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Ein Neuanfang

von Schrotti
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Het
Florian David Fitz OC (Own Character)
19.04.2022
02.07.2022
63
96.251
3
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
23.06.2022 1.319
 
Völlig geplättet legte ich das Buch zur Seite. Es gab einige Parallelen zu meiner eigenen Geschichte. Kanada, die schwangere Mutter die geht, der Vater in Deutschland. Aber auch vieles, was mich auf andere Art berührte. Ich war sofort verliebt in Madeleine. Sie war in ein fremdes Land gezogen und hatte sich dort mit viel Arbeit und Liebe zu ihrem Beruf ihren Traum erfüllt. Wie Florian ihre Leidenschaft für ihren Beruf umschrieben hatte, hatte sofort Bilder in meinem Kopf hervorgerufen. Oliver faszinierte mich ebenfalls. Ohne, dass er es mit seinem todkranken Freund besprochen hatte, war er losgezogen um seine Tochter zu finden und ihr zu erzählen, was für ein Mensch ihr Vater gewesen war. Wie er es langsam schaffte, Madeleine einem Mann näher zu bringen, der nicht mehr auf dieser Erde weilte, war so unglaublich ergreifend und rührend.
Außerdem liebte ich die Szenerie. Ich hatte Montmartre so deutlich vor mir, dass ich am liebsten meinen Koffer gepackt hätte und hingeflogen wäre.
Und auch Heidelberg wurde in den schönsten Bildern beschrieben. Ich wollte den Weg gehen, den Oliver und Madeleine gingen, wollte die roten Sandsteinruinen und das Schloss sehen.
Ich wollte diesen Film machen!
Stöhnend ließ ich mich nach hinten fallen und fluchte.
„Du bist so ein Arschloch Florian!“, sagte ich in den leeren Raum. Er hatte es geschafft, und natürlich hatte er gewusst, was passieren würde, wenn ich das Drehbuch lesen würde. Er kannte mich gut genug um zu wissen, dass diese Geschichte mich packen würde und dass ich auf diese Rolle anspringen würde. Solche Rollen bekam man nicht oft angeboten. Jede Schauspielerin würde diese Rolle wollen.
Er hatte mir schon vor Monaten gesagt, dass er ein Drehbuch schrieb und mich darin sah. Es war also nicht mal ein Trick, um wieder mit mir reden zu können. Er hatte fast ein Jahr daran gesessen, und er hatte mir meine Rolle geschrieben.
Nirgendwo stand, dass Florian den Oliver spielen wollte. Dennoch war es ziemlich offensichtlich, dass er es tun würde.
Aber wie sollte ich wieder mit ihm arbeiten können? Wir waren zerstritten, und ich war nicht Profi genug, als dass ich das, was geschehen war, einfach so für einen Film vergessen könnte. Dazu hatte er mich zu sehr verletzt. Ich würde nie vergessen, was er mir vor den Kopf geknallt hatte, und ich würde leider auch nie vergessen, wie seine Küsse schmeckten, wie sich seine Berührungen auf meiner Haut anfühlten und was ich empfunden hatte, wenn wir uns liebten.
Es war unmöglich, das auszuschalten und mit ihm durch Paris zu bummeln, als hätte es das nie gegeben.
Ich musste nachdenken. Viel und lange. Und vielleicht Paul bitten, das Drehbuch für mich zu lesen. Eventuell schaffte ich es ja, ihm zu sagen, was zwischen Florian und mir vorgefallen war.
Aber das würde ich, wenn überhaupt, erst in einigen Tagen angehen. Erst musste ich selber zu dem Entschluss kommen, ob ein erneuter Dreh mit Florian überhaupt möglich war oder ob ich diese Vorstellung schnell wieder ausschließen konnte.
Im Moment tendierte ich zu letzterem.

„Diese Geschichte ist wunderschön.“, meinte Paul, den ich kurz vor meiner Abreise nach London noch mal zum Joggen traf. Er und Eva würden ebenfalls in drei Tagen zur Premiere kommen.
Ich hatte ihm das Buch vor einer Woche geschickt, und er hatte sich Zeit damit gelassen.
„Eva und ich haben es zusammen gelesen. Wir haben gelacht, gelitten und sie hat sogar geweint.“
„Also meinst du, ich sollte die Rolle nehmen?“
„Meiner Meinung nach sollte das Buch auf jeden Fall verfilmt werden. Ob du die Rolle nehmen sollst, kann ich dir nicht sagen. Anscheinend hast du dich mit Florian gestritten, und es liegt an dir zu entscheiden, ob du noch einmal mit ihm zusammen arbeiten kannst.“
„Er war ein richtiges Arschloch Paul. Ich meine, ein wirklich richtiges Arschloch!“
„Willst du mir davon erzählen?“
Wir hatten unsere Parkbank erreicht und ich sah ihn an.
„Es ging um Lisa. Also, eigentlich ging es darum, dass ich was mit einem Kollegen hatte. Als ich Berlin-Card gedreht habe. Es war nichts. Jonathan hatte gerade Schluss gemacht, meine Gefühle für Florian hingen in der Luft und ich war vielleicht ein bisschen einsam und brauchte Ablenkung. Jedenfalls hat Florian davon erfahren und ist ausgerastet. Ich habe meiner Meinung nach nichts falsch gemacht, dass Alex eine Freundin hat, ist nicht mein Problem. Das muss er mit seinem Gewissen ausmachen. Ich wollte Florian beruhigen und ihm erklären, dass es doch überhaupt keine Rolle spielt, mit wem ich irgendwann mal vor ihm im Bett war. Aber er war so sauer, dass er mir vorgeworfen hat, dass ich wie meine Mutter bin. Ich würde mir einfach nehmen was ich will, genau wie sie. Ich bin nicht wie sie. Niemals werde ich so sein wie sie, und er weiß genau, wie sehr mich der Vergleich mit ihr verletzt.“
Paul hatte mir ruhig zugehört und setzte sich nun auf die Bank.
„Er war sauer Maya. Ob berechtigt oder nicht, spielt erstmal keine Rolle. Vielleicht war er auch verletzt und wollte dich ebenfalls verletzen und hat das erste gesagt, was ihm in den Sinn gekommen ist.“
„Aber wieso sollte er verletzt sein? Das war doch alles bevor Florian und ich uns so nahe gekommen sind.“
„Aber ihr seid euch nahe gekommen? Ich meine, so richtig?“
„Ja.“, antwortete ich traurig.
„So wie ich mitbekommen habe, hat sich das mit euch über längere Zeit entwickelt. Vielleicht hatte er gehofft, wenn du nicht mehr mit Jonathan zusammen bist, dass du dann ihn willst und nicht diesen anderen Typen mit Freundin.“
„Aber er wollte mich doch nicht!“, rief ich aus. „Er hat gesagt, ich bin zu jung und er kannte Lisa und dieses Vaterdings und seine Beschützersache... Er hat ausgeschlossen, dass was aus uns werden könnte. Aber wenn ich dann mit einem anderen schlafe, ist es ihm auch nicht recht. Ich bin doch nicht sein Eigentum, mit dem er zwar nicht spielen will, mit dem aber auch niemand anderes spielen darf!“
Paul lächelte über meinen Wutausbruch.
„Du hast ja recht. Er hätte das mit deiner Mutter nicht sagen sollen. Aber ich glaube, es ist ihm einfach in der Situation raus gerutscht. Er meint es wahrscheinlich nicht so. Jeder sagt mal was, wenn er sauer ist und bereut es hinterher.“
„Ja, kann sein. Aber damit kann man auch nicht alles entschuldigen.“, murmelte ich.
„Das stimmt. Aber einiges.“
„Ich weiß einfach nicht, ob ich noch mal mit ihm arbeiten kann. Selbst wenn ich ihm diesen Spruch verzeihen könnte, bleiben da immer noch diese Gefühle für ihn.“
„Du magst ihn richtig gerne, oder?“
„Ja, leider.“
„Red mit ihm Maya. Das ist die einzige Möglichkeit, dir darüber klar zu werden, ob du das Projekt mit ihm machen kannst.“
„Hm....“
Mittlerweile gingen wir schnellen Schrittes in Richtung meiner Wohnung. Wenn überhaupt, würde ich erst nach London mit ihm reden. Soviel Zeit musste ich mir lassen. Gleichzeitig mit Florian und Jonathan klar zu kommen, würde meinen Kopf vermutlich zum Platzen bringen.
Florian nahm mir die Überlegung ab, wann genau ich mit ihm reden würde. Er stand vor meiner Haustür als wir sie erreicht hatten und hatte anscheinend gerade geklingelt.
Bei seinem Anblick stieg sofort wieder die Wut in mir auf, gleichzeitig aber auch das fast nicht zu unterdrückende Bedürfnis, ihm um den Hals zu fallen und ihn zu küssen.
„Was machst du hier?“, schnauzte ich ihn sofort an. „Was an lass mich in Ruhe hast du nicht verstanden?“
Er sah mich kurz an und blickte dann zu Paul hinter mir.
„Hallo Paul.“
„Hi Florian.“, meinte mein Vater freundlich.
Ich drehte mich zu ihm um und er sah mich fragend an.
„Soll ich noch bleiben?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Das schaffe ich schon, danke. Wir sehen uns in London.“
Ich stellte mich auf die Zehenspitzen und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
„Alles klar. Bis in drei Tagen!“
Er nickte Florian noch mal zu, dann ging er zu seinem Wagen.
Ich drehte mich wieder zu dem Mann an meiner Haustür um.
„Also?“
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