewusst, was in Gottes Namen den penetranten Kerl denn bloß derart an ihm beunruhigte, dass er ständig dachte ihm helfen zu müssen. Letzten Endes waren sie doch jetzt gleichberechtigt und nicht Ty der allwissende Psychologe und Drav der hilfsbedürftige Patient, genauso wenig, wie sie noch Kunde und Callboy waren, diese irritierende Bestrebung musste er seinem neuen Mitbewohner dringend austreiben.

„Na klar glaube ich dir das!” antwortete er auf Tylers merkwürdige Frage und lächelte ihn ob seiner spürbaren Unsicherheit aufmunternd an, „Denkst du denn ernsthaft, ich würde bei dir einziehen, wenn ich der Meinung wäre, dass du mich sowieso enttäuschst?” In der Tat hatte er sich bei Tyler Jonas bereits vom ersten Tag an durchgehend bis zu diesem Augenblick erstaunlich sicher gefühlt, hatte doch der fürsorgliche Geschäftsmann und ehemalige Kunde ihn stets mit in Dravens Branche weit überdurchschnittlichem Respekt behandelt, und es erwärmte sein Herz, als der andere ihm daraufhin zärtlich über den Rücken strich. „Ich möchte dich auch nicht enttäuschen, Ty”, versicherte Draven ihm, fühlte sich von dem unerwarteten Schwur dazu veranlasst und musste schlucken, denn sein Hals wurde auf einmal eng, das Gewicht seiner Seele vervielfachte sich, weil irgendetwas Dunkles ihm einreden wollte, dass sein ehrlich gemeintes Bestreben von vornherein zum Scheitern verurteilt war. „Ich liebe dich, Draven, und ich möchte alles tun, damit du immer glücklich bist”, versprach Tyler ihm ergriffen, schaute ihn bedeutungsvoll an, und Draven nickte, sah sich jählings ein wenig in die Enge getrieben und verkniff sich die ablehnende Bemerkung, die ihm spontan vorn auf der Zunge lag, dass nämlich Tyler nicht für fremdes Glück verantwortlich war und sich auch nicht so fühlen sollte, so viel Einsatz für einen anderen Menschen kam dem Callboy bei aller Liebe gefährlich übertrieben vor, wenn nicht sogar ungesund, doch Tylers Aussage war zu freundlich, um sie kaltherzig abzuschmettern, zweifellos meinte der Hausbesitzer es ernst und Draven ahnte, dass der kopflos verliebte Mann diese schlichte Wahrheit momentan ohnehin nicht hören wollte, geschweige denn anerkennen.

Zutraulich rutschte er von der hohen Armlehne des Sessels zu ihm auf die Sitzfläche hinunter, zwängte sich auf den engen Platz neben ihn, ohne dass Tyler nennenswert zur Seite rutschte, was er sehr wohl registrierte, offenbar war der Kerl scharf auf nahen Körperkontakt, was ihm recht war, genau genommen war die Hand an seiner Taille sehr angenehm und die Haut von Tylers Wangen, die er fortwährend berührte, fühlte sich einnehmend zart an, glatt, perfekt rasiert. „Find ich ja lustig, dass du jetzt schon auf Songtexte antwortest, die ich dir vorsinge und nicht mal selbst geschrieben habe”, flüsterte Draven verführerisch in Tys kleines, rundes Ohr, das dicht an dessen Schädel anlag, ließ die Hand sanft hinab über seinen Hals gleiten und schmiegte sich an die vertraute Gestalt des anderen, der keinen Zentimeter zurückwich, sondern ihn erwartungsvoll beobachtete. Die Hand an Dravens Taille streichelte sich über der Wolle anhänglich entlang seiner Wirbelsäule hinauf, er musste dringend diesen durchnässten Pullover ausziehen, fuhr es ihm unzufrieden durch den Sinn, es wäre viel anregender, die Liebkosung direkt auf der puren Haut zu spüren. Tylers Augen glitzerten in ihrem schönsten Braun, waren sie doch während des kurzen Konzerts wahrhaftig von seinen Tränen feucht geworden, was Draven verblüfft zur Kenntnis genommen hatte, die Wirkung seiner Musik auf diesen sonderbaren Menschen war in der Tat einzigartig. „Ist doch egal, ob du den Text geschrieben hast, Drav. Du hast ihn für mich gesungen. Und es war so authentisch, dass ich das Gefühl hatte, du würdest mit mir sprechen und mir dein Herz ausschütten”, erklärte der Hausherr ihm, sichtbar noch immer überwältigt von dem gemeinsamen Erlebnis. Draven konnte nicht anders, berührten ihn doch diese Sätze stärker, als er begreifen konnte, beugte sich spontan vor und küsste ihn dankbar auf den Mund, auch wenn ihm bewusst war, dass Tylers Beurteilung seiner musikalischen Performance alles andere als objektiv war, so genoss er das positive Resümee trotzdem, zu gerne hätte er so ein Urteil einmal von den wichtigen Entscheidungsträgern innerhalb der Musikbranche gehört. Begehrlich lehnte er sich gegen den großen Mann, der ihn mit offenen Armen empfing, seine Zunge glitt sanft über Tylers schmale Lippen und teilte sie ohne jeden Widerstand, um drei Sekunden später in einem zärtlichen Kuss zu versinken.

Tylers Arme legten sich enger um seinen Rücken, während er sich bedingungslos auf Dravens Zunge einließ, den raschen Schlägen in seinem Mund folgte, ihn geschickt umschmeichelte und neckte, sodass Draven anerkennend spürte, dass Tyler das Küssen inzwischen gelernt hatte, von der früheren Unbeholfenheit des Geschäftsmanns war so gut wie nichts mehr zu spüren, was Draven mit einem gewissen Stolz seinem Verdienst zuschrieb, schließlich hatten sie im Sommer reichlich zusammen geübt, und anscheinend hatte dieser Kerl in den letzten drei Monaten, die sie getrennt gewesen waren, nichts davon vergessen, wahrscheinlich hatte er in dieser Zeit auch andere Gelegenheiten zum Üben gefunden, fiel es Draven ein, und er fragte sich verwundert, warum ihm dieser naheliegende Gedanke so wenig gefiel, dass er ihn sofort unbehaglich zur Seite schob, viel lieber wollte er sich auf die Gegenwart fokussieren. Der erfreulich gelehrige Typ fühlte sich richtig gut an, merkte der Callboy überrascht, er war geduldiger als vorhin auf dem Rastplatz, insgesamt viel präsenter, längst nicht mehr so getrieben, in der sicheren Umgebung seines Wohnzimmers fühlte er sich ohne Frage um einiges wohler als draußen in seinem Mercedes nahe der Autobahn. Sein inniger Kuss, die streichelnden Hände und seine unmittelbare Nähe nahmen sich endlos viel Zeit und hatten unweigerlich höchst angenehme Auswirkungen auf Dravens sämtliche Bestandteile, nicht zuletzt auf die empfindlichen Organe in seinem Schritt, sodass er sich automatisch noch mehr an den behaglichen Menschen lehnte, ohne den berauschend intimen Kuss zu unterbrechen, während seine Hände sich suchend über seine Kleidung bewegten, sich ihm ganz zuwandte, sein Bein verlangend über Tylers Schenkel schob und seine Lenden gegen die Hüfte des anderen drückte, stundenlang hätte er so weitermachen können, als ihre Lippen sich nach einiger Zeit zum Luftholen trennten, stöhnte er unweigerlich erregt auf. „Zieh endlich das nasse Zeug aus, Boy!” befahl Tyler ihm mit funkelnden Augen und legte gleich selbst Hand an ihn, packte den wollenen Shetland-Pullover am unteren Bund und schob das träge Kleidungsstück behutsam an seinem schlanken, durchtrainierten Körper hinauf, voller Achtsamkeit, als würde er jeden Zentimeter bewusst erleben wollen, überaus interessiert beobachtet von Draven, der sich willig zurücklehnte und die Arme hob, um das Ausziehen zu unterstützen, das durchaus angenehm war, sein Blick ruhte dabei auf dem markanten Gesicht des fürsorglichen Mannes, seiner hohen Stirn, den geraden, schmalen Brauen, den gold-braunen Augen, der eklatanten Nase, den roten Lippen und dem ausgeprägte Kinn, erfasste seine eigentümliche Schönheit, die unbeirrbare Sicherheit in seinem Handeln beeindruckte ihn enorm, und er war wie paralysiert davon. Als Tyler ihm, nachdem er den Pullover auf den Tisch gelegt hatte, sogleich sein schwarzes Unterhemd auf dieselbe ungewohnt genussvolle Art auszog, hatte er wirklich nichts dagegen.

„Ich war dumm, nicht wahr?” fragte er atemlos, als Tyler das fast genauso peinlich nasse Unterhemd ebenfalls achtsam auf den Glastisch neben die Gitarre und den Pulli gelegt hatte und sich ihm interessiert zuwandte, um ausführlich die Tattoos auf seiner entkleideten Brust zu studieren. „Was meinst du damit?” erkundigte der Geschäftsmann sich abgelenkt, die Augen fasziniert auf die zahlreichen Schlangen geheftet, die sich in wilden Bahnen über Dravens muskulösen Leib schlängelten. „Es war dumm von mir, mich auf diesem Autobahnrastplatz dermaßen nass zu machen. In dem Waschraum war es total kalt. Draußen ist Winter, Herrgott. Ich hätte das einfach nicht tun sollen”, erkannte Draven reuevoll, fühlte sich idiotisch und streckte Trost suchend die Hand nach dem Gefährten aus, berührte das seidenweiche Hemd des Hausherrn mit den Fingerspitzen, der nun aufhorchend den Blick hob und ihn aufmerksam betrachtete. „Du bist nicht dumm, Draven. Du warst nur wütend”, wusste der kluge Mann lächelnd, in unabwendbarer Gewissheit, als hätte er seinen labilen Jungen schon auf dem Parkplatz durchschaut, was Draven irritierte, der den Aufmerksamen misstrauisch fixierte. „Warum glaubst du, dass ich wütend war?” wollte er alarmiert wissen, „Wie kommst du darauf?” „Das war schlicht offensichtlich, Draven!” lachte Tyler amüsiert, legte die Hände um seinen nackten Brustkorb, beugte sich vor und schloss seine Lippen sanft um Dravens rechte Brustwarze, leckte mit seiner Zunge zärtlich über den kleinen Hubbel, der sich sofort freudig aufrichtete und Draven ein weiteres Stöhnen entrang.

„Ich war nicht wütend, sondern voll mit Wichse!” stellte der Callboy mit einigem Trotz klar, der ihm selbst lächerlich erschien, aber er konnte sich nicht zurückhalten, wollte nicht als impulsiver Schwachkopf gelten, der sich selbst nicht im Griff hatte, wanderte doch Tylers warme, nasse Zunge gefühlvoll über sein Brustbein zu seinem linken Nippel, um ihn gemächlich zu umkreisen, die Lippen schlossen sich um sein Fleisch, um zärtlich daran zu saugen, die Zähne zogen mit liebevoller Vorsicht an der empfindlichen Brustwarze, sodass Dravens Gedanken vollkommen durcheinander gerieten. Unwillkürlich bog sein Rückgrat sich nach hinten und streckte den Oberkörper autonom der sinnlichen Behandlung entgegen, während seine Finger sich Halt suchend in das Hemd des Hausbesitzers bohrten. „Du warst wütend, weil du vollgewichst warst. Wie wäre denn das?” kicherte Tyler belustigt, der seinen Partner offenbar gar nicht ernst, sondern den Vorfall auf die leichte Schulter nahm. Draven musterte ihn verdutzt und war sich nicht sicher, ob er jetzt wütend werden sollte, oder ob das ganze Thema nicht völlig belanglos war, schließlich lag ihr letzter gemeinsamer Halt an der Autobahn schon einige Zeit zurück und sollte vielleicht besser unerwähnt bleiben, womöglich war es ein Fehler von ihm gewesen, die Sache nochmal anzusprechen, grübelte er verwirrt und kam zu dem Ergebnis, dass er einen Verdacht unmöglich so stehen lassen konnte. „Nein, ich war nicht wütend! Es hat mir gefallen, wie du mich gewichst hast! Es war geil, dein Sperma zu schlucken!” erklärte er dem rätselhaften Individuum nachdrücklich, wollte nicht auf sich sitzen lassen, dass Sex ihn womöglich verärgerte, was seiner Meinung nach total fragwürdig anmutete, wollte vor dem reichen Typen kein auch nur irgendwie seltsames Bild abgeben oder möglicherweise seine Skepsis wecken, gerade weil der Barbesitzer sich zweifelsohne auf die Fahnen geschrieben hatte, das gut verborgene Innenleben seines Dauergastes gründlich zu analysieren.

Tyler lachte vergnügt, scheinbar war er bester Laune, hob den Blick und schaute ihn gutmütig an, ließ seine Finger hauchzart über Dravens Oberkörper wandern, zeichnete wohl ungefähr die kunstvoll gestochenen Reptilien nach, allerdings ohne hinzusehen. „Das freut mich, Drav, dass es dir gefallen hat. Es turnt mich mega an, wenn du in meiner Hand kommst. Ich fand's auch super geil, in deinem Mund abzuspritzen. Das müssen wir unbedingt mal wiederholen”, versicherte er dem Musiker sanft und unterstrich sein Verlangen mit einem sehnsüchtigen Seufzen, war dabei erstaunlich ungeniert in seiner Wortwahl, was dem Callboy einen erregten Schauder verursachte, der es mochte, wenn der andere derart ungehemmt über Sex sprach, was selten genug der Fall war. Tyler zwinkerte verschwörerisch, streichelte sachte über Dravens Kopf, wie, um ihn zu beruhigen, und wandte sich mit den entzückten Worten: „Woah, wie ich diese Tierchen vermisst habe!” abermals fasziniert den Tätowierungen zu, scheinbar war das Thema Rastplatz damit abgeschlossen, was Draven nur mit einigem Unmut akzeptierte, irgendwie kam ihm die Sache suspekt vor, als gäbe es da noch jede Menge Missverständnisse und deshalb reichlich Klärungsbedarf. Andererseits war Tylers unmittelbare Nähe auf diesem bequemen Sessel, der große, starke Körper so dicht an seinem, dass er jeden Muskel, jede Regung und die behagliche Wärme des Wohltäters spürte, sowie seine liebevolle Zuwendung schlicht zu schön, um sich nicht mit Freuden und ohne Vorbehalte vollständig darauf einzulassen, nicht zuletzt gefiel ihm Tylers Einstellung zu seinen Tattoos, hatte er doch deswegen schon weit weniger positives Feedback erlebt.

Also schluckte er seinen Ärger hinunter und konzentrierte sich lieber darauf, die vielen hübsch glänzenden Perlmuttknöpfe an Tylers seidenweichem Oberhemd aufzuknöpfen, ging davon aus, dass der Kerl schon nichts dagegen haben würde, immerhin war doch er es gewesen, der mit dem Ausziehen angefangen hatte, die ungemein angenehme Temperatur, die garantiert in Tylers ganzem Haus herrschte, hatte er sofort als Erstes gespürt, als er vorhin von der Garage in die Wohnung gelaufen war, es sprach also überhaupt nichts dagegen, sich gegenseitig auszuziehen, brachte doch allein der sexy Gedanke seinen Herzschlag schon auf spannende Touren und zuckte verheißungsvoll in seinen Weichteilen. Tatsächlich machte Tyler keine Anstalten ihn daran zu hindern, ignorierte es genügsam lächelnd, als Draven kurzentschlossen damit anfing, mit nervösen Fingern recht unbeholfen an seinen Hemdknöpfen herumzufummeln, offenkundig interessierte ihn dieses Vorhaben kaum, war der Geschäftsführer doch ohnedies schon seit einer Weile mit Dravens unbehaarter Brust beschäftigt, die er nach wie vor reichlich enthusiastisch in Augenschein nahm, als könnte er sich an ihrer Einmaligkeit nicht sattsehen. „Haben die Schlangen Namen?” wollte er neugierig wissen, während er sich abermals den Zeichnungen aus Tinte zuwandte, die unübersehbar auf Dravens Gestalt verewigt worden waren, sein Finger glitt fortwährend zärtlich über die reichhaltig verschönerte Haut, folgte nun sorgfältig den gestochen schwarzen Linien auf dem auffallend hellen, glatten, makellosen Untergrund und verursachte dem Musiker eine prickelnde Gänsehaut, wenn seine Nippel nicht schon hart gewesen wären, hätten sie sich spätestens jetzt bestimmt aufgerichtet.

Draven prustete spontan los, eine stürmische Mischung aus Belustigung, Erregung und Nervosität tobte in ihm, die ihm dieses jähe Lachen in die Kehle legte und ungebremst aus ihm herausplatzen ließ, bevor er es unter Kontrolle bekam. „Sie haben keine Namen, Ty!” kicherte er verständnislos, wäre er doch niemals auf eine derart absurde Idee gekommen, „Aber du darfst ihnen gerne einen geben, wenn dir das Spaß macht!” „Die Tiere sind wunderschön. Sie verdienen einen Namen”, erwiderte Tyler liebenswürdig, beugte sich nochmal vor und küsste Draven auf die Rippen, der nicht sehen konnte, was genau der Hausbesitzer mit seinen weichen Lippen diesmal anvisiert hatte, hing doch sein Blick an den schimmernden Knöpfen des sicher wertvollen Hemdes fest, die definitiv zu klein und zahlreich waren, um sie so schnell und problemlos öffnen zu können, wie er es ursprünglich geplant hatte, außerdem hatte der Hemdträger sich interessiert über ihn gebeugt, sodass es für Draven noch schwieriger wurde, die winzigen Knöpfe richtig zu erwischen, dennoch wollte er sein Unterfangen auf keinen Fall aufgeben, viel zu scharf war er inzwischen auf die fantastisch dicht behaarte Brust des Hausherrn.

Hauchzarte Berührungen mit Mund, Nase, Zunge und Zähnen, streichelnde Hände auf seinen Rippen, warmer Atem auf empfänglicher Haut und die unglaubliche Liebe und Zärtlichkeit, die in Tylers sorgsamen Zuwendung steckten, fühlten sich rundheraus fantastisch an, brachten Dravens Herzschlag unweigerlich in Fahrt und aktivierten seine Libido auf ungewohnt sanfte, kaum fordernde Art, was ihn schon nach kurzer Zeit vollends einnahm, drängte es ihn doch mit dem Fortlaufen der Zeit naturgemäß nach einer Steigerung des herrlichen Wohlbefindens. Ruhelos rutschte er neben Tyler auf dem Sessel herum, räkelte sich begehrlich der andauernden Liebkosung entgegen und gab sich den wunderbaren Gefühlen hin, die sich kumulativ in seinem Körper ausbreiteten, eine warme Welle der Geilheit durchflutete ihn, pochte heiß in seinen Blutbahnen und sorgte dafür, dass sein Penis sich erwartungsvoll versteifte. Das Aufknöpfen des fremden Hemdes erwies sich unter diesen verschärften Umständen als überaus kompliziert, sodass Draven irgendwann nahe daran war, den mühsamen Versuch aufzugeben, immer öfter entglitten die glatten Knöpfchen seinen ungeschickten Fingern und ließen ihn frustriert knurren, ohne dass ihm diese Lautgebung richtig bewusst wurde, woraufhin Tyler ihn nach dem zweiten oder dritten Brummen mit hochgezogener Augenbraue forschend ansah, fraglos auf der Suche nach der Ursache der gehörten Frustration, ganz wie es seine Art war.

„Hast du gesehen, dass es verschiedene Arten sind?” lenkte der Callboy ihn schnell ab, bevor dem neugierigen Mann noch weitere Fragen über unangebrachte Wut oder sonst was Seltsames einfallen würden, sein Brustkorb hob und senkte sich weit in angestrengten Atemzügen, sein ganzer Leib bebte mittlerweile vor Ungeduld und Aufregung, was Tyler natürlich nicht entging, der direkt bei ihm saß und ihn die ganze Zeit aufmerksam beobachtete. „Mir ist aufgefallen, dass die Schlangen unterschiedlich aussehen”, gab er geruhsam zu, hatte sich die windigen Tierchen also in der Tat schon sehr aufmerksam angeschaut. „Weltweit gibt es schätzungsweise 3000 Schlangenarten und ungefähr 2700 davon sind giftig”, informierte Draven ihn leidenschaftlich, obwohl dafür streng genommen gar kein Anlass bestand, fühlte sich mit diesem selbst gewählten Gesprächsthema aktuell sehr viel sicherer als mit Tylers psychologischen Rätseln, faszinierten ihn doch die raffinierten Kreaturen schon seit langem. Zufrieden registrierte er, dass der Mercedesfahrer erschrocken die Augen aufriss und mit dem neuen Wissen unbehaglich das Gesicht verzog. „Ach du Schande!” entfuhr es ihm entsetzt. „Keine Sorge, Ty. Hier bei uns in Deutschland leben nur sieben Schlangenarten”, schränkte Draven belustigt ein, Tylers impulsiv zum Ausdruck gebrachte Furcht vor den teils gefährlichen Kriechtieren amüsierte ihn. „Und wie viele davon sind giftig?” wollte der Hausbesitzer skeptisch wissen. Draven grinste wissend, kannte er sich in diesem Metier doch allerbestens aus. „Es sind nur zwei, die Kreuzotter und die Aspisviper”, glänzte er vor dem mehrfachen Barbesitzer mit seiner eigenmächtig angeeigneten Bildung, was ihn ein bisschen stolz machte und ein selbstsicheres Grinsen in sein Gesicht zauberte. „Na gut, dann bin ich ja einigermaßen beruhigt”, meinte Tyler entspannt ausatmend und wirkte tatsächlich erleichtert, was Draven ganz schön niedlich fand, und auch ein bisschen naiv.

Milde lächelnd richtete der Hausbesitzer sich auf und schob Dravens hektische Hände sanft von sich weg, um das übrig gebliebene Stück der erst halbwegs vollendeten Arbeit selbst zu erledigen, natürlich hatte er das hilflose Hantieren an seinen Hemdknöpfen sehr wohl registriert, wenn auch lange unbeachtet gelassen. Mit deprimierend schnellen, auffallend geübten Handgriffen knöpfte er die letzten paar Knöpfe auf, hatte so etwas offenkundig schon tausende Male getan, schlüpfte flink aus seinem dick gefütterten Flanellhemd und legte das Kleidungsstück zu den anderen Sachen auf den gläsernen Tisch. Als Nächstes zog er sich sein graues Unterhemd über den Kopf, schob den Baumwollstoff langsam und unerwartet provozierend an seinem Oberkörper hinauf, als hätte er Dravens heimlichen Wunsch erraten, der das spannende Schauspiel entzückt in sich aufnahm. Woah, Ty sieht verdammt gut aus, seine dichte, dunkle Brustbehaarung ist wirklich geil und fühlt sich klasse an, dachte der Musiker angetan, kraulte mit seinen Fingern spontan durch das kräftige, weiche Haar, bevor er sich bremsen konnte, und rückte mit der anderen Hand verstohlen den unangenehm eingeklemmten Ständer in seiner Jeans zurecht.

Direkt nach dem raffinierten Ausziehen widmete sich Tyler wieder ganz seinem neuen Mitbewohner, und noch immer hatte er dabei eine schier endlose Menge Zeit. Fassungslos stellte Draven fest, mit wie viel unveränderter Ruhe und Verzückung der sonderbare Mensch die zahlreichen Tatoos auf seiner Haut betrachtete, tat er doch wahrhaftig so, als hätte er die Motive noch nie gesehen, und als würden sie nicht beide mit nacktem Oberkörper dicht beieinander auf einem Sessel sitzen, als hätten sie sich nicht eben erst mit Leidenschaft geküsst und gegenseitig gestreichelt, sondern als wäre Draven lediglich so etwas wie ein interessantes, potenziell wertvolles Kunstobjekt, das ein intensives Studium lohnte. „Hast du ein Kreuzotter-Tattoo?” erkundigte Tyler sich nach einer Weile, der sich den Namen dieser Rasse vermutlich gemerkt hatte, ohne den abermals gebannten Blick von der schwarzen Tinte auf Dravens Oberkörper zu lösen. „Ja, hier ist sie”, seufzte Draven ergeben und zeigte ihm die Schlange, die sich auf der rechten Seite seiner Brust quer über seine Rippen schlängelte, „Man erkennt sie an dem durchgehenden Zickzackband auf dem Rücken, dem länglich-dreieckigen Kopf und den geschlitzten Pupillen”, erläuterte er geduldig und sah dabei zu, wie exakt Tyler die genannte Schlange mit seiner Fingerkuppe nachzeichnete. Draven genoss die zarte, sorgfältige Berührung des Hausherrn, sie vibrierte von seinen Nippeln bis zu seinem Schwanz, verursachte ihm eine weitere angeregte Gänsehaut und trieb ein zustimmendes Stöhnen aus ihm heraus, ruhelos presste er die Oberschenkel zusammen. „Diese Schlange sieht tatsächlich so aus wie eine Kreuzotter”, stellte der Geschäftsführer anerkennend fest, „Sieh dir dieses schöne Muster auf ihrem langen Rücken an! Und in ihren Augen sind wahrhaftig nur schmale Linien.” „Der Tätowierer verstand sein Handwerk”, meinte Draven bestätigend, der selbst äußerst zufrieden mit dem Ergebnis des Kunstwerks war.

„Die Kreuzotter ist wunderschön, Drav. Deine Tattoos sind echt toll!” schwärmte Tyler hingerissen, lächelte den Musiker eindeutig verliebt an und küsste ihn viel zu kurz auf den Mund, als wollte er sich für die erbaulichen Motive auf seinem Körper bedanken, was Dravens Ungeduld schlagartig rasant in die Höhe schnellen ließ, der nicht verstehen konnte, warum der verdammte Typ sich ausgerechnet jetzt so schrecklich lange mit seinen Tätowierungen aufhalten musste, die er doch im Sommer mindestens schon tausend Mal gesehen hatte, viel lieber wollte Draven unverzüglich mit dem Sex weitermachen und blies daher impulsiv Luft aus. „Du findest alles toll an mir, Tyler”, konnte er sich nicht zurückhalten, ziemlich sarkastisch zu bemerken, zu groß war sein spontaner Spott über die Aussage des Hausherrn, auch wenn sie wahrscheinlich nett gemeint war. Tyler schaute ihn frohgemut an, glücklicherweise schien er nicht im Geringsten gekränkt über Dravens unüberlegten Hohn, sondern beugte sich vertrauensvoll zu ihm hin. „Du bist ja auch ein rundum toller Typ, Draven Lindfort”, meinte er scheinbar wirklich, klang er doch höchst überzeugt davon, flüsterte das vorschnell gefällte Urteil aussichtsreich in Dravens kribbelndes Ohr, was den Callboy in seiner Not spöttisch auflachen ließ, ehe er darüber nachdenken konnte. „Warte nur, bis ich erst mal drei Wochen hier wohne, Ty! Dann wirst du das mit Sicherheit ganz anders sehen!" warnte er den ahnungslosen Hausbesitzer unheilvoll.
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