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2022 04 23: Alien? [by Sira-la]

Kurzbeschreibung
OneshotÜbernatürlich / P6 / Gen
Hermine Granger
23.04.2022
23.04.2022
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4 Reviews
Dieses Kapitel
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23.04.2022 875
 
Tag der Veröffentlichung: 23.04.2022
Titel der Geschichte: Alien?
Song: „Ich glaube, ich bin ein Alien“ von fliggsy
Autor: Sira-la
Kommentar des Autors: Der heutige Prompt war eine ganze Weile offen. Dann hab ich die Liste nochmal durchgesehen und hatte plötzlich die kleine Hermine vor Augen, die ihre Magie entdeckt. Viel Spaß beim Lesen :D



Alien?


Hermine sah konzentriert die gelbe Blüte auf ihrer Handfläche an. „Flieg“, murmelte sie.
Nichts passierte.
Sie machte ein unzufriedenes Geräusch, kniff die Augen zusammen und probierte es erneut.
„Flieg!“
Nichts passierte.
Hermine seufzte, legte den Kopf in den Nacken und sah zum Himmel hinauf. Die Sonne blendete sie, aber das störte Hermine gerade nicht. „Warum funktioniert es nicht?“, fragte sie leise.
Natürlich bekam sie keine Antwort. Ihre Eltern waren noch arbeiten und Freunde, mit denen sie den Nachmittag verbringen könnte, hatte Hermine nicht, obwohl sie jetzt schon seit einigen Monaten in die Schule ging. Ihre Klassenkameraden spürten instinktiv, dass Hermine anders war.
Also saß sie allein im Garten, versteckt unter den Zweigen der strahlend gelben Forsythie. Hermine liebte diesen Strauch, der nur wenige Wochen im Frühling blühte, in dieser Zeit aber immer wie eine auf die Erde gefallene Sonne aussah. Erneut sah Hermine auf ihre Handfläche und starrte die Blüte an.
„Flieg!“, befahl sie erneut. Diesmal spürte sie ein leichtes Kribbeln auf ihrer Haut. Die Blütenblätter bewegten sich, Hermine war sich ganz sicher.
„Flieg“, wiederholte sie, konzentrierte sich ganz fest auf diesen Befehl. Und tatsächlich. Die Blüte fing an zu schweben.
Hermine lachte begeistert. Sofort fiel die Blüte zurück auf ihre Hand, aber Hermine war zufrieden. Sie hatte es gewusst! Sie hatte gewusst, dass sie anders war. Dass es kein Zufall war, wenn die Gläser der Bilderrahmen zersprangen, wenn sie wütend war. Dass es kein Zufall war, wenn die Keksdose vom Schrank rollte, wenn Hermine Kekse haben wollte.
Den Ausschlag für ihr Experiment hatte der heutige Schultag gegeben. Hermine war ihr Stift aus den Fingern gerutscht und unter den Stuhl ihres Klassenkameraden gerollt. Hermine war nicht dran gekommen, aber natürlich hatte der Junge gar nicht daran gedacht, ihr den Stift zu geben. Und plötzlich war der Stift in ihre Richtung gerollt, ohne dass es einen Grund dafür gegen hätte, außer Hermines Wunsch.
Hermine konzentrierte sich wieder auf die Blüte. „Flieg“, befahl sie.
Nichts passierte.
Hermine brummte unzufrieden. „Flieg!“ Sie konzentrierte sich. Ein merkwürdiges Gefühl stieg in ihr auf und plötzlich fühlte sich ihr Kopf so leicht an, als würde er schweben. Gleichzeitig hob die Blüte ab. Hermine hielt ihren Blick fest auf sie gerichtet, während die Blüte immer höher stieg. Genauso plötzlich verschwand das Gefühl wieder und die Blüte schwebte sanft hinab Richtung Boden. Hermine fing sie lächelnd aus der Luft. Jetzt hatte sie zwar Kopfschmerzen, aber sie war zufrieden, als sie sich unter den Zweigen der Forsythie zusammenrollte und die Augen schloss.

***

Hermine kniete auf dem Boden. Inzwischen trug die Forsythie keine Blüten mehr, dafür war der ganze Bereich um den Strauch mit den gelben Tupfen bedeckt.
Hermine hielt ihre flache Hand über den Boden. Sie konzentrierte sich, bis sie das Gefühl in sich spürte. Langsam hob sie ihre Hand. Eine, zwei, drei, zehn, immer mehr Blüten folgten wie von unsichtbaren Fäden gezogen der Bewegung. Hermine grinste, ballte ihre Hand zur Faust und die Blüten fielen zurück auf den Boden. Sie wartete, bis auch die letzte Blüte wieder lag, dann streckte Hermine ihren Arm zur Seite und deutete auf das Buch, das auf dem Terrassen-Tisch lag.
„Komm“, befahl sie.
Das Buch bewegte sich leicht, weiter passierte nichts.
Hermine machte ein unzufriedenes Geräusch, konzentrierte sich auf das Gefühl und die Leichtigkeit in ihrem Kopf. „Komm!“, befahl sie erneut.
Quälend langsam erhob sich das Buch ein kleines Stück, bevor es rasend schnell auf Hermine zuschoss. Sie schaffte es gerade noch, es zu bremsen, bevor es bestimmt sehr schmerzhaft gegen ihre Brust geknallt wäre.
„Das muss ich noch üben“, sagte sie zu sich selbst. Erneut war sie allein im Garten.
Hermine strich mit der Hand über den Einband des Buches, auf dem eine wunderschöne Spiralgalaxie abgebildet war. Sie legte ihren Kopf in den Nacken und sah zu den Wolken hinauf, die ihr heute die direkte Sicht auf die Sonne versperrten. „Wo komme ich her?“, fragte sie leise.
Seit sie vor ein paar Wochen zufällig ins Wohnzimmer gekommen war, als ihre Eltern ‚Doctor Who‘ geschaut hatten, stand für Hermine fest, dass sie ein Alien sein musste. Kein Mensch besaß Kräfte, wie sie es tat. Sie hatte nur noch nicht herausgefunden, wo genau sie herkam. In ‚Doctor Who‘, das ihre Hauptquelle war, gab es zwar viele verschiedene Spezies, aber jemand mit ihren Kräften hatte sie da noch nicht gesehen.
Hermine zuckte mit den Schultern. Sie war noch jung. Sie hatte noch Zeit, herauszufinden, wo sie wirklich herkam. Und sie liebte ihre Eltern. Sie wollte gar nicht weg von ihnen. Deshalb hatte sie ihnen auch noch nichts von ihren Kräften erzählt. Hermine wollte ihren Eltern keine Angst machen. Sie wollte nur herausfinden, wo sie herkam, damit sie, wenn sie älter war, dorthin eine Nachricht schicken konnte.
Hermine machte es sich unter der Forsythie bequem und schlug das Buch auf.
Erst Jahre später sollte sie erfahren, dass sie kein Alien war, sondern eine Hexe.
Doch das ist eine andere Geschichte.
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