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Motors, Speed and ... Love

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance / P18 / Het
17.04.2022
28.06.2022
28
102.487
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Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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23.06.2022 4.402
 
Ich lege den Kopf auf Vinces Schulter ab und genieße einfach jeden einzelnen Sinneseindruck. Der Anblick des blauen Meeres, der Geruch des Salzwassers, das Gefühl der ankommenden Wellen und natürlich Vinces Arme, die mich umschlingen. Ich liebe ihn dafür, dass er mit mir hierhergefahren ist. Wie sehr habe ich mir das für die Ferien gewünscht.
Ich bin mir gar nicht mal so sicher, ob ich das jemals vor ihm erwähnt habe. Doch so oder so, er hätte mir keine schönere Überraschung machen können, obwohl meine Geduld nach den vier Stunden Fahrt hierher echt überschritten war. Man kann mich nicht einfach so in ein Auto setzen und nicht sagen, wo es hingeht. Das war schon eine kleine Folter. Aber sie hat sich gelohnt. San Luis Beach ist einfach atemberaubend. Wie oft ich ihn gefragt habe, ob wir wirklich noch in Texas sind. Denn es entspricht nicht im Geringsten dem Bild, das ich von Texas habe. Es wirkt hier mehr wie ein kleines Paradies in der Südsee. Hier gibt es sogar Palmen. Naja, nur auf unserer Hotelanlage, wo wir uns für die nächsten zwei Tage einquartiert haben. Aber das macht es mit dem Meer im Hintergrund nicht weniger schön.
Ich schließe die Augen und atme tief ein. Die Luft ist hier ganz anders, denn es ist hier nicht so heiß und stickig. Der Wind und die kalten Wellen, die auf meiner Haut brechen, geben mir die beste Abkühlung seit über drei Wochen.
Ich habe keine Ahnung, wie ich mich bei Vince für den Trip bedanken kann. Wie er schon wieder daran dachte mir etwas Gutes zu tun, obwohl er übermorgen schon das nächste Rennen fährt und somit eigentlich andere Gedanken im Kopf haben sollte.
„Danke“, hauche ich. Das sollte doch schon wenigstens ein Anfang sein. Seine Antwort darauf ist ein Kuss auf meine Schulter, was mich lächeln lässt.
„Ist es endlich die Abkühlung, die du dir erhofft hast?“
„Absolut“, gebe ich lachend zurück. Ich drehe den Kopf jetzt etwas, womit mir mehr Vinces definierte Schulter und Oberarm ins Auge fallen. Meine Finger streichen automatisch über seine gebräunte Haut.
„Sag mal, wie kann man so schön braun werden, wenn man ursprünglich aus Nebraska stammt?“
„Meine Mom war zur Hälfte Mexikanerin.“ Ach… das erklärt ja dann so einiges, unter anderem seine dunklen Augen und Haare.
„Dann hast du aber anscheinend nur das Aussehen von ihr.“
„Irgendwie klingt das wie eine Beleidigung.“ Echt? Dafür hört er sich aber so an, als würde er fett darüber grinsen.
„Naja, haben Mexikaner nicht immer solch ein feuriges Temperament?“
„Willst du mir gerade durch die Blume sagen, dass ich nicht leidenschaftlich genug bin?“ Das lässt mich heftig auflachen.
„Ich glaube, du verstehst mich falsch.“ Er beugt sich nach hinten, um mich anzusehen. „Ich meine eher das alltägliche Temperament. Du bist sehr geerdet und gelassen.“
„Ist das jetzt was Gutes oder Schlechtes?“
„In meinen Augen etwas Gutes.“
„Dann wünscht du dir mich nicht feuriger?“
„Nein, du gefällst mir so, wie du bist.“ Ich hätte jetzt eine andere Reaktion als Skepsis erwartet, daher werde ich unter seinem Blick gefühlt immer kleiner. Ich will das gerade noch etwas ausführen, da ich glaube, dass er mich noch immer missversteht, doch seine Hand, die sich plötzlich unter meine Bikinihose schiebt und über meine Mitte streicht, lässt mich aufkeuchen.
„Geerdet und gelassen, ja? Bist du dir da sicher?“ Ich habe keine Ahnung, was er mir gerade demonstrieren will, doch sein Fingerspiel, das er soeben beginnt, führt dazu, dass ich mich fest an seinen Oberarmen festhalten muss. Und auch meine Beine, die um ihn geschlungen sind, versteifen sich.
„Ich würde es dir am liebsten überall und jederzeit besorgen. Nennst du das geerdet und gelassen?“ Das flüstert er mir ins Ohr und lässt dabei langsam einen Finger in mir verschwinden.
„Vince“, bettle ich, weil ich das schon wieder sehr überfallend finde, aber zu schwach bin, mich dem zu widersetzen. Es reicht schon, dass er mich gestern zu dem Sex auf dem Aufsichtsturm gebracht hat. Doch jetzt hier mitten im Meer mit all den Leuten und Familien um einen herum, muss das nicht sein.
„Jede verdammte Sekunde, wenn du nicht bei mir bist, denke ich darüber nach, wann und wie ich dich als nächstes haben kann.“ Es folgt der zweite Finger, worauf sich meine wiederum immer tiefer in seine Haut bohren. „Und dieser Trip hier dient, neben der Gelegenheit dir endlich deine gewünschte Abkühlung zu verschaffen, mir allem voran dazu, dich endlich für ganze 24 Stunden nur für mich zu haben. Ohne meinen oder deinen Dad um uns herum. Ohne Jake, den ich nach wie vor nicht in deiner Nähe will. Ohne ständig daran erinnert zu werden, dass ich mich gerade in einem Wettkampf befinde. Ich will nur dich und mich. Und am besten immer Haut an Haut.“ Während er das sagt, presst er mich noch fester an sich.
„Vince.“ Das kommt jetzt so abgehakt aus mir heraus, dass man daraus keinesfalls deuten kann, dass ich das genauso will.
„Mag sein, dass ich nicht das feurige Temperament eines Mexikaners habe, doch ich hoffe, du spürst wenigstens, welches Feuer du in mir entfachst und wie sehr ich bemüht bin dieses Feuer auch in dir zu entfachen. Damit du nachvollziehen kannst, was du stets in mir auslöst.“
„Schon längst entfacht“, keuche ich. „Brenne für dich.“ Das kommt alles immer abgehakter aus mir heraus, denn ich versuche mit zusammengekniffenen Augen hier nicht auf der Stelle zu explodieren.
„Genau das wollte ich hören.“ Er küsst mich am Hals und seine Finger umkreisen meine Klit auf eine teuflische Weise, die mich immer mehr verkrampfen lässt. „Und jetzt will ich, dass du für mich kommst. Still und leise. Schließlich will ich den Rest des Tages noch weiter so mit dir genießen und nicht in einer Arrestzelle.“ Schon wieder stöhne ich verzweifelt seinen Namen.
„Sorry, Baby! Aber du bist diejenige, die mich ständig zu solchen Aktionen verleitet. Ich will dich! Einfach immer! Und es törnt mich unglaublich an, wenn du dich mir in jeder Situation so hingibst. Das gibt mir ein unbeschreibliches Gefühl, nachdem man einfach süchtig wird.“ Nun treibt er es mit seinem Spiel auf die Spitze. Immer wieder abwechselnd streicht er mir durch die Lippen, um dann mit dem Finger wieder in mich einzudringen. Das ist zu viel.
„Komm schon, Baby! Schenk mir das, wonach ich mich sehne. Lass los!“ Ich lasse los und es ist verdammt schwierig diese Gefühlsexplosion, die meinen ganzen Körper ergreift, bei mir zu behalten. Ich kralle mich förmlich an seine Arme und drücke mein Gesicht in seine Halsbeuge, solange, bis mein zitternder Körper wieder zur Ruhe kommt.
Während ich den Blick wieder aufs Wasser gleiten lasse, um den Frieden des Meeres auf mich übergehen zu lassen, streicht mir Vince unablässig durch die Haare und verteilt immer wieder Küsse auf meiner Haut.
„Das war hinterhältig.“ Darauf sagt er nichts, doch ich bin mir sicher, dass er wieder sein kackfreches Grinsen auf den Lippen hat. „Es törnt dich also an Macht über mich zu haben?“ Er nimmt mir jetzt zum zweiten Mal meine Kopfstütze. Ich sehe sofort, dass ich schon wieder das Falsche gesagt habe. Also langsam sollte man mir den Mund zutackern.
„Nein!“, sagt er überaus ernst. „Es gefällt mir, wenn deine Lust in meinen Händen liegt. Wenn ich es bin, der dir diese bereitet und dass es mir das Gefühl gibt, dass du nur mich willst.“ Ich ahne, was schon wieder dahintersteckt.
Ich nehme sein Gesicht in beide Hände.
„Ich will nur dich“, sage ich so überzeugend wie möglich. „Und ich gehöre ganz allein dir.“ Ich hoffe, er versteht endlich, was ich damit andeute und dass seine Angst unbegründet ist. Diese Angst jedenfalls.
Ich kann sehen, wie es bei ihm rattert und dass das noch nicht ganz ankommt. Es fällt ihm anscheinend wirklich schwer. Ich weiß nicht, warum er nicht glauben kann, dass ich das gleiche für ihn empfinde. Hält er so wenig von sich? Das lässt unerwartet wieder diese Wut auf seinen Dad auflodern, doch sie schafft es nicht ganz von mir Besitz zu ergreifen, denn Vince überfällt mich plötzlich mit einem heftigen Kuss. Nun ist es wohl angekommen.
Es nimmt schnell wieder überhand, womit ich ihn wie üblich bremsen muss. Denn ich verdränge mit Sicherheit nicht noch einmal, wo wir uns hier befinden. An einem öffentlichen Strand. Daher lege ich einen sanfteren Gang ein, denn das sollte doch noch erlaubt sein. Ein einfaches Paar, das einfach nur seine Gefühle füreinander auslebt. Und das vor dieser traumhaften Kulisse. Das sollte definitiv erlaubt sein.

„Ist dir klar, dass wir gerade zum ersten Mal richtig zusammen essen? Das fühlt sich an, als würden wir uns rückwärts daten.“ Ich grinse in mein Weinglas hinein, bevor ich einen Schluck nehme.
Er lacht erst kurz darüber auf, doch dann setzt er einen Ausdruck auf, als ob er ernsthaft darüber nachdenken würde.
„Dann hätte ich das schon früher machen sollen?“
„Nein! Es ist schon okay so, wie es ist.“ Er sieht noch immer nicht entspannt aus. „Warst du denn jemals zuvor mit einer Frau richtig essen?“ Die Frage liegt mir durch seine Unsicherheit jetzt irgendwie auf der Zunge. Er schüttelt leicht verlegen den Kopf. „Wie sahen denn deine bisherigen Dates für gewöhnlich aus?“
„Ich glaube nicht, dass man das, was ich bisher hatte als Dates bezeichnen konnte.“ Mir kommt bei seiner Antwort unweigerlich ein Satz von Jake in den Kopf.
„Dann hattest du bisher hauptsächlich Freundinnen mit gewissen Vorzügen?“ So, wie er aussieht, ist ihm bei dem Thema etwas unwohl. Glaubt er, dass das jetzt irgendetwas bei uns ändern würde?
„So etwas in der Art“, nuschelt er schon fast unverständlich, während er sich gleichzeitig eine Gabel von seinem Salat in den Mund stopft, was mich unweigerlich schmunzeln lässt. Ich weiß nicht wieso, aber irgendwie amüsiert mich das.
„Vince, es ist okay, wenn dem so war. Dafür musst du dich keinesfalls schämen. Ist es nicht sowieso das Gängigste, was Leute in unserem Alter praktizieren?“ Himmel, habe ich das gerade wirklich gesagt? Naomi würde mich jetzt wieder tadeln, wie altbacken ich doch klinge. Und sein leicht irritierter, aber irgendwie auch amüsierter Blick bestätigt mir das.
„Hast du denn das schon so praktiziert?“ Er betont das Wort praktiziert besonders scharf, weswegen ich nur noch mehr über mich den Kopf schütteln könnte.
„Nein, nicht wirklich.“
„Aber du hattest diese klassischen Dates wie diesem hier?“
„Ja, nur zur Genüge“, gebe ich ungewollt genervt zurück, worauf er die Augen weitet. Darauf sitze ich plötzlich kerzengerade. „Versteh mich nicht falsch. Das sollte kein Urteil über unser Date sein. Das ist mit Abstand das Beste von allen, was aber hauptsächlich an meinem Gegenüber liegt.“ Da sein Grinsen immer breiter wird, bin ich überzeugt, mich gerade noch so aus der Schlinge gewunden zu haben.
„So schlimm, ja?“
„Du hast ja keine Vorstellung.“ Sein lautes Lachen erschreckt mich ein wenig. Ich will nicht wissen, wie ich schon wieder geklungen habe.
„Das musst du jetzt weiter ausführen. Was waren das für Typen?“
„Seltsame Typen.“ Er macht eine Handbewegung, dass ihm diese Ausführung nicht reicht.
„Muttersöhnchen, Verschwörungstheoretiker, Snobs und der Klassiker. Kerle, die ausführlich recherchiert haben und mich während des Dates fragten, ob ich für sie ein Praktikum bei meinem Dad organisieren könnte.“ Ich nehme einen kräftigen Schluck von meinem Wein.
„Okay… das klingt nach reiner Zeitverschwendung.“ Oh ja, das waren sie. „Also, wenn dich das beruhigt, ich habe keine Mutter, von Verschwörungen halte ich nicht viel, Snobs würde ich am liebsten verhauen und ein Praktikum bei deinem Dad brauche ich nicht, da ich quasi schon für ihn arbeite.“ Das bringt mich heftig zum Lachen. „Habe ich somit bessere Chancen?“ Ich brauche eine ganze Weile, bis ich mich wieder einkriege.
„Du bist auf jeden Fall unter den Top Dreien.“
„Gut, sag mir, wer meine Konkurrenten sind!“ Mir gefällt das Spiel. „Und wehe du sagst jetzt Jake.“ Das lässt mein Lächeln sofort verblassen. Das reicht! Ich muss endlich wissen, was hinter seiner Eifersucht steckt.
„Was ist das nur mit ihm? Warum reagierst du so auf ihn? Ich dachte, ihr seid Freunde.“ Er atmet laut ein und meidet nun meinen Blick, indem er seinen über die Terrasse schweifen lässt.
„Sind wir.“
„Aber?“ So, wie er sich gerade windet, muss irgendetwas vorgefallen sein. „Vince!“ Er schaut mir enorm unsicher wieder in die Augen.
„Als ich in Texas ankam, hatte Jake eine Freundin. Sie waren wohl auch schon recht lange zusammen.“ Er macht eine Pause, die ich aber nicht unterbrechen will. Soll er sich die Zeit nehmen, wenn es ihm schwerfällt darüber zu reden. „Wir hingen zu Beginn recht oft zu dritt ab. Doch …“ Er nimmt einen Schluck von seinem Bier. Um sich zu beruhigen? „Irgendwann suchte sie immer mehr meine Nähe, wenn er nicht dabei war.“ Oh… Jetzt kann ich mir denken, was passiert ist.
„Du hast mit ihr geschlafen und hast jetzt Angst, dass Jake dir es mit gleicher Münze heimzahlt.“ Er wirkt völlig schockiert.
„Was? Nein! Ich habe sie nicht angerührt. Schließlich war sie seine Freundin. Aber sie drängte sich mir immer mehr auf und ich wusste einfach nicht, was ich tun sollte. Er liebte sie und ich brachte es nicht übers Herz ihm das zu sagen. Aber gleichzeitig belastete es mich immer mehr. Nicht nur, dass mich das unglaublich nervte, ich hielt es auch nicht für fair ihn so im Ungewissen zu lassen.“ Schon wieder eine Pause. Er macht es aber auch spannend.
„Und wofür hast du dich entschieden?“ Er zuckt mit den Schultern.
„Ich habe es ihm erzählt.“
„Wie hat er reagiert?“
„Er hat mir nicht geglaubt.“
„Was?“
„Die beiden waren schon seit Jahren zusammen, mich hingegen kannte er erst seit wenigen Monaten. Ich konnte es irgendwie nachvollziehen.“
„Und wie kam es letztendlich raus?“
„Mir blieb nichts anderes übrig, als es ihm zu demonstrieren.“
„Das hast du nicht“, entfleucht es mir.
„Was hätte ich sonst tun sollen? Es so weiterlaufen lassen?“ Nein, aber ihm auch nicht seine untreue Freundin vor der Nase vorführen müssen.
„Und was dann?“
„Sie trennten sich. Und er mied mich für einige Monate. Er brauchte eine Weile, bis er meine Gegenwart wieder duldete, aber irgendwann entschuldigte er sich sogar bei mir, dass er mir nicht geglaubt hat.“ Jake und seine Entschuldigungen. Wie vielen Menschen er dafür ein Vorbild sein könnte.
Ich lasse mir die Geschichte noch einmal durch den Kopf gehen und das lässt nun einige Unterhaltungen mit Jake in einem völlig anderen Licht erscheinen. Aber das eigentliche Problem erklärt es mir immer noch nicht.
„Bei allem Respekt, aber mit solch einer Erfahrung hätte doch Jake allen Grund dazu misstrauisch an eine neue Beziehung heranzugehen. Warum bist aber du derjenige, der eifersüchtig ist?“ Er sieht nun auf seine Salatschüssel und stochert darin mit seiner Gabel herum.
„Kurz nach seiner Trennung war die alljährliche Party zum Abschluss der Trainingsphase. Und verständlicherweise hat sich Jake ordentlich betrunken. Und umso mehr sein Pegel stieg, desto redseliger wurde er. Normalerweise war er es, der den Jungs zuhörte und sich mit seinen eigenen Problemen zurückhielt. Doch da ließ er alles raus und fand gleich mehrere Gleichgesinnte. Wie die Jungs alle ihre Karrieren mit einer Freundin begannen und spätestens nach der ersten Saison wieder Single waren. Ich war der jüngste in der Truppe und sie hielten es wohl daher für notwendig mir zu raten, dass in unserem Metier verlieben verboten sei, dass einem sowieso nur das Herz gebrochen werden würde.“ Ich versuche das alles zu ordnen. „Und daran hielt ich mich bis jetzt.“ Er sieht immer wieder verunsichert zu mir auf.
„Du willst mir jetzt sagen, dass du auf den Rat von volltrunkenen Idioten gehört hast?“
„Ich war jung, unerfahren, was Frauen anging, und zudem der Neue in der Runde. Und es zeichnete sich ab, dass ich zum ersten Mal länger an einem Ort bleiben würde. Ich wollte dazu gehören.“ Gut, das macht Sinn. Aber eins ist immer noch offen.
„Ja, gut. Aber warum ausgerechnet Jake?“
„Keine Ahnung. Er mag dich und du hängst so oft mit ihm ab. Und ich weiß noch, wie sauer und verletzt er war, als er sah, wie sich seine Freundin an mich heranmachte. Ich befürchte einfach, dass er vielleicht irgendwann doch nochmal auf die Idee kommt mir ebenso demonstrieren zu wollen, wie es sich anfühlt, wenn die Frau, die man …“ Er räuspert sich kurz. „Wie schmerzhaft es sein kann die Freundin mit einem anderen zu sehen.“ Okay, das kann ich verstehen. Sein schlechtes Gewissen ihm gegenüber ist wohl noch immer groß.
Ich setze ein paar Mal an, weiß aber nicht, was in diesem Moment das Richtige ist.
„Genau genommen hänge ich nicht mit ihm ab.“ Ich rümpfe die Nase, weil das nicht annähernd das Richtige war. „Entweder musste er mich bisher behandeln oder er setzte sich ungefragt zu mir, während ich dir beim Training zusah.“ Okay, das war eindeutig nicht das Richtige. Er kneift leicht die Augen zusammen.
„So ähnlich fing das mit Juliet auch an.“ Juliet? Ich gehe mal davon aus, dass war Jakes Freundin.
Ich schiebe meine Salatschüssel beiseite und beuge mich auf den Tisch.
„Du brauchst dir keine Sorgen machen, dass er dir etwas demonstrieren will. Du bist wie ein Bruder für ihn. Und er hat mir anfangs sogar gedroht, sollte ich mit deinen Gefühlen spielen.“ Das überrascht ihn offensichtlich. „Er hat zwar zugegeben, dass er mich um ein Date gebeten hätte, wenn die Ausgangssituation anders gewesen wäre, aber er tat es nicht, weil er sah, was zwischen uns ist.“ Nun nehme ich seine Hände in meine. „Er ist dein Freund. Er würde niemals etwas tun, das dir wehtun könnte. Genauso, wie er weiß, dass du ihm nicht wehtun wolltest.“ In seinem Blick liegt Schmerz, Reue, aber auch noch immer leichte Angst. „Und wie oft habe ich dir jetzt schon gesagt, dass ich kein Interesse an Jake habe? Es tut mir leid, dass er und die anderen Jungs solche Erfahrungen gemacht haben und ich kann verstehen, dass sie dich davor bewahren wollten. Aber ich bin gewiss nicht wie Juliet. Auch wenn ich dir zu Beginn vielleicht das Gefühl vermittelt habe, weil ich so darauf pochte es aufgrund meiner Abreise locker zu halten. Doch weder habe ich das Bedürfnis nach Jakes Nähe noch will ich mich in zwei Wochen von dir verabschieden. Daher habe bitte ein wenig Vertrauen. In mich und in Jake.“ Nun kann ich rein gar nichts aus seinem Gesicht ablesen. Schon interessant, wie er in einer Sekunde seine komplette Gefühlswelt offenlegt und er in der nächsten wiederum einem Binärcode gleicht.
„Hast du noch Hunger?“
„Was?“ Absoluter Binärcode.
„Ob du noch Hunger hast?“
„Wieso? Hast du noch etwas anderes vor?“
„Ja.“
„Das da wäre?“
„Ich denke, der Tag war lang genug. Ich will mit dir endlich aufs Zimmer.“ Das bringt mich unweigerlich zum Schmunzeln.
„Haut an Haut, was?“, frage ich amüsiert, lasse seine Hände los und lehne mich mit verschränkten Armen nach hinten.
„Du hast es verstanden.“
„Weißt du, nicht alle Probleme kann man mit Sex lösen.“
„Wer sagt, dass ich damit ein Problem lösen will?“
„Dann redest du dir noch immer ein, mich mit Orgasmen an dich binden zu können?“
„Auch das ist nicht gerade der Fall.“
„Dann erkläre mir doch bitte, woher so plötzlich der Drang danach kommt! Schließlich haben wir noch zwei Gänge vor uns. Kann es nicht bis danach warten?“ Ihm gefällt es nicht, dass ich ihn zappeln lasse. Mir gefällt es hingegen umso mehr. Liegt aber vielleicht auch nur daran, weil ich mein Vergnügen vorhin schon hatte und somit die Nummer hier locker durchziehen kann. Ansonsten wäre ich wahrscheinlich schon längst mit ihm im Fahrstuhl und würde bereits wieder über ihn herfallen.
„Ich will dich einfach! Jetzt!“
„Um dir oder mir was zu beweisen?“ Oh je … Ich fordere seine Geduld gerade ordentlich heraus. Nun lehnt er sich ebenfalls nach hinten, wirkt dabei aber um einiges lockerer und cooler als ich.
„Ich will, dass du mir was beweist.“ Mein Grinsen verblasst und meine Arme senken sich von allein. Dafür zucken jetzt seine Mundwinkel.
„Was?“, hauche ich kaum hörbar. Statt mir zu antworten, gehen seine zuckende Mundwinkel zu einem teuflischen Grinsen über und seine Augen werden um einiges dunkler. Mein Herzschlag beschleunigt sich umgehend und meine Haut erhitzt sich so sehr, als hätte jemand einen Heizstrahler direkt auf mich gerichtet und auf Maximum gedreht. Ich presse die Schenkel zusammen und rutsche schon fast auf meinem Stuhl hin und her.
Sein Blick wird immer intensiver, womit ich es nicht weiter aushalte. Ich hebe den Arm, ohne die Augen von ihm abzuwenden.
„Wir würden gerne zahlen“, sage ich laut, in der Hoffnung, dass ein Kellner mich gehört hat. Währenddessen wird Vinces Lächeln nur noch selbstsicherer. Er hat wohl doch einiges mehr von einem feurigen Mexikaner als nur das Aussehen.

„Beweisführung abgeschlossen?“, frage ich mit rasendem Atem, worauf er auflacht, was mich auf seinem Schoß noch einmal durchschüttelt.
„Beweisführung abgeschlossen und anerkannt.“ Das will ich auch meinen. Wenn ich mir hier keine Mühe gegeben habe, dann weiß ich auch nicht. Nun sollte er ja endgültig nicht mehr daran zweifeln, dass ich nur ihn will. Und dass das hier kein Ende haben wird, auch wenn ich in zwei Wochen abreise.
Er drückt mir noch einen heftigen Kuss auf den Hals auf, bevor er mich von seinem Schoß hebt und auf die Beine kommt. Während er ins Bad geht, wickle ich die Decke um mich und lehne mich nach hinten an die Bettwand.
„Sag mal, wann willst du morgen eigentlich los?“
„Erst abends“, ruft er mir zu.
„Echt? Willst du nicht noch ein wenig trainieren, bevor es in das nächste Rennen geht?“
„Ich habe genug trainiert.“ Er kommt wieder aus dem Bad und setzt sich direkt vor mich hin.
„Aber …“
„Ich kenne die Strecke wie meine Westentasche und meine Mitfahrer ebenso.“ Gut, wenn er das sagt. „Und ich will noch jede einzelne Minute hier mit dir genießen.“ Mein Gott, ich müsste jetzt grinsen wie ein zwölfjähriges, verliebtes Mädchen.
„Übrigens, es gibt da etwas, was ich dir eigentlich schon vorhin geben wollte.“ Nun kräusle ich die Stirn. Er holt plötzlich seine Hand hinter seinem Rücken hervor und hält sie mir entgegen. Ich erkenne sofort, was er da in der Hand hält und schaue somit schockiert zu ihm auf.
„Bitte sag mir, dass du nur meine Meinung als Frau dazu willst.“ Sein heftiges Auflachen beruhigt mich kein bisschen.  
„Ich würde schon gerne deine Meinung dazu. Aber nur vor dem Hintergrund, ob du sie so nimmst oder ich sie noch einmal umtauschen muss.“
„Vince, das kann ich nicht annehmen.“
„Du hast doch noch gar nicht gesehen, was drin ist.“
„Egal, was drin ist. Ich kann es nicht annehmen.“
„Wieso nicht? Darf man dir nichts schenken?“
„Doch! Aber mehr etwas in der Rubrik von Blumen oder Pralinen.“
„Willst du Blumen und Pralinen?“
„Vince!“ Er schnauft etwas unzufrieden auf.
„Ich dachte, Frauen freuen sich über so etwas.“
„Hast du es deswegen gekauft?“
„Nein, ich habe es gekauft, weil ich dir etwas schenken wollte.“
„Warum?“
„Warum nicht?“ Nun wird er genauso laut wie ich. „Ich habe jahrelang meine Preisgelder nur in irgendwelche motorisierten Fahrzeuge gesteckt, was mir auf einmal völlig sinnlos erscheint. Und jetzt habe ich die Chance, es endlich mal für etwas anderes auszugeben. Jemandem damit eine Freude zu bereiten.“ Das erinnert mich an Jakes Kommentar, dass sein Konto mit Preisgeldern nur so gefüllt ist. „Jedenfalls dachte ich, es würde derjenigen eine Freude bereiten.“ Nun klingt er mehr als enttäuscht, was mir sofort das Herz bricht.
Ich nehme ihm unweigerlich die Schachtel von Tiffany’s aus der Hand.
„Weißt du, so als Lektion nebenbei. So etwas …“ Ich halte die Schachtel etwas demonstrierend hoch. „… ist eher etwas für einen Jahrestag oder Geburtstag und nicht für den Moment nach dem Sex.“ Er lacht Gott sei Dank wieder.
„Da kannst du mal sehen, wie gut der Sex mit dir ist.“
„Lass das“, sage ich grinsend und schubse ihn ein wenig von mir.
„Das war ja so nicht geplant. Wie gesagt, ich wollte es dir eigentlich vorhin beim Essen geben.“ Da hätte ich genauso reagiert. „Schau es dir doch bitte wenigstens einmal an. Wenn es dir nicht gefällt, dann tausche ich es wieder um.“
„Es wird mir gefallen. Aber genau das ist ja das Problem. Ich will nicht, dass du mich so teuer und ausgefallen beschenkst.“
„Du willst mir doch jetzt bitte nicht erzählen, dass du zum ersten Mal so beschenkt wirst?! Dein Dad ist doch mindestens Multimillionär.“ Das hat er jetzt nicht wirklich gesagt?
„Wenn das der Grund hierfür ist, dann kannst du es gleich zurückbringen.“ Ich drücke ihm die Schachtel wütend zurück in die Hand.
„Fangen wir jetzt wieder von vorne an? Nein, das ist nicht der Grund dafür“, knurrt er und drückt sie heftig zurück. „Ich wollte dir etwas schenken. Dass du etwas von mir hast und dass dir zeigt, was du mir bedeutest. Und das wollte ich nicht mit billigem Modeschmuck ausdrücken. Oder mit Blumen, die nach drei Tagen verwelken.“ Wir starren uns nun beide wütend nieder.
„Also schön!“ Ich reiße förmlich die Schleife auf, ohne den Blick von ihm zu nehmen. „Aber eins sag ich dir, zu meinem Geburtstag oder zu unserem Jahrestag will ich langweilige Blumen, die nach drei Tagen verwelken.“ Obwohl ich das noch immer wütend hervorpresse, grinst er wie ein Vollidiot. Das lässt mich somit aber endlich den Blick von ihm abwenden und in die nun geöffnete Schachtel blicken. Der Anblick von dessen Inhalt verschlägt mir sofort den Atem. Ich hätte jetzt mit dem klassischen Tiffany Herz als Kette gerechnet, doch es ist eine filigrane Kette mit einem bläulichen Diamantanhänger. So schlicht und unscheinbar, aber genau deswegen unglaublich schön. Kein bisschen übertrieben, was nach meinem Geschmack bei Tiffany’s schon öfters vorkommen kann.
„Gefällt sie dir?“ Ich schaffe es nur zu nicken und es werden mir doch tatsächlich die Augen feucht. Ich glaube, ich habe noch nie ein schöneres Geschenk bekommen. Noch nie etwas persönlicheres. Noch nie etwas, das so zu mir passt.
„Darf ich sie dir ummachen?“ Er nimmt mir die Schachtel aus den Händen und ich drehe mich sofort um. Er schiebt mir die Haare beiseite und legt mir dann die Kette um den Hals. Meine Hand legt sich sofort darüber. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals so überwältigt war.
Er dreht mich wieder zu sich und ich glaube nun sind ihm meine Tränen der Rührung aufgefallen. Er zieht mich zurück auf seinen Schoß und wischt mir dann mit beiden Fingern sachte unter den Augen entlang. Bevor er seine Lippen auf meine legt, hauche ich noch ein Danke und ich hoffe, er weiß, wie viel mir dieses Geschenk bedeutet und dass die Tatsache, dass ich es jetzt doch widerstandslos annehme, zeigt, was er mir bedeutet.
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