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Complete Mess

von Katelin
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance / P12 / Het
Ashton Irwin Calum Hood Luke Hemmings Michael Clifford OC (Own Character)
24.04.2022
12.05.2022
3
6.286
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24.04.2022 2.080
 
Uns ist oft nicht klar, wie sehr winzige Entscheidungen Einfluss auf unser Leben nehmen und es gänzlich verändern können. Es auf Wege führt, die wir uns nicht einmal in unseren kühnsten Träumen vorgestellt haben. Wendungen, die uns überraschen, zerstören, aber auch erfüllen können. Ein Wimpernschlag reicht, um alles auf den Kopf zu stellen. Ein Blick, um neue Türen zu öffnen und unser Herz zu stehlen. Doch wie weit ist man bereit zu gehen? Wie viel würde man opfern, ohne zu wissen, wo die Straße endet, die gerade erst neu gepflastert wird?

Jeder Stein kann für ein Hindernis, aber auch für eine Chance stehen.

Ich wünschte, jemand hätte früher mit mir darüber geredet. Noch bevor ich diesen kleinen Anruf tätigte, der mich aus meiner Komfortzone und geradewegs ins Radio holte. Wortwörtlich.

Der Radiosender 'Cityheart' war weder unbekannt, noch bekannt. Der schmale Grad lag irgendwo dazwischen. Immer wieder gab es Gewinnspiele, bei denen man grundsätzlich nicht durch die Leitung kam. Zumindest war das der Fall bei meinen halbherzigen Versuchen in der Vergangenheit gewesen. Diesmal allerdings stand mehr auf dem Spiel. Viel mehr. Eine Live Session mit meiner Lieblingsband 5 Seconds of Summer bereits nächste Woche Freitag. Kaum zu glauben, dass sie den Radiosender überhaupt kannten, aber dann auch noch nach Deutschland kommen? Diese Promotour für ihre neue Single gefiel mir immer besser. Seltsamerweise war ich ruhig. Völlig entspannt tippte ich die Nummer des Senders in mein Handy, wartete auf das Tuten und gab meine Kontaktdaten durch. Eine halbe Stunde später riefen sie mich zurück.

Kräftig schlug mir das Herz gegen den Brustkorb. Bumbum. Bumbum. Bumbum. Mit mir hatten neun weitere gewonnen und warteten vor der geschlossenen Doppeltür. Wir konnten ins schlicht gehaltene Foyer des Senders sehen, aber niemand zeigte sich. Es war, als wären alle Mitarbeiter verschwunden. Oder sie versteckten sich vor uns und den anderen Massen an Fans, die hier bereits vor Stunden ihr Lager aufgeschlagen hatten. Der Sekundenzeiger entpuppte sich als eine Schildkröte, weshalb die Zeit nur langsam verging.

Ich verlagerte mein Gewicht von einem Bein auf das andere und griff zum wiederholten Male nach dem Kleeblattanhänger meiner Kette. Am häutigen Tag sollte sie mir Glück bringen.

"Hallo, ich bin Jenny. Bitte zeigt mir eure Bestätigungsemails und eure Ausweise." Eine junge Frau öffnete endlich die Tür und lächelte uns freundlich an. Die Fans wurden lauter. Schrien nach 5SOS, die sie nicht so schnell sehen würden.

Es dauerte einige Minuten, bis ich endlich an der Reihe war. "Hallo", begrüßte ich sie freundlich und hielt ihr beide Dokumente hin.

"Lia Sommer." Sie überflog die Namensliste in ihrer Hand. "Ah, da bist du ja. Dein Name passt zur Band", witzelte sie und zwinkerte mir zu.

"Ja, das stimmt", murmelte ich halbherzig und schob mich an ihr vorbei. Den Spruch hörte ich nicht zum ersten Mal.

Uns erwartete ein Mann mit Vollbart, der breit lächelte und mir auf anhieb sympathisch war. "Kommt mit. Wir werden jetzt in einen Raum gehen und euch die Regeln erklären. Es ist wichtig, dass ihr euch an sie haltet, verstanden?"

Die Hälfte seiner Worte ging in dem Gerede und Gelache der anderen unter, als wir ihm folgten. Ich runzelte die Stirn und musterte sie. Den Moment, in dem sie sich alle kennengelernt hatten, musste ich irgendwie verpasst haben. Für gewöhnlich war es einfach, mit gleich gesinnten ins Gespräch zu kommen, aber sie schienen es nicht darauf anzulegen, mit mir zu reden.

Unauffällig sah ich an meiner dunkelgrauen High Waist Jeans und dem dunkelgrünen Top runter, das meiner Meinung nach das Grün meiner Augen betonte. Relativ normal. War ich ihnen zu still? Sollte ich den ersten Schritt machen, um mich mit ihnen auszutauschen? Aber das spielte keine Rolle. Ich war nicht hier, um Freundschaften zu schließen, sondern nach den endlosen Jahren 5SOS endlich persönlich zu treffen.

Lächelnd nahm ich auf einem der freien Stühle Platz, die genau abgezählt waren. An der Seite des kleinen Raumes waren weitere gestapelt. Neugierig sah ich mich um und stellte überrascht fest, dass es genau zehn waren. Hier würden wir die Jungs also nicht treffen. Bisher hatte ich mir gar keine Gedanken gemacht, wie die Session überhaupt ablaufen würde.

"Wir sind vollzählig." Der Mann klatschte freudig in die Hände. "Mein Name ist David. Gleich werdet ihr 5 Seconds of Summer kennenlernen. Freut ihr euch schon?"

Ich klatschte grinsend in die Hände, während einige zu schreien begannen. Grinsend drehte ich mich zu den anderen, fühlte mich nun doch dazugehörig. Wir alle hatten ein Ziel. Eine Sache, die uns verband.

"Habe ich mir schon gedacht." Er lachte herzhaft. "Also, es läuft folgendermaßen ab: Wir werden gemeinsam zu dem Raum dahinten gehen. Rechts stehen Sitzgelegenheiten und Kopfhörer bereit, die ihr bitte aufzieht, da die Jungs mit elektronischen Geräten arbeitet und der Sound dann besser klingt. Wir werden die Songs aufnehmen, also bitte singt nicht mit, kreischt nicht und genießt einfach die Show. Nach jedem Lied habt ihr die Zeit, um zu klatschen. Bitte steht nicht auf und bleibt sitzen, bis sie anschließend wieder rausgegangen sind. Ihr habt dann die Möglichkeit Fotos mit ihnen zu machen, die wir euch anschließend zuschicken werden. Je nachdem wie die Jungs drauf sind, werden sie euch auch Autogramme geben, aber sie haben nicht ganz so viel Zeit, weshalb das spontan entschieden wird. Und tut uns bitte den Gefallen und umarmt sie nicht. Wie gesagt, könnte die Zeit knapp werden und jeder soll drankommen. Außerdem sind sie nach dem Auftritt bestimmt verschwitzt und haben das nicht so gern."

"Dürfen wir unsere Handys mitnehmen?", fragte ein deutlich jüngeres Mädchen neben mir.

"Umarmungen sind nicht erlaubt?", stellte ein anderes erschrocken fest.

Beinah kam ich mir unter ihnen alt vor. Die Worte von David hallten immer noch in meinem Kopf nach. Sie waren hier, hatten aber nicht viel Zeit. Für ein Foto reichte es, für mehr vermutlich nicht. Meine Enttäuschung, nicht mal eine Umarmung bekommen oder mit ihnen reden zu können, war nur schwer zu verbergen. Tapfer hob ich mein Kinn an und atmete durch. Dennoch spielten sie gleich ein winziges Konzert, nur für uns zehn Personen. Das konnten nicht gerade viele von sich behaupten.

"Handys sind nicht erlaubt. Bitte lasst sie hier. Sie werden nicht aus dem Raum verschwinden. Also gut, dann folgt mir jetzt bitte." David lotste uns durch den Gang und die andere Frau, die uns an der Tür begrüßt hatte, kontrollierte, ob wir unsere Handys zurückließen. Gemeinsam liefen wir zu dem kleinen Raum, der dunkler war als erwartet. Einige kleinere Scheinwerfer spendeten das einzige Licht. Die Instrumente und Mikrofone waren in einem großen Halbkreis angeordnet, die schwarzen, viereckigen Sitzblöcke standen in der rechten Ecke. Ich sicherte mir einen Platz ganz vorn und strich mir über das Gesicht. Aufregung pulsierte in meinem Körper. Meine feuchten Handflächen trocknete ich an meinen Oberschenkeln.

Immer wieder hörte ich die anderen hinter mir leise flüstern und kichern, während ich mich auf die Geräusche konzentrierte, die von außerhalb kamen.

"Da sind sie", informierte uns eine Mitarbeiterin aus der anderen Ecke und nickte uns zu.

Wie eine Einheit standen wir auf und begrüßten sie klatschend. Ich grinste breit und wippte nervös auf und ab. Da waren sie. Und sie sahen so unglaublich gut aus. Luke betrat als erster den Raum, lächelte uns zu und hob die Hand. Oh verdammt, ich war ihm noch nie so nah. Selbst beim Soundcheck stand ich noch nie so weit vorn und jetzt trennten uns keine fünf Meter voneinander. Gleich dahinter folgten Ashton, Michael und Calum. Sie alle wirkten so sympathisch und waren so locker drauf, wie ich es mir niemals erträumt hätte.

"Hallo", begrüßten sie uns an ihren Plätzen. Luke griff nach dem Mikrofon vor sich. "Vielen Dank, dass wir heute hier sein dürfen. Wir beginnen mit Youngblood. Viel Spaß."

Die ersten Töne erklangen, dann die ersten Worte. Nach dem Song folgten Easier und Who do you love. Die Laute verschwammen untereinander, die Blicke, die sich die Band zuwarf, vereinzelt auch uns, wurden zu einer endlosen Abfolge von Bildern. Immer wieder klatschte ich, bis meine Handflächen brannten, das breite Lächeln schmerzte bereits in meinen Wangen.
Als ich kurz die Kopfhörer anhob, um den richtigen Sound zu hören, deutete Michael gleich, sie wieder aufzusetzen. Er sah mich an. Mich. Alles in mir spannte sich an. Ich unterdrückte mit meiner ganzen Kraft ein lautes Quietschen. Ebenso sehr nicht auf und ab zu hüpfen, wie ein überdrehtes Fangirl. Dabei war ich genau das. Scheiße. Es war so hart zu widerstehen. Ich nickte ihm zu und setzte die Kopfhörer wieder auf und hoffte einfach, ganz gelassen zu wirken.

Dann traf ich Lukes Blick. In mir setzte alles aus. Mir war bereits zuvor aufgefallen, wie gut er aussah. Schon auf den unzähligen Fotos, in den Videos, auf den Konzerten. Aber nichts und niemand hatte mich darauf vorbereitet, wie es war, direkt von ihm angesehen zu werden. Gesehen zu werden. Nicht so.

Eine angenehme Wärme breitete sich in meiner Brust aus, in meinem Magen. Verteilte sich in meinem ganzen Körper und ließ Hitze in meine Wangen steigen. Die Musik wurde zu einem Hintergrundgeräusch, einzig und allein Luke zählte. Und wie er das tat.

Eine Sekunde. Zwei. Er sah nicht weg. Seine blauen Augen bohrten sich tief in mich, seine Lippen deuteten ein Lächeln an, ehe er in den Refrain einstieg. Erst dann wandte er sich von mir ab und ermöglichte es mir, wieder zu atmen.

Atmen. Ich hatte nicht bemerkt, dass ich die Luft angehalten hatte. Gierig schnappte ich nach ihr und blinzelte einige Male, um zur Besinnung zu kommen. Sicherlich war ich nicht die Einzige, die ihm aufgefallen war. Flüchtig schaute ich zu den anderen, doch bei keiner konnte ich eine vergleichbare Reaktion ausmachen. Möglich, dass ich mir Lukes Aufmerksamkeit auch so sehr herbeigewünscht und sie mir nur eingebildet hatte. Doch selbst wenn, hatte ich diese Erinnerung, dieses Erlebnis bereits fest in meinem Herzen verschlossen.

Der letzte Ton von Who do you love verklang.

Luke sah zu Michael und deutete ihm näherzukommen. Er sagte etwas zu ihm, doch die Mikrofone waren zu weit entfernt, um etwas zu verstehen. Neugierig lehnte ich mich weiter nach vorn, als würde das irgendetwas ändern. Gleich darauf entfernte sich Luke von ihm und redete mich Calum, der daraufhin etwas zu Ashton sagte. In der Zwischenzeit winkte Michael eine Mitarbeiterin näher heran, die nickte und dann den Raum verließ.

"Was sie wohl besprechen?", flüsterte eins der Mädchen hinter mir.

"Ich hab kein Wort verstanden", antwortete ein anderes. Mir fiel auf, dass es nur weibliche Gewinnerinnen gab.
"Jetzt folgt der letzte Song – Valentine", kündigte Calum an.

Ein letztes Mal genoss ich den Klang der Instrumente. Wieder sah ich zu Luke, doch genau in dem Moment wandte er sich wieder Michael zu. Aber gut. Ich habe je einen Blick von beiden ergattert. Calum und Ashton schienen uns hingegen zum ersten Mal richtig wahrzunehmen. Neugierig musterten sie unsere Gesichter.

"Vielen Dank", verabschiedeten sie sich und verschwanden viel zu schnell nach draußen. Die Türen schlossen sich und eine seltsame Leere blieb in mir zurück.

"Ihr habt das toll gemacht", lobte uns die Frau vom Eingang. "Die Jungs haben festgestellt, dass sie doch noch etwas Zeit haben, bevor sie bei ihrem nächsten Termin erwartet werden. Sie erwarten euch in dem Raum, in dem ihr eure Sachen gelassen habt. Ihr habt etwa eine halbe Stunde Zeit, um ihnen Fragen zu stellen – die sie euch aber nicht zwingend beantworten werden – und mit ihnen Gespräche zu führen. Bitte benehmt euch und haltet euch an eure Plätze", wies sie uns an.

Oh mein Gott! Sie bleiben noch. Für einen Augenblick konnte ich das Quietschen nicht unterdrücken und sprang auf. Ich verschmolz mit den anderen.

"Bleibt in einer Reihe und nicht rennen", ermahnte uns David, als er die Tür öffnete und voranging.

Ohne es verhindern zu können, folgte ich schnell dem Mädchen neben mir. Zwei weitere liefen vor uns. Ich ballte meine Hände zu Fäusten, in der Hoffnung das Zittern so loszuwerden. Fehlanzeige. Selbst als die Jungs vorhin reinkamen, war ich nicht so aufgeregt gewesen, wie jetzt. Bereits von weitem konnte ich sie sehen. Fast alle Wände hier unten waren verglast, wie mir jetzt auffiel. Lässig saßen sie auf vier Stühlen, die gegenüber von unseren aufgestellt worden waren.

Die Tür öffnete sich und wir alle verstummten auf einem Schlag, als wir uns auf unsere Plätze setzten.
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