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Eleanor Wood und der Imperatus Kristall (Jahr 2)

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Fred Weasley George Weasley Lee Jordan Oliver Wood
24.04.2022
26.05.2022
8
34.736
3
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26.05.2022 4.131
 
Die Tatsache, dass die Frau, mit der Connor Murphy sich heimlich traf, eine Vampirin war, änderte einiges. Vampire, das lasen Lee und Eleanor in der Bücherei (die Zwillinge waren fest entschlossen, sie bis zu ihrem letzten Schultag nie zu betreten), konnten uralt werden und in all ihren Jahren auf der Erde merkwürdige Besessenheiten entwickeln. Zum Beispiel gab es eine vierhundert Jahre alte Vampirin in Tschechien, die jede Münzart, die seit ihrer Geburt geprägt worden war, unbedingt mindestens ein Mal besitzen wollte. Und ein Vampir in Amerika besaß eine riesige Sammlung Plastikbecher. Vielleicht, so überlegten sie, sammelte diese Vampirin auch irgendetwas merkwürdiges, das Schüler zu Hauf besaßen. Schreibfedern vielleicht oder Spicker.

Nach einem ausnahmsweise mal wieder schönen Qudditchtraining ohne Regen, Schnee oder Sturm warteten Eleanor, Fred und George, bis Angelina und Alicia sich auf den Weg Richtung Schloss gemacht hatten, um ihre Brüder in ein Gespräch zu verwickeln.

„Also" Sagte George. „Habt ihr schon alle Weihnachtsgeschenke?"

„Klar, der Hogsmeade Besuch rettet mich jedes Mal" Lachte Charlie. „Aber ich werde euch sicher nicht verraten, was ich gekauft habe"

„Kannst du wenigstens sagen, wo du es gekauft hast?" Bettelte Fred.

„Nein, ihr müsst euch schon gedulden" Erwiderte Charlie grinsend.

„Weißt du, wo ich diese drei letztens gesehen habe?" Sagte Oliver zu Charlie.

„Nein, wo?" Fragte Charlie. „Schon wieder im verbotenen Wald? Leute, das ist echt gefährlich!"

„Wir waren nicht im verbotenen Wald!" Rief Eleanor. Zumindest nicht in der letzten Woche.

„In Hogsmeade" Erzählte Oliver. „Die haben ganz entspannt bei Zonkos eingekauft"

„Nein" Charlie sah ehrlich beeindruckt aus. „Wie habt ihr das denn gemacht?"

Fred zuckte geheimnisvoll mit den Schultern. „Berufsgeheimnis" Sagte er. „Jedenfalls haben wir uns gefragt, ob ihr wisst, wer in diesem riesigen, alten Haus abseits vom Dorf wohnt"

In Olivers und Charlies Gesicht erschien der gleiche, entsetzt-verängstigte Ausdruck.

„Da solltet ihr euch lieber von fernhalten" Sagte Oliver. „Keiner ist nahe da ran gekommen und lebend wieder aufgetaucht"

„Und das sollte kein Anreiz sein, Detektiv zu spielen" Sagte Charlie streng. „Es ist wirklich gefährlich. Ihr dürft nie dort hin gehen"

„Aber wieso?" Fragte Eleanor. „Wer wohnt denn da?"

„Niemand den ihr kennenlernen wollt" Charlie stopfte seinen dreckigen Quidditchumhang in seinen Spind und schloss ihn ab. „Ihr müsst mir versprechen, dass ihr euch von da fernhaltet"

„Aber wieso denn?" Sagte George genervt. „Je mehr ihr uns erzählt, desto weniger neugierig sind wir"

Charlie und Oliver wechselten einen Blick. „Es gibt Gerüchte, dass eine Vampirin dort lebt" Sagte Charlie schließlich. „Eine, deren Familie schon seit Jahrhunderten in diesem Haus wohnt. Sie soll sehr blutrünstig sein"

„Angeblich hat sie Kinderköpfe in ihrem Wohnzimmer hängen" Sagte Oliver. „Und wünscht sich nichts sehnlicher, als nach Hogwarts zu können, aber Dumbledore hat einen Schutzzauber gegen sie und andere Vampire eingerichtet"

Eleanor lief bei der Vorstellung, dass direkt vom Haus der Vampirin ein direkter Zugang mitten ins Schloss führte, eine Gänsehaut über den Rücken. Hoffentlich hatte Charlie Recht und es gab einen Schutzzauber.

Sie hatten erst am nächsten Tag, während Verteidigung gegen die dunklen Künste eine Gelegenheit, in Ruhe mit Lee zu reden, weil Aiden, wie Lee Eleanor erzählte, angeblich Kopfschmerzen gehabt und jedes Mal einen hysterischen Anfall bekommen hatte, wenn sie auch nur ein Wort geflüstert hatten.

„Also ... denkt ihr, Connor sammelt Köpfe und bringt sie ihr mit?" Kicherte Lee, während seine Beine, von Eleanor mit einem hervorragenden Zauber belegt, unkontrolliert umhertanzten.

„Ja, sicher" Sagte Fred. „Von diesen Erstklässlern laufen wirklich so viele rum, dass es auf einen mehr oder weniger echt nicht ankommt. George, es wird langsam Zeit für den Gegenfluch!" Fred tanzte seit geschlagenen fünf Minuten herum.

„Oh" Sagte George. „Natürlich. Finite!" Sein Bruder hörte sofort auf zu tanzen.

„Sehr schön" Kommentierte der vorbeilaufende Professor Allen. „Drei Punkte für Gryffindor"

„Tarantellegra" Sagte Fred und George begann, umherzutanzen.

„Finite" Zauberte Eleanor. „Also ich hätte da so eine Idee-"

„Tarantellegra" Ihre Beine begannen gegen ihren Willen zu tanzen, wenn auch nicht ganz so flott, wie die von Lee es gerade getan hatten. „Was ist, wenn Connor der Vampirin Blut bringt?"

„Daran habe ich auch schon gedacht" Sagte George. „Ich meine, Charlie hat gesagt, sie will unbedingt ins Schloss und wenn Dumbledore sie wirklich daran hindert, ist es doch nur logisch, dass sie es sich anders besorgt"

„Aber wieso sollte sie sich diese Mühe machen?" Fragte Lee. „Ich meine, wieso geht sie nicht einfach nach Hogsmeade und saugt da ein paar Leute aus. Oder ganz woanders"

Das war eine gute Frage. Sie wussten nicht ganz, was sie von all dem halten sollten und ihr Gespräch wurde unterbrochen, weil Professor Allen die Stunde beendete: „Also, diejenigen, die sich noch nicht ganz sicher fühlen, üben das bitte noch ein wenig – aber nur mit Einverständnis Ihrer Partner, verstanden? Mr. Davis, bitte bleiben Sie bitte noch einen Moment hier, ich würde gerne über Ihren Aufsatz reden, der Rest kann gehen"

Lee erlöste Eleanor von ihrem Getanze, sie setzten ihre Taschen auf, steckten ihre Zauberstäbe weg und machten sich auf den Weg hinunter zum Mittagessen. Dort setzten sie sich zu Angelina, Alicia und Katie Bell, einer Erstklässlerin, mit der die beiden sich angefreundet hatten.

„Diesen Samstag Ravenclaw gegen Slytherin, Lee, kommentierst du wieder?" Fragte Angelina.

„Klar" Lee tat sich grinsend Bratkartoffeln auf. „Ich lass mir doch keine Gelegenheit entgehen, die Syltherins öffentlich zu beleidigen"

„Hervorragend" Sagte Alicia. Lee lies die Bratkartoffeln beinahe in sein Glas fallen. Eleanor schob den Löffel energisch über seinen Teller, um das schlimmste zu verhindern.

„Kann ich auch mal die Kartoffeln haben?" Fragte Katie und streckte ihre Hand aus, um die Schüssel von Eleanor entgegenzunehmen. Diese stutzte. Auf Katies Hand prangte ein feiner, schon fast verheilter Schnitt. Genau so einen hatte Eleanor schon einmal gesehen.

„Lenny, alles in Ordnung?" Fragte Fred. Eleanor schrak auf, gab Katie endlich die Kartoffeln und fragte: „Woher kommt der Schnitt da an deiner Hand?" Katie sah zu der Wunde herunter, als hätte sie sie noch nie gesehen. „Oh" Sagte sie. „Die muss ich mir an einem Dornenbusch zugezogen haben. Bin da gestern dran lang geschrabbt"

„Einem Dornenbusch?" Wiederholte Eleanor. „Wo war der?"

„Na draußen auf dem Hof" Lachte Katie nervös.

„Aber wo gen-"

„Was ist los mit dir Eleanor? Ist doch nur ein kleiner Schnitt" Unterbrach Alicia sie.

Eleanor sah zu Fred und sie sah, dass er verstand, genau wie George. Nur Lee schien voll all dem nicht besonders viel mitbekommen zu haben.

„Ja stimmt, ist nicht so wichtig" Seufzte Eleanor. „Was denkt ihr, wie wird das Wetter beim Quidditchspiel?"

Sie aßen recht hastig auf und zogen sich dann in windgeschützte Ecke des Hofes zurück. Ein paar Meter weiter spielte der Koboldstein-Club, darunter Robin und Prudence (die ohne Robins Überredungskunst sicher nicht dorthin gekommen wäre). Und da fiel Eleanor auch wieder ein, wo sie diese Art Wunde schon einmal gesehen hatte.

„Prudence hatte an Halloween den exakt selben Schnitt wie Katie heute in der Hand" Sagte Eleanor.

„Du denkst also, Connor nimmt Leuten mit Hilfe solcher Schnitte ihr Blut ab?" Vergewisserte sich Fred. Vampira war der Name, der sie der Vampirin gegeben hatten.

„Ich meine, es könnte sein. Und diese beiden Schnitte ähneln sich zu sehr. Wenn wir darauf achten, sehen wir bestimmt noch mehr Leute mit so einem. Da steckt ein Muster dahinter"

„Aber das ist ein winziger Schnitt" Gab George zu bedenken. „Da kriegt man höchstens ein paar Tropfen raus. Vampira braucht doch bestimmt viel mehr"

„Glaubt ihr ernsthaft, Connor rennt rum und zapft Leuten Blut ab? Für ne Vampirin, die das selbst viel besser könnte?" Lee wirkte überhaupt nicht überzeugt.

„Es ist wenigstens logischer, als dass er ihnen Ringe von Merlin und Goldkessel klaut" Gab Eleanor zurück. Der Koboldstein-Club legte wohl gerade eine Pause ein, denn Prudence und Robin kamen zu ihnen herüber.

„Hey" Sagte Eleanor. „Sag mal Prudence, an Halloween hattest du so einen kleinen Schnitt in der Hand, erinnerst du dich noch, wie du an den gekommen bist?"

Prudence zog verwirrt die Augenbrauen hoch. „An Halloween?" Wiederholte sie. „Das ist ewig her, wieso willst du das wissen?"

„Es ist wichtig" Beteuerte Eleanor. „Erinnerst du dich noch?"

„Ich erinnere mich" Sagte Robin. Prudence sah sie verwirrt an. „Doch, ich habe dich doch gefragt, woher der kommt. Und du meintest, du hättest dich an 'nem Busch geschnitten, weißt du nicht mehr?"

Prudence zuckte mit den Schultern, aber Eleanor warf den anderen einen vielsagenden Blick zu.

Jetzt, wo sie darauf achteten, fiel ihnen tatsächlich bei mehreren Leuten ein ähnlicher Schnitt in der Hand auf.

Olivers Freund Henry hatte einen, ebenso wie Roger Davis, Melinda Beaufort aus Slytherin und eine Drittklässlerin aus Hufflepuff, die ihnen eine Tür aufhielt. Sie alle redeten wage von einem Dornengestrüpp, das sie gestreift hatten. Es war ziemlich offensichtlich: Jemand hatte ihre Gedächtnisse verändert. Sie beobachteten Connor Murphy auf der Karte des Rumtreibers und entdeckten ihn des öfteren allein mit irgendwelchen Schülern in dunklen Ecken und abgelegenen Korridoren.

Doch sie mussten ihre Detektivarbeiten vorübergehend unterbrechen, um über Weihnachten nach Hause zu fahren. Im Zug nach London gaben sie sich gegenseitig ihre Geschenke, ließen ein aufblasbares Huhn im Zug los, stopften sich mit Süßigkeiten voll und gerieten in einen kleinen Kampf mit Cassius Warrington und Adrian Pucey, die es anscheinend für nötig hielten, über Prudence, die nicht mit dem Zug fuhr, sondern von Hogwarts aus direkt mit Snape mitkommen konnte, herzuziehen.

Am Gleis Neundreiviertel warteten schon ihre Eltern. Eleanors Mutter brach beim Anblick der neuen Frisur ihrer Tochter in Tränen aus.

„Mum, das hat wirklich total gestört beim Quidditch" Beteuerte Eleanor den gesamten Weg nach Hause, doch ihre Mutter wollte nicht hören.

„Sie waren schon letztes Jahr viel zu kurz, aber das ist wirklich – du bist ja fast mit mehr Haaren auf die Welt gekommen. Oliver, du sollst so was doch verhindern!"

„Ich?" Fragte Oliver entrüstet. „Mum, erstens: Du kennst doch Eleanor, die macht sowieso, was sie will, zweitens: Die Frisur steht ihr super, ich weiß gar nicht, was du hast"

„Hat wieder dieser Fred das zu verantworten?" Fragte ihre Mutter, ohne auf Oliver einzugehen.

„Nein, diesmal war es Lee" Erklärte Eleanor.

„Na ja" Ihre Mutter betrachtete Eleanors Haare erneut im Rückspiegel. „Er hat wenigstens ein bisschen mehr Talent"

Eleanors diesjährige Ausbeute an Geschenken von ihren Eltern fiel wesentlich geringer aus als die von Oliver und das lag, wie sie wusste, hauptsächlich an dem viel zu hohen Stapel Briefe aus Hogwarts, die ihre Eltern in den letzten Monaten empfangen hatten. Zudem bekam sie ausschließlich langweilige Geschenke: Socken, Bücher und einen Wecker. Das einzige brauchbare Geschenk war eine wasserabweisende Schutzbrille für Quidditch. Oliver hingegen schenkte ihr Schoko- und Knallfrösche. Von Lee bekam Eleanor eine kleine Blechdose mit einer metallartigen Masse, die Schlüssellöcher verstopfen konnte (ein hervorragendes Produkt von Zonkos) und Fred und Georges unordentlich eingepacktes Paket enthielt eine große Schachtel Feuerwerk und einen selbst gebastelten Apparat, den man an die Wand heften und auch aus der Ferne mit dem Zauberstab aktivieren konnte, sodass er eine Menge dichten Rauch und Niespulver ausstieß (als sie den, nichts ahnend ausprobierte, konfiszierte ihre Mutter ihn und schloss ihn in ihrem Schreibtisch ein, aber Eleanor holte ihn sich am letzten Ferientag zurück).

Den größten Teil der Zeit verbrachte Eleanor mit Oliver, im Wald Quidditch übend, in der Muggelstadt umherschlendernd, Schneeballschlachten veranstaltend und eine Schneefamilie bauend. Abends schauten sie mit ihren Eltern Muggelfilme, was Eleanor in Hogwarts manchmal ziemlich vermisste. Einmal gingen sie sogar ins Kino.

Viel zu schnell gingen ihre freien Tage vorbei und sie kehrten nach Hogwarts zurück. Fred und George hatten neue Frisuren und Lee Perlen in seine Haare eingeflochten.

„Und, irgendetwas besonderes passiert?" Fragte Eleanor, sobald sie es sich in einem leeren Abteil gemütlich gemacht hatten.

„Wir haben beim Festessen eine Stinkbombe unter Großtantchen Muriels Stuhl platzen lassen und sie ist frühzeitig abgereist, aber ansonsten ..." Berichtete Fred.

„Haben wir uns nur die üblichen Vorwürfe anhören müssen" Beendete George seinen Satz. „Eure Haare sehen ja furchtbar aus..."

„Ihr bereitet uns so viel Kummer"

„Mit den Briefen aus Hogwarts könnten wir das ganze Haus tapezieren"

„Warum nehmt ihr euch nicht mal ein Beispiel an Percy?"

„Nichts ungewöhnliches"

„Oh, meine Eltern waren genau so drauf" Seufzte Eleanor. „Ständig haben sie versucht, mir besseres Benehmen einzubläuen"

„Mein Dad meinte, wenn er noch einen Brief aus Hogwarts kriegt, schickt er mich auf ein Muggelinternat in der Antarktis" Erzählte Lee. „Ich glaube, er hat aber nur Witze gemacht"

„Also ich verstehe wirklich nicht, wieso die alle so ein riesen Drama machen" Seufzte Fred. „Ich meine, wir unterhalten die gesamte Schule, haben die eigentlich irgendeine Ahnung davon, wie anstrengend das ist?"

„Offensichtlich nicht die geringste" Meinte Eleanor. In dem Moment wurde die Abteiltür aufgeschoben und Robin kam herein, hinter ihr ein paar ihrer Freundinnen aus Ravenclaw.

„Hi!" Sagte sie. „Ich habe ganz vergessen, dir dein Weihnachtsgeschenk vor den Ferien gegeben – es ist nur in Zeitungspapier eingewickelt, tut mir leid, ich hatte kein Geschenkpapier mehr – das heißt, ich hätte zu Hause welches gehabt, aber ich hab´s vergessen"

„Oh, kein Problem, wirklich!" Sagte Eleanor und nahm das weiche Päckchen entgegen.

„Es ist auch von Prudence“ Fuhr Robin fort. „Aber sie wollte, dass ich es dir vor Weihnachten gebe, also tu einfach so, als hätte ich das gemacht, ja?“

„Klar. Ich habe komplett vergessen, dein Geschenk einzupacken" Eleanor kletterte auf die Sitzbank, um in ihrem Koffer zu kramen. Sie hatte, um ehrlich zu sein, vollkommen vergessen, Robin ein Geschenk zu besorgen. Sie entdeckte eines der Bücher, die ihr Vater ihr geschenkt hatte („Die hundert größten Hexen der Geschichte") und drückte es Robin in die Hand. „Dachte, das könnte dir gefallen. Schließlich wirst du später hundert pro auch mal in so einem landen"

Während Robin mit leicht kritischem Blick den Klappentext studierte, riss Eleanor die Zeitung ihres Geschenks herunter und stieß einen Freudesschrei aus: „Oh Robin, das wäre doch nun wirklich nicht nötig gewesen!" Es war ein grüner Wollpullover mit der goldenen Kralle der Hollyhead Harpies darauf. So einen hatte sie schon immer mal haben wollen und jetzt fühlte sie sich doppelt schlecht, dass sie überhaupt nicht an Robin gedacht hatte. Wenigstens schien der Klappentext sie anzusprechen, denn sie lächelte.

„Hab ich doch gerne gemacht" Sagte sie. „Danke dir auch auf jeden Fall. Ich muss jetzt leider weiter, wir sehen uns später" Und sie folgte ihren Freundinnen, die die ganze Zeit kein Wort gesprochen hatten, weiter über den Gang,

Eleanor zog sich gleich den Pullover über. „Wie sehe ich aus?" Fragte sie.

„Ganz wunderbar" Sagte Lee. Die Zwillinge waren aus irgendeinem Grund in die Zeitung, in der Eleanors Geschenk eingewickelt gewesen war, vertieft. Eleanor blinzelte und tauschte einen ungläubigen Blick mit Lee.

„Ich glaube, ich habe Halluzinationen" Kicherte Lee.

„Seit wann lest ihr Zeitung" Fragte Eleanor fassungslos.

„Es geht um den Imperatus Kristall" Sagte George und blickte mit gerunzelter Stirn auf.

„Hat jemand ihn benutzt?" Fragte Eleanor entsetzt.

„Nein" George blickte noch einmal auf das Papier in seinen Händen. „Der Artikel ist noch vom Sommer, als er geklaut wurde. Aber überlegt doch mal"

Eleanor zog die Augenbrauen hoch. „Überlegt doch mal?" Wiederholte Lee spöttisch. „Bist du zu Professor McGonagall mutiert?"

„Dad hat gesagt – und hier steht es auch nochmal, dass man dem Kristall zweihundertvierundachtzig Tage lang Blutstropfen von verschiedenen Personen opfern muss. Zweihundertvierundachtzig verschiedene Personen, denen man Blut abnehmen muss"

„Worauf willst du hinaus?" Fragte Eleanor, obwohl sie es schon ahnte.

„Was wäre ein perfekter Ort, um an so viele verschiedene Menschen ranzukommen?" Half George ihr weiter auf die Sprünge.

„Hogwarts" Sagte Eleanor und dann fiel ihr die Kinnlade hinunter. „Die Schnitte! Auf den Händen von allen"

„Vampira  will das Blut gar nicht zum Trinken" Erkannte jetzt auch Lee. „Sie will es für den Imperatus Kristall"

„Deswegen waren die Schnitte so klein" Sagte Fred. „Sie brauchten ja nur einen Tropfen"

Mit dieser Erkenntnis saßen sie einige Minuten lang schweigend da.

„Das heißt, ganz Hogsmeade und Hogwarts sind in Gefahr" Sagte Lee schließlich.

„Ganz Hogsmeade und Hogwarts? Die ganze Welt!" Korrigierte Eleanor ihn. „Sie könnte eine riesige Armee aufbauen"

„Was glaubt ihr, wie viele Blutstropfen fehlen ihr noch?" Fragte George.

„Bestimmt noch einige" Sagte Lee. „Ich meine, der Diebstahl war Anfang August. Seit dem sind gute fünf Monate vergangen. Zweihundertvierundachtzig das sind aber ... ungefähr neun Monate. Und es gibt noch andere Dinge, die man tun muss" Das war wenigstens etwas beruhigend.

„Trotzdem" Meinte Eleanor. „Wir müssen etwas tun, um sie aufzuhalten!"

„Und was?" Fragte Fred. „Meint ihr, Dumbledore würde uns glauben?"

„Ohne Beweise?" Überlegte George. „Bestimmt nicht"

„Aber wie sollen wir an Beweise kommen?" Fragte Fred. „Meint ihr, wir müssen ihn auf frischer Tat ertappen?"

„Und dann ein Foto machen" Sagte Lee. „Eleanor, du hast doch noch deine Kamera oder?"

Eleanor nickte. „Klingt nach einem Plan. Mit der Karte sollte es auch nicht allzu schwer werden"



Am zweiten Tag zurück in Hogwarts waren sie bereit, Connor zu überführen. Vor den Ferien hatten sie ausgiebig ausgekundschaftet, an welchen Orten Connor sich allein mit anderen aufhielt. Deshalb versteckten sie sich in einem Besenschrank in den Kerkern, unweit von Connors liebstem Treffpunkt. Sie schnitzten ein kleines Loch in die Schranktür, vor dem sie die Linse der Kamera platzieren konnten und warteten im Schein ihrer Zauberstäbe und über die Karte des Rumtreibers gebeugt.

Das wurde schon nach wenigen Minuten sehr unangenehm, denn es war furchtbar eng. Fred musste auf Georges Schoß sitzen und Eleanor hockte eingequetscht zwischen Lees und Freds Knien. Während ihrer beträchtlichen Wartezeit wechselten sie acht Mal die Plätze, jedes Mal unter lautem Ächzen und Stöhnen und als sie in der Ferne zum zweiten Mal die volle Stunde schlagen hörten, begann Eleanor ernsthaft an ihrem Plan zu zweifeln, doch dann atmete George plötzlich zischend die Luft ein. „Er kommt" Wisperte er. Eleanor sprang auf, platzierte die Kamera und hielt ihr Auge vor den Sucher. Es war nichts zu hören, außer dem aufgeregte Atem der anderen. Dann näherten sich Schritte und Eleanor sah Connor , der etwas von dem Schrank entfernt stehen blieb und sich angespannt umsah. Eleanor musste die Kamera ein wenig drehen, um ihn vollkommen im Blick zuhaben, wobei eine Bodenplatte des Schranks besorgniserregend laut knarzte. Connor sah zu ihr hin und er schien im Begriff zu sein, zum Schrank zu gehen, als eine zweite Person erschien. Ein Gryffindor-Sechstklässler, dessen Name Eleanor nicht kannte. Die beiden klatschten sich ab.

„Wie viel brauchst du?" Fragte Connor.

„Die volle Ladung" Sagte der Gryffindor mit einem Lachen. „Machen ne kleine Party"

Eleanor zog die Stirn in Falten. So hatte sie sich das nicht vorgestellt. Der Gryffindor griff in seine Tasche und reichte Connor ein kleines Säckchen, in dem es klimperte, als Connor ihn in seine eigene Tasche steckte. Dann holte er selbst einen Beutel heraus, öffnete ihn und zeigte dem Gryffindor den Inhalt. Eleanor konnte etwas pinkes erkennen und eher unterbewusst drückte sie den Auslöser an ihrer Kamera. Es machte ein sehr lautes Geräusch. Wie hatten sie nicht daran denken können? Beide Jungen sahen erschrocken zum Schrank.

„Raus hier!" Zischte Lee. Er stieß den Schrank auf und sie purzelten alle hinaus. Es musste wohl ein Recht lustiger Anblick sein, doch weder der Gryffindor noch Connor lachten. Im Gegenteil, sie sahen ziemlich wütend aus.

„Lauft!" Rief Fred und rannte los. Die anderen folgten ihm, doch Connor nahm sofort die Verfolgung auf.

„Bleibt sofort stehen ihr dreckigen kleinen Schnüffler" Brüllte er und jagte ihnen Flüche hinterher. Einer traf Eleanor, sie stolperte und konnte nur knapp verhindern, dass ihre Kamera kaputt ging. Da war Connor schon bei ihr angekommen, packte und schüttelte sie. Eleanor warf Fred die Kamera zu, der glücklicherweise fing. Der Beweis, dass Quidditch auch im richtigen Leben hilfreich sein konnte.

„Hey!" Brüllte Connor und rammte Eleanor seinen Zauberstab in die Schulter, sodass ein höchst unangenehmer Schmerz durch ihren Körper zuckte.

„Lass sie los!" Schrie Lee und hob seinen Zauberstab, aber Connor entwaffnete ihn sofort.

„Accio Kame-" Setzte er an, doch Eleanor trat ihm mit dem Hacken zwischen die Beine. Connor schrie voller Schmerz auf, Eleanor riss sich los und sie stürmten weiter.

„Er wird uns umbringen!" Kreischte George mit ungewöhnlich hoher Stimme, bevor er einen Wandbehang zur Seite schob und sie in den Geheimgang dahinter schlüpften. Leider war Connor ihnen immer noch auf den Fersen, sie hörten sein wütendes Geschrei hinter ihnen.

Sie kamen im Erdgeschoss heraus, brachen durch eine Tür, die vorgab, Wand zu sein und rannten Professor Snape um, der gerade daran vorbeilief.

„Oh, es tut uns echt leid!" Beteuerte Eleanor und wollte ihm aufhelfen, doch er schlug ihre Hand weg und rappelte sich selbst auf.

„Was fällt euch ein?" Knurrte er erzürnt. „Zwanzig Punkte Ab-"

„Nein Professor!" Fred packte ihn am Arm, was Snape aus der Bahn zu werfen schien, denn er verstummte. „Connor Murphy, er verkauft irgendwelches Zeug an andere Schüler und wir haben ihn auf frischer Tat ertappt!" Er hielt die Kamera vor Snapes Gesicht und im selben Moment kam Connor durch den Geheimgang gestolpert.

Snape entwaffnete ihn und zwar mit so viel Schwung, dass Connor nach hinten wegflog und gegen die Wand krachte.

„Wusste ich's doch, dass du was im Schilde führst" Sagte Snape eiskalt. „Gib mir deine Tasche"

Connor schüttelte wütend den Kopf und umklammerte seine Tasche, doch Snape ließ sie mit einem Schwung seines Zauberstabs in seine Hände fliegen und leerte den Inhalt ohne viel Federlesen auf dem Boden aus. Lauter kleine Beutel fielen heraus. In manchen davon klapperte es, die meisten schienen aber keinen schweren Inhalt zu haben. Professor Snape ließ einen davon hochschweben und schüttete den Inhalt wiederum aus. Es waren rosafarbene Schoten, ähnlich wie die von Erbsen, nur ein wenig größer.

„Pisa-Madulsa" Sagte Snape schneidend.

„Piss-Was?" Fragte George. Snape sah ihn spöttisch an. „Auch Pinker Plopper genannt" Sagte er.

Eleanor konnte nicht anders, Snape diese beiden Worte sagen zu hören, ließ sie in lautes Gelächter ausbrechen. Snape sah sie ausdruckslos an, bis sie sich wieder beruhigt hatte. „Eine äußerst berauschend wirkende Droge. Im Überfluss eingenommen kann sie zu starken Wahnvorstellungen und sogar Herzaussetzen führen. Streng verboten" Er sah zu Connor. „Dafür wirst du von der Schule fliegen" Connor spuckte nur vor Snape aus.

„Er ist aber nur der Auslieferer" Sagte Lee. „Er hat das Zeug von Vampi – der Vampirin, die in Hogsmeade lebt"

„Ist das so?" Fragte Snape ölig. Lee nickte eifrig. „Hundertprozentig"

„Er lügt!" Schrie Connor und hechtete nach seinem Zauberstab, doch Snape fesselte ihn mit einem Wink seines Zauberstabes.

„Und woher" Wandte Snape sich, ohne Connors wilden Beschimpfungen Beachtung zu schenken, an Lee. „Wissen Sie das so genau?"

„Wir-"Setzte Lee an und sah dann Hilfe suchend zu Eleanor.

„Wir haben ihn verfolgt" Sagte Eleanor. „Wir sind immer auf der Suche nach Geheimgängen, wissen Sie, für Abkürzungen. Und kurz vor Weihnachten haben wir gesehen, wie Connor hinter einem Spiegel verschwunden ist, da sind wir ihm hinterher, um zu sehen, wo der Geheimgang hinführt. Wir mussten ewig laufen, viel länger als sonst und dann sind wir hinter einem Bücherregal rausgekommen, in einem ganz anderen Gebäude als Hogwarts und wir haben gehört, wie Connor mit dieser Frau geredet hat – Oliver und Charlie haben uns erzählt, dass sie eine Vampirin ist. Jedenfalls wollten wir heute einen Beweis finden, damit Dumbledore uns glaubt"

„So so" Sagte Snape. „Nun denn. Danke für ihren Einsatz. Sie dürfen jetzt gehen" Keiner von ihnen bewegte sich vom Fleck. „In euren Gemeinschaftsraum" Zischte Snape. „Auf der Stelle!"

Mürrisch und nicht ohne Snape mit wütenden Blicken zu beschießen, machten Eleanor, Lee, George und Fred sich auf den Weg zum Treppenhaus.

„Jeder andere Lehrer hätte uns mindestens zwanzig Punkte gegeben" Grummelte Fred.

„Ich glaube, er empfand es schon als unglaublich großzügig, sich zu bedanken" Murrte George.

„Also hat Connor nur Drogen verkauft" Sagte Eleanor. „Und niemandem Blut geklaut. Das heißt ..."

„Jemand anderes hat den Imperatus Kristall" Beendete Lee ihren Satz. „Jemand in Hogwarts"

„Aber wer?" Fragte George.

„Jemand, der sich wahrscheinlich ein bisschen schlauer anstellt, als Connor es könnte" Sagte Fred und das war überhaupt kein ermutigender Gedanke.
 
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