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Somewhere Only We Know

Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12 / Het
26.04.2022
24.07.2022
30
75.012
10
Alle Kapitel
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28.06.2022 3.264
 
Durchnässt kamen wir im Apartment an. Neben unzähligen Handtüchern brachte Valen einige Pullover und Sweatshirtjacken in den Eingangsbereich. Ich sah auf die riesige Auswahl und meine Haare tropften den Boden voll.
„Für dich!“, sagte Valen und hielt mir einen Hoodie unter die Nase. Ich nahm das Kleidungsstück entgegen, drückte es gegen meine Brust und hielt mit der anderen Hand das Handtuch auf meinem Kopf fest.  
Unschlüssig sah ich auf den Pulli und die Pfütze, die sich zu meinen Füßen bildete.
„Zieh dich ruhig um. Wir können gleich noch etwas Essen, wenn du magst“, sagte er und hatte meinen Blick sofort verstanden.
„Danke“, murmelte ich, noch immer etwas verwirrt von den Augenblicken davor.
Umständlich lief ich um ihn herum, versuchte Distanz zu bewahren und fand mich wenige Sekunden später in meinem Zimmer wieder.
Leicht zitternd warf ich das Handtuch auf das Bett, meine Schuhe, die ich anbehalten hatte, pfefferte ich in die nächste Ecke und befand mich innerlich vor einem großen Nervenzusammenbruch. Ob ich zitterte, weil meine Körpertemperatur bei 34 Grad lag oder gedanklich in der Hölle brannte, war noch ein Rätsel.
Ich ermahnte mich zu gleichmäßigen Atemzügen, kam mir aber vor wie eine Frau in den Wehen und schmiss mich, mit dem Bauch zuerst, auf das Bett. Erst jetzt stellte ich fest, dass es unglaublich bequem war und nur Vollidioten auf Sofas schliefen.
Das Gesicht ins Kissen gepresst, redete ich gegen die Daunen und hörte meine Stimme dumpf in meinen eigenen Ohren.
„In was habe ich mich da verrannt? In WAS? Und warum bin ich überhaupt gerannt?“, fragte ich mich selbst und wurde gegen Ende lauter, doch das Kissen fing alles ab.
Ich atmete noch dreimal gegen das bereits nasse Kissen und stand wieder auf. Das Handtuch vom Kopf ziehend suchte ich nach trockener Kleidung und entschied mich neben Jogginghose für den grade erhaltenen Hoodie. Die nassen Haare steckte ich in einen lockeren Dutt und zog regenbogenfarbene Plüschsocken an, für die ich oftmals ausgelacht wurde, aber die mich trotzdem ständig begleiteten.
Etwas verloren saß ich auf dem großen weichen Bett und vergrub mein Gesicht in den Händen. Wenn ich doch nur über meinen Schatten springen könnte, wenn ich einfach etwas mehr aus mir rauskommen könnte. Warum musste ich selbst jetzt alles infrage stellen? Die Sache hier war aufregend und mehr wert, als dass es nur als Sache bezeichnet werden würde. Ich steckte tiefer drin als ich wollte und zugegeben, gefiel mir neben der Wohnung, dem Flug und dem Urlaub eine Person wahrscheinlich mehr, als ich jemals zugeben würde. Wer würde auch sonst tausende Kilometer weit fliegen? Und warum hatte er mich nicht bei dem Rennen gewinnen lassen? Ich massierte meine Schläfen und ließ meine Gedanken eine Ehrenrunde drehen.

Ohne großen Lärm zu machen, schlich ich die Treppe nach unten und konnte Valen nicht vorfinden.
Vielleicht hatte er sich ebenfalls für trockene Klamotten oder eine heiße Dusche entschieden. Von einem auf den anderen Fuß hampelnd stand ich nutzlos im Weg herum und begutachtete die gut ausgestattete Küche.
Vorsichtig öffnete ich ein paar der Schränke und inspizierte die Inhalte. Dafür dass hier scheinbar nie gekocht wurde, war die Küche definitiv mit Grundnahrungsmitteln ausgestattet. Auch die Geräte waren vom allerfeinsten und wirkten wie neu.
Ich durchsuchte die Schränke weiter und fand schließlich eine Pfanne, die sich in einem imposanten Eckschrank befand.
Neben der Pfanne stellte ich Mehl, Eier, Zucker und Öl auf die Arbeitsplatte gefolgt von Milch und meinem Gehirn, welche sich dunkel an das Rezept von stinknormalen Pfannkuchen erinnern konnte.
Die Pfannkuchen die ich hier heute Morgen gegessen hatte in aller Ehre, aber so ein Pfannkuchen mit einer dicken Schicht Apfelmus oder Nutella, war einfach unverbesserlich. Und wenn man ganz unbedingt wollte, konnte man sie ja auch mit Käse oder Salami belegen.
Ich vermengte die Zutaten getreu dem Motto, solange die Konsistenz passt, wird der Teig auch gut und erhitzte etwas Öl in der Pfanne.

Ich wendete den dritten Pfannkuchen als Valen am Treppenabsatz stand und mich mit großen Augen ansah. Ich bemerkte ihn erst nicht, da ich unbedingt heile Pfannkuchen wollte, ohne Löcher und Risse, keine schwarzen Stellen, sondern Perfektion im Kuchen. Perfektion, die jeder suchte, aber kaum jemand fand.
Während die Pfanne vor sich hin backte, wartete ich und zeichnete Muster auf die Arbeitsplatte bis das Gefühl, dass mich jemand beobachtete unangenehm wurde. Eigentlich wollte ich mich umdrehen, doch ehe ich das tun konnte, spürte ich zaghafte Hände um meine Körpermitte.
Ich erstarrte in der Bewegung und war bereit den Pfannkuchen sowas von anbrennen zu lassen. Vielleicht war ich sogar bereit das Atmen aufzugeben. Zogen Menschen, wenn sie das Gefühl hatten zu erfrieren nicht die Klamotten aus, weil Ihnen so heiß war?
Denn wie war eine Gänsehaut zeitgleich mit einem Schweißausbruch möglich?
Unschlüssig was ich machen sollte, kündigte sich wieder das gesunde Selbstbewusstsein an, welches irgendwo in den tiefen meines Körpers schlummerte und eher selten zum Vorschein kam - obwohl ich es in letzter Zeit schon mehrmals kennenlernen durfte.
Leicht, kaum merklich spürte ich seinen Atem in meiner Halsbeuge und bekam das Verlangen laut zu schreien oder die Augen zu schließen und mich einfach in Luft aufzulösen.
Vorsichtig drehte ich mich um, ließ so einen minimal größeren Abstand entstehen und schaute auf seinen Lippen. Ein kleines, nicht definierbares Grinsen war aufgelegt und eine Gänsehaut überzog meine Unterarme.
„Wird, dass das Abendessen?“, sagte er leise und jede Bewegung seines Gesichtes spielte sich unglaublich nah an meinem Gesicht ab, dass ich kurzzeitig überlegte in Portugiesisch zu antworten.
Ich nickte, ohne meine Augen von seinem Gesicht zu nehmen.
„Sieht interessant aus“, antwortete er.
„Etwas sehr besonderes“, fügte er hinzu und schaute mich weiter direkt an.
Meinte er die Pfannkuchen? So langsam wurden meine Beine flüssiger als der Teig und das Stehen gestaltete sich immer schwieriger. Ich setzte an um zu Antworten, ehe er eine Hand von meiner Taille löste und hinter mich griff, um den fast angebrannten Pfannkuchen zu wenden. Natürlich nicht ohne den winzigen Abstand zwischen uns komplett zu schließen. Doch so schnell es begann, umso schneller war es auch wieder vorbei.

Valen löste sich und schaute mir weiter bei der Rettung der Pfannkuchen zu. Mittlerweile war es nur noch ein Retten und Puzzeln, da ich völlig aus dem Konzept geraten war. Als war die Berührung im Regen noch nicht schon genug für mein Nervenkostüm, brachte, dass jetzt das Fass zum Überlaufen.
Und wie sollte ich mich verhalten, wenn ich mir über mich selbst gar nicht im Klaren war?

Auf große Gefühle folgt der große Fall, auf Einlassen folgt Gehen lassen und auf Freude folgt Trauer - nicht dass ich der Dr. Sommer Ratgeber gewesen bin oder zehn Beziehungen als Beispiel habe, aber eine bisherige reichte wohl, um traumatisiert zu sein.

Ich stellte meine Kunstwerke auf den kleinen Wohnzimmer Tisch und holte alles, was man irgendwie als Belag nehmen konnte dazu. Leider gab es weder Nutella noch Apfelmus - welch Wunder - stattdessen aber Milka Schokolade, die ich auf dem heißen Teig zum Schmelzen brachte.  Ich rollte den kleinen Teigklumpen zusammen und biss genussvoll hinein. Ich sollte morgen vielleicht Nutella besorgen und eine zweite Runde backen. Oder vielleicht etwas anderes? Es würde ihm sicher gefallen, wenn ich etwas kochen würden, oder? Kauend beobachtete ich Valen, der sich ebenfalls einen der zuckerigen Teigrollen mit Milka belegte und ich versank mal wieder in einer dieser endlosen Gedankenspiralen. Jeder auf dieser Welt, selbst der Papst oder Patrick Star würden souveräner in diesen Situationen handeln.

„Was ist los?“, durchbrach seine Stimme meine Gedankengänge.
Ich zuckte die Schultern und rollte den Teig fester zusammen. Verdammt, wahrscheinlich sind die Falten auf meiner Stirn plötzlich so tief geworden, dass man nachfragen musste.
„Ich beantworte die eben deine Fragen. Ja, nein, ja, definitiv ja, und definitiv nein“, sagte er kauend.
Mit hochgezogener Augenbraue schaute ich ihn an.
„Und was sind die Fragen dazu?“, fragte ich und zerriss einen neuen Pfannkuchen in kleine Fetzen.
„War es eine gute Entscheidung hierher zukommen? Sollte ich einen Flug buchen und abhauen? Kann man mich eigentlich mögen, trotz meiner Eigenarten? Oder mag er mich vielleicht mehr als ich denken kann, weil es mir verbiete, so zu denken? Ist mein Gehirn ein Totalschaden? - ich habe mir übrigens Mühe gegeben in deiner Art zu sprechen“, nannte er mir die Fragen.

Ich konnte mir das Grinsen nicht verkneifen und fragte mich erneut, wie viele Hinweise ich eigentlich noch brauchte.
Ich stellte meinen Teller zu Seite und setzte mich vom Boden auf die Couch, zog die Füße an mich ran. Valen der weiterhin rechts vor mir auf dem Boden saß, aß die letzten Bisse seines Pfannkuchens.
Ich legte meinen Kopf auf den Knien ab und beobachtete seinen Rücken, den Hinterkopf und die Oberarme.
Es wurde Zeit es mir einzugestehen. Es gab hier jemanden im Raum, den ich auf jeden Fall ein bisschen mehr mochte. Mehr als die Kinderriegel in der Schreibtischschublade auf der Arbeit, mehr als pünktlichen Feierabend und vereiste Scheiben, die sich leicht sauber kratzen ließen.
Und gleichzeitig wurde es Zeit mal den Arsch hochzubekommen.
Ich löste die linke Hand aus meiner verdrehten Art zu sitzen und legte meine Hand vorsichtig auf seinen Rücken.
Es war keine große Geste, aber ein großer Schritt für mich. Ab jetzt würde ich weniger denken - ein neuer Tag, eine neue Probe für mich selbst.
Valen bemerkte meine Hand auf seinem Rücken, drehte sich kurz zu mir, grinste und setzte sich direkt neben mich. Ohne den Höflichkeitsabstand.

Der nächste Morgen kam schneller als erwartet. Ich fand mich in dem großen Bett wieder und konnte mich nur dunkel daran erinnern wie ich hergekommen war. Nicht das Gerüchte aufkommen - es waren weder Drogen, Alkohol noch sonst irgendwelche Dinge im Spiel.
Ich streckte mich, tastete nach meinem Handy und sah nach der Uhrzeit und der Wettervorhersage für den Tag.
Der Himmel heute war klar und deutete auf einen ziemlich eisigen Tag hin. Die Bettdecke höher ziehend schickte ich ein paar Bilder an die Mädchen und überlegte, wie ich oder wir, den Tag verbringen konnten. Ich drehte mich Richtung Fenster und erhielt eine Kurznachricht von Clara.
„Wie sieht eigentlich dein Hotel aus? Schick mal ein Bild!“, schrieb sie und ich zögerte.
„Folgt später“, antwortete ich kurz, fügte einen Smiley hinzu und schickte ein Bild von meinen Füßen, die aus der Bettdecke schauten - ohne etwas vom Hintergrund zu zeigen.

Das Bett, die Aussicht, das Apartment - leider war alles viel zu schön und ich wollte mich besser nicht zu sehr an etwas gewöhnen, was nur von kurzer Dauer sein sollte.
Ich setzte mich im Bett auf und steckte mein Handy an das Ladegerät, als es leise an meiner Tür klopfte.
„Ja?“, sagte ich lauter als nötig und zog meine Füße unter die Bettdecke.

Valen schaute durch einen Türspalt und öffnete dann die Tür, sodass er eintreten konnte.
Er trug eine blaue Jeans und ein weißes Hemd - er sah elegant aus, ohne das es zwanghaft wirkte.
„Wie geht es dir?“, fragte er während er eintrat und setzt sich auf die Bettkante.
„Sehr gut“, antwortete ich wahrheitsgemäß und war leicht erschrocken, über die Freude, die in meiner Stimme mitschwang.  
Er grinste und sah auf seine imposante silberne Armbanduhr, die ein wenig unter dem Hemdsärmel zum Vorschein kam.
„Musst du weg?“, fragte ich und schaute sein Outfit nochmal prüfend an.
Er nickte gequält und rieb sich kurz die Augen.
„Ich habe einen Termin. Bin wahrscheinlich erst gegen Abend zurück“, sagte er und schaute mich dabei nicht direkt an. „Wenn es möglich gewesen wäre, hätte ich es verschoben. Es ist erst dein zweiter richtiger Tag hier“, erklärte er sich und schaute mich schließlich entschuldigend an.
Die Szene hatte etwas von einem schlechten Film aus den 80ern, war aber gleichzeitig etwas süß.
„Das ist wirklich kein Problem“, antwortete ich und meinte es auch so. Zeit mit mir allein zu verbringen war eins meiner geringsten Probleme, obwohl die Umstände hier natürlich andere waren. Und um ehrlich zu sein, hätte ich in dem Fall auch nichts dagegen, wenn er keinen Termin hätte. Vielleicht war ich auch etwas trauriger, als ich zugeben würde. Eventuell redete ich mir meine Coolness nur ein.
„Wirklich?“, fragte er misstrauisch und griff nach dem Zipfel meiner Bettdecke.
„Um ehrlich zu sein, wäre es schöner, wenn wir etwas zusammen unternehmen könnten. Aber es ist kein Problem“, sagte ich erneut.
Er nickte und strich sich erneut Haare aus dem Gesicht.
„Was ist das für ein Termin?“, fragte ich interessiert und wippte in einem undefinierbaren Takt mit meinem Fuß unter der Decke.
„Heute nichts besonderes - eher langweilig“
„Musst du tanzen? Oder lustige Kostüme anziehen?“, fragte ich amüsiert und stellte es mir witziger vor, als es für ihn vielleicht ist.
Er lachte verächtlich und stopfte den Zipfel der Bettdecke in den Bettkasten.
„Heute nicht“, antwortete er, doch ein Stück der Leichtigkeit war verschwunden.
„Na gut“, gab ich zurück und hatte verstanden, das die Arbeit heute vielleicht nicht sein Lieblingsthema werden würde. „Geht es dir denn gut?“, fügte ich hastig noch eine Frage hinzu.
Mit starrem Blick sah er mich an. Er wirkte so, als sei er gedanklich gar nicht mehr bei mir, sondern bei seinem Termin oder irgendwo anders. Nur langsam wurde sein Blick klarer und fand meine Augen.
„Geht mir sehr gut. Wirklich“, antwortete er und war nun wieder so, wie ich ihn den letzten Tag erlebt hatte. Doch irgendetwas hinterließ mir ein komisches Gefühl im Magen.
„Hast du denn eine Idee was du heute machen möchtest?“
Ich überlegte kurz und wusste Hundert und kein Ding, die ich heute machen wollte. Die Überforderung wuchs mit den Möglichkeiten und mein Mund stand offen.
„Verstehe..“, bemerkte Valen und legte die Stirn in Falten ehe sich sein Gesicht wieder entspannte.

„Ich habe eine Idee, genieß den Tag - in vollen Zügen“, sagte er während er aufstand und hielt ein glänzendes Stück Plastik in der Hand, welches vorerst in der Hosentasche versteckt war.
Ich klatsche einmal kurz in die Hände und nickte und hatte zu diesem Zeitpunkt das glänzende Stück Plastik noch nicht gesehen.
„Nimm die hier“, fügte er hinzu und hielt mir das Stück Plastik vor mein Gesicht.
„Was ist das?“, fragte ich und roch dran, weil er es mir direkt vor die Nase hielt.
Er lachte kurz auf und fächerte mir etwas Luft zu.
„Eine Kreditkarte?“, entgegnete er mir und zog eine Augenbraue hoch.
„Und was soll ich damit machen?“, antwortete ich ebenfalls mit einer Frage.
„Dinge bezahlen?“
„Wusstest du eigentlich, dass ich Geld habe? Also wahrscheinlich nicht in dem Ausmaß wie du es besitzt, aber ein bisschen habe ich. Für einen Kaffee draußen und einen Snack reicht es“, erklärte ich nur leicht gekränkt. Vielleicht war gekränkt der falsche Ausdruck - aber da ich sowieso schon komplett auf seine Kosten Urlaub machte, wollte ich jetzt nicht auch noch seine Kreditkarte benutzen.
„Weiß ich - und du arbeitest stundenlang für dein Geld am Flughafen und schlägst dich mit Eindringlingen rum, die deinen Schreibtisch verwüsten. Also - nimm die Karte und gönn‘ dir etwas. Ich fühlte mich schlecht genug das ich heute keine Zeit habe“, erklärte er weiter und ich schielte weiter auf die Karte, die immer noch in gleicher Höhe vor meinem Gesicht hing.
„Was passiert, wenn ich ablehne?“, startete ich noch einen letzten Versuch.
Seufzend zuckte er die Schultern und war im Inbegriff aufzugeben. Doch kurz bevor er die Karte runterließ griff ich danach und legte sie auf den Nachtschrank.
Krasse Pretty Woman Vibes tanzten durch meinen Körper und ich dachte panisch darüber nach, ob ich meine Kleidung freizügiger wählen sollte oder eine Perücke brauchte.
„War gar nicht so schwer, oder?“
Ich seufzte und zuckte die Schultern um ihn zu imitieren. Er lachte erneut über meine schauspielerische Leistung und setzte sich wieder auf die Bettkante.
„Ich muss jetzt los“, sprach er erneut seinen Aufbruch in leiser Tonlage an und strich mir eine Haarsträhne aus den Augen.
So wie meine Haare zu allen Seiten abstehen mussten, könnte er mir wahrscheinlich direkt den Kopf rasieren.
„Dann bis später“, sagte ich seiner Tonlage angepasst und wartete darauf, dass er aufstand und ging. Doch da wir scheinbar gern mal das taten, was keiner erwartete, beugte er sich stattdessen zu mir rüber. Er war nur leicht von seinem Platz auf dem Bett gewichen, sein Gesicht nur ein paar Zentimeter von meinem entfernt. Parfüm und Menthol Geruch stieg in meine Nase und die bekannte Gänsehaut zog sich über meine Unterarme, die aus der Bettdecke herausschauten.
„Bis später“, antwortete er und kurz spürte ich seine Lippen auf meiner Stirn.

Valen stand auf, strich kurz den Platz glatt, auf dem er soeben noch gesessen hatte und ging Richtung Tür.
„Meld dich, wenn etwas sein sollte“, waren die letzten Worte, ehe er die Tür verließ und hinter sich schloss.
Ich wartete ein paar Anstandssekunden ehe ich wild strampelnd die Bettdecke von mir wegtrat und aus dem Bett sprang.

Auf Socken eierte ich Richtung Badezimmer und putzte mir zu der Musik von KT Tunstall die Zähne.
„And i feeeeeel like walking the world, like walking the wooooorld“, summte ich und kramte nach einer heißen Dusche die Klamotten für den Tag aus meinem Koffer. Ich war bereiter als bereit und irgendwie auch gar nicht.

Eiliger als erlaubt verließ ich den Komplex, schmiss die Tür hinter mir in Schloss und war verlorener als gedacht.

Ich lief von einem Kleidungsgeschäft zum nächsten, stellte oftmals fest, dass vielleicht ein Oberschenkel reinpassen würde und ging weiter. Auch wenn Kleidung kaufen nicht das befriedigendste war, war es aufregend genug die Menschen anzuschauen. Mode wurde hier anders geschrieben und vieles sah einfacher schöner aus als bei uns. Es machte den Eindruck als würde hier viel mehr wert darauf gelegt werden, wie etwas aussieht. Jeder Laden war perfekt auf ein Thema abgestimmt und jeder Store hätte einen eigenen Instagram Account verdient. Ab und zu spürte ich hinterfragende Blicke auf mir, doch die waren nicht häufiger oder nerviger als in Deutschland. Manchmal sogar bewundernder.

Ich hatte weder große Ahnung wo ich war, noch wie ich hierhergekommen war. Von den Eindrücken angetrieben, lief ich immer weiter und stand nun vor diesem Laden - von dem ich auch nicht wusste, was es eigentlich sein sollte. Immer mehr jagte mich die Frage, ob ich den Weg zurück eigentlich noch finden würde und rief mir die Möglichkeit auf, Valen anzurufen, wenn es sein musste.

Ich ging in den undefinierbaren Laden vor mir und schaute mich etwa um. Neben Klamotten gab es allerlei Deko, Haushaltsartikel und merkwürdige Skulpturen. Es wirkte wie eine Art Atelier und auch irgendwie wie ein Café. Eine Mitarbeiterin begrüßte mich freundlich in englischer Sprache und bot mir sofort ihre Hilfe an. Ich verneinte dankend und suchte nach etwas, was ich Valen mitbringen konnte. Ich hatte, Höflichkeitshalber, einen Kaffee und eine Zimtschnecke von seiner Karte bezahlt - doch sein Mitbringsel würde ich selbst bezahlen - wenn ich etwas finden würde. Die Suche gestaltete sich schwieriger, als ich dachte. Ich realisierte erneut, dass wir noch immer viel zu wenig voneinander wussten und fand schließlich etwas, was die Sache leichter gestalten würde.

Das Kartenspiel war simpel und würde vielleicht ein paar Geheimnisse ans Licht bringen.
„Was wäre wenn…?“ Oder „Würdest du eher..?“ Fragen waren einfach die besten um mehr zu erfahren und getarnt als Kartenspiel, auch nicht ganz zu offensichtlich. Ich zahlte das Spiel an der Kasse und ließ mir von der Mitarbeiterin noch den Weg zum nächsten Supermarkt erklären. Diese 24 Stunden Läden waren toll, boten aber nicht das Sortiment, was ein Supermarkt bieten konnte. Wenn ich schon eine Null in Geld ausgeben und Kreativität war, dann wollte ich wenigstens eine gescheite Spaghetti Bolognese kochen. In der Hoffnung ich würde die Zutaten finden. Und mittlerweile hatte ich eins gelernt, Zuneigung ging bei einigen Menschen definitiv durch den Magen.  


hallo und danke für meinen einen fleißigen Review Schreiber.
Ich danke dir.
Insta: @undurchsichtigesglas
Dort sind ein paar Auszüge zu finden ;)
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