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Hier ist der Affe los

Kurzbeschreibung
OneshotAllgemein / P12 / Gen
Constable Benton Fraser Constable Renfield Turnbull Det. Ray Vecchio
26.04.2022
26.04.2022
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HIER IST DER AFFE LOS


Es war laut im Menschenaffenhaus im Zoo nahe Chicago. Vor den Scheiben der verschiedenen Affengehege tummelten sich zahlreiche Kinder, die mit ihren Eltern oder Grosseltern die Menschenaffen sehen wollten. Und es kamen auch ganze Schulklassen an, die den Lärmpegel für eine gewisse Zeit noch erhöhten. Jedes einzelne Kind wollte die Menschenaffen sehen und jedes einzelne Kind rief laut, was es alles entdeckte. Und die Erwachsenen waren nicht weniger neugierig. Es gab einiges zu entdecken, während die Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans ihr Ding durchzogen und sich nicht weiter von den Menschenmassen vor ihren Gehegen stören liessen. Sie waren es gewohnt, dass die Menschen sich ihre Nasen platt drückten an ihren Scheiben.

Einer dieser Menschen, war Constable Renfield Turnbull. Der seit geraumer Zeit bei den Orang-Utans stand und darüber staunte, wie geschickt diese von den Ästen das Laub abrissen, um mit dem Stöckchen dann die Rosinen aus einem Behälter zu fischen. Er fand diese Fingerfertigkeit erstaunlich und war schlicht sprachlos. Und beeindruck von der Grösse des Orang-Utan-Mannes, dessen lange Fellhaare den Boden streiften, wenn er sich von Stange zu Stange angelte. Turnbull fand den Anblick toll.

Weniger sprachlos war Ray Vecchio. Und toll fand er die Affen im Menschenaffenhaus auch nicht. „Können wir jetzt endlich gehen“, fragte Ray mit einer Stimme, der man die Ungeduld und schlechte Laune anhörte. Und er sah auffordern zu Fraser, der neben ihm stand und belustigt Turnbull beobachtete, der sich begeistern konnte wie ein kleines Kind.

Von Vecchios Frage aufgeschreckt, sah Fraser seinen Freund an. Und für einen Moment wollte es ihn belustigen, wie genervt dieser wirkte. Dann wurde Fraser klar, dass er jetzt behutsam vorgehen musste. In dieser Gemütsverfassung, wurde Ray schnell laut und könnte dann Dinge sagen, die gerade für Kinderohren nicht gedacht waren. „Du musst dich noch gedulden, Ray. Wir haben Turnbull versprochen, so lange zu bleiben, wie er will. Immerhin ist das hier sein Geburtstagsgeschenk.“

„Ich weiss, was wir versprochen haben“, kam es genervt von Ray. „Und ich weiss, dass es unsere Schuld war, dass sein eigentliches Geschenk kaputt gegangen ist. Aber ehrlich, nur weil wir aus Versehen diesen Miniatur-Zoo geschrottet haben, müssen wir nicht stundenlang die Affen angaffen. Das mit dem Miniator-Zoo war keine Absicht!“

Mit neutralem Gesichtsausdruck meinte Fraser: „Inspector Thatcher war deutlich, als sie sagte, was sie von uns erwartet, Ray.“ Und das war Thatcher. Die nicht erfreut darüber gewesen war, dass man das von ihr organisierte Geschenk zerstört hatte. Zwar ohne böse Absicht dahinter, aber unwiderruflich, da man die Miniatur nicht mehr reparieren konnte.

Die Schultern von Ray sackten bei den Worten seines besten Freundes nach unten. „Ich weiss“, meinte Ray, da er sich ebenfalls noch zu gut an die Schimpftirade erinnerte. Thatcher hatte mehr Worte in ihrem Vokabular, als er ihr zugetraut hatte. Vor allem, wenn sie wütend auf ihn und Fraser war. „Die Drachenlady war sauer, als diese verflixte Miniatur im Konsulat in tausend Teile zerbrochen ist.“ Ray hätte wissen müssen, dass er dafür noch leiden würde. „Aber als sie uns anblaffte, dass sie die Schnauze voll hat von diesem Affentanz und wir auf unsere Kosten mit Turnbull in den Zoo müssten, habe ich gedacht, dass das eine Sache von zwei Stunden wären. Für den ganzen Zoo!“ Das dachte Ray wirklich. Denn wie lange brauchte man, um durch den Zoo zu laufen, ein paar Fotos von den Tieren zu machen und dann gen Ausgang zu gehen? Für drei erwachsene Männer, sollten zwei Stunden ausreichen. Von ihm aus Drei, wenn man noch einen Besuch im Restaurant einplanen wollte. Mehr nicht. Dachte Ray. Turnbull sah das anders. Zuerst war er begeistert von den Giraffen, dann von den Elefanten und hängen geblieben sind sie dann bei den Menschenaffen. „Wir sind seit über zwei Stunden hier im Menschenaffenhaus und schauen uns das Affenvolk an, während sie fressen, schlafen und kacken. Wir latschen insgesamt seit fünf Stunden hier im Zoo herum. Ich bin hungrig, ich bin durstig und müde bin ich auch.“

„Eine Pause wäre nicht schlecht“, überlegte Fraser laut. Der langes herumstehen zwar gewohnt war, an seinem freien Tag jedoch lieber andere Dinge machte. „Fünfzig Meter von hier habe ich einen Kaffeeautomaten gesehen. Und daneben stand ein Automat mit Sandwiches. Wir könnten Turnbull dazu überreden, mit uns dorthin zu gehen. Ihm täte eine Pause gut.“

„Ich will keinen verdammten Kaffee aus einem beschissenen Kaffeeautomaten“, ärgerte sich Ray laut und deutlich. Und bekam dafür manchen strafenden Blick, von Eltern, Grosseltern und Lehrpersonen, die es nicht gern sahen, wenn Erwachsene in der Anwesenheit der Kinder fluchten. Ray ignorierte die böse Blicke und das Getuschel. Stattdessen meinte er: „Ich habe mir lange genug die Beine in den Bauch gestanden. Ich gehe jetzt ins Zoorestaurant und genehmige mir dort ein feines Steak und einen kühlen Eiskaffee. Ich habe Hunger und so putzig die Affenbabys sind, die Menschenkinder nerven. Die trampeln die ganze Zeit auf meinen Füssen herum und bei dem Geschrei wünscht man sich eine Handfeuerwaffe, damit endlich Ruhe einkehrt.“ Bei diesen Worten sah Ray demonstrativ zu den entrüsteten Eltern, die seine Worte gehört haben. „Bedauerlicherweise bin ich heute nicht im Dienst und waffenlos unterwegs.“

„Ray…“, kam es tadelnd von Fraser.

„Fang erst gar nicht an mit deinen Ermahnungen, Fraser“, reagierte Ray sofort. „Egal wie verärgert die Drachenlady ist, sie kann mir kein verspätetes Mittagessen verbieten.“ Bei diesen Worten richtete sich Ray zu seiner vollen Grösse auf und sah Fraser herausfordernd an. „Eine Mittagspause zu verweigern, ist strafbar. Als rechtschaffender Mountie, musst du mir da zustimmen.“ Und auffordernd sah Ray seinen Freund an.

Fraser wusste darauf nichts zu sagen. Ihm fiel keinen Grund ein, weshalb Inspector Thatcher einem Detective der Mordkommission das Mittagessen verbieten konnte und das noch an dessen freien Tag. Und das hatte weniger mit seiner Rechtschaffenheit, als mit der Tatsache zu tun, dass Ray als amerikanischer Staatsbürger nicht in die Zuständigkeit von Inspector Thatcher fiel.

Ray sah das Schweigen als Sieg. „Bitte, ich wusste es.“ Und mit dem Gefühl, das letzte Wort zu haben, richtete er seine Aufmerksamkeit auf Turnbull und rief diesem zu: „Constable Turnbull, reissen sie sich von sämtlichen Affenbabys und der Affenscheisse los und kommen sie mit. Wir gehen ins Restaurant essen. Von mir aus auf meine Kosten, denn ich habe Hunger. Und sollten sie sich weigern, oder sollte mir noch ein weiteres Kind auf meine Füsse trampeln, dann gehe ich nach Hause, hole dort meine Dienstwaffe aus dem Waffenschrank und zeige dann, wie gut ich hübsche Löcher in die Kleidung machen kann.“ Bei diesen Worten sah Ray demonstrativ zu den Eltern, dessen Sohn gerade auf seine Füsse getrampelt war. Ohne sich dafür zu entschuldigen. Und mit Freude sah Ray, wie die Eltern sichtlich erblassten. Und ohne ein weiteres Wort, rauschte Ray Vecchio aus dem Menschenaffenhaus. Eine fassungslose Menschenmenge zurücklassend, die anklagend Fraser und Turnbull anstarrten. Die daraufhin darauf bedacht waren, den Anschluss zu Vecchio nicht zu verlieren.

Leise fragte Turnbull beim Verlassen des Menschenaffenhauses: „Sir? Detective Vecchio weiss, dass das Abfeuern seiner Dienstwaffe ein Disziplinarverfahren nach sich ziehen würde. Vor allem, wenn er in einem Menschenaffenhaus das Feuer auf Kinder und Erwachsene eröffnen würde, nachdem er extra seine Dienstwaffe von Zuhause geholt hat.“ Ein Szenario, welches sich Turnbull nicht vorstellen wollte. Inspector Thatcher würde solch eine Entwicklung des Zoobesuches nicht gutheissen. Und erst der Papierkram, der solch einem Ereignis folgte Kein schöner Gedanke. „Kein Anwalt könnte argumentieren, dass dies aus dem Affekt heraus geschehen ist und nicht, weil Detective Vecchio das geplant hat.“ Man hörte Turnbulls Stimme seine Sorge an. Auch wenn er den Zoobesuch liebte, eine Schiesserei wollte er nicht erleben müssen.

Fraser konnte zum Glück beruhigen. Er kannte Ray gut genug, um zu wissen, wann dieser lediglich tierisch genervt war. „Keine Angst, Turnbull, Detective Vecchio ist sich der Tragweite bei solch einem Verhalten bewusst. Detective Vecchio wird lediglich unlogisch und sagt dumme Dinge, wenn er Hunger hat. Eine wirkliche Aggression ist nicht zu erwarten.“

Turnbull überlegte einen Moment, wie ein Hungergefühl zu solch einer Aussage des Detectives führen konnte. Dann begriff er. „Ich verstehe, Sir“, und bekräftigte dies mit einem Nicken. „Dann sollten wir Detective Vecchio die Möglichkeit geben zu essen, bevor wir zu den Reptilien, Vögeln und Pinguinen gehen.“ Diese Tiere wollte Turnbull noch sehen. Bei seinem strengen Dienstplan wusste er nicht, wann er wieder in den Zoo kommen konnte. Er fand es toll hier und noch besser war es, dass er nicht alleine war. Das hier war ein tolles Geburtstagsgeschenk. Aus diesem Grund strahlte Turnbull Fraser voller Freude an.

Fraser konnte sich gerade noch ein lautes Stöhnen verkneifen. Er hatte nämlich ebenfalls genug Tiere gesehen und war genug herumgestanden, während er auf Turnbull wartete. Aber als er in das strahlende Gesicht von Turnbull sah und dessen Worten lauschte, wurde Fraser klar, dass er noch nicht nach Hause konnte. Dennoch. Trotz besseren Wissens, versuchte Fraser es mit Vernunft bei Turnbull. „Wenn wir all diese Tiere noch ansehen wollen, werden wir bleiben müssen, bis der Zoo heute Abend schliesst.“

„Das wäre toll! Können wir das, Sir?“, fragte Turnbull und war ganz aufgeregt. Fast erwartete man, dass er zu hüpfen anfängt.

Nun seufzte Fraser doch laut. Gleichzeitig nickte er und meinte: „Natürlich, Turnbull. Es ist ihr Geburtstag.“ Dabei dachte sich Fraser, dass er sich im Restaurant stärken musste. Am besten mit Alkohol. Aus dieser Nummer kam er nicht mehr heraus. Und bei der Vorstellung, dass Ray toben würde wie eine Horde Affen, wenn er diese Entwicklung begriff, war der Gedanke an Alkohol noch verlockender.


ENDE




Wochen-Challenge

Kalenderwoche 17/2022: Schreibe eine Geschichte mit mindestens zehn verschiedenen »Affenworten«, zum Beispiel gaffen, Giraffe, Waffe, Affekt, Kaffee etc.

6x Menschenaffenhaus
3x Menschenaffen
3x Affen
2x Affenbabys
2x Kaffeeautomaten
2x Dienstwaffe
1x Affengehege
1x angaffen
1x Affentanz
1x Giraffe
1x Affenvolk
1x Kaffee
1x Eiskaffee
1x Handfeuerwaffe
1x waffenlos
1x rechtschaffender
1x Rechtschaffenheit
1x Affenscheisse
1x Waffenschrank
1x Affekt
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