Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Dicke Eier und ein Hase- The Diaries

Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 / Het
18.04.2022
23.06.2022
25
76.812
30
Alle Kapitel
67 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
23.06.2022 4.997
 
Warum? Es war nur schwer begreiflich für mich, es sollte vorbei sein? Der Mittagsschlaf hatte endgültig ein Ende gefunden?! Unsere Reika wollte nicht mehr schlafen....Mit ihren zwei Jahren hat sie mir das vor über einer Stunde sehr deutlich sagen können. „Bin nisch müde. Will Partey machen..“
Ein winzig kleiner Anflug von Müdigkeit? Fehlanzeige.
Reika performte voller Eifer mit ihrer Spielzeug-Gitarre „We will rock you“ auf unserem Wohnzimmertisch und nutzte ihre kleinen stampfenden Füße als weiteres Instrument.

„Wiiiii wiii willd rocken yu!....YEAH!“, ihre braunen Locken wippten hin und her, das Headbangen müssten wir wohl noch mal üben. Makoto wäre davon zwar eher weniger erbaut, doch die Jungs und ich hatten schon einen Plan. Die Kids würden sicher einmal eine Band gründen und das war musikalische Früherziehung.
Musikgarten, Pah! Auch wenn unsere Herzensdamen dort jeden Mittwoch gemeinsam mit den Kleinen daran teilnahmen.

Ich konnte natürlich auch nicht anders als das zu filmen, dass war so göttlich. Vor allem würde Makoto mir nun endlich glauben, wenn ich ihr sagte, das Reika bei mir keinen Mittagsschlaf halten wollte.

Und JETZT weiß ich auch endlich, warum der im Hause Chiba immer so heilig war.

Mamoru war pedantisch diesbezüglich...nach einem weiteren Vorfall...Denn von Chibiusa gab es auch ein schönes Musikvideo mit einer Trommel und dem heran krabbelnden Tadashi, der sich neben seine Schwester setzte und triumphierend einen schwarzen Edding in seiner kleinen Hand hielt. Das war der Moment, wo ich meinen besten Freund panisch und verzweifelt „Nein.“ rufen hörte und das Video abrupt stoppte. Er hatte es mir unter dem Titel „Mittagsschlaf ist überbewertet“ geschickt.
Kurz danach bekam ich ein Foto mit „Ich war zu langsam,...bin auf einen Legostein getreten...fand den Fusselmagneten eh hässlich.“.
Langsam war Mamoru vor allem auch, weil er einen Tag vorher die Verschraubungen und Platten an seinem Sprunggelenk entfernt bekommen hatte und sich eigentlich davon erholen wollte.
Usagi´s weißen Veloursteppich hatte es dabei erwischt...danach gab es keine `Partey´ mehr am Mittag, wenn die Mama unterwegs war.
Warum hatte sie ihn überhaupt genau an diesem Tag mit den Monstern allein gelassen und sich mit den Mädels verabredet? Mamoru hatte starke Schmerzen, Allan und ich waren vor wenigen Wochen erst Vater geworden und Makoto und Minako hatten uns einfach mit Reika und Brandon allein gelassen. Allan und ich waren regelrecht verzweifelt...Bei unseren Frauen sah es immer so einfach aus, zufriedene Baby´s? Fehlanzeige. Zwei Stunden kamen uns wie eine Ewigkeit vor!

"Papa...hab Hunger....", damit holte mich mein kleiner strahlender Lockenkopf aus meiner Gedankenreise zurück. Sanft lächelte ich sie an. "Ich mach uns eben Pfannkuchen, mein Spatz." "Au ja!"

Schlimm, wie verliebt man doch in seine Kinder sein kann...auch wenn sie oft kleine Monster sind...Mein Handy vibrierte, eine Nachricht von Mamoru. Wie rücksichtsvoll von ihm, dass er den Mittagsschlaf von Reika bedachte. Top.

´Toki, ich hab sehr wahrscheinlich meine Ehe in den Sand gesetzt.....´

Ich runzelte die Stirn. Hatte er wieder irgendetwas ohne Usagi´s Wissen am Haus in Auftrag gegeben? Darum knallte es bei ihnen derzeit doch regelmäßig und er jammerte dann, dass sie ihn umbringen wollte.

´Ich muss mal eben das kleine Raubtier füttern. Kurzform bitte.`

`Saori...`

Ach du Schande! Das war ja wohl nicht wahr! Nach so langer Zeit?

´Hast du Usa nie davon erzählt?`

Die Antwort konnte ich mir zwar schon denken, aber...

`Nein, hätte ich es mal getan...Ich kann nur hoffen, das Usako mir gleich ihr Gehör schenkt...´

Hmmm...ich kannte die Ausgangssituation zwar nicht, doch dafür Saori. Dieser Holzkopf! Warum hat er seiner Frau damals nicht schon reinen Wein eingeschenkt?

`Bleib ruhig und sei nachher vor allem ehrlich zu deiner Frau, egal wie hässlich es werden wird.´

*  *  *

Hässlich würde es auf jeden Fall werden und nicht ohne weitere Tränen einhergehen, denn ich hatte eine tiefe Furche in das Herz meiner wunderbaren Frau gerissen und ich hatte schreckliche Angst, meine große Liebe und Familie zu verlieren.

Dabei fing der Morgen so entspannt und routiniert an, trotz diesem steten Gefühl des Unbehagens im Hintergrund. Usako weckte uns liebevoll, als sie sich zum Dienst verabschiedete und ich verschwand mit den Kids im Bad, wusch sie und zog sie an. Nach einem gemeinsamen Frühstück, putzten wir auch gemeinsam unsere Zähne. Nur an den langen Haaren von Chibiusa verzweifelte ich manchmal, denn aufwändige Flechtfrisuren bekam ich einfach nicht hin. Wenn es gut lief war eine Palme oder ein Pferdeschwanz drin. Ihre Erzieherin erkannte das dann auch immer sofort. "Ach, hat der Papa dich wieder frisiert?!", dabei schmunzelte sie immer, wenn Chibiusa daraufhin ihre Augen rollte und "Ich möchte nicht darüber reden!", von sich gab. So schlimm war es nicht...echt nicht.
Das Schöne am Spätdienst bei mir war, dass die Kinder etwas länger schlafen konnten und ich den Morgen ganz entspannt mit ihnen beginnen konnte, bevor ich sie in den Kindergarten brachte.

Nach dieser perfekt getimten und inszenierten Show, etwas anderes war es nämlich nicht, welche dieses Miststück mit mir und meiner Frau abgezogen hatte, stand ich unter Schock.

Im OP arbeitete ich routiniert wie eine Maschine, ohne Anflug von Mitgefühl und gab harsche Anweisungen. Selbst Matsumoto war davon eingeschüchtert und wagte es nicht, mir dazwischen zu funken, oder den Anästhesisten die Playlist ändern zu lassen. Wir operierten am offenen Herzen, mussten einen Bypass und zwei Stents setzen. Diese Ironie dabei stieß mir überaus bitter auf.
Meine stationären Visiten arbeitete ich im Schnelldurchgang und nüchtern ab und erfüllte ebenso meine Anwesenheitspflicht in der Ambulanz. Dieses Mal hielt ich mich weniger zurück bei nichtigen Anliegen, die ein Hausarzt locker hätte regeln können. War ich doch ein Freund der offenen Worte....Dumm nur, einmal selbst den Einsatz dabei verpasst zu haben. Das konnte ich nie wieder gut machen!

Mit zugeschnürter Kehle und gesenktem Haupt fand ich mich endlich nach Dienstende, spät abends, vor unserer Haustür wieder. Wehmütig und mit klopfendem Herzen betrachtete ich den großen Strauß roter Rosen in meiner linken Hand und schaute traurig auf den Haustürschlüssel in meiner rechten. Ein Anhänger mit einem Foto von Usagi, Chibiusa und Tadashi fröhlich in die Kamera lachend am Strand, vor einer großen Sandburg die wir zusammen gebaut hatten, baumelte daran. Usako hatte eines mit den Kindern und mir an ihrem Schlüsselbund, wo wir gemeinsam im Erlebniswald spielten.
Es war ein wunderschöner Familienurlaub, den wir letztes Jahr auf Okinawa verbracht hatten. Wir hatten soviel Spaß miteinander und mich erfasste das blanke Grauen und schreckliche Panik, dass es vielleicht unser letzter gemeinsamer Urlaub als Familie gewesen sein könnte. Tief atmete ich ein und aus und schluckte den dicken Kloß herunter, bevor ich den Schlüssel ins Türschloss führte, diesen leise herumdrehte und auf leisen Sohlen unsere Wohnung betrat.
Das Licht in der Wohnküche war gedimmt und ich entdeckte Usagi zusammengekauert auf der Couch, in ihrem rosa Jogginganzug mit einem Glas Rotwein, vor dem Fernseher. Sie schaute sich eine Soap an und mir versetzte es einen tiefen Stich in meinem Herzen sie so zu sehen. Sie hingegen, würdigte mich keines Blickes.
"Hallo...Usako..", kam es brüchig über meine Lippen. "Das neue Bad ist sehr schön geworden, findest du nicht?", vielleicht könnten wir über ein wenig Smalltalk zu einem ruhigen Gespräch zueinander finden.

"Hallo. Das ist doch völlig irrelevant geworden in anbetracht der Tatsachen, findest du nicht? Rosen...Tzz...Du weißt wo der Mülleimer steht, im wegwerfen bist du ja ein Ass.", giftete sie zurück und deutete dabei auf die Rosen in meiner Hand. Autsch, das saß. Sie unterdrückte ein Wimmern und nippte von ihrem Wein. Ach Usako, verdammt!

"Darf ich mich bitte erklären? Du hast da etwas missverstanden...", doch sie unterbrach mich scharf unter Tränen und ihre Stimme klang kratzig vom vielen Weinen.

"Du meinst, dass dir nur rein zufällig dein Schwanz aus der Hose gehüpft ist? Oder das du es vorhin genossen hast, wie Saori ihre prallen Brüste an dir gerieben hat? Ist das die genaue Definition für deinen, wie nanntest du es noch? Ach ja, AUSRUTSCHER?! Eine Woche warst du von den Kindern und mir getrennt und da vögelst du direkt eine andere? Ich bin maßlos enttäuscht von dir!"

"So ist es nicht gewesen! Bitte, lass mich doch ausreden. Das ist kompliziert...", sie hatte jedes Recht wütend, verletzt und enttäuscht zu sein. Nur wenn sie weiter die Glut schürte, würde auch ich nicht mehr ruhig bleiben können.

"Kompliziert...Hahaha..wie witzig! Das von dem, der in jungen Jahren recht unkompliziert durch verschiedene Betten tollte....Ich bin ganz Ohr, Casanova!", sie zog trotzig ihre Nase hoch und blinzelte ein paar Tränen weg. Ich wollte ihr die Tränen zur Seite streichen, sie an mich ziehen und halten, doch sie schlug meine Hand energisch weg und rückte auf Abstand. "WAG ES DICH JA NICHT, MICH ANZUFASSEN!", brüllte sie mir entgegen.

"USAKO! Du musst mir bitte zuhören!"

"Muss ich das? Will ich das? Stell dir mal vor du wärst an meiner Stelle. Wie viel Gehör bekäme ich denn dann geschenkt?"

"Viel, denn ich liebe Dich und unsere Familie! Was redest du denn da? Du hast gesehen und gehört, was Saori dich sehen und hören lassen wollte.", ich setzte mich neben sie und schaute ihr in die Augen, es arbeitete in ihr, das sah ich.

"Hast du mit ihr geschlafen?", sie schluckte und ich ertrug es nicht, sie so verletzt zu sehen.

"Im Studium und Auslandssemester, ja.", und dafür könnte ich mich immer noch ohrfeigen und wieder, weil ich sah, wie tief Usagi dies traf. Sie biss sich auf die Lippen und ich senkte meinen Blick. Die Sünden der Vergangenheit holten mich nun ein....

"Und bei der Ärztetagung in Sapporo? Lief da was zwischen euch?"

"Nicht so wie du denkst.... Da stand sie plötzlich vor mir und küsste mich. Genauso wie auf dem Parkplatz heute Mittag. Ich wollte das nicht, doch ich habe zu spät reagiert. Ich stand unter Schock...Usagi, es tut mir so leid.", ich schluckte und kämpfte darum weiter gefasst zu bleiben.

"Es ist leicht sich in dich zu verlieben, Mamoru....", ein gequältes Lächeln huschte über ihr Gesicht und sie nahm einen großen Schluck aus ihrem Glas.

"Das ist schon krankhaft bei Saori...Liebst du mich und vertraust du mir?", ich bebte, denn das sie mich liebte, fühlte ich, allerdings hatte ich mit meinem Verhalten ihr Vertrauen in mich geschmälert, wenn nicht sogar....Ach Usako...bitte glaube mir.

"Ich liebe dich, doch mein Vertrauen dir gegenüber hat einen Riss bekommen. Erzähl weiter, das hört sich nach etwas Großem an. Auch wenn ich es eigentlich gar nicht hören will....", sie schaute an die Decke und versuchte die erneut aufkommenden Tränen zu unterdrücken. Ich lief in die Küche und griff im Kühlschrank nach dem Wein und im Schrank nach einem Weinglas. "Schlafen die Beiden heute...?"

"..bei meinen Eltern, ja."

"Was hast du ihnen denn gesagt? Es ist unter der Woche...."

"Meiner Mutter? Die Wahrheit, zumindest das was ich gesehen und gehört habe, Mamoru. Den Kindern? Das Oma mit ihnen eine Übernachtungsparty machen möchte. Ich musste Chibiusa und Tadashi heute zwei Mal wegen deinem "Ausrutscher" belügen."

"Ich bin dir nicht fremdgegangen...", ich schenkte mir etwas von dem Rotwein ein und atmete tief durch, als ich ihrem brennenden Blick begegnete.

"...doch es wird dir ebenso wenig gefallen, was ich dir jetzt erzähle....Im ersten Semester an der Todai war Saori in meiner Lerngruppe. Sie schenkte mir sehr viel Aufmerksamkeit und benötigte viel Hilfe. Ich habe mir ehrlicherweise nichts weiter dabei gedacht, du kennst mich ja, und hab ihr natürlich dort geholfen, wo sie schwächelte. Wir begegneten uns auch immer zufällig auf dem Campus, glaubte ich da zumindest noch. Auf einer Studentenparty in einem der Wohnheime gab es eine Knutscherei in der Besenkammer, mehr lief da nicht. Danach rannte sie mir nur noch mehr hinterher, auch da habe ich ihre kranken Absichten nicht erkannt, ebenso wenig, als ich tatsächlich einmal Sex mit ihr hatte. Sie war danach ein lästiges Anhängsel für mich.
Als ich für ein Auslandssemester in die USA flog, verschwendete ich keinen Gedanken an Saori, doch ich traf sie überraschend auch in Harvard auf dem Campus. Das fand ich schon etwas merkwürdig.
Denn ihre Noten waren nicht so berauschend, als das sie dort als Gaststudentin hätte studieren können. Allerdings maß ich dem auch keinerlei weitere Wertung bei.
Usako, du weißt, dass wir beide da ähnlich ticken, warum hätte ich sofort eine gewisse Absicht vermuten sollen?"

"Hat sie dir denn je etwas bedeutet, oder hast du ihr mal Hoffnungen gemacht?"

"NEIN! Niemals! Ich habe ihr bei unserem Stell-Dich-ein damals gesagt, dass es nur Sex und nicht mehr war. In Harvard ist es ein zweites Mal auf einer Party passiert, doch daran erinnere ich mich nicht mehr...und das war auch gleichzeitig das letzte Mal. Saori bekam auch mit, dass ich etwas mit anderen Studentinnen hatte-und jetzt sind wir an dem Punkt angelangt, wo es noch gruseliger wird. Sie stellte sich anderen Kommilitonen immer als meine feste Freundin vor, was ich natürlich verneinte und wehement widerlegte, wenn ich es denn mitbekam. Außerdem war es mir zu dem Zeitpunkt auch ehrlich gesagt egal, was sie von sich gab. Denn ich war sehr auf meine Leistung im Studium fokussiert, sonst wäre ich heute nämlich noch nicht da, wo ich jetzt bin.
Zu der Zeit kam ich zu meinem Spitznamen `Casanova´. Ich war immer ehrlich zu dir, Usako, das kannst du mir glauben. Nur ich hätte dir hiervon wesentlich früher erzählen sollen...", ich trank einen Schluck von meinem Wein und mit Schrecken entdeckte ich einen Anflug von Verachtung in ihren Augen. Konnte ich ihr das verübeln? Vermutlich nicht....

"Das hätte uns vermutlich einiges erspart....."

Ich räusperte mich und senkte meine Stimme, denn ich hatte das alles in die hintersten Ecken meines Gedächtnisses verdrängt.....

"Du hast Recht....Es geschahen plötzlich verschiedene überaus merkwürdige und schreckliche Zwischenfälle....Einem der Mädchen mit denen ich etwas hatte, fielen plötzlich die Haare aus. Ein anderes wurde von einem vermeidlich Unbekannten die Treppe herunter gestoßen und brach sich unglücklich den Arm. Weitere bekamen anonyme Drohbriefe....das war schon sehr unheimlich und beängstigend. Es bedurfte noch weiterer gravierender Vorfälle, sehr viel gravierenderer...denn eine junge Frau verschwand für zwei Tage und sie wurde gefesselt und geknebelt schwer traumatisiert in einem der Heizungskeller der Harvarduniversity gefunden....bis ans Licht kam, dass Saori dahinter steckte.
Sie bekam mehrere Anzeigen und dann ging es vor Gericht. Natürlich wurde ich als einer der ersten Zeugen geladen, ich wurde sogar eine Zeit lang verdächtig, mit ihr gemeinsame Sache gemacht zu haben, doch das konnte ich alles mit Alibis und Beweisen widerlegen. Fast hätte mich das sogar mein Stipendium in Harvard und mein gesamtes Studium gekostet!", ich hatte mich in Rage geredet, tief atmete ich durch und musste mich erst einmal beruhigen. Usagi war mehr als geschockt und schüttelte nur ungläubig mit ihrem Kopf und bebte....Ich exte meinen Wein, schenkte ihr und mir neuen nach und atmete noch einmal tief durch.

"Auf dich Casanova...", prostete mir meine Frau sarkastisch zu, bevor sie ihr Glas in einem Zug leerte. "Trink nicht so hastig..", mahnte ich sie sanft und sie griff trotzig nach der Flasche in meiner Hand. "Kehre du erst einmal zuende vor deiner eigenen Tür! Ich brauch das jetzt!", damit füllte sie provokativ ihr Glas randvoll und mir entwich beim Zähneknirschen ein knurriger Laut. Ich konnte es immer noch nicht leiden, wenn sie dies aus Trotz tat und so entwendete ich ihr die Flasche und füllte den Rest in mein Glas. Wir lieferten uns ein kurzes funkelndes Blickduell.

"Fahren Sie doch bitte fort, Herr Doktor.", Oh Usagi....du weißt ganz genau, dass du mich mit diesem hämischen und zynischen Ton in deiner Stimme zum kochen bringst.

"Genug der Frotzeleien..", brummte ich,  "Die Beweisführung und Sitzung zu Gericht zogen sich in die Länge und Saori´s vom Gericht bestellter Psychiater stellte eine schwere Form von Psychopathie bei ihr fest. Sie musste daraufhin mindestens 5 Jahre in eine psychiatrische Klinik und die Auflage für eine Entlassung war eine erfolgreich absolvierte Verhaltenstherapie..."

"Mamoru, ich weiß, du wirst ausflippen. Doch erlaube mir eine kurze Zwischenfrage: Wie kann Sie denn dann auf meiner Station als Onkologin tätig sein?"
Usagi betrachtete die Gänsehaut an ihrem linken Arm und mir klappte der Mund auf. Wie bitte? Sie arbeitete bei uns im Krankenhaus? Auf Usagi´s Station?! Ich dachte sie hätte es nur auf mich abgesehen und mich wieder gestalkt seit ihrer Freilassung...Das war unmöglich! Unfassbar!.....

"Seit wann arbeitet sie im Krankenhaus auf deiner Station?!", fragte ich scharf und tigerte wie wild durch die Küche. Das konnte doch nicht wahr sein!

"Seit genau zwei Wochen....sie ist ziemlich unfair meinen Kollegen und mir gegenüber..Zum Glück ist es nur das....", Usagi zuckte mit den Schultern und schüttelte sich, ihr kam wohl auch gerade der ein und andere unheimliche Gedanke.

"Warum hast du mir denn nichts gesagt?!", ich wollte nicht vorwurfsvoll klingen, zumal ich auch gar nicht in der Position dazu war. Zwei Wochen war Usagi dieser Gefahr ausgesetzt! Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können! Ich schnaubte, warum hab ich ihr nicht bei meiner Rückkehr aus den USA davon erzählt, wie einst Motoki?!  

"Hmmm...Warum? Mamoru, ich hatte Stress genug mit unserem Haus, den Terminen der Kinder und noch dazu begleitete mich seit deiner Rückkehr aus Sapporo ein höchst ungutes Gefühl. Denn das etwas anders oder passiert war, habe ich sofort gespürt. Mir machst du nichts vor, ich habe es dir angesehen! Also, warum hast DU mir nichts gesagt? Und was genau war in Sapporo mit Saori? Du hast mir den Ausrutscher nämlich noch nicht richtig erklärt und deine lappidare Aussage, vor diesem Psychokrimi, kann ja wohl nicht alles gewesen sein! Habe ich recht?", mit verschränkten Armen schaute sie unnachgiebig zu mir rüber, ich lehnte nun an der Theke der Kochinsel. Nervös fuhr ich mir durch mein Haar und mahlte mit dem Kiefer.  

"Ich hatte Angst um ehrlich zu sein...und ich habe sie noch. Ich habe Angst um dich und Angst dich zu verlieren, mein Hase. Ich traf Saori Mittwochs auf der Messe am Buffet, oder eher gesagt, sie fand mich. Ich habe sie ignoriert und bin in eine andere Richtung gegangen. Nach dem Essen fühlte ich mich komisch, richtig duselig und ich schwankte zu meinem Hotel. Nur mit Glück erreichte ich mein Zimmer, wo Saori mich bereits erwartete. Ich war in Gedanken bei dir und den Kindern und hatte so große Sehnsucht nach dir....", ich stockte und schluckte, Tränen brannten in meinen Augen..

"Sprich ruhig weiter....", auch ihre Stimme war kratzig und in ihren schönen Augen sammelten sich erneut Tränen. Mir ging es genauso und es tat so verdammt weh, es auszusprechen.....

"Sie küsste mich und weil ich mich so schummerig fühlte und vor Sehnsucht nach dir verging, hab ich den Kuss kurz erwidert. Das tut mir so leid, Usako! Es hat etwas gedauert, bis ich tatsächlich begriff, was los war. Ich habe nicht mit ihr geschlafen, nein, ich habe sie aus dem Zimmer geschmissen, bevor mir schwarz vor Augen wurde.
Sie hatte mich unter Drogen gesetzt, am nächsten Tag fühlte ich mich nämlich wie überfahren. Den Security, die für das Gelände zuständig waren und der Polizei hab ich sofort Bescheid gegeben, mehr konnte ich nicht tun. An den restlichen Tagen habe ich sie nicht mehr gesehen. Es war heute ein großer Schock für mich, sie auf dem Parkplatz der Klinik wieder zu sehen...Daher auch meine eher verminderte Reaktion..ich war wie gelähmt...."

"Rohypnol. Sie hat dich mit Rohypnol ausgeknockt, Mamo-chan. Das ist ein dickes und fettes ungenügend in Pharmazie, Dr. Chiba.", Usagi wischte sich die Tränen von den Wangen und atmete tief durch.

"Ich weiß doch, dass es Rohypnol war, Usako. Glaubst du mir, oder habe ich mir eingebildet, dass du gerade Mamo-chan zu mir gesagt hast?", mein Atem beschleunigte sich.

Sie stand auf, kam langsam zu mir rüber und der Blick, den sie mir schenkte war unergründlich. Meine Frau verpasste mir, schneller als ich gucken konnte, eine deftige Ohrfeige. Entsetzt hielt ich mir die rechte Wange. "Au!"

"Die ist für deine Feigheit, deine Heimlichtuerei und das du es gewagt hast, mir eine lappidare Lüge auftischen zu wollen! Mach das nie wieder!", sie bebte und ich schluckte. "Doch ich glaube dir, Mamoru.", ihre Stimme wurde sanft und sie breitete ihre Arme aus. Ich schmiegte mich dicht in ihre Umarmung und presste sie an mich. Tief sog ich ihren Duft nach Vanille ein, vergrub meine Nase in ihrem Haar und endlich kam der aufgestaute Frust heraus, ich weinte in ihren Armen..."Es tut mir so unendlich leid. Ich hätte dir schon viel früher davon erzählen müssen! Bitte verzeih mir."
Sie streichelte mir beruhigend über meinen Schopf. "Ich verzeihe Dir. Und mir tut es auch leid, Mamo-chan. Doch was ist jetzt mit Saori? Sie wird morgen zum Dienst erscheinen...Ist es nicht eine Straftat, als Arzt zu praktizieren, wenn man gar keiner ist? Wir reden hier von der Kinder-Onko. Ich habe Angst um meine Schützlinge, Mamo-chan!"

"Ich habe Angst um dich....", damit nahm ich Besitz von ihrem Mund und erntete lauten Protest, als ich sie fest an mich zog. "Moment! Wie kommst du auf die Idee, dass mir ausgerechnet jetzt der Sinn danach steht? Ähem?! Wir haben das doch noch gar nicht zu Ende analysiert und besprochen...."

"Ich rufe gleich die Polizei und Tomoe an. So einfach geht das, Watson.", damit küsste ich sie wieder. Wie hatte mir ihre Nähe gefehlt...Hart bekam ich eine Kopfnuss von ihr verpasst und stöhnte gequält. "Aua! Wofür war die denn jetzt?!"

"Ich bin Sherlock. Du bist Watson, schon vergessen?!", stänkerte mein Hase auch schon los und löste sich abrupt von mir.

"Dafür ist dein Englisch zu mies....", ich bebte vor lachen und sie zeigte mir den Mittelfinger.

"Das ist dreizehn Jahre her, Baka! Mich beunruhigt das dennoch. Die Polizei braucht Beweise. Du kannst ja viel erzählen, gerade auch wegen der Messe.", nun tigerte sie auf und ab.

"In meinem Blut sind sicherlich noch Spuren vom Rohypnol nachweisbar."

"In deinem Urin auch. Kannst du noch fahren?"

"Sicher. Sag nicht, du willst zur Klinik, Odango?"

"Klar, dort haben wir alles an Equipment und danach geht´s zur Polizei. Wir haben die ganze Nacht Zeit, um diesem Miststück eins rein zu würgen. Ich wette sie hat einen anderen Nachnamen angenommen und auch ihre Papiere und Unterlagen gefälscht."

"Sehr wahrscheinlich wird sie das sogar gemacht haben. Du willst doch nicht etwa...?"

"Genau, ins Personalbüro auf meine Station. Wie gut, dass ich für die Dienstpläne zuständig bin und jederzeit Zugriff auf vertrauliche Daten habe..."

"Da muss ich allerdings vorher mit Tomoe sprechen. Bist du dir sicher, dass du das durchziehen willst? Usako, ganz sicher?"

"Ganz sicher, Mamo-chan."

Wir fuhren zur Uniklinik und unterwegs sprach ich mit Prof. Dr. Tomoe, der natürlich aus allen Wolken fiel und uns Zugriff auf alles, was wir dazu benötigten, gewährte.
Er fand sich nach unserem Telefonat umgehend auf dem nächstgelegenen Polizeirevier ein, um eine Anzeige zu stellen.
Usagi und ich fanden uns in einem der gut ausgestatteten Labore wieder und hatten Glück, einer der Laboranten war noch anwesend. Er schaute konzentriert in sein Mikroskop und sah nicht mal auf, als ich ihn ansprach. "Guten Abend! Wir brauchen eine Blutanalyse auf Rohypnol."

"Wo ist die Probe?", fragte der Typ im Kittel mit den zauseligen Haaren und dem Bart mich nüchtern und schenkte mir einen Seitenblick.

"Die muss ich ihm noch abzapfen, Yuichiro. Wie viel Röhrchen?" Ich verzog den Mund. Scheiße, sie würde mich sicher quälen.

"Drei reichen. Guck mal da in der Schublade, da müsste noch was für so spontane Aktionen drin sein."

Usagi nahm mir Blut ab und reichte die Röhrchen an den Typen, dessen Namen ich mir eh nie merken konnte. Eine Stunde müssten wir auf ein Ergebnis warten und so folgte ich meiner Frau, die über die Stationen eilte.
Im Aufzug ertappte ich mich bei einem sündigen Gedanken..."Vergiss es!", zischte sie nur giftig, sie hatte es mir von der Nasenspitze abgelesen und rollte mit ihren schönen Augen. Mein Mund zierte ein dreckiges Grinsen. "Ich finde, wir sollten die freie Nacht auch noch ausgiebig für uns nutzen..."

"Werde ich auch.", sie streckte ihre Nase arrogant in die Höhe. Autsch! Das bedeutete meist, dass sie Stunden im Bad mit einem Buch in der Badewanne und Enya auf den Ohren verbrachte-ohne mich.

Im Personalbüro auf Usagi´s Station war natürlich keiner mehr, doch Usagi machte sich ganz routiniert daran, den PC zu starten und kramte in einer der Schubladen nach den Personalakten, bis sie mir die von Saori reichte. "Tanaka, heißt sie also jetzt und nicht mehr Yamamoto.", entfuhr es mir.

"Sie ist morgen in der Frühschicht mit mir eingeteilt, eigentlich könnten wir die auch abwarten... Ich suche gerade ihre Adresse."

"Vergiss es!"

Mich machten die Zeugnisse und ihre Papiere allgemein stutzig, warum ist das denn keinem aufgefallen? "Lass mich mal bitte an den PC.", damit schob ich meinen Hasen einfach auf Seite. "Ehy!", protestierte sie.
"Du bist zu langsam.", murrte ich ungeduldig.
"Und du hast Pech beim Denken." Autsch!
"Sei bitte nicht so gemein, Usako."

Es gab eine Kinderonkologin mit dem Nachnamen Tanaka in den USA, sie arbeitete im St. Jude Children Research Hospital in New York. In meinem Auslandssemester in Harvard hatte ich Glück, mal einer ihrer Vorlesungen beiwohnen zu können. Sie war sehr versiert auf verschiedene Formen von Blutkrebs bei Kindern und Erwachsenen und hatte eine bahnbrechende Studie dazu....Wie konnte sich Saorie nur mit ihren Federn schmücken?

Es dauerte etwas, bis ich fand, wonach ich suchte. "Schau mal, Usako."

´Himeko Tanaka´(55), Ärztin aus Tokio, Onkologin. Bis zu ihrem Tod bei einem tragischen Autounfall, leitende Oberärztin der Kinderonkologie im St. Judes Children Research Hospital.....`

"Und jetzt schau dir mal Saori´s Unterlagen an."

"Das sind die von Himeko...Wie kann das sein, dass es keinem da oben aufgefallen ist?"

"Saori ist die perfekte Blenderin. Es wäre uns so viel erspart geblieben, wenn wir beide offen miteinander geredet hätten. Unfälle passieren, dennoch kann es kein Zufall gewesen sein, dass Saori ausgerechnet Himekos Namen angenommen hat und ihren Lebenslauf mit ihren Erfolgen frisierte."

"Ich denke, sie hat noch anderes im Sinn. Sie wollte mich tief verletzen, um freie Bahn bei dir zu haben. Sie wird mich aus dem Weg räumen wollen."

Es erschreckte mich wie abgebrüht, Usako das von sich gab. "Meine Angst um dich ist nicht unbegründet und jetzt hast du den Beweis."

"Wir übergeben die Unterlagen mit deinem Blutergebnis gleich der Polizei und stellen Anzeige, wir haben ja Tomoe´s OK. Ich melde mich morgen krank, das würde Saori in die Karten spielen und sie schöpft keinerlei Verdacht, dass wir sie auf´s Kreuz legen."

"Du hast echt zu viele Krimi´s gelesen. Vielleicht solltest du wieder zur Romantik zurück finden...."

"Netter Versuch, Baka."  

Es war zwar erst 23 Uhr als wir zu Hause ankamen, doch bis wir alles zusammen hatten und tatsächlich Anzeige stellen konnten, weil ich auch noch über den Vorfall in Sapporo berichten musste, zog sich das alles sehr in die Länge. Saori würde bei einer inszenierten Neuaufnahme in der Klinik hoch genommen werden, so war es auch mit Tomoe abgesprochen.

Wir entschieden uns erst einmal den Kühlschrank ganz ungeniert zu plündern.

"Du kannst morgen ja noch mal kochen, nicht? Dann zieh ich mir jetzt das Sushi rein.", sinnierte ich laut vor dem offenen Kühlschrank. Usagi saß an der Theke und vernichtete einen Schokopudding, schluckte diesen genießerisch runter und deutete dabei mit ihrem Löffel auf´s untere Fach. "Dann nimm deine Box, das bedeutet allerdings, das du morgen wohl in der Kantine speisen musst."

"JUDAS?! Das ist aber ganz schön hart, Usako....", schnaubend entfernte ich den Post-it, knüllte ihn zusammen und warf diesen nach ihr. Geschickt fing sie ihn und grinste.

"Du kannst froh sein, dass ich überhaupt für dich mitgekocht habe. Hast du die Tasche neben der Haustür eigentlich nicht bemerkt?" Ähem....bitte was? Sie deutete mit geschürzten Lippen darauf und ich hustete. Geschockt schaute ich zur Haustür und tatsächlich!

"War die etwa für mich?", ich blinzelte und verzog traurig den Mund.

"Nein, da sind schon meine Sachen drin, Baka. Denn ich verabschiede mich jetzt zu meinem heimlichen Lover. Die ganze Nacht kinderfrei, oh ich freu mich. Der Kerl kann nämlich sehr schöne sündige Dinge mit seiner Zunge anstellen. Da werde ich schon ganz wuschig, wenn ich nur daran denke.", gurrte sie keck, schlich galant wie eine Katze zur Haustür und schnappte sich ihr Schlüsselbund. "Ciaoi!". Mir klappte die Kinnlade runter und sie wagte es tatsächlich noch mir grinsend zu winken und nach der Klinke zu greifen.

Das war der Moment, wo ich tiefrot sah und das Blut in meinen Ohren rauschte.

Ich hatte genug von den Quälereien und Spielchen!

Grob packte ich sie an den Hüften, beförderte sie ruckartig auf die Küchentheke und drängte mich zwischen ihre Beine. Hart presste ich mich gegen ihre Scham und lodernd sahen wir uns tief in die Augen.

"Dir wird hören und sehen vergehen, Usako."

"Ich bitte darum."
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast