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Eleanor Wood und der Imperatus Kristall (Jahr 2)

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Fred Weasley George Weasley Lee Jordan Oliver Wood
24.04.2022
26.05.2022
8
34.736
3
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25.04.2022 3.852
 
Eleanor fiel unsanft aus dem Kamin und statt wie gewohnt auf einem Gitter oder Teppich aufzuschlagen, landete sie direkt auf George.

„Au!" Beschwerte dieser sich.

„Warum bist du nicht zur Seite gegangen?" Fragte Eleanor und versuchte, sich aufzurappeln.

„Wieso hast du nicht zwei Sekunden gewartet, bevor du gekommen bist?" Gab George zurück.

„Aua!" Schrien sie gleichzeitig, als Fred durch den Kamin kam und sie beide erneut umwarf.

„Verdammt, wieso geht ihr nicht zur Seite?" Fluchte er. Eleanor schubste ihn stöhnend von sich runter, richtete sich auf und sah sich in dem Raum um, in dem sie gelandet war. Es war eine kleine, vollgestopfte Küche, in deren Mitte ein abgenutzter Holztisch stand, auf dem ein braunes Huhn herumpickte. Die Wände waren mit Holzregalen vollgestellt, auf denen sich Töpfe, Teller, Gläser und Kochbücher stapelten und eine offen stehende Holztür führte hinaus auf einen Hof, in dem sich noch mehr Hühner tummelten. Sie klopften sich gerade die Asche von den Klamotten, als sich eilige Schritte von einen engen Gang am anderen Ende der Küche näherten.

„Sie sind da!" Juchzte eine piepsige Stimme. Sie kam von einem kleinen Mädchen, nicht älter als neun Jahre, die genau so rote Haare und Sommersprossen hatte, wie ihre Brüder. Aufgeregt lief sie zu ihnen hin.

„Habt ihr sie?" Fragte sie und griff in Freds Umhangtaschen.

„Hey" Sagte er und stieß sie weg. „Später!"

In dem Moment kam ein großer, schlacksiger Mann mit Brille und schütteren roten Haaren gefolgt von einem kleinen Jungen um die zehn Jahre, der aussah wie ein jüngeres und etwas weniger percyartiges Ebenbild seines Vaters in den Raum.

„Na ihr wart ja kaum zu überhören" Sagte der Mann und sah sich um. „Wo ist denn Percy?"

„Schon abgehauen" Meinte George.

„Hm. Nun gut" Mr. Weasley ging auf Eleanor zu. „Hallo, ich bin Arthur, freut mich, dich kennenzulernen"

Eleanor schüttelte ihm die Hand. „Mich auch. Ich bin Eleanor"

Mr. Weasley lächelte und Eleanor bemerkte, wie sein Blick zu dem Mal an ihrem Hals huschte, was sie mittlerweile schon gewohnt war.

„Ich bin Ginny" Sagte das kleine Mädchen. „Ich mag dein T-Shirt"

Eleanor lächelte. „Bist du auch ein Harpies Fan?" Sie mochte Ginny auf Anhieb.

Ginny nickte eifrig. „Ich war immer die einzige hier, alle mögen nur die Cannons. Obwohl, Mum findet die Harpies auch gut, aber sie interessiert sich eigentlich gar nicht für Quidditch, deshalb zählt das nicht, aber als die Harpies letztes Jahr die Meisterschaften gewonnen haben, war ich die einzige, die gute Laune hatte. Ron hat sich in seinem Zimmer eingesperrt" Sie kicherte.

Ron schien die Erinnerung an diese Niederlage nicht sehr zu gefallen und er sah Ginny böse an.

„Hm, das kenn ich" Sagte Eleanor. „Mein Vater und mein Bruder sind beide Eintracht Pfützensee Fans, das ist echt nicht leicht"

Da kamen Mrs. Weasley und Charlie mit den Einkäufen und Eleanors Koffer herein.

„Gut, ihr seid schon da" Sagte Mrs. Weasley. „Eleanor, du wirst mit Ginny in einem Zimmer schlafen, das ist -"

„Was?" Wiederholte George aufgebracht. „Wieso schläft sie nicht bei uns?"

„Ihr seid doch schon zu zweit" Sagte Mrs. Weasley.

„Na und? Eleanor passt schon noch mit rein wir-"

„Keine Diskussion" Sagte Mrs. Weasley. „Zeigt ihr Eleanor das Haus? Und wer hat Hildegard auf den Tisch gelassen?" Sie packte das Huhn, das protestierend gackerte und trug es hinaus auf den Hof.

George verdrehte die Augen. „Tut mir echt leid, dass du bei Ginny bleiben musst, aber sie ist eigentlich ganz in Ordnung"

„Hey!" Sagte Ginny aufgebracht und schlug George gegen den Arm.

„Ist kein Problem" Versicherte Eleanor. „Ginny scheint sehr cool zu sein"

„Natürlich bin ich das!" Sagte Ginny.

„Sind das eure neuen Besen?" Wollte Ron wissen und deutete auf die besenförmigen Pakete, die Charlie auf dem Boden abgelegt hatte.

„Ja" Sagte George stolz. „Sauberwisch 5"

Ron und Ginny eilten zu den Besen und wollten doch tatsächlich die Verpackung abreißen, aber die Zwillinge hielten sie auf.

„Wagt es ja nicht eure dreckigen Finger da ran zu legen!" Rief Fred empört.

„Dürfen wir die auch mal fliegen?" Fragte Ron. „Bitte bitte bitte"

Eleanor war froh zu sehen, dass weder Ron noch Ginny wie Percy waren.

„Wenn ihr ganz brav seid und Eleanors Koffer für sie in Ginnys Zimmer bringt, vielleicht" Meinte George großzügig. Ginny und Ron packten eifrig Eleanors schweren Koffer und begannen, ihn wegzuschleifen.

„Ach, ihr müsst nicht-" Setzte Eleanor an, denn es war ein sehr mitleiderregender Anblick.

„Lass sie, die schaffen das schon" Meinte Fred vergnügt.

„Also, das ist unser Haus" Sagte George überflüssigerweise. „Das hier ist die Küche"

Eleanor nickte.

„Komm, wir zeigen dir erst mal draußen" Schlug Fred vor und die beiden führten sie hinaus auf den Hof, wo Mrs. Weasley gerade damit beschäftigt war, die Hühner zu füttern. Das Haus der Weasleys schien mitten auf dem Land zu liegen, es war von Feldern umringt. Eine staubige Straße führte zu einem Dorf, das in der Ferne zu erkennen war.

„Da drin bewahrt Dad allen möglichen Muggelkram auf und verzaubert das" Sagte Fred und deutete auf eine rostige Garage.

„Am Anfang der Ferien hat er ein Auto da reingestellt" Sagte George. „Er hat uns verraten, dass er es so verwandeln will, dass es fliegen kann"

„Und wir glauben, er ist vorgestern fertig geworden, zumindest hat er Andeutungen gemacht" Sagte Fred. Eleanor grinste.

„Klingt ... ausprobierenswert" Sagte sie.

„Oh ja" Meinte Fred. „Du bist also dabei?"

„Klar!" Erwiderte Eleanor.

„Hervorragend" Meinte George. „Ähm ja, also hier kannst du unser Haus mal von außen sehen"

Eleanor drehte sich um und stellte fest, dass das Haus ganz anders aussah, als sie es sich von innen vorgestellt hatte. Sie war davon ausgegangen, dass es ein sehr raumeinnehmendes, flaches Haus sein würde, doch wie sich herausstellte, ging es in die Höhe statt die Breite. An und vor allem auf die steinerne Küche waren lauter andere Räume angebaut worden, die sich bis hoch in den Himmel stapelten und einen so schiefen Turm bildeten, dass Magie die einzige Erklärung sein konnte, wieso das Haus noch stand.

„Abgefahren" Meinte Eleanor beeindruckt. „Das ist ziemlich cool"

Fred grinste. „Nicht wahr?"

„Ginny wohnt im ersten Stock, neben dem Bad" Erklärte George. „Wir im zweiten, mit Percy" Er machte ein Würgegeräusch. „Dadrüber Mum und Dad und Charlie. Wenn Bill da ist, schläft er mit Charlie in einem Zimmer. Und ganz oben wohnt Ron"

„Nicht schlecht" Meinte Eleanor.

„Hinten haben wir noch einen Garten" Meinte Fred. „Und dort drüben, bei der Obstbaumwiese fliegen wir immer"

„Cool" Meinte Eleanor. „Wir müssen immer bis zu so einer Lichtung im Wald latschen, das dauert ne ganze Viertelstunde"

„Mein Beileid" Seufzte Fred. „Okay komm, wir zeigen dir unser Zimmer"

Sie gingen wieder ins Haus und gelangten durch den engen Raum bis zu einer Holztreppe, die im Zickzack hinaufführte. Als sie am ersten Stock vorbeiliefen, kamen Ron und Ginny hinter einer der Türen hervor und folgten ihnen nach oben.

„Können wir jetzt fliegen?" Fragte Ron, doch George knallte ihm die Tür genau vor der Nase zu.

„Nur wenn ihr nicht nervt" Rief Fred durch die geschlossene Tür.

Fred und Georges Zimmer war so ungefähr das genialste, was Eleanor jemals gesehen hatte.

Es gab drei Fensterseiten, was allein schon mal ziemlich cool war. Am Fenster links standen zwei Tische, die mit allerlei Werkzeug beladen war: Drähte, Messer, Schraubenschlüssel, etwas, das wie Schießpulver aussah, Taucherbrillen, Vorhängeschlösser, Klebeband, Nadel und Faden waren nur ein paar Beispiele. Eleanor fiel auf, dass die Decke über diesen Tischen ganz verrußt und rissig war. Auf dem Boden hingegen prangten einige Brandflecken. Unter dem Fenster auf der anderen Seite stand ein niedriges Regal voller Spiele, Bücher und Schulsachen. Darauf standen, wie Trophäen aufgereiht, allerlei merkwürdig aussehende Basteleien.

Gegenüber der Tür gab es einen Erker, der fast vollkommen verglast war und in dem ein Haufen Kissen lagen. Links und rechts von diesem Erker stand jeweils ein Bett. Über beiden hingen Plakate von den Chudley Cannons und einige Fotos. An die Decke hatten die Zwillinge in schiefer Schrift einige Liedzeilen von den Schicksalsschwestern geschrieben.

„Ist normalerweise nicht so aufgeräumt" Sagte Fred und ließ die Einkaufstaschen, die sie mit hoch genommen hatten, achtlos auf den Boden fallen. „Mum hat uns gezwungen"

Eleanor besah sich noch einmal das Chaos auf den zwei Schreibtischen und fragte sich, wie sie wohl aussahen, wenn sie, Freds Definition nach, nicht aufgeräumt waren.

„Was bastelt ihr da immer?" Fragte Eleanor neugierig.

„Oh, alles mögliche" Meinte Fred. „Ist aber gar nicht so leicht, wenn man nicht zaubern darf. Gestern haben wir es geschafft, einen Ball zu bauen, der in die Luft geht, wenn man ihn antippt"

Eleanor lachte.

„Es ist auch nicht leicht, wenn Mum ständig unser Zimmer filzt" Seufzte George. „Sie ist so ein Kontrollfreak"

Fred nickte zustimmend.

„Ja, sie wirkt sehr ... streng" Meinte Eleanor.

„Nur zu uns!" Behauptete Fred. „Percy behandelt sie immer wie einen Prinzen. Und als Charlie heute den Feuerwhiskey getrunken hat, hat sie ihn nicht mal bestraft. Bloß ein wenig angeschrien"

„Ja, weil er Quidditchkapitän ist und Vertrauensschüler" Schnaubte George.

Eleanor lachte. „Naja, besser streng behandelt werden, als Vertrauensschüler zu sein, oder?"

„Oh ja" Sagten Fred und George wie aus einem Mund. Fred holte das Haarfärbemittel aus einer der Einkaufstaschen und stellte es auf einen der Tische.

„Wo wir gerade schon von Vertrauensschülern sprechen. Wir haben überlegt, dass wir das Zeug hier in die Shampooflaschen in den Bädern von denen füllen. Aber wir wollen es noch ein bisschen hartnäckiger machen, damit es wirklich nicht mehr rausgeht" Sagte Fred. Dann öffnete er eine Schublade seines Schreibtisches, holte eine große Blechschüssel heraus und füllte das grünliche Pulver hinein.

Sie verbrachten die nächste Stunde damit, kleine Mengen des Pulvers abzufüllen und mit verschiedenen Zaubertrankzutaten, von denen die Zwillinge einige unter einem losen Dielenbrett aufbewahrten, zu kombinieren. Dann schmierten sie die sechs verschiedenen Kombinationen auf Strähnen von Eleanors Haaren („bei dir fällt das viel weniger auf und Mum killt uns, wenn sie was merkt") und wuschen sie dann wieder aus. Eines ihrer Gemische funktionierte ziemlich gut und zufrieden mischten sie den Rest des Pulvers genau so zusammen und füllten es in zwei leere Kürbissaftflaschen. Draußen färbten sich die Wolken schon rosa, doch sie wollten ihre neuen Besen trotzdem noch ausprobieren. Sie schlichen sich an Mrs. Weasley vorbei, die gerade das Abendessen kochte, schnappten sich die Besenpakete, die an der Wand lehnten und rannten zur Obstbaumwiese.

Endlich packten sie ihre Besen aus und schwangen sich in die Lüfte.

Fred und George schnappten sich ein paar große Äste und versuchten mit ihnen, unreife Äpfel gegen Eleanor zu schleudern. Sie versuchte wiederum, die Äpfel zu fangen. Es machte eine Menge Spaß und sie blieben auf der Obstbaumwiese, bis sie schon fast nichts mehr sehen konnten und Ron über den Rasen auf sie zu gerannt kam.

„Mum sagt, ihr sollt euch schämen" Rief er. Fred warf ihn mit einem Apfel ab, dem Ron noch gerade so auswich. „Und es gibt Essen" Fügte er hinzu. Seufzend landeten sie neben Ron.

„Darf ich jetzt auch fliegen?" Fragte er begeistert.

„Nicht heute" Sagte George. „Es ist schon fast dunkel, du würdest doch sofort gegen einen Baum fliegen"

„Würde ich gar nicht" Meinte Ron beleidigt.

„Außerdem hast du doch gesagt Mum ist sauer. Wir sollten sie also nicht warten lassen" Fred strubbelte Ron durchs Haar. „Aber du kannst unsere Besen zurücktragen, wenn du willst"

Ron streckte ihm die Zunge raus und rannte davon.

Die Zwillinge lachten.

„Der Arme" Meinte Eleanor mitleidig.

„Ach, das hält der schon aus" Meinte George. „Bill und Charlie haben uns früher auch so behandelt"

In der Küche saßen bereits alle Weasleys auf den wild zusammengewürfelten Stühlen um den Tisch herum. Mrs. Weasley knallte unwirsch den letzten Topf auf den Tisch.

„Immer müsst ihr Ärger machen" Sagte sie.

„Wir sind bloß geflogen, Mum" Erwiderte Fred augenverdrehend.

„Um diese Uhrzeit!" Beschwerte Mrs. Weasley sich.

„Nun komm schon Molly, ihre Besen sind brandneu, das ist schon verständlich" Sprang Mr. Weasley ihnen zur Hilfe.

Mrs. Weasley brummte unwirsch, sagte aber nichts mehr.

Sie setzten sich ans Ende des Tisches, Eleanor gegenüber von Ginny und häuften sich Kartoffeln, Blumenkohl und Soße auf die Teller.

„Die Besen sind so toll Mum" Sagte Fred. „Echt super, dass ihr uns die gekauft habt"

„Ach. Jetzt schleim nicht" Gab Mrs. Weasley zurück, doch sie lächelte.

„Man kann es ihr nicht recht machen" Seufzte George mit vollem Mund.

„Was ist das an deinem Hals?" Fragte Ginny plötzlich unvermittelt.

„Ginny!" Zischte Mrs. Weasley. „So was fragt man doch nicht!"

„Oh ist schon in Ordnung Mrs. Weasley" Sagte Eleanor mit vollem Mund uns schluckte hastig ihren Bissen hinunter. „Es ist ein Fluchmal" Erklärte sie Ginny.

„Ein Fluchmal?"Wiederholte sie mit großen Augen. „Hat jemand dich verflucht?"

„Nicht direkt" Meinte Eleanor. „Jemand hat mir ein Halsband um den Hals gelegt, dass verflucht war. Und versucht hat, mich zu töten. Aber Dumbledore hat mich gerettet"

„Jemand wollte dich töten?" Fragte Ron beeindruckt.

„Nein, nicht töten. Bloß verletzen" Sagte Eleanor.

„Und wer?" Wollte Ginny wissen.

„Ein Mädchen aus Slytherin. Prudence Shipley. Aber sie war in einer verzwickten Lage, ihre Eltern haben sie quasi gezwungen"

Ron und Ginny sahen sie mit großen Augen an.

„Ja, wir sind jetzt Freunde" Erklärte George.

Mrs. Weasley warf ihnen einen Blick zu, der deutlich zeigte, was sie davon hielt.

„Sie ist echt in Ordnung" Versicherte Eleanor.

„Sie ist eine geniale Schachspielerin" Fügte Fred hinzu. „Die könnte wahrscheinlich sogar dir Konkurrenz machen, Ron"

„Sie ist eine Slytherin" Meldete Percy sich zu Wort.

„Slytherin ist nicht das Arschloch-Haus, Percy" Sagte George augenverdrehend.

„Sonst müsstest du ja drin sein" Kicherte Fred.

„Konzentriert euch auf's Essen!" Befahl Mrs, Weasley und bereitete der Diskussion so ein Ende.



Nach dem Essen schickte Mrs. Weasley sie gleich ins Bett, was die Zwillinge zwar nicht ohne Protest geschehen ließen, doch akzeptieren mussten. Sie machten aus, dass Eleanor zu ihnen ins Zimmer schleichen sollte, sobald Ginny eingeschlafen war, was sich jedoch als schwieriger als gedacht herausstellte. Ginny redete ewig, wollte von Eleanor alles über Hogwarts und die Geheimnisse der Zwillinge wissen und über Quidditch diskutieren.

Als sie endlich eingeschlafen war, wäre Eleanor am liebsten selbst unter der kuscheligen Decke liegen geblieben, doch der Gedanke an ein fliegendes Auto war einfach zu verlockend.

Fred und George saßen in Freds Bett und schienen sich gegenseitig Witze zu erzählen, jedenfalls kicherten sie heftig, als Eleanor hereinkam.

„Endlich" Sagte Fred und sprang aus dem Bett. „Wir dachten schon, du kommst nicht mehr"

„Tut mir leid" Flüsterte Eleanor. „Ginny hat so viel geredet"

George lachte leise. „Ja, dazu neigt sie"

Sie schlichen die Treppe hinunter und wären in der Küche fast über Hildegard gestolpert, die ein Nickerchen vor der Tür machte. Sie schlichen über den Hof und knackten das Schloss, wie sie es sich letztes Jahr selbst beigebracht hatten, mit einem Draht. Eleanor fühlte sich ein wenig schlecht bei dem Gedanken, was Mrs. Weasley sagen würde, wenn sie sie entdecken würde. Doch dann sprang die Tür auf und sie verdrängte den Gedanken.

Tatsächlich, da stand, zwischen einem Regal voller Telefone, Anspitzer, Radios, sowie einem Haufen Kabel und einem Staubsauger, auf den ein Sonnenschirm geschraubt worden war, ein alter, blauer Ford Angelia.

„Wow" Sagte Fred und strich über das Metall, als hätte er noch nie ein Auto  angefasst. Jetzt wo Eleanor darüber nachdachte, hatte er das wahrscheinlich auch nicht.

„Haben wir den Autoschlüssel?" Fragte Eleanor.

„Wir haben doch den Draht" Sagte George.

„Ich glaube, das geht bei Autos nicht" Meinte Eleanor und sah durch das Fenster auf den Fahrersitz. Doch zu ihrem Glück steckte der Schlüssel bereits im Zündschloss.

„Okay, ich nehme an, ihr wisst nicht, wie man Auto fährt?" Fragte Eleanor.

„Nein" Meinte Fred. „Aber man dreht irgendwie am Lenkrad, oder?"

„Ja" Eleanor seufzte. „Okay, ich probier's mal. Ich habe wenigstens meiner Mutter schon mal zugeguckt" Sie setzte sich ins Auto und besah sich die Teile um sich herum. Das war das Lenkrad, dort war die Gangschaltung und unter ihren Füßen befanden sich Gas- und Bremspedal. So weit so gut. Sie schloss die Tür und kurbelte das Fenster hinunter, damit sie mit den Zwillingen reden konnte.

„Du schaffst das" Meinte Fred zuversichtlich. Eleanor nickte. Sie wusste nicht genau, was sie tun musste, doch sie versuchte es einfach mal damit, den Zündschlüssel zu drehen. Der Motor heulte auf, dann machte das Auto plötzlich einen Sprung nach vorne. Eleanor konnte ein erschrockenes Kreischen nur gerade so unterdrücken. Zwei Zentimeter mehr und das Auto wäre mit voller Wucht gegen Mr. Weasleys Werkbank geknallt. Doch auch so hatten sie genug Lärm veranstaltet. Sie saßen mucksmäuschenstill da, doch die Bewohner des Fuchsbaus schienen nichts gemerkt zu haben.

„Okay" Meinte Eleanor und atmete tief durch. „Das hat schon mal nicht funktioniert"

„Vielleicht musst du an dem Hebel da was machen" Vermutete George und deutete auf die Gangschaltung. Eleanor erinnerte sich, dass ihre Mutter vor dem Start immer den Hebel in eine bestimmte Position brachte.

„Das kann sein" Sagte sie und rückte den Hebel so, wie ihre Mutter es immer tat. Dann drehte sie den Schlüssel erneut und betete, dass es funktionieren würde. Und das tat es. Der Motor sprang mit einem befriedigendem Brummen an.

„Jetzt musst du rückwärts" Sagte Fred.

„Ja" Eleanor betätigte erneut die Gangschaltung und trat dann auf das, wie sie hoffte, Gaspedal. Sie hatte richtig geraten. Das Auto fuhr rückwärts los und da Eleanor den Fuß fest auf das Pedal gedrückt hielt, schoss es geradezu aus der Garage. Panisch bremste Eleanor, bevor sie gegen den Hühnerstall fuhr.

Fred und George kamen begeistert aus der Garage gestürmt.

„Wow, das ist ja mega abgefahren!" Flüsterte George begeistert.

„Ich will's auch mal versuchen!" Sagte Fred.

„Okay, aber wir sollten vielleicht ein bisschen weiter weg" Meinte Eleanor. „Ich will nicht, dass eure Mutter uns erwischt"

Die beiden nickten zustimmend und stiegen hinten in das Auto ein. Eleanor fuhr erneut los. Sie schlängelte ziemlich umher und konnte es nur knapp verhindern, gegen mehrere Bäume zu fahren, doch sie hatte den ungefähren Dreh jetzt raus.

Fred und George zeigten ihr den Weg zu einem großen, betonierten Platz in der Nähe, auf dem die Muggelkinder des Dorfes immer „mit einem Ball durch die Gegend rennen wie Bekloppte" und er eignete sich ausgezeichnet zum Üben. Eleanor zeigte den Zwillingen, was sie machen mussten und nachdem Fred seinen Bruder erst fast überfuhr, schaffte er es genau wie Eleanor schnell, sich an das Fahren zu gewöhnen, ebenso wie George ein paar Minuten später.

Es machte ziemlichen Spaß. Sie fuhren im Kreis um den Platz, machten Schlangenlinien und Vollbremsungen und beschlossen dann, das es Zeit war, in die Lüfte zu steigen.

Sie fanden einen Knopf, der die gewünschte Funktion auslösen sollte, setzten sich ins Auto, George am Steuer und fuhren vom Ende des Platzes aus los.

„Schneller" Feuerte Fred seinen Bruder an und dieser stieg aufs Gaspedal. Sie gewannen einiges an Geschwindigkeit und rasten dem Ende des Platzes hingegen.

„Hoch" Rief Eleanor, die schon sah, wie sie mitten in das nah angrenzende Maisfeld fahren würden. „Jetzt hoch!"

George drückte auf den Knopf und das Auto machte im letzten Moment einen Ruck und hob vom Boden ab. Die Maispflanzen streiften nur noch die Unterseite des Autos und sie wurden alle nach hinten katapultierte. Eleanor haute sich den Kopf an und krallte sich mit der einen Hand panisch an der Tür fest, während sie mit der anderen Freds Hand umklammerte.

Ihr und Freds Blick trafen sich. Dann fingen sie beide an zu grinsen.

„Bei Merlins Unterhosen, das ist ja so was von cool!" Schrie Fred und starrte aus dem Fenster. Unter ihnen konnte Eleanor die Straße erkennen, über die sie gerade gefahren waren. Auch der Fuchsbau war zu erkennen und wirkte winzig.

„Ich will jetzt auch mal!" Sagte Eleanor, als sie eine Weile umhergeflogen waren.

„Okay" Meinte George. „Dann rück ich gleich auf den Beifahrersitz, du musst schnell übernehmen!" Eleanor nickte.

„Gas ist höher, Bremse niedriger" Erklärte George. „Okay" Sagte Eleanor.

„Gut, ich zähle bis drei" Sagte George. „Eins" Eleanor löste ihre Hand aus Freds. „Zwei" Sie rückte in die Mitte und drückte sich hoch. „Drei" Sie glitt an George vorbei auf den Fahrersitz und übernahm das Steuer.

„Whohoo!" Rief sie begeistert. Es war noch viel cooler, selbst hinter dem Steuer zu sitzen. Im Gegensatz zum Besenfliegen sauste ihr der Wind nicht so sehr um die Ohren, doch dafür war sie auch wesentlich weniger gewendig. Trotzdem machte es eine Menge Spaß.

Sie tauschten alle paar Minuten Platz und blieben in der Nähe des Fuchsbaus, um sich nicht zu verfahren – oder besser gesagt zu verfliegen. Sie stießen durch Wolken und streiften Baumspitzen. Fred wollte einen Looping fliegen und sie brachen sich zwar fast die Hälse, doch er schaffte es.

Eleanor hätte die ganze Nacht so fliegen können, doch sie spürte doch, das ihre Glieder allmählich schwer wurden. Es war ein sehr langer Tag gewesen und so landeten sie schließlich wieder auf der staubigen Straße, die zum Fuchsbau führte und fuhren zurück zur Garage. Sie hatten gerade das Schild passiert, auf dem verkehrtherum „Fuchsbau" zu lesen war, als plötzlich jemand aus dem Nichts vor ihnen auftauchte. Fred, der gerade am Steuer saß, machte eine Vollbremsung und so konnten sie es gerade noch verhindern, in die hochgewachsene Person vor ihnen hineinzukrachen.

„Charlie?" Sagte Fred entgeistert. Denn es war Charlie, der mit zusammengekniffenen Augen durch die Windschutzscheibe zu ihnen hineinspähte.

„George?" Hörten sie ihn durch das geöffnete Fenster hindurch verwirrt sagen.

„Fred" Verbesserte Fred ihn und beugte sich aus dem Fenster. „Mann, wir hätten dich fast getötet, geh mal aus dem Weg"

Charlie tat leicht taumelnd, wie ihm geheißen, sodass Fred an ihm vorbei wieder in die Garage fahren konnte, wofür er drei Versuche brauchte. Sie stiegen aus und schlossen die Garage hinter sich. Charlie wartete davor.

„Was habt ihr mit dem Ding gemacht?" Fragte er verwirrt.

„Wir sind es geflogen" Meinte Fred stolz.

„Ihr seid was?" Wiederholte Charlie mit einer Mischung aus Entsetzen und Bewunderung. Und Betrunkenheit.

„Geflo-gen" Wiederholte George langsam. „Aber sag's bloß nicht Mum, die bringt uns um"

„Hm" Sagte Charlie und musterte sie nachdenklich. „Okay"

„Cool" Sagte Fred. „Wir müssen jetzt wirklich rein. Gute Nacht"

Und damit ginge sie an dem verdatterten Charlie vorbei, schlichen die Treppe hoch und ließen sich erschöpft, aber zufrieden in ihre Betten fallen.
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