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Mmh, wie das duftet!

Kurzbeschreibung
GeschichteHumor / P12 / Gen
24.04.2022
26.04.2022
3
2.981
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24.04.2022 444
 
Es herrschte in dieser Nacht eine Dunkelheit wie im Inneren eines Iltisses. Eine Nacht, in der man von Albträumen geplagt unruhig schnarchte. Regen prasselte hinab wie Gewehrkugeln. Ein lebensmüder Tukan segelte durch die Lüfte und wurde von einem Blitz erfasst. Und aus den Gemäuern der Burg drang ein herzzerreißendes Geheule, das aus den Königsgemächern schwoll, hinaus in diese widerliche Nacht, in der Tukane lieber zu Hause bleiben sollten.

Hufe platschten im Galopp in den Schlamm des Weges. Wild spritzte der Morast umher und kam wieder zur Ruhe. Eine imposante Gestalt trieb das Pferd zu Höchstleistungen an. Der Regen rann an den stählernen Muskeln des teerschwarzen Hengstes hinab. Die roten Augen loderten wie kleine, höllengefrierende Feuer in Nacht und Regen. Der regenschwere schwarze Umhang des Reiters flatterte hinter ihm und erinnerte an frenetische Kinderarme während einer Achterbahnfahrt. Das ernste Gesicht lag tief unter einer Kapuze verborgen. Ein angebundener Sack aus durchgeweichten Leinen knallte immer wieder gegen den schwarzen Ledersattel. Er ritt in unnachgiebiger Finsternis, doch seine Destination hatte er fest im gedanklichen Blick. Er wusste, wo er langmusste. Er hatte einen Auftrag zu verrichten. Er hatte einen Auftrag abzuschließen.

Abrupt stoppte er vor einer heruntergekommenen Hütte mitten im Nirgendwo. Auf der Hütte lag die Decke des natürlich ausgelösten Desinteresses. Man wollte sie gar nicht erst ansehen und deswegen blieb sie den meisten verborgen. Ohnehin verirrte sich niemand hier her. Sie lag umgeben vom Sumpf, der in der Dunkelheit kauerte und hier und da gluckerte. So etwas wollte man gar nicht erblicken. So etwas sollte man auch besser nicht erblicken. Doch der bedrohlich wirkende Reiter war angekommen. Das Pferd bäumte sich geräuschlos vor den zwei wartenden Gestalten auf. Imposant türmte sich dieses epochale Schauspiel von Muskeln und Sehnen auf. Die beiden wartenden Gestalten rührten sich nicht. Auch deren Gesichter blieben verhüllt. Der Reiter, weiterhin auf dem imposanten Hengst verweilend, band behände den Sack vom Sattel und warf ihn der größeren Gestalt vor der Hütte zu, die ihn souverän fing. Er öffnete ihn, lugte hinein und nickte anerkennend den Kapuzenkopf.

„Ausgezeichnet.“, sagte er.

Keine Reaktion des Reiters. Seine behandschuhten Hände hielten die Zügel ergriffen. Er erwartete eine Gegenleistung. Man sah seine durchdringenden Augen zwar nicht, doch man war sich sicher, dass dieses Adjektiv angebracht war.

„Wie versprochen, hier die Bezahlung. Und ein kleiner Obolus.“, drang eine ruhige Frauenstimme unter der Kapuze der kleineren Gestalt hervor.

Ein Geldbeutel flog durch den Regen und wurde von einer Hand im Handschuh gekonnt aus der Luft gefischt. Die Kapuze des Reiters nickte kaum wahrnehmbar. Er ließ das Pferd wenden und machte sich zum Abritt bereit, als die männliche Stimme des größeren erklang:

„Äh, aber den Beutel hätten wir gern wieder.“
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