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Ostern im Hause Mills

Kurzbeschreibung
OneshotHumor / P12 / FemSlash
Böse Hexe / Zelena Mills Böse Königin / Regina Mills Emma Swan
17.04.2022
17.04.2022
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17.04.2022 4.565
 
Inhalt: Nach dem Valentinstagsdebakel wird im Hause Mills Ostern gefeiert. Ein weiterer merkwürdiger Brauch, diese Eiersuche und die Mills-Schwestern erweisen sich dabei als durchaus kreativ.

A/N: Das ist ein Sequel zum Valentins-OS „Die Hütte im Wald“ und dementsprechend nicht ernst zu nehmen. Auch hier wieder: WickedQueen

Disclaimer: ABC, just for fun ausgeliehen.
****



Ostern im Hause Mills



Durchs Küchenfenster beobachtete Zelena amüsiert, wie ihre Schwester mit einigermaßen ratloser Miene durch den Garten lief. Der Ostersonntag war dieses Jahr einer der ersten milden und sonnigen Frühlingstage, sodass sie dabei nur eine Strickjacke trug. Oben auf dem Wipfel des Apfelbaums thronte eine Wanderdrossel, deren hellen Gesang Zelena durch das gekippte Fenster hören konnte. Mit seinem rot gefiederten Bauch war es ein hübscher kleiner Vogel. In Oz hatte es nur schwarze Drosseln gegeben, denen sie in der Morgendämmerung gerne gelauscht hatte. Im Flur erklang der Türklopfer laut genug, um das Gezwitscher zu übertönen. Zelena drückte ihrer im Hochstuhl sitzenden Tochter den Becher mit dem frischen Tee in die kleinen Hände, ehe sie aufmachen ging.

„Hi Emma, komm rein“, grüßte sie die Blondine, die unter ihrer roten Lieblingsjacke nur ein dünnes Shirt trug.

Diese folgte ihr durch den Flur in die Küche, wo sie ihre große blaue Tupperdose erst einmal abstellte. „Ich hab Sandwiches mit Roastbeef und welche mit Mozzarella gemacht.“

„Mhm, klingt gut.“ Zelena öffnete den Hängeschrank vor ihr, um einen großen Teller herauszunehmen. „Richte die darauf an. Du weißt ja, wie sehr Regina es hasst, wenn Essen in Plastikdosen auf dem Tisch steht.“

„Apropos Regina, wo steckt sie überhaupt?“

Ein schalkhaftes Grinsen erschien auf Zelenas Gesicht. „Sucht im Garten ihr Osternest.“

„Sie macht bitte was?“ Amüsiert lachte Emma auf. „Wir reden aber schon von deiner Schwester?“

„Wie viele Reginas kennst du sonst noch?“

„Touché“, gab sie zurück. „Was hast du mit ihr gemacht? Selbst Henry findet Eiersuchen mittlerweile unter seiner Würde.“

„Ich? Gar nichts, ich wasche meine Hände in Unschuld.“

„Du weißt doch nicht mal, wie man dieses Wort buchstabiert!“

Demonstrativ stemmte Zelena die Hände in die Hüften. „Das weiß ich wohl. U-N-S…“

„Schon gut, ich glaub’s dir.“ Akkurat drapierte Emma die letzten Sandwiches auf dem Teller und zückte ihr Handy. „So, jetzt muss ich Killian mit einem Foto den Mund wässrig machen. Er liebt Roastbeef. Da er aber schon in aller Herrgottsfrühe aufgestanden ist, um mit seinem Boot rauszufahren, hat er Pech gehabt. Männer und ihre Spielzeuge. Ist es kein Auto, ist es ein Boot, alles dasselbe.“

„Sagt die Frau, die eine Liebesbeziehung mit einem gelben Schrotthaufen hat. Warum gehst du nicht mit deinem Ehemann segeln?“

Emma stieß scharf Luft aus. „Ich bin immer noch latent seekrank von dem Trip nach Neverland. Das Ding betrete ich nur, solange es fest vertäut ist.“

„Ja, Regina hat erzählt, dass du dich fast selbst ersäuft hättest. Das ist total gestört!“

„Ungefähr so, wie sich die eigene Hand abzuhacken. Hat Killian erwähnt.“

Das veranlasste Zelena dazu, die Augen zu verdrehen. Natürlich ahnte Emma nicht, dass Regina und sie unfreiwillig Ohrenzeugen dieses Gesprächs geworden waren, das am Valentinstag in Golds Blockhütte stattgefunden hatte. Ebenso wenig ahnte sie etwas von der misslichen Lage, in der sie sich aufgrund Hooks unverfrorener Indiskretion befunden hatten, und das sollte tunlichst so bleiben.

„Also wo hast du es versteckt?“, wollte sie unvermittelt wissen.

Der Rotschopf deutete grinsend auf das Backrohr. „Das findet sie nie.“

„Du weißt schon, dass sie Ortungszauber beherrscht?“

Triumphierend öffnete sie die Klappe, sodass Emma das Körbchen sehen konnte, das umgeben von weißem Pulver auf dem Backblech stand. „Das da ist ein Salzkreis. Sehr simpel, aber dafür umso effektiver.“

Da auf dem Flur Schritte hörbar wurden, schloss sie das Rohr rasch wieder. Bereits im nächsten Moment betrat Regina die Küche und begrüßte den Neuankömmling, während sie ihre Schwester keines Blickes würdigte.

„Bist du fündig geworden?“, neckte Emma sie, wofür sie einen Blick erntete, der jeden anderen dazu veranlasst hätte, schleunigst das Weite zu suchen.

Regina zog den Apothekerschrank auf und nahm einen großen Schokoladenhasen heraus, den sie vor Emma auf den Tisch stellte. „Dir auch frohe Ostern von Zelena und mir. Veranlass mich nicht, den zu verstecken, damit ich nicht der einzige Idiot bin, der suchen muss.“

Daraufhin griff die Blondine nach ihrer Tasche, aus der sie exakt den gleichen Hasen in Goldfolie sowie einen zweiten kleineren beförderte. „Ich hab nur einen für euch beide genommen, weil Regina dauernd betont, dass sie keine ungesunde Schokolade isst. Der andere ist für Robin.“

„Darum frisst sie auch immer meine Kekse auf, wenn ich welche kaufe.“

„Ich bin doch kein stinkender Pirat! Königinnen fressen nicht, sie speisen, meine Liebe.“ Sie verstaute den Hasen im Apothekerschrank. „An deiner Stelle würde ich auf meine Vorbildwirkung achten. Henry wusste schon von klein auf, dass es Süßes erst nach dem Essen gibt.“

Zelena folgte dem kritischen Blick ihrer Schwester und bemerkte, dass Robin schon angefangen hatte, ihr Häschen auszupacken und gerade das Ohr abbiss. Um das Drama zu vermeiden, ließ sie ihre Tochter das Stück hinunterkauen, bevor sie ihr das Naschwerk aus den Händen nahm.

„Haaaaasi!!!“, beschwerte sich Robin sofort lautstark.

„Siehst du, jetzt quengelte sie rum.“ Augenrollend schob Regina sie beiseite, um sich auf eine Höhe mit dem kleinen Mädchen zu bringen. Sie deutete auf den Esstisch. „Schau mal, was Emma für tolle Sandwiches gemacht hat. Und die bunten Ostereier, die magst du doch. Für das alles hast du da drinnen gar keinen Platz mehr, wenn du jetzt dein Hasi auffutterst.“ Liebevoll stupste sie Robin in den Bauch, woraufhin diese kicherte. „So geht das, Schwesterherz!“

„Angeberin.“ Zelena verschränkte beleidigt  die Arme vor der Brust.

Emma blickte zwischen den Mills-Schwestern hin und her. „Können wir dann endlich essen? Ich habe Hunger!“

Das nahmen die Gastgeberinnen dieses Osterbrunchs zum Anlass, die vorbereiteten Teller mit Gemüse und Räucherlachs aus dem Kühlschrank zu holen, um alles zum Esstisch im Salon zu bringen. Regina ließ es sich dabei nicht nehmen, die Kaffeekanne und den Brotkorb vor sich herschweben zu lassen. Zelena tauschte einen Blick mit Emma, die schon die Sandwichplatte sowie die Schale mit den bunt gefärbten Eiern in die Hände genommen hatte. Robin quengelte bereits wieder, um aus dem Hochstuhl gelassen zu werden, also hob Zelena sie heraus und stellte sie auf den Boden. Sofort lief das kleine Mädchen seiner Tante hinterher. Nach einigen Minuten stand alles auf dem Tisch, den Regina bereits vor ihrem fruchtlosen Bemühen, das Osternest zu finden, mit dem feinen Porzellan gedeckt hatte. Für eine Weile waren nur Essensgeräusche zu hören. Emma und Zelena hatten ihre Teller bereits gut gefüllt, während Regina noch damit beschäftigt war, ihre Auswahl zu arrangieren.

„Ihr beide habt echt keine Manieren“, stellte sie seufzend fest. „Aber woher auch?“

„Leb du mal in einem Kinderheim, wo du möglichst schnell zugreifen musst, damit du was anderes als lauwarme Erbsen kriegst.“

„Erbsen!“, wiederholte Robin sofort begeistert. „Will Erbsen haben!“

„Meine Tochter kommt ganz nach mir.“ Grinsend legte Zelena ein halbes Ei, ein Stück Tomate und ein in mundgerechte Happen geschnittenes Sandwich auf Robins bunten Plastikteller.

Zum Nachtisch gab es Osterstritzel mit Butter, was das kleine Mädchen den Schokohasen schnell vergessen ließ. Emmas Handy piepste immer wieder, weil Hook Fotos schickte, um zu demonstrieren, wie viel Spaß Henry und er auf ihrem Segeltörn hatten. Sie gönnte es ihnen, immerhin war der Junge dafür extra früh aufgestanden, wozu er sonst am Wochenende durch nichts zu bewegen war. Gemeinsam räumten die drei Frauen anschließend den Tisch ab.

„Gibst du auf?“, stichelte Zelena schließlich an ihre Schwester gewandt.

Diese schüttelte den Kopf. „Du kannst das nicht so gut versteckt haben, dass ich es nicht finde. Außerdem kann Emma mir helfen, sie ist gut im Sachen aufspüren.“

Abwehrend hob die Blondine ihre Hände. „Du verwechselst da was. Ich bin nur gut im Menschen aufspüren.“

„Außerdem sollst du es selber suchen! Das macht man doch an Ostern so, oder nicht?“ Zelenas Braue wanderte in die Höhe. „Wobei ich immer noch nicht verstehe, wieso ein Hase bemalte Eier verstecken sollte. Der legt doch nicht mal welche. Wer denkt sich sowas aus?“

Beide zuckten mit den Schultern.

„Ich hab den Garten zweimal durchsucht. Da ist nichts!“, protestierte Regina unleidlich. „Wenn du es irgendwo in die Hecke gesteckt hast, kannst du es da auch wieder rausholen.“

„Hast du schon im Haus nachgeschaut?“, warf Emma ein, wofür sie von Zelena einen strafenden Blick erhielt.

„Halt die Klappe, Swan! Regina soll sich selber Mühe geben, sie hat es nicht anders verdient.“

Ein Grinsen erschien auf ihrem Gesicht. „Wieso? Was hat sie angestellt?“

„Ich habe überhaupt nichts angestellt, meine Schwester liebt es nur, mich zu ärgern!“ Mit einem diabolischen Lächeln ging sie zur Kommode, wo das Osternest stand, das sie Zelena in der Früh bereits gegeben hatte. „Wenn ich recht bedenke, tut dir ein bisschen rumrennen und suchen auch gut. Du hast von den ganzen Keksen zugenommen.“

„Pah! Ich bin Mama eines Kleinkindes, ich renne genug herum“, konterte Zelena, während sie zusehen musste, wie sich das Nest in Reginas Händen in einer kleinen lilafarbenen Rauchwolke auflöste.

Kopfschüttelnd musterte Emma die beiden Schwestern, die einander mit nun mit verschränkten Armen gegenüberstanden. „Wie alt seid ihr eigentlich?“

Wortlos wandte Regina sich um, und begann damit, die Schubladen der Kommode zu öffnen. Sie fand nichts darin, außer einem gewaltigen Durcheinander, welches sie die Brauen hochziehen ließ. Misstrauisch funkelte sie Zelena an. „Das wird morgen aufgeräumt, ist das klar?!“

„War ich aber nicht!“

„Wer denn sonst? Henry hat von mir gelernt, wie man Ordnung hält.“

Emma lachte laut auf. „Regina, er ist ein Teenager. Aufräumen bedeutet bei ihm, alles irgendwo reinzustopfen. Oder vielleicht liegt es einfach daran, dass er männlich ist. Killian macht das genauso.“

„Was hast du erwartet? Er ist ein kleiner Junge im Körper eines Mannes.“

„Glaub mir, im Bett steckt eher ein Tiger in ihm.“

„Keine Details!“, riefen Regina und Zelena gleichzeitig, die Gesichter verziehend, als ob sie einen auf der Schuhsohle klebenden Kaugummi betrachten würden.

„Und im Übrigen stinkt er nicht“, fügte Emma rasch hinzu. „Wenn er segeln war, riecht er nur ein bisschen nach Salzwasser und Fisch.“

„Mit anderen Worten: Er stinkt.“

„Dafür hat man Duschen erfunden", entgegnete sie gleichmütig. „Außerdem stinkst du auch, wenn du aus dem Stall kommst.“

„Nur jemand, der nicht reitet, kann Pferdegeruch als Gestank bezeichnen.“

Damit hatte Emma tatsächlich einen wunden Punkt getroffen, denn die Brünette stapfte zutiefst beleidigt aus dem Zimmer und kurz darauf waren ihre Schritte auf der Treppe zu hören. Beide wandten ihre Blicke in Richtung Decke, als es oben zu poltern begann. Regina war wohl gerade dabei, jeden Schrank lautstark zu öffnen.

„Okay, raus damit! Warum lässt du sie sie das ganze Haus samt Garten durchsuchen?“, wollte Emma schließlich wissen.

„Wie würdest du denn reagieren, wenn Hook dich plötzlich mit meinem Namen anspricht?“

„Warum sollte er sowas bitte machen?“ Die heillose Verwirrung, die der Blondine ins Gesicht geschrieben stand, wich einem Ausdruck des Misstrauens. „Hattet ihr was miteinander? Ich meine, als du noch deine Schwester zerstören wolltest.“

Nun war es Zelena, die ein trockenes Lachen ausstieß. „Du bist verrückt!“

„Verrückt wäre es, wenn du dich an Gold ausgelassen hättest, während er in deinem Keller saß“, entgegnete Emma mit einem herausfordernden Blitzen in den Augen.

„Nein, das wäre ekelhaft! Ich bin doch nicht…“ Sie senkte die Stimme, damit Robin, die auf dem Boden mit bunten Bausteinen spielte, sie nicht verstehen konnte. „…sexbesessen.“

„Du hast den Mann deiner Schwester verführt und dir ein Kind von ihm machen lassen.“

„Woher sollte ich wissen, dass die hysterische Ziege, die du da aufgegabelt hast, seine Frau war? Hätte er Regina wirklich über alles geliebt, wäre er bei ihr geblieben und hätte sie… also mich in die Wüste geschickt. Ernsthaft, wenn Hook so etwas mit dir abzöge, würdest du ihn dann noch zurücknehmen?“

Emma zuckte mit den Schultern. „Du hast mir immer noch keine Antwort gegeben.“

Erneut ertönte aus dem oberen Stockwerk lautes Rumpeln, gefolgt von Reginas dumpfer wütender Stimme. Die beiden Frauen sahen einander grinsend an.

„Also?“ In ihrer Sheriffmanier dachte Emma nicht daran, so rasch aufzugeben.

„Du verstehst absolut nichts.“ Zelena machte eine wegwerfende Geste.

„Na dann klär mich doch auf, ich warte!“

Bevor sie jedoch dazu kommen konnte, stapfte Regina ins Zimmer und ließ sich genau zwischen die zwei aufs Sofa fallen. „Ich gebe auf. Du hast gewonnen, Zelena. Wo hast du es versteckt?“

„Das sage ich dir, wenn du dich entschuldigst!“

Ihre Braue wanderte bis zu ihrem Haaransatz in die Höhe. „Wofür denn bitte? Du bist diejenige, die heute schon den ganzen Tag schlecht gelaunt ist.“

„Vielleicht, weil ich einen guten Grund dafür habe?“ Beleidigt verschränkte Zelena die Arme vor der Brust. „Du hast mich Emma genannt!“

„Wann soll das gewesen sein?“

„Wieso sprichst du deine Schwester mit meinem Namen an?“

Die Fragen kamen wie aus der Pistole geschossen, sodass sie einander ins Wort fielen und daraufhin verwirrt innehielten.

„Es ist dir vergangene Nacht also noch nicht mal aufgefallen.“ Abrupt erhob Zelena sich von ihrem Platz, wobei es Emma gerade noch gelang, ihrem Ellenbogen auszuweichen. „Dein Körbchen ist in der Küche.“

Um sich dieser unangenehmen Situation zu entziehen, tat Regina es ihr gleich, aber anstatt durch die Terrassentür in den Garten zu starren, verzog sie sich in die Küche, wo sie damit begann, die Schränke zu durchsuchen. Als sie Schritte hinter sich hörte, seufzte sie tief.

„Versuchs im Backrohr“, stellte Emma in einer für sie ungewöhnlich hohen Tonlage fest. „Was genau läuft da zwischen euch?“

„Ich weiß nicht, was du meinst.“ Unbeirrt öffnete Regina die Klappe und ihr Gesicht hellte sich auf, als sie auf dem Backblech das Osternest stehen sah. „Ha, Salz! Das ist so primitiv.“

Sie stellte den kleinen Korb auf den Tisch und besah sich den in silberfarbenes Papier gewickelten Hasen. Es war dunkle Schokolade, natürlich wusste Zelena, dass sie diese am liebsten mochte. Sie hatte ihm sogar eine frühlingsgrüne Schleife um den Hals gebunden. Dann fiel ihr noch etwas zwischen den lila und dunkelrot gefärbten Eiern auf. Was sie hervorzog, war ein silbernes Armband, mit einem filigranen Apfel als Anhänger. Sie wollte es anlegen, schaffte es mit einer Hand aber nicht, den Verschluss zuzubekommen.

„Lass mich machen“, stellte Emma fest, die ihr die ganze Zeit zugesehen hatte. „Hübsch.“

„Ich habe ihr zu Weihnachten auch so eins geschenkt.“

„Was soll deine Schwester mit einem Apfel, wenn er nicht gerade vergiftet ist?“

Regina schüttelte amüsiert grinsend den Kopf. „Auf ihrem ist ein Hexenkessel, der passt zu ihr.“

„Stimmt, mit einer giftigen Brühe drin.“

„Muss ich sie warnen, dass sie in deiner Nähe besser nichts unbeaufsichtigt lässt, was sie noch essen oder trinken will?“ Verwundert runzelte sie die Stirn. „Hast du ein Problem mit ihr?“

„Ich nicht. Sie ist doch diejenige, die mich nicht leiden kann.“

„Tja, Miss Swan, das kommt vor, wenn man jemanden entführt, um ihn hinterher mit einem Schwert abzustechen.“

„Das wird mir auch ewig nachhängen, oder?“ Unbeabsichtigt laut klatschte Emma mit der flachen Hand auf die Tischplatte. „Du lenkst die ganze Zeit vom Thema ab.“

„Was willst du denn hören? Manchmal haben wir Albträume und wenn wir uns dann einsam fühlen, schläft sie bei mir oder umgekehrt.“

„Im selben Bett??“

„Wo sonst? Etwa auf dem Fußboden?“

„Findet ihr das nicht komisch?“

Regina schüttelte prompt den Kopf. „Wieso? Wir beide haben doch auch schon zusammen in deiner gelben Todesfalle übernachtet.“

„Das ist nicht dasselbe!“, widersprach Emma irritiert. „Und es erklärt immer noch nicht, warum du sie Emma nennst.“

„Ich habe bestimmt wieder im Traum geredet und dabei deinen Namen gesagt. Du kennst doch Zelena, sie kann wegen jedem Schmarrn beleidigt sein.“

Just als Emma, deren Gesichtsausdruck sehr skeptisch blieb, den Mund öffnete, drang durch das gekippte Fenster ein lautstarkes Platschen, dem in der nächsten Sekunde eine absolut nicht jugendfreie Verwünschung Zelenas folgte.

„Fluchen kann sie wie ein Pirat“, stellte sie grinsend fest.

Die beiden Frauen verließen die Küche, um durch die Terrassentür in den Garten zu gehen. Vor dem Zierteich blieben sie wie angewurzelt stehen, tauschten einen Blick und brachen in heftiges Gelächter aus. Darin hockte eine klatschnasse, wie ein Rohrspatz schimpfende Zelena.

„Bevor ihr erstickt, hättet ihr vielleicht die Güte, mir da rauszuhelfen? Das Wasser ist eiskalt!“ Sie versuchte erneut, sich aufzurappeln, wurde jedoch von einer unsichtbaren Kraft sofort wieder hinuntergezogen.

„Wenn man baden geht, zieht man sich üblicherweise vorher aus“, stichelte Emma, sobald sie wieder ausreichend Luft bekam. Zelena versuchte sie anzuspritzen, doch sie konnte geschickt ausweichen und streckte ihr die Zunge raus.

Regina hielt ihr die Hand hin, von der Magie ausging, und hievte sie auf die Beine. „Soll ich dich trocknen, Schwesterherz?“

„Danke, das schaffe ich selber.“ Zelena hob den Arm und verschwand im nächsten Moment in einer smaragdgrünen Wolke, woraufhin Emma die Kinnlade runterfiel.

Mit einem Blick auf den nun still daliegenden Teich fuhr sie sich durch ihr langes blondes Haar. „Was genau ist gerade passiert?“

„Das war genauso ein simpler Trick wie der Salzkreis. Ich hab ihr Osterkörbchen vorhin im Wasser versteckt und dabei einem Umkehrspruch benutzt. Sie wollte es mit einem Aufrufezauber rausholen, den Rest hast du ja selbst gesehen.“

„Und wie kommt es, dass sie auf einmal ihre Kräfte wieder hat? Die hatte sie doch geopfert, um der schwarzen Fee einen Strich durch die Rechnung zu machen.“

„Zelena wurde damit geboren. Sie hat die Magie im Blut, solange sie lebt. Selbst, wenn sie sie nicht benutzen kann.“ Regina zauberte das Osternest direkt in ihre Hand. „Ich sollte meiner Schwester das wohl bringen und mich entschuldigen, bevor sie auf die Idee kommt, sich eine Retourkutsche zu überlegen.“

„Ja, sonst liegst du vielleicht demnächst in dem Teich.“ Ein schalkhaftes Grinsen huschte über Emmas Lippen.

Zusammen betraten sie wieder das Haus und die Blondine blieb im Wohnzimmer zurück, während Regina über die Stufen ins obere Stockwerk ging. Sie klopfte an Zelenas Zimmertür, hielt sich jedoch nicht damit auf, zu warten bis sie hereingebeten wurde. Ihre Schwester, die in Unterwäsche vor dem offenen Schrank stand, wirbelte herum.

„Hast du schon mal was von Privatsphäre gehört?“, fragte sie vorwurfsvoll.

Regina hielt ihr das Körbchen unter die Nase. „Stell dich nicht so an, ich weiß wie du nackt aussiehst. Ich wollte dir nur das hier bringen und na ja… sorry.“

„Sorry wofür?“ Belustigt wölbte Zelena die Braue.

„Für das unfreiwillige Bad.“

„Und?“

„Na fein, es tut mir leid, wenn ich dich Emma genannt haben sollte“, fuhr Regina unbeeindruckt fort. „Dir würde es auch gut tun, dein Hirn zu benutzen, bevor du den Mund aufmachst. Ist dir eigentlich klar, dass du uns um ein Haar auffliegen lassen hättest? Wir hatten schon am Valentinstag mehr Glück als Hook Verstand.“

Wortlos stellte Zelena das Osternest auf die Kommode, über der ein ovaler Spiegel hing, ehe sie sich wieder dem Kleiderschrank zuwandte und eine tannengrüne Bluse herausnahm. Regina trat an sie heran und legte ihr die Hand auf die Schulter, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen.

„Hörst du mir zu?“

„Ja, ich bin doch nicht taub.“

Die Brünette atmete tief ein. „Schön. Und hast du auch eine Vorstellung davon, wie Emma auf unser… nun Arrangement reagieren würde?“

„Gegen das du bisher nichts einzuwenden hattest. Aber wenn du Emma bevorzugst… bitte, dann lassen wir es.“

Mit einem entnervten Schnauben nahm Regina ihr die Bluse aus der Hand. „Selbst wenn dem so wäre, bevorzugt sie den nach Rum stinkenden, einhändigen Möchtegern.“

„Hör auf mir in den Nacken zu atmen.“ Ruckartig drehte Zelena sich um, sodass sich ihre Blicke trafen. „August hat mich zum Essen eingeladen und vielleicht sage ich zu.“

„Du und die Holzpuppe, mach dich nicht lächerlich.“ Obwohl sie einen halben Kopf kleiner war, schaffte sie es, Zelena gebieterisch zu taxieren. Jeden anderen hätte das vermutlich genug eingeschüchtert, um nicht zu widersprechen, doch ihre Schwester starrte sie nur hoch erhobenen Hauptes an.

„Er ist charmant und gutaussehend, findest du nicht?“

„Und du denkst, er wäre aufgrund deines sprühenden Geistes an dir interessiert? Träum weiter.“ Regina knallte die Schranktür mit der flachen Hand zu. „Er interessiert sich nur dafür, dich ins Bett zu kriegen.“

„Woher willst du das wissen?“

„Weil ich Augen im Kopf habe. Er hat fast jedes Wochenende ein anderes Mädel.“

Zelena zuckte unschlüssig mit den Schultern. Weil sie immer noch in nichts als ihrer Unterwäsche dastand, spürte sie eine heftige Gänsehaut, die nicht ausschließlich von der kühlen Luft herrührte. Mindestens genauso sehr war dafür Reginas intensiver Blick verantwortlich, der über ihren Oberkörper glitt. Sie schluckte hart.

„Ich will einfach kein zweitklassiger Ersatz sein, weil du Emma nicht haben kannst.“

„Denkst du wirklich, das würde ich dir antun?“ Mit einem Mal verschwand der herrische Ton in Reginas Stimme und wich hörbarer Enttäuschung. „Nun gut, wenn du unbedingt mit August ins Bett gehen willst, werde ich dich nicht davon abhalten. Sollte er dich allerdings ausnutzen, spielt er mit dem Feuer.“ Zwischen ihren Fingern tanzte für einen Wimpernschlag eine Flamme.

Diese Worte zauberten endlich ein versöhnliches Lächeln auf Zelenas Gesicht. Ihre Augen blitzten herausfordernd auf. „Du bist süß, wenn du mich beschützen willst.“

„Ich habe ja auch nur eine Schw…“

Den Rest des Satzes verschluckte Regina, weil ihre Lippen stürmisch von Zelenas verschlossen wurden. Der Kuss ließ beide atemlos mit geröteten Wangen zurück.

„Am liebsten würde ich dir auf der Stelle beweisen, dass ich dich einer Piratenbraut jederzeit vorziehe…“, raunte Regina lasziv. Ihre Hände lagen auf Zelenas von dünnem Spitzenstoff bedeckten Brüsten und sie spürte wie sich ihr Brustkorb bei jedem Luftzug bewegte.

„Besser nicht, wir haben doch Besuch.“ Auch die Stimme des Rotschopfs klang ungewöhnlich rau und tief. „Bevor der Sheriff eine Vermisstenanzeige aufgibt, sollten wir wieder runtergehen.“

Rasch schlüpfte sie in die Bluse, die Regina zuvor achtlos aufs Bett gepfeffert hatte, und brachte ihre Frisur in Ordnung, was bei ihrer wilden Lockenmähne allerdings sinnlos war. Sie schnappte sich Robins Babyphone vom Nachtkästchen, doch bevor sie das Zimmer verlassen konnte, wurde sie am Arm zurückgehalten und ihre Blicke trafen sich erneut. Reginas Augen waren dunkel, fast schwarz und sie kannte diesen Ausdruck. Just als sie einander erneut küssten, hielt ihre Schwester plötzlich inne und fixierte das weiße Gerät in ihren Händen. Statisches Rauschen drang aus dem kleinen Lautsprecher, neben dem ein Lämpchen aufblinkte.

„Hast du Robin vorhin zum Mittagsschlaf hingelegt?“

Zelena nickte irritiert. „Ja, wieso?“

„Das Babyphone, hast du das aus dem Wohnzimmer mitgenommen?“

Verständnislos zog Zelena die Brauen hoch. „Ich denke mal, da es keine Beine hat, um sich selbst hierher zu bewegen.“

„Warum habe ich es dann unten gesehen, bevor ich dir dein Osterkörbchen gebracht habe? Es stand auf dem Couchtisch, genau da, wo du es immer hinstellst, wenn Robin schläft und du im Wohnzimmer bist.“

Nun wurde auch Zelena blass um die Nase. Mit geweiteten Augen starrte sie auf das Gerät, als schlagartig eine böse Erkenntnis in ihr reifte. „Ich habe versehentlich das aus Robins Zimmer mitgenommen, glaube ich.“

„Das heißt, das da ist der Sender und der Empfänger steht immer noch unten??“ Regina wurde kalkweiß im Gesicht. „Wenn Emma das alles gehört hat, sind wir geliefert.“

„Übertreibst du möglicherweise ein bisschen?“, versuchte Zelena mit mäßigem Erfolg zu deeskalieren. „Vielleicht hat sie gar nichts mitbekommen.“

„Und wenn doch, erzählt sie es erst Hook und danach ihrer Mutter. Somit weiß es bald die halbe Stadt und dann, Zelena, haben wir ein gewaltiges Problem.“ Sie atmete tief durch, um einen kühlen Kopf zu bewahren.

„Dann geben wir ihr eben einen Vergessenstrank. Sag mir bitte, dass du einen vorrätig hast, wie jede anständige Hexe das sollte. Bei Hook können wir es immer noch wie einen Unfall aussehen lassen.“

„Ich habe keinen und einen zu brauen, dauert einen halben Mondzyklus. Die Zeit haben wir beim besten Willen nicht!“

Hinter Zelenas Stirn begann es zu arbeiten und nach einigen Momenten hellte sich ihre Miene auf. „Ich hab’s! Du gehst runter und beschäftigst sie, während ich mich anschleiche und sie mit einem leichten Schlafzauber belege. Sobald sie wieder aufwacht, erzählen wir ihr, sie hätte nur geträumt. Problem gelöst.“

„Das ist clever, Schwesterchen! Nach einem Schlafzauber ist man immer ein wenig verwirrt. Aber du solltest diejenige sein, die sie ablenkt.“

„Wieso ich?? Du bist doch so gut mit ihr befreundet. Oder hast du Angst, ich könnte es mit dem Zauber übertreiben?“

„Weil… weil du viel besser darin bist, das zu sagen, was du dir gerade denkst. Du tust doch nie etwas anderes.“

Zelena seufzte demonstrativ, doch insgeheim gefiel es ihr, von Regina zu hören, dass sie in irgendetwas besser war. Bevor sie hinunterging, brachte sie das Babyphone noch zurück in Robins Zimmer, wo es hingehörte. Als sie das Wohnzimmer betrat, fiel ihr Blick sogleich auf Emma, die mit einem äußerst merkwürdigen Gesichtsausdruck auf dem Sofa saß. Das zweite Gerät stand genau vor ihr auf dem niedrigen Tisch.

„Äh hi“, begann Zelena möglichst unverfänglich. „Sorry, dass es so lange gedauert hat. Regina sitzt mit Durchfall am Klo und mir ist auch irgendwie flau im Magen. Bist du sicher, dass dein Roastbeef frisch war?“

Steif deutete Emma auf das völlig stumme Babyphone. „Also hatte Killian Recht damit, dass es dein Kleid war… am Valentinstag in der Hütte. Du warst mit Regina dort und ich will absolut nicht wissen, was ihr gemacht habt!“

„Champagner getrunken, Lachsbrötchen gegessen…“

„Hör bloß auf!“ Abwehrend hob die Blondine die Hände. „Was hast du mit Regina angestellt? Hast du sie verzaubert? Hast du ihr irgendeinen Trank gegeben, damit sie auf dich abfährt?“

Zelena stemmte die Hände in die Hüften. Es kostete sie ihre gesamte Selbstbeherrschung, um gelassen zu bleiben. „Eigentlich war ich fast so weit, dich zu mögen. Du glaubst ernsthaft, ich hätte meine Schwester verzaubert… wofür hältst du mich??“

„Ich weiß nicht, was ich von dir denken soll, aber Regina kenne ich zufällig ziemlich gut.“

„Ah, ist das so?“ Sie verzog das Gesicht zu einem süßlichen Lächeln. „Einen Teil von Regina wirst du niemals so verstehen, wie ich das tue. Sei froh, du warst nicht lange genug dunkel. Obwohl du ziemlich gut darin warst, das muss ich dir lassen.“

Emma öffnete den Mund, doch es kam kein Ton heraus. Im selben Moment, in dem Regina hinter dem Sofa aus dem Nichts auftauchte, fiel sie steif wie ein Brett rückwärts, rutschte dabei von der Kante und knallte dumpf auf den Teppich. Die beiden Schwestern nickten einander zu.

„Du hast dir Zeit gelassen“, bemerkte Zelena erleichtert. „Wie lange wird sie schlafen?“

„Eine Stunde bestimmt.“ Ein Schlenker ihres Handgelenks ließ drei Gläser und eine halb geleerte Flasche mit bernsteinfarbenem Whiskey auf dem Tisch erscheinen. „Nachdem sie sich gerade ordentlich die Birne angeschlagen hat, wird sie beim Aufwachen denken, sie hätte zu viel von dem Zeug gesoffen und sich alles nur eingebildet.“

„Gut, dann brauch ich erst mal Beruhigung für die Nerven.“ Zelena streckte die Hand aus, doch anstatt nach dem Alkohol zu greifen, formierte sich zwischen ihren Fingern der große, in goldene Folie gewickelte Hase.

Ihre Schwester umrundete das Sofa, um sich neben sie fallen zu lassen, wobei sie den Arm um ihre Schultern legte, und gemeinsam begannen sie damit, die Schokolade zu verzehren. Diesmal verzichtete Regina sogar darauf, sich über die Krümel aufzuregen, die auf den hellen Lederbezug fielen. Zelena lehnte sich an sie, ihr Blick fiel auf Emma.

„Sollen wir sie auf die Couch legen?“

„Wir haben noch…“ Regina warf einen Blick auf die Wanduhr. „…55 Minuten. Gib mir noch ein Stück Schokolade, Schwesterchen.“

Zelena schob ihr den nunmehr ohrlosen Hasen hin. „Findest du wirklich, dass ich zugenommen habe?“

„Unsinn, aber falls du mir nicht glaubst, kannst du ja Augusts Meinung einholen.“

Daraufhin knuffte der Rotschopf sie grinsend in die Seite und schob sich ebenfalls einen weiteren Bissen der süßen Nascherei in den Mund. Es erschien ihr immer noch überaus merkwürdig, dass Hasen bunte Eier versteckten, aber irgendwie fand sie Gefallen daran.
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