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Pfauenblut

von Helia
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Romance / P16 / Het
Antonin Dolohow Barty Crouch Jr. Fenrir Greyback Hermine Granger Lucius Malfoy Narzissa Malfoy
17.04.2022
23.06.2022
14
48.634
35
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
8 Reviews
 
 
23.06.2022 3.988
 
Hallo!
Wow! Da hagelte es ja mal einige Reviews! Vielen lieben Dank, ich habe mich sehr gefreut! UND Frettchen07 hat uns das 100. Review gespendet! Danke, mein Romeo. Danke! <3

Danke natürlich auch an LeKatz, Cucu, Irgendwas ist immer, Tears of Angels, ShippoChan, Frettchen07, PhoenixInTheHouse, Isa Bella und Who am I!



Kapitel 13 – Auf der Flucht


„Wohin gehen wir?“ Hermine kannte den Grundriss des Gebäudes. Wie auch nicht, wo sie ihn mehrfach durchgesehen hatte? Mittlerweile hätte es sie nicht gewundert, wenn sie von dem verwinkelten Anwesen geträumt hätte, doch ging die Hexe intuitiv davon aus, dass Antonin durch seine Bekanntschaft zu den Malfoys die ein oder andere Lücke kannte, die der Hausherr den Auroren nicht offenlegte.

Seine Hand umfasste ihre noch immer fest und seine Finger verwoben sich fast schmerzhaft mit ihren eigenen, während er sie unbarmherzig weiterzog, weit weg von der Meute, die liebend gern ihren Kopf rollen sehen wollte.

„Raus hier“, murrte Antonin konzentriert, dabei sah man ihm die Mühe nicht an, die dieses Manöver kostete.

Entschlossen wirkte er, das Gesicht ein wenig verzerrt unter der mühsamen Balance zwischen Flüchen ausweichen und die eigenen nach hinten abfeuern, wenn sich die Gelegenheit dazu ergab.

Das Anwesen kam Hermine nicht so riesig vor, bevor sie es kämpfend durchqueren musste. Ihr Kleid stellte sich mehr und mehr als hinderlich für das Unterfangen heraus und der Stoff zu eng um ihre Haut geschmiegt, um ihre übliche Geschmeidigkeit zu entwickeln.
Fluchend lockerte sie das Kleid um ihre Oberschenkel und raffte es mit einer Hand, wohlwissend, dass es verrutschte, sobald sie erneut den Stab zu einem Schutzschild heben musste – etwas, was Antonin nicht über sich brachte, der permanent nur mit Flüchen um sich schoss, dabei aber die eigene Deckung vernachlässigte.

Auch in den langen Fluren, die sich vor ihnen auf der Flucht erstreckten, tobten einzelne Duelle zwischen fluchwütigen Magiern, die bereits die Wände zerfetzten und jede Art von Möbel zersplittern ließ. Dabei ging es offensichtlich weniger um ein definiertes Ziel, als Adrenalin auszustoßen und ein Kräftemessen zu veranstalten.

Zwei ihr unbekannte Magier lachten, während sie sich Brandflüche auf den Hals jagten und genossen sichtlich jedes Zersplittern der Kostbarkeiten um sich herum. „Idioten“, keuchte die Aurorin augenrollend, bevor sie hinter sich einen Laut hörte, den sie überall heraus erkennen würde.

Ein lautes Knurren, gepaart mit einem Schrei, der fast schon animalisch anmutete, drang aus dem Salon, den sie unlängst hinter sich gelassen hatten. Sofort sprang ihr Körper in Alarmmodus. „Das ist Greyback!“ Wie auf ein stilles Zeichen hin stemmte sie sich gegen Antonins Griff, der grollend einen Haken schlug, um Hermine gegen sich taumeln zu lassen.

Es schmerzte und seine Hand schloss sich fester um ihr Handgelenk, um sie davor zu bewahren, umzukehren. In ihr drängte sie alles, ihrem Wolf zur Hilfe zu kommen, so wie er es für sie tun würde. Hatte man ihn bereits in die Ecke gedrängt? Zeigten die Flüche langsam Wirkung bei dem Werwolf?

„Ich muss zurück!“ Wie konnte sie den Wolf alleine lassen? Wo könnte sie sicherer sein als bei ihrem Team? Nun meinte sie auch Bartys Stimme zu hören, konnte die Worte jedoch nicht ausmachen.
„Bist du verrückt? Die beiden versuchen da drinnen gerade für Ordnung zu sorgen, da bist du gerade nicht hilfreich.“ Antonin zog sie gegen sich und zwang sie mit seiner freien Hand dazu, ihn anzusehen. Hermine wollte seine Finger abschütteln, doch er ließ es nicht zu.

Erneut krachte etwas unter Johlen der zwei Magier zu Boden und Hermine zuckte zusammen. Dolohov ließ sich jedoch nicht beirren.
„Ich weiß, dass du sie nicht zurücklassen willst, aber Rookwood, Crouch und Greyback können mehr Verstand in die Meute diskutieren als du. In dem Fall ist nicht deine Diplomatie gefragt, Granger.“ Seine Finger hoben ihr Kinn an und er wartete, bis sie widerwillig nickte, eher er sie losließ. „Ich weiß, es ist schwer. Nun komm endlich, bevor alles umsonst war.“

Hermine verfluchte es, dass der Todesser in dem speziellen Fall recht behielt.
In diesem ominösen Mord würde es nicht sie sein können, die ein paar Zeugen beruhigte. Normalerweise musste sie Greyback und Barty aufhalten, die beiden ungestümen Gesellen zurückhalten und ihnen erklären, dass ihre wütende Anwesenheit nicht half.

Nun galt diese Vorgehensweise ihr und das schmeckte bitter.

Zufrieden damit, dass Hermine sich nicht weiter sträubte, passierten sie fast ohne Zwischenfälle den langen Flur.

Bis es zur Eingangshalle kam.

Drei Magier und zwei Hexen schienen nur auf sie gewartet zu haben und Antonin fluchte leise. „Okay. Nun werde ich deine Hilfe brauchen“, grinste er und Hermine pulsierte vor Adrenalin. Was stimmte nicht mit ihr, dass seine Worte sie derartig zu beflügeln wussten? Wieso gierte sie nach einer Möglichkeit, etwas Dampf abzulassen, obwohl sie lieber Ruhe bewahren sollte?

„Da ist die Schlampe!“, kreischte einer der Hexen, die erbärmlich jung wirkte und mit der Hermine keine bewusste Schnittstelle hatte. Woher der Hass auf sie kam, konnte sie daher auch nicht bestimmen, doch es machte es nur umso leichter, sich auf ein Duell einzulassen.
Die andere Hexe wirkte zurückhaltender, doch den ersten Fluch gab ohnehin einer der Magier ab. Hager wirkte er, fast schon verlebt, doch sein Arsenal an schmerzhaften Zaubern schien einwandfrei.

Dolohov parierte den Fluch und stürzte sich förmlich ins Duell. Hermine stand ihm in nichts nach.
Ein wenig grotesk kam es ihr zudem vor, wie sehr sie sich Antonins Anwesenheit bewusst war. Wie jeder ihre Schritte harmonierten und sie sich ergänzten, ganz ohne kommunizieren zu müssen.
Es fiel Hermine leicht, den Todesser abzuschirmen und zeitgleich die Flüche so auszurichten, dass sie sich weder mit seinen kreuzten, noch ihn in Gefahr brachten.

Hermine kannte ihre Gegner nicht, weder ihre Gesichter noch die Schmach eines Kampfstiles wäre ihr je untergekommen, denn mochten die Flüche barbarisch sein, so verletzten sie vor allem die Kumpanen – nicht die Gegner.

Aus den Augenwinkeln sah sie, wie Antonin einen der Magier zu Fall brachte und nicht gewillt, sich von ihm ausstechen zu lassen, kämpfte sie verbissener darum, ihren Gegner – einen hochgewachsenen Mann mit Vollbart außer Gefecht zu setzen. Dass dieser dabei eine der Hexen kreischend mit einem Fluch traf, verbuchte sie ebenfalls auf ihr Konto.

„Wir müssen uns beeilen“, fluchte Dolohov, denn erneut näherten sich Stimmen und
Flüche. Mehr als Grund genug, die übrig gebliebenen Duellanten schnellstmöglich loszuwerden – ein wenig zu einfach. Was brachte man diesen Reinblütern noch bei? Gab es keinen Duellunterricht mehr auf Hogwarts oder übernahm den nun Filch?

„Und jetzt?!“ Hermine sah sich mürrisch um und wusste nicht, wie sie den Strom aufkommender Magier und Hexen stoppen sollten, die sich offensichtlich nicht von Barty und Fenrir besänftigen ließen – Oh, Wunder, waren die beiden doch immer so feinfühlig…

Sie passierten ein kleines Büro und Antonin schob die Vorhänge bei Seite, die eine breite Fensterfront verbargen. Kaum schob sich der Stoff raschelnd zur Seite, seufzte Antonin tief beim Anblick des Gartens, der keineswegs unbenutzt blieb. „Fuck, auch draußen wimmelt es nur so von Idioten.“

Er ließ die Stirn gegen die kühle Scheibe sinken und Hermine rollte die Augen. „Oh nein, wenn wir nur an denen vorbeikämen“, gluckste sie, ehe sie rasch einen Desillusionierungszauber über sich sprach, der sie wie ein Strom warmen Wassers einschloss und ihre Gestalt wegwischte.

„Okay. Wir machen es wie fo-, Hermine?“ Antonin wandte sich um und hob die Hand in einem hilflosen Reflex.
Hermine fühlte sich noch immer ein wenig aufgepeitscht durch die vergangenen Kämpfe, und vielleicht spielte auch etwas Größenwahn mit ein, doch sie griff noch immer magisch verhüllt nach Antonins Hand, der daraufhin zurücksprang, ehe ihm ein Licht aufging.

„Sehr witzig“, murrte er und sprach ebenfalls einen Desillusionierungszauber über sich – ohne ihre Hand loszulassen, wie ihr auffiel. Das übermütige Grinsen verschwamm förmlich und ihr Atem stockte bei der Geste. So war das nun nicht geplant und als seine Finger sich fester um ihre schlossen, da wäre sie am liebsten aus ihrer Haut gesprungen.

„Wir können die Tür nicht aufmachen“, flüsterte Hermine ihm zu, denn das würde sie definitiv den Magiern im Eingangsbereich verraten. Ein Desillusionierungszauber wäre viel zu schnell aufzulösen, wenn man denn die ungefähre Richtung erahnen konnte.
Der Todesser summte seine Zustimmung und vollführte eine Kehrtwende.

Seine Hand fühlte sich mit jeder Sekunde vertrauter in ihrer Hand an, als er sie sicher durch das Haus zog.
Dabei fiel Hermine auf, wie gut der Todesser sich in den Gängen auskannte und es wunderte sie, wie oft er da wohl früher ein und ausgegangen war.

Eilig führte Antonin sie vorbei durch Flure und Gänge, die ganz sicher nicht auf dem Grundriss verzeichnet waren, und schleuste sie durch ein schmales Tor.
„Der Garten“, murmelte Hermine und versuchte sich den Weg einzuprägen.

Der Anblick, der sich vor ihr erstreckte, war um einiges erbaulicher als der des inneren Kriegsschauplatzes.
Größtenteils wurde die Außenausstattung unangetastet gelassen und die Duelle verlagerten sich komplett aufs Innere des Hauses.

Na, das würde Narcissa freuen…

Auch fanden sich nur vereinzelnd Magier und Hexen vor ihnen, die sich allerdings nicht damit aufhielten, einander an die Gurgel zu gehen. Stattdessen versuchten sie mit gebündelten Kräften die Banne zu überwinden.

„Komm schon, ein bisschen mehr. Streng. Dich. An.“, polterte eine Hexe schrill und riss an ihren dunkelroten Locken. Ihr Zauberstab stach dabei in den Rücken einer blonden Hexe, die sich immerhin aktiv damit beschäftigte, die Banne zu überprüfen.

Hermine sah ebenfalls hoch zu den Bannen, die sicherlich kuppelförmig das Anwesen
umschlossen. Sie waren nicht wahrnehmbar für das bloße Auge, aber allzu fühlbar wie ein
elektrisierendes Prasseln auf der Haut, wann immer man zu nah heranging.

„Du kannst da wirklich nichts tun?“, flüsterte Hermine, denn sie wähnte sich nicht weit genug von allen Ohren entfernt, um in normaler Lautstärke zu kommunizieren.
Wo das Adrenalin abklang, sah sie ein, dass ihre Aktionen provokant und unüberlegt waren.
Vor sich selbst konnte sie die Fehleinschätzung und maßloses Selbstvertrauen eingestehen und war dankbar, dass Antonin seinerseits nicht darauf herumritt.

„Nein. Sonst wäre ich schon längst fort von hier. Ich weiß nicht, welcher Mechanismus hier greift, doch es würde zu lange dauern, die Banne herunterzulassen. Wahrscheinlich lassen sie von alleine nach und kosten weniger Kraft.“ Antonin klang angespannt und ein wenig interessiert.
Es reizte ihn sicherlich, sich zu den Hexen zu gesellen, die mittlerweile die friedliche Art ablegten und sich unumwunden anfeindeten.

Letztendlich zog er sanft an ihrer Hand, um sie weiter durch den Garten zu lotsen, vorbei an Hecken und Bäumen, die unbescholten ihren Platz einnahmen.

„Wer ist das?“ Hermine reckte den Kopf, als sie ein sehr inniges Paar entdeckte, welches die Gunst der Stunde nutzte, sich herauszuschleichen.
Wie man sich während die Welt in Flammen stand, derartigen Gelüsten hingeben konnte, war Hermine schleierhaft. Aber romantische Eskapaden waren noch nie wirklich ihr Ding gewesen…

Der Magier stand mit dem Rücken zu Hermine, die Kapuze über den Kopf geschlagen und nicht erkennbar für sie, doch sie sah, dass er eine Hexe gegen den Baum drückte.
„Keine Ahnung. Interessiert dich das wirklich jetzt?“
Sie musste Antonin nicht sehen, um zu wissen, dass er den Kopf über sie schüttelte.

„Ich weiß nicht. Würde mich schon interessieren, wie man in solchen Momenten – Halt, was …“ Hermine blieb ruckartig stehen, als sich dem schamlosen Paar eine weitere Gestalt näherte.

„Nicht dein Problem, Granger, also…“ Doch sie ignorierte Antonin und stemmte sich gegen seinen Griff. Er schnaubte, ließ es aber zu.
Sie konnte nicht hören, was die Turteltauben sagten, doch der Magier mit der Kapuze sprang von der Hexe fort, die ihren Rücken gegen den Baum drängte.

Hermine bildete sich ein, Angst in ihren Augen zu sehen, als die dritte Gestalt den Kapuzenmagier in ein Duell zwang und es gewann, nur um schließlich selbst die Hexe für sich zu beanspruchen.
Noch schlimmer befand Hermine nur, dass die Hexe das willig über sich ergehen ließ. Euphorisch sogar, wenn man ihren spitzen Schreien glauben durfte.

Hermine schüttelte immer mehr den Kopf über Reinblutetikette und Gepflogenheiten, ließ sich jedoch von Antonin weiterführen, dessen leises Lachen an ihre Ohren drangen. „Auch ohne dich zu sehen, weiß ich, wie sehr dich das entrüstet.“
Hermine fühlte sich angegriffen von dem Ton. Er kannte sie nicht und sollte auch nicht so tun, als wäre es anders.

„Entschuldigung? Ist das etwa als normal einzustufen?“ Sie wunderte sich, wie oft Antonin in so frivolen Situationen steckte, um das alles abzuwinken.
Sie verachtete es und hätte am liebsten seine Hand losgelassen, wäre die Gefahr nicht zu groß, ihn vollends zu verlieren.

Er gluckste und sein Daumen strich über ihr Handgelenk. Ein wenig zu innig, ein wenig zu nah. „Unter normalen Umständen definitiv nicht. Doch das Adrenalin macht etwas mit den Menschen hier. Die Gefahr, das Verbotene…“

Das konnte Hermine zumindest nachempfinden.
Sie hatte schon Aurorenkollegen und Kolleginnen erwischt, die im Eifer des Gefechts über Magier und Hexen herfielen, die sie eigentlich bekämpfen sollten, aber so angesteckt von den Gefühlen wurden, dass der Gegner allzu reizvoll wurde.

„Hm.“ Mehr würde sie dazu ganz sicher nicht sagen!
Wäre noch schöner, wenn sie ihm heimlich recht geben musste.
„Oh, und die Tränke helfen natürlich auch, um Hemmungen fallen zu lassen.“ Er sprach das so leger aus, als ginge es nicht um suspekte Substanzen.

Hermine fragte sich, wann der Abend wohl endlich enden mochte und wusste nicht, wie viele Botschaften des Grauens sie noch ertrug. „Die Malfoys verteilen Drogen hier?“
Antonin schnaubte und führte sie gemächlich durch den ruhiger gewordenen Teil des Gartens, als handelte es sich nur um einen Abendspaziergang. „Natürlich nicht. Also nicht öffentlich. Die werden unter der Hand serviert. Du gehst nicht oft auf Partys.“
Und sie wurde mal wieder daran erinnert, warum dem so war. „Nicht, wenn es sich vermeiden lässt.“

„Halt!“ Antonins freie Hand legte sich an ihre Schulter, damit sie erkannte, dass er nun vor ihr stand, statt neben ihr. Hermine versuchte zu ihm aufzusehen – was sich natürlich als Schuss in den Ofen herausstellte, denn nicht mal die Luft kräuselte sich um ihn.

„Ich höre…“, begann er hastig, doch wurde von schmatzenden Schritten auf dem schlammigen Boden unterbrochen.
„Sie müssen hier irgendwo sein! Drinnen sind sie nicht!“, polterte ein Magier, dessen Stimme rau klang. „Ach, was macht dich so sicher?“, keuchte ein weiterer Magier, der nur knapp zu dem anderen aufschloss.
„Crouch und der Wolf wären nie so ruhig gewesen, wenn sie ihre Hure noch im Haus geahndet hätten“, präsentierte der erste Magier seinen Geistesblitz und klang reichlich stolz auf seine Schlussfolgerung.

Hermine biss die Zähne fest aufeinander und hätte den beiden gerne etwas erzählt, so von Hure zu asozialen Barbaren ohne Anstand, doch dazu kam es nicht.
Die drei Hexen, die eben noch eifrig mit den Bannen beschäftigt waren, stießen zu ihnen. „Sie müssen in der Nähe sein! An den Bannen ist nichts zu rütteln. Selbst Dolohov kommt da nicht durch, wette ich mit euch.“

„Der hat doch eh immer nur große Fresse gehabt!“

„Ach? Meinst du, der war umsonst der oberste Fluchbrecher des Lords, weil der so hübsch war?“

„Pf. Wohl kaum.“

Sie spürte, wie Antonins Finger sich in ihre Schulter bohrten und tätschelte tröstend (und ein wenig schadenfroh) über seine angespannten Finger. So viel zum besonnenen Rückzug.
Antonin fixierte sich so auf die grässlich gehässigen Menschen vor ihm, dass ihm entging, dass sowohl von hinten, als auch von links weitere kleinere Gruppen sich näherten – ihr jedoch entging es nicht.

Hermine handelte aus einem Affekt und zwang ihn dazu, langsam zurückzuweichen.
„He? Hab da irgendwas gehört?!“ Eine Hexe schien genau in ihre Richtung zu sehen und Hermine sah sich hilflos um. Hatte sie ein Geräusch von sich gegeben?
Dennoch bewahrte die Aurorin Haltung. Sie war aussichtslose Lagen gewohnt und hatte sich noch aus jeder einzelnen davon erfolgreich herausmanövriert.

Bisher.

Sie umschloss Antonins Hand und zog ihn langsam weiter über grasbewachsene Stellen, um keinen Lärm zu machen oder Schritte zu hinterlassen.
Fest entschlossen, führte sie ihn einen Hügel herab, während der Suchtrupp nur ein paar
Meter von ihnen entfernt damit begannen Flüche abzufeuern oder sich nach verdächtigen Spuren umzusehen.

Zufriedenheit rauschte durch sie hindurch, dass Antonin ihr genügend vertraute, anstatt selbst aktiv zu werden.
Er ließ zu, dass sie ihn führte, Entscheidungen traf, wo sie sich langbewegten und nicht einmal versuchte, zurück zu steuern.

Eine clevere Entscheidung, denn so riskierten sie nicht, übereinander zu stolpern oder in gegensätzliche Richtungen zu taumeln. Aber auch so genoss sie es, dass er sie nicht zu hinterfragen schien.

Besser so, denn sie nahm einen kühnen Weg.
Statt sich weiter in die Ecke drängen zu lassen und zu riskieren, dass die Suchenden sie mit dem Rücken gegen die Heckenwand des Labyrinths drängten, nahm Hermine eine Schleife zurück zu dem Trupp.
Sie spürte, wie Antonins Finger kurz zuckten, ansonsten jedoch bereitwillig um ihre Hand lagen. Er folgte ihr, obwohl er es für eine schlechte Idee hielt.

„Sie müssen hier sein“, knurrte eine Hexe mit gekräuseltem Haar und deutete immer wieder auf den Boden. „Er ist warm… Genau hier stand jemand“, gackerte sie und sah sich um.

Hermine ließ sich dadurch nicht beirren.
Sie hielt den Atem flach, als sie eine Lücke zwischen zwei Hexen nahm und hoffte, dass Antonin weiterhin so geschmeidige Bewegungen nutzte wie während der Duelle. Nichts dürfte sie nun verraten.

Im offenen Feld würden sie sicherlich erwartet, also zog Hermine ihn immer weiter zurück, weit weg vom raschelnden Gebüsch und hinein in den hübschen Steingarten, der mit
allerhand Skulpturen und Gargoyles ausgestattet wurde.

Die Hexe wähnte sich nun ausreichend geschützt und ließ sich langsam mit Antonin zu Boden gleiten, falls doch jemand einen Schuss riskierte.
Sie fühlte sich grundsätzlich trotz Desillusionierungszaubern sicherer, als sie von den Statuen verborgen wurden.

Hermine ließ sie zu einem erleichterten Aufatmen hinreißen, denn war der Abstand zu dem Suchtrupp noch immer recht gering, so fühlte sie sich einfach geschützter.

Die Gryffindor genoss das Gefühl, aus der Schusslinie zu stehen so sehr, dass ihr für ein paar selige Augenblicke entging, wie viel Kontakt dieses Versteck mit sich brachte.
Antonins Körper fand sich dicht an ihre Seite gedrängt, sodass sein Arm an ihrem rieb und die Länge seines Körpers an ihrem ruhte. Seine Hand lag auf ihrem Schoß mit ihrer eigenen Verwobenen.

Doch wieso sollte sie das scheren, wo unweit von ihnen die Stimmen erschollen wie ein wütendes Brummen?
„Die können nicht weit sein, wenn ich es doch sage!“, jammerte der rundliche Magier, der die Hände auf die Knie stützte und den Kopf vornüber fallen ließ.

„Der Garten ist riesig und die können sich überall verkriechen wie die Ratten.“

„Von der Aurorenschlampe habe ich nichts anderes erwartet, aber Dolohov? War der immer so feige?“

„Jaah, hat sich immer mit allem gebrüstet, dabei nie viel gemacht! Hab immer schon gesagt, der ist nichts wert. Seine ganze Familie waren lächerliche Emporkömmlinge, hab’s doch immer gesehen!“

Es gefiel Antonin nicht.
Das hätte Hermine schon gewusst, würden sich seine Finger nicht schraubstockmäßig um ihre Hand wickeln. Sein Bein zuckte, als musste er sich davon abhalten, aufzustehen.
Er kauerte angespannt neben ihr, die Atmung beschleunigt und Hermine spürte jede seiner Berührungen.

Die Hexe meinte sogar das gereizte Gesicht vor ihrem inneren Auge zu sehen. Er schnaubte leise, wofür sie ihm zur Warnung in die Seite stieß.
Antonin kommentierte das nicht, ließ sich nur vorsichtig zurückgleiten und strich entschuldigend mit dem Daumen über ihren Handrücken, als wäre ihm erst in dem Moment aufgefallen, was er tat.

Sie wusste, ginge es nicht um sie, wäre er längst aktiv geworden, doch jeder wusste, dass er es war, der sie aus dem Kreuzfeuer gerettet hatte, also wüsste auch jeder, dass sie in der Nähe steckte.
Er ließ sich diese Schmährede nur gefallen, weil es um ihr Leben ging.
Es wärmte sie, denn er war ihr nichts schuldig. Er gehörte nicht zu ihrem Team, auch wenn es sich alles verdammt vertraut anfühlte.

„Danke“, murmelte sie sehr froh, dass er nicht sehen konnte, wie ihre Wangen sich verfärbten.

Hinter ihnen begann der große Brunnen sein Wasser durch den Schlangenkopf schießen zu lassen. Laut plätschernd füllte es das Steinbecken und zog alle Aufmerksamkeit ruckartig auf sich.
Hermine fühlte sich wie ein Rentier im Scheinwerferlicht, als nicht nur der Brunnen sein Eigenleben entwickelte, sondern kreisrunde Lampions sich über ihnen ausbreiteten und mit sanftem Licht zu diesem Spektakel einluden.

Entgeistert verharrte Hermine neben Antonin gedrängt und fragte sich, wann die obligatorischen Leuchtpfeile auf sie niederrieseln würden, um ihren Standort anzuzeigen.
Doch zu ihrem Glück kannte jeder außer ihr dieses Phänomen und der Brunnen lenkte nur wenig Aufmerksamkeit auf sie.

„Eitler Pfau gewesen dieser Lucius, was? Wundert mich, dass nicht noch eine Horde Jungfrauen da aus dem Brunnen aufsteigen“, knurrte die Krauselhaar-Hexe neidisch.
„Das Schlammblut wäre mir lieber als ne Jungfrau“, murrte der Magier mit der rauen Stimme und sein rundlicher Kumpane kicherte. „Die ist keine Jungfrau mehr. So wie die sich in die Gesellschaft nach oben gevögelt hat…“
Die Krauselhaar-Hexe nickte kichernd. „Was sonst? Wir sollten ihr diese selbstgefällige Art aus dem Leib hexen und sie in dem Brunnen liegen lassen.“

„Yeah, sie und Dolohov.“ Der rundliche Mann kam endlich wieder zu Atem und war mehr als bereit, ihn für dramatische Äußerungen zu nutzen.

„Dolohov? Hm. Der ist immerhin nicht ganz so verdorben, oder? Fehlgeleitet wohl, wenn er der Schlammblut-Schlampe den Hof macht, aber…“

„Nichts aber! Dem man immer schon angesehen, was für ein Verräter er war!“

„Der Lord hat ihm aber vertraut…“

„Und dafür bezahlt, jawohl! Immer schon wurde gemunkelt, der würde den Lord verraten, wenn er könnte. Rosier behauptet sogar, dass Dolohov sogar von innen heraus intrigiert hat und Missionen boykottierte, indem er Banne zerlegte, brüchig erschuf oder betont Banne von Orten nicht entschlüsselte! Merkt euch meine Worte, einmal Verräter, immer Verräter!“

Hermine, die solche Verdächtigungen zum ersten Mal hörte, horchte auf.
Antonin neben ihr zeigte keinerlei Reaktion und das stimmte sie noch bedächtiger. Was war wirklich vorgefallen in den Reihen der Todesser?
Hermine nagte auf ihrer Unterlippe, doch gerade, als sie dachte, sie kämen nie von der Stelle, stürmte eine Hexe auf den Trupp zu.

„Sie müssen drinnen sein! Ich habe gerade gehört, wie der Wolf zu Crouch gesagt hat, er hätte Granger drinnen versteckt!“

Von der Fehlinformation abgelenkt, zogen sie mit gezückten Zauberstäben ab und Hermine stieß ein leises Lachen aus. „Wie clever von Greyback.“
Antonin summte nachdenklich. „Wie dumm von denen.“ Er erhob sich und zog Hermine am Arm zu sich hoch. „Hier können wir nicht bleiben.“

Ohne weitere Worte führte er sie dieses Mal an.
Es war ihr recht, denn ihr Kopf war nun mit anderen Dingen gefüllt.
Konnte das alles stimmen oder war das Wutgerede ausgelöst durch den Abend? Hatte Antonin tatsächlich mutwillig Voldemort hintergangen?

Er führte sie ungeachtet ihrer rasenden Gedanken hinüber zu den Stallungen, die sie schon von der ersten Begegnung kannte. Kaum über die Schwelle getreten, fielen die Desillusionierungszauber von ihnen, als würden sie mit eisigem Wasser abgewaschen.

„Hm. Wie ungewöhnlich“, murmelte Antonin und sah auf seine freie Hand, die er vor seinen Augen wendete. Nur am Rande nahm Hermine wahr, dass er ihre nicht losließ, denn etwas an seinem Ton ließ sie stutzen.

„Was kann an dem Abend noch ungewöhnlich sein?“ Sie fühlte sich erschöpft und ein wenig übermüdet. Nun, wo das Adrenalin sich verabschiedete, tat das auch ihr Drang, sich in wilde Duelle zu stürzen.

„Lucius hat diesen Zauber aktiviert, der es unmöglich machte, sich unbemerkt in die Stallungen zu schleichen. Eine Art Diebstahlschutz nehme ich an. Aber er funktioniert, obwohl …“ Er hob die Augenbrauen und musterte die Tiere in ihren Pferchen. Keines schien aufgeschreckt von ihrem Erscheinen und an Menschen gewöhnt.
Nicht mal die Flüche und der Lärm schienen ihnen etwas auszumachen, als wäre es an der Tagesordnung für sie.

Die Abraxaner verloren bereits das Interesse an den Ankömmlingen, während die Thestrale ihre seltsamen Augen nicht von ihnen lösten, aber auch keine Geräusche von sich gaben.
„Vielleicht hält Narcissa die Banne aufrecht“, mutmaßte Hermine. „Oder Draco.“
Antonin nickte langsam, wirkte jedoch nicht überzeugt von der Theorie. „Komm.“

Beide verzogen sich in eine verlassene Nische in der Hoffnung, gut versteckt dort zu sein.
Immerhin war der kleine Verschlag sauber und trocken.
Von außen sah man sie nicht und selbst, wenn jemand den Kopf hineinsteckte, wären sie nicht auf dem Silbertablett und könnten aus dem Fenster hinter ihnen hechten.

Für den Moment musste es reichen.
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