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Somewhere Only We Know

Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12 / Het
26.04.2022
24.07.2022
30
75.012
10
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26.04.2022 2.909
 
Ich rutschte unruhig auf meinem Stuhl umher und schaute abwechselnd auf meine Nägel und die Uhr, die in meinem Blickfeld hing. Konnte es wirklich so schwer sein einfach die Wahrheit zu sagen?
Meine Freundinnen unterhielten sich lautstark über eine neue Fernsehserie, die keiner gesehen hatte, aber jeder bestens bewerten konnte. Ich zog die Augenbrauen zusammen und las prüfend die Rückseite der Erdbeermarmelade. Sollte ich sie einfach unterbrechen und meine Neuigkeiten platzen lassen oder als Rätsel verpacken? Die Mädchen liebten doch Escape Rooms und alles was dazu gehörte.
Meine Hände wurden langsam klamm und umso länger ich nachdachte desto größer wurde der Kloß in meinem Hals.
Wir saßen seit drei Stunden am Frühstückstisch, kippten Kaffee in uns rein und genossen den Sonntag. Der einzige Tag der Woche, in dem die Zeit langsamer verging aber ständig mit erhobenen Finger hinter einem stand um zu sagen dass bald Montag ist.
„Noch einen Kaffee?“, fragte Clara und griff nach meiner Tasse.
„Ne - ich…“, stotterte ich, blinzelte kurz und fing erneut an. „Ihr wollt doch nicht dass ich direkt einen Herzinfarkt bekomme.“, sagte ich lachend, wohl wissend das der Infarkt und das Ende der sorglosen Freundschaft noch bevorstand.
Sie grinste und stellte meine Tasse ab, sortierte die diversen Käse Verpackungen nach Größe.
Ich musste gleich mit der Sprache rausrücken. Die Zeit schritt immer weiter voran und unsere Wege mussten sich bald trennen - das alltägliche Leben rief wieder - aber ob meins noch so alltäglich war?
Die drei brachen grade in großes Gelächter über irgendein Video im Internet aus, als ich einfach drauf los sprach.
„Stopp!“, rief ich, lauter und forscher als gewollt.
Drei Augenpaare richteten sich auf mich und sahen mich verwirrt an.
„Ist alles in Ordnung?“, fragte Clara und nahm einer der Wasserflaschen um mein Glas aufzufüllen.
„Ich muss euch was sagen…“
Nervös zog ich meine Pulloverärmel über meinen Daumen und verfluchte mich innerlich. Ich versuchte den Kloß in meinem Hals runterzuschlucken, doch je mehr ich schluckte umso größer wurde der Widerstand in meinem Hals.
Die Geräusche des immer noch laufenden Videos im Hintergrund wurden lauter und setzten mich immer weiter unter Druck - selbst die aufsteigende Kohlensäure in meinem Wasserglas drohte mein Trommelfell zum Platzen zu bringen. Ein nervliches Wrack ohne Aussicht auf Besserung.

„Jetzt sag schon!“, forderte Nika mich auf und griff nach einem Stück Schlangengurke. „Oder sollen wir raten? Schwanger bist du nicht, Heiraten kann es auch nicht sein - wanderst du aus?“, fragte sie und zog Ihre Augenbrauen in die Luft, konnte ihre Belustigung kaum verbergen.
Ich schüttelte den Kopf und räusperte mich. Es war kein Geheimnis dass ich der größte Schisser war, wenn es um Verreisen oder „Neues“ ging.
Schon vor Klassenfahrten damals konnte ich wochenlang nicht richtig schlafen, weil ich jedes Szenario in meinem Kopf durchgehen musste. Ich war die Person, die vier Unterhosen mehr als Urlaubstage einpackte und immer noch unsicher war, ob es ausreichte. Ich war die Person, die mehr Taschengeld mithatte, als im Schreiben an die Eltern angegeben war. Ich hatte alles geplant und das schon immer.

Langsam schaute ich von meinen Händen auf, straffte meine Schultern und sah einmal in die Runde und entschied mich, die Sache anders anzugehen.
„Na ja, ich sag mal so - ich habe eine Überraschung für euch geplant…“, sagte ich gespielt geheimnisvoll und ging den kurzzeitig entstandenen Plan noch einmal in meinem Kopf durch. Ob es gut gehen würde stand auf einem anderen Blatt.
„Eine Überraschung?“, hinterfragte Sofia misstrauisch und sah mich prüfend an. „Dein Blick ist komisch!“, stellte sie fest und steckte sich eine ihrer rosa Haarsträhnen hinters Ohr.
„Wie auch immer“, fuhr ich fort „Samstag in drei Wochen? Habt Ihr da schon etwas vor?“, erkundige ich mich beiläufig und schaute in den Kalendar meines Handys, ohne richtig zu schauen.
Der Termin stand schon lang fest - seit Monaten stand er in meinem Kalendar und wartete nur darauf stattzufinden - auch wenn ich den ursprünglichen Plan soeben verworfen hatte.

Der 15. Mai sollte der Tag werden, an dem endlich viele Heimlichkeiten endeten. Seit Monaten lebte ich zwei Leben. Über mein zweites Leben wusste nur mein Arbeitskollege Mario Bescheid - und das war auch besser so.
Selbst meiner Schwester hatte ich nichts gesagt, nicht weil ich ihr nicht vertraute, sondern weil ihr Freund die größte Plaudertasche war, die ich kannte.
Auch sie sollte endlich in die heimlichen Machenschaften eingeweiht werden.

„Also in meinem Kalendar steht nichts, allerdings ist mein Freund an dem Wochenende hier und…“, erklärte Clara und putzte ein paar imaginäre Brötchenkrümel vom Tisch.
„Bring ihn mit!“, sagte ich entschlossen, „das gilt auch für euch, also…“, fuhr ich fort und deutete mit ausgestreckter Hand auf Nika.
„War klar“, erwiderte Sofia und nagte an Ihrer bunten Perlenkette, die sie um den Hals trug. „Ich komm alleine - der ewige Single - neben dir, Juna“, fügte sie grinsend hinzu.
Ich lächelte kurz und eine erneute Welle der Panik überkam mich. In was hatte ich mich nur verrannt und wieso bin ich nicht rechtzeitig aus dem brennenden Auto gesprungen?
„Wir haben also alle Zeit…“, sprudelte es aus Nika hervor und sie sah mich abwartend an. „Was ist denn die Überraschung?“, stocherte sie weiter, wissend das es mir schwer fallen würde etwas für mich zu behalten und betonte das Wort Überraschung extra langsam. Aber diesmal war es anders…
„Ich kann nicht viel sagen, aber ich würde mich freuen euch Samstag Nachmittag zu treffen. Zu einer kleinen - Party?“, stammelte ich und wurde gegen Ende des Satzes leiser.
„Eine Party?“, fragte Clara und verschluckte sich fast. „Du und eine Party?“, ergänzte sie und ihre Augen weiteten sich noch ein Stück.
„Ich weiß…“, seufzte ich und nippte kurz an meinem Wasser. „Freut euch doch! Ich springe endlich über meinen Schatten und überrasche euch auch noch!“, sagte ich euphorisch und mied den Blick der Mädchen, fummelte nervös an dem kleinen Faden, der an meinem Pullover abstand.
Ob sie vielleicht etwas ahnten?
„Ich hab Bock“, sagte Sofia und grinste mit der Aussicht auf einen weiteren Mädchentrip.
Ich lachte erleichtert und war gleichzeitig nervöser als vor den Bundesjugendspielen, denn die hatten mir schon so einige schlaflose Nächte bereitet.

Sofia war so leicht. Sie nahm die Abenteuer wie sie ihr entgegen traten und freute sich über jede Kleinigkeit, genau wie Nika. Der große Unterschied der Beiden war, dass Nika ab und zu mehr hinterfragte. Clara war mir ähnlicher, sie durchdachte jede Entscheidung drei Mal nur um dann wieder von vorn anzufangen. Alles in allem waren wir eine gute Gruppe. Niemand lies den anderen hängen, den anderen zu unterstützen wurde groß geschrieben, selbst wenn es der größte Schwachsinn war. Ich konnte glücklich sein diese Freundinnen gefunden zu haben - aber würde das nach meiner monatelangen Lüge immer noch so sein? Sollen sie vorher etwas rausfinden, könnte ich meinen Kopf als nächsten Apfel zum Schuss freigeben.
Ich seufzte lauter als erwartet und goss mir die vierte Tasse Kaffee ein. Ich spürte mein Herz deutlich klopfend überall im Körper sowie Claras Blick auf mir und schaute angestrengt in die andere Richtung.
„Juna, ich rieche das etwas nicht stimmt“, stellte sie fest und hatte diesen energischen Unterton in der Stimme.
„Es ist alles in Ordnung, aber ihr müsst mit etwas versprechen - okay?“
Ich vernahm einstimmiges Gemurmel und schaute einmal in alle Gesichter.
„Egal was passiert - seid bitte nicht sauer…“
„Ach, niemals!“, ergriff Sofia das Wort und erhob Ihre Kaffeetasse zum anstoßen. Clara und Nika folgten ohne lange nachzudenken.
Kurz aber kräftig stießen wir mit unseren Tassen an, wobei sich einige Tropfen auf den Tisch verirrten. Für einen kurzen Moment sahen die Tropfen aus wie Tränen, nicht schlüssig ob es welche der Freude oder der Trauer waren. Theatralischer als gewollte atmete ich aus und versuchte im Kaffeesatz mein Schicksal zu lesen und scheiterte.
Einerseits war ich erleichtert dass keine weiteren Rückfragen gestellt wurden, auf der anderen Seite hätte ich mir gewünscht dass sie mir tausend Fragen stellten - einfach um die Last nicht mehr mit mir rumtragen zu müssen.
Nur leider war das nicht meine alleinige Entscheidung. Neben Verträgen und Geheimhaltungserklärungen hingen auch noch ein paar private Versprechen und Menschen mit drin - darunter ein ganz Besonderer.

„Wir müssen langsam los“, bemerkte Nika und streckte sich sitzend auf ihrem Stuhl „Gar kein Bock!“, fügte sie hinzu und griff nach Ihrem Handy.
„Habt Ihr eigentlich schon das neue Musikvideo von Clouded Glass gesehen?“, fragte Clara und schaute erwartungsvoll in die Runde.
„Ich hoffe die Frage ist rhetorisch gemeint“, antwortete Sofia lachend und stand auf. „Wenn es möglich gewesen wäre, hätte ich in dem Video eine Rolle übernommen!“, beendete sie ihren Satz und tanzte zu einer unbekannten Melodie. Nach erfolgreicher Tanzeinlage stopfte sie ihre Bettwäsche in eine viel zu kleine Tasche und suchte zwischen den Sofakissen einen ihrer Ohrringe.
„Soll ich noch ein bisschen für euch twerken?“, erkundigte sie sich nachdem sie fündig geworden war und streckte ihren Hintern Richtung Frühstückstisch.
Es antwortete niemand und enttäuscht lies sie sich erneut aufs Sofa fallen.
Es war zu einer kleinen Routine geworden. Alle zwei oder drei Monate trafen wir uns, übernachteten beieinander, blieben bis spät in die Nacht wach und schauten Youtube Videos über Essen. Sofia und Nika wohnten circa zwei Stunden entfernt, eigentlich keine große Entfernung wenn man mit dem Auto fuhr, aber irgendwie hing jeder doch so in seinem Leben fest, dass es nicht öfter klappte. Umso besonderer war es, dass der Samstag in drei Woche für keine ein Problem zu sein schien.

„Schickst du uns nochmal die Daten für Samstag?“, fragte Nika und fing ebenfalls an ihre Sachen in Taschen zu packen.
„Na klar“, sagte ich möglichst gelassen und lehnte mich gegen den Türrahmen. Neben dem fehlenden Schlaf der letzten Nacht machte mir auch die ganze Situation immer mehr zu schaffen. Das leichte Pochen in meinem Kopf kündigte Kopfschmerzen und das Verlangen nach Ibuprofen und literweise Wasser an.

Die Reisetaschen füllten sich immer mehr und die Luft roch langsam nach Aufbruch. Ich suchte meinen Kram zusammen, der sich zum Glück in Grenzen hielt und zog meinen Hoodie über. Meinen Hoodie - der mir gar nicht gehörte aber mein treuer Begleiter geworden war.
„Schöne Jacke.“, bemerkte Clara und strich über den Gummizug. „Könnte schwören, dass der mir bekannt vorkommt“, scherzte sie und schüttelte den Kopf.
„Woher hast du den?“, fragte Nika und stand dabei schon in der Tür.
„Ach der? Der ist schon alt.“, log ich und sah gradewegs auf die Tür. Hoffentlich bemerkte keiner die Röte meiner Wangen und den Wasserfall, der sich auf meinem Rücken bildete. Ich würde in die Hölle kommen und langsam, schmerzvoll und mit Publikum verbrennen.
„Bei deinem Kleiderschrank wundert mich gar nichts mehr“, witzelte Nika und wippte von einem Bein auf das andere. „Sofia? Können wir jetzt los? Wenn du noch länger brauchst muss ich auf jeden Fall an einer Raststätte zur Toilette!“, rief sie durch den Flur und schulterte ihre Reisetasche erneut.
Nach einer immer länger dauernden Verabschiedung liefen Nika und Sofia die Treppen nach unten. Auch ich wollte den Beiden nachlaufen, um endlich in Ruhe eine heiße Dusche nehmen zu können, als Clara mein Vorhaben unterbrach.
„Stop mal“, sagte Sie und imitierte meinen Ton am Frühstückstisch.
Verdammte Scheiße, waren die einzigen Worte, die mir in den Sinn kamen.
„Mh?“, sagte ich zögerlich und sah in das versteinerte Gesicht einer viel zu guten Freundin, die das alles nicht verdiente.
„Sag es mir!“, sagte sie fordernd und schloss die Tür vor meiner Nase. Einige meiner rotblonden Haare klemmten zwischen Tür und Rahmen und brachten meine Kopfhaut zum brennen. Ich stöhnte leicht auf und riss die Haare in der Mitte durch, sah eine kleine Strähne in der Tür klemmen.
„Du kannst mir alles sagen, das weißt du. Und wenn ich dich so angucke, wundert es mich wenig, dass du nicht bereits auf den Tisch gekotzt hast“, sagte sie schnippisch und stand immer noch vor mir ohne sich einen Zentimeter zu bewegen.
Ich atmete laut aus. Ich würde ihr die Geschichte erzählen. Aber anders. Die ganze Wahrheit musste einfach noch drei Wochen warten.
„Okay - aber gib dich bitte mit dem Zufrieden was ich dir erzähle. Bitte frage nicht nach - es fällt mir schwer und würde Schwierigkeiten mit sich bringen… nicht nur für mich…“, sagte ich leise und vermutete schon zu viel gesagt zu haben.
Clara nickte und ging ins Wohnzimmer, setzte sich wie in einem Verhör auf den nächstenbesten Stuhl und starrte mich an. Ich folgte ihr und setzte mich auf meinen Stammplatz, schob die Schuhe von den Füßen, zog die Beine an und legte meinen Kopf auf den Knien ab. Ich schob meine Hände zwischen die Oberschenkel, um das leichte Zittern zu verstecken und hoffte, vielleicht vom Blitz getroffen zu werden.

„Das war so…“, begann ich und erzählte ihr meine halb-wahre Geschichte. Ich erzählte ihr die kürzeste und uninteressanteste Story, die ich zu bieten hatte, mit grade so viel Wahrheit, dass ich nicht komplett gelogen hatte.
Nachdem ich fertig war setzte sie sich aufrecht hin und atmete durch.
„Zusammenfassend“, begann sie ihren Satz, „hast du während der Arbeit einen Typen kennengelernt, willst aber nicht viel über ihn erzählen sondern lieber direkt vorstellen“, stellte sie emotionslos fest und knirschte mit den Zähnen.
„So in etwa“, sagte ich und hoffte, die Geschichte würde ankommen.
„Ach Juna, soll ich dir was sagen? Es stinkt bis zum Himmel, aber ich kenn dich. Du würdest etwas nicht tun, wenn du es nicht zu Ende gedacht hättest. Red bitte mit mir, wenn dir etwas über den Kopf wächst. Katastrophendenker und Zerdenker sollten ab und zu im Denken gestoppt werden“, erklärte sie und lachte gegen Ende des Satzes. Ich nickte zaghaft und spürte wie mein Kopf aus der Schlinge rutschte.  
„Danke“, antwortete ich leise und mit jeder Sekunde wuchs mein Fluchtinstinkt aber auch mein schlechtes Gewissen. Nach weiteren Minuten sinnloser Gespräche verabschiedeten wir uns und ich lief die fünf Stockwerke nach unten. Jede Stufe ließ meinen Puls einen Schlag höher werden und Farbe aus meinem Gesicht weichen. An meinem Auto angekommen kniete ich mir kurz hin. Das unangenehme Gefühl eines springenden Herzens kombiniert mit einem Marathon durchs Treppenhaus sowie einem Sack voll Lügen bekam mir nicht. Sollte ich mich direkt übergeben oder schaffte ich es noch nach Hause? Vielleicht hatte ich einen Tüte im Kofferraum…

Mit leicht zitternden Händen griff ich nach meinem Handy und öffnete einen der installierten Messenger. Die letzte Nachricht war eine Stunde alt.

„Hast du es ihnen gesagt?“
„Nein, drei weitere Wochen Herzrhythmusstörungen“
„Schisser!“

Ich las die letzte Nachricht grinsend und steckte mein Handy weg. Er hatte gut reden.
Sein Leben bestand aus Heimlichkeiten und Schauspielerei, jedoch mit dem großen Unterschied, dass sein engster Kreis über alles Bescheid wusste und das auch musste.
Im nächsten Moment hätte ich mir am liebsten eine Ohrfeige gegeben. Es war egoistisch von mir zu denken, dass er leicht Reden hatte. Seine Existenz hing von allem ab und ich machte mir ins Hemd, es meinen Freundinnen zu erzählen.
Müde und genervt von mir selbst fuhr ich nach Hause und freute mich innerlich diesmal nicht zwei Stunden Fahrtweg vor mir zu haben.
Meine kleine Wohnung lag im zweiten Stock eines Mehrfamilienhauses, in einer ziemlich ruhigen Gegend. Zugegebenermaßen hatte meine Wohnung nicht viel zu bieten. Das eine große Zimmer war gefüllt mit einem Bett, einer kleinen Kochnische, einem Sessel der meiner Oma hätte gehören können, Fernseher und Schrank.
Der kleine Flur war vollgestopft mit Klamotten die an jeder Tür hingen und hatte einen Abzweig ins Badezimmer. Gerne hätte ich eine größere Wohnung, ein zweites Zimmer wäre ideal, doch die fast elf Stunden auf der Arbeit täglich zerstörten die Überlegung immer wieder aufs Neue und schonten auch meine Geldbörse.
Ungern lud ich meine Freundinnen zu mir ein, ich konnte weder einen Schlafplatz noch ein Hotelfrühstück bieten, aber bisher hatte ich keine Rückweisung bekommen. Wenn ich über meine Freundinnen nachdachte, überkam mich regelmäßig eine Welle der Dankbarkeit - wie oft hatte ich es mir gewünscht endlich wo zuzugehören und hatte es durch Zufälle erreicht. Manchmal spielte das Schicksal einem doch in die Karten.
Und ich hatte nichts Besseres zu tun, als mit der größten Planierraupe darüber zu fahren. Doch umso mehr würden sich die Mädchen über meine kleine Party wundern - denn die würde nicht bei mir zu Hause stattfinden. Dafür hatte ich keinen Platz und auch keinen Nerv. Nicht weit von mir entfernt gab es einen kleinen See, der diverse Bungalows am Wegrand bereithielt. Der perfekte private Ort für kleine oder auch größere Überraschungen.
Begleitet von meinen Gedanken sah ich mich in dem kleinen Spiegel im Eingangsbereich an. Meine Haare fielen in großen Wellen bis zu meiner Brust und die unregelmäßig verteilten Sommersprossen leuchteten ohne Make Up noch stärker. Ich kniff mir in den Bauchansatz und posierte übertrieben vor dem Spiegel, zog eine Grimasse nach der anderen.
„Wie hat sich denn dieses Model hierhin verirrt?“, fragte ich mich selbst und streckte mir die Zunge raus. Ich beschwerte mich natürlich nicht über mein Aussehen, die paar Wohlfühl-Kilos und Hautunreinheiten konnte man definitiv verkraften, nur die Augenringe waren mir immer öfter ein Dorn im Auge.
Ich schmiss meine Tasche nach meiner Begutachtung auf den Sessel und mich selbst auf mein Bett. Vielleicht kurz die Augen zu machen und Schlaf nachholen. Doch die Gedanken holten mich schneller ein als ich mein Handy an das Ladekabel anschließen konnte.
Ohne entgegenzusteuern landeten meine Gedanken bei dem Tag, an dem der „Unbekannte“ und ich uns kennengelernt hatten.


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hi und schön das du hier bist.
solltest du dich in meinem Profil verwirren, wirst du eine Geschichte finden, die sehr ähnlich zu dieser ist. jedoch grundverschieden. wenn du allerdings keine kleinen hinweise erhalten willst, solltest du 'Juli, August' September' meiden.
ich freue mich, wenn du dran bleibst.
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