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Pfauenblut

von Helia
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Romance / P16 / Het
Antonin Dolohow Barty Crouch Jr. Fenrir Greyback Hermine Granger Lucius Malfoy Narzissa Malfoy
17.04.2022
14.07.2022
17
60.588
49
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
9 Reviews
 
20.04.2022 3.558
 
Einen wunderschönen guten Tag!

Nachdem die winzige Vorgeschichte doch einige neugierige Thestrale auf den Plan gerufen hat, möchte ich euch gar nicht ewig warten lassen.
Ein Dank gebührt in erster Linie: LeKatz, Hanni-ii, ShippoChan, Tears of Angels, Freaky154, La-Nuit, Deathity und Vanora, aber auch den zahlreichen Lesern, die das Werk auf die Favoritenlisten gesetzt oder ein Sternchen hinterlassen haben!

Doppelter Dank an ShippoChan für die Aufnahme ins Bücherregal!




Kapitel 1 - Pfauenjagd


Hermine verhielt sich nach außen hin gefährlich ruhig.
Sie verharrte in ihrer Position, einstudiert und mit überschlagenen Beinen und die Hände über dem Knie gefaltet.  
Nichts regte sich in ihrem Gesicht, abgesehen von dem Blinzeln im Takt des Uhrenzeigers – ein grässliches Exemplar Marke antike Standuhr mit goldverzierten Zeigern, auf das ihre Kollegen gesteigerten Wert legten.

Die Hexe riskierte keine Bewegung zu viel, dabei stand sie nicht unter Beobachtung. Niemand zeigte mit dem Finger auf sie und machte sie auf ihre Unruhe aufmerksam.
Sie könnte ihren Frust herausschreien, wenn sie denn nur wollte.

Impulskontrolle.

Etwas, was sie besaß. Im Gegenteil zu ihren Teamkollegen.
Allerdings besaßen die weder irgendeine Form von Kontrolle noch den Anflug von Anstand.
Und Pünktlichkeit zählte offensichtlich erst recht nicht zum Repertoire. (Dabei stand es ganz sicher in der Jobbeschreibung!)

„Was könnt ihr eigentlich?“, knurrte sie barsch und verfluchte sich innerlich dafür, dass sie nun doch dazu gebracht wurde, Selbstgespräche zu führen.
Alles ihrer unruhigen Ungeduld geschuldet, ausgelöst durch diese zwei unverbesserlichen Magier.

Dabei wusste Hermine zu genau, dass wenigstens einer der beiden ihr das ausschließlich antat, um sie zu verärgern und zu reizen.
Was auch immer er an einer wütenden Hexe fand.

„Hu, rieche ich zarte Aggressionen, Häppchen?“ Greybacks raue Stimme ließ Hermine grob zu ihm herumfahren.
Mit der Art, in der der wuchtige Mann im Türrahmen ihres gemeinsamen Büros stand, löste er zuverlässig jedes Mal in erster Sekunde einen regelrechten Schockmoment in ihr aus.
Insbesondere gewürzt durch dieses unverschämte Grinsen gespickt mit spitzen Zähnen und dem Versprechen nach Gefahr.

Die perfekte ministeriumsgeprüfte Spürnase.

Als man ihr den Wolf vor zwei Jahren zuwies, erlitt Hermine einen Anfall, tobte und schrie und drohte, denn wie könnte sie mit einer Bestie wie Greyback zusammenarbeiten?
Mit jemandem, der Menschen fraß und Kinder infizierte, nur so zum Spaß?
Ein Monstrum wie ihn mit ihr in Verbindung zu bringen, hatte ihr nicht geschmeckt, oh nein.

Dennoch beharrten ihre Vorgesetzten auf dieser grotesken Idee. Ein klein wenig mutmaßte die Gryffindor, dass sie zu viel Wirbel im Ministerium veranstaltete und ihre Art von Gerechtigkeitssinn und Arbeitseifer ungern hingenommen wurden.

Was läge näher, als sie durch eben diese beiden vorstechende Merkmale zu einer Kündigung zu zwingen?
Man setzte ihr einen unfassbar faulen Schwerverbrecher vor die Nase und ihre tief verankerte Moral würde ausbrechen und sich verweigern.
Doch Hermine hielt inne, machte Gebrauch von ihrem Intellekt und da war sie wieder. Impulskontrolle.

Sie bekam entweder Greyback zum Partner oder niemanden, denn als Auror musste man sich fügen und mit dem zusammenarbeiten, der am besten passte oder seine Sachen packen.
Wer sich nicht an Anweisungen hielt oder persönliche Präferenzen über das stellte, was effektiv sein könnte, der wurde vor die Tür gesetzt.

Hermine, die noch nie irgendwo rausgeworfen wurde, schwieg trotz Unbehagens.

Und sie würde auch noch auf den Tag warten müssen, diese Zusammenarbeit zu bereuen, denn nach anfänglichen Schwierigkeiten sah sie über seine grässlichen Spitznamen und seine Vergangenheit hinweg und der Wolf im Gegenzug über ihre, seiner Meinung nach, bestehenden, rassistischen Vorbehalte ihm gegenüber.

Sie nahm sogar hin, dass man ihnen ein Büro zuwies, welches so weit wie möglich von anderen Mitarbeitern entfernt lag, damit niemand mit ihren Kollegen kollidierte.

Für alle das Beste, raunte eine gehässige Stimme durch ihren Kopf.

„Wo steckst du wieder mit deinen Gedanken, Häppchen, hu? Dabei flatterte hier eben etwas Interessantes rein.“

Er warf ihr einen Briefumschlag entgegen, den sie mit dem Schwenker ihres Zauberstabes auf ihren Schoß gleiten ließ.
„Was ist das?“ Sie betrachtete den silbrig schimmernden Umschlag höchst misstrauisch von allen Seiten und erstarrte, bei Betrachtung des Absenders. „Lucius Malfoy? Was will der denn?“

„Vollständige Rehabilitation, die Bewilligung schwarzmagische Artefakte an Muggel verticken zu können, wann immer er will, volles blondes Haar bis zu dem Tage seines Todes, einen Sohn, der mehr Mann als Memme ist und-“, begann Greyback, wurde jedoch von dem Rascheln der entfalteten Pergamentbögen unterbrochen.

Geduld zählte nicht zu Hermines Stärken und Greybacks sarkastische Spitzfindigkeiten konnte sie ebenfalls nicht würdigen.
Nicht, solange Lucius Malfoys verblüffend akkurate Schrift verheißungsvoll aufleuchtete.

„Witzig, wirklich witzig.“ Hermine rollte die Augen und nahm fast schon belustigt die goldglänzenden Letter und die absolut feminine Schrift wahr, die sie sich sehr gut an dem aristokratischen Mann vorstellen konnte. Sie sah selbst den versnobten Gesichtsausdruck während des Schreibens vor sich!  

„Eine Einladung zu einer Dinnerparty bei den Malfoys?“, fasste sie am Ende zusammen und sah verdutzt hoch.
Überhaupt ein Frevel, dass diese Menschen noch getrost andere ihres Schlages zu sich nach Hause einladen durften!
Sympathisanten des dunklen Lords und dazugehöriges Pack, frisch freigekauft aus Azkaban in ein horrendes Bewährungsprogramm gedrängt, welches mehr Schein als Sein beinhaltete.

Minister Kingsley knirschte noch immer mit den Zähnen, weil dieses erfolgreich durchgewunken wurde, nur damit die Reinblüter nicht ausstarben und sich unter Halbblüter mischen konnten, bla, bla, bla.

Dabei zeigte sich Ron mehr als willig genug, seinerseits die Reinblutrate hochzuhalten, indem er mit Susan Bones ein Kind nach dem anderen auf die Welt brachte, aber das schien eine andere Sache und folgte nur der guten Weasley Tradition.
Und das noch vor der Hochzeit!

Hermine schauderte bei dem Gedanken an ein Haus voller rothaariger Kinder. Mit Susans und Rons Erbgut unausweichlich.

„Ja, die Offizielle. Geht an sicherlich allesamt spießige und eklige Leute. Wir bekamen jedoch noch einen VIP-Pass dazu!“ Erneut segelte ihr ein Umschlag entgegen, den Greyback in seinem schmutzigen Umhang verbarg.
Spielen Hunde also doch gern Frisbee, dachte sie für sich und fischte es dieses Mal unzeremoniell unter Greybacks bellend klingendem Gelächter aus der Luft.

„Das ist ein Auftrag“, murmelte Hermine und stöhnte im gleichen Atemzug der Erkenntnis auf.
Ausgerechnet von Lucius Malfoy persönlich!
Dass er sich traute, sich an sie zu wenden, sein liebstes, verhasstes Schlammblut aller Zeiten, bewies sowohl Mut als Gleichgültigkeit, nach allem, was er ihr in der Vergangenheit so alles angetan hatte. Oder in ihr Gesicht schleuderte. Ihr an den Hals wünschte…

Die Liste setzte sich in ihrem schmerzenden Kopf beliebig fort und ließ sie an Malfoys Geisteszustand zweifeln.

„Nicht irgendeiner. Das ist die Gelegenheit!“ Greyback stützte seinen massigen Körper auf ihrem makellos aufgeräumten Schreibtisch auf. Seine Hälfte des Tisches strotzte vor Papierbergen, von denen sie alle wussten, dass sie am Ende der Woche im Abfalleimer landeten – unbearbeitet.

Hermine runzelte die Stirn und las noch einmal die Einladung, als hätte sie etwas Markantes übersehen. „Er möchte, dass wir seiner Party als Gäste beiwohnen, weil er um sein Leben fürchtet. Wo ist da die Gelegenheit?“ Für sie waren das allesamt gute Gründe, sich fernzuhalten und den Dingen ihren Lauf zu lassen.

„Gutes Essen? Wenn du wüsstest, was die Malfoys an solchen Abenden springen lassen!“

„Du isst doch eh am liebsten frische Beute. Glaubst du, die lassen da Rehe im Garten für dich rumspringen?“

„Witzig. Tatsächlich hat er Flamingos oder sowas.“

„Pfaue“, korrigierte Hermine missbilligend bei dem Gedanken an ein lebendiges Buffet und ihrem Begleiter als Jagdhund widerwillen. Das half seinem ruinierten Ruf garantiert nicht auf die Sprünge.

Noch immer verstand sie Greybacks Drang nicht, dort unbedingt aufschlagen zu wollen. Wäre es nun Malfoys Beerdigung, nun, dann könnten sie darüber sprechen.

„Was auch immer. Der Typ vertraut seinen Gästen jedenfalls nicht, und das zurecht, wenn du mich fragst. ‘N Paar von denen sind sicherlich höchst abgefuckt und da liegt er richtig damit, Verräter an jeder Ecke zu wittern.“ Greyback appellierte auch noch an Hermines Moral und wollte sie mit ihrem guten Willen locken. Unverschämt.

„Dann sollte der gute Lucius vielleicht keine Partys geben, wenn er besorgt um sein Leben ist. Man holt sich nicht den Feind ins Haus. Als Schlammblut wäre mein Auftauchen übrigens 1000 Mal gefährlicher als für den eitlen Pfau.“ Sie überkreuzte ablehnend die Hände vor der Brust und würde garantiert nirgendwo hingehen, wo Lucius Malfoy sie hinpfiff.

Greyback neigte den Kopf und sein mittlerweile kürzeres Haar strich über sein Kinn. „Ach, stell dich nicht so an. So eine Party tut dir auch mal gut.“

„Höre ich da Party? Ich war ewig auf keiner Party mehr.“ Bartemius Crouch betrat wie immer im dramatischen Aufmarsch die Bühne wie ein dunkelgefärbter Tornado.
Hermine fühlte sich wie immer gefangen in der Mischung aus genervtem Stöhnen über
seine gelebte Arroganz, die man aus jedem seiner Schritte erhaschen konnte und der
absoluten Bewunderung seiner Selbstsicherheit.

Barty gehörte wieder zu der Sorte gut gehütetes Ministeriumsgeheimnis, welches vor wenigen Monaten ans Licht ging.
Der schlaue Spross der Crouchs, verkauft an den dunklen Lord und wiedergeboren in Azkaban, oder so ähnlich.
Seine Intelligenz und sein schieres Können retteten ihn vor dem Dementor, denn diese Art von Verschwendung magischer Gewandtheit brachte nun wirklich niemand über sich.

„Wann geht es los?“, fragte er über Hermines Stöhnen hinweg und seine Augen blitzten vorfreudig. Er war mit Abstand der Risikofreudigste unter ihnen und Greyback ließ sich den Titel ungern nehmen.

Immer bereit einzusteigen und verpasste Zeiten aufzuholen, kratzte Barty immer mehr an der dunklen Seite als jeder andere, den Hermine kannte.
Sich selbst eingeschlossen.

Kein Wunder, dass sie vor Kingsley bürgen musste, dass er während keinem ihrer Aufträge den Point of no Return überquerte und Morde begann.

Wieder so eine Sache, die sie noch bereuen lernen musste.

Die beiden Magier kämen sicherlich auch ohne sie als Verstärkung gut aus, doch das Ministerium wusste, was die beiden an Stärke, Intelligenz und Talent mitbrachten, verloren sie durch rüdes Verhalten, Wahnsinn und Panik, die sie in der Gesellschaft auslösten.

Wer würde die beiden engagieren, so wie sie waren, ohne die goldglänzende, fast überall beliebte Hermine Granger? (Abgesehen von ihren Kollegen im Ministerium.)

„Es gibt keine Party. Du musst dich verhört haben, nur den Unsinn eines alternden
Mannes.“ Damit warf sie die Einladung ablehnend auf den Tisch – auf Greybacks Seite, die ohnehin demnächst in den Müll wanderte, denn glücklicherweise war schon Donnerstag.
Immerhin übernahm ihr kleines Trio keinen Geleitschutz.

Sie lösten Fälle, verhinderten echte Morde und widmeten sich dem Studium allerhand magischen Zeugs, sodass sie bei den Unsäglichen aushelfen konnten, wenn diese sich mal meldeten.
Was sie natürlich nicht taten, denn das war ein scheiß arrogantes Pack, angeführt von einem Todesser, wer hätte es gedacht. Augustus Rookwood.

Hermine knirschte allein bei der Erwähnung dieses Mannes mit den Zähnen. Dieser arrogante, selbstverliebte, oh so intelligente Esel.

Barty schnappte sich die Einladung vom Tisch und wippte aufgeregt hin und her. Manchmal erinnerte er sie mehr an ein Kind als an den gestandenen Mann vor ihr, der ihr manchmal mit einer Klarheit und messerscharfen Analyse den Atem raubte.

Es ließ sie fast bekümmert seufzen, wie sehr er sich für Dinge begeistern konnte, dass er Feuer und Flamme dafür wurde und kindliche Begeisterung zeigte, die ihr das Herz wärmte – Ginge es da nur nicht um Lucius Malfoys idiotische Party!

Barty sah auf und strich liebevoll über das dicke Pergament, während er sich ganz Hermine zuwandte. Seine Augen glänzten und er lächelte. Ein richtiges Lächeln und nicht das abfällige Zucken seiner Mundwinkel – quasi harte Geschütze. „Wir müssen dahin! Stell mal vor, er stirbt wirklich. Oooh, das kann ich nicht verpassen!“

„Und es gibt sicher halb rohes Fleisch…“, steuerte Greyback diplomatisch ein. Mit einem Punkt, der nur ihn interessierte. Wow.

„Ich will da nicht hin!“ Hermine warf den Kopf in den Nacken und stierte an die Decke über sich. Wieso wehrte sie sich gegen das Unausweichliche?
Wenn die beiden sich etwas derartig in die verdrehten Köpfe setzten, dann gab es ohnehin kaum etwas zu rütteln, oder?
Nachher gingen sie noch ohne sie und was das für ein Chaos gäbe, mochte sie sich nicht ausmalen.

Und wer übernahm dann den Papierkram für die gescheiterte Mission? Sicher nicht Müllhalden-Greyback oder mach-ich-nicht-Barty.

„Du bist überstimmt. Zwei von uns nehmen an, du musst mitziehen“, grinste Greyback und Barty schrieb bereits an der Antwort, als wäre ohnehin alles geklärt. „Das wird ein Spaß!“
„Ich hasse mein Leben…“, fluchte Hermine und schmollte. Es brachte nichts, da ohnehin niemand auf sie achtete.

Greyback umrundete den Schreibtisch und strich über ihre angespannten Schultern. „Denke an die Flamingos, Häppchen, wenn du willst, nehmen wir einen mit?“

„Pfauen.“

„Ach, gehopst wie gesprungen. Barty schreib, dass wir einen Vogel wollen!“

Hermine sah verdattert zu, dass Barty tatsächlich einen weiteren Satz auf die Karte kritzelte. „Ich arbeite also an dem wohl seltsamsten, unnötigsten Fall aller Zeiten und bekomme als Honorar … einen Pfau?“
Barty nickte, ehe er das Gesicht verzog. „Wird ein Minusgeschäft. Greyback frisst den sowieso, sobald ihn der Hunger überkommt.“

Hermine seufzte schwer. „Ich will ein Vorgespräch mit dem Mann. Den geplanten Ablauf, die Gästeliste und einen Gebäudeplan“, knurrte sie schließlich und ging nahtlos von Trotz auf Arbeitseifer über.

Barty nickte und zog erneut die halb vollgeschriebene Karte zu sich. „Gute Idee. Ich fordere das Zeug direkt an.“
„Und wir wollen einen Blick auf die Speisekarte“, raunte Greyback, ehe er innehielt und sich im Zuge eines Nachgedankens am Kinn kratzte. „Haben Pfauen einen Stammbaum?“


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„Wie schön, dass Sie es so schnell einrichten konnten. Aber auch etwas bedenklich … Sie werden nicht oft engagiert?“, leitete Lucius Malfoy galant wie immer das Gespräch ein.

Hermine, ohnehin genervt davon, dass das erste Treffen via Kamin stattfand, da die Malfoys nicht einsahen ihren Sicherheitsdienst vorab zu bewirten, rollte die Augen.
„Für Sie wird es gerade so reichen“, knurrte sie in der Mitte von Barty und Greyback eingezwängt.
Wie mussten sie wirken, zu dritt vor einen Kamin gezwängt wie ein paar erfrierende Hunde?

Ein Grund mehr, warum Lucius Malfoy vielleicht doch den Strick verdiente.

Und sie froren tatsächlich selten, war ihr Büro immer bis zum Anschlag aufgeheizt.
Greyback akzeptierte stets mit Bravour sein elendes Eingehen aufgrund der Hitze, wenn es denn dafür sorgte, dass sie es angenehm hatte – dabei ging es, wie sie beide wussten, vordergründig darum zu verhindern, dass Barty einen Flashback ans eisige Azkaban erleiden musste.

„Reizend, Miss Granger. Wegen dieser Attitüde finden Sie keinen Mann“, schalt er bedauernd und selbst in den rötlichen Flammen wirkte er wie eine Art fehlgeleiteter Patronus. Ein wenig zu silbern, ein wenig zu hell für einen dunklen Magier.

„Können wir uns dann auf die Arbeit verlagern? Sie haben den angeforderten Ablauf parat?“, schnappte Hermine und ignorierte Greybacks Hand auf ihrem Rücken, die zur Ruhe mahnte.
Als wäre er das Musterbeispiel an verdammter Impulskontrolle! Würde da nun eine Katze durch Malfoys Zimmer spazieren, wäre der Werwolf doch der Erste, der den Weg überbrücken und das Tier verschlingen würde.

„Nun, die Feierlichkeit beginnt gegen 20 Uhr. Sie werden selbstredend vorher hier sein und sich alles vorab ansehen. Unter Beaufsichtigung. Ich glaube, Bartemius war etwas kleptomanisch unterwegs?“ Lucius rieb sich über das Gesicht und Barty gluckste. „Die paar Mal, die ich mit deiner Frau geschlafen habe…“
Hermine rammte ihm den Ellbogen in die Seite und er keuchte. „War nur ein Witz, man.“

„Niemand von uns stiehlt. Was sollen wir denn mit deinem seltsamen Plunder da?“ Greyback wedelte unwirsch mit der Hand.
„Was man nicht essen oder beschlafen kann, weckt euer Interesse nicht. Ich vergaß.“ Lucius seufzte matt.

„Zunächst werden natürlich jedenfalls die Gäste begrüßt. Ich lasse diesen gerne eine Stunde, um sich zu akklimatisieren, dann eröffne ich das Fest, rufe zu Tisch und beginne mit der Unterhaltung.“

„Unterhaltung beinhaltet was?“ Hermine ging davon aus, dass es nicht wie bei ihren Eltern zuging, wo eine Unterhaltung in einer langweiligen Partie Kniffel oder wahlweise mit Anekdoten über bissige Kinder einherging.
„Himmel, Granger! Waren Sie überhaupt schon mal auswärts? Ich meine natürlich Konversation unter gebildeten Menschen.“ Er runzelte die Stirn, die ansonsten überraschend faltenfrei wirkte. Half er da wohl nach?

„Berauschend“, kommentierte Hermine und langweilte sich bereits in der Sekunde.
„Ich benötige eine Auflistung vom Personal.“ Sie sehnte jetzt schon das Ende dieses Gesprächs entgegen.

Lucius nickte. „Ist per Eulenpost unterwegs, ebenso der Gebäudeplan. Erschrecken Sie
nicht, Granger. Das Haus verfügt über mehrere Etagen und ist nicht ein einzelner Raum wie bei den Weasleys.“

Diese Beleidigung ihrer engsten Freunde überging sie geflissentlich. Nicht zuletzt deshalb, weil Barty und Greyback sie vorsichtshalber unauffällig festhielten und ihr jede Bewegung unmöglich machten.

Hermine wurde seine Spitzen leid.
Seinen Anblick.
Die Flammen, die ihr warm in das aufgebrachte Gesicht schimmerten.
Alles.

„Wann endet diese verfluche Party?“, grollte Hermine also und sehnte sich auch diesen Augenblick herbei.
„Wenn ich es sage.“ Lucius räusperte sich. „Und solange benötige ich Ihre Anwesenheit.“

„Gästeliste?“, raunte Greyback weniger zurückhaltend und gähnte. Er war eher der Mann fürs Grobe, nicht für die Feinheiten der Planungen gemacht.
In dem Moment fühlte Hermine das. Sehr.

„Die üblichen Reinblüter und ehrwürdigen Mitglieder angesehener Familien, selbstredend. Angefangen bei den Lestrangebrüdern.“ Natürlich.
Die beiden durften ja bei keiner Party fehlen und wären natürlich auch Hermines erste Wahl – wenn sie ein Gruselkabinett bedienen wollte.

„Hätten die beiden ein Motiv dafür, Ihnen schaden zu wollen?“ Sie strich über ihre ziependen Schläfen bei dem Gedanken an all diese Menschen, die sie im Leben nicht mehr sehen wollte.

„Ja.“

Das kam … nun, unerwartet wäre zu viel gesagt und doch ein klein wenig seltsam.

„…“

Lucius ging auf ihre Skepsis bezüglich seiner Gästewahl nicht ein und ratterte einfach weiter herunter, wer bei ihm aufschlagen würde.
„Ansonsten kommt natürlich die Familie Greengrass. Sie hörten sicher von Dracos Ehe mit der jüngsten Miss Greengrass, Astoria?“
„Klar. Ich google die beiden ständig.“ Hermine nickte ernst und es zahlte sich doch aus, jeden Tag mit Barty zu verbringen. Der Sarkasmus flog ihr nahezu spielerisch zu. Auch, wenn niemand ihre Witze verstand.

„Was?“

„Was?“, antwortete sie unschuldig und Barty neben ihr schüttelte ein wenig stolz den Kopf.

Lucius hingegen starrte düster in die Flammen. Er ahnte wohl, dass sie ins Muggelige abdriftete – ein absolutes Verbrechen in seinen reinen Magieraugen. „Geschmacklos, Granger. Ansonsten jedenfalls noch Gaia Zabini und ihr Sohn, dann noch Avery…“

Sie unterbrach ihn, ehe er weiterreden konnte, denn obwohl der Nachname natürlich ein zartes Glöckchen der Erkennung in ihrem Kopf klingeln ließ, so fehlte ihr nahezu alles andere dazu. „Avery, wer?“

Es war Barty, der sich ihr zuwandte und abwinkte, als wäre diese Frage müßig. „Heißt nur Avery. Keiner kennt seinen Vornamen. Der verschwindet seltsamerweise von allen offiziellen Dokumenten.“

Wie interessant. Welche Magie musste dahinter stecken?
Sie dachte dumpf an ihr magisches Dokument, welches Marietta Edgecombes Aussehen verschandelte und wunderte sich, ob es etwas Ähnliches sein könnte.

„Ne Ahnung wie der in echt heißt?“, grunzte Greyback ebenfalls interessiert und Barty zuckte mit den Schultern. „Muss ja mordsunangenehm sein. Alana oder sowas.“
„Das‘n Frauenname.“ Greyback wirkte ernsthaft verwirrt und Hermine ahnte, dass das auf eine Endlosdiskussion hinauslief, wenn niemand eingriff.
„Ja, deshalb sagte ich unangenehm“, beharrte Barty angefressen und Hermine sah sich genötigt, einen Riegel vorzuschieben.

Sie stieß beide mit der Schulter an und widmete sich dem Feuer. „Okay! Nur Avery, eben. Wer noch?“
Lucius hob die Augenbrauen und grinste anzüglich. Sie mochte den Blick nicht. Das ganze Gesicht eigentlich nicht. „Wollen Sie sich die Überraschung wirklich verderben?“
„Von Herzen gerne.“ Sie lächelte spitz und Lucius nickte, seiner Freude beraubt. Sicher hätte er Spaß daran gehabt, ihr Gesicht verrutschen zu sehen, wenn Todesser um Todesser in sein Heim einfielen.

„Die Liste kommt mit der Post. Genügend Motive hätten… ja, nun alle.“ Lucius wirkte nicht mal bekümmert dabei, das zuzugeben.
Hermine jedoch stellten sich ein paar Fragen diesbezüglich. Welcher normale Mensch dachte so? Wer feierte Partys mit Leuten, die einem an den Kragen wollten? „Wieso laden Sie Menschen ein, die Ihnen grollen?“

Kurz schwieg Malfoy, ehe er aussah, als hätte sie das Dümmste von sich gegeben, was er je gehört hatte.
„Habt ihr der Hexe nichts beigebracht?“, wandte er sich ihren reinblütigen Begleitern zu.
„Ich schmeiße nicht so oft Partys“, redete sich Barty heraus und Greyback seufzte gespielt bekümmert. „Zu meiner kam irgendwie nie einer.“
Lucius ignorierte beide und lächelte mild, als vertraute er Hermine nun ein Geheimnis an. „Altes Sprichwort in unseren Kreisen – halte deinen Feind stets ein wenig näher als deinen liebsten Freund.“

„Oder sie haben einfach keine Freunde?“ Ihre Schlussfolgerung, die ein wenig voreilig über ihre Zunge rollte, ließ Lucius beleidigt die Lippen schürzen.
„Nun. Sie erhalten alles Wichtigste per Eulenpost. Erscheinen Sie ja pünktlich!“, knurrte Malfoy, ehe die Verbindung erlosch.

„Oh. Nun ist er beleidigt“, sagte sie bekümmert und starrte auf den nun kühlen Kamin, ohne sich durchringen zu können, es zu bedauern.
„Du böses Mädchen! Der Arme …“ Barty schüttelte mitleidig den Kopf. „Nun ist er gekränkt…“
Greyback nickte langsam. „Mit Gegenwind kann er nicht so gut umgehen. Ich denke, das hat ihn hart getroffen…“

„Versucht ihr beide mir nun wirklich wegen Malfoy ein schlechtes Gewissen einzureden?“, fauchte sie ungläubig.

„Er hat nun nicht viele Freunde, Schlammblut. Gute schon gar keine…“

„Da hättest du ihn nicht mit der Nase draufstoßen müssen, Häppchen.“

„Ihr seid die gemeinsten Kerle, die ich kenne!“ Denn irgendwie regte sich nun wirklich ein kleines bisschen das schlechte Gewissen.
Sehr zur diebischen Freude ihrer Begleiter.

Lange währte es nicht, denn eine protzige Eule ließ sich auf dem Fenstersims nieder und verlangte nach Aufmerksamkeit, um sie von der Last an ihrem zarten Beinchen zu befreien.
Den dargebotenen Eulenkeks verschmähte sie geflissentlich mit einem kühlen Blick aus grellgelben Augen.

„Wie der Herr, so sein Gescherr“, summte Hermine und sah zu, wie das Tier durchs Fenster entschwand.
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