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Verflucht

Kurzbeschreibung
MitmachgeschichteAllgemein / P16 / Mix
OC (Own Character)
22.04.2022
24.01.2023
16
60.428
5
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24.01.2023 4.456
 
14.Kapitel: Der Wolf und das Mädchen


Sein zweifarbiger Blick beobachtete ihre geschickten Bewegungen. Wie sie, mit einer kleinen Sichel, gezielt und ohne jede überflüssige Bewegung die kleine Erntesense schwang und die Kräuter erntete, die in dem kleinen Hochbeet wuchsen, dass vor einer niedlichen, kleinen Hütte stand.
Er saß unter einem Orangenbaum und leckte sich über die Schnauze, während er sie beobachtete, bevor er zu hecheln begann.
Der Weg hier her war eine ganz schöne Strecke gewesen. Das kleine Häuschen lag etwas abseits der Stadt, in einem kleinen Wäldchen. Hier war es ruhig und beschaulich. Angenehm. Die Natur war hier unberührt und allseits zu gegen. Es gab hier Tiere und der Wald war gesund. Ganz offensichtlich wurde sich um diesen gekümmert. Aber das war recht Typisch für Garden. Auf der Insel gab es allerlei Orte, die so beschaulich und ruhig waren.
Dafür war die Insel quasi bekannt. Und für ihre Wildkräuter.
Wildkräuter die dieses Mädchen ganz offensichtlich selbst anbaute. Es schien fast so, als wolle sie versuchen sie zu züchten. Was ihr offenbar ganz gut gelang.
Über ihre schmalen, hübsch geschwungenen Lippen legte sich ein Lächeln, als sie die Geernteten Kräuter betrachtete und leicht an ihnen zupfte. Sie auseinander drückte und ihre Nase dicht an diese hielt, um ihren Geruch auf zu nehmen.
Vorsichtig und langsam legte sich der Wolf neben den Orangenbaum und beobachtete sie weiterhin aufmerksam. Bisher hatte sie ihn offenbar noch nicht bemerkt.
Was sich jedoch ziemlich schnell änderte, als sie aufstand und wohl zurück ins Haus wollte.
Welches, nebenbei bemerkt, wirklich niedlich war. Es bestand aus dunkelrotem Backstein und besaß ein dunkelgrünes, lackiertes Schieferdach. An seinen Wänden wuchsen Kletterpflanzen empor und verliehen dem Häusschen etwas romantisch- verträumtes. Wie aus einem kleinen, süßen Märchen. Die Butzenglasfenster ließen nur erahnen, was drinnen sein könnte und die verschnörkelte, dunkelgrün gestrichene Holztür mit den Eisenbeschlägen rundete das ganze Bild ab. Aus einem kleinen Schornstein stieg Rauch empor und verriet, dass im Inneren ein Feuer in einem Kamin prasseln musste.
Um das Häuschen herum waren feinsäuberliche Blumenbeete angelegt worden, in denen Blumen in voller Pracht erblühten. Sie wurden mit niedrigen kleinen Holzzäunen abgegrenzt und zwischen ihnen schlängelte sich ein leicht bewachsener Pfad aus einzelnen, in den Boden eingelassenen Trittsteinen entlang. Der Garten um das Haus herum war mit einem niedrigen, dunkelgrünen Zaun abgegrenzt und vorne, am Gusseisernen Tor gab es einen kleinen Briefkasten.
Der Orangenbaum unter welchem Wiesel lag, lag außerhalb dieses Gartens und war nicht der einzige seiner Art hier, aber der, der dem Tor am nächsten stand.
Ihr hellbrauner Blick streifte seine liegende und entspannte Gestalt, stockte und kehrte zu ihm zurück, als sie über ihn hinweg streifte.
Als sie zu ihm zurück fand, weiteten sich ihre Augen und sie zuckte zusammen, was ihn innerlich etwas erheiterte. Da kannte jemand offenbar den Unterschied von Hund zu Wolf.
Er spitzte die Ohren, bei ihrer Bewegung, doch dann entspannte er sich scheinbar wieder und leckte sich träge über die Schnauze.
„E-ein Wolf?“, schluckte das Mädchen etwas und sah sich nervös um. Was machte ein Wolf hier? Wölfe waren selten allein Unterwegs…
Und ein Rudel Wölfe war nicht unbedingt das, was sie gebrauchen konnte.
Vorsichtig sah sie sich um, wobei sie den Wolf nicht aus den Augen ließ, der absolut keine Anstalten machte, sich irgendwie groß zu regen.
Noch während sie sich umsah, wich sie langsam zu ihrer Haustür zurück. Allerdings war von einem oder mehreren weiteren Wölfen nichts zu sehen. Als sie die leicht erwärmte Türklinke hinter sich griff, spitzte der Wolf die Ohren und sah den Pfad herab, der von der Stadt aus hier her führte. Er stand auf, sträubte sein Fell und begann zu knurren. Ein tiefes, bedrohliches Knurren, dass die Luft zum Vibrieren brachte.
Die vier bekannten, vermummten Gestalten aus der Stadt erschienen zwischen den Bäumen und blieben überrascht stehen, als sie den Wolf erblickten, der vor dem Schmiedeeisernen Tor stand.
Milena sah den Wolf erstaunt an, genauso wie die anderen vier, die dieses Mal darauf verzichtet hatten, sich ihre Kapuzen über zu ziehen und direkt und offen auf sie zukamen.
Der bullige Typ, lief natürliche vorneweg und verzog das kantige, vernarbte Gesicht, während die Frau einen überraschten Schritt zurück machte, so wie auch die anderen beiden Männer.
„Was zum Teufel? Niemand hat erwähnt, dass sie einen Hund hält!“, grollte Legos.
„Ähm“, räusperte sich einer der anderen Typen und schob sich eine Brille zurecht. Soweit sich V erinnerte, war er es gewesen, der den Knaben auf Lebenszeichen untersucht hatte. „Genau genommen, ist das ein Wolf…“
„Wolf oder Hund, ist doch egal! Niemand hat erwähnt, dass sie nen Wolf im Garten hat!“
„Naja“, begann der Brillenträger zögerlich, „Streng genommen sitzt er vor ihrem Garten.“
„Das spielt doch noch viel weniger eine Rolle!“, mischte sich der dritte Mann in das Gespräch ein.
„Nicht unbedingt“, widersprach er ihm, „Das könnte bedeuten, dass der Wolf nicht ihr gehört, sondern nur zufällig dort ist.“
„Das glaubst du doch wohl selbst nicht, Tom“, brummte Legos, „Als ob hier rein zufällig ein einzelner Wolf vor ihrem Garten rumsitzt.“
„Nun…“
„Schluss damit!“, grollte der Mann und fixierte V aus harten, dunkel-grauen Augen heraus. Er griff unter seinen Mantel und holte ein Gewehr hervor, mit dessen Lauf er auf den Wolf zielte, „Hab noch nie etwas für Tiere übrig gehabt!“, grinste er und es schwang etwas in seinem Blick mit, das Wiesel’s Instinkte ansprach und ihn zur Seite springen ließ.
Kaum einen Sekundenbruchteil später, ertönte ein Schuss, prallte am Tor ab und verursachte ein markantes, Gänsehaut erregendes Geräusch.
Doch es verfehlte den Wolf, der nicht stehen blieb und in einem atemberaubenden Tempo auf den Mann zu raste. Das Fell wild gesträubt, die Zähne gefletscht und tief knurrend, stürzte er sich auf den Bastard.
Der Verstand, dass er für einen weiteren Schuss nicht mehr genug Zeit hatte und schlug daher mit dem Kolben nach ihm. V, der bereits zum Sprung angesetzt hatte, konnte dem Schlag nicht mehr ausweichen und wurde hart am Kopf getroffen.
Entfernt hörte er, wie Milena an ihrer Haustür auf keuchte als es  ihn hart gegen den nächsten Baum schleuderte, wo er seine eigenen Knochen knirschen hörte und laut auf winselte.
Doch kaum berührte er den Boden, schüttelte er sich und drehte den Kopf.
Jetzt, war er sauer.
Sein verschiedenfarbiger Blick, der sich auch in seinen Tiergestalten nie veränderte, strahlte nunmehr etwas Mordlüsternes aus und automatisch wichen die Vier vor dem Wolf zurück, als dieser erneut knurrte. Dieses Mal vibrierte es nicht nur in der Luft, sondern glitt auch durch den Boden und hinauf in die Glieder der vier.
Aus dem Stand heraus sprang der Wolf und Legos blieb nur noch, seinen Arm hoch zu reißen, in den V seine Zähne bohrte. Der Geschmack von Kupfer legte sich auf seine Zunge und er verzog seine Lefzen zu einem Wölfischen Grinsen.
Der Mann schrie auf und schlug erneut nach dem Wolf. Es ging ein Ruck durch den starken Körper des Tieres, doch er ließ nicht locker. Eher noch stützte er sich mit seinen Pfoten an dem massigen Körper des Mannes ab und begann wild an dem Arm zu zerren und zu reißen.
Er schrie erneut auf und versuchte nun eher Panisch den Wolf von sich weg zu zerren, als überlegt. Nur das V nicht locker ließ und eher noch seine Zähne tiefer in den Arm des Mannes drückte. Bis es bedrohlich zu knacken und zu knirschen begann.
Milena beobachtete etwas ungläubig das Szenario, das sich vor ihrem Garten abspielte. Ähnlich wie Legos‘ Begleiter, die den Angriff des Wolfes noch zu verarbeiten schienen. Der Mann brüllte schmerzerfüllt unter der Krafteinwirkung auf seinen Arm und versuchte irgendwie den Wolf von seinem Arm zu bekommen.
„Macht was!“, brüllte er seine Begleiter an, als er einen Moment lang genug Selbstbeherrschung aufbringen konnte, um den Schmerz kurzfristig zu übergehen.
Die anderen drei löste er damit aus ihrer Starre. Die Frau zog ein Messer und kam zu ihm. Sie holte mit der Klinge aus, doch kurz bevor sie Wiesel treffen konnte, ließ dieser los. Er sprang auf sie zu, was sie erschrocken aufschreien und nach hinten ausweichen ließ. Noch im selben Augenblick wandte er sich wieder Legos zu und stürzte sich diesmal auf dessen Beine.
Der wollte diese wegziehen, doch der Wolf war schneller und verbiss sich erneut. Riss und zerrt, bis der Mann prompt auf dem Hosenboden landete und erneut schrie. Doch dieses Mal hatte er beide Hände frei und so schlug er mit dem Kolben auf das wilde Tier ein.
„Ver.fluchte.schei.ße!“, presste der Mann hervor und rammte dem Tier immer und immer wieder mit Wucht den Kolben gegen die Schnauze, bis es blutete. Doch der Wolf und dessen animalischer Blick verrieten, dass er nicht aufgeben würde.
„Was stimmt mit dem scheiß Vieh nicht?!“
Bis ein Schuss ertönte, der Wolf aufjaulte und in sich zusammen sackte.
Der nächste Schlag mit dem Kolben löste den Kiefer des Biests und der Wolf lag still vor ihnen auf den Pfad, der zum Häusschen führte.
Milena stand noch immer vor ihrer Haustür und Begriff nicht.
Verstand nicht so recht, was da gerade geschehen war.
Sie starrte den leblosen Wolfskörper an.
Warum?
Wieso hatte der Wolf so hart gegen den Mann gekämpft?
Nicht wegen ihr… oder?
Warum sollte ein Wolf so etwas tun?
Sie verstand die Welt nicht mehr.
Noch während sie versuchte zu verarbeiten was da gerade geschehen war, wandten sich die vier dem Mädchen zu. „Krallt sie euch“, befahl Legos und hielt sich den Blutenden Arm, bevor er nach seiner Waffe griff und eine weitere Kugel in den Wolf versenkte. Nur für alle Fälle und zur eigenen Genugtuung.

Sie kamen auf Melina zu, doch kurz bevor sie sich auf sie stürzen und sie schnappen konnten, trat ein weiterer Störenfried auf den Plan. Besser gesagt, stürzte auf den Plan. Es krachte, begleitet von einem erstickten Laut und dann stürzte eine blonde, junge Frau, mit samt Astwerk direkt zwischen Melina und Legos‘ Leuten in den Garten, die erschrocken zurück sprangen.
„Aua“, rieb sie sich ihren Hintern, nachdem sie sich wieder auf die Beine gekämpft hatte, „Blöder Mist! Da ist man einmal unaufmerksam und kracht prompt in den erstbesten Baum…!“
Murrte sie säuerlich und klopfte den Dreck von ihrer Hose, ehe sie sich umsah und mit einem überraschten „Oh“ feststellte, in was für einer Situation sie gelandet war. Sie erkannte sofort das Mädchen und anhand der Anzahl an Leuten, die dieser gegenüberstanden, konnte Sam sich auch direkt denken, wer die anderen waren.
„Die mögen dich nicht, was?“, grinste sie schief das Mädchen an, ehe ihr Blick auf den reglosen Wolf fiel und sich ihre Augen weiteten, „V!“
Sie hechtete an der kleinen Gruppe vorbei und an die Seite des Wolfes, ließ sich neben ihm fallen. Ihr war schnell klar, dass Wiesel im Augenblick nicht unter den Lebenden weilte und auch wenn sie wusste, dass das durch seinen Fluch nicht so bleiben würde, traf es sie. Ein bedrohliches, animalisches Knurren drang aus ihrer Kehle und mit leuchtendroten Augen fuhr sie zu der Gruppe herum.
„Das werdet ihr mir büßen!“, knurrte sie bitter böse und jedem der Anwesend wurde in diesem Moment klar, dass sie es nicht mit einer harmlosen Frau zu tun hatten, sondern mit einem gefährlichen Räuber, „Keiner! Rührt meine Crew ungestraft an!“
Dieses Mal wichen sie vor der Blonden zurück und näher an den Garten, da sie in der Zwischenzeit zu Milena hatten vordringen wollen.
Für das Mädchen wurde das Szenario noch bizarrer, doch bei den Worten der Blondine, machte ihr Herz einen Satz und sie hielt den Atem an.
„Der Wolf war ein Crewmitglied?“, spöttelte Legos, wenngleich er auch sichtbar nervöser wurde, als der Raubtierhafte Blick sich auf ihn richtete. Der schier rot glühende Blick der Frau glitt über ihn, was ihm eine Gänsehaut bescherte.
Sie tastete seine Verletzungen ab, ehe sie die anderen musterte und sie automatisch Kategorisierte.
Ihre Instinkte und die Vampirin in ihr übernahm einen Großteil ihrer selbst. Bevor sie vor den Augen der anderen verschwamm und nur einen Herzschlag später neben Legos auftaucht. Ihre Füße schwebten gut einen Meter hoch in der Luft, als wäre sie gerade gesprungen, bevor ihre Hand sich in seinen Nacken legte und sie ihn mit Gewalt nach vorne und gen Boden drückte.
Er verlor bei der schieren Kraftanwendung sofort den Halt und küsste hart den Boden.
So hart, dass von seinem Gesicht nicht viel übrig blieb.
Sam stieß ihren Atem aus und richtete sich Mordlüstern auf die Restlichen drei, nachdem sie federleicht den Boden berührte.
Doch von denen hob die Frau die Hände, „Warte!“, rief sie etwas hektisch aus. „Mein Name ist Enera De Coral! Das ist ein Missverständnis!“
Als Antwort knurrte die blonde Frau nur und kam weiter auf sie zu, was die drei zurück weichen ließ.
„Ich bin eine Verdeckte Ermittlerin!“, rief sie fast panisch aus und riss abwehrend die Hände empor, in Erwartung, dass Sam sie gleich ähnlich behandeln würde, wie Legos zuvor.
Doch das erwartete blieb aus.
“Und?“, knurrte die Blondine stattdessen feindselig, “Was hat das damit zu tun, dass ihr euch an meiner Crew vergriffen habt oder an ihr vergreifen wollt?“
“Der Wolf hat uns angegriffen…“, versuchte Enera zu erklären.
“Gewiss nicht grundlos“, fiel Sam ihr hart ins Wort, was sie zusammenzucken ließ, “Er hat sie garantiert vor euch schützen wollen!“
“I-ich ermittle gegen Sklavenhandel“, setzte die Ermittlerin erneut an und beobachtete die Kapitänin der Scarlett aufmerksam.
Die bewegte kurz die Hand und forderte sie stumm auf weiterzureden.
„Schnell“, knurrte sie doch noch, als die Schwarzhaarige vor ihr zögerte.
Doch als Sam ungeduldig wurde, haspelte sie kurz und zuckte zusammen, bevor sie hektisch zu sprechen begann; „Ich war Undercover in dieser Gruppe unterwegs, um mich in den Sklavenhandel einführen zu lassen und Zugang zu einem gewissen Dr.Gravens zu erhalten! Genaueres kann ich nicht verraten, das gefährdet die gesamte Mission!“
Sam zog eine Braue empor und ließ sich den Namen auf der Zunge zergehen, wobei sie nur am Rande wahrnahm, wie Milena kurz im Haus verschwand und dann mit einem dunkelbraunen Lederköfferchen wieder kam. Sie schlich sich an den dreien und Sam vorbei zum Wolf und ließ sich neben diesem auf die Knie sinken.
Es sah übel aus.
Doch sie wollte versuchen…
Sie schluckte und streckte eine Hand aus. Ihre kleinen Finger glitten durch das weiche, dichte und unterschiedlich gefärbte Fell des edlen Tieres. Sie war schon immer eher der Hunde Typ gewesen und ein Wolf so nahe… das war beeindruckend.
Doch leider würde sie für dieses schöne Tier nichts mehr tun können…
Irgendwie tat es ihr in der Seele weh.
Bis der Brustkorb des Wolfes sich hob und das Tier tief Luft in seine Lungen sog.
Milena weitete die Augen.
Er lebte!
Hastig öffnete sie den Koffer und tastete gleichzeitig mit der zweiten Hand nach der Schusswunde, doch dort wo das Blut war, fand sich kein Einschussloch. Irritiert ließ sie ab von ihrem Koffer und durchwühlte sein Fell, „Unmöglich!“, wisperte sie mit größer werdenden Augen.
Die Wunde… sie war verschwunden!
Und plötzlich verformte sich der ganze Körper des Tieres unter ihr.
Erschrocken erstarrte sie. Bis der Wolf sich vollständig in einen Mann verwandelt hatte. Ein Schwarzhaariger Mann!
Nach genauerem betrachten erkannte sie ihn wieder! Das war der Typ der ihr ihre Kräuter gekauft hatte! Und es war der Mann der auf dem Schiff der Blonden, sie davor bewahrt hatte in ihn hinein zu laufen!
„Was…?“, fragte sie vollkommen verwirrt.
Der Mann regte sich mit einem Stöhnen und setzte sich dann auf. Eine Hand an seinen Kopf. „Shit“, fluchte er mit zusammen gepressten Zähnen, „Daran gewöhne ich mich nie…“
Bevor er das Mädchen neben sich sah und sein Blick auf den Koffer fiel. Seine Augen weiteten sich etwas, bevor er zu ihr zurück sah und schief grinste. Er streckte eine Hand aus und streichelte ihr kurz über den Kopf, „Danke, aber das ist bei mir Verschwendung. Meine Wunden regenerieren sich Atemberaubend schnell und sterben kann ich auch nicht“, er stockte kurz und überlegte dann, bevor er sich ein wenig verlegen über den Hinterkopf strich, „Also sterben tue ich schon. Aber ich bleibe einfach nicht tot.“
“A-aber wie?“, sah sie ihn ungläubig an.
“Aha“, sagte Sam in diesem Moment und sah kurz zu Milena und Wiesel, “Ich schätze mal, Milena soll versklavt werden, was?“
“Sie ist wohl ein lohnendes Ziel für unseren Auftraggeber“, erklärte Enera abwesend während sie das Paar fassungslos beobachtete.
Ihr Blick lag genauso ungläubig auf Wiesel, wie der ihrer Begleiter.
“Wenn ihr sie wollt, geht das nur über mich und meine Crew“, erwiderte die Blondine in einem eisigen Tonfall, der keine Zweifel an dem aufkommen ließ, was sie sagte, “Und dann endet ihr so! Also überlegt es euch gut, ob sie euren Tod wert ist.“
Sie verwies erst auf Legos und dann auf Milena, ehe sie sich abwandte und zu Wiesel und dem Mädchen ging. Mit noch immer tiefroten Augen begab sie sich neben ihr in die Hocke. Man spürte deutlich, dass sie jederzeit bereit war sich und die anderen beiden zu verteidigen und den Dreien in ihrem Rücken die Lichter auszublasen.
“Wie fühlst du dich, V?“, erkundigte sich Sam bei ihrem Assassinen.
“Ich lebe“, erwiderte dieser mit einem schiefen Grinsen.
“Seh ich“, schmunzelte sie, was mit dem nach wie vor mordlüsternen Ausdruck in ihren Augen etwas Unheimliches an sich hatte, “Wie war das neulich, von wegen Zähler nicht hochtreiben?“
Der ältere erwiderte darauf nichts und sah stattdessen um seine Kapitänin herum. Er erkannte sofort, dass Legos nicht mehr aufstehen würde und sah mit hochgezogener Braue zu Sam zurück.
“Hat’s verdient“, zuckte sie einfach mit den Schultern und sah dann zu Milena, die noch immer nicht verstand, wie Wiesel wieder leben konnte, “Danke. Lieb von dir, dass du ihm helfen wolltest.“
Während ihres Dankes wurden die Augen der Vampirin für einen kurzen Moment grün und sie lächelte das Mädchen ehrlich an, ehe sie sich wieder erhob. Mit erneut roten Augen sah sie zu Enera.
“Wie sieht’s aus? Leben oder sterben?“, fragte sie in einem ruhigen Ton.
„Oh ha“, machte V und sah von Sam zu den dreien. „Bist ja ganz schön gruselig, Käp‘ten“, grinste er fröhlich in die Runde.
Erena starrte ihn an, bevor sich ihre Augen weiteten, sie die Hand hob und mit einem ausgestreckten Finger auf Wiesel deutete, „Huah!“, rief sie aus, „Du bist der Kater!“
Wiesel sah sie erstaunt an, bevor er sich etwas vorlehnte und seine Ellenbogen über seine Knie legte. Er vollführte eine zustimmende Geste mit der Hand.
„Aber da bist du…!“
Wiesel zuckte mit den Schultern und deutete auf seine Kapitänin, „Sie hat euch was gefragt und falls es interessiert, ich stehe definitiv hinter dem, was sie gesagt hat. Milena gibts nur über meine Leiche und ihr habt gerade gesehen, wie lange das bei mir anhält“, er grinste, doch es war kein sonderlich freundliches, sondern eher ein bedrohliches, dass zumindest Erena und Tom zurück weichen ließ.
Der dritte im Bunde seufzte tief und hob die Hände.
„Hier ist was los. Wie soll ich das bloß erklären?“

Wiesel und Sam reagierten fast Zeitgleich, während Erena und Tom nur verdutzt dreinschauen konnten, ehe sie in ihre Einzelteile zerfielen und einen schnellen, verständnislosen Tod starben.
Sam sprang zurück, doch die Hauchdünnen, metallenen Drähte schossen ihr hinterher.
Bis sich riesige Flügel um sie legten und sie sich verdutzt umsah.
Lederne Schwingen die locker zehnmal so groß wie die ihre waren, schützten Milena und Sam während draußen Drahtseile geräuschvoll spannten und kurz darauf Holz knackte.
Für einen kurzen Augenblick war es still, doch dann donnerte es draußen, als Bäume stürzten und Stein splitterte.
Milna zuckte zusammen.
Ein wütendes Brüllen schallte über die Insel, ehe das Biest frustriert schnaufte und die Schwingen zurückzog. Gleichzeitig veränderte Wiesel seine Gestalt wieder zu einem Menschen und verzog das Gesicht, „Er ist entkommen.“
„Was zum Teufel ist gerade passiert?“, sah sich Sam erstaunt um.
Gefühlt war der komplette Wald abgeholzt und das süße Häuschen war in seine Einzelteile zerlegt worden.
„Der Wichser hat wohl zwischendurch den gesamten Wald verkabelt. Die Drähte haben sich extrem gespannt, als ich eben die Form gewechselt habe…“
„Oha“, gab Sam erstaunt von sich und musterte dann aufmerksam den Assassinen, „Dir geht’s gut oder steigt dein Zähler noch weiter an?“
„Alles gut. Drachenschuppen sind stabil“, erwiderte er grinsend und wuschelte ihr durch die Haare.
„Lass das“, versuchte sie seiner Hand zu entgehen und brachte sich auf Abstand.
Mit geübten Handgriffen band sie sich ihren Zopf neu und wandte sich dann den Trümmern des Häuschens zu.
„Das schöne Haus…So ein Ende hat es nicht verdient!“, seufzte sie und sah über die Schulter zu Milena, deren wacher Blick zwischen Sam, Wiesel, den abgeholzten Bäumen und ihrem Haus hin und her wanderte, „Ich würde ja anbieten, dass wir dir beim Wiederaufbau helfen, aber der Draht-Typ ist abgehauen und der kommt bestimmt nochmal wieder und hat garantiert Verstärkung dabei. Sicher bist du hier, fürchte ich nicht mehr…“
„Nein“, stimmte das Mädchen zu und trat an die Trümmer ihres Zuhauses heran.
Ihr Blick glitt darüber und ein leises Seufzen kam über ihre Lippen.
„Was hast du jetzt vor?“, ließ Sam sich im Schneidersitz ins Gras plumpsen und beobachtete sie dabei, wie sie durch die Trümmer lief, „Würde ja sagen, du kommst mit uns mit, aber das kommt wahrscheinlich auch wieder komisch, was?“
Sie grinste schief, während in ihren hellgrünen Seelenspiegeln ein vergnügter Funke glomm und ihr die unheimliche Ausstrahlung von eben völlig nahm. V betrachtete seine Kapitänin und schmunzelte etwas. Jetzt war sie wieder ganz der lebensfrohe, vergnügte Optimist, den er kennengelernt hatte.
„Wärst auf der Scarlett willkommen. Auf Dauer oder als Passagier zur nächsten Insel“, zuckte die Blondine mit den Schultern.
Milena hob, mit ihren zierlichen Händen, einen der Backsteine aus dem Mauerwerk auf und musterte diesen. Fuhr mit ihren Fingerspitzen über die raue Oberfläche. „Ich mochte das Haus“, seufzte sie leise und schaute sich dann um.
„Du bist Ärztin, oder?“, fragte Wiesel gerade heraus.
Sie sah über die Schulter zu ihm und musterte ihn einen Moment lang schweigend, bevor sie einmal knapp nickte.
„Wir könnten eine Ärztin gebrauchen“, unterstützte er Sam’s Angebot und klopfte sich den Staub nebenher von seiner Kleidung, ehe er stockte. Nachdenklich hob er den Blick etwas gen Himmel, „Und Weibliche Unterstützung für Nov“, grinste er etwas schief, was Milena überrascht blinzeln und dann zu Sam sehen ließ.
„Was ist mit ihr?“
Sam seufzte und sah dann zu V, der mit der Hand herum wedelte, „Ist nur Teilzeit Frau. Eigentlich ist sie ein Kerl.“
„Geschlechtsumwandlung? Davon hab ich schon gehört, da soll das Geschlechtsteil des Mannes aufgeschnitten werden und…“
„Nein, nicht so!“, beeilte Sam sich und warf dem Gestaltwandler einen mahnenden Blick zu, der nur erheitert grinste.
“Wie dann?“, fragte sie erstaunt nach.
“Ist ne etwas längere Geschichte, das vernünftig zu erklären, aber kurz gesagt ist jeder an Bord der Scarlett mit Flüchen oder angeblichen Segen meiner Schwester und ihres durchgeknallten Freundes belegt. V bleibt nicht Tod wie du gesehen hast und ich wechsle willkürlich das Geschlecht. Aktuell bin ich seit drei Tagen eine Frau. Ich könnte jederzeit wieder ein Kerl werden, kann aber auch noch länger so weitergehen. Keine Ahnung“, zuckte die Blondine mit den Schultern und verzog etwas genervt das Gesicht, “Wenn ich es kontrollieren könnte, wäre das ne ziemlich coole Sache, aber kann ich leider nicht…“
“Außerdem ist unsere derzeit heiße Kapitänin durch den Segen ihrer Schwester ein Vampir“, fuhr Wiesel im Plauderton fort.
Sams Mimik verrutschte sichtlich und sie brummte etwas unverständliches vor sich hin.
„Vampir?“, weiteten sich erstaunt die hellbraunen Augen des Kindes und sie musterte Sam aufmerksam.
„Erklärt zumindest die Gänsehaut erregende Ausstrahlung…“
Sam lächelte schief und Wiesel nickte eifrig.
Nachdenklich musterte Milena die beiden, ehe sie bei Sam hängen blieb, „Jetzt wo du es sagst, sehe ich die Ähnlichkeit.“
Sam hob die Handflächen gen Himmel und schüttelte den Kopf, als wolle sie sagen, dass sie dafür einfach nichts konnte. Ehe sie stockte, kurz erstarrte und dann zu der Weißhaarigen schaute, „Ich sehe ihr ähnlich? Du bist ihr begegnet?“
Milena vollführte eine zustimmende Bewegung mit der Hand und warf gleichzeitig den Ziegel zurück auf den Trümmerhaufen. Bedauern erschien kurz in ihrem Blick, als sie dieses streifte.
Sie mochte das Haus wirklich… aber im Grunde war sie schon zu lange hier und an einem Ort.
„Ja. Vor einer weile. Sie… ‚schenkte‘ mir einen Segen. Einen Fünfminuten Segen.“
Sam und Wiesel sahen einander an und Milena lächelte schmal, „Ich kann die Zeit für mich in einem Fünfminuten Radius verzerren, sodass sie zwar fließt aber eben sehr, sehr langsam. Allerdings besitzt das Ganze eine Art Rückkoppelung oder Resonanz. Sobald die Zeit um ist, erleide ich Schmerzen“, sie seufzte und fuhr sich, in einer sehr weiblichen Geste durch die weißen Haare, „Ich sehe den Nutzen. Als Ärztin kann in einer brenzligen Situation jede Sekunde zählen, aber man versteht, denke ich, warum ich es eher meide, ihn zu nutzen“, sie lächelte schief.
“Klingt sehr nach etwas, das auf Lillys Mist gewachsen ist“, seufzte die Kapitänin, “Wir verfolgen sie und Viktor, um unsere Segen und Flüche aufheben zu lassen und den beiden eine ordentliche Abreibung zu verpassen! Diese Scheiße mit dem Blutdurst wird Lil mir sowas von büßen! Ich prügle meine große Schwester dafür windelweich! Ihr Fehler meinen Körper in einen Zustand zu versetzen, in dem ich das kann!“
“Ein Zustand, in dem du das kannst?“, musterte Melina sie fragend, “So stark hatte sie nicht auf mich gewirkt.“
“Für jemanden, der ständig ans Bett gefesselt war, war sie ausreichend stark“, brummte Sam und verzog dabei das Gesicht, “Können wir das Thema bitte nicht weiter vertiefen? Das verhagelt mir meine gute Laune!“
Milena zögerte kurz, doch dann nickte sie und warf einen erneuten Blick auf ihre Umgebung. Abermals seufzte sie leise und vollführte eine bezeichnende Geste mit der Hand, die ihre nächsten Worte unterstrich; „Wenn ihr mich mit zur nächsten Insel nehmen würdet, wäre ich dafür dankbar.“
Sam‘s Gesicht hellte sich merklich auf, „Du kommst mit?!“
„Bis zur nächsten Insel“, hob das Kind mahnend eine Hand.
Wiesel lachte, „Na fein! Genug Zeit dir zu überlegen ob du nicht vielleicht doch Teil unserer hübschen Crew werden willst.“
Milena verzog das Gesicht und wollte protestieren, doch dann nickte sie und seufzte zum wiederholten Male.
„Lasst mich… nur ein paar Sachen zusammen sammeln… irgendwie…“, fuhr sie sich ein wenig hilflos über den Nacken, während sie sich den Trümmerhaufen besah.
„Kein Problem, wir helfen!“, grinste Sam und krempelte sich die Ärmel um.


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Da haben wir doch tatsächlich ein neues Mitglied! :D
Zumindest auf Probezeit bis zur nächsten Insel ^^'
Wird bestimmt amüsant, sie davon zu überzeugen, Teil dieses Chaoten Haufens zu werden xD

Dieses Kapitel ist im besonderen HeroCat gewidmet die mir seit Wochen auf den Geist damit geht, ein neues Kapitel lesen zu wollen xD
Also Cat, hier hast du dein neues Kapitel und ich hoffe, du hast es genossen ;)

Mit freundlichen und lieben Grüßen:
Sayuri Kaizoku
&
Ice-Hime
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