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Sugar Coated || min yoongi

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P16 / Het
OC (Own Character) Suga
21.04.2022
12.08.2022
14
21.130
5
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Dieses Kapitel
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16.06.2022 1.775
 
Wir mussten in die entgegengesetzte Richtung. Nach einem kleinen, schweigsamen Spaziergang durch den Park, kamen wir am Seiteneingang an und bogen dann auf den Gehweg ab. Yoongi steuerte auf einen schwarzen SUV zu und genau da geriet ich ins Stocken. Denn was war, wenn Yoongi genau so eine Person war, die ich vermeiden wollte und er hatte mich mit psychischen Tricks zu seinem Wagen gelockt? Allerdings war er bisher ziemlich freundlich gewesen. Doch der Eindruck konnte täuschen, vielleicht war das alles pure Berechnung gewesen.
"Sie starren schon wieder. Ist es wieder die Nase, die Ihnen nicht gelungen ist?"
Ich erinnerte mich an unsere erste Konversation im Park und an das Bild, das ich seitdem schon fünf weitere Male gemalt hatte. Ein belustigt-interessierter Ausdruck war auf Yoongis Gesicht getreten und man konnte mich naiv nennen, aber ich fühlte mich in seiner Gegenwart bei weitem nicht unwohl. Zugegebenermaßen eher im Gegenteil. Und das, obwohl er einen Hund hatte und ich Menschen mit Hunden oft eher mit kritischer Angst vom Weiten begutachtete.
"Nein, ich habe nur kurz überlegt, ob Sie mich jetzt verschleppen. Das tun Sie doch nicht, oder?"
"Oh, ist mein Angebot so rübergekommen?"
"Eigentlich nicht, mein Gehirn scheint sich seit Ihrer Frage allerdings gerne Sachen einzubilden. Fahren wir einfach, jetzt wird es echt langsam kalt."

Der junge Mann beäugte mich überlegend, hielt mir dann aber die Tür zum Beifahrersitz auf und hielt Holly zurück, der in den Wagen springen wollte.
"Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn ich ihn zu Ihnen setzen würde? Beim Fahren ist er immer ruhig", versicherte er mir und hielt seinen Hund solange zurück, wie er auf eine Antwort von mir wartete. Auch wenn ich nicht der größte Hunde-Fan war, konnten wir das arme Tier ja auch nicht haltlos auf den Rücksitzt verbannen.
"Von mir aus halte ich ihn auch", bot ich an und streckte die Arme aus, als würde es mir nichts ausmachen. Meine Hände zitterten allerdings unübersehbar. Das letzte mal, als ich einen Hund festgehalten hatte, hatte nicht gerade gut geendet.

"Sind Sie sich sicher? Ihm passiert im Fußraum nichts, solange Sie nicht auf ihn drauftreten."
Entgeistert sah ich ihn an.
"Ich würde doch niemals auf ihn drauftreten, auch wenn ich nicht gut mit Hunden auskomme. Geben Sie ihn mir. Vielleicht werden wir ja doch noch Freunde."
Yoongi lachte und hob seinen Hund hoch, um ihn mir auf den Schoß zu setzen. Zuerst beäugte mich Holly, als würde er mir in die Nase beißen wollen, aber dann rollte er sich auf meinem Schoß zusammen und ich atmete erleichtert aus. Mein Herz pochte mir dennoch bis zum Hals.
"Ich wollte Ihnen nicht unterstellen, dass Sie ihn mit Absicht treten würden", erklärte Yoongi noch schnell und schloss dann die Tür. Während er gemächlich um den Wagen herum ging, schnallte ich mich an.

Yoongi setzte sich auf den Fahrersitz, startete den Wagen, fuhr an und sagte mir, ich solle ihm einfach sagen, wo wir lang mussten. Da wir mit dem Auto nicht die Strecke entlangfahren konnten, die ich normalerweise lief, brauchten wir genauso lange, wie ich zu Fuß gebraucht hätte. Allerdings genoss ich die Wärme in diesem Wagen und die von Holly ausging, der sich auf meinem Schoß wirklich sehr wohlzufühlen schien, denn er war wohl kurzfristig eingeschlafen. Ein schlafender Hund war gar keine üble Sache, wenn man fror.
"Ist es hier?", fragte Yoongi, als wir an meiner Straße angekommen waren. In der Dunkelheit konnte man nicht erkennen, welches Haus welches war. In meiner Wohngegend war immerhin nicht gerade viel Straßenbeleuchtung angebracht.
"Ein Stück noch, halten Sie einfach da vorne bei den Containern."
"Das sieht hier ganz schön zwielichtig aus. Warum wohnen Sie nicht in einem Studentenwohnheim?"
Yoongi hielt an und stellte den Motor ab.
"Ich habe keinen Platz bekommen und als ich dann doch eine Chance auf einen Platz hatte, hatte ich gerade nicht die finanziellen Möglichkeiten für ein Wohnheimzimmer. Ein Einzelzimmer in einer zwielichtigen Gegend ist da doch kostengünstiger. Zumindest, wenn man zwei Jobs hat."

Ich schnallte mich ab und sah aus dem Autofenster. Von weitem sah ich eine Gestalt, die in Richtung meines Wohnhauses torkelte und ich vermutete, dass es mein immer alkoholisierter Nachbar war.
"Es ist ganz schön hart, neben dem Studium noch für genug Geld sorgen zu müssen." Yoongi klang, als würde er sich an etwas erinnern. Hatte er ähnliches durchgemacht? Vielleicht ja schon. Es kam nicht selten vor, dass Leute neben dem Studium noch einen oder mehrere Jobs ausführen mussten.
"Ich will mich nicht beklagen, mir reicht es, wenn ich überlebe. Aber selbst das sieht gerade schlecht aus", sagte ich mit einem humorlosen Lachen.
Meine Augen folgten immer noch der Gestalt, die sich schließlich wirklich als mein Nachbar herausstellte und ich streichelte Holly über das kleine Köpfchen, während ich mir nervös auf der Unterlippe herum kaute.
"Kann ich noch kurz für einen Moment hier sitzen bleiben? Nur bis ich mir ungefähr sicher bin, dass es mein Nachbar bis in seine Wohnung geschafft hat."

Das Torkeln meines Nachbars war kaum zu übersehen in dem kleinen Licht, das neben der Haustür hing. Er stützte sich an der Hauswand ab und ich hatte schon die Befürchtung, dass er auf die Stufen kotzen würde. Aber dann ging das Torkeln weiter und er verschwand im Hausflur. Das brachte mich zum Ausatmen.
"Hatten Sie schon einmal eine unangenehme Situation mit diesem Nachbarn?"
Ich winkte lachend ab, aber es klang so gespielt, dass ich sofort abbrach und beschämt auf Holly hinunter sah, der sich noch immer pudelwohl zu fühlen schien.
"Es ist nur ... ich kann ihn nicht einschätzen. Er ist mich bereits einmal angegangen, als er betrunken war. Ich weiß aber nicht, ob es primär daran lag oder ob er einfach einen schlechten Tag hatte. Aber seitdem gehe ich ihm bestmöglich aus dem Weg."
Hollys weiches Fell unter meinen Fingern spendete mir ein wenig Trost. Vielleicht waren Hunde ja wirklich nicht so schlecht. Gerade spendete mir Holly immerhin die Ruhe, die ich dringend gebrauchen konnte, bevor ich mich ins Haus schlich und hoffte, dass mein Nachbar nicht wieder aus seiner Wohnung auftauchte.

"Was würden Sie sagen, wenn ich ein gutbezahltes Jobangebot für Sie hätte, dass Sie aus dieser Gegend bringen könnte?" Yoongis Frage kam ziemlich unerwartet. Verwundert sah ich zu ihm auf und erwartete irgendetwas schelmisches oder scherzhaftes in seinem Gesicht zu erkennen, aber er schien es ernst zu meinen.
"Ich würde sagen, dass es sich ziemlich sketchy anhört. Und ich würde nein sagen, da ich mir denken könnte, was für ein Jobangebot das wäre."
Yoongi zog die Augenbrauen hoch, lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust.
"Ach ja? Und was für ein Jobangebot, denken Sie, würde ich Ihnen machen wollen?"
Ich atmete ein wenig genervt aus. Als ob das so schwer zu erraten wäre, so oft, wie Miyoung mir schon Andeutungen gemacht hatte.
"Sie würden mir vermutlich anbieten, dass ich ein monatliches Gehalt von Ihnen gegen spezielle Gegenleistungen erhalte."
"Spezielle Gegenleistungen?"
Wollte er mir wirklich alles detailliert aus der Nase ziehen, obwohl wir beide wussten, worum es gerade ging?
"Mit Ihnen ausgehen, so tun, als würden wir eine Beziehung führen. Oder sowas ähnliches wie eine Beziehung. Mit Ihnen ... Sex haben. Sorry, aber ich will kein Geld damit verdienen, dass ich jemandes Sugar Babe bin und mit jemandem Zeit verbringe. Auf welche Art auch immer."

Es war mucksmäuschenstill im Wagen, kurz unterbrochen von einem Schnauben von Holly. Dann schüttelte Yoongi den Kopf und fuhr sich durch das rabenschwarze Haare, bevor er in seinem Sitz hin und her rutschte, um sich umzusetzen.
"Ich weiß ja nicht, welchen Eindruck ich auf Sie gemacht habe, aber das war bei Weitem nicht das, worauf ich hinauswollte."
Nun zog ich die Augenbrauen hoch, gefolgt von glühender Schamesröte, die in dem dunklen Auto glücklicherweise für niemanden sichtbar war.
Das hatte er nicht gemeint? Aber er trieb sich in diesen Kreisen herum und Miyoung hatte sich ganz klar zum Ziel gesetzt, ihn mir vorzustellen, da sie wohl dachte, dass sie mich durch einen jungen Reichen umstimmen konnte. Ich kam mir super dämlich vor, dass ich ihn so falsch eingeschätzt hatte.
"Tut mir leid. Ich wollte keine wilden Vermutungen anstellen. Ich werde jetzt gehen. Fahren Sie vorsichtig auf Ihrem Weg zurück. Gute Nacht."

Hastig öffnete ich die Autotür und sprang mit Holly in den Armen hinaus, nur um ihn dann vorsichtig auf den Beifahrersitz zu setzen. Ich vermied Yoongis Blick, als ich die Autotür zuschlagen wollte.
"Moment", sagte er, bevor ich dazu kommen konnte und ich biss mir nervös auf die Unterlippe. Was wollte er denn noch? Ich hatte mich für meine verfluchte Taktlosigkeit entschuldigt, mehr konnte ich nicht tun.
"Rufen Sie mich an, wenn Sie doch an dem Job interessiert sind. Es geht um eine Stelle als Hundesitterin für Holly. Lassen Sie mich wissen, ob es etwas für Sie sein könnte. Trotz Ihrer angeblichen Abneigung gegenüber Hunden."
Er reichte mir eine schwarze Visitenkarte und ich starrte das Stück Pappe einfach nur an.
"Lassen Sie sich nicht zu viel Zeit mit dem Überlegen. Es wäre gut, wenn ich es bis Ende nächster Woche wüsste, weil ich sonst Ausschau nach jemand anderem halten müsste.
Ich wünsche Ihnen eine Gute Nacht, Lim Kiran."

Perplex nickte ich, schloss endlich die Autotür und winkte kurz mit der Visitenkarte in der Hand, ehe ich mich umdrehte und zum Mehrfamilienhaus eilte. Bei einem kurzen Schulterblick, bevor ich das Wohnhaus betrat, sah ich, dass Yoongi noch nicht abgefahren war. Bevor ich begann das Auto anzustarren, bis es endlich wegfuhr, betrat ich das Haus und eilte zu meiner Wohnung, obwohl im Flur die Luft rein und mein Nachbar wahrscheinlich bereits in seiner Wohnung verschwunden war.
Erschöpft vom heutigen Tag ließ ich mich auf mein Bett fallen und drehte die schwarze Visitenkarte in meinen Händen hin und her. Hundesitterin. Ich lachte. Wie hatte ich darauf kommen können, dass er mich zu seinem Sugar Babe machen wollte? Langsam ebbte mein Lachen ab. Wie hatte er mir den Job trotz dieser Frechheit weiter anbieten können?
Ich drehte mich seufzend in meinem Bett um, betrachtete die Ziffern auf der Karte und entschied, dass ich Yoongis Hilfe nicht brauchen würde. Ich würde das schon alleine schaffen.










[Hello! Das Kapitel kommt sehr viel später als sonst, woups. Ich hoffe aber, ihr hattet einen schönen Donnerstag und wünsche euch schonmal ein schönes Wochenende. :D
Wir lesen uns dann Sonntag zu TSLP wieder. <3]
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