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Was habe ich nur getan? (Geburtstagswichteln 8)

von Hedwig93
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Lily Potter Severus Snape
30.04.2022
30.04.2022
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Hallo liebe DoeQuill,

ich wünsche dir alles Liebe zum Geburtstag. Ich hoffe, du hast einen schönen Tag und deine Wünsche und Träume gehen in Erfüllung.
Deine Vorgaben haben mich doch massiv aus meiner Komfortzone gebracht. Zunächst hatte ich gar keine Idee als ich die PN bekam. Erst Wochen später konnte ich eine Geschichte zusammenstellen, die deine Vorgaben enthält. Ich hoffe, sie gefällt dir.

Zauberhafte Grüße
Hedwig93

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Der Nebel klebt feucht in meinem Gesicht, doch ich habe nicht die Zeit mich darum zu kümmern. Ich habe es eilig und darf nicht zu spät kommen. Es hängt zu viel davon ab. Meine Schritte werden schneller und als ich die Schutzzauber verließ, fühlt es sich an als würde man durch eine Wand aus flüssigem Eiklar schreiten. Es schüttelt mich kurzt wie jedes Mal. Das Manor im Nacken, wo der dunkle Lord nun seine Pläne schmiedet, atme ich kurz durch. Ich appariere in die Nacht und verschwinde in einem Strudel aus Raum und Zeit.


“Du Schlammblut”, rief ich erhitzt. Im selben Moment fühlte ich wie sich mein Hals verengte und es sich anfühlte als würde eine Teufelsschlinge sich um mich herum zusammenziehen.
“Severus Snape! Wie kannst du es wagen?”, schrie mich Liz an, die neben Lily stand. Ich selbst war zu überrascht und erschrocken von dem, was ich gerade gesagt hatte. Sie legte ihren Arm um Lily, der die Augen feucht geworden waren.
“Lily, ich…”, stotterte ich. “Es tut mir leid. Ich meinte es…”
“Sei still, Sev!”, schrie mir Lily entgegen und die Enttäuschung, die Mitschwang ließ mich zerbrechen. “Tatze und Krone haben offenbar doch recht. Geh zurück zu Lucius und sei sein Schoßhündchen und ereifert euch in eurem Todesserwahn. Ich bin fertig mit dir.”
Die letzten Worte fühlten sich für mich an als wäre ein Basilisk vor mir. Ich war ein Idiot, doch bevor ich zur Besinnung kam, waren die beiden Mädchen schon weg.”


Ich merke wie sich mein Bewusstsein ändert und eine Stimme dringt dumpf in meinen Verstand ein.
“Wir müssen etwas tun, er wird es sonst nicht überleben.” Die Stimme klingt nach Lucius und ich bemerke auch ohne, dass ich meine Augen öffne, dass ich in einem Bett liege. Der Geruch von Murtlapessenz steigt mir in die Nase und ich weiß, es muss schlimm um mich stehen. Meine letzte Erinnerung ist, dass ich durch einen Wasserfall aus Eiweiß gelaufen bin, doch das konnte keinen Sinn ergeben. Ich merke, wie meine Gedanken abdriften.


Seit diesem Unsäglichen Vorfall musste ich immer wieder an Lily denken. Wenn ich ehrlich zu mir selbst war, dann war es vielmehr so, dass ich noch mehr als gewöhnlich an sie dachte. Hatte sie recht? War ich ein Schoßhündchen? Mir wurde meine Doppelmoral bewusst, denn auf der einen Seite hassten wir Schlammblüter und auf der anderen Seite liebte ich eins so sehr, dass ich mein Leben für sie geben würde ohne dabei eine Sekunde zu zögern. Es konnte nicht der richtige Weg sein, den ich eingeschlagen hatte, doch trotzdem konnte ich nicht zurück. Es war zu spät und das Schuljahr neigte sich dem Ende zu. Würde ich Lily wiedersehen können?

Ich unterbrach mein Gedankenkarussell und verließ die Bibliothek. Draußen auf den Ländereien wollte ich spazieren gehen. Es würden vermutlich die letzten Tage mit Sonnenlicht sein, bevor der Winter Einzug hielt, und die sollte niemand in einer staubigen Bibliothek verbringen. Ich packte mein Zaubertrankbuch mit meinen eigenen Randnotizen ein und verschwand.

Als ich die Schlossmauern verließ, steuerte ich gezielt auf den schwarzen See zu. Das Rauschen des Wassers hatte immer eine meditative Wirkung, die ich nun brauchte. Ich war bereits auf Höhe der Insel inmitten des Sees. Es hieß, es sollen Bowtruckle in den dortigen Bäumen leben, doch das interessierte mich jetzt nicht. Nicht, bis ich einige in der Sonne aufflammenden roten Haare erkannte. Den Farbton würde ich unter tausenden erkennen. Es musste Lily sein. Ich erhob meinen Zauberstab und richtete ihn auf das Treibholz am Ufer vor mir. Ein Floss erschien und ich setzte damit über. Ich schlich durch die dicht beieinander stehenden Bäume und suchte Lily. Hatte ich eine Halluzination? Nein, da war eine Stimme.
“Kommt schon, geht weg, ich brauche nur einen Ast von diesem Baum”, flehte Lily.
Ich hatte sie gefunden, ich war der Stimme gefolgt. Ich sah, wie die Bowtruckle sie kratzten und bissen, um sie von ihrem Baum fernzuhalten.

Ich lehnte mich mit dem Rücken an einen Baum und betrachtete das Schauspiel. Ein kleines Lächeln stahl sich in mein Gesicht. Wie ich es liebte, wenn sie sich so sehr auf eine Aufgabe konzentrierte und dabei ihre Umgebung komplett ignorierte. Ich ließ meinen Blick umher gleiten. Zuerst blieb er an einem hohen Fels rechts von ihr ruhen. Uninteressant. Ich schaute zurück zu Lily.  Der Baum von Lilys Begehr lag sehr nah am Ufer der Insel zum See. Es musste sich also um einen Elderbaum handeln, da nur dieser Zauberstabbaum es liebte nasse Füße zu haben. Mein Blick schlich sich an Lily vorbei auf das ruhige Wasser des Sees, das im Licht der Herbstsonne glitzerte. Ungefähr zwanzig Meter vom Ufer entfernt begann sich das Wasser zu einem Wall aufzubäumen. Meine Sinne schärften sich. Stimmte es also doch, dass ein Kelpie hier lebte? Mein Blick ging zu Lily, sie hatte mich noch immer nicht bemerkt aber die Veränderung auf dem See auch nicht.

Ich beobachtete das Wasser weiter. Der Wall raste inzwischen auf das Ufer zu und sofort wurde mir bewusst, warum. Bowtruckle schreien in einer für Menschen unhörbaren Frequenz, die aber von vielen Tierwesen gehört werden können. Meine Hand wandert zu meinem Zauberstab, doch zu spät. Es ist wirklich ein riesiges Kelpie, dessen Vorderläufe sich bereits in den Sand wenige Meter vor dem Elderbaum rammten. Lily erschrank, doch sie blieb stehen. Ich zögerte nicht und überbrückte die kurze Distanz zwischen uns. Ich packte sie an den Schultern.
“Hey”, rief sie, doch ich ignorierte sie. Ich ignorierte auch ihre Tritte. Ich zog sie zur Seite hinter den Fels.
“Sev”, flüsterte sie in meinen Armen. Sie hatte mich also endlich erkannt. Ich blickte über das Gestein und sah, dass der Baum entwurzelt dalag. Das Kelpie war verschwunden, eine Spur wie von einem Pflug blieb zurück. Die Bowtruckle sprangen aufgeregt umher.
“Warum hast du das getan? Du hättest sterben können, bei dem Versuch mich zu retten.”
“Das würde niemanden interessieren, Lily”, antworte ich und habe sie noch immer in meinen Armen.
“Das stimmt bestimmt nicht, Sev. Ich danke dir.” Ich sah, wie sich ihr Mund weiter bewegte, doch anscheinend wusste sie nicht, was sie sagen sollte.
“Ich würde es immer wieder tun, Lily. Das weißt du.”
“Weiß ich das? Ich bin doch ein Schlammblut”, sagte sie und versuchte sich zu befreien. Ich schaute sie direkt an und ließ los.
“Du solltest dich nicht so nennen. Du bist noch immer der wichtigste Mensch für mich”, flüsterte ich kaum hörbar.
“Ist das so?”
Das war eine gute Frage. “Es war immer so und bleibt immer so. Egal was passiert.”
“Das ist eine Ehre für mich. Bin ich also das einzige Schlammblut in der neuen Weltordnung, dass nicht in Gefahr sein wird?”
“Kannst du mir verzeihen?”, ich ignorierte ihre Spitze.
“Wie soll das gehen? Du wirst dich von deinen Todesserfreunden nicht abwenden und ich kann damit nicht klarkommen.”
“Ein Vorschlag, in Ordnung?”, sagte ich und sie nickte. “Wir lassen Politik und Weltanschauung aus unserer Freundschaft heraus und versuchen uns wieder anzunähern?”
“Du meinst also, wir ignorieren was wir am anderen hassen und tun so als wäre nichts?”
“So in etwa”, sagte ich und lächelte. Zum ersten Mal seit Monaten sah ich ein Lächeln von ihr für mich.
“Wir versuchen es, doch irgendwann werden wir beide an den Punkt kommen, wo wir uns entscheiden müssen für welche Seite wir sind. Ich hoffe, du stehst dann auf meiner Seite, Sev. Danke, dass du mir mein Leben gerettet hast.”

Mit diesen Worten stand sie auf und entfernte sich von mir. Ich blieb sitzen und ihre Worte klangen Silbe für Silbe nach. Konnte sie recht haben?


Ich merke, wie ich mein Bewusstsein zurück erlange und ich öffne meine Augen. Ich bin im Manor der Malfoys und ich erkenne die Uhr über der Tür. Unter ihr stehen Lucius und Travers.
“Es sind also die Potters? Gut so, dieses Pack wird uns nicht mehr die Blutlinien beschmutzen”, sagt Travers und Lucius nickt.
“Lass uns gehen, der Lord verlangt nach uns.”

Die Erinnerung an den Kampf vor dem Hauptquatier des Orden des Phönix fällt mir wieder ein. Ich musste das Manor und dessen Schutzzauber verlassen haben und direkt nach London appariert sein. Ich kenne nun den Grund, warum ich hier liege. Ich wollte mit den Ordensmitgliedern sprechen und diese Trottel hetzten mir Flüche auf den Hals.
Mir wird mit einem Mal klar, was ich getan habe. Was hatte ich nur getan? Ich belauschte einen Teil der Prophezeiung und lieferte sie beim dunklen Lord ab. Er musste nun erkannt haben, wer diese Gefahr für ihn sein würde. Es würde das Kind von Lily sein. Sofort klangen mir ihre Worte in den Ohren “wir beide an den Punkt kommen, wo wir uns entscheiden müssen für welche Seite wir sind. Ich hoffe, du stehst dann auf meiner Seite, Sev.” Und ich weiß, auf welcher Seite ich stehen will. Ihre. Ich stehe auf. Ich wundere mich, dass meine Bein mich tragen. Ich blicke mich um. Die Zaubertränke, die die beiden mir hätten geben sollen, stehen noch immer auf einem kleinen Beistelltisch. Wackelig trete ich an den Tisch heran. Ich zögere nicht und schlinge den Inhalt der drei Flaschen nacheinander in einem Rutsch herunter. Ich merke, wie sich in mir eine wohlige Wärme ausbreitet.

Ich verlasse das Zimmer und laufe zu Lucius, der in der Eingangshalle steht.
“Du bist wach? Gut siehst du aus. Haben die Tränke also doch etwas gebracht”, sagt er und ich lasse mir nicht anmerken, dass ich genau weiß, dass er sie nicht regelmäßig verabreicht hat. Offenbar hat er es vergessen oder andere Dinge sind ihm wichtiger.
“Ja, danke für die gute Pflege. Ich gehe jetzt nach Hause.” Lucius nickt mir zu und ich mache mich auf den Weg. Es wird Zeit. An der Garderobe sehe ich das heutige Datum auf dem Tagespropheten. Ich habe zwei Tage verloren. Zum Glück nicht mehr, freue ich mich innerlich. Ein Bild von Dumbledore ist auf der Titelseite zu erkennen und ich weiß, zu welchem Zauberer ich nun muss. Wenn der dunkle Lord seine Wahl getroffen hatte, würde es nicht mehr lange dauern und er würde zuschlagen. Lily muss bis dahin in Sicherheit sein.

Ich erscheine aus dem Nichts auf dem großen Hügel. Unter mir sehe ich den schwarzen See und Hogwarts. Ich zaubere einen Patronus, das einzige, was mich von den Anhängern des dunklen Lords unterscheidet. Ich spreche meine Botschaft und scheuche die Hirschkuh zu Dumbledore. Als gute Kraft kann der Patronus die Schutzzauber der Schule mühelos durchbrechen und ich sehe sie durch das Turmfenster des Direktors gleiten.

Es dauert fünf Minuten bis neben mir der weißhaarige Zauberer in einem violetten Umhang erscheint.
“Severus! Es überrascht mich Sie zu sehen. Wie geht es Ihnen?”, fragt der Alte mich und seine durchdringenden blauen Augen bohren sich förmlich in meinen Kopf. Erst jetzt wird mir klar, dass er so immer seine Schüler durchschaute, dich mein Geist ist verschlossen genug. Er wird nichts erkennen.
“Wir haben keine Zeit für den Austausch von Nettigkeiten, Schulleiter. Der dunkle Lord kennt die Prophezeihung und er wird Lilys Sohn suchen. Damit ist Lily in Gefahr. Bitte schützen Sie sie. Tun Sie alles, um sie zu schützen. Bitte”, flehe ich Dumbledore an. Er schaut mich wieder an und ich lasse ihn in meinen Kopf. Ich zeige ihm, wie ich ihn und die alte Schreckschraube im Eberkopf belauscht habe. Er sieht meinen Bericht an Voldemort und ich zeige ihm eine der Erinnerungen an Lily vor Hogwarts. “Sie sehen, es ist dringend.”
“Sie sind bereits in Sicherheit. Sie sind untergetaucht. Sie brauchen mir nicht zu zeigen, wie sehr Sie sie mochten. Sie haben die dunkle Seite gewählt und ich kann Ihnen nicht mehr helfen.”
“Sie verstehen nicht! Sie sind nicht sicher, da der Geheimniswahrer sie verraten wird. Er weiß wo sie wohnen. Sie werden in ihrem Haus in Godrics Hollow nicht sicher sein.”

Ich sehe wie seine Mundwinkel zucken. Ich hatte offenbar etwas gesagt, dass ich nicht wissen sollte und ihn so überzeugt. Er atmete tief durch.
“Severus, woher wissen Sie das? Das kann nicht sein. Wir waren uns so sicher.”
“Freunde tauschen manchmal die Seiten, Sir, und stehen auf der Falschen. Können Sie Lily schützen? Ich mache alles dafür.” Ich lasse meinen Zauberstab fallen, um zu signalisieren, dass ich wirklich alles tun würde. Diese alte Geste versteht Dumbledore sofort.
“Sie müssen Lily sehr lieben. Es wundert mich, dass Sie einen Patronus beschwören können. Wer hat es Ihnen beigebracht?”

Ich blicke verdutzt zu Dumbledore. Dieser Themenwechsel überrascht mich.
“Lily hat es mir im vierten Jahr beigebracht. Sie sagte immer, es ist ein Zeichen dafür, dass ich noch eine Wahl habe. Eine Wahl die Seiten zu wechseln, solange ich den Patronus beschwören kann. Und das tue ich hier gerade.”
“Ich verstehe. Ich werde etwas dafür von Ihnen verlangen, Severus. Ich brauche einen Doppelagenten in Toms reihen. Ihnen muss klar sein, dass ich Sie nicht schützen kann. Wenn Sie auffliegen, sterben Sie.”
Ohne zu zögern willige ich ein. Ohne ein weiteres Wort verschwindet Dumbledore und mir bleibt in der Kälte der schottischen Highlands nur das Abwarten. Hoffentlich schafft er es.
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