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Spiel mit dem Feuer

von Celebne
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P12 / Het
Cersei Lannister / Baratheon Eddard "Ned" Stark Jon Schnee OC (Own Character)
23.04.2022
06.08.2022
16
42.212
4
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06.08.2022 2.238
 
Kapitel 16: Nach Hause

Sieben Monate vergingen und es hatte sich viel in Westeros getan: König Robert hatte mit Hilfe seiner Brüder, den Tyrells und dem Norden die Lannisters besiegt. Tywin und seine drei Kinder saßen jetzt im Kerker des Roten Bergfrieds, während Tommen und Myrcella in die Obhut einer strengen Septa gekommen waren. Wenn Tommen fünfzehn geworden war, sollte er das Schwarz anlegen und Myrcella zu den Schweigenden Schwestern kommen. Robert Baratheon hatte seine Ehe mit Cersei annullieren lassen und sich mit Lady Margaery aus dem Hause Tyrell verlobt. Er wollte mit ihr endlich eigene Kinder zeugen und sie strebte danach, an seiner Seite über Westeros zu herrschen.

Jon wurde zwar für seine Heldentaten bei der Verfolgung von Cersei sehr gelobt, allerdings erhielt er dafür nicht den Ritterschlag, da er unerlaubt mitgeritten war und gegen den ausdrücklichen Befehl von Ser Barristan gehandelt hatte. Dieser hatte ihn auch nicht mehr als Knappen gewollt, weil er enttäuscht von Jons Ungehorsam war und so war der junge Stark auf der Suche nach einem neuen Ritter. Lady Alisane war ins Grüne Tal zu ihrer Familie zurückgekehrt, um sich dort von der Strapazen ihrer Entführung zu erholen. An eine Heirat war vorerst nicht zu denken, denn so lange Jon den Stand eines Knappen innehatte, konnte er einer vornehmen Lady wie Alisane nichts bieten.

Ned Stark jedoch bat den König, sein Amt als Hand niederlegen und nach Winterfell zurückkehren zu dürfen. Er hatte beunruhigende Nachrichten aus dem Norden bekommen: die Boltons hatten aus heiterem Himmel die Burg Cerwyn überfallen und ausgeraubt. Neds ältester Sohn Robb konnte sich nicht um die Boltons kümmern, denn er litt immer noch an einer schweren Verwundung, die er sich bei einer der Schlachten gegen die Lannisters zugezogen hatte und war deswegen nicht in der Lage zu reiten.
„Das ist schade, Ned“, meinte Robert bedauernd und nippte an seinem Weinkelch, während sie zusammen im Solar des Königs saßen. „Dann muss ich wohl meinen mürrischen Bruder Stannis zu meiner neuen Hand ernennen. Naja, der Ärger mit den Lannisters ist jetzt wenigstens vorbei und ich kann meine Schulden mit ihren Besitztümern bezahlen. Kevan Lannister und seine Familie sind ohne dem Alten Löwen nur noch zahme Kätzchen und fressen mir schnurrend aus der Hand.“
Er lachte laut über seinen eigenen Scherz, doch sein Gelächter wurde schließlich von einem Hustenanfall erstickt. Ned, der zunächst mitgelacht hatte, wurde ernst, als er sah, dass der König sogar Blut hustete. Seit einigen Wochen ging schon das Gerücht im Roten Bergfried herum, dass es mit der Gesundheit von König Robert nicht zum besten stand. Daher tat es ihm leid, seinen alten Freund nun verlassen zu müssen.
„Stannis wird dir sicher gut dienen“, sagte Ned mit einem verzerrten Lächeln und klopfte Robert vorsichtig auf die Schultern.
„Stannis wird auch die Krone von mir erben“, murmelte der König nachdenklich.
„Ach was!“, machte Ned schief grinsend und winkte ab. „Du wirst bald selbst mit Margaery einen Erben zeugen und…“
„Ned, ich weiß, was mit mir los ist“, unterbrach Robert ihn mit rauer Stimme. „Pycelle, der alte Tunichtgut, hat mir gesagt, dass meine Lunge kaputt ist. Ich habe wahrscheinlich nicht mehr lange zu leben. Daher muss ich meine Nachfolge regeln.“
Ned nickte stumm und trat tieftraurig ans Fenster. Sprechen konnte er jetzt nicht, denn dann würde ihm die Stimme versagen. Er ließ den König alleine und begab sich zurück in den Turm der Hand, um mit seinen Kindern über die baldige Abreise zu reden.

Jon saß verbittert in seinem Gemach und verfasste wieder einmal einen Brief an Alisane, als sein Vater anklopfte und um Einlass bat. Der knapp Neunzehnjährige erhob sich von seinem Schreibpult und grüsste Ned höflich, nachdem dieser hereingekommen war.
„Wir werden morgen nach Winterfell abreisen“, erklärte er seinem Sohn. „Ich möchte, dass du auch mitkommst.“
Jon nickte traurig, denn er wusste, dass Alisane wahrscheinlich nicht mehr an den Hof von Königsmund zurückkehren würde. Außerdem würde er hier wohl auch so schnell keinen Ritter mehr finden, der ihn in seine Dienste nahm. Unter den Knappen nannte man ihn  spöttisch "Jon, den Eigensinnigen". Ned schien seine Gedanken lesen zu können, denn er versicherte ihm, dass er für ihn einen passenden Ritter im Norden finden würde.
Nachdem Ned auch seine Töchter informiert hatte, von denen erstaunlich wenig Gegenwehr kam, verließ er zufrieden die Kemenate. Doch auf der Treppe zu seinem Solar begegnete ihm Petyr Baelish, der Ned süffisant anlächelte.
„Ich habe gehört, dass Ihr Königsmund wieder verlasst, Lord Stark. Es gibt wohl viel zu tun in Euerer nördlichen Heimat, was?“
Ned blickte den schnurrbärtigen Mann grimmig an und sagte nichts. Am liebsten hätte er Kleinfinger gepackt und gewürgt, denn er wusste genau, dass dieser Cerseis Flucht ermöglicht hatte. Doch Baelish hatte für ein hieb- und stichfestes Alibi gesorgt, indem er dem König erklärt hatte, dass er an jenen Nachmittag die ganze Zeit bei einem Kaufmann gewesen sei und gar keine Möglichkeit gehabt hatte, Cersei zu helfen. Den Kaufmann hatte er natürlich bestochen, was Robert ahnte, aber nicht nachweisen konnte. Ned war froh, dass er diesen verlogenen, manipulativen Mann wohl niemals wieder sehen musste. Er hatte gehört, dass Baelish sogar weiterhin Meister der Münze bleiben sollte, denn es gab keinen anderen, der sich so gut mit Geld auskannte.

Als Ned über den großen Burghof ging, um seinen Haushofmeister Vayon Poole noch letzte Instruktionen wegen der Abreise zu geben, sah er, wie einige Soldaten den Bluthund Sandor Clegane gefesselt zum Burgtor hereinbrachten. Dieser hatte eine Wunde an der Stirn und machte ein grimmiges Gesicht. Renly Baratheon kam aus dem Turm, in welchem er lebte, und er befahl den Soldaten, Clegane in den Kerker zu werfen.
„Ihr werdet dann zusammen mit den Lannisters in einigen Wochen vor das königliche Gericht gestellt“, erklärte der jüngste Bruder des Königs barsch.
Ned war froh, dass er dieser Gerichtsverhandlung nicht mehr beiwohnen musste. Er wollte nie wieder eines dieser falsch lächelnden Lannister-Gesichter sehen.

Am nächsten Morgen brach der Troß der Starks Richtung Norden auf. Da Neds treueste Leibwächter von Jaime Lannister getötet worden waren, hatte ihm der König großzügigerweise eine Truppe zuverlässiger Soldaten überlassen, welche die Starks sicher nach Hause geleiten sollten. Jon war froh und traurig zugleich, als er Königsmund hinter sich ließ. Er dachte an seine romantischen Treffen mit Alisane, aber auch daran, wie gefährlich das jedes Mal gewesen war. Wenn er wieder im Norden war, wollte er sich anstrengen, um bald zum Ritter geschlagen zu werden. Er hoffte, dass Alisanes Vater nicht auf die Idee kam, seine Tochter vorher schon unter die Haube zu bringen. Alisane war mit siebzehn Jahren eine erwachsene Frau und unter anderen Umständen längst verheiratet.
„Glaubst du, wir finden unterwegs unsere Schattenwölfe wieder?“, fragte plötzlich die knapp zwölfjährige Arya, die neben ihrem Bruder auf einem Pony ritt.
„Ich weiß es nicht“, murmelte Jon finster, der lieber seine Ruhe haben wollte.
Arya zog ein beleidigtes Gesicht und lenkte ihr Pony von ihm weg. In letzter Zeit war ihr Verhältnis zu Jon schlechter geworden und sie fragte sich, an was das lag. Trotzdem war er im Vergleich zu ihren anderen Geschwistern immer noch ihr Lieblingsbruder. Ihr Vater hatte ihr gesagt, dass sie auch irgendwann einen jungen Ritter oder Lord heiraten musste, aber das konnte sie sich beim besten Willen nicht vorstellen. Arya war weder am Nähen, noch an der Führung eines Haushaltes interessiert, sondern nur für den Schwertkampf und das Bogenschießen zu begeistern. Septa Mordane hatte ihre liebe Not mit dem jüngeren Stark-Mädchen, aber Arya hatte einfach kein Talent zum Nähen und Liedersingen. Sansa dagegen saß mit der Septa im Pferdewagen und trällerte gerade mit ihr zusammen eine fröhliche Sommerweise. Nachdem sie erfahren hatte, dass Joffrey solch ein übler Schurke gewesen war, war sie rasch über ihn hinweggekommen.

Sie kamen gut voran und erreichten bereits nach einer Woche das Gasthaus am Kreuzweg. Dort wollte Ned eine längere Rast einlegen, weil ein Rad des Pferdewagens sich gelockert hatte und ersetzt werden musste. Einsam streifte Jon durch den kleinen Auenwald am Trident und dachte an Alisane, mit der er dort unbeschwerte Stunden verbracht hatte, bis Nymeria am Flussufer Prinz Joffrey gebissen hatte. Während er bedrückt seinen Erinnerungen nachhing, kam plötzlich Arya herbeigelaufen.
„Jon, hier hast du doch unsere Schattenwölfe ausgesetzt“, rief sie. „Bitte, lass uns doch nach ihnen suchen! Ich will Nymeria wiederhaben!“
„Das ist zu gefährlich“, gab Jon zu bedenken. „Es ist fast ein Jahr her, seit wir sie hier fortgeschickt haben. Es sind schließlich Raubtiere und es ist gut möglich, dass sie uns jetzt nicht mehr erkennen.“
Doch Arya hörte nicht auf zu betteln und so wagte Jon einen halbherzigen Versuch, mit ihr nach Nymeria und Geist zu suchen. Das Mädchen schrie laut den Namen ihres Wolfs in den Wald hinein, während Jon ein paar Mal Geists Namen rief.
„Sie sind wahrscheinlich längst nicht mehr in dieser Gegend“, meinte er nach einer Weile ungehalten.
In Aryas große Augen stiegen jetzt Tränen und sie blieb resignierend stehen.
„Ich habe doch niemanden außer Nymeria“, flüsterte sie tonlos und senkte den Kopf.
Jon ging jetzt vor ihr in die Hocke und hob sanft ihr Kinn mit zwei Fingern an.
„Wir haben dich alle lieb, Arya. Du hast Vater, deine Mutter, unsere Geschwister und mich. Was ist mit dir los?“
„Gar nichts“, gab das Mädchen trotzig zurück und schlug mit einem Stock gegen einen Baum.
„Es wird bald dunkel“, mahnte Jon. „Lass uns zum Gasthaus zurückgehen, bevor Vater zornig wird.“
Als die beiden Geschwister durch den Wald zurücktrotteten, sahen sie nicht, dass zwei Augenpaare ihnen folgten. Es waren rote und gelbe Wolfsaugen.

Als sie am nächsten Morgen aufbrechen wollten, war Arya plötzlich verschwunden. Ned fluchte ärgerlich auf, weil ihm das Mädchen sowieso schon von Tag zu Tag störrischer vorkam. Zuhause in Winterfell wollte er sich zusammen mit Catelyn und Septa Mordane überlegen, wie es mit Aryas Erziehung weitergehen sollte. Er schickte Jon los, damit er nach ihr suchte.
„Nimm einen Soldaten mit“, fügte er hinzu und winkte  Gared Sand herbei, einen jungen Bastard aus dem Süden.
Jon lief zusammen mit Gared an das Flussufer des Trident und rief Aryas Namen. Nach einer Stunde brachen sie entmutigt die Suche ab und wollten wieder zum Gasthaus zurückkehren. Doch da tauchte Arya plötzlich auf mit Nymeria an ihrer Seite und strahlte über das ganze Gesicht. Hinter Nymeria tappte Geist, als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt.
„Geist!“, rief Jon erfreut aus und näherte sich vorsichtig seinem weißen Schattenwolf.
Geist begrüßte seinen Herrn, als ob er nie von diesem getrennt gewesen sei, und Jon kamen fast die Freudentränen, während ihm der Schattenwolf das bärtige Gesicht ableckte.
Ned war froh, dass Arya wieder heil zurückgekehrt war, aber er hielt ihr trotzdem eine kleine Strafpredigt.
Danach ging die Reise ohne weitere Vorkommnisse weiter nach Winterfell.

Catelyn Stark hatte für die Rückkehrer aus Königsmund eine Willkommensfeier arrangiert. Sie hatte mehrere Schweine schlachten und für Sansa, Arya und Ned deren Leibspeisen kochen lassen. Was Jon gerne aß, war ihr gleich. Sie hatte so sehr gehofft, dass der Bastard im Süden bleiben würde, aber Ned brachte ihn wieder mit nach Winterfell. Was sie am meisten ärgerte war die Tatsache, dass Jon jetzt ein Stark war. Darüber musste sie mit Ned unbedingt ein ernstes Wörtchen reden, aber erst einmal war sie froh, dass alle wieder gesund zuhause waren. Sansa war die erste, die ihr um den Hals fiel, während Robb Arya hochhob und erstaunt war, wie schwer sie geworden war. Jon merkte das Gleiche bei Rickon, der jetzt sieben Jahre alt war. Bran saß in einem Stuhl mit großen Rädern an den Seiten und blickte lächelnd auf seine Geschwister. Ned beugte sich hinunter zu ihm und küsste ihn auf die Stirn.
„Du bist auch gewachsen“, stellte er bewundernd fest.
„Es ist gleich, ob ich noch wachse“, meinte Bran traurig. „Laufen kann ich eh nicht mehr.“
Plötzlich stand Jon direkt vor Catelyn und blickte sie freundlich an.
„Ich grüße Euch, Mylady“, sagte er höflich und verbeugte sich vor ihr.
Doch sie hatte nichts außer eisiges Schweigen als Antwort und wandte sich dann ab von ihm. Ned, der die Szene zufällig beobachtet hatte, seufzte leise.
„Was macht deine Wunde, Robb?“, fragte er dann seinen ältesten Sohn und Erben.
„Luwin wollte mir schon den Unterschenkel amputieren, aber die Wunde ist nun am Heilen. Allerdings kann ich nur schlecht laufen und gar nicht reiten“, erklärte Robb, dessen rötlicher Bart inzwischen ganz dicht geworden war.
Er benutzte zum Laufen einen Stock und Ned erinnerte sich daran, dass er bis vor kurzem auch einen Stock benötigt hatte wegen seiner eigenen Beinwunde.
Jon durfte zum ersten Mal bei dieser Feier neben seinen Geschwistern an der großen Tafel sitzen und nicht ganz hinten in der Ecke wie sonst. Auch das mißbilligte Catelyn, aber er war jetzt nun mal ein Stark und gehörte jetzt richtig zur Familie. Mit sauertöpfischer Miene betrachtete sie Jon, der schräg gegenüber von ihr saß. Ned führte während des Essens bereits ein wichtiges Gespräch mit Ser Rodrik und Maester Luwin. Auch Robb wurde mit hinzugezogen, da er ja von seinem Vater etwas lernen sollte.

Nach dem Essen zog sich Catelyn auf Geheiß von Ned mit den beiden Mädchen zurück in die Kemenate, während der Herr von Winterfell noch mit Ser Rodrik, Luwin, Robb und auch Jon etwas besprechen wollte. Dass Jon bei diesem wichtigen Gespräch zugegen sein sollte, passte der Lady natürlich auch wieder nicht, aber sie wagte nicht, gegen ihrem Gemahl aufzubegehren. Immerhin war sie sehr froh darüber, dass Ned wieder zuhause war, und noch überwog ihre Freude den Hass auf Jon.


tbc...
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